Dieses Projekt erschließt das Konzept schützender Grenzen in Weltanschauung und Kulturerbe des Christentums. Moderne und postmoderne Ideologien der Entgrenzung lehnen nicht nur Grenzen zwischen Staaten ab, sondern auch metaphysische Grenzen wie die der Natur des Menschen oder die durch Religionen errichteten moralischen Grenzen. Diese Ideologien unterscheiden sich radikal von christlicher Weltanschauung.  In der 2017 veröffentlichten „Pariser Erklärung“ betonten christliche Denker wie Robert Spaemann, Roger Scruton, Ryszard Legutko und Rémi Brague, daher das zwischen dem christlichen Europa und dem von Ideologien der Entgrenzung angestrebten Europa ein fundamentaler Gegensatz bestehe. Diese Ideologien würden sich bei ihrem „Kreuzzug für eine entgrenzte Welt“ zum Teil auf ein „falsches Christentum“ berufen, dass sie für ihre politischen Zwecke konstruiert hätten. Christliche Weltanschauung bejaht schützende Grenzen jedoch grundsätzlich.

Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament werden Mauern, die Grenzen markieren, an vielen Stellen erwähnt, wobei die Erwähnung fast ausschließlich in einem positiven Kontext erfolgt. Gott warnt laut dem Propheten Hesekiel, dass das „ungeschützte Land“, dessen friedliche Menschen „ohne Mauern“ und ohne „Riegel und Tore“ leben, dem Wirken des Bösen schutzlos ausgeliefert ist. Mauern stehen in der Bibel symbolisch vor allem für den Schutz des Volkes Gottes vor äußeren Feinden und für seine Abgrenzung bzw. Unterscheidung von anderen Völkern und Religionen, die seine Existenz ermöglicht. Auf der metaphysischen Ebene stehen Mauern für die Abgrenzung des Reich Gottes von der Welt und für den Schutz des Raums der Kultur vor dem Chaos.

Das Projekt soll unter anderem die folgenden Fragen beantworten:

  • Wie werden Grenzen und Grenzschutz durch die christliche Soziallehre bewertet?
  • Wie werden Grenzen und schützende Mauern in der Bibel beurteilt?
  • Welche Bezüge zu Grenzen und schützenden Mauern gibt es im christlichen Kulturerbe?