Stand: 12.11.2021

Die hier vorgestellten Denker haben sich mit Fragen des schützenden und bewahrenden Dienstes bzw. mit der Frage der Bewahrung des abendländischen Erbes auseinandergesetzt.

Abendländische Weltanschauung betont, dass die Menschen der Gegenwart immer Zwergen gleichen, die auf den Schultern von Riesen stehen. Dieses Bild, das erstmals von Bernhard von Chartres um 1120 verwendet wurde, soll aussagen, dass alle Leistungen der Gegenwart auf den Leistungen vieler vorhergehender Generationen beruhen. Zu dem über die Generationen hinweg gewachsenen Erbe kann die Generation der Gegenwart nur wenig Neues beitragen. Ihr wichtigster Beitrag zu diesem Erbe besteht darin, es zu erhalten und intakt weiterzugeben.1

1. Denker der Gegenwart

In diesem Abschnitt werden nur vor 1950 geborene Denker aufgeführt.

  • Ryszard Legutko (geb. 1949): Der polnische Philosoph setzt sich unter anderem mit totalitären Tendenzen in modernen Ideologien auseinander, etwa in seinem Werk „The Demon in Democracy: Totalitarian Temptations in Free Societies”.
  • Rémi Brague (geb. 1947)
  • Robert Sarah (geb. 1945): Der Kardinal gilt als eine der wichtigsten Stimmen geistiger Erneuerung in der katholischen Kirche der Gegenwart. So betonte er etwa die Gefahren, die dem Christentum durch das Wirken utopischer Ideologien sowie islamistische Strömungen und Akteure drohen und rief zu stärkerer Auseinandersetzung mit diesen auf. Papst Benedikt XVI. bezeichnete Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung als “geistlichen Lehrer”.
  • Roger Scruton (1944-2020): Der Philosoph erklärte, unter dem Eindruck der 68er-Kulturrevolution konservativ geworden zu sein: „Ich dachte mir, dass es einen Weg zurück und zur Verteidigung der westlichen Zivilisation gegen diese Dinge geben müsse. So bin ich konservativ geworden. Ich wusste, ich wollte lieber Dinge bewahren als sie zerstören“. In seinem Werk tritt er vor allem für die Wiederentdeckung traditioneller Ästhetik ein, die wie alle Kultur auf der Religion beruhe. Architektur beginne mit einem “Akt der Konsekration”.
  • Charles Taylor (geb. 1931): Taylor ist einer der bedeutendsten Kritiker modernen Denkens der vergangenen Jahrzehnte. Die Moderne nehme die Wirklichkeit innerhalb eines verengten Rahmen wahr, der keinen Raum für das Vertikale oder das Transzendente lasse und dieses unzugänglich oder sogar undenkbar mache. Dadurch verzerre bzw. verstelle modernes Denken den Blick des Menschen auf Teile der Wirklichkeit und zerstöre die Teile der Kultur, die auf dem Blick auf das Transzendente beruhten.
  • Ernst-Wolfgang Böckenförde (1930-2019): Der katholische Staats- und Verwaltungswissenschaftler und ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht formulierte das sog. Böckenförde-Diktum: “Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.”
  • Allan Bloom (1930-1992): Der Politikwissenschaftler Allan Bloom, ein Schüler von Leo Strauss, beschrieb 1987 in seinem Hauptwerk “The Closing of the American Mind” die Zerstörung des klassischen Bildungsideals an Universitäten durch die Folgen der Durchsetzung neo-marxistischer und vor allem postmoderner Ideologie seit den späten 1960er Jahren. Die abendländische universitäre Tradition mit ihren Wurzeln im Denken der griechischen Antike mit ihrem Ziel des Streben nach Wahrheit sei im Zuge der Durchsetzung zunächst neomarxistischer und dann postmoderner Ideologie seit späten 1960er Jahren zunehmend durch Ideologisierung von Fächern sowie durch die Ablehnung der Vorstellung der Existenz einer objektiven Wirklichkeit verdrängt worden. An die Stelle der abendländischen Tradition des Denkens würden Relativismus und die Berufung auf die eigenen Gefühle treten. Die Weitergabe des abendländischen kulturellen Erbes fände an Universitäten in immer geringerem Maße statt. Ein Erbe, das man nicht kenne, könne man jedoch nicht bewahren oder verteidigen.
  • Alasdair MacIntyre (geb. 1929): Der Philosoph wurde vor allem durch seine moralphilosophische Kritik des Relativismus der Aufklärung und seine Gedanken über die Fortsetzung der abendländischen Tradition bekannt. In seinem Hauptwerk “Der Verlust der Tugend” beschreibt MacIntyre moralphilosophische Verfallsprozesse in westlichen Gesellschaften in Folge der Ausbreitung relativistischer Ideologien. Am Schluss des Werkes sagt er den Gesellschaften des Westens eine moralische Krise voraus, aus der sie nur ein “völlig anderer Benedikt” (ein Bezug auf den hl. Benedikt von Nursia) herausführen werden könne.
  • Leszek Kolakowski (1927-2009)
  • Robert Spaemann (1927-2018): Der katholische Philosoph und Berater Benedikts XVI. betonte die Bedeutung des Christentums als Gegenpol zu totalitären Utopien. Zudem schrieb er über die für Europa und das Christentum identitätsstiftenden „heiligen Erzählungen“ des Christentums, zu denen auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“ gehöre.
  • Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger, geb. 1927): Der Historiker Peter Watson stellte ihn in eine Reihe mit Beethoven und Kant als einen Vertreter des “deutschen Genius”. Zu seinen Texten gehören “Europas Kultur und ihre Krise”, “Die Seele Europas” und “Über die Zukunft der Kirche”.
  • Philip Rieff (1922-2006): Der Soziologe schuf das Konzept der “Antikultur” zur Beschreibung der auf die Auflösung gewachsener Tradition gerichteten weltanschaulichen Strömungen der Moderne und erklärte ihr Wirken psychologisch als Ausdruck eines kollektiven Todestriebs.
  • Thomas Molnar (1921-2010)
  • Walter Laqueur (1921-2018): Der Historiker gilt als Begründer der Terrorismusforschung und lehrte unter anderem an der katholischen Georgetown University in den USA. Er hatte in mehreren Werken die existenziellen Herausforderungen analysiert, denen Europa gegenüberstehe, und vor gravierenden Verwerfungen gewarnt. In diesem Zusammenhang sprach er von “heraufziehenden Stürmen” und den möglicherweise angebrochenen “letzten Tagen von Europa”.
  • Alexander Solschenizyn (1918-2008): Der Schriftsteller verfasste u.a. das Werk “Der Archipel Gulag”, in dem er die Verbrechen des Kommunismus aufarbeitet, und trug als Dissident dazu bei, die Grundlagen für die kulturelle Erneuerung Russlands nach dem Ende des Kommunismus zu schaffen. In einer 1978 an der Universität Harvard gehaltenen Rede sagte er der westlichen Welt existentielle Krisen voraus, deren Ursache sei, dass sie ähnlich wie der Kommunismus auf dem fehlerhaften Welt- und Menschenbild der Moderne aufgebaut seien.
  • Russell Kirk (1918-1994): Der Katholik und politische Philosoph Russell Kirk arbeitete in seinem Hauptwerk “The Conservative Mind” (“Lebendiges politisches Erbe”) die Tradition konservativen Denkens im angelsächsischen Raum auf. Seine politische Philosophie war, in Anknüpfung an die Gedanken Edmund Burkes, geprägt von der Kritik am modernen Gleichheitsbegriff, der die Leugnung oder Einebnung der Unterschiede zwischen Menschen zum Kern hat. Russell stellte dem die Idee der Rechtsgleichheit ansonsten unterschiedlicher Menschen gegenüber. Auch die Vorstellung der Perfektionierbarkeit des Menschen lehnte Kirk ab und stellte ihr das christliche Menschenbild gegenüber, das von der Unvollkommenheit des Menschen ausgeht. Außerdem setzte er sich auf der Grundlage der katholischen Naturrechtslehre mit den Prinzipien guten politischen Handelns und den Voraussetzungen guter Gesellschaften auseinander.
  • Bernard Lewis (1916-2018): Der britisch-amerikanische Historiker Bernard Lewis (1916-2018) lehrte zuletzt an der Princeton University und galt als einer der weltweit führenden Experten für die Geschichte des Nahen Ostens und des Islam. Bereits in den 1970er Jahren prognostizierte er das Erstarken des politischen Islam und einen daraus resultierenden „Clash of Civilizations“.
  • Robert Alexander Nisbet (1913-1996)
  • Nicolás Gómez Dávila (1913-1994): Der kolumbianische Philosoph und katholische Traditionalist, der sich selbst als “Reaktionär” bezeichnete, ist vor allem für seine konsequente Kritik der Moderne sowie moderner Ideologien bekannt, die er vorwiegend in Form von Aphorismen vortrug.
  • Mircea Eliade (1907-1986): Er gehörte zu den Religionswissenschaftlern, die bei ihrer Erforschung religiöser Phänomene von der Möglichkeit ausgingen, dass religiöse Erfahrungen auf der Wahrnehmung eines nichtmateriellen Teiles der Wirklichkeit beruhen. In diesem Zusammenhang untersuchte er u.a. die von ihm als Erzählungen über das Heilige verstandenen Mythen der Menschheit auf Gemeinsamkeiten.
  • James Burnham (1905-1987): Der Philosoph und Soziologe untersuchte kulturelle Auflösungstendenzen in westlichen, liberalen Gesellschaften in seinen Werken “Begeht der Westen Selbstmord?” und “Die Revolution der Manager”.
  • Josef Pieper (1904-1997): Der christliche Philosoph vermittelte in seinen Werken die Weisheitstradition des Abendlandes in klarer Sprache und zeigte ihre zeitlose Aktualität auf. Dabei berührte er auch Fragen der Spiritualität des schützenden Dienstes, etwa in seinen Werken über die Tugenden der Tapferkeit und der Disziplin.
  • Arnold Gehlen (1904-1976)
  • Eric Voegelin (1901-1985): Der Politikwissenschaftler setzte sich auf Grundlage des christlichen Menschenbildes mit den geistigen Verfallserscheinungen der Moderne auseinander. Modernen Ideologien warf er vor, elementare Aspekte der Wirklichkeit auszublenden, was dazu führe, dass diese der Wirklichkeit nicht gerecht würden. Politikwissenschaft betrachtete er als die Wissenschaft der auf ein transzendentes Ziel ausgerichteten sozialen Ordnung der Welt. Mit der Trennung von diese Ziele löse sich auch die entsprechende Ordnung auf.
  • Leo Strauss (1899-1973)
  • C. S. Lewis (1898-1963): Der Philosoph und Schriftsteller war ein Verteidiger der christlichen Geistestradition gegen die von ihm kritisierte “Abschaffung des Menschen” durch die Reduzierung der Wirklichkeit auf empirisch Fassbares seitens moderner Ideologien.
  • Henri de Lubac (1896-1991): Er gilt als einer der wichtigsten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Er setzte sich auch mit der Herausforderung des Christentums durch moderne Ideologien wie den säkularen Atheismus auseinander. Während des Zweiten Weltkriegs wirkte er im französischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit. Am 2. Februar 1983 wurde er von Papst Johannes Paul II. ohne vorherige Bischofsweihe in das Kardinalskollegium aufgenommen, um damit sein theologisches Lebenswerk zu würdigen. Zu seinen bekanntesten Schülern zählt Hans Urs von Balthasar. Auch die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben sich auf sein Werk bezogen.
  • Hilaire Belloc (1896-1953): Der Historiker schrieb über die Bedeutung des Christentums für Europa: “Der Glaube ist Europa und Europa ist der Glaube.” Er sah zudem bereits in den 1930er Jahren das Erstarken radikaler Strömungen im Islam voraus.
  • J. R. R. Tolkien (1892-1973): Sein Werk führte zu einer Wiederentdeckung des traditionellen, im Mythos verwurzelten Denkens in der westlichen Welt.
  • Dietrich von Hildebrand (1889-1977): Papst Pius XII. bezeichnete ihn als „Kirchenlehrer des 20. Jahrhunderts“. In seinen Schriften setzte er sich u. a. mit der Krise der katholischen Kirche nach dem II. Vatikanischen Konzil bzw. den innerhalb der Kirche wirkenden destruktiven Ideologien und Weltanschauungen auseinander.
  • Arnold J. Toynbee (1889-1975): Er gilt als einer der wichtigsten Historiker des 20. Jahrhunderts. Die Ursachen der Krise der westlichen Kulturen sah er in ihrem Abfall von der Religion. Benedikt XVI. schrieb über das Werk Toynbees: “Die Krise heißt für ihn letztlich: Säkularismus. Wenn man die Ursache der Krise kennt, kann man auch den Weg der Heilung angeben: Das religiöse Moment muss neu eingeführt werden, wozu für ihn das religiöse Erbe aller Kulturen gehört, besonders aber das, “was vom abendländischen Christentum übrig geblieben ist.” Benedikt bezeichnete die Gedanken Toynbees als Grundlage für seine Annahme, dass die Kulturen Europas durch das Wirken christlicher kreativer Minderheiten erneuert werden könnten und nicht wie u. a. von Oswald Spengler vermutet aufgrund von kultureller Erschöpfung zwangsläufig untergehen müssten.
  • Hannah Arendt (1906-1975)
  • Christopher Dawson (1889-1970): Er gilt als bedeutendster katholischer Historiker des 20. Jahrhunderts und hat sich vor allem mit der Entstehung Europas bzw. des Abendlandes und seinen christlichen Wurzeln auseinandergesetzt.
  • Pitirim Sorokin (1889-1968): Er setzte sich in seinem Werk mit dem Problem der kulturellen Auflösung von Gesellschaften auseinander. Ab den 1930er Jahren lehrte er für vier Jahrzehnte Soziologie an der Harvard University. In seinem 1937 veröffentlichten Hauptwerk “Social and Cultural Dynamics” analysierte er die Krise westlicher Gesellschaften, deren Ende noch nicht absehbar sei. Er lehnte das Fortschrittsnarrativ moderner Ideologien ab, gibt aber anders als Oswald Spengler nicht von einem zwangsläufigen Erlöschen abendländischer Kultur aus. Die Folgen der Krisen dieser Kultur könnten Erneuerungsbewegungen hervorbringen. In seiner Kulturtheorie unterscheidet er zwischen „sensaten“ und „ideationalen“ Strömungen in der Kultur. Ideationale Strömungen würden Glauben, religiöse Erfahrung und das Streben nach dem Absoluten betonen und von der Existenz einer immateriellen Wirklichkeit ausgehen. Kultur sei etwas, das der Mensch als Ergebnis seiner Gottesschau schaffe. Materialistische (“sensate”) Strömungen würden Wirklichkeit mit der sinnlich unmittelbar wahrnehmbaren materiellen Wirklichkeit gleichsetzen. Die Vorstellung einer unverfügbaren Natur des Menschen oder eines unverfügbaren moralischen Gesetzes werde abgelehnt. Als moralisch richtig gelte, was sich gut anfühle. Die von ihnen angestrebten Werte seien Wohlstand, Gesundheit, Wohlbefinden im Sinne von sinnlicher Stimulation, Macht und Ruhm. Utilitarismus und Hedonismus seien die wesentlichen Organisationsprinzipien des von ihnen geprägten gesellschaftlichen Lebens. Ihre Leistungen lägen auf technischem und naturwissenschaftlichen Gebiet. Sie würden die von spirituellen Strömungen erzeugte kulturelle Substanz als irrational und lustfeindlich etc. betrachten und auflösen, wodurch sie die dadurch eingehegten schlechten Teile der Natur des Menschen freisetzen und dadurch die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft zerstören. Spätphasen materialistischer Kultur seien von einem immer extremeren Bedürfnis nach sinnlicher Stimulation begleitet. Die führe zu kulturellen Krisen und werde in einer Katastrophe münden. Die gescheiterte Kultur würde dann entweder religiös erneuert oder von einer anderen Kultur abgelöst werden.
  • T. S. Eliot (1888-1965): Der christlich-konservative Autor, der 1948 den Nobelpreis für Literatur erhielt, kritisierte vor allem den moralischen und politischen Relativismus seiner Epoche. In seiner 1939 erschienenen Schrift “The Idea of a Christian Society” zeichnete er einen christlich-abendländischen Gegenentwurf sowohl zu totalitären Ideologien als auch zum Liberalismus, den er für kulturelle Auflösungserscheinungen in westlichen Gesellschaften verantwortlich machte.
  • Romano Guardini (1885-1968): Der katholische Theologe lehrte katholische Weltanschauung an verschiedenen deutschen Universitäten und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter dieses Faches im 20. Jahrhundert. Sein Werk beeinflusste unter anderem Hannah Arendt und Benedikt XVI. Er beschrieb in seinem Werk “Das Ende der Neuzeit” die besonderen spirituellen Herausforderungen, die mit der Krise Europas verbunden seien. Tapferkeit, „die sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, beschrieb er dabei als eine zentrale Eigenschaft einer dieser Lage gerecht werdenden Spiritualität. Sie habe gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und „die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ gegen sich.
  • José Ortega y Gasset (1883-1955): In seinem 1930 erschienenen Aufsatz „Der Aufstand der Massen“ beschreibt er Elite und Masse. Masse sei ein bindungs- und kulturloser geistiger Zustand, der keine große Aufgaben kennt und nur nach der Befriedigung materieller Grundbedürfnisse strebt und durch Demagogen verführbar ist, die utopische Zustände versprechen. Nationalsozialismus und Kommunismus seien typische Massenbewegungen. Eliten hingegen würden sich als Träger einer Idee oder einer historischen Aufgabe wahrnehmen, für die sich zur Selbstaufgabe bereit seien. Eliten müssten die Masse führen.
  • Oswald Spengler (1880-1936)

2. Denker der Neuzeit

  • Nikolai Berdjajew (1874-1948): Philosoph und Künder eines “neuen Mittelalters” im Sinne einer Renaissance der Religion und des Geistigen in Europa nach dem Scheitern moderner Ideologien
  • G. K. Chesterton (1874-1936): Der Autor gilt als einer der fähigsten Verteidiger des katholischen Glaubens im 21. Jahrhundert.
  • Charles Péguy (1873-1914): Der französische Schriftsteller veröffentlichte kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs einen weitsichtigen Aufsatz, in dem er „bisher ungekannte Prüfungen“ für das Christentum ankündigte. Angesichts der bevorstehenden Verwerfungen gleiche das Christentum einer „Festung im Meer“. Es werde künftig kein unverbindliches Christentum mehr geben können. Jeder Christ werde an der Grenze des Königreiches stehen und Soldat im Kampf gegen die Mächte des Bösen sein.
  • Jacob Burckhardt (1818-1897): Der Kulturhistoriker entwickelte eine Theorie historischer Krisen und betonte die zentrale Rolle der Religion als Treiber historischer Entwicklung.
  • Juan Donoso Cortés (1809-1853): Der spanische Staatsmann und Geschichtsphilosoph betonte die Bedeutung der Religion als Grundlage der Kultur und der guten Politik. Zugleich war er ein Kritiker materialistischer Ideologien, etwa dem Liberalismus, dem Sozialismus und dem damals entstehenden Kommunismus. Gesellschaftliche Krisen verstand er als Folge des Abfalls von der Religion und den Gedanken, die sie beinhaltet. Um 1850 warnte er, dass Europa als Folge der Abwendung vom Christentum gravierende Verwerfungen bevorstehen würden. “Plebejer von satanischer Größe” würden den Kontinent ins Chaos stürzen.
  • Alexis de Tocqueville (1805-1859)
  • Louis de Bonald (1754-1840): Er war einer der wichtigsten christlich-konservativen Kritiker der Aufklärung und der Französischen Revolution. Dabei kritisierte er insbesondere die Vorstellung, dass der Mensch autonom bzw. keiner über ihm stehenden unverfügbaren Ordnung unterworfen sei. Zugleich warnte er vor den Folgen der Ausblendung dieser Ordnung oder ihrer Verletzung.
  • Joseph de Maistre (1753-1821): Er wurde von den Gedanken Edmund Burkes geprägt und stellt zusammen mit Louis de Bonald den wichtigsten philosophischen Gegner der Ideologie der französischen Revolution dar. Für ihn ist der Terror die logische Konsequenz der Revolution. Wer das Ideal der Gleichheit über alles stellt, muss demnach mit Notwendigkeit alles bekämpfen, was der Verwirklichung dieser Utopie widerspricht. Wer die Freiheit zum obersten Gesetz der politischen Ordnung erklärt, muss alle Traditionen und sozialen Gefüge, die den Einzelnen tragen und prägen, unweigerlich in Frage stellen. Damit werden aber auch alle Fundamente zerstört, die sinnstiftend wirken und Stabilität garantieren. In seiner 1957 erschienenen Abhandlung über de Maistre, die den Titel Über das reaktionäre Denken trägt, bemerkt Emil Cioran: „An den Verheißungen der Utopie scheint alles bewundernswert und ist alles falsch; an den Feststellungen der Reaktionäre ist alles verabscheuenswert und scheint alles wahr“.
  • Edmund Burke (1729-1797): Staatsphilosoph, der nach der Französischen Revolution die totalitären Tendenzen moderner utopischer Ideologien beschrieb
  • Niccolò Machiavelli (1469-1527)

3. Denker des Mittelalters

  • Thomas von Aquin (1225-1274): Der christliche Philosoph und Heilige der katholischen Kirche trug unter anderem zur Entwicklung der Naturrechtslehre wesentlich bei, wobei er an antike griechische Philosophie anknüpfte.

4. Denker der Antike

  • Augustinus (354-430)
  • Marcus Aurelius (121-180)
  • Epiktet (55-135)
  • Plutarch (45-145)
  • Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr.): Sein Werk beeinflusste das abendländische Denken nachhaltig. Augustinus wandte sich auch unter dem Eindruck der Werke Ciceros dem religiösen Denken und später dem Christentum zu. Thomas von Aquin griff viele der Gedanken Ciceros auf. Zum konservativen Denken haben vor allem seine Schriften “De officiis” (“Über die Pflichten”, eine Abhandlung über Tugendlehre) sowie “De legibus” (“Über die Gesetze”, eine Abhandlung über das Naturrecht) beigetragen. Der Philosoph José Ortega y Gasset sagte, Cicero sei “der repräsentativste Mensch jener Zeit” gewesen. In ihm sei “die spezifisch römische Kultur verkörpert”, die ganze juristisch-politische Überlieferung der Republik als solcher”. Cicero sei hinsichtlich seiner Bedeutung für die Religion der damaligen Zeit “nichts geringeres als Pontifex” gewesen und habe zudem “alles gelernt, was man von Griechenland lernen konnte”.2
  • Aristoteles (384-322 v. Chr.)
  • Platon (ca. 428-347 v. Chr.)
  • Thukydides (ca. 454-399 v. Chr.): Historiker und Vordenker des politischen Realismus
  • Sokrates (469-399 v. Chr.): Er begründete das abendländische Denken, hinterließ aber keine Schriften. Seine Gedanken wurden u. a. durch Platon überliefert. Er durchlief zunächst eine klassische Bildung und diente als Hoplit im Peleponnesischen Krieg, wo er durch seine soldatische Tugend auffiel. Später begann er öffentlich auf der Agora von Athen zu lehren, wirkte aber auch als Politikberater.

Quellen

  1. Tobias Leuker: „‚Zwerge auf den Schultern von Riesen.‘ Zur Entstehung des berühmten Vergleichs“, Mittellateinisches Jahrbuch, Band 32 (1997), S. 71–76.
  2. José Ortega y Gasset: Das Wesen geschichtlicher Krisen, Stuttgart 1951, S. 92.