Kulturelle Resilienz

Jörg Hackeschmidt/Caroline König: Deutschland braucht ein positives Identitätsverständnis

Der Historiker Jörg Hackeschmidt ist im Stab Politische Planung, Grundsatzfragen und Sonderaufgaben des Bundeskanzleramtes tätig. Zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Caroline König kritisiert er in einem heute erschienenen Aufsatz Schwächen der deutschen Erinnerungskultur. Diese sei von einer „Verengung auf die Schrecken“ der deutschen Geschichte geprägt und tauge nicht dazu, Gemeinsinn zu stiften oder integrierend zu wirken. Deutschland brauche ein positives Identitätsverständnis. […]

Politik und Gesellschaft

Wolfgang Thierse: Die Nation als Heimat in einer instabilen Welt

In einem heute veröffentlichten Gespräch setzt Wolfgang Thierse seinen Versuch fort, die deutsche Sozialdemokratie durch konservative Impulse zu erneuern und ihrer identiätspolitischen Radikalisierung entgegenzuwirken. Die Corona-Krise zeige erneut, dass die Nation eine unverzichtbare Solidargemeinschaft sei, die als „eine der Antworten auf das Bedürfnis nach Zuordnung und Beheimatung in einer sich dramatisch verändernden Welt“ nicht aufgegeben werden dürfe. […]

Politik und Gesellschaft

Wolfgang Thierse: Patriotismus und Gemeinsinn als Antworten auf gesellschaftliche Auflösung

Der Sozialdemokrat und Kulturwissenschaftler Wolfgang Thierse war zwischen 1998 bis 2005 Präsident des Deutschen Bundestages. In einem kürzlich erschienenen Aufsatz kritisierte er, dass die gegenwärtige Welle des linksradikalen identitätspolitischen Aktivismus den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland zunehmend zerstöre. Diese Bedrohung erfordere die Rückkehr zur Tugend des Gemeinsinns sowie zu den Werten „Heimat und Patriotismus, Nationalkultur und Kulturnation“. […]

Herausforderungen

Lorenz Jäger: Familien und Völker als Feindbilder globalistischer Ideologien

Der Soziologe Lorenz Jäger war an der Stanford University tätig und leitete später das Ressort Geisteswissenschaften der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In einem aktuellen Aufsatz setzt er sich mit Gedanken Walter Benjamins (1882-1940) auseinander. Dieser habe vor rund einhundert Jahren eine „grandiose globalistisch-kulturrevolutionäre Vision des künftigen Zusammenlebens“ entworfen, die viele der Inhalte der globalistischen Ideologien der Gegenwart vorweggenommen habe. Völker und Familien hätten in dieser Vision keinen Platz, weil sie der angestrebten totalen Vereinheitlichung der Menschheit im Wege stünden. […]

Politik und Gesellschaft

Johannes Paul II.: Die Theologie der Nation

In seiner neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ knüpft Papst Franziskus an die Theologie der Nation an, die der 2014 von Franziskus heiliggesprochene Johannes Paul II. unter anderem in seinem Werk „Erinnerung und Identität“ beschrieben hatte. Er warnte hier vor dem wachsenden Einfluss postmoderner utopischer Ideologien, die nach der Auflösung der Bindung des Menschen an die Nation streben. Die Nation sei als unverzichtbare natürliche Gemeinschaft aus christlicher Sicht ebenso zu bejahen wie die Familie, deren Erweiterung sie darstelle. Patriotismus sei eine Form der gelebten Nächstenliebe. […]

Politik und Gesellschaft

Jörg Schönbohm: Nationale Identität als Voraussetzung des Gemeinwohls

Der 2019 verstorbene General Jörg Schönbohm diente nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn als Innensenator von Berlin sowie als Innenminister des Landes Brandenburg. Er gehörte zu den vorerst letzten großen konservativen Persönlichkeiten im politischen Leben der Bundesrepublik. In einem 1996 veröffentlichten Aufsatz betonte er die Bedeutung der nationalen Identität als Grundlage des Gemeinwohls. Vor allem in Krisenzeiten sei ein Gemeinwesen auf starke innere Bindungen angewiesen. […]

Politik und Gesellschaft

Aleida Assmann: Die Rückkehr der Nation in Europa

Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann lehrt an der Universität Konstanz. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Erforschung des kulturellen Gedächtnisses von Gesellschaften. In einem jetzt erschienenen, noch vor dem Beginn der COVID-19-Krise entstandenen Aufsatz setzt sie sich mit den Ursachen der verstärkten Hinwendung zur Nation auseinander, die vor allem in Osteuropa zu beobachten ist.

Die Neigung zur pauschalen Abwertung der Nation in Deutschland sei paradoxerweise Ausdruck eines nationalistischen Denkens, das die eigenen historischen Erfahrungen verallgemeinere. Gesellschaften müssten sich als Nationen verstehen, wenn sie integrationsfähig und krisenfest sein wollten. […]

Kulturelle Resilienz

Russell Berman: Die Corona-Krise und die Rückkehr des Nationalstaats

Der Kulturwissenschaftler Russell A. Berman lehrt an der Stanford University und war Mitglied des Planungsstabs des Außenministeriums der USA. Ihm zufolge offenbart die gegenwärtige Krise, dass es sich wesentlichen Grundannahmen liberaler und progressiver Ideologien um Illusionen handele. Dazu gehöre vor allem die „Illusion des Postnationalismus“. […]

Politik und Gesellschaft

Hans Joas: Das Problem der Entfremdung der Kirche von der Nation

Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2018 erschien ein Band mit dem Titel „Beten bei Nebel. Hat der Glaube eine Zukunft?“, der ein Gespräch zwischen ihm und Robert Spaemann wiedergibt. Joas äußerte sich hier auch zum Problem der Entfremdung der Kirche von der eigenen Nation in Deutschland. […]

Herausforderungen

Ivan Krastev: Langfristige politische Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Europa

Der Politikwissenschaftler Ivan Krastev leitet das Center for Liberal Strategies in Sofia. In einem aktuellen Aufsatz untersucht er die möglichen langfristigen gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Europa. Eine Rückkehr der Nation, ein Ende der Ideologie der offenen Grenzen und eine Umkehr von Globalisierungsprozessen gehörten zu den bereits jetzt erkennbaren Folgen der Krise. […]