Politik und Gesellschaft

Johannes Paul II.: Die Theologie der Nation

In seiner neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ knüpft Papst Franziskus an die Theologie der Nation an, die der 2014 von Franziskus heiliggesprochene Johannes Paul II. unter anderem in seinem Werk „Erinnerung und Identität“ beschrieben hatte. Er warnte hier vor dem wachsenden Einfluss postmoderner utopischer Ideologien, die nach der Auflösung der Bindung des Menschen an die Nation streben. Die Nation sei als unverzichtbare natürliche Gemeinschaft aus christlicher Sicht ebenso zu bejahen wie die Familie, deren Erweiterung sie darstelle. Patriotismus sei eine Form der gelebten Nächstenliebe. […]

Politik und Gesellschaft

Jörg Schönbohm: Nationale Identität als Voraussetzung des Gemeinwohls

Der 2019 verstorbene General Jörg Schönbohm diente nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn als Innensenator von Berlin sowie als Innenminister des Landes Brandenburg. Er gehörte zu den vorerst letzten großen konservativen Persönlichkeiten im politischen Leben der Bundesrepublik. In einem 1996 veröffentlichten Aufsatz betonte er die Bedeutung der nationalen Identität als Grundlage des Gemeinwohls. Vor allem in Krisenzeiten sei ein Gemeinwesen auf starke innere Bindungen angewiesen. […]

Politik und Gesellschaft

Aleida Assmann: Die Rückkehr der Nation in Europa

Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann lehrt an der Universität Konstanz. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Erforschung des kulturellen Gedächtnisses von Gesellschaften. In einem jetzt erschienenen, noch vor dem Beginn der COVID-19-Krise entstandenen Aufsatz setzt sie sich mit den Ursachen der verstärkten Hinwendung zur Nation auseinander, die vor allem in Osteuropa zu beobachten ist.

Die Neigung zur pauschalen Abwertung der Nation in Deutschland sei paradoxerweise Ausdruck eines nationalistischen Denkens, das die eigenen historischen Erfahrungen verallgemeinere. Gesellschaften müssten sich als Nationen verstehen, wenn sie integrationsfähig und krisenfest sein wollten. […]

Kulturelle Resilienz

Russell Berman: Die Corona-Krise und die Rückkehr des Nationalstaats

Der Kulturwissenschaftler Russell A. Berman lehrt an der Stanford University und war Mitglied des Planungsstabs des Außenministeriums der USA. Ihm zufolge offenbart die gegenwärtige Krise, dass es sich wesentlichen Grundannahmen liberaler und progressiver Ideologien um Illusionen handele. Dazu gehöre vor allem die „Illusion des Postnationalismus“. […]

Politik und Gesellschaft

Hans Joas: Das Problem der Entfremdung der Kirche von der Nation

Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2018 erschien ein Band mit dem Titel „Beten bei Nebel. Hat der Glaube eine Zukunft?“, der ein Gespräch zwischen ihm und Robert Spaemann wiedergibt. Joas äußerte sich hier auch zum Problem der Entfremdung der Kirche von der eigenen Nation in Deutschland. […]

Herausforderungen

Ivan Krastev: Langfristige politische Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Europa

Der Politikwissenschaftler Ivan Krastev leitet das Center for Liberal Strategies in Sofia. In einem aktuellen Aufsatz untersucht er die möglichen langfristigen gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Europa. Eine Rückkehr der Nation, ein Ende der Ideologie der offenen Grenzen und eine Umkehr von Globalisierungsprozessen gehörten zu den bereits jetzt erkennbaren Folgen der Krise. […]

Politik und Gesellschaft

Heinz Theisen: Wege zur Selbstbehauptung Europas

Der Politikwissenschaftler Heinz Theisen lehrt an der Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. In mehreren kürzlich erschienenen Aufsätzen setzte er sich auf der Grundlage realistischer politischer Philosophie und der christlichen Soziallehre mit den Voraussetzungen europäischer Selbstbehauptung gegenüber Herausforderungen wie irregulärer Migration, Islamismus und dem Agieren der Supermächte auseinander. […]

Politik und Gesellschaft

Josef Isensee: Sichere Grenzen als Grundlage staatlicher Existenz

Der Staatsrechtler und Staatsphilosoph Josef Isensee lehrte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In seinem kürzlich erschienenen Werk „Grenzen. Zur Territorialität des Staates“ setzt er sich mit der existenziellen Bedeutung sicherer Grenzen für Staat und Gemeinwohl auseinander. Er kritisiert utopische Ideologien der Entgrenzung, die nicht wirklichkeitsgerecht seien und daher in der Realität scheitern müssten. […]

Politik und Gesellschaft

C. S. Lewis: Die heilige Nation

Der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis gehört zu den wichtigsten christlichen Autoren des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit seinem Freund J. R. R. Tolkien war er einer der Pioniere des Literaturgenres der Phantastik. Im 1956 erschienenen abschließenden Band der für jüngere Leser geschriebenen Romanserie „Die Chroniken von Narnia“ beschrieb er auf der Grundlage der Ideenlehre Platons ein christliches Verständnis der Nation. Die Nationen der Welt werden dabei als unvollkommene Abbilder vollkommener Urbilder verstanden, die auf transzendenter Ebene existieren. […]

Kulturelle Resilienz

Joachim Gauck: Die „neurotische Feindschaft gegen das Eigene“ als kulturelle Herausforderung

Der evangelische Theologe und ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck hielt vor einigen Tagen an der Katholischen Akademie Bayern, in dem er eine „neurotische Feindschaft gegen das Eigene“ in Deutschland sowie einen daraus resultierenden Mangel an Willen zur Selbstbehauptung feststellte. […]