Stand: 08.04.2021

Diese laufend aktualisierte Themenseite behandelt Fragen aus dem Bereich Symbolkunde unter besonderer Berücksichtigung des abendländischen Kulturerbes des schützenden und bewahrenden Dienstes am Nächsten und am Gemeinwesen.

1. Einführung

Symbole ermöglichen die Beschreibung und das Erkennen von Sachverhalten, die der unmittelbaren Wahrnehmung des Menschen größtenteils entzogen sind, weil sie den nichtmateriellen Teilen der Wirklichkeit zugehörig sind. Sie sprechen die Wahrnehmung des Menschen über den Verstand hinaus an und helfen ihm bei der Betrachtung des Übernatürlichen. Symbole drücken dabei komplexe Sachverhalte oder ganze Konzepte aus, während Zeichen einfachere Sachverhalte beschreiben. Durch die Kombination von Symbolen ist es möglich, auch umfassende Erzählungen wiederzugeben und auszudrücken. Häufig erschließen sich Symbole jedoch nicht ohne das Wissen um ihre Bedeutung.

Laut dem katholischen Theologen Romano Guardini seien alle Dinge „sie selbst, zugleich aber Symbole von etwas, das über ihnen ist, so daß sie den Geist über die Welt hinausweisen“.1

Laut Èmile Durkheim ist Gemeinschaft nur dann real, wenn ihre Mitglieder sie als solche wahrnehmen können. Diese Wahrnehmbarkeit wird auch durch Rituale und Symbole hergestellt.2

Die katholische Theologin Corinna Mühlstedt schrieb über christliche Ursymbole, die „ihre Wurzeln in den Erfahrungen der ganzen Menschheit, in zahllosen Kulturen und Traditionen“ hätten. Diese Symbole würden auf Geheimnisse verweisen, indem sie „tief in der Psyche des Menschen verankerte unbewusste Zusammenhänge“ ansprächen, auf seine Seele wirkten und ihm auf verschlüsselte Weise Antworten auf Lebensfragen gäben. In dieser Hinsicht seien Ursymbole mit Legenden und Mythen verwandt.3. Symbole würden den Menschen dabei nicht nur emotional ansprechen und intuitiv aufgefasst werden, sondern könnten auch rational aufgeschlüsselt werden.4.

  • Bereits das frühe Christentum, dessen Angehörige häufig noch in vorchristlichen Traditionen aufgewachsen seien, habe Symbole aus anderen Religionen und Traditionen übernommen, so dass christliche Symbole meist nicht ausschließlich im Christentum zu finden seien.5.
  • Die christliche Symbolik sei in Zeiten der Verfolgung entstanden. Christliche Symbole würden sich daher häufig auf die Konfrontation mit dem Tod und die Rettung vor diesem beziehen. In ihnen spiegele sich „eine unerschütterliche Zuversicht“ wieder, „die einst alle Katastrophen überstand“.6

2. Symbole des schützenden und bewahrenden Dienstes

2.1 Das Kreuz

Das Kreuz Christi greift auch mythologische Bilder auf, welche die hierarchische und vertikale Ordnung des Kosmos beschreiben, z. B. das Bild der Weltachse oder des Weltenbaums. Die Arme des Kreuzes symbolisieren zudem die vier Himmelsrichtungen bzw. Universalität sowie die Verbindung der Vertikalen und  Horizontalen bzw. des Materiellen und des Übernatürlichen und somit die Gesamtheit des Kosmos und das göttliche Prinzip, das in ihm wirkt.7

Das christliche Kreuz ist das Zeichen des Heils und des ewigen Lebens, das der Mensch durch das Opfer Jesu Christi erlangt hat. Das Kreuz enthält die folgende Symbolik:

  • Als Mittel der Hinrichtung Jesu Christi symbolisiert es die vollständige Hingabe im Dienst an Gott, die Jesus Christus bis in den Tod praktizierte, und dass es keinen Weg zu Gott ohne Dienst und Opfer gibt. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) zufolge sei „das innere Wesen des Kreuzes […] die radikale Liebe“.
  • Das Kreuz symbolisiert in seiner vertikalen Achse den Aufstieg des Menschen zu Gott durch dienende Opfer in der Nachfolge Christi.
  • Die horizontale Achse symbolisiert das Irdische, dass im Kreuz das Göttliche im Schnittpunkt mit der vertikalen Achse berührt.

Das Kreuz symbolisiert die Pflichten gegenüber Gott und den Menschen

Scott Hahn beschrieb das Kreuz als Symbol der Gerechtigkeit und der Bindung. Die vertikale Achse symbolisiere die Pflichten, die der Mensch Gott schulde, aber auch das Versprechen Gottes an den Menschen. Die horizontale Achse symbolisiere die Pflichten des Menschen gegenüber dem Nächsten. Diese Pflichten beruhten auf der übergeordneten Pflicht gegenüber Gott. Zusammengenommen beschrieben diese Pflichten die Ordnung, innerhalb der der Mensch lebe.8

Das Kreuz als Siegeszeichen

Dem katholischen Philosophen Robert Spaemann zufolge sei das Kreuz Christi ein Siegeszeichen. Es bekunde, dass die Macht des Bösen gebrochen sei und zeige, wie dessen Macht gebrochen wurde, nämlich durch den Dienst Christi bzw. die dienende Liebe, die stärker sei als der Tod. Die Verehrung des Kreuzes sei die Verehrung dieses Sieges und des ewigen Lebens, das er den Menschen ermöglichte.9

Der christliche Apologet Marcus Minucius Felix bezeichnete das Kreuz Christi in einer um das Jahr 200 entstandenen Schrift als universelles Siegeszeichen, dessen Symbolik in der Natur angelegt sei. Die Kulturen der Antike würden dem Rechnung tragen:

„Was sind denn anders die militärischen Feldzeichen und Banner und Fahnen als vergoldete und gezierte Kreuze? Eure Siegeszeichen haben nicht bloß die Gestalt eines einfachen Kreuzes, sondern erinnern auch an einen Gekreuzigten. Das Kreuzeszeichen sehen wir auch ungekünstelt auf dem Schiffe, wenn es mit schwellenden Segeln fährt oder mit ausgestrecken Rudern dahingleitet. […] So liegt die Kreuzesform teils natürlichen Verhältnissen zugrunde, teils kommt sie bei euren religiösen Gebräuchen zur Verwendung.“10

Venantius Fortunatus verfasste ca. 570 n. Chr. den Hymnus „Pange lingua“ anlässlich der Schenkung eines Kreuzpartikels durch den oströmischen Kaiser Justin II. an die hl. Radegundis. In der wörtlichen deutschen Übersetzung des lateinischen Urtextes heißt es über das Kreuz Christi:

„Besinge, Zunge, den Kampf des glorreichen Wettstreits und verkünde den edlen Triumphgesang auf das Siegeszeichen des Kreuzes, wie der Erlöser der Welt, selbst geopfert, den Sieg errang.“

In dem ca. 1600 von Jesuiten geschaffenen Lied „O du hochheilig Kreuze“ wird das Kreuz Christi ebenfalls als Siegeszeichen bezeichnet. In der heute gebräuchlichen sechsten Strophe des Liedes heißt es:

„Du bist das Siegeszeichen,
davor der Feind erschricket,
wenn er es nur anblicket.“

In einer früher im Lied enthaltenen, heute nicht mehr im Gesangbuch der katholischen Kirche aufgeführten Strophe des Liedes heißt es:

„Du bist der Helm und Schilde,
Daran die Pfeil‘ der Schlangen
All werden aufgefangen.“

Das Kreuz als europäisches Identitätssymbol

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sagte 2018 über die Bedeutung des Kreuzes als Symbol in den Kulturen Europas:

„Das Kreuz ist Inbegriff der abendländischen Kultur. Es ist Ausdruck einer Kultur der Liebe, des Erbarmens und der Lebensbejahung. Es gehört zu den Fundamenten Europas. […] Und wir stellen das Kreuz auf die Gipfel unserer Berge. Nicht die Nationalfahne oder andere Symbole menschlicher Herrschaft, wie dies andere zu anderen Zeiten vielleicht gerne gesehen hätten, sondern das Kreuz. Weithin soll es sichtbar sein, das Kreuz, das Zeichen des Heils und des Lebens, in dem Christus Himmel und Erde, Gott und Menschen, Opfer und Täter miteinander versöhnt hat.“11

Kardinal Walter Kasper sagte über das christliche Kreuz als Symbol:

„Es ist Identitätssymbol Europas. Das Kreuz abhängen, es auf den privaten Raum beschränken oder es verstecken, kommt einer Kapitulation und einer kulturellen wie religiösen Selbstverleugnung gleich. Mit ihr werden wir nicht Achtung, sondern Verachtung der Andersgläubigen ernten.“12

Für Johannes Chrysostomos steht das Kreuz vor allem für den totalen Dienst bis zum Tod in der Nachfolge Christi. Er schrieb über das Kreuz:

„Durch das Kreuz vollzieht sich alles: durch das Kreuz die Taufe; denn man muß sein Siegel annehmen; durch das Kreuz die Handauflegung. Mögen wir auf Reisen oder zu Hause oder wo immer sein, so ist das Kreuz ein großes Gut, eine schützende Waffe, ein undurchdringlicher Schild, die beste Gegenwehr wider den Teufel. Gegen diesen Feind trägst du (als Abzeichen) das Kreuz, nicht nur indem du damit besiegelt bist, sondern indem du Kreuz und Leiden erduldest.“13

2.1.1 Das Eiserne Kreuz

Das Eiserne Kreuz ist seit 1955 ein Erkennungszeichen der Bundeswehr.

Das Eiserne Kreuz geht zurück auf das Kreuz des Deutschen Ordens und wurde 1813 von König Friedrich Wilhelm III. in den Freiheitskriegen gestiftet, wobei er die Farben Preußens und des Deutschen Ordens verwendete und in der Form an das Mantelkreuz des Deutschen Ordens anknüpfte. Die endgültige Form wurde von Karl Friedrich Schinkel gestaltet. Die Namen der Ausgezeichneten wurden auf Ehrentafeln in Garnisons- und vielfach auch in den Heimatkirchen aufgeführt.

Der evangelische Bischof Rulemann Friedrich Eylert sagte, dass das Symbol des Eisernen Kreuzes daran erinnere, dass „der beste Christ immer auch der beste Soldat ist“. Aus Sicht der Bundeswehr verbinden sich im Eisernen Kreuz „christliches Bekenntnis und Vaterlandsliebe“. Er mahne „an den ritterlichen Dienst und die ritterliche Gesinnung“, rufe zu Tapferkeit auf und erinnere „an die Ideale mittelalterlichen Rittertums“.14

2.2 Der gute Hirte

„Guter Hirte“ ist im Christentum eine der ältesten und verbreitetsten Bezeichnungen für Jesus Christus. Bereits im Alten Testament ist das Hirtenbild verbreitet zu finden. Es wurden verheißene Führer des Volkes Israel einerseits sowie verantwortungslose Könige und Richter andererseits als gute oder schlechte Hirten bezeichnet. Vielfach wird das Hirtenbild unmittelbar auf Gott bezogen.

Bis zur Hingabe des eigenen Lebens setzt sich der gute Hirte im Gegensatz zum Lohnhüter für die Herde ein. In einer der Gleichnisreden des Johannesevangeliums bezeichnet sich Jesus Christus selbst als guter Hirte:

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt. Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.“15

2.3 Der Pelikan

Dieser ist ein Symbol selbstlosen Dienens. In der Antike war die Annahme verbreitet, dass der Pelikan seine Jungen mit Blut füttert. Grund dafür ist vermutlich, dass sich beim Krauskopfpelikan während der Brutzeit das Gefieder im Kehlenbereich rot färbt. In der christlichen Symbolik und Ikonographie gilt der Pelikan daher als Symbol für opferbereiten Dienst im Allgemeinen und für den Opertod Jesus Christi im Speziellen.

Nach dem Physiologus, einem frühchristlichen Tierkompendium, öffnet sich der Pelikan mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch in Bezug zum Opfertod Jesu Christi verstanden, wodurch der Pelikan zu einem in der christlichen Ikonographie häufig verwendeten Motiv wurde.

Als Symbol für Christus und die Eucharistie findet er sich oft auch Abendmahlskelchen sowie an Altären und Tabernakeln. Im Matthäusevangelium heißt es:

„Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Dante erwähnt in seiner Göttlichen Komödie den Pelikan als Symbol für Jesus Christus:

„Er ruht am Busen unsers Pelikan; Ihn hat der Herr zur großen Pflicht erlesen, als er den Martertod am Kreuz empfah’n.“

Thomas von Aquin dichtete im Hymnus „Adoro te devote“:

  • „Gleich dem Pelikane starbst du, Jesu mein. Wasch mit deinem Blute mich von Sünden rein. Schon ein kleiner Tropfen sühnet alles Schuld, bringt der ganzen Erde Heil und Huld.“

2.4 Der Drache

Drachen und Schlangen sind Symbole für das Böse, das alles Wertvolle sowie den Menschen und seine Seele bedroht, sowie für allgemeine Lebensbedrohung. Das Symbol des Drachen ist weltweit verbreitet und besitzt überall mit Ausnahme des ostasiatischen Raumes eine negative Bedeutung. Drachen symbolisieren dabei meist Bedrohungen für den Menschen und seine Welt.

Wo von Drachen die Rede ist, gibt es jedoch meist auch einen Helden, der den Drachen im Kampf besiegt. Im Mythos findet ein Kampf zwischen Gott und einem Drachen auf kosmischer Ebene statt. In der Sage kämpft ein menschlicher Held gegen den Drachen, meist ein Königssohn, der den Drachen besiegt und eine Königstochter oder einen Schatz dadurch erlangt. In der Legende sind es Heilige wie Sankt Georg, die den Drachen bezwingen und dadurch das Land von ihm befreien.

2.5 Der Adler

Der Adler wird als Symbol mit Sonne, Himmel, Blitz und Donner in Verbindung gebracht. Symbolprägend sind vor allem seine Kraft und Ausdauer sowie sein dem Himmel zustrebender Flug. Als „König der Lüfte“ seit der Antike als Wappentier als Herrschaftssymbol verwendet., etwa im alten Ägypten, in Babylon, bei den Sumerern und bei den Hethitern. Er steht in diesem Zusammenhang auch für die Verbindung von Irdischem und Göttlichem. Im antiken Griechenland galt er als Bote des Göttervaters Zeus und im antiken Rom als Symbol des Jupiters, der auch als Schutzgott des Heeres galt. Die römischen Legionen trugen daher seit dem Jahr 104 v. Chr. silberne Adler als Feldzeichen. In der römischen Kunst verkörpert oder trägt ein aufsteigender Adler die Seelen von Herrschern nach ihrem Tod zu den Göttern.

Als politisches Symbol steht der Adler für Souveränität und das durch den Staat geschützte Recht. Karl der Große übernahm den Adler von den Römern als Herrschaftssymbol, ebenso wie das später entstandene Deutsche Reich. Zwischen 1400 und 1806 wurde der doppelköpfige Adler ein kaiserliches Symbol verwendet, während der einköpfige Adler als königliches Symbol verwendet wurde.

In einigen indianischen Kulturen steht der Adler als Himmels- und Sonnensymbol dem Jaguar als Erdsymbol gegenüber. Seine Federn werden hier als Symbole der Sonnenstrahlen verwendet und zur Herstellung von kultischem Schmuck genutzt.

In der Mythologie wird der Adler allgemein auch als Lichtsymbol verwendet, weil er besonders hoch fliegt. In Mythen kämpft häufig ein Adler als Symbol für das Licht und das Gute mit einer Schlange als Symbol für das Böse. In der Bibel wird er als Symbol für Stärke und Geschwindigkeit (Ez 17,3 f.; 2 Kö 1,23; Jer 4,13) sowie der Stärke, aber auch der fürsorgenden Liebe Gottes (Ex 19,4) verwendet.

Der der Adler laut Aristoteles unmittelbar in die Sonne blickt, wird er auch als Symbol für Kontemplation und spirituelle Erkenntnis angesehen.

In der Antike und im Mittelalter wurde er zudem unter Bezug auf Ps 102,5 und Is 40,31 sowie auf die Fabel des Physiologus wegen des Motivs der Verjüngung durch das Bad im Jungbrunnen als Symbol für die Erneuerung durch Taufe und Auferstehung und des geistigen Aufstiegs zu Gott eingesetzt, wodurch der Adler ein Symbol für die Auferstehung Jesu Christi oder Jesus Christus selbst sein kann. Der Adler wird hier als Symbol entsprechend dem Phönix verwendet.

Der Adler ist auch das Symbol des Evangelisten Johannes unter Bezug auf Offb 4,7. Seit dem 12. Jahrhundert werden gottesdienstliche Lesepulte in Form eines Adlers gestaltet, auf dessen ausgebreiteten Flügeln das Buch für liturgische Lesungen und Gesänge abgelegt wird. Dies soll zur Erhebung der Herzen zu Gott aufrufen.

Unter den sieben Todsünden symbolisiert der Adler den Hochmut und unter den vier Kardinaltugenden die Gerechtigkeit.

2.6 Der Löwe

In der Offenbarung des Johannes wird Jesus Christus als siegreicher Löwe bzw. als „Löwe aus dem Stamm Juda“ beschrieben.16 Im Judentum wird Yehuda, der Namensgeber des Stammes Juda, durch einen Juden symbolisiert. Der Löwe ist außerdem das Symbol des Evangelisten Markus. C. S. Lewis beschrieb in seiner Kinderbuchreihe „Die Chroniken von Narnia“ den Löwen Aslan als christusähnliche Figur.

Im Alten Testament wird der Löwe häufig als starkes und gefährliches Raubtier beschrieben, aber auch als Instrument des Gerichts Gottes. In der Erzählung von Daniel in der Löwengrube verschonen die Löwen den gottesfürchtigen Daniel.17 Gott wird an einigen Stellen des Alten Testaments in seinen Furcht erregenden und zornigen Eigenschaften mit den Eigenschaften eines Löwen beschrieben. Löwen symbolisieren hier außerdem die Herrschaft des Königs. Außerdem wird die Stärke und Tapferkeit von Helden an vielen Stellen mit den Eigenschaften eines Löwen verglichen. In der Offenbarung des Johannes hat einer der vier am Thron Gottes wachenden Engel das Aussehen eines Löwen.18

Löwen werden jedoch auch als Bedrohung dargestellt. Ungerecht handelnde Reiche oder Herrscher sowie feindliche Völker und Reiche werden in diesem Zusammenhang negativ mit Löwen verglichen. Satan wird im Neuen Testament als brüllender, räuberischer Löwe beschrieben.19

2.7 Der Wolf

Während der Drache symbolisch für den geistigen, nichtmenschlichen Feind des Menschen steht, symbolisiert der Wolf in der Bildersprache der Bibel die menschlichen Gegner der Christen und des Christentums. Jesus Christus selbst verwendet das Bild des Wolfes, etwa in Joh 10, 11-13:

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht, weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.“

Auch die Apostelgeschichte kündigt „reißende Wölfe“ an,  welche die christliche „Herde nicht schonen“ werden (Apg 20, 29).

In einigen indianischen Kulturen gilt der in Nordamerika lebende Coyote, ein Präriewolf, als Ursache des Bösen, des Winters und des Todes.

2.8 Das Schwert

Schwerter stehen in der christlichen Symbolik für die göttliche Allmacht und Gerechtigkeit sowie für den göttlichen Zorn. Sie stehen zudem für die von Gott gewollte Ordnung und ihren Schutz bzw. für die Beziehung von Macht und Recht sowie für legitime Herrschergewalt, weshalb sie eines der Insignien der Herrschaft christlicher Könige sind. Otto I. soll sein Königsschwert laut Widukind von Corvey im Aachen Dom mit den Worten empfangen haben:

„Empfange dieses Schwert, mit dem du hinaustreiben mögest die Widersacher Christi, die Barbaren und die schlechten Christen, da dir durch göttliche Autorität die volle Gewalt über das Imperium Francorum übertragen ist, zum sichersten Frieden aller Christen.“

Schwerter symbolisieren zudem männliche Tugend bzw. Kraft und Tapferkeit sowie Gerechtigkeit.

Die christliche Symbolik des Schwertes ist ambivalent. Als einer der Apostel Jesus Christus mit einem Schwert gegen dessen Festnahme verteidigen will, sagt Christus:

„Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“20

Das Schwert wird hier weder als positives noch als negatives Symbol verwendet. Die negative Aussage bezieht sich nicht auf das Schwert sondern auf die Situation, denn es handelt sich bei dem Schwert offensichtlich um eines der beiden, welche die Apostel im Auftrag Christi beschafft hatten. Das Schwert kann somit nur in einem guten Kontext als Symbol für etwas Gutes verwendet werden, steht jedoch für sich genommen nicht für das Gute, aber auch nicht für das Böse.

2.9 Die Sonne

Die Sonne ist ein in vielen Kulturen zu findendes Symbol für Gott. Sie symbolisiert zudem den Kampf gegen das Böse bzw. gegen die Dunkelheit. Das Christentum übernahm diese Symbolik, indem es Christus als „Licht der Welt“ und „Sonne der Gerechtigkeit“ beschrieb. Diese Beschreibung geht auf die Worte Christi selbst zurück:

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“21

Christus verwendete dieses Symbol im Sinne des Kampfes des Lichtes gegen die Dunkelheit. Er ist als „Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“22 Der Prolog des Johannesevangeliums betont dies. Hier wird Christus so beschrieben:

„Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“23

Christus bezeichnete diejenigen, die ihm nachfolgen, ebenfalls als „Licht der Welt“.24

Die Entscheidung der frühen Christen, die Feier der Geburt Christi ungefähr auf das Datum der Wintersonnenwende zu legen, folgt ebenfalls dieser Licht- und Sonnensymbolik. Ab diesem Tag nimmt auf der Nordhalbkugel das Licht wieder zu und die Dunkelheit weicht zurück.

Der heilige Franziskus von Assisi knüpfte in seine, Sonnengesang an die christliche Licht- und Sonnensymbolik an:

„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
besonders dem Herrn Bruder Sonne,
der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz:
von dir, Höchster, ein Sinnbild.“

2.10 Das weiße Pferd

Das weiße Pferd ist in zahlreichen Mythen ein Symbol für gegen das Böse kämpfende Helden oder für Götter, die als auf diesen Pferden reitend dargestellt werden.

Der katholische Theologe und Jesuit Hugo Rahner beschrieb 1959 in einem Aufsatz über die zeitlosen Ideale des christlichen Rittertums Jesus Christus als den ersten Ritter. Das Alte Testament habe Jesus Christus als „gottgesandten Reiter“ angekündigt. Hier sei „ein Reiter in leuchtend weißem Gewand, der eine goldene Bewaffnung schwenkte“ beschrieben worden, der das Volk Gottes im Kampf gegen seine Feinde anführe. Dieses Bild finde sich in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament wieder:

„Dann sah ich den Himmel offen und siehe, da war ein weißes Pferd und der, der auf ihm saß, heißt: Der Treue und Wahrhaftige; gerecht richtet er und führt er Krieg. […] Bekleidet war er mit einem blutgetränkten Gewand; und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden; sie waren in reines, weißes Leinen gekleidet. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen. Und er weidet sie mit eisernem Zepter und er tritt die Kelter des Weines, des rächenden Zornes Gottes, des Herrschers über die ganze Schöpfung. Auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte trägt er den Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“25

Die Gesta Francorum, eine um das Jahr 1100 entstandene Beschreibung des Ersten Kreuzzugs, enthält die Beschreibung eines übernatürlichen Eingreifens einer Armee, die auf weißen Pferden ritt, zur Unterstützung der Kreuzritter:

„Dann tauchte von den Bergen herab eine unzählige Schar von Männern auf Schimmeln auf, deren Banner allesamt weiß waren. Als die Unseren dies sahen, verstanden sie nicht, was vorging oder wer diese Männer sein könnten, bis sie erkannten, daß dies der Beistand war, den Christus schickte, und daß die Führer der heilige Georg, der heilige Mercurius und der heilige Demetrius waren. Dies ist wirklich wahr, denn viele der Unseren beobachteten es.“

Der heilige Georg wird vor allem auf Ikonen häufig auf einem weißen Pferd reitend dargestellt.

In der nordischen Mythologie ist Sleipnir das weiße bzw. graue Pferd Odins.

Ca. 20 km südwestlich von Oxford befindet sich das „Uffington White Horse“. Es zeigt die Figur eines weißen Pferdes, die durch mit Kalk gefüllten Gräben in einem Hügel dargestellt wird und ca. um das Jahr 1.000 v. Chr. entstanden ist. Die Identifikation der Figur mit einem Pferd ist erstmals um das Jahr 1.080 belegt, als Mönche eines nahelegenen Klosters einen mons albi equi („Berg des weißen Pferdes“) beschrieben. Die Figur stellt mutmaßlich das Zeichen eines Stammes dar. Es gibt eine offenbar weit in die Geschichte zurückreichende Tradition, welche die Instandsetzung und Reinigung der Figur im Abstand von sieben Jahren beinhaltet. Die mittelalterlichen Beschreibungen der Figur, die ohne Instandsetzung nicht lange sichtbar ist, deuten darauf hin, dass diese Tradition möglicherweise bis auf die Entstehung der Figur zurückreicht.

2.11 Der Phönix

Der Überlieferung nach verbrennt sich der Phönix im Abstand von mehreren Jahren selbst, um aus der Asche wieder zu neuem Leben aufzusteigen. Das Symbol ist nichtchristlichen Ursprungs, wurde aber bereits im frühen Christentum als Symbol für Tod und Auferstehung übernommen. Im Physiologus, einer frühchristlichen Naturlehre, heißt es:

„Aber jeweils alle fünfhundert Jahre macht er sich auf zu den Zedern des Libanon, und da füllt er sich seine Flügel ganz an mit Wohlgerüchen und dies zeigt er dem Priester der Sonnenstadt an […]. Der Priester, dem dies angezeigt ist, geht hin und schichtet auf dem Altar Holz vom Weinstock hoch auf. Der Vogel aber kommt zur Sonnenstadt, vollbeladen mit Wohlgerüchen, und stellt sich oben auf den Altar, und das Feuer erfaßt ihn, und er verbrennt sich selbst. Und der Priester, wenn er am folgenden Tage den Altar durchsucht, findet er einen Wurm in der Asche. Und am zweiten Tage wachsen ihm Flügel, und man findet ihn als ein Vogel-Junges. Am dritten Tage aber findet man, daß er wieder so geworden ist wie ehedem. Und er grüßt feierlich den Priester, und fliegt hoch, und ziehet von dannen nach seiner alten Stätte.“26

2.12 Der umfriedete Weinberg

In den Gleichnissen des Neuen Testaments werden die an der Vorbereitung des Reiches Gottes mitwirkenden Christen mit Arbeitern verglichen, die einen Weinberg bestellen, während der Besitzer des Weinbergs Gott repräsentiert.

Das Bild des Weinberges steht bereits im Alten Testament für das Volk Israel (etwa in Psalm 80) und gemäß christlicher Lehre für die Kirche bzw. für die Gemeinschaft aller Christen. Gott habe ursprünglich in Form des Volkes Israel seinen Weinstock eingepflanzt und ihm Raum in der Welt geschaffen.

Der Weinberg wird von den Menschen in Erwartung des endgültigen Kommens des Reiches Gottes bearbeitet. Jesus Christus nennt in seinem seiner Gleichnisse den Besitzer des Weinbergs den „Vater“, der die Menschen als seine unwilligen Söhne zu Arbeit im Weinberg beruft. Die Bereitschaft zum Dienst und zur Arbeit im Weinberg wird hier als Voraussetzung dafür genannt, Teil des Reiches Gottes sein zu können.

In Matthäus 21 verwendet Jesus Christus das Bild in diesem Sinne. Er spricht hier vom Besitzer des Weinbergs, der eine Hecke um diesen pflanzt und einen Wachtturm auf ihm errichtet sowie von Pächtern, welche die Diener und den Sohn des Besitzers töten wollen um sein Erbe in Anspruch zu nehmen. Jesus Christus kündigte das Scheitern dieser Menschen an, denn der Besitzer des Weinbergs, also Gott, werde gegen sie vorgehen und „diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“

2.13 Der verschlossene Garten

Der Hortus conclusus („verschlossener Garten“) ist ein Bildmotiv der christlichen Kunst, das seit ca. 1330 nachweisbar ist. Es geht zurück auf eine Stelle im Hohenlied, in dem eine Frau mit einem verschlossenen Garten verglichen wird27 und die in der katholischen Interpretation auf die Muttergottes bezogen wurde. In der Malerei wird sie häufig in einem umfriedeten Garten dargestellt, was symbolisieren soll, dass sie vor der Sünde geschützt ist.

2.14 Der sichere Ort

Der locus amoenus („lieblicher Ort“) ist ein Motiv der abendländischen Kunst, das bereits in der Antike nachweisbar ist. Es beschreibt einen sicheren Ort, an dem in der Regel ein Wald und eine besonders reine Quelle oder ein Brunnen vorhanden ist. J. R. R. Tolkien verarbeitete das Motiv in seiner Beschreibung Lothlóriens. Dies ist ein sicherer Ort in einem Wald, an den die Elben sich zurückgezogen haben, um dort ihr Erbe zu bewahren und von hier aus ihren Widerstand gegen Sauron zu führen. Durch die Macht Galadriels wird dieser Ort vor Sauron und seinen Kräften geschützt.

Der erste Schöpfungsbericht im Alten Testament beschreibt die Schöpfung als die Schaffung eines Raums der Ordnung im Chaos in Form des Garten Edens, in dem das Leben gedeihen kann. Dieser Raum muss gegen die Mächte des Chaos durch einen König oder Hirten bewahrt werden, der gegen die Kräfte des Chaos kämpft, die diesen Raum ständig bedrohen.28

2.15 Schützende Mauern

Die Aussage, dass Religionen Brücken statt Mauern errichten sollte, entstammt vollständig der politischen Rhetorik säkularer utopischer Ideologien und hat weder einen biblischen Bezug noch einen Bezug zu christlicher Weltanschauung. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament werden Mauern an vielen Stellen erwähnt, wobei die Erwähnung fast ausschließlich in einem positiven Kontext erfolgt. Mauern stehen hier vor allem für den Schutz des Volkes Gottes und für seine Abgrenzung bzw. Unterscheidung von anderen Religionen. Sie stehen zudem für persönliche Integrität.

Im Alten Testament werden Mauern vor allem mit Bezug auf die Schutzmauern von Städten erwähnt. Sie stehen hier für den Schutz vor Bedrohungen und Gefahren. Als Mauern werden hier auch die Einfriedungen eines Weinbergs bzw. des Weinbergs Gottes beschrieben, der ein Symbol bzw. ein Gleichnis für das Reich Gottes darstellt. Im Alten Testament wird beschrieben, dass um diesen Weinberg Zäune und Mauern gezogen sind und er über einen Wachtturm verfügt, um ihn gegen Bedrohungen wie z. B. wilden Tieren oder Dieben zu sichern.

Gott selbst errichtet laut den Worten der Mauern zum Schutz seines Volkes. In der Offenbarung des Johannes wird das neue Jerusalem, die Stadt Gottes, als eine Stadt beschrieben, die eine „große und hohe Mauer“ hat. Diese Mauer wird ausführlich beschrieben. Sie hat zwölf Grundsteine, auf denen die Namen der zwölf Apostel Christi stehen und die mit „edlen Steinen aller Art geschmückt“ sind. Die Mauer hat hier mutmaßlich eine schützende Funktion, denn „nichts Unreines wird hineinkommen“ in die Stadt, „keiner, der Gräuel verübt und lügt“. Sie sei aus „Jaspis“ errichtet, wobei dieser Name hier mutmaßlich zur Bezeichnung von Diamant verwendet wurde.29

Wo die Eliten des Volkes Israel schützenden Dienst an ihrem Volk im Gehorsam gegenüber Gott leisten, können die Menschen laut dem Propheten Jesaja dankbar singen: „Wir haben eine starke Stadt. Zum Heil setzt er Mauern und Wall.“30

Das Buch Nehemia handelt im Wesentlichen von der Erneuerung der Mauern Jerusalems. Nehemia, der als Jude im Dienst des persischen Königs Artaxerxes I. stand, weinte, als er hörte, dass die Mauern der heiligen Stadt zerstört und diese schutzlos ihren Feinden ausgeliefert war. Er begab sich mit einer Gruppe von Soldaten in die Stadt, um sie wieder sicher zu machen und eine Wiederherstellung der Religion und eine Erneuerung der Tradition zu ermöglichen.

„Dann machte ich mich bei Nacht auf, nahm aber nur einige wenige Männer mit. Noch hatte ich keinem Menschen mitgeteilt, was mein Gott mir eingegeben hatte, für Jerusalem zu tun. Ich nahm keine Tiere mit außer dem einen, auf dem ich ritt.

So ritt ich bei Nacht zum Taltor hinaus. An der Drachenquelle vorbei gelangte ich zum Aschentor. Dabei besichtigte ich die Mauern Jerusalems: Sie waren niedergerissen und die Tore vom Feuer verzehrt.[…]

Ihr seht selbst, in welchem Elend wir leben: Jerusalem liegt in Trümmern und seine Tore sind abgebrannt. Gehen wir daran und bauen wir die Mauern Jerusalems wieder auf! So machen wir unserer Schande ein Ende. […]

Als aber Sanballat und Tobija sowie die Araber, die Ammoniter und die Leute von Aschdod hörten, dass der Wiederaufbau der Mauer von Jerusalem voranging – denn die Breschen schlossen sich allmählich -, wurden sie wütend und alle zusammen verschworen sich, gegen Jerusalem in den Krieg zu ziehen und dort Unruhe zu stiften. Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten Tag und Nacht eine Wache auf, um uns vor ihnen zu schützen. […]

Ich musterte sie, dann erhob ich mich und sagte zu den Vornehmen, den Beamten und den übrigen Männern: Fürchtet euch nicht vor ihnen! Denkt an den Herrn; er ist groß und furchtgebietend. Kämpft für eure Brüder und Söhne, für eure Töchter und Frauen und für eure Häuser! […]

Seit jenem Tag arbeitete nur die Hälfte meiner Leute am Bau; die andere Hälfte hielt Lanzen, Schilde, Bogen und Panzer bereit und die Obersten standen hinter dem ganzen Volk Juda,das an der Mauer baute. Die Lastträger arbeiteten so: Mit der einen Hand taten sie ihre Arbeit, in der andern hielten sie den Wurfspieß. […]

So arbeiteten wir am Bau, während die Hälfte die Lanzen bereithielt, vom Anbruch der Morgenröte bis zum Aufgang der Sterne.“

Hier symbolisiert die Mauer Jerusalems den physischen Schutz des Volkes Gottes vor seinen Feinden und seine kulturelle Abgrenzung von seiner heidnischem Umgebung zum Schutz seiner Religion. Nehemia lässt zunächst die schützende Mauer wiederherstellen um äußere Bedrohungen abzuwehren, bevor er Jerusalem auch kulturell erneuern. Die Errichtung der schützenden Mauer ist hier ein von Gott gewollter Dienst an Gott und an seinem Volk.

Der Apostel Paulus beschreibt die einzelnen Christen als Teil der Mauer des Tempels Gottes. Zwar ist hier nicht direkt von einer Mauer die Rede, aber aus dem Kontext ergibt sich, dass eine Mauer gemeint ist, denn „[i]hr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Eckstein ist Christus Jesus selbst.“31 Dieses Bild wird auch im 1. Petrusbrief verwendet, wo Christen aufgerufen werden: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen […]. Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.[/note]1. Petrus 2, 5-6[/note]

König David betete zu Gott:

„Nach deinem Wohlgefallen tu Gutes an Zion, erbaue wieder die Mauern Jerusalems!“32

Im Kontext dieses Psalms steht die zerstörte Mauer für die Sünde Davids bzw. dafür, dass er die heilige Stadt durch seine Sünde Bedrohungen ausgeliefert hat.

Im Buch der Sprichwörter steht eine zerstörte Mauer für die aus Trägheit geborene Nachlässigkeit, die Menschen Bedrohungen ausliefert:

„Am Acker eines Faulen ging ich vorüber, am Weinberg eines unverständigen Menschen: Sieh da, er war ganz überwuchert von Disteln, seine Fläche mit Unkraut bedeckt, seine Steinmauer eingerissen. Ich sah es und machte mir meine Gedanken, ich betrachtete es und zog die Lehre daraus: Noch ein wenig schlafen, noch ein wenig schlummern, noch ein wenig die Arme verschränken, um auszuruhen. Da kommt schnell die Armut über dich, die Not wie ein bewaffneter Mann.“33

Sie steht außerdem für mangelnde Selbstkontrolle:

„Eine Stadt mit eingerissener Mauer ist ein Mann, der sich nicht beherrscht.“34

Das Errichten von schützenden Mauern war in der Geschichte des christlichen Europa eine Tätigkeit christlicher Heiliger. Der heilige Ulrich von Augsburg veranlasste im Jahre 926 als Bischof von Augsburg die Befestigung Augsburgs mit einer Stadtmauer. Er befehligte zudem die Verteidigung der Stadt und leitete ihren Wiederaufbau, wodurch er dem Nehemia des Alten Testaments ähnelt.

2.16 Die Arche

Sie ist Symbol für die Rettung des Menschen durch die Taufe sowie für die Kirche und für die Gesamtheit des heiligen Wissens, das nicht zerstört werden kann.

2.17 Der Blitz

Dieser gilt in vielen Kulturen als Symbol oder Ausdruck göttlicher Kraft. In der Bibel werden Blitz und Donner im Zusammenhang mit dem Zorn Gottes erwähnt. Dies ist auch in anderen Religionen der Antike der Fall, wo Blitze Attribute von Jupiter/Zeus sowie Indra sind.

2.18 Die Burg

Sie ist ein Symbol für Schutz und Sicherheit. In der christlichen Symbol ist sie Sinnbild für die Zuflucht in Gott und den Glauben sowie für den Schutz gegen Dämonen.

2.19 Der Hund

In einigen Kulturen ist der Hund als Symbol negativ behaftet. Im abendländischen Kontext steht er für Treue, Hilfe und Schutz.

2.20 Der Fels

Er ist ein Symbol der Festigkeit und der Unveränderlichkeit. In der Bibel steht er für die Stärke und Treue des schützenden Gottes. Christus bezeichnete Petrus als den Fels, aus den er seine Kirche baue.

2.21 Der Helm

Er steht für Stärke und Unverwundbarkeit, seltener auch für Unsichtbarkeit.

2.22 Der Gürtel

Er ist ein Symbol der Macht, der Treue und der Bindung an eine Person, eine Gemeinschaft oder eine Aufgabe. In der Bibel ist er zudem ein Symbol der Bereitschaft.

2.23 Die Lanze

Sie ist ein Symbol der Macht und ähnelt symbolisch der Weltachse. Tiere, die von Lanzen durchbohrt werden, stehen in der Kunst oft für Laster, die überwunden werden müssen. Sie ist ein Attribut der Kardinaltugend der Tapferkeit.

2.24 Das Rutenbündel

Inhalt folgt

2.25 Der Ring

Der Ring ist ein Symbol der Ewigkeit, der Treue und der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.

3. Symbole der hierarchischen Ordnung des Kosmos

3.1 Das Kreuz

siehe oben

3.2 Die Sonne

siehe oben

3.3 Der Adler

siehe oben

3.4 Der Himmel

Viele Mythologien verwenden vertikale Bilder, in denen der Himmel die Sphäre des Gottes darstellt, die sich von der Welt des Menschen abhebt. Bereits bei Homer, der die ältesten schriftlich fixierten Gedanken in der Tradition des abendländischen Denkens wiedergab, wird zwischen der Welt des Menschen un den numinosen Orten Olymp und Hades unterschieden, von denen aus numinose Kräfte in die Welt des Menschen hineinwirken.35

3.5 Der Stern

Ignatius von Antiochien, der erste Bischof von Antiochien, erlitt um das Jahr 110 den Märtyrertod in Rom. Er schrieb über Christus: „Ein Stern erstrahlte am Himmel, heller als alle Sterne, und sein Licht war unaussprechlich stark. […] Alle übrigen Sterne umgaben im Reigen zusammen mit Sonne und Mond den Stern. Er übertraf mit seinem Licht alle anderen.“36

3.6 Der Berg

Inhalt folgt

3.7 Der Baum

Bäume sind im Mythos Aufenthaltsorte numinoser Mächte. Sie stehen symbolisch für die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Ebenen des Kosmos.

3.7.1 Die Eiche

In indogermanisch geprägten Kulturen galt sie verbreitet als heiliger Baum. Wegen ihres harten, dauerhaften Holzes gilt sie als Symbol für Kraft und Männlichkeit sowie für Unsterblichkeit. Seit dem 18. Jahrhundert wird die Eiche speziell in Deutschland auch als Symbol für Heldentum und das Eichenlaub als Symbol für den Sieg verwendet.

3.8 Die Säule

Sie ist ein Symbol für die Verbindung von Himmel und Erde, für Festigkeit, für tragende Kraft sowie für starke Gemeinschaft und die Stärke einer Institution. Als vertikales Symbol ähnelt sie der Symbolik der Weltachse.

4. Farbsymbolik

4.1 Gold

Die Farbe Gold steht für Unveränderlichkeit, Vollkommenheit und die Tugend der dienenden Liebe bzw. der Caritas.

Quellen

  1. Romano Guardini: Die Existenz des Christen, Paderborn 1976, S. 14.
  2. Emile Durkheim: The Elementary Forms of the Religious Life, London 1976, S. 230 f.
  3. Corinna Mühlstedt: Die christlichen Ursymbole, Freiburg i. Br. 1999, S. 15 f.
  4. Corinna Mühlstedt: Die christlichen Ursymbole, Freiburg i. Br. 1999, S. 25 f.
  5. Corinna Mühlstedt: Die christlichen Ursymbole, Freiburg i. Br. 1999, S. 20.
  6. Corinna Mühlstedt: Die christlichen Ursymbole, Freiburg i. Br. 1999, S. 20 f.
  7. Mühlstedt 1999, S. 155.
  8. Scott Hahn/Brandon McGinley: It is Right and Just, Steubenville 2020.
  9. Robert Spaemann: „‚Sei gegrüßt Kreuz, einzige Hoffnung“, Vatican Magazin, Nr. 1/2019, S. 23.
  10. Zit. nach Günter Stemberger: 2000 Jahre Christentum, Erlangen 1994, S. 146.
  11. „‚Das Kreuz ist Zeichen einer Revolution der Liebe'“, bistum-regensburg.de, 27.04.2019.
  12. Walter Kasper: „Wir werden Verachtung ernten“, Focus, Nr. 52 (2006).
  13. Otto Bardenhewer et al. (Hrsg.): Des heiligen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus Erzbischofs von Konstantinopel Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Philipper und Kolosser, Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 45, München 1924, S. 192.
  14. Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): „Unsere Symbole“, Schriftenreihe Innere Führung, Bonn 1963, S. 60-62.
  15. Joh 10, 11-14
  16. Offb 5,5
  17. Dan 6
  18. Offb 4,7
  19. 1 Petr 5,8
  20. Mt 26,52
  21. Joh 8,12
  22. Joh 12,46.
  23. Joh 1,4
  24. Mt 5,14
  25. Offb 19, 11-16.
  26. Jost Gippert: Physiologus. Die Verarbeitung antiker Naturmythen in einem frühchristlichen Text, Prag 1997/1998, S. 161-177.
  27. Hoheslied 4,12
  28. Gregor Maria Hanke: „Askese als Förderer der Ordnung und Gesundheit im Leben des Menschen“, in: Jürgen Henkel/Nikolaus Wyrwoll (Hrsg.): Askese versus Konsumgesellschaft, Bonn 2013, S. 64-70, hier: S. 67.
  29. Offb 21,9-27
  30. Jes 26,1
  31. Epheser 2,17-22
  32. Psalm 51,20
  33. Sprüche 24, 30-34
  34. Sprüche 25,28
  35. Kurt Hübner: Die Wahrheit des Mythos, München 1985, S. 325.
  36. Zit. nach Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 32.