1. Auftrag

Deutschland und Europa stehen zahlreichen existenziellen Herausforderungen gegenüber. Das Renovatio-Institut fördert das Verständnis dieser Herausforderungen, um zur Resilienz des Gemeinwesens ihnen gegenüber und zur Kontinuität des christlich-abendländischen Erbes in Europa beizutragen.

2. Aufgaben

Zur Erfüllung seines Auftrags leistet das Institut die folgenden Aufgaben:

  1. Analyse der Lage europäischer Gesellschaften mit Schwerpunkt auf den Bereichen Religion, Politik, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Soziales, Integration, Demographie und innere Sicherheit;
  2. Erschließung von geistigen Beständen im Kulturerbe Europas, die zur Stärkung der kulturellen Resilienz europäischer Gesellschaften beitragen können;
  3. Identifikation von Ansätzen und Strategien zur Bewältigung der erkannten Herausforderungen auf Grundlage der christlichen Soziallehre.

Das Institut dient dem Gemeinwohl, indem es zur Bewahrung und Erneuerung seiner kulturellen Grundlagen beiträgt und aus dem Reichtum des Erbes christlich-abendländischen Denkens heraus Antworten auf die Herausforderungen findet, denen dieses Erbe und die auf ihm gründenden Kulturen gegenüberstehen.

Das Institut sucht außerdem nach Antworten auf jene existenziellen Fragen, vor deren Ansprache andere Akteure oft zurückscheuen und dadurch den Anhängern utopischer und radikaler Ideologien das Feld der öffentlichen Debatte überlassen. In diesem Zusammenhang geht es dem Institut vor allem darum, christliche Beiträge zu den großen Debatten unserer Zeit zu formulieren, die auch von einer säkularen Gesellschaft verstanden werden.

Darüber hinaus sucht das Institut nach Aspekten des christlichen Erbes, die sich in der Vergangenheit gegenüber existenziellen Herausforderungen als resilienzfördernd erwiesen haben, um diese Faktoren in der heutigen Kirche zu stärken.

In einer Zeit, die von zunehmender Polarisierung geprägt ist, will das Institut das kulturtragende Zentrum der Gesellschaft und jene Kräfte stärken, die gesellschaftliche Bindungen und kulturelle Substanz schaffen, erhalten und erneuern. Dazu unterstützt das Institut alle Akteure, die für die Kontinuität des christlichen Erbes sowie für kulturelle Erneuerung im Geist dieses Erbes eintreten. Schwerpunkt der Aktivitäten des Instituts ist zunächst der deutschsprachige Raum.

3. Was ist kulturelle Resilienz?

Resilienz ist die Fähigkeit eines Gemeinwesens, krisenhafte Veränderungen und existenzielle Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen und dadurch den langfristigen Bestand des Gemeinwesens sicherzustellen. Der kulturellen Dimension kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da der langfristige Bestand eines Gemeinwesens identisch mit der Kontinuität seiner Kultur ist. Resilienz hängt zudem primär von kulturellen Faktoren ab und ist das Ergebnis der aktiven Pflege derjenigen Elemente einer Kultur, die ihr Belastbarkeit verleihen und die sich auch in schwierigen Zeiten bewährt haben.

4. Die christliche Soziallehre als Grundlage der Arbeit des Instituts

Die christliche Soziallehre enthält die Essenz des abendländischen Denkens und der klassischen europäischen politischen Tugend- und Verantwortungsethik. Sie hat ihre Wurzeln im Denken der griechischen und römischen Antike, deren Erbe sie fortsetzt. Sie umfasst die Summe des in den vergangenen Jahrtausenden gewonnen Erfahrungswissens über die Voraussetzungen des dauerhaften Bestehens von Gesellschaften und stellt daher die Grundlage für die Arbeit des Instituts dar.

  • Die Sicherstellung des Gemeinwohls definiert die Soziallehre als das Hauptziel politischen Handelns. Die Kontinuität des Gemeinwesens ist der wichtigste Aspekt des Gemeinwohls. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang dessen kulturelle Kontinuität.
  • Der Inhalt der Soziallehre Inhalt ist die Analyse der vorliegenden Lage, die Beschreibung des anzustrebenden Zielzustands und der Entwurf von Maßnahmen und Strategien zur Erreichung dieses Zustands.
  • Ihre Quellen sind das Naturrecht und die christliche Offenbarung und Lehrtradition sowie Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre und andere Geistes- und Sozialwissenschaften.

Alle rationalen strategischen Planungs- und Entscheidungsprozesse gehen auf den Ansatz der christlichen Soziallehre zurück, der sich nicht auf eine bestimmte politische Ideologie stützt, sondern auf das Erkennen der Lage.

5. Organisation

Die Leitung des Instituts besteht aus Mitgliedern der St. Michael-Gesellschaft, die der Trägerverein des Instituts ist. Die Leitung erfolgt nach dem Kollegialitätsprinzip. Das Institut ist dezentral organisiert und finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden von Privatpersonen. Es besteht aus einem Netzwerk ehrenamtlich tätiger Personen, die aufgrund ihres beruflichen Hintergrunds über für das Institut relevante Expertise verfügen. Die Arbeit findet im Rahmen von Fach- und Projektgruppen sowie in Regionalforen statt.

  • Die Fachgruppen verfolgen Entwicklungen auf den für die Arbeit des Instituts relevanten Gebieten mit dem Ziel, die jeweils besten Ideen und Gedanken zu sammeln und aufzubereiten. Außerdem analysieren die Fachgruppen gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen aus einer christlichen Perspektive. Die Aufbereitung der Arbeitsergebnisse erfolgt in Form von Publikationen.
  • Die Projektgruppen des Instituts setzen sich intensiv mit einzelnen Fragestellungen auseinander, zu denen sie Veranstaltungen oder Publikationen vorbereiten.
  • Die Regionalforen des Instituts sollen in größeren Städten des deutschsprachigen Raumes gebildet werden und dem Austausch zwischen den Mitwirkenden des Instituts und anderen Menschen dienen, die sich mit Fragen der christlichen Erneuerung Europas auseinandersetzen.

Das Institut verfügt außerdem über einen wissenschaftlichen Beirat. Dessen Aufgaben sind die Beratung der Leitung des Instituts hinsichtlich der Festlegung von Tätigkeitsschwerpunkten sowie die wissenschaftliche Begleitung und Prüfung der Arbeit des Instituts.

6. Leitlinien

Die Arbeit des Instituts wird von den folgenden Leitlinien bestimmt:

  1. Grundlagen der Arbeit des Instituts sind das christliche Menschenbild, die Prinzipien der christlichen Soziallehre, das Naturrecht, der christliche Auftrag zum Dienst am Gemeinwohl sowie die abendländische Tradition des Denkens und Forschens.
  2. Die Arbeit des Instituts beruht auf dem Gedanken der Bekenntnisökumene. Als Christen verbindet alle Mitwirkenden ein Band, das stärker ist als alle weltanschaulichen, nationalen oder sonstigen Unterschiede. Durch internationale Vernetzung fördert das Institut die europäische Einheit sowie Völkerverständigung auf Grundlage des geteilten christlichen Erbes.
  3. Das Institut pflegt die christlich-abendländische Tradition, die über Jahrhunderte hinweg ein großes Erbe geschaffen und weitergegeben hat. Säkulare, freiheitlich verfasste Gemeinwesen sind in besonderem Maße auf dieses Erbe angewiesen, denn sie beruhen auf kulturellen Grundlagen, die sie nicht selbst schaffen oder aufrechterhalten können. Durch seine Arbeit soll das Institut einen entsprechenden Dienst an diesen Gemeinwesen leisten.
  4. Die Arbeit des Instituts ist überparteilich.

7. Hintergrund

Das Institut wurde 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Augsburg. Der Träger des Instituts ist die St. Michael-Gesellschaft. Die Mitwirkenden des Instituts kommen aktuell aus allen großen christlichen Konfessionen. Die Mitwirkung steht allen Menschen offen, die sich mit dem christlich-abendländischen Erbe Europas identifizieren. Der geographische Schwerpunkt der Aktivitäten des Instituts ist der deutschsprachige Raum, aber die Mitwirkenden stammen darüber hinaus auch aus anderen Bereichen Europas und der Welt. Unter den Unterstützern seiner Arbeit befinden sich nicht nur Christen, sondern auch Menschen, die dem christlichen Erbe wegen seiner kulturellen Bedeutung für Europas positiv gegenüberstehen und sich für seine Bewahrung einsetzen. Die Chronik des Instituts finden Sie hier.