Dieses Projekt analysiert in Zusammenarbeit mit internationalen Partnerorganisationen Christenfeindlichkeit in Deutschland und wird zu diesem Thema erstmals 2020 ein Lagebild erstellen.

Definition von Christenfeindlichkeit

Es gibt bislang keine allgemein akzeptierte Definition von Christenfeindlichkeit. Der hier verwendeten Definition nach liegt Christenfeindlichkeit dann vor, wenn es Ziel eines Akteurs in der Auseinandersetzung mit Christen und dem Christentum ist, diese zu schädigen oder ihre Grundrechte zu verletzen oder einzuschränken. Die christliche Menschenrechtsorganisation Open Doors definierte Christenverfolgung analog dazu als „jegliche Art von erlebter Anfeindung aufgrund der Identifikation einer Person mit Christus. Dies kann feindselige Haltungen, Worte und Handlungen gegenüber Christen umfassen.“

  • Christenfeindlichkeit kann in diesem Sinne sowohl gegen Christen als Personen als auch gegen die Kirche als Gemeinschaft von Christen sowie gegen das Christentum als Kultur und die christliche Substanz in einer Kultur gerichtet sein.
  • Latente Christenfeindlichkeit liegt bei Handlungen vor, die schädigendes Verhalten gegenüber Christen und dem Christentum bzw. Christenfeindlichkeit legitimieren können.
  • Indirekte Christenfeindlichkeit liegt dann vor, wenn sich das schädigende Verhalten nicht direkt gegen Christen oder das Christentum richtet, sondern diese über Umwege oder indirekt schädigt.

Im Unterschied zum Antisemitismus hat Christenfeindlichkeit in der Regel keine unmittelbar biologistische Komponente, kann sich aber, wie es der Antisemitismus es im Fall von Juden tut, sowohl gegen individuelle Christen als auch gegen Christen als soziale, kulturelle oder ethnische Gruppe richten.

Christenfeindlichkeit liegt in der Regel eine antichristliche Ideologie zugrunde, die das Christentum als Religion und als Weltanschauung oder Christen als Gruppe ablehnt und bekämpft.

Christenfeindlichkeit als „höfliche Verfolgung“

Papst Franziskus differenzierte zwischen unmittelbarer physischer Verfolgung von Christen, wie sie gegenwärtig vor allem in kommunistischen Staaten oder in einigen Staaten des islamischen Kulturraums zu beobachten ist, und „höflicher Verfolgung“. Letztere sei „verkleidet als Kultur, getarnt als Moderne, getarnt als Fortschritt“ und äußere sich in sozialem Druck, Gesetzgebung und Intoleranz gegenüber Christen wegen ihrer christlichen Lebensführung und ihres Eintretens für christliche Werte.

Abgrenzung vom Konzept der „Islamophobie“

Die Auseinandersetzung mit Christenfeindlichkeit dient, anders als etwa die Auseinandersetzung mit sogenannter „Islamophobie“, nicht dem Zweck, Kritik am Christentum oder am Handeln christlicher Akteure mit identitätspolitischen Mitteln zu delegitimieren. Christenfeindlichkeit liegt somit nach unserer Definition nicht vor, wenn versucht wird, Christen oder dem Christentum argumentativ zu begegnen, weil deren religiöse, weltanschauliche oder sonstige Positionen nicht geteilt werden, bzw. wenn entsprechende Kritik an diesen geübt wird. Wir begrüßen solche Kritik vielmehr, weil sie oft tatsächliche Schwächen im Denken und Handeln von Christen anspricht und helfen kann, diese zu überwinden.