Das Renovatio-Institut für kulturelle Resilienz (kurz: Renovatio) ist eine werteorientierte Denkwerkstatt in Trägerschaft der in Augsburg ansässigen St. Michael-Gesellschaft. Näheres über unsere Mitwirkenden und unsere Organisation erfahren Sie hier. Die Chronik unseres Vorhabens finden Sie hier.

Auftrag

Renovatio tritt für die Erneuerung Europas im Geist seiner abendländisch-humanistischen Tradition ein. Wir wissen um ihre Kraft, die Kulturen Europas zu immer höheren Werken zu inspirieren. In den Krisen unserer Zeit übernehmen wir Verantwortung für das uns überantwortete Erbe, damit es sich in den kommenden Jahrhunderten weiter entfalten kann. Wir dienen dem Gemeinwohl, indem wir dessen Träger und Bewahrer stärken und den geistigen Kräften entgegentreten, die es herausfordern. Wir unterstützen die Männer und Frauen, die durch ihr Wirken Institutionen erneuern und Ordnung stiften, wo Chaos herrscht.

Aufgaben

Zur Erfüllung seines Auftrags leistet Renovatio die folgenden Aufgaben:

  1. Die Krise der europäischen Zivilisation verstehen: Renovatio analysiert die existenziellen Herausforderungen denen die Gemeinwesen Europas gegenüberstehen. Unsere Absicht ist es aufzuzeigen, was in der gegenwärtigen Lage auf dem Spiel steht, aber auch, welche großen Aufgaben sich daraus ergeben.
  2. Antworten auf diese Krise finden: Renovatio erarbeitet Impulse zur Bewältigung der Krise Europas. Dazu erschließen wir die Ideale und Konzepte, die europäischen Gemeinwesen und ihren Institutionen die Kraft dazu verleihen können, in Krisenzeiten zu bestehen und neue Kraft zu gewinnen.
  3. Die Bewahrer Europas stärken: Renovatio unterstützt durch Bildungsangebote die Akteure, die an den entscheidenden Schauplätzen der Krise Europas durch ihren Dienst unserer Zivilisation Dauer verleihen.

Diese Aufgaben orientieren sich an Gedanken Joseph Ratzingers (Benedikt XVI.) über die Erfordernisse der Bewahrung und Erneuerung Europas in den Krisen unserer Zeit:

„Wie soll es weitergehen? Gibt es in den gewaltigen Umbrüchen unserer Zeit eine Identität Europas, die Zukunft hat und zu der wir von innen her stehen können? […] Europa braucht eine neue […] Annahme seiner selbst, wenn es überleben will. […] Wenn wir dies nicht tun, verleugnen wir die Identität Europas – und versagen den Anderen einen Dienst, auf den sie Anspruch haben. […] Toynbee ist darin Recht zu geben, dass das Schicksal einer Gesellschaft immer wieder von schöpferischen Minderheiten abhängt. Die gläubigen Christen sollten sich als eine solche schöpferische Minderheit verstehen und dazu beitragen, dass Europa das Beste seines Erbes neu gewinnt und damit der ganzen Menschheit dient.“

Aus diesen Gedanken leiten sich die fünf Schwerpunktthemen unserer Arbeit ab. Es geht uns dabei vor allem darum, die besten auf dem jeweiligen Gebiet vorhandenen Ideen und Gedanken zu sammeln und für Interessierte aufzubereiten. Außerdem analysieren wir aktuelle Ereignisse und Entwicklungen aus einer abendländisch-humanistischen bzw. aus einer wertkonservativen Perspektive. Die Ergebnisse unserer Arbeit stellen in Form von Publikationen zur Verfügung.

Werte und Leitlinien

Die Arbeit von Renovatio wird von den folgenden Werten und Leitlinien bestimmt:

  1. Die Grundlagen unserer Arbeit sind die klassische Philosophie, die christliche Soziallehre und die Denkschule des Realismus.
  2. Durch internationale Vernetzung fördert das Institut die europäische Einheit und Völkerverständigung auf Grundlage des gemeinsamen kulturellen Erbes.
  3. Die Angebote des Instituts richten sich an Menschen aller kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Hintergründe, die das Anliegen der Bewahrung und Erneuerung Europas teilen.
  4. Die Arbeit des Instituts ist gemeinnützig, unabhängig, überkonfessionell und überparteilich.

Hintergrund

Unser Vorhaben geht auf Impulse aus einem internationalen Gesprächskreis von zivilen und militärischen Experten zurück, die im Dienst von Streitkräften und Behörden westlicher Staaten die Resilienz von Gesellschaften und Konfliktakteuren in Krisengebieten untersuchten. Dabei wurde beobachtet, dass die Verbindung aus strenger Sachlichkeit bei der Beurteilung der Lage, nüchternem Realismus in der Gestaltung des eigenen Handelns, entschlossenem Willen zum Dienst an einer Idealvorstellung des Gemeinwohls, harter Sachkompetenz und vor allem fester Verwurzelung in einer religiös fundierten kulturellen Tradition im Ernstfall eine äußerst belastbare Grundlage für die Bewältigung von Krisen darstellt. In schwierigen Zeiten hängt das geistige und das physische Überleben eines Gemeinwesens außerdem fast immer vom Handeln kleiner Gemeinschaften ab, die aus tiefen Bindungen an eine Tradition heraus leben. Renovatio wurde geschaffen, um die Folgerungen aus diesen Erkenntnissen im Kontext des deutschsprachigen Raums umzusetzen und dadurch die Resilienz der entsprechenden Gemeinwesen gegenüber potenziellen künftigen Krisen zu stärken.

Resilienz ist das Ergebnis der Fähigkeit, existenzielle Herausforderungen frühzeitig zu erkennen, sich auf sie einzustellen, an ihnen zu wachsen und sie erfolgreich zu bewältigen. Ein resilientes Gemeinwesen kann seine Ziele auch unter extremem äußerem Druck erreichen und sich auf neue Lage einstellen, ohne dabei seine Identität zu verlieren. Resiliente Akteure nehmen Krisen als die sinnstiftenden Höhepunkte ihres Daseins wahr und verwirklichen in ihnen ihre Berufung. Kulturelle Faktoren sind dafür von entscheidender Bedeutung. Wenn ein Gemeinwesen langfristig Bestand haben soll, dann muss es nicht nur über krisenfeste Institutionen verfügen, sondern vor allem auch die kulturellen Eigenschaften pflegen, die ihm Stärke verleihen, während es zugleich innere Schwächen zu überwinden und destruktive geistige Einflüsse abzuwehren hat. Die sich gegenwärtig abzeichnenden Krisen werfen die Frage auf, ob Deutschland und Europa in diesem Sinne noch hinreichend resilient sind.

Zur geistig-kulturellen Lage Westeuropas

Eine Kultur lebt aus der Bindung an die geistigen Kräfte, die sie geschaffen haben. Diese Bindung muss laufend erneuert und mitunter verteidigt werden, weil neben den lebensspendenden auch destruktive geistige Kräfte gibt, die aus der Verneinung der naturrechtlichen Ordnung heraus leben, nach deren Auflösung streben und sich dazu falscher, utopischer Versprechen bedienen.

In Westeuropa hat die durch das Christentum geformte Synthese aus griechischen, römischen, jüdischen und anderen Impulsen in einem mehr als ein Jahrtausend umfassenden Prozess die abendländische Zivilisation hervorgebracht. Schon seit mehr als zwei Jahrhunderten wird diese Kultur durch eine Antikultur herausgefordert, die sich in immer neuen Formen manifestiert, und die von dem erwähnten destruktiven geistigen Kräften genährt wird. Diese Antikultur zerstört zunehmend die geistigen und kulturellen Fundamente Europas und untergräbt dadurch die Institutionen, von denen sein Bestand abhängt.

Vor allem in den vergangenen Jahrzehnten hat der Großteil der vormals tragenden Institutionen von Kultur und Gemeinwesen in Westeuropa bei der Aufgabe versagt, diesen destruktiven Kräften wirksam zu begegnen. Die verbliebene kulturelle Substanz, die diese Kräfte einhegen sollte, erodiert zunehmend. Der Wille, das eigene Leben Leben und die überlieferte Kultur an nachfolgende Generationen weiterzugeben, scheint vielfach erloschen zu sein. Institutionen zerfallen, und das kulturelle Wissen darüber, wie man resiliente und nachhaltige Gemeinwesen schafft und bewahrt, scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Westeuropa steht in Folge dessen radikalen kulturellen und gesellschaftlichen Umbrüchen gegenüber, die schon heute krisenhafte Züge tragen, und die in der Zukunft zu gravierenden Verwerfungen führen können.

Angesichts dieser Lage kommt es vor allem darauf an, die geistigen und kulturellen Fundamente Europas und dessen Institutionen aus dem Geist der abendländischen Tradition heraus zu erneuern. Dazu braucht es Männer und Frauen, die sich dieser großen Aufgabe stellen wollen und dazu fähig sind, sie zu bewältigen.

Unsere Tradition

Renovatio war der zeitgenössische Begriff für die heute „karolingische Renaissance“ genannte Zeit im 8. Jahrhundert, die einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte Europas darstellt. Unter der Herrschaft des Frankenkönigs Karls des Großen begannen um das Jahr 780 herum koordinierte Anstrengungen zur Bewältigung der Krise, in der sich Europa seit dem Untergang des römischen Reiches befand. Auslöser war eine Reise Karls nach Italien, in deren Verlauf ihm bewusst wurde, wie groß der eingetretene Kulturverlust war. Karl veranlasste aufgrund dieser Erfahrung die Sammlung der noch vorhandenen Kulturbestände der Antike, um die christliche Kultur Europas durch sie zu stärken. Historiker gehen davon aus, dass das heutige Europa niemals entstanden wäre, wenn Karl diese Entscheidung nicht getroffen hätte. Auch an vielen anderen Punkten in der Geschichte Europas haben sich Christen in den darauffolgenden Jahrhunderten immer wieder den Herausforderungen ihrer Zeit gestellt, die Bewahrung und Weitergabe des europäischen Europas ermöglicht und dadurch einen Dienst an allen Menschen des Kontinents geleistet. Wir wollen durch unsere Arbeit an diese Tradition anknüpfen.