Stand: 04.05.2021

Diese Themenseite enthält eine laufend aktualisierte Sammlung von Impulsen zum traditionellen Leben vor dem Hintergrund des Themas kulturelle Resilienz. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie individuelles Leben im Sinne der westlich-abendländischen Tradition so gestaltet werden kann, dass es zur kulturellen Resilienz der auf diesem Erbe beruhenden Gemeinwesen beitragen kann.

Wenn hier von traditionellem Leben die Rede ist, dann ist damit ein Leben gemeint, das zeitlos gültigen Prinzipien folgt, die die sich immer wieder in Krisenzeiten bewährt haben. Menschen, die diesen Prinzipien folgen, gewinnen dadurch an Resilienz. Dies gilt auch für ganze Gesellschaften, wenn ihn ihnen ein hinreichend großer Teil der Menschen den beschriebenen Prinzipien folgt.

Schwerpunkt dieser Themenseite ist die traditionelle Lebensführung des Mannes, die es ihm ermöglicht, der von praktisch allen Kulturen in der Geschichte der Menschheit erkannten Berufung dazu zu folgen, physisch oder geistig Vater zu sein, als Beschützer und Versorger zu wirken und Verantwortung für sich, seine Familie und das Gemeinwesen zu übernehmen. Dazu muss ein Mann neben den klassischen Kardinaltugenden auch physische und psychische Stärke sowie praktische Fähigkeiten beruflicher Art erw, aber auch die Fähigkeit sich in Auseinandersetzungen zu behaupten oder mit Frauen umzugehen, erwerben.1

Die geistigen Aspekte traditioneller Lebensstile, etwa die abendländische Tugendethik, werden auf anderen Themenseiten beschrieben. Auch die mit traditionellem Leben eng verbundene religiöse Praxis wird an anderer Stelle behandelt. Auf dieser Themenseite geht es vor allem um die praktischen Aspekte traditionellen Lebens sowie um dessen Verwirklichung vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Gegenwart.

1. Unterschiede zwischen traditionellen und postmodernen Lebensstilen

  • Traditionelle Lebensstile haben sich über lange Zeiträume hinweg bewährt, was ihre Fähigkeit angeht, die Kontinuität von Gemeinschaften von Menschen zu gewährleisten. Postmoderne Lebensstile hingegen sind gegenüber der Frage des dauerhaften Bestands solcher Gemeinschaften gleichgültig und wirkten sich innerhalb des kurzen historischen Zeitraums, in dem sie praktiziert wurden, negativ auf die Resilienz von Gemeinwesen aus. Traditionelle Lebensstile stärken auch die Resilienz von Individuen, während postmoderne Lebensstile diese Resilienz reduzieren.
  • Während in postmodernen Lebensstilen die eigene Person und die Befriedigung ihrer Leidenschaften sowie die Durchsetzung ihrer Interessen im Vordergrund stehen, stehen in traditionellen Lebensstilen andere Menschen, etwa eine Familie, oder eine Aufgabe im Zentrum.
  • Postmoderne Lebensstile beruhen auf der Annahme, dass Freiheit in erster Linie die Freiheit von Bindungen ist. Traditionelle Lebensstile hingegen beruhen auf der Annahme, dass Freiheit vor allem in der erfolgreichen Kontrolle der eigenen Leidenschaften besteht und nur im Rahmen von Bindungen verwirklicht werden kann.
  • Postmoderne Lebensstile beruhen auf der Annahme, dass es keine realen Absolutheiten gibt, die den Menschen in seinen Entscheidungen einschränken könnten, und dass der Mensch sich selbst definiert und seine Identität frei wählt. Der Mensch könne sogar entscheiden, ob er Mann oder Frau sein wolle. Absolute Maßstäben, an denen solche Entscheidungen gemessen werden könnten, existierten nicht. Traditionelle Lebensstile hingegen beruhen auf der Annahme, dass eine unverfügbare Ordnung existiert, die der Mensch erkennen und respektieren muss, und gegen die er nur zu seinem Schaden ignorieren könnte. Zu diesen Annahmen gehört, dass es natürliche, zu bejahende Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt und dass der Mensch über eine individuelle Berufung verfügt, die er bejahen oder ablehnen, aber nicht frei wählen kann.
  • Postmoderne Lebensstile erkennen nur die physische Wirklichkeit als real an. Traditionelle Lebensstile beinhalten hingegen immer eine transzendente Komponente.
  • Traditionelle Lebensstile mache ihre Träger weniger abhängig von funktionierender Technologie oder funktionierenden staatlichen Strukturen und sind daher resilienter als andere.

2. Die Berufung des Mannes

Abendländische Vorstellungen über das Leben des Mannes im Geiste der Tradition beruhen auf der traditionellen Vorstellung über die Berufung des Mannes. Demnach ist dieser unmittelbar dazu berufen, Vater, Beschützer und Versorger einer Familie zu sein. Vaterschaft kann zudem auch im geistlichen Sinne ausgeübt werden, etwa im Rahmen einer Berufung als Priester. Außerdem sei der Mann dazu berufen, sein Leben und seine Fähigkeiten in den Dienst der Ordnung und des Gemeinwesens zu stellen. Seine Fähigkeiten müsse er so entwickeln und anwenden, dass er einen wichtigen Beitrag zu deren Erhalt und Gedeihen liefert.

3. Klassische Bildung

Klassische schulische Bildung setzt in der Regel nach der Grundschule an und ist Teil dient der Bildung der Persönlichkeit sowie der Identitätsbildung bzw. der Aneignung des geistigen Lebens des abendländischen Zivilisation durch die Begegnung mit den besten Werken ihres kulturellen Erbes sowie mit ihren Werten und Leitbildern. Die berufliche Qualifikation ist nicht Teil der klassischen Bildung, sondern getrennt von ihr zu betrachten.

Die sieben freien Künste sind ein Fächerkanon, der auf die Antike zurückgeht und der die geistigen Bildungsinhalte beschreibt, die freien Männern (daher freie Künste) als angemessen galten. Später galten sie als die Voraussetzungen für ein Studium. Bereits die karolingischen Kloster- und Domschulen unterrichteten einige dieser Fächer, um ihre Schüler auf ihre Aufgaben vorzubereiten.2 Im englischsprachigen Raum gibt es bis heute Liberal Arts Colleges, die vor allem eine breite Allgemeinbildung vermitteln.

  • Weitgehend unverändert gelehrt werden die Themen des triviums, also die Inhalte der klassischen sprachlichen Fächer: Grammatik (Formal richtig sprechen und schreiben), Dalektik/Logik (Inhaltlich richtig sprechen und schreiben sowie logisches Denken) und Rhetorik (sich verständlich ausdrücken bzw. die Ergebnisse logischen Denkens zielgruppengerecht darstellen).3
  • Die Themen des quadriviums, den klassischen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, entwickelten sich seit der Antike stark weiter, so dass sie nicht mehr sinnvoll unverändert gelehrt werden können. Die hier enthaltene Musik wird etwa nicht mehr als Teil der Mathematik betrachtet, während die Astronomie nun zu den wesentlich erweiterten Naturwissenschaften zählt, die ehemals Teil der Geometrie waren.4

Klassische Bildung baut im Kern jedoch bis heute auf diesem Fächerkanon auf, erweitert ihn aber in der Regel um Fächer wie Philosophie, die Geschichte der westlich-abendländischen Zivilisation und Kunstgeschichte sowie um die Lektüre der großen Werke von Autoren wie Platon, Aristoteles, Cicero, Dante etc. oder um Fächer wie Latein und Griechisch. Das Fach Religion wird dabei oft nicht als eigenes Fach gelehrt, weil davon ausgegangen wird, dass das entsprechende Wissen durch das Elternhaus sowie durch kirchliche Institutionen vermittelt wird und ansonsten religiöse Inhalte klassische Bildung allgemein durchdringen.

Die St. Jerome Academy, eine dem klassischem Bildungsideal folgende Schule in den USA, hat einen umfassenden Bildungsplan geschaffen, der die Umsetzung dieses Ideals in der Gegenwart exemplarisch beschreibt.

4. Aktivitäten des Mannes

Im Mittelalter wurde das Konzept der sieben praktischen Fertigkeiten entwickelt, die Ritter beherrschen sollten. Dazu gehörten das Reiten, das Schwimmen, das Bogenschießen, das Fechten, das Jagen, das Schachspielen und das Dichten.

4.1 Sport, Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit

4.1.1 Allgemeines

Der Auftrag Gottes an den Menschen, „seid fruchtbar und mehrt euch“5, setzt voraus, dass Männer (und auch Frauen) in der nötigen körperlichen Verfassung sind. Nach funktionaler körperlicher Fitness und Gesundheit zu streben ist somit eine indirekte Forderung Gottes an den Menschen.

Körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sowie seelische Belastbarkeit sind eng miteinander verbunden. Der körperlich leistungsfähige Mann ist ein besserer Diener seines Nächsten und des Gemeinwohls. Wer seinen Körper nicht pflegt, wird früher als es das Alter erzwingt unfähig dazu sein, zu dienen. Die Unterwerfung des Körpers unter den Willen ist außerdem Teil des asketischen Kampfes des Christen. Körperliches Training ähnelt in mancher Hinsicht dem Training der Seele und erfordert die beharrliche und disziplinierte Konfrontation mit den eigenen Schwächen. Der Apostel Paulus verglich den geistigen Kampf daher mit dem Training des Athleten.

In den christlichen Klöstern wurde von Anfang an auch körperliche Tauglichkeit gepflegt und die cura corporis neben der cura animae betrieben. Benedikt von Nursia behandelt das Thema der körperlichen Tauglichkeit in seiner Mönchsregel. Körperliche Disziplin war zudem in Klöstern von Anfang an Teil der asketischen Praxis, und darüber hinaus wurden in Klöstern Gesundheits- und Ernährungsstudien betrieben und entsprechende Erkenntnisse praktisch umgesetzt und eingeübt. Körperliche Arbeit hatte zudem oft einen hohen Stellenwert.

Cicero schrieb über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit:

„Das sittlich Gute, das man in hochgesinnter, edelmütiger Einstellung erstrebt, wird überhaupt durch geistige und nicht durch körperliche Kräfte verwirklicht. Trotzdem muß man den Körper üben und in eine solche Verfassung bringen, daß er bei der Erfüllung von Aufgaben und dem Ertragen von Anstrengungen der Entscheidung der Vernunft gehorchen kann.“6

Thomas von Aquin betrachtete körperliche Leistungsfähigkeit als Tugend bzw. als Form der Tüchtigkeit. Ein Mann sei körperlich „umso tüchtiger […], je mehr Feinde er niederringen oder je mehr Lasten er vom Boden heben kann.“ Seelische Tüchtigkeit sei für Männer in politischen und gesellschaftlichen Führungsfunktionen zwar wichtiger als körperliche Tüchtigkeit, weil der Mann durch sie „nicht nur sich selbst, sondern auch anderen den Weg zu bestimmen vermag“, aber dies bedeute nicht, dass sie unwichtig sei.7

Die Kontrolle des eigenen Körpers und die Unterwerfung seiner Leidenschaften spielt im Christentum bzw. in seinem umfassenden Haltungsideal eine wichtige Rolle. Der gottesebenbildliche Mensch handelt unterhalb seiner Würde, wenn er von seinen Leidenschaften gesteuert und auch körperlich geformt wird. Ein Mangel an körperlicher Form deutet meist auf charakterliche oder seelische Mängel hin und ist zudem hässlich. Ein entsprechend deformierter Mensch taugt kaum dazu, Vorbild im Glauben zu sein und andere Menschen vom Christentum zu überzeugen. Völlerei ist auch deshalb eine der sieben Todsünden.

Körperliche Disziplin und Übung fördert die Dienstfähigkeit auf die folgende Weise: Sie stärkt die Kontrolle des Geistes über den Körper und die Leidenschaften. Sie stärkt außerdem den Charakter und männliche Eigenschaften wie Selbstvertrauen, Willen, Fairness, sowie die Fähigkeit, Leid zu ertragen. Der Priester Walter Ciszek, der mehrere Jahrzehnte in sowjetischer Lagerhaft verbrachte, schrieb über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit für seinen Dienst:

„Was mir im Gefängnis zuwuchs, war ein gewaltiges Maß an Respekt und Liebe zum guten alten ‚Bruder Esel‘, dem Leib. Der Leib nämlich trug die Hauptlast aller Leiden, auch wenn die Seele ebenfalls durch Angst geprüft wurde. Und bei aller Willenskraft und Entschlossenheit, die wir Menschen haben können, ist es doch der Leib, der uns durchs Leben trägt. Der Leib war es, der den schneidenden Wind aushielt, die beißende Kälte, die Schmerzen der verkrampften Muskeln, die wie von Peitschenhieben rissige, blutende Haut, die nagenden Hungerqualen im Bauch, das Ziehe und die Taubheit überforderter Sehnen.“

Auch der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer beschrieb in seinen in der Haft zur Zeit des Nationalsozialismus entstandenen Aufzeichnungen die Bedeutung von körperlicher Disziplin, Sport und Hygiene.8

In den Satzungen des Jesuitenordens heißt es:

„Wie eine übertriebene Sorge in dem, was den Leib betrifft, zu tadeln ist, ebenso ist die gebührende Wachsamkeit, die darauf schaut, wie die Gesundheit und die Körperkräfte für den Göttlichen Dienst erhalten werden, zu loben und muss von allen beachtet werden.“

Bernhard von Clairvaux sagte über die Bedeutung körperlicher Tauglichkeit: „Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?“

Der katholische Theologe Romano Guardini schrieb, dass diejenigen, die anderen dienen wollten, zunächst ihr eigenes Leben im Griff haben und sich entsprechend formen müssten. Wer mehr brauche als er geben könne oder wolle, könne nicht dienen. Im Sport sei christliche Männlichkeit für viele junge Männer am direktesten erfahrbar und erlernbar:

„Es geht allein um Kraft, Schönheit und Ehre. Also freier, ritterlicher Sinn. […] Das Beste wird eingesetzt, was der Mann hat: Charakter und Vornehmheit. Der rechte Spieler will siegen, unbedingt, und sei die Übermacht noch so groß. Er hat keine Furcht. Er hält den Posten bis zum Äußersten, und oft genug macht ein kühner Angriff eine große Übermacht wett. Von Wehleidigkeit weiß er nichts. Schmerz, Müdigkeit, alles das bezwingt er. Er ist zäh im Willen zum Sieg. Aber er verachtet jeden Sieg, der durch Hinterlist, Gewalttat oder irgendwelche Unvornehmheit erkauft ist.“9

4.1.2 Wandern

Naturnahes Wandern bzw. „Trekking“ entwickelt viele Fähigkeiten, die den Mann unabhängiger vom Funktionieren der Zivilisation machen und seine Resilienz steigern. Außerdem kann Wandern der Kontemplation dienen. Friedrich Nietzsche entwickelte einige seiner Gedanken bei Wanderungen in der Berglandschaft von Sils Maria im Engadin-Hochtal in der Schweiz.

4.1.3 Bushcrafting

„Bushcrafting“ (deutsch „Waldhandwerk“) ist ein Begriff jüngeren Datums für die Auseinandersetzung mit und die Aneignung von traditionellen Fertigkeiten und Techniken des Lebens und Überlebens in der Natur. Noch stärker als durch das naturnahe Wandern werden dadurch die Unabhängigkeit von der Zivilisation und die individuelle Resilienz und damit die Fähigkeit des Mannes gestärkt, in jeder Lage Beschützer und Versorger seiner Familie zu sein. Außerdem ist das gemeinschaftlich betriebene Bushcrafting in besonderem Maße dazu geeignet, Bindungen in traditionellen Männergemeinschaften zu stärken. In traditionellen Pfadfinderbünden können bereits Jungen das Bushcrafting erlernen.

4.1.4 Bergsteigen

Als Begründer der abendländischen Tradition des Bergsteigens und -Wanderns gilt der Dichter Petrarca, der am 26. April 1336 den Mont Ventoux bestieg und dies mit der religiösen Betrachtung eines Zitats von Augustinus verband:

„Und es gehen die Menschen hin, zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahinfließenden Ströme, die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne und vergessen darüber sich selbst.“

Das Bergsteigen formt den Menschen, etwa durch die Konfrontation mit den Herausforderungen der Berge, und zwingen seien Körper und seine Seele in Form, damit er diese Herausforderungen bewältigen kann. Außerdem erzieht es den Menschen zu Kameradschaft bzw. lehrt ihn, dass er bestimmte Herausforderungen nicht allein bewältigen kann.

Gipfelkreuze werden aus verschiedenen Gründen seit dem 13. Jahrhundert auf den Bergen Europas errichtet, etwa als Wetterkreuze, die Ziel von Bitt- und Bußprozessionen sind.

Berge sind Orte, an denen das Wirken elementarer Kräfte besonders sichtbar wird. Gleichzeitig sind sie von Stille und Einsamkeit geprägt, weshalb sie immer auch Orte der Kontemplation waren, an denen häufig Klöster errichtet wurden.

Die katholischen Extrembergsteiger Thomas und Alexander Huber sagten: „Viele Wege führen zu Gott, einer davon über den Berg.“

Die Sportwissenschaft kennt das Phänomen der bewegungsinduzierten Bewusstseinsveränderungen. Das Gehirn müsse für anspruchsvolle Tätigkeiten wie das Klettern enorme Ressourcen aufwenden. Das Gehirn reagiere darauf mit Fokussierung, so dass eine besonders intensive Wahrnehmung der Gegenwart entstehe. Wenn diese Ausdauerbelastung anhalte, verschwinde das Selbstkonzept, und der Mensch empfinde sich als eins mit der Natur oder als außerhalb seines Körpers stehend.

4.1.5 Traditionelle Kampfkunst

Kampfsport wird seit dem Mittelalter mit einem christlichen Hintergrund praktiziert, wobei das Christentum hier an antike griechische und römische Vorstellungen von Tugend anknüpfte, die diese als Tauglichkeit zu einem guten Zweck im Angesicht von Gefahr definierten. Von diesem Verständnis war auch der Apostel Paulus geprägt, der christliche Tugenden unter Rückgriff auf sprachliche Bilder beschrieb, die u. a. aus dem Kampfsport stammten, mit dem er offenbar vertraut war.

  • In den Klöstern Europas wurden neben verschiedenen Handwerken laut dem im 9. Jahrhundert wirkenden Gelehrten Johannes Scottus Eriugena auch die Künste der militia und der venatoria (Kampfkunst, Waffenkunde und Jagd) gepflegt.
  • Das christliche Rittertum praktizierte hastiludia (lat. für „Lanzenspiele“) genannte Kampfspiele, die sich aus Kampfübungen entwickelten. Dazu gehörten Turniere, auf denen u. a. das Tjosten (Einzelkampf mit Lanze und Schwert) sowie der Buhurt und Turnei (bewaffneter Kampf mit scharfen oder stumpfen Waffen zwischen Gruppen) praktiziert wurden. Die Kirche begegnete diesen allerdings mit Skepsis oder Ablehnung, wo sie nicht der Ertüchtigung dienten, sondern zum Selbstzweck wurden.

Kampfkunst und Kampfkultur wurden in einzelnen christlichen Klöstern des Mittelalters gepflegt.10

Seit dem Mittelalter sind in Europa außerdem Fechtbücher überliefert, die Kampfringen sowie den Kampf mit Schwertern, Degen, Messern und Stöcken beschreiben. Das Manuskript I.33, das vermutlich um 1300 durch einen Mönch mit dem Namen Liutger im Raum Würzburg verfasst wurde, ist das älteste bekannte Fechtbuch des Spätmittelalters. Es belegt die Existenz einer christlichen Kampfkultur bzw. einer christlichen Kampfkunst im Mittelalter. Der Inhalt des Werkes behandelt vor allem den Schwertkampf und legt nahe, dass der Verfasser selbst als Ausbilder für Schwertkampf tätig war. Er handelte offenbar nicht nur aus sportlicher Absicht, sondern wollte ein wirksames System der Selbstverteidigung vermitteln.

Eine so vollständige Integration von Wehrhaftigkeit, Charakterbildung, Spiritualität und Kampfkunst, die im heute bekannteren japanischen Budo vorlag, wurde in der christlichen Kultur in der Tradition des Rittertums erreicht, deren Kampfkunst jedoch in der Gegenwart nicht mehr alltagstauglich ist und daher seit Jahrhunderten so gut wie nicht mehr praktiziert wird. In jüngster Vergangenheit nahm allerdings das Interesse an der europäischen Tradition des bewaffneten Nahkampfs bzw. an „Historical European Martial Arts“ wieder zu. In Deutschland versuchen Vereine wie die „Stahlakademie“ diese Tradition wiederzubeleben, allerdings ohne religiösen Bezug.

In der christlichen Spiritualität des Mittelalters galt die biblische Gestalt des Judas Makkabäus als Vorbild idealer männlicher Tugend, weil er militärische Fähigkeiten und körperliche Belastbarkeit mit Frömmigkeit verband und daher in besonderem Maße zum schützenden Dienst befähigt war. Geoffroi de Charny etwa stellte ein entsprechendes Verständnis von Tauglichkeit in seiner um 1350 erschienenen Schrift über den schützenden Dienst des Rittertums in den Mittelpunkt.

Das Ideal des zum entsprechenden Dienst tauglichen Mannes sei der Edelmann („Preudomme“), der militärische Leistungsfähigkeit und Frömmigkeit in sich vereine. Der entsprechend taugliche Mann diene Gott und dem Nächsten, führe den asketischen Kampf gegen seine ungeordneten Leidenschaften, pflege Glaubenspraxis sowie den Empfang der Sakramente und sei zudem tapfer, diszipliniert, loyal und taktisch versiert. De Charny propagierte in diesem Zusammenhang auch Kampfsport bzw. Turniere als Mittel zur Förderung von Tauglichkeit.

Christliche Kampfkunst ist eng verbunden mit dem Gedanken der Ritterlichkeit, der bis in die Gegenwart die Ideale des sportlichen Wettbewerbs im westlichen Kulturraum allgemein prägt. Ziel der Einübung der Kampfkunst ist nicht die Vernichtung des anderen, sondern die Stärkung der Fähigkeit zum schützenden Dienst und der damit verbundenen Tugenden. Wo Kampfsport nur als körperliche Ausbildung verstanden wird, ist er hingegen abzulehnen, da dies häufig nicht dem Gemeinwesen dienende Männer hervorbringt, sondern Schläger.

Kampfkunst sollte nicht zur Unterhaltung von Zuschauern durchgeführt werden. Die Zuschauer gewinnen dadurch nicht an Tugend, sondern befriedigen häufig nur ein Bedürfnis nach Sensation. Entsprechende Aspekte von Ritterturnieren wurden von der Kirche im Mittelalter scharf kritisiert. In der Gegenwart ist kommerzieller, zu Unterhaltungszwecken praktizierter Kampfsport häufig mit Dekadenzerscheinungen verbunden, weil das Laute und Sensationelle herausgestellt wird, um ein bestimmtes Publikum anzuziehen. Öffentliches Praktizieren von Kampfkunst ist hingegen dann wünschenswert, wenn es für diese werben soll.

Das Shotokan-Karate stellt eine eine hochentwickelte Form des Kampfsports dar, die mit den oben beschriebenen christlichen Gedanken weitgehend kompatibel ist. Gichin Funakoshi, der Schöpfer des Shotokan-Karates, beschrieb dieses als Schulung des Charakters im wehrhaften Geist durch körperliche Übung.

Der wehrhafte Geist des Shotokan-Karates kommt vor allem in seinem harten Stil zum Ausdruck. Es schult nicht nur den Körper, sondern auch Disziplin, Selbstvertrauen, Konzentration. Funakoshi betont in seinen Gedanken über das Karate zudem in Anknüpfung an Konzepte des japanischen Rittertums bzw. an das Bushido mit christlichen Gedanken kompatible Themen wie Achtung vor dem Gegner, Höflichkeit, Demut und Selbstkontrolle.

Der christliche Autor und Leistungssportler Jared Zimmerer beschrieb den Beitrag von Kampfsport zur christlichen Charakterbildung und Lebensführung. Für die gesunde Entwicklung der Seele des Mannes sei Kampfsport von entscheidender Bedeutung:

„[R]ight up to the early 20th century, boys would often fight or wrestle one another as both a test of manhood and a way to be welcomed into the tribe or culture in which they found themselves. Boys became men by learning how to defend their tribe, which taught them that their life was one of self-sacrifice for the common good. The camaraderie of learning how to defend others built lifelong friendships between boys who were expected to work together for the good of the tribe. In times past, priests themselves would teach troubled youth the art of boxing in order to help engrain discipline and respect into the boys they were evangelizing. These boys would fight one another and a brotherhood would grow. Boys have not changed.“

Angesichts von gesellschaftlichen Entwicklungen, die damit verbunden seien, dass die spirituellen Bedürfnisse von Jungen und Männern zunehmend herabgesetzt würden, sei die Praktizierung von Kampfsport umso wichtiger.

Im traditionellen Kampfsport geht es nicht nur um physischen Kampf gegen andere und die Ausbildung entsprechender körperlicher Fähigkeiten, sondern in erster Linie um die Konfrontation mit inneren Schwächen und dem Kampf gegen sie.

Kampfsport stellt eine Möglichkeit dazu dar, sich kontrolliert der Erfahrung physischer Gewalt auszusetzen und durch Konfrontation mit ihr sowie mit Schmerz und Widerständen den eigenen Charakter zu entwickeln. Vor allem die Kardinaltugend der Tapferkeit kann auf diesem Weg gestärkt werden. Wer mit dem Schmerz und den Belastungen des physischen Kampfes vertraut ist, gewinnt an Selbstvertrauen und verliert an Angst.

Kampfsport stärkt die Fähigkeit, Leid zu ertragen, Opfer zu bringen, aufmerksam gegenüber den eigenen Schwächen zu sein und diese abzustellen und Ziele gegen Widerstände zu verfolgen, weshalb er zum Aufbau von christlicher Tugend beiträgt. Traditioneller Kampfsport stellt somit in erster Linie eine umfassende, mit körperlichem Training verbundene Form der Charakterschulung dar. Traditioneller Kampfsport stärkt zudem das Verantwortungsbewusstsein, weil derjenige, der ihn praktiziert, am eigenen Leib die Folgen der Stärke erfährt, die er durch das Training gewinnt.

Ziel traditionellen Kampfsportes ist es letztlich, den Kampf zu vermeiden. Dies wird dadurch gewährleistet, wenn derjenige, der ihn praktiziert, zunächst an körperlicher Stärke und Durchsetzungsfähigkeit und auf dieser Grundlage an Gelassenheit und Selbstbewusstsein, aber auch an Verantwortungsbewusstsein gewinnt. Der so geformte Mensch ist friedfertig, weil es er nicht nötig hat seine Stärke beweisen zu müssen, wenn er bedrängt wird. Durch seine innere und äußere Stärke wirkt er im besten Fall unangreifbar und schreibt jene Menschen ab, die ansonsten eine Auseinandersetzung suchen würden.

Wo Kampfsport nur als körperliche Ausbildung verstanden wird, ist er hingegen abzulehnen, da dies häufig nicht dem Gemeinwesen dienende Männer hervorbringt, sondern Schläger.

Kampfsport stellt ebenso wie die Jagd zudem eine Möglichkeit, den physischen Aspekten der Wirklichkeit und dem, was diese im Menschen auslösen, auf eine Weise zu begegnen, die im Alltag zivilisierter Gesellschaften häufig fehlt. Darüber hinaus stärkt Kampfsport die Fähigkeit, Gefahren erfolgreich zu begegnen und Menschen in Not beizustehen, wodurch er die Fähigkeit zum schützenden Dienst am Nächsten und dem Gemeinwesen und somit eine christliche, dienende Lebensführung fördert.

Papst Benedikt XVI. äußerte sich positiv über ostasiatische Kampfkünste. Allgemein betonte Benedikt XVI., dass Sport dabei helfen könne, Tugenden wie Disziplin und Opferbereitschaft zu entwickeln und sowohl der körperlichen als auch der der charakterlichen Entwicklung des Menschen dienen könne.11

Traditionelle Kampfkunst würde zur bloßen Folklore, wenn sie sich nicht weiterentwickelte. Eine Wiederbelebung und Weiterentwicklung christlicher Kampfkunst, möglicherweise unter Aufnahme von Impulsen der oben genannten asiatischen Kampfkünste, ist eine künftig noch zu leistende Aufgabe.

4.1.6 Kraftsport

Inhalt folgt

4.1.7 Umgang mit Alkohol und Suchtmitteln

Der Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol fühlt sich zunächst großartig an und scheint beherrschbare Folgen zu haben. Bereits nach kurzer Zeit nehmen diese Mittel dem Menschen jedoch seine Freiheit und unterwerfen ihn. Zur Herstellung oder Aufrechterhaltung des psychischen Normalzustands ist dann eine stetig wachsende Dosis des Suchtmittels erforderlich die den Menschen körperlich und psychisch zerstört, während seine Absetzung zu kaum erträglichen Zuständen führt.

Die christliche Tradition lehnt Alkohol nicht grundsätzlich ab, fordert aber Selbstkontrolle bei dessen Konsum und hegt diesen durch soziale Regeln ein. Der Apostel Paulus nennt Trunkenheit unter den Sünden derer, die das Reich Gottes nicht erben werden.12

Alkohol schwächt im Übermaß genossen den Mann und führt zum Verlust der Selbstkontrolle. Er reduziert auch die Fähigkeit zur Diskretion erheblich, weshalb Alkohol allenfalls im Kreis vertrauter Menschen in engen Maßen konsumiert werden sollte. Männer sollten in Gegenwart von Frauen grundsätzlich keinen Alkohol konsumieren.

„Könige sollen sich nicht, Lemuël, Könige sollen sich nicht mit Wein betrinken, Fürsten nicht berauschenden Trank begehren. Er könnte beim Trinken seine Pflicht vergessen und das Recht aller Notleidenden verdrehen.“13

Auch Schmerz- und Schlafmittel und sonstige Medikamente können abhängig machen. Sonstige Suchtmittel, etwa Zigaretten und Koffein, sollten grundsätzlich gemieden werden, weil sie den Menschen schwächen oder seelisch und körperlich zerstören, ihn abhängig machen und Verschwendung darstellen. Dies gilt auch für als harmlos geltende Genussdrogen wie Cannabis. Laut dem Kinder- und Jugendpsychiater Ottmar Hummel seien die Folgen von Drogenkonsum vor allem für die Entwicklung des Gehirns junger Männer. Wer als Jugendlicher regelmäßig Cannabis konsumiere, sei dem Risiko ausgesetzt, als Erwachsener „sehr infantil, larmoyant, selbstmitleidig“ zu sein. Solche Personen „verlangen von anderen, dass sie sie versorgen, wollen selber nichts machen“, und sie denken weniger zukunftsorientiert.14

Der Kampf gegen eine einmal entstandene Abhängigkeit gehört zu den härtesten Kämpfen, die die Betroffenen in ihrem Leben durchstehen müssen.

4.2 Reisen und Fahrten

4.2.1 Reisen

Während die Erholungs- und Urlaubsreise eine moderne Form des Konsums darstellt, ist die im Rahmen eines Auftrags oder mit dem Ziel der Bildung unternommene Reise ein wichtiger Bestandteil maskuliner europäischer Kultur. Während der Tourist nur konsumieren will und Erlebnisse dafür ggf. inszeniert werden, setzt der Reisende sich echten Risiken, Herausforderungen und Belastungen aus. Die Reisen des Apostels Paulus veränderten die Welt für immer. Die Reisen des Odysseus, des Marco Polo oder des Ferdinand Magellan wirkten kulturell über Jahrhunderte und Jahrtausende nach.

Die Reise umfasst in der europäischen Tradition den militärischen Einsatz, die Wallfahrt, die Expedition bzw. die Forschungsreise (in der modernen Form auch die des Raumfahrers), den Missionseinsatz, die Dienst- und Geschäftsreise und die Bildungsreise. Der moderne Rucksackreisende steht, wenn er die Begegnung mit fremden Kulturen oder die Naturerfahrung sucht und nicht bloßen Massentourismus betreibt oder sich unwürdig verhält, in der Tradition des Bildungsreisenden.

Bildende Reisen sind in der Regel materiell wenig aufwendig. Der Bildungsreisende nutzt in der Regel keine teuren Unterkünfte oder Transportmittel, sondern sucht die größtmögliche Nähe zu Kultur und Bevölkerung des Reiseziels sowie zur Natur.

Es entspricht abendländischer Sitte, sich vor Auslandsbesuchen mit den vor Ort üblichen Gepflogenheiten vertraut zu machen und diese zu achten.

4.2.2 Wallfahrten und Pilgern

Wallfahren und pilgern sind Synonyme für die gleiche Aktivität, wobei umgangssprachlich der Begriff der Wallfahrt für Aktivitäten im Gruppenrahmen verwendet wird, während das Pilgern Aktivitäten einzelner Personen bezeichnet.

Wallfahrten stellen eine Form der mit körperlicher Beanspruchung verbundenen Glaubenspraxis im Christentum dar. Dabei soll soweit wie möglich auf Komfort verzichtet werden. Die gewählten Wege sollen möglichst naturnah und die Unterkünfte sollen möglichst einfach sein. Auf moderne Verkehrsmittel soll allenfalls für den Transport zum Ort der Wallfahrt zurückgegriffen werden. Einige Wallfahrten gleichen militärischen Leistungsmärschen. Die Teilnehmer legen hier im Gruppenrahmen über mehrere Tage hinweg lange Strecken zurück und setzen sich bewusst hoher körperlicher Belastung über die Schmerzgrenze hinaus aus, was nur von kurzen Schlaf- und Verpflegungsphasen in Zeltlagern sowie heiligen Messen unterbrochen wird. Wallfahrten haben dabei Orte mit besonderer religiöser Bedeutung zum Ziel, an denen eine Verbindung mit der Kraft des Heiligen möglich ist. Sie werden von Gesang und Gebet begleitet, so dass eine ganzheitliche, alle Aspekte des Menschen umfassende religiöse Erfahrung möglich wird. Ein Beispiel dafür ist die jährlich zu Pfingsten stattfindende katholische Wallfahrt von Paris nach Chartres.

Weil die Wallfahrten und Prozessionen junger Menschen Kraft und Stärke ausstrahlen, waren sie in der Vergangenheit auch Demonstrationen von Widerstandwillen, etwa gegenüber totalitären Regimen in Deutschland.

4.3 Jagd und Schützenwesen

4.3.1 Die abendländische Tradition der Jagd

Die Jagd dient nicht nur dem unmittelbaren Überleben des Menschen, sondern ist auch eine über zehntausende von Jahren gewachsene traditionelle Form der praktischen Auseinandersetzung mit existenziellen Aspekten der Wirklichkeit und der Initiation des Mannes dar. Die Kultur der Jagd gehört neben der Kultur der Bestattung der Toten zu den ältesten überlieferten kulturellen Werken des Menschen. Die Jagd ist jedoch älter als der Mensch und verbindet ihn mit allen Geschöpfen, deren Schicksal es nicht ist, Beute zu sein. Es gibt eine eigene christliche Tradition der Jagd, welche die den Auftrag des Menschen, Hüter und Bewahrer der Schöpfung zu sein, in den Mittelpunkt stellt.

Durch die Ausübung der Jagd hält der Mann seine Verbindung zur Natur aufrecht und lernt sie kennen, indem er sich als Teil von ihr erfährt. Sie lässt den Mann erfahren, dass er Teil größerer Zusammenhänge ist, deren Abläufe nicht seinem Willen unterworfen sind. Der Jäger lernt so Demut und eine realistische Achtung vor der Schöpfung, die sich von der auf Wunschvorstellungen beruhenden Idealisierung der Natur, wie sie in einigen modernen und postmodernen Bewegungen zu finden ist, deutlich unterscheidet. Gleichzeitig erfährt der Jäger sich als Hüter und Bewahrer der Schöpfung, in der er einen herausgehobenen Rang einnimmt. Der Dichter Oskar von Riesenthal brachte dies so zum Ausdruck:

„Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt, wie sich’s gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Das Kriegsgeschoß der Haß regiert,
Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?

Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild,
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!“

Die Heiligen Hubertus und Eustachius werden in der katholischen Kirche als Schutzpatrone der Jagd verehrt.

Die Jagd macht weniger abhängig von der modernen Zivilisation. Der Mann erlernt in ihr Fähigkeiten, die ihn zu einem besseren Versorger und Beschützer seiner Familie machen. Sie wirkt charakterbildend, indem sie den Mann Grenzerfahrungen aussetzt und seine Fähigkeiten auf die Probe stellt, und sie schult sein Verantwortungsbewusstsein auf viele Weisen. Fehler im Zusammenhang mit der Jagd haben potenziell tödliche Folgen für den Menschen und furchtbare Folgen für das Wild, die der Jäger meist unmittelbar miterlebt.

Im besten Fall lehrt der Vater den Sohn oder ein Männerbund den heranwachsenden Mann die Jagd. Die Jagd kann Netzwerke der Freundschaft schaffen und durch gemeinsame Erfahrung festigen. Die Jagd kann auch das eigene spirituelle Leben fördern, da sie den Mann innerlich still werden lässt und seine Sinne in der Erfahrung der Stille öffnet. Richtig praktizierte Jagd hat einen meditativen Charakter. Die Ausübung der Jagd erfordert außerdem die Aneignung zahlreiche Grundfertigkeiten des Lebens in und mit der Natur.

4.3.2 Traditionelles Schützenwesen

Die Fähigkeit des Umgangs mit Waffen ist eine Grundfertigkeit des eigenverantwortlichen Mannes, ein Ausdruck seiner Bereitschaft zum Schutz seiner Familie und des Gemeinwesens und wirkt außerdem charakterbildend. Jeder Mann sollte dazu in der Lage sein, eine Waffe sicher zu handhaben. Wer den Umgang mit Waffen nicht beruflich (etwa als Soldat oder Polizeibeamter) oder als Jäger lernt, kann dies etwa in christlichen Schützenbruderschaften tun.

Diese Schützenbruderschaften (in Bayern auch in Form der Gebirgsschützen) sind Teil der christlichen Tradition Deutschlands und haben ihre Wurzeln Bünden wehrhafter Bürger. Christliche Schützengilden sind in Deutschland eindeutig seit dem 12. Jhd. belegt, wobei die Tradition christlicher Schützenbruderschaften in Deutschland vermutlich bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht. Die älteste christliche Schützenbruderschaft ist möglicherweise die Aachener Karlsschützengilde, die mutmaßlich zur Zeit Karls des Großen gegründet wurde und im Jahre 1999 ihr 1200-jähriges Jubiläum feierte. Sie gilt als ältester Verein Deutschlands überhaupt.

Christliche Schützenbruderschaften pflegen das wehrhafte Brauchtum sowie ihre christliche Tradition durch Teilnahme an Prozessionen, Wallfahrten und kirchlichen Festen oder auch durch die Pflege von Feldkreuzen und Kapellen. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee der bayerischen Gebirgsschützen.

Schützenbruderschaften üben auch das sportliche Schießen, da die Fertigkeit bei Umgang mit der Waffe Ausdruck ihrer Tradition der Wehrhaftigkeit ist. Der Umgang mit Waffen schult außerdem das Verantwortungsbewusstsein. Waffenbesitzer erziehen einander zum verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe. Unzuverlässige Menschen, Menschen mit dem Hang zu Extremen oder solche, die aufgrund von psychischen oder charakterlichen Defiziten den Besitz einer Waffe anstreben, werden von solchen Schützengemeinschaften aufgrund ihrer Erfahrungswerte zuverlässig erkannt und vom Umgang mit Waffen ausgeschlossen.

Allerdings ist zu bemerken, dass viele Schützenbruderschaften das Erhalten von Konventionen mit der Pflege der Tradition verwechseln. Die Tradition ist in diesem Fall die Wehrhaftmachung des Mannes für den Dienst am Gemeinwesen durch Vermittlung der Fähigkeit zum verantwortungsbewussten und kompetenten Umgang mit Waffen. Konventionen wie übermäßiger Konsum von Alkohol oder veraltete Formen der Schießausbildung und Waffenhandhabung sowie die Verwendung unzeitgemäßer Schusswaffen stehen dem eher im Wege.

4.4 Spiel

Das Spiel ist auch eine Aktivität für erwachsene Männer, wie bereits die Olympischen Spiele der Antike, aber auch die Kampfspiele (etwa die Turniere) des Rittertums zeigten. Neben dem sportlichen Spiel ist auch das Verstandesspiel erwachsenen Männern angemessen.

4.4.1 Das Schachspiel

Das Schachspiel entstand mutmaßlich bereits in der Antike in Indien oder Persien und gelangte im Zuge der islamischen Expansion in den Mittelmeerraum. Später wurde das Spiel durch das Rittertum aufgegriffen und gehörte zu den septem probitates, den sieben Fertigkeiten, die der Ritter beherrschen sollte.

5. Allgemeine praktische Fähigkeiten

5.1 Handwerk und Technik

Um seiner Berufung als Versorger und Beschützer nachkommen zu können, sollte ein Mann zumindest dazu in der Lage sein, Wartungsarbeiten und einfache Reparaturen an Häusern und Wohnungen, Gegenständen des täglichen Gebrauchs sowie an Fahrzeugen und Fahrrädern vorzunehmen. Je einfacher das eigene Leben gestaltet wird, desto einfacher sind auch diese Fertigkeiten zu erlenen und durchzuführen.

5.2 Gartenbau

Gartenbau wird traditionell eher als weibliche Aktivität betrachtet. Unter den Bedingungen der Gegenwart kann er jedoch auch eine männliche Aktivität darstellen. Gartenbau ist Landwirtschaft im kleinen Maßstab. Er hilft dem Mann, ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von der technischen Zivilisation zu behalten, seine Familie zu versorgen und die Kreisläufe der Natur sowie die Einbindung des Menschen in sie zu erkennen. Gartenbau hat somit auch eine spirituelle Dimension.

5.3 Notfall- und Krisenvorsorge

Die Kardinaltugend der Klugheit erfordert es, sich auf Notfälle und Gefahrensituationen vorzubereiten, sich mit Bedrohungen und Risiken auseinanderzusetzen und präventiv Maßnahmen zu ihrer Bewältigung zu ergreifen. Der christliche Mann muss dazu in der Lage sein, seine Familie zu beschützen und sie auch in Zeiten der Not zu versorgen. Außerdem muss er dazu in der Lage sein, sich am Schutz des Gemeinwesens zu beteiligen und anderen Menschen in Notsituationen zur Seite zu stehen. Dazu ist die Beherrschung gewisser Grundfertigkeiten und die Entwicklung bestimmter Eigenschaften erforderlich. Ihre Aneignung und Aufrechterhaltung gehört seit jeher zu den Aufgaben des Mannes.

Selbstschutz bzw. individuelle Notfall- und Krisenvorsorge sind in der Konzeption des Bevölkerungsschutzes in Deutschland ein Grundpfeiler des Katastrophenschutzes bzw. der Maßnahmen zur Bewältigung von Krisen. Jeder Mann sollte über Grundkenntnisse der Notfall- und Krisenvorsorge verfügen und die damit verbundenen Maßnahmen ergreifen, um seine Familie im Krisenfall schützen zu können.

Die entsprechende Vorsorge ist von den Aktivitäten der sogenannten Prepper-Bewegung zu unterscheiden, die sich oft an stark überzeichneten Krisenszenarien orientiert und diesen vor allem durch Konsum bzw. durch Bevorratung oder die Beschaffung häufig unnützer Gegenstände begegnen wollen. Die Prepper-Bewegung ist zudem höchst individualistisch orientiert, was daran erkennbar wird, dass der Schutz der eigenen Person für sie beinahe absolute Bedeutung hat, während der Schutz anderer Güter, etwa des Gemeinwesens, der Kultur oder auch nur der eigenen Familie, für sie oft nachrangig ist.

6. Gemeinschaft

Jeder Mensch ist aufgrund seiner Natur als Gemeinschaftswesen Teil eines konzentrischen Kreises von Bindungen, die bei der Familie beginnen. Je stärker und intakter diese Bindungen sind, desto resilienter ist ein Mensch.

6.1 Ehe und Familie

Dieses Kapitel beruht auf den Inhalten einer traditionellen katholischen Ehevorbereitung.

6.1.1 Allgemeines zur Ehe

Ehemann werden

Die Wahl der Ehefrau gehört zu den wichtigsten Entscheidungen des Lebens. Die Suche sollte früh in Angriff genommen und konsequent betrieben werden. Nicht bewährt haben sich Ehen mit Partnerinnen, die das eigene religiöse Eheverständnis nicht teilen und daher in schwierigen Zeiten dazu neigen, die Ehe auflösen zu wollen. Da die Ehe aus katholischer Sicht ein Sakrament ist, sollte sie nur mit einer Frau eingegangen werden, die sie ebenfalls als Sakrament betrachtet, sie als unauflöslich betrachtet und die damit verbundenen Härten mitzutragen bereit ist. Ein intensives gemeinsames Glaubensleben und eine katholische Erziehung von Kindern ist erschwert, wenn die Ehefrau nicht der gleichen Konfessionen angehört und praktisch unmöglich, wenn die Ehefrau keine Christin ist. Studien zeigen, dass gemischtkonfessionelle Ehen weniger stabil sind und den Glauben seltener erfolgreich an die Generation der Kinder weitergeben.

In der Praxis bewährt hat sich eine frühe Heirat, die ausreichend Zeit für die Gründung einer Familie lässt. Der Mann sollte dabei die nötige Reife und Erfahrung haben, um seine Rolle als Oberhaupt der Familie richtig einnehmen zu können. Es hat sich daher ebenfalls bewährt, dass der Ehemann etwas älter ist als die Ehefrau. Kinderlosigkeit stellt spätestens im Alter für die meisten Frauen eine enorme psychische Belastung dar, was bei Diskussionen in der Ehe über Kinder bedacht werden sollte.

Verlobung

Mögliche Partner sollen einander in der Verlobung kennenlernen um zu wissen ob sie in der Lage und bereit dazu sind, die mit der Ehe verbundenen Opfer gemeinsam zu erbringen und ob sie die dazu erforderlichen Grundüberzeugungen teilen. Gegenseitige Zuneigung ist ebenfalls wichtig, sollte aber nicht wie im modernen Denken mit Liebe verwechselt werden. Liebe ist der Wille zum Dienst am anderen und kann anders als die von Gefühlen abhängige Zuneigung lebenslang versprochen werden.

Die Achtung der Frau

Durch die Frau gelangt neues Leben in die Welt. Alle anderen Berufungen (ausgenommen von religiösen) sind dieser Berufung nach christlicher Vorstellung dienend zur Seite gestellt, auch die des Ehemannes. Moderne Weltanschauungen verachten die Frau, indem sie in ihr nur eine Trägerin einer wirtschaftlichen Funktion, als bindungsloses Individuum oder als ein Objekt zur Befriedigung von Trieben sehen, ihr eigentliches ewiges Potenzial aber abwerten oder leugnen.

Aufgaben des Ehemanns gegenüber der Ehefrau

  • Die Achtung der Frau gewinnen und behalten: Die Entscheidung darüber, ob eine Ehe zustandekommt, liegt letztlich bei der künftigen Ehefrau und ist häufig von der Zustimmung ihres Vaters abhängig. Ein Mann muss daher danach streben, der Achtung der Frau würdig zu werden, die er heiraten will. Frauen suchen vor allem nach Partnern mit hohem sozialen Status, Selbstbewusstsein und Charisma, körperlicher Fitness und einem Vermögen oder Einkommen, das die Versorgung einer Familie ermöglicht. Ein Mann, der diese Eigenschaften nicht im nötigen Maße entwickelt hat, wird es schwer haben, eine gute Ehefrau zu finden. Er gefährdet die Treue der Ehefrau, wenn er diese Eigenschaften verliert.
  • Selbstloser Dienst: Der katholische Mann versteht die Ehe als unauflöslich und als selbstlosen Dienst an seiner Ehefrau, der sich gerade in schwierigen Zeiten zu bewähren hat. Vom Mann wird erwartet, dass er sich bis zur Selbstaufgabe für das natürliche und übernatürliche Wohl der Frau und später auch der Kinder einsetzt und alles dafür erforderlichen Opfer zu bringen. Die moderne Vorstellung, dass positive Gefühle gegenüber dem Partner die Grundlage der Ehe sein sollten, scheitert in schwierigen Zeiten, die jede Ehe durchläuft, regelmäßig.
  • Heiligung der Frau: So wie die Aufgabe der Frau die Heiligung ihres Ehemanns ist, ist es der Auftrag des Ehemanns, die Heiligung seiner Frau zu unterstützen. Dazu spricht er mit ihr über Ansätze schlechter Dinge, die ihm bei ihr auffallen, und wirkt behutsam korrigierend ein.
  • Religiöse Führung: Zu den Pflichten des Ehemanns gehört die religiöse Führung der Familie. Er gibt dazu in religiösen Dingen ein Beispiel und ergreift die Initiative, wenn es um Gebet, Besuch der Heiligen Messe etc. geht.
6.1.2 Familienleben

Vater sein

Ein „heiliges Gesetz der Natur“ verpflichtet den Vater dazu, Versorger seiner Familie zu sein.15 Die moderne Vorstellung, dass Kinder und Bindungen Männer vom eigentlichen Leben abhielten, steht im Widerspruch zu christlichen Vorstellungen. Das Leben des Mannes verwirklicht sich gerade in der Gestaltung der Berufung zum Ehemann.

Der christliche Glaube wird vor allem in der Familie weitergegeben. Große Familien sind ein Beitrag zur Weitergabe des Christentums an die nächste Generation und eine Form des Dienstes an Gott. Die eigene Familie ist die erste und wichtigste Solidarstruktur, in der sich ein Mensch bewegt. Streitigkeiten innerhalb der eigenen Familie schaden allen Beteiligten.

Kinder außerhalb der Ehe zu zeugen ist unverantwortlich und kann das Leben von Mutter und Kind zerstören. Ein christlicher Vater lehnt die Vorstellung, seine Kinder durch Abtreibung zu töten, kompromisslos ab, denn er ist Mitwirkender der Schöpfung, der Verantwortung übernimmt, und kein Mörder Unschuldiger.

Ein Vater ist vor allem gütig. Dies bedeutet, dass sein Denken und Handeln von der Sorge um das Wohl von Mutter und Kindern geprägt ist. Güte bedeutet daher auch, gegen Dinge vorzugehen, die diesem Wohl schaden, auch wenn diese Dinge z.B. von den Kindern gewünscht werden.

Ein herrischer Vater wird Ungehorsam der Kinder hinter seinem Rücken provozieren. Ein schwacher Vater oder einer der als Mann im Leben versagt, wird die Achtung der Kinder und seine Autorität vor ihnen verlieren.

Die Aufgaben des Vaters in der Familie sind:

  • Erziehung der Kinder: Zusammen mit seiner Frau ist ein Vater für die Entwicklung der Seelen der Kinder, etwa durch die Vermittlung von Tugenden, verantwortlich. Ein Vater achtet wachsam auf den Umgang der Kinder (auch auf ihren Medienkonsum) und korrigiert Fehler und Schwächen. Der Vater achtet darauf, dass schlechte Einflüsse von Kindern ferngehalten werden, aber er tut dies nicht auf eine überbehütende Weise, die Kinder im Umgang mit den Herausforderungen der Welt schwächt.
  • Wahrung des Familienfriedens: Ein Vater wahrt den Frieden in der Familie. Eltern dürfen Konflikte nie vor Kindern austragen. Wer als Vater die Autorität der Mutter vor den Kindern in Frage stellt, schwächt auch seine eigene Autorität, wodurch alle Beteiligten verlieren.

Die Erziehung von Söhnen

Söhne brauchen einen Vater, der sie erzieht, um sich gut zu entwickeln. Platon definierte Erziehung als die Kunst, einen Körper und eine Seele in ihrer Entwicklung so zu führen, dass sie die Schönheit und Vollkommenheit entwickeln, die in ihnen angelegt sind. Christliche Erziehung ist die Formung der Seele, damit diese Jesus Christus ähnlicher wird und ihn ehrt und ihm dient, damit sie gerettet werden kann.

Väter sind die „Bildhauer der Seelen“ ihrer Söhne, die von Natur aus nicht zur Tugend neigen, sondern bei deren Herausbildung angeleitet und geführt werden müssen. Wie ein Baum kann auch die Seele eines Kindes schief wachsen.16

Damit sich ein Junge zu einem christlichen Mann entwickeln kann, ist seine schrittweise Heranführung an immer größere Aufgaben erforderlich, die der Junge mit Anstrengung noch bewältigen kann. Er lernt dann durch Freude und Stolz auf die erbrachte Leistung, seine Fähigkeiten und Grenzen stetig zu erweitern.

Jungen dürfen nicht überbehütet werden. Sie finden in den Heiligen und Helden der christlich-abendländischen Tradition bzw. entsprechender Lektüre geeignete Vorbilder.

Die Aufgaben des christlichen Vaters gegenüber Töchtern

Der Vater hat vor allem den Aufgabe seine Töchter zu beschützen. Junge Frauen können sich zu Männern hingezogen fühlen, die durch Verstöße gegen Regeln den Eindruck maskuliner Stärke erwecken. In vielen Fällen sind diese Frauen mangels Erfahrung noch nicht dazu in der Lage, zwischen guter und schlechter Maskulinität zu unterscheiden. Es ist hier die Pflicht des Vaters, mögliche Partner zu prüfen, sie zu bewerten und notfalls den Kontakt mit ihnen zu unterbinden.

Namensgebung bei Kindern

Mögliche Namen für Kinder sind etwa der des Heiligen des Geburtstages des Kindes oder der des örtlichen Kirchenpatrons. Namen wie Maria, Josef, Adam und Eva, aber auch Markus oder Johannes sind zeitlos schön.

Namensgebungen, die modernen Moden folgen, können eine Belastung für Kinder darstellen, da solche Namen schon innerhalb einer Generation einen vulgären Klang annehmen können. Zuviel Individualismus und modische Extravaganz der Eltern kann Kindern hier schaden.

Die Verwendung mit Mittelinitialen in Deutschland wurde aus dem Amerikanischen übernommen, beruht jedoch auf einem kulturellen Missverständnis. Die Mittelinitiale steht dort nicht für den zweiten Vornamen, sondern für den Mädchennamen der Mutter, etwa bei T. S. Eliot, dessen Mutter eine geborene Stearns war.

Gemeinsame Mahlzeiten

Gemeinsame Mahlzeiten sind eine Säule eines gelingenden familiären Lebens. Sie stärken Bindungen in der Familie, dienen der Kommunikation und erziehen Kinder zu Kultur, Manieren, Leben in der Gemeinschaft und gesundem Essverhalten. Wichtig ist hier, dass die Eltern als Vorbilder auftreten.

6.2 Freundschaft

Laut Aristoteles besteht Freundschaft in Gemeinschaft.17 Freundschaft sei „äußerst notwendig für das Leben“, weil der Mann Freunde benötige, um sein Eigentum zu schützen und zu bewahren, um Helfer in Zeiten der Not zu haben sowie um Fehler zu vermeiden. Freundschaft halte außerdem Staaten zusammen.18 Er unterschied nicht zwischen Freundschaft und Kameradschaft und wies darauf hin, dass allgemein auch diejenigen als Freunde bezeichnet werden, die „zusammen segeln oder in den Krieg ziehen“.19

  • Bei der kameradschaftlichen Freundschaft der Soldaten und der Seefahrer stehe der gegenseitige Nutzen im Vordergrund, weshalb es sich um eine unvollkommene Freundschaft handele, solange nicht andere Dinge hinzukommen.20
  • Die vollkommene Freundschaft sei die zwischen Menschen, die gut und gleich an Tugend sind und Gutes füreinander wünschen. Sie beruhe somit auf Ähnlichkeit der Freunde und werde dadurch gefestigt, dass solche Menschen angenehm und nützlich für ihre Freunde seien. Außerdem beruhe Freundschaft darauf, dass der Freund sich als vertrauenswürdig erwiesen habe.21 Unter Freunden bestünden immer besondere Verpflichtungen füreinander.22
  • Eine besondere Form der Freundschaft sei die, die auf Überlegenheit gründe. Diese Freundschaft könne etwa zwischen Älteren und Jüngeren, Vater und Sohn oder Herrscher und Beherrschtem bestehen. Hier sei das, was die Freunde einander geben, ungleicher Art.23

Laut Cicero ist derjenige ein Freund, in dessen Gegenwart man seine Gedanken laut aussprechen kann.24

Thomas von Aquin schrieb, dass sich die Männer „in Freundschaft verbinden, die einander durch ihre Abstammung, durch Ähnlichkeit des Charakters oder durch das Gemeinsame irgendeines Lebenskreises finden.“25 Friedrich Nietzsche beurteilte die Wirkung sozialer Beziehungen zwischen Männern und Frauen auf den Mann negativ. Der Mann entwickele sich durch die Freundschaft im Rahmen eines Bundes hingegen positiv.26

Die psychologische Resilienzforschung geht davon aus, dass ein zuverlässiges Netzwerk guter Freunde, die einen Mann unterstützen und auf deren Unterstützung er in schwierigen Zeiten zählen kann, so wie er diese Freunde seinerseits unterstützt, wenn sie Hilfe brauchen, die Resilienz von Menschen stärkt. Ein zuverlässiger Freund kann nur sein, wer bereit ist mehr zu geben als er nimmt und mehr geben kann als er braucht. Personen, die ihr eigenes Leben nicht im Griff haben und deshalb lieber das Leben anderer kontrollieren wollen oder insgeheim ein Interesse an deren Scheitern haben um sich selbst dadurch besser zu fühlen, können kaum zuverlässige Freunde sein und sollten aus dem direkten eigenen Umfeld ferngehalten werden, weil sie langfristig immer zur Belastung werden. Man kann nur wenige gute Freunde haben. Der Wert von Freundschaften beweist sich erst in schwierigen Zeiten. Geteilter Glaube stärkt den Zusammenhalt unter Freunden.

Freundschaft in der Bibel

Der Begriff der Freundschaft spielt in den Worten Christi eine wichtige Rolle. Christus sagte, dass niemand eine größere Liebe besitzt als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde.27

Im Buch Jesus Sirach, das Teil des katholischen Bibelkanons ist, heißt es über die Freundschaft:

„Viele sollen es sein, die dir Frieden wünschen, deine Ratgeber aber – nur einer aus tausend. Wenn du einen Freund gewinnen willst, gewinne ihn durch Erprobung und vertrau ihm nicht zu schnell! Denn es gibt einen Freund zum für ihn günstigen Zeitpunkt, am Tag deiner Not bleibt er nicht. Es gibt einen Freund, der sich auf Feindschaft umstellt, er wird einen Streit zu deiner Schande enthüllen und es gibt einen Freund als Tischgenossen, am Tag deiner Not bleibt er nicht. […]

Ein treuer Freund ist ein starker Schutz, wer ihn findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Gegenwert, seine Kostbarkeit lässt sich nicht aufwiegen. Ein treuer Freund ist eine Arznei des Lebens und es werden ihn finden, die den Herrn fürchten. Wer den Herrn fürchtet, hält aufrechte Freundschaft, denn wie er selbst, so ist auch sein Nächster.“28

6.3 Nachbarschaft

In Umfeldern, die von einem Minimum an sozialem Kapital bzw. kultureller Homogenität gekennzeichnet sind, stellen Nachbarschaften wichtige Solidargemeinschaften dar. Wer als als Mann und Familienvater auf den eigenen Beinen steht, sich ihnen gegenüber solidarisch verhält und als Stütze der Gemeinschaft wirkt, kann in Notsituationen damit rechnen, ebenfalls unterstützt zu werden.

Beiträge zu guter Nachbarschaft

  • Schriftlicher Hinweis an Nachbarn oder im Treppenhaus mit Hinweis auf das Einzugsdatum und möglichen Lärm etc. vor dem Einzug
  • Vorstellung bei den Nachbarn mit kleinen Geschenken (z.B. Kuchen, Blumen, Wein) unmittelbar nach dem Einzug
  • Verzicht auf laute Einzugsfeiern
  • Erkundigung nach Hellhörigkeit der Wohnungen
  • Reibungen so gering wie möglich halten
  • Gegenseitiges Grüßen
  • Unterstützung anbieten, etwa Reparaturen, Verleih von Werkzeug etc., Post annehmen wenn Nachbarn verreisen etc.
  • Die Initiative beim Vorgehen gegen Probleme, Störer etc. übernehmen

6.4 Männerbund

Die umfassende Bildung des Mannes und sein Dienst am Gemeinwohl findet traditionell im Rahmen einer männerbündischen Organisation statt. Dabei kann es sich etwa um Pfadfinderorganisationen, Studentenverbindungen, militärische Einheiten (im Rahmen des freiwilligen Wehrdienstes oder des Dienstes als Reservist), die freiwillige Feuerwehr, das Technische Hilfswerk oder ähnliche Organisationen handeln. Das Thema wird ausführlich in der Publikation des Instituts zum Thema Männerbünde behandelt.

Der Aufbau von Männerbünden folgt in der Regel diesem Muster:

  • Männer mit ähnlichem Hintergrund, die im gleichen geographischen Raum leben und die einander persönlich kennen, kommen physisch zusammen und nehmen gemeinsame Aktivitäten auf, die mit Herausforderungen verbunden sind. Dabei kann es sich zunächst auch nur um gemeinsamen Sport oder ähnliche vergleichsweise einfache Aufgaben handeln.
  • Die Gemeinschaft gibt sich einen Ehrenkodex und eine Regel, dessen Einhaltung von allen Mitgliedern verlangt wird. Historisch wurden Kodex und Regel häufig von einer charismatischen Persönlichkeit geschaffen.
  • Durch die gemeinsame Bewältigung von Herausforderungen entsteht Vertrauen, so dass die Mitglieder des Bundes dazu bereit werden, gemeinsam größere Risiken einzugehen und größere Herausforderungen anzunehmen.
  • Neue Mitglieder werden erst nach einer Zeit der Prüfung, in der sie sich bewähren müssen und nur begrenzt Einblick in die Interna des Bundes haben, aufgenommen, falls unter den bestehenden Mitgliedern Konsens darüber besteht.

Interessenten oder Mitglieder, die keine tragende Rolle zu spielen bereit sind oder gegen Kodex und Regel verstoßen, werden ggf. nach einer Ermahnung nicht mehr zu Zusammenkünften eingeladen.

6.6 Der Mann als Staatsbürger

Christen sind die Stützen jedes Gemeinwesens, in dem sie leben. Jesus Christus wies Christen dazu an, den Staaten, in denen sie leben, das zu geben, was ihnen zustehe. Der Apostel Paulus wies die Mitglieder der frühen christlichen Gemeinden an, den Regierungen, in deren Bereich sie lebten, gegenüber loyal zu sein, die Gesetze zu achten, ihre Steuern zu zahlen und sich friedlich gegenüber jedermann zu verhalten.

Für christliche Männer bietet sich ein Dienst am Gemeinwesen, der im Einklang mit ihrer traditionellen Berufung steht,  vor allem auch in Bereichen an, die schützende und bewahrende Aufgaben zum Inhalt haben. Solcher Dienst kann etwa im Rahmen einer Berufstätigkeit in Bundeswehr, Polizei, Sicherheitsbehörden, Feuerwehr, Rettungsdienst, Sicherheitsunternehmen oder vergleichbaren Tätigkeiten geleistet werden. Schützenden Dienst leisten auch Männer in medizinischen oder juristischen Berufen. Bewahrenden Dienst an der Kultur leisten unter anderem Lehrer und Dozenten an Schulen und Universitäten.

Ehrenamtlich kann dieser Dienst etwa als Reservist in der Bundeswehr, in der freiwilligen Feuerwehr oder im Technischen Hilfswerk erfolgen. Auch das Engagement als Schöffe an Gerichten oder politisches Engagement, das den Schutz des Gemeinwohls zum Ziel hat, kann ein solcher Dienst sein, ebenso wie Jugendarbeit z. B. in der Jugendfeuerwehr oder bei christlichen Pfadfinderorganisationen.

7. Einzelne Lebensbereiche

7.1 Berufsleben

Ein Beruf ist nach dem Verständnis der christlichen Soziallehre die dauerhafte Bindung eines Menschen an eine Sonderaufgabe im Leben, an der er seine Interessen, seine Kräfte und sein Wesen entfalten und dabei sein Dasein und das seiner Familie materiell absichern kann. Durch seinen Beruf trägt der Mensch im guten Fall zum Kulturschaffen der Menschheit bei und erfüllt damit seinen göttlichen Auftrag, die in der Schöpfung angelegten Möglichkeiten zum eigenen Nutzen und zur Verherrlichung Gottes zu entfalten.29

Das traditionelle Geschlechterbild sieht im materiell unabhängigen Mann, der als Versorger einer Familie dient und nicht Empfänger von Versorgung ist, das Ideal des Mannes. Wer dies nicht auf der Grundlage eines ererbten Vermögens tun kann, muss dazu einer Erwerbstätigkeit nachgehen, solange es seine Kräfte zulassen. Dazu muss er diese geistigen, praktischen und körperlichen Kräfte pflegen und entwickeln.

Der Mann folgt dabei im Idealfall einer Berufung und setzt die ihm gegebenen Fähigkeiten zum Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen ein. Jesus Christus wirkte des Großteils seines Lebens als Handwerker. Die Benediktiner formulierten den Grundsatz „Bete und Arbeite“ (lat. „Ora et labora“), wobei sie zum Ausdruck brachten, dass die Arbeit eine religiöse Funktion haben kann, wenn sie auf Gott ausgerichtet ist. Durch gute Arbeit dient man dem Nächsten und entwickelt Tugenden.

Der nach traditionellen Idealen lebende Mann strebt entsprechend danach, in seiner Berufung zur Meisterschaft zu gelangen. Wenn die Bedingungen es zulassen, soll Arbeit dazu dienen, Körper und Geist des Menschen zu veredeln und gleichzeitig seinen Lebensunterhalt ermöglichen. Da der Mann in der Regel auch dazu berufen ist, Familienvater zu sein und darüber hinaus noch über weitere Berufungen verfügen kann, muss er meist die Berufung, von der er materiell lebt, in Einklang mit seinen anderen Berufungen bringen. Wenn es nicht möglich ist, die eigene Berufung zur Erwerbstätigkeit zu machen, muss er einer als „Brotberuf“ bezeichneten Tätigkeit nachgehen, die als materielle Basis zur Verwirklichung seiner anderen Berufungen dient.

Ein Beruf ist dann am besten zur Versorgung einer Familie unter allen Bedingungen geeignet, wenn es für ihn auch unter schwierigen Bedingungen und an vielen Orten Bedarf gibt. Dies gilt etwa für Tätigkeiten als Arzt oder Lehrer, aber auch im Bereich Sicherheit (etwa die Tätigkeit als Soldat und Polizeibeamter), in der Landwirtschaft sowie in bestimmten Zweigen des Handwerks. Idealerweise kann der gewählte Beruf ohne größere Anpassungsschwierigkeiten auch im Ausland ausgeübt werden.

Christliche Männer können durch ihren Beruf dazu beitragen, dass Christen als Gruppe für die Gesellschaft unverzichtbar werden, was christenfeindlichen Tendenzen präventiv entgegenwirkt.

7.1.1 Umgang mit Intoleranz und Christenfeindlichkeit im Beruf

Die um sich greifende „Cancel Culture“ ist damit verbunden, dass Christen auch im Berufsleben Nachteilen ausgesetzt sein können und damit rechnen müssen, dass man versucht, ihre berufliche Existenz zu zerstören. Wer in einem solchen Umfeld tätig sein muss, etwa um seine Familie zu ernähren, kann dem mit den folgenden Mitteln begegnen:

  • Vermeidung religiöser, weltanschaulicher oder politischer Diskussionen am Arbeitsplatz;
  • Positive Einstellung und freundliches Auftreten gegenüber Personen, die der „Cancel Culture“ nahestehen;
  • Zurückhaltung bei Äußerungen z.B. in sozialen Medien.
  • Aufbau eines Netzwerks sympathisierender Personen am Arbeitsplatz die einander bei Konflikten unterstützen.

7.2 Umgang mit Eigentum

Eigentum ist eine der Voraussetzungen für praktizierte Nächstenliebe. Man kann nur geben, was man hat. Als Versorger seiner Familie bildet der Mann Reserven für schlechte Zeiten und reduziert seine Ansprüche soweit es angemessen ist, damit er größere Reserven aufbauen, dem Gemeinwohl dienen und ein Erbe hinterlassen kann.

7.2.1 Sparen

Sparsamkeit ist die Tugend des disziplinierten Umgangs mit Geld und Gütern. Auf individueller Ebene ist Sparsamkeit ist Ausdruck der christlichen Kardinaltugenden der Klugheit und der Disziplin sowie der Pflicht des Mannes, Versorger seiner Familie zu sein. Der verschwenderische Mann lebt auf Kosten anderer anstatt für sie dazu sein wie es seine Pflicht ist und er schafft vermeidbare Verwundbarkeiten in Zeiten der Not.

Das eigene Geld muss aktiv zusammengehalten werden. Sparsamkeit sollte man als Sport betrachten und in allen Dingen pflege. Auf der Ebene des Gemeinwesens ist Sparsamkeit Ausdruck der Pflicht der Politik zur Sicherstellung des Gemeinwohls, der allgemeinen Pflicht gegenüber kommenden Generationen sowie der Pflicht des Menschen, verantwortungsvoll mit der Schöpfung bzw. Ressourcen umzugehen.

7.2.2 Rücklagen bilden

Durch Sparen geschaffene Rücklagen können späteren Investitionen oder der Bewältigung von Notfällen wie Krankheit und Arbeitslosigkeit dienen.

7.2.3 Vermögen Aufbauen

Der Mann verwaltet sein Eigentum so, dass er seine Familie in schwierigen Zeiten ernähren kann und seinen Kindern ein Erbe hinterlässt. Sicherheit sollte vor dem Hintergrund dieses Zieles vor Risiko gehen.

7.2.4 Sonstige Vorsorge

Wer Versorger einer Familie ist, sollte über eine Risikolebensversicherung und (bei risikoreichen Berufen) über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken.

7.2.5 Vermeidung von Schulden

Schulden machen abhängig und verwundbar, wie bereits das Alte Testament warnt30, weshalb es immer besser ist, sie zu vermeiden. Allerdings muss zwischen Konsumschulden, Notfallschulden und Investitionsschulden unterschieden werden.

  • Konsumschulden sind nur mit Nachteilen verbunden und unbedingt zu vermeiden. Sie erzielen keinen Mehrwert, erwirtschaften keine Erträge, verbrauchen für andere Zwecke besser verwendetes Kapital und sind in der Regel besonders teuer.
  • Notfallschulden können im Fall von Arbeitslosigkeit oder Krankheit erforderlich werden, wenn sonstige Rücklagen aufgebraucht sind oder nicht angetastet werden sollen, etwa Immobilien.

Wer sich Geld leihen muss, sollte dies bestenfalls innerhalb der eigenen Familie tun. Es ist nicht unüblich, dass Eltern ihre Kinder etwa beim Kauf einer Immobilie, der Gründung eines Unternehmens oder bei der Finanzierung eines Studiums auf diese Weise unterstützen, wobei es hier besser ist, wenn das Geld nicht verliehen, sondern geschenkt wird.

7.2.6 Einfacher Lebensstil

Ein materiell einfacher Lebensstil vermeidet die oben beschrieben Abhängigkeiten und Verwundbarkeiten.  Teure Urlaube oder Konsumgüter, übertrieben aufwendige Feiern (auch Hochzeiten), Schulden und unnötiger Besitz schwächen einzelne Menschen und Familien. Der Dichter Stefan George sagte: „Wir brauchen wenig, aber dies wenige muss gut sein.“

Kinder sollten von einem ggf. vorhanden Vermögen so wenig wie möglich wissen, damit sie sich nicht daran gewöhnen. Außerdem besteht das Risiko, dass die falschen Menschen aufgrund von unvorsichtigen Äußerungen von Kindern von einem Vermögen erfahren.

7.2.7 Vererben

Die Primogenitur ist eine traditionelle Ordnung der Erbfolge, nach der das erstgeborene Kind das Erbe und die Rechtsnachfolge des Verstorbenen antritt. Diese Ordnung sichert den ungeteilten Bestand eines Erbes, damit es intakt bleibt und weiter wachsen kann. Geschwister des Erben werden in diesem Fall ausgezahlt. Hierbei hat es sich als Problem erwiesen, dass der Erstgeborene nicht immer derjenige ist, der am besten dazu geeignet ist, das Erbe zu bewahren und zu mehren. Am ehesten als Erbe geeignet ist der Nachkomme, der bereits unter Beweis gestellt hat, dass er dazu bereit und dazu in der Lage ist, verantwortlich mit materiellen Gütern umzugehen, sie zu mehren und an die nachfolgende Generation weiterzugeben.

7.3 Konsum

Im traditionellen Denken ist Konsum auch eine Form des Dienstes am Nächsten, der Opfer in Form von Verzicht oder der Wahl eines teureren, dafür aber dem Schutz von Kultur, Tradition und Heimat bzw. Umwelt dienlicheren Produkts bzw. die Unterstützung eines entsprechenden Unternehmens verlangen kann. Konsumentscheidungen tragen dazu bei, eine Kultur, eine Tradition und eine Heimat, deren Teil man ist und gegenüber der man solidarische Pflichten hat, entweder zu stärken oder aufzulösen.

Im modernen Denken gilt hingegen die Entscheidung für das günstigste Produkt als die rationale, was dazu geführt hat Konzerne zu stärken, die sich keinem konkreten Gemeinwohl verbunden fühlen und die lokale Unternehmen verdrängen. Außerdem sind diese Konzerne mittlerweile auch zu gesellschaftspolitischen Akteuren geworden, die häufig gegen traditionelle Kultur gerichtete Positionen vertreten oder unterstützen. Dieses Denken führt zudem zu einer zunehmenden Abhängigkeit freiheitlicher Gesellschaften von Staaten wie China, wo mangelnder Schutz der Arbeitnehmer und Rücksichtslosigkeit gegenüber der natürlichen Umwelt billige Produktion ermöglicht.

7.3 Vorbereitung auf den eigenen Tod

Als Vorbereitung auf den eigenen Tod empfiehlt es sich, die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:

  • Absprachen mit Familie: Dokumente sicher an bekannter Stelle hinterlegen, auch Passwörter, Informationen über Mitgliedschaften, wichtige praktische Informationen
  • Vollmachten: Kontovollmacht sowie Vollmacht für Bankschließfach etc. für Ehepartner, ggf. Generalvollmacht für alle rechtlichen Angelegenheiten
  • Testament: Regelung des Erbes im Todesfall
  • Versicherungen: Risikolebensversicherung (als Soldat prüfen, ob „passives Kriegsrisiko“ versichert ist, d.h. Tod im Gefecht) oder Sterbegeldversicherung
  • Patientenverfügung: Regelt für den Fall der Entscheidungsunfähigkeit im Voraus, ob, wie und in welchen Situationen man ärztlich behandelt werden möchte.
  • Abschiedsnachricht: Als Brief, aber auch als Audio- oder Videoaufzeichnung möglich

8 Stil und Form

Auf dieses Thema wird hier vertieft eingegangen.

Quellen

  1. David D. Gilmore: Mythos Mann. Rollen, Rituale, Leitbilder, München 1991.
  2. Manfred Fuhrmann: Bildung. Europas kulturelle Identität, Stuttgart 2002, S. 12.
  3. Leff Gordotzoni: „Das trivium und die drei Philosophien„, in: Walter Rüegg (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa, Band I: Mittelalter, München 1993, S. 279–302.
  4. John North: „Das Quadrivium„, in: Walter Rüegg (Hrsg.): Geschichte der Universität in Europa, Band I: Mittelalter, München 1993, S. 303–320.
  5. Gen 1,28.
  6. Marcus Tullius Cicero: Von den Pflichten, Frankfurt a.M. 1991, S. 79 ff.
  7. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 36.
  8. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2016, S. 95.
  9. Romano Guardini: „Vom ritterlichen Manne“, in: Ders.: Briefe über Selbstbildung, Mainz 1964, S. 83-103, hier: S. 85 f.
  10. Heidemarie Bodemer: Das Fechtbuch. Untersuchungen zur Entwicklungsgeschichte der bildkünstlerischen Darstellung der Fechtkunst in den Fechtbüchern des mediterranen und westeuropäischen Raumes vom Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts, Dissertation, Universität Stuttgart 2008.
  11. Josef Clemens: „Sporting activity in the thought of Joseph Ratzinger/Benedict XVI“, Panel discussion on „soccer, values in play“, LUMSA University Auditorium Rome, December 2009.
  12. Gal 5,21.
  13. Sprüche 31, 4-5.
  14. Claudia Becker: „Den ersten Joint morgens vor Schulbeginn“, Die Welt, 13.01.2021.
  15. Rerum novarum 10
  16. Alain Delaigneau: Die christliche Erziehung, Stuttgart 2011, S. 37 ff.
  17. Aristoteles 2006, S. 268.
  18. Ebd., S. 251-252.
  19. Aristoteles 2006, S. 268.
  20. Aristoteles 2006, S. 269.
  21. Ebd., S. 256-257.
  22. Ebd., S. 268.
  23. Ebd., S. 264.
  24. Zit. nach Esolen 2013, S. 191.
  25. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 41.
  26. Zit. nach Ross: 1980, S. 443 f.
  27. Joh 15,13.
  28. Sir 6,6-17.
  29. „Beruf“, in: Wendelin Rauch (Hrsg.): Lexikon des katholischen Lebens, Freiburg i. Br. 1952, Sp. 97-99.
  30. Spr 22,7.