Politik und Gesellschaft

Heinrich Böll: Der Reichsgedanke als Option für Europa

Der Begriff „Reich“ wird im Verständnis der Gegenwart vor allem mit dem vor 150 Jahren gegründeten kurzlebigen ersten deutschen Nationalstaat sowie mit dem totalitären NS-Staat verbunden, der sich ebenfalls als „Reich“ bezeichnete. Von einem gänzlich anderen Verständnis gingen der Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur Heinrich Böll (1917-1985) und ein mit ihm in Verbindung stehender Kreis abendländisch orientierter Denker aus, die in den 1960er Jahren im Reichsgedanken eine zeitlos gültige Vision für die Gestaltung Europas sahen. Den Reichsgedanken betrachteten sie als Alternative sowohl zum Nationalismus als auch zur Auflösung gewachsener Identitäten. […]

Herausforderungen

Leon de Winter: Amerikanische Technologiekonzerne als kulturrevolutionäre Akteure

Der Schriftsteller und Kulturkritiker Leon de Winter setzt sich in einem heute erschienen Aufsatz mit den zunehmenden Eingriffen von amerikanischen Technologiekonzernen in das politische und gesellschaftliche Leben und mit deren Unterstützung für radikalen identitätspolitischen Aktivismus auseinander. Das Verhalten amerikanischer „Tech-Oligarchen“ bedrohe über die USA hinaus die Grundlagen freiheitlicher Gesellschaften. […]

Herausforderungen

Bari Weiss: Die liberale Ordnung zerfällt

Die amerikanische Journalistin Bari Weiss war Redakteurin bei der „New York Times“ und wurde durch ihre Kritik an aktivistischen Tendenzen im Journalismus international bekannt. In einem heute veröffentlichten Beitrag stellt sie den Sturm des Kapitols in der amerikanischen Hauptstadt durch Anhänger des amerikanischen Präsidenten in den Kontext der Unruhen, die seit Sommer 2020 in den USA stattfinden. In ihrer Gesamtheit betrachtet deuteten die Ereignisse darauf hin, dass die liberale Ordnung des Landes im Zerfall begriffen sei. […]

Politik und Gesellschaft

David Engels: Laizismus ist die falsche Antwort auf islambezogene Herausforderungen

Der Althistoriker David Engels ist als Forschungsprofessor am Instytut Zachodni in Polen tätig. In einem jetzt veröffentlichten Aufsatz kritisiert er die in einigen westeuropäischen Staaten praktizierten Versuche, islambezogenen Herausforderungen mit laizistischen Ansätzen zu begegnen. Diese Ansätze beruhten auf falschen Annahmen über die kulturellen Grundlagen von Gemeinwesen. Dadurch, dass sie Religion in den Bereich des Privaten zu verdrängten versuchten, erzeugten sie mehr Probleme, als sie lösten. […]

Herausforderungen

Hans-Georg Maaßen: Der Westen steht vor einer Zivilisationskrise

Hans-Georg Maaßen diente zuletzt als Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. Zusammen mit Johannes Eisleben veröffentlichte er kürzlich einen Aufsatz, in dem er vor einer bevorstehenden Krise der westlichen Welt warnt. Freiheitliche Ordnungen würden zunehmend durch utopische Ideologien bedroht. Deren Anhänger agierten zunehmend totalitär und hätten den Zusammenhalt in westlichen Gesellschaften soweit geschwächt, dass die nächste Wirtschaftskrise zu größeren Verteilungskämpfen und zum Zusammenbruch von Recht und Ordnung führen könnte. Die bevorstehenden Verwerfungen könnten gleichzeitig dazu führen, dass bürgerliche Kräfte aus ihrer Passivität erwachen und sich dem Niedergang westlicher Gesellschaften entgegenstellen. […]

Herausforderungen

Unruhen in den USA und Europa: Aufstand gegen die bürgerliche Ordnung

Die Unruhen in den USA, die auch auf Europa überzugreifen drohen, illustrieren ein Problem, das bereits die klassische abendländische Staatstheorie beschrieben hat. Jede Staatsform berge demnach das Risiko in sich, eine gegen das Gemeinwohl gerichtete orientierte Verfallsform einzunehmen. Dies gelte auch für die Demokratie, die zu einer „Ochlokratie“ bzw. zu einer Herrschaft einer von Demagogen gesteuerten Masse degenerieren könne, falls die Verteidiger der bürgerlichen Ordnung zu schwach würden, um sich gegen die Kräfte der Auflösung zu behaupten. […]

Herausforderungen

Jan C. Behrends: Die totalitären Wurzeln des Antifaschismus

Der Historiker Jan C. Behrends leitet das Forschungsnetzwerk „Legacies of Communism“ am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. In einem aktuellen Aufsatz weist er auf die totalitären Wurzeln des sogenannten „Antifaschismus“ hin, der derzeit bis weit in das bürgerliche Lager hinein verstärkt auf positive Resonanz stoße. […]

Herausforderungen

Unruhen in den USA: Ausblicke auf den Bürgerkrieg

Die Unruhen, die seit einigen Tagen in den USA stattfinden, unterstreichen nicht nur die tendenzielle Instabilität multiethnischer Gesellschaften, sondern auch den Zerfall der politischen Ordnung des Landes und dessen Gesellschaft, deren Solidaritätsressourcen offenbar erschöpft sind. Die USA sind dabei Vorreiter einer Entwicklung, die auch Westeuropa zunehmend ergreift, was langfristig katastrophale Folgen haben kann. Angesichts dieser Lage stellt die Erneuerung der kulturellen Bindungen, auf denen krisenfeste Gemeinwesen beruhen, eine wichtige Aufgabe dar. […]

Herausforderungen

Oliver Zimmer: Die Corona-Krise und die Herausforderung durch den Globalismus

Der Historiker Oliver Zimmer lehrt an der Universität Oxford. In einem heute veröffentlichten Gespräch warnt er davor, dass die Corona-Krise von den Anhängern globalistischer Ideologie dazu genutzt werden könnte, ihre Vorstellungen von „Global Governance“ voranzutreiben. Föderal organisierte Nationalstaaten und republikanische Ordnungen, die auf dem Ideal des freien Bürgers als Trägers des Gemeinwohls und des Politikers als Diener des Bürgers beruhen, hätten sich in der Krise gegenüber zentralistischen und transnationalen Strukturen jedoch als resilienter erwiesen. […]

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Christliches Dienstethos

Rémi Brague: Das aristokratische Wesen des Christentums

Der Philosoph Rémi Brague lehrte an der Sorbonne und an der Ludwig-Maximilians-Universität München. In einem vor einiger Zeit erschienenen Aufsatz beschrieb er das aristokratische Wesen und Ethos des Christentums, das eine universelle aristokratische Ordnung mit Christus als König darstelle. Freiheitliche Gemeinwesen seien im christlichen Kulturraum entstanden, weil dieser Gedanke Absolutheitsansprüchen menschlicher Herrscher klare Grenzen gesetzt und zudem freie Menschen hervorgebracht habe, die sich solcher Herrschaft im Wissen um ihre Würde und ihren Adel nicht beugen würden. […]