Gegenwärtig betreibt das Institut ein Forschungsprojekt, welches das Konzept der Nation als Träger und Bezugspunkt des Gemeinwohls in der christlichen Soziallehre sowie im politischen Denken des Judentums untersucht. Ziel des Projekts ist es, Impulse aus dem jüdischen Denken für die Weiterentwicklung der christlichen Soziallehre zu nutzen.

Anlass hierfür ist, dass im Zusammenhang mit den negativen Begleiterscheinungen von Globalisierung und offenen Grenzen das Interesse am Nationalstaat weltweit zunimmt. Dem Staat Israel gelingt es, auf der Grundlage eines Nationsverständnisses, das auf dem politischen Denken des Judentums beruht, trotz schwieriger Rahmenbedingungen einen demokratischen Nationalstaat mit einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft zu verbinden und gegen Herausforderungen verschiedenster Art zu behaupten. Die israelischen Erfahrungen können daher wertvoll für die Bewältigung der Herausforderungen sein, denen Europa unter ähnlichen inneren Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten in immer stärkerem Maße ausgesetzt sein wird.

Der im progressiven Spektrum in Europa und den USA verstärkt zu beobachtende Antisemitismus ist in diesem Zusammenhang auch als Ausdruck der Ablehnung eines europäisch geprägten Judentums zu verstehen, das aufgrund seiner historischen Erfahrungen großen Wert auf Selbstbehauptung legt und mit dem Staat Israel ein äußerst resilientes Gemeinwesen in einem feindseligen Umfeld geschaffen hat, das sich nur deshalb noch existiert, weil seine Politik von konsequentem Realismus und der Ablehnung utopischen Denkens geprägt ist.

Die Ergebnisse des Projekts werden voraussichtlich 2020 im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt und anschließend veröffentlicht werden.