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Stand: 25.11.2020

Diese Themenseite beschreibt religiöse Praxis, Stil, Form und Brauchtum mit Bezug zum schützenden und bewahrenden Dienst am Gemeinwesen aus vorwiegend katholischer Perspektive. Eine ähnliche Seite oder eine Erweiterung dieser Seite, welche die Perspektive anderer Konfessionen beschreibt, ist für die Zukunft geplant. Bitte kontaktieren Sie uns, falls Sie daran mitwirken möchten.

1. Allgemeine religiöse Praxis

Viele Aspekte christlicher Glaubenspraxis beziehen sich unmittelbar auf den schützenden und bewahrenden Dienst am Nächsten und am Gemeinwesen bzw. haben einen wehrhaften Bezug.

Laut der Humanethologin Christa Sütterlin würden „Kult und Ritual“ die „Reproduzierbarkeit eines geschichtlichen Ereignisses in Form ewiger Gegenwart“ ermöglichen und so zu kultureller Kontinuität beitragen.1

Der Kulturwissenschaftler Jan Assmann schrieb über religiöse Riten:

„In der Festzeit oder ‚Traumzeit‘ der großen Zusammenkünfte weitet sich der Horizont ins Kosmische, in die Zeit der Schöpfung, der Ursprünge und großen Umschwünge, die die Welt in der Urzeit hervorgebracht haben. Die Riten und Mythen umschreiben den Sinn der Wirklichkeit. Ihre sorgfältige Beachtung, Bewahrung und Weitergabe hält – zugleich mit der Identität der Gruppe – die Welt in Gang.
 Das kulturelle Gedächtnis erweitert oder ergänzt die Alltagswelt um die andere Dimension der Negationen und Potentialitäten und heilt auf diese Weise die Verkürzungen, die dem Dasein durch den Alltag wiederfahren. […] So hat die Antike die Funktion des Festes und der Musen als eine Heilung vom Alltag gedeutet.“2

1.1 Allgemeine wehrhafte Bezüge in der christlichen Kultur Europas

In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche militärische Bezüge aus der Überlieferung der katholischen Kirche getilgt, so dass diese Seite des christlichen Erbes heute kaum noch sichtbar ist.

Der katholische Theologe und Jesuit Hugo Rahner (1900-1968) ist vor allem durch seinen Einsatz für die Verteidigung des abendländischen Gedankens in Erinnerung geblieben. Er verfasste in diesem Zusammenhang 1959 einen Aufsatz, in dem er das zeitlose Erbe des abendländischen Rittertums beschrieb und die soldatischen Bezüge der christlichen Tradition herausarbeitete.3

Bereits in den ältesten Texten des Neuen Testaments sei das Christentum mit soldatischen Bildern beschrieben worden. Der hl. Apostel Paulus habe etwa das Kreuz Christi mit einem tropaion mit einem Feldzeichen römischer und griechischer Armeen verglichen. Von Paulus beginnend hätten die frühen Christen das christliche Leben mit dem Dienst des Soldaten verglichen, das für sie „Kriegsdienst für den König Christus“ gewesen sei. Von Beginn an hätten sich Christen als Soldaten in einem metaphysischen Krieg gegen nichtmenschliche Gegner bzw. gegen die Kräfte des Bösen verstanden. Rahner spricht von einer „heiligen Gewalt, die einmal das christliche Abendland, dieses Herz der Völker, durchpulst hat“.

Eine der ältesten überlieferten Formen der Taufe bzw. des Eintritts in das Christentum habe darin bestanden, dass der in den Dienst Christi eintretende Mensch sich in Richtung der aufgehenden Sonne gewandt und feierlich ausgesprochen habe: „Ich trete in dein Heer ein, o Christus.“4 Bereits Clemens von Alexandria (ca. 150-215) habe gesagt, dass es eine „herrliche Gefahr“ darstelle, „überzulaufen zur Front Gottes hin“.5

Über Jahrhunderte wurde das christliche Leben in der Kirche unter Anknüpfung an das Buch Hiob als „militia“ bzw. als Kriegsdienst bezeichnet. Der Begriff sacramentum wurde von Tertullian in das Christentum eingeführt. Ursprünglich bezeichnete der Begriff den Treueeid des römischen Soldaten, mit dem er sich zum Kriegsdienst verpflichtete.6

Zum Beginn der Fastenzeit wurde vor den Liturgiereformen der katholischen Kirche in den 1960er Jahren gebetet:

„Laß uns, o Herr, den Wachtpostendienst des christlichen Kampflebens
durch heiliges Fasten antreten,
damit wir im Kampf mit den bösen Geistern
in der Enthaltsamkeit Halt und Hilfe haben.“

1.2 Marienverehrung mit wehrhaften Bezügen

Die wehrhaften Bezüge der Marienverehrung sind aus der katholischen Kirche der Gegenwart fast vollständig verschwunden. In der Bibel wird Maria jedoch mit wehrhaften Bezügen beschrieben. Im Hohenlied im Alten Testament wird sie jedoch möglicherweise in einer kämpfenden Rolle angekündigt und als „furchtgebietend wie Heerscharen mit Kriegsbannern“ beschrieben.7 Als die sonnenumkleidete Frau, die in der Offenbarung beschrieben wird, spielt sie eine entscheidende Rolle im kosmischen Kampf gegen die Mächte des Bösen.

Marienverehrung spielte bei der Verteidigung des Christentums über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle. Die Anrufung Marias spielte der Überlieferung nach eine zentrale Rolle in der spanischen Reconquista und in den Abwehrkämpfen zur Verteidigung Europas gegen die osmanischen Invasionen. Papst Johannes Paul II., der eine führende Rolle beim Widerstand gegen den Kommunismus in Osteuropa in den 1980er Jahren spielte, ging zudem davon aus, dass „Maria dem Kommunismus in ganz Europa ein Ende gemacht hat“.

1.2.1 Maria als Vorbild des Glaubens, des Dienstes und des Gehorsams

In der katholischen Kirche spielt die Verehrung Marias eine herausgehobene Rolle, denn Maria entschied sich als erster Mensch dazu, in den Dienst Christi einzutreten und sie führte gehorsam den wichtigsten Auftrag aus, den jemals ein Mensch erhalten hat oder erhalten wird. Themen des schützenden und bewahrenden Dienstes, etwa das Thema des Dienstes allgemein sowie das Thema des Gehorsams, werden dabei betont.

Als Maria mit ihrem Auftrag konfrontiert wurde, antwortete sie: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort!“8 Mit ihrer Entscheidung bereitete sie das entscheidende Ereignis in der Geschichte der Menschheit vor und ermöglichte dadurch die Rettung des Menschen vor den Folgen seiner Sünde. Nach den Worten der Bibel wird das Reich des Sohnes, den sie gebar, kein Ende haben.

Als erster Mensch hat sie an Jesus Christus geglaubt. Sie war Jesus Christus näher als alle anderen Menschen, dem sie in den ersten Jahren seines Lebens diente. An an allen wichtigen und vor allem an den schwierigsten Stellen des im Neuen Testament geschilderten Geschehen war sie an vorderer Stelle präsent, auch als die Jünger flohen und sie am Kreuz ausharrte und sich die Prophezeiung des Simeon erfüllte, dass ihr ein “Schwert durch die Seele dringen wird”9. Zeitweise war sie mit der Kirche identisch, als sie unmittelbar vor der Auferstehung Christi als einziger Mensch am Glauben festhielt.

Im Lukas-Evangelium wird ihr Gebet wiedergegeben, in dem sie ihrer Freude und Dankbarkeit über den ihr erteilten Auftrag Ausdruck verleiht, der für sie später noch mit viel Leid und Opfern verbunden war:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“10

Der Text des Evangeliums entstand sehr wahrscheinlich noch zu ihren Lebzeiten. Der Evangelist Lukas dürfte die von ihm wiedergegebenen Worte unmittelbar von ihr gehört haben.

Maria weist den Menschen nach katholischer Interpretation den Weg zu Jesus Christus, über den sie sagte: „Tut alles, was er sagt.“ Wer ihr als Vorbild im Glauben folgt, kann zu Jesus Christus gelangen und wer ihr gegenüber wie ein Kind gegenüber seiner Mutter auftritt, den kann sie zu ihrem Sohn führen. Dabei geht es ihr nach katholischer Überzeugung nicht darum, selbst verehrt zu werden, sondern dass ihr Sohn verehrt wird. Einige der größten Werke europäischer Kultur wurden geschaffen, um sie zu ehren, darunter auch einige der bedeutendsten gotischen Kathedralen, die Namen wie „Notre Dame“ tragen.

1.2.2 Maria und der Drachenkampf bzw. kosmische Kampf

Dieses Thema wird auf unserer Themenseite zum Thema „Kampfmythos“ behandelt.

1.2.3 Marienverehrung im christlichen Rittertum

Das christliche Rittertum war von ausgeprägter Marienverehrung gekennzeichnet. Der Katalane Ramón Llull, der um 1290 eines der wichtigsten Werke über das Rittertum verfasste, sprach von der heiligen Muttergottes die „mächtig in Schlachten“ sei. Sie sei die Hoffnung der kämpfenden Ritter, und ohne ihre Hilfe könnten diese nicht siegen.11 Als Schlachtruf taucht das „Maria Hilf!“ erstmals während der Kreuzzüge in der Zeit des hl. Ludwig IX. (1226–1270) auf, als es neben dem älteren „Deus vult“ und dem „Adjuva Deus“ verwendet wurde.

Die Legende von Mirat dem Sarazenenfürsten

Einer Überlieferung nach geht der Name der Stadt Lourdes, dem Ort der späteren Marienerscheinungen, auf den Namen eines Sarazenenfürsten zurück, der ursprünglich Mirat hieß, und gegen den Karl der Große im Jahre 778 kämpfte. Mirats Burg sei von den Kräften Karls des Großen über mehrere Monate hinweg belagert worden. Er habe erklärt, dass er sich keinem Sterblichen unterwerfen werde. In Verhandlungen mit dem Bischof von Puy habe dieser Mirat angeboten, dass er nicht Karl dem Großen als Lehnsherren anerkennen müsse, sondern ein Ritter der edelten Frau werde könne die es gebe, nämlich ein Ritter der Muttergottes. Mirat habe seine Waffen daraufhin vor dem Gnadenbild Notre-Dame du Puy abgelegt, sei Christ geworden und habe den Namen Lorus angenommen, nach dem der Ort Lourdes benannt worden sei. Einer anderen Überlieferung nach habe er den Namen „Lorda“ angenommen, was dem arabischen Wort für Rose („Warda“) ähnelt.12

Das Salve Regina und der Erste Kreuzzug

Das Lied „Salve Regina“ wurde einer Überlieferung nach von dem damaligen Bischof von Puy, Adhemar von Monteil, anlässlich des Ersten Kreuzzuges 1096 verfasst worden und sei von den Rittern der damaligen Zeit gesungen worden.13

1.2.4 Marienverehrung und die Reconquista

Die Reconquista auf der spanischen Halbinsel begann um das Jahr 722 am Marienheiligtum Covadonga, als der Heerführer Pelagius von Asturien dort um Beistand bat. König Alfons VIII. (1155-1214) von Spanien wählte Maria als Schutzpatronin. Unter seiner Führung begann die Reconquista größere Erfolge aufzuweisen. Im späten 13. Jahrhundert fand der Schäfer Gil Cordero am Ufer des Guadalupe eine Madonnenstatue, die mutmaßlich 714 von den Einwohnern der Gegend vor den maurischen Invasoren versteckt worden war. Am Fundort wurde daraufhin eine Kapelle errichtet. König Alfons XI. von Kastilien, der die Kapelle mehrfach besucht hatte, erbat die Hilfe Guadelupes vor der Schlacht am Salado (1340). Seinen Sieg schrieb er ihrem Beistand zu und erklärte die Kirche zu einem königlichen Heiligtum. Der spätere Heilige Ferdinand III. und sein Sohn Alfons X. verstanden sich als marianische Könige. Moscheen in den befreiten Städten wurden oft in Kirchen umgewidmet, die nach Maria benannt wurden. Eine große Zahl von Legenden berichtet über das Eingreifen Marias.

Das Fest „Maria vom Loskauf der Gefangenen“

Das Fest „Maria vom Loskauf der Gefangenen“ wurde bis 1970 am 24. September in der katholischen Kirche gefeiert. Es entstand im Orden der Mercedarier, der im frühen 13. Jahrhundert in Spanien gegründet worden war und der durch die Sarazenen versklavte Christen freikaufte. Papst Innozenz XII. führte das Fest Ende des 17. Jhd. für die ganze Kirche ein. 1970 wurde das bereits Anfang der 1960er Jahre in seiner Bedeutung herabgestufte Fest abgeschafft.

Das Fest „Unsere Liebe Frau von Europa“

Im Zuge der Befreiung Spaniens von der islamischen Herrschaft errichteten Christen in Gibraltar um das Jahr 1500 herum ein Marienheiligtum in einer ehemaligen Moschee. Der Turm des Heiligtums diente lange auch als Navigationshilfe. Das Fest wird am 5. Mai begangen.

1.2.5 Marienverehrung und der Abwehrkampf gegen das Osmanische Reich

Auch die erfolgreiche Abwehr osmanischer Invasionen, etwa im Rahmen entscheidender Ereignisse wie der Seeschlacht von Lepanto 1571 oder der Beendigung der Belagerung Wiens 1683, steht in einem engen Zusammenhang mit der Verehrung Marias.

Über die Husaren des polnischen Königs Johann Sobieski, die im Jahre 1683 die Belagerung Wiens beendeten, heißt es, dass sie ihre Taten mit dem Rosenkranz in der einen und mit der Waffe in der anderen Hand vollbrachten.

Die muslimischen Osmanen stellten ein Vierteljahrtausend lang eine existenzielle Bedrohung für das christliche Europa dar. Der Anruf “Maria, Helferin der Christen” bzw. Auxilium Christianorum wurde im Zusammenhang mit dem Abwehrkampf gegen diese Bedrohung bzw. nach dem Sieg in der Seeschlacht von Lepanto durch Pius V. in die Lauretanische Litanei eingeführt. Dieser nannte die Muttergottes die „Obsiegerin gegen die Türcken“.

  • Der Sieg in der Seeschlacht von Lepanto (1571): Die osmanische Flotte wurde 151 bei Lepanto durch die Flotte der Heiligen Liga unter der Führung von Juan de Austria (Johann von Österreich) vernichtend geschlagen. Dadurch wurden islamische Expansionsbestrebungen in Richtung Europa im östlichen Mittelmeerraum vorläufig abgewehrt. Der Fürsprache der Gottesmutter, die durch das Rosenkranzgebet vieler Beter zu Hilfe gerufen worden war, wurde damals der Sieg über die Angreifer zugeschrieben.
  • Der Sieg bei Wien (1683): 1683 standen die Osmanen ein zweites Mal (nach 1529) vor Wien. Neben dem Reichsheer, dessen Kaiser Leopold I. in Altötting die Muttergottes um Hilfe angefleht hatte, war der polnische König Johannes III. Sobieski am 15. August von Tschenstochau aus im Namen Marias dem belagerten Wien zur Hilfe geeilt. Er hatte mit seinen Soldaten das Heer des türkischen Großwesirs am 12. September am Kahlenberg besiegt, weshalb Papst Innozenz XI. diesen Tag als Marien-Fest für die ganze Kirche anordnete. Wie 1456 der heilige Johannes von Capestrano vor Belgrad, hatte sich 1683 vor Wien der Kapuzinerpater Markus von Aviano mit begeisternden Predigten an die kaiserlichen Truppen gewandt. Er wurde von Johannes Paul II. selig gesprochen. Nach einem Sieg über ein überlegenes osmanisches Heer, den er auf das Wirken Marias zurückführte, ließ König Ludwig I. von Ungarn in Mariazell eine Kirche errichten. König Johann III. Sobieski betete vor der Schwarzen Madonna von Tschenstochau in Polen 1683 um die Rettung Europas vor dem Islam, als er sich zusammen mit polnischen Kräften auf dem Weg zur Befreiung Wiens von der osmanischen Belagerung befand. Die ihm unterstellten Soldaten habe er nach dem Besuch angewiesen, im Namen Marias Gott um Hilfe zu bitten. Den unter seiner Führung erzielten entscheidenden Sieg in der Schlacht am Kahlenberg, der die islamische Bedrohung Mitteleuropas für lange Zeit beendete, führte er später auf das Wirken Marias zurück. Unzählige Mariensäulen im katholischen Bayern und in Österreich, aber auch in allen Teilen der Habsburger-Monarchie zeigen Maria mit dem Halbmond zu ihren Füßen.
  • Der Sieg bei Peterwardein (1716): Nach dem Sieg des Prinzen Eugen 1716 über die Türken bei Peterwardein, nördlich vom Belgrad, bestimmte Papst Clemens XI., dass das 1573 von Gregor XIII. im Gedenken ab den Sieg von Lepanto eingeführte Fest als Dank für die Hilfe Mariens in der ganzen Kirche begangen werden sollte. Dass der Sieg des Prinzen Eugen 1716 am 5. August, dem Fest Maria Schnee, erfolgte, sahen die Gläubigen ebenfalls als Zeichen der Hilfe Mariens. Prinz Eugen betete den Rosenkranz vor jeder Schlacht, als unter seiner Führung Ungarn von Jahrhunderten osmanischer Besatzung befreit wurde.

Das Rosenkranzfest und die wehrhaften Bezüge des Rosenkranzgebets

Am Jahrestag des Sieges 1572 ordnete Papst Pius V. an, mit dem Fest “Maria vom Siege” dem Sieg in der Seeschlacht von Lepanto zu gedenken. Weil in Rom die sog. Rosenkranzbruderschaften um einen Sieg gebetet hatten, wurde es später in „Rosenkranzfest“ umbenannt. 1573 gestattete Papst Gregor XIII. ein „Fest des heiligen Rosenkranzes“ für alle Kirchen, die einen „Rosenkranzaltar“ besaßen.

1716, nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen unter dem Kommando des Prinzen Eugen von Savoyen über das osmanische Reich in der Schlacht von Peterwardein in Ungarn, nahm Papst Clemens XI. das Fest in den Römischen Kalender auf. Es wurde nun am ersten Sonntag im Oktober begangen. Im Jahr 1913 legte Papst Pius X. den Tag des Festers es auf den 7. Oktober fest.

Das Fest Mariä Namen

Nach der zweiten Wienbelagerung im Jahre 1683, die 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt für die Christen entschieden worden war, ordnete Papst Innozenz XI. für die ganze Kirche das Gnadenfest Mariä Namen an, das jährlich in Gedenken bzw. zum Dank an den Sieg bei Wien begannen werden sollte.

Das Fest „Maria vom Siege“

Darstellungen in der Offenbarung des Johannes, welche die als Maria gedeutete apokalyptische Frau auf einem Halbmond stehend beschreiben („Mondsichelmadonna“), trugen mutmaßlich dazu bei, dass sich viele Gläubige vor allem im Zusammenhang mit der Bedrohung des Christentums durch die Osmanen an Maria wandten. Der Überlieferung nach habe bei der Belagerung der Johanniter auf der Insel Rhodos durch die Osmanen im Jahr 1480 eine „mit glänzendem Schild und Lanze bewaffnete Jungfrau gefolgt von den ‚Himmlischen'“ die Osmanen in die Flucht geschlagen.

Die Verehrung der „Mutter vom Großen Sieg“ war in Europa nach der erfolgreichen Abwehr der osmanischen Bedrohung bei Lepanto 1571 und bei Wien 1683, die auf ihr Wirken zurückgeführt wurde, weit verbreitet. Nach dem Sieg rief Papst Pius V. das Fest „Beatae Mariae Virginis de Victoria“ („Unserer Heiligen Frau der Siege“) aus, das an jedem ersten Sonntag im Oktober in allen Kirchen mit einem Rosenkranzaltar gefeiert werden sollte.

Die über die Osmanen triumphierende Muttergottes wurde im Zusammenhang mit den marianischen Bezügen der Verteidigung Wiens gegen die Osmanen in der Kunst auch als „Türkenmadonna“ dargestellt.

1.2.6 Das Gebet zu Maria, der Siegerin in allen Schlachten Gottes (Papst Pius XII.)

Das Gebet wurde von Pius XII. formuliert:

„Hehre Königin des Himmels, höchste Herrin der Engel, du hast von Anbeginn von Gott die Macht und die Sendung erhalten, den Kopf des Satans zu zertreten. Wir bitten dich demütig, sende deine heiligen Legionen, damit sie unter deinem Befehle und durch deine Macht die höllischen Geister verfolgen, überall bekämpfen, ihre Verwegenheit zuschandenmachen und sie in den Abgrund zurückstoßen.

Erhabendste Gottesmutter, schicke dein unüberwindliches Kriegsheer auch in den Kampf gegen die Sendlinge der Hölle unter den Menschen. Zerstöre die Pläne der Gottlosen und beschäme alle, die Übles wollen. Erwirke ihnen die Gnade der Einsicht und der Be­kehrung, auf daß sie dem Dreieinigen Gott und dir die Ehre geben. Verhilf überall der Wahrheit und dem Recht zum Siege.

Himmlische Mutter, dir empfehlen wir unsere Kinder. Sei du ihr täglicher Schutz gegen die Nachstellungen der sichtbaren und unsichtbaren Feinde. Nimm sie an deine Hand, leite und führe sie durch alle Gefahren des Leibes und der Seele zu deinem göttlichen Sohne! Amen.

O Maria, stark wie ein Heer, verleihe den Sieg unseren Scharen. Wir sind so gebrechlich, und der Satan wütet mit solchem Übermut. Aber unter deinem Banner sind wir sicher, daß wir siegen. Unser Feind kennt die Kraft deines Fußes, er fürchtet die Majestät deines Blickes.

Rette uns, o Maria, schön wie der Mond, herrlich wie die Sonne, stark wie ein geordnetes Heer, das sich nicht vom Haß leiten läßt, sondern entflammt ist von Liebe. Amen.“

1.2.7 Die Maria-Hilf-Verehrung

In Zeiten der Not suchten Katholiken vor allem auch Hilfe bei der Muttergottes. Schon früh wurde sie daher unter dem Titel „Hilfe der Christen“ angerufen. Das älteste bekannte Mariengebet, dessen Entstehung sich bis ins 3. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, zeigt Maria als Schutzfrau und Helferin der Gläubigen.

In der „Litanei zur Schmerzensmutter“ wird Maria u.a. die „Mutter der Bedrängten“, die „Helferin der Notleidenden“ und der „Schild der Streitenden“ genannt. Pius XI. nannte sie die „mächtigste Beschützerin“.15

In der christlichen Kunst Europas war das Motiv v. a. zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert verbreitet. Da Maria hier als auf einer Mondsichel stehend beschrieben wird, wurde es vielfach auch auf den christlichen Abwehrkampf gegen arabische und osmanische bzw. islamische Invasionen bezogen, denen Europa seit dem frühen 8. Jahrhundert ausgesetzt ist.

1.2.10 Sonstiges

Das Fest „Unsere Liebe Frau von China“

Der Boxeraufstand in China (1899-1901) wurde auch von christenfeindlichen Motiven getragen. Als Soldaten in diesem Zusammenhang im Jahr 1900 das von Christen bewohnte Dorf Donglu in der Provinz Hebei angriffen und die Bewohner Maria um Hilfe baten, soll sie zusammen mit dem Erzengel Michael erschienen sein, der in Gestalt eines Reiters auftrag, der die Soldaten vertrieben habe. Donglu entwickelte sich später zu einem Wallfahrtsort. Papst Pius XI. erkannte das Marienheiligtum 1932 offiziell an. Das Fest „Unsere Liebe Frau von China“ wird jeweils am Vortag des zweiten Sonntags im Mai begangen.

Das Fest „Unsere Liebe Frau, Königin von Polen“

Nachdem das zu einer Festung ausgebaute Kloster Tschenstochau im Winter 1655 eine mehrmonatige Belagerung durch schwedische Truppen überstanden hatte, wurde die Schwarze Madonna von Tschenstochau unter Bezugnahme auf eine Vision des Jesuiten Julio Mancinelli mit dem Titel der „Königin von Polen“ in Verbindung gebracht. 1656 erklärte König Johann II. Kasimir die Muttergottes zur „Königin der polnischen Krone“ und das polnische Nationalheiligtum in Tschenstochau zur ihrer geistigen Hauptstadt. Das Fest wird am 3. Mai in Polen und Litauen sowie von polnischen Diasporagemeinden gefeiert.

1.3 Gebete

1.3.1 Das Angelus-Gebet und das Mittagsläuten

Das Angelus-Gebet wurde 1571 durch Papst Pius V. eingeführt. Einer seiner Vorläufer ist das durch Papst Calixt III. im Jahre 1456 eingeführte Mittagsläuten, bei dem sich alle Christen wegen der osmanischen Bedrohung unter der Führung Mehmet II. im Gebet vereinen und mit drei Ave Maria und Vaterunser-Gebeten um Schutz für das bedrohte Christentum bitten sollten. Anlass war die Bedrohung Österreichs und Ungarns durch die Osmanen. Das Heer Sultan Mehmeds II. wurde am 22. Juli 1456 nahe Belgrad trotz seiner Übermacht von einer Allianz aus ungarischen Truppen und einem bäuerlichen Kreuzfahrerheer geschlagen. Papst Calixtus III. erhielt erst am 6. August 1456 die Siegesnachricht. Aufgrund der zeitlichen Nähe der Ereignisse und der damaligen langen Kommunikationswege nahmen der Klerus und die Gläubigen an, dass fortan das Mittagsläuten zur Feier der erfolgreichen Abwehr der muslimischen Invasoren zu ertönen habe.

Nachdem die Bedrohung des osmanischen Reiches gegenüber Europa trotz dieses Sieges für Jahrhunderte nicht gebannt war, wurde die päpstliche Anordnung fortgeführt und als Dankesbrauch für die Abwehr der Bedrohung bis heute beibehalten. Es ging als „Türkenläuten“ in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Die Praxis hatte Vorläufer. So hatte Erzbischof Wolfram von Prag schon 1399 verordnet, jeden Freitag solle um neun, der Todesstunde alle Glocken geläutet werden, um dem Sieg der Osmanen über die Christen zu gedenken. Dabei sollten die Menschen in ihren Tätigkeiten innezuhalten und mit gebeugtem Knie fünfmal das Gebet des Herrn zu sprechen. Seit dem 18. Jahrhundert wird das Mittagsläuten wieder vorwiegend als Gebetsläuten zum Angelus-Gebet verstanden.

1.3.2 Das „Türkengebet“ und die „Türkenpredigten“

Diese waren eine bis zum Ende der osmanischen Invasionen in Mitteleuropa im 17. Jahrhundert verbreitete Praxis. In diesen Gebeten stand die Auseinandersetzung mit den eigenen sittlichen Verfehlungen im Vordergrund, die als eigentliche Ursache der osmanischen Bedrohung betrachtet wurde.

In Predigten wurden dabei auch Missstände angeprangert, welche die Erfolge der Osmanen begünstigten. Papst Calixtus III. ermahnte in diesem Sinne etwa in einer Bulle aus dem Jahr 1456 zu Gebet, Fasten und Buße sowie zu Bittprozessionen und Messen sowie Predigten. 1571 ordnete auch Papst Pius IV. entsprechende Gebete an, bei denen das Eingeständnis der eigenen Sünden und Unzulänglichkeiten im Vordergrund stand. Die Christenheit trage selbst Schuld an der osmanischen Bedrohung und habe diese durch sündige Lebensweise und Vernachlässigung des Betens heraufbeschworen.

In entsprechenden Predigten, etwa des bekannten Augustiners Abraham a Sancta Clara, ging es dementsprechend neben dem Aufruf zum Kampf auch um innere Umkehr und Erneuerung. Zudem riefen entsprechende Gebete und Predigten zur konfessionellen und politischen Einheit bei der Abwehr dieser Bedrohung auf.

1.4 Waffensegnungen

Die „Benedictio Armorum“ hat ihren Ursprung im frühen Rittertum und sind seit dem 10. Jhd. belegt. Sie sollten unter anderem den Träger der Waffen darauf verpflichten, diese zum Schutz von „Kirchen, Witwen, Waisen und allen, die Gott dienen“ einzusetzen. Das katholische Ritual der Waffensegnung wurde lange im Pontifikale Romanum, einem liturgischen Buch, überliefert.

  • Waffen wurden vor der Übergabe an den Kandidaten für Ritterstand durch einen Priester oder Bischof im Zuge der Schwertleite innerhalb einer heiligen Messe nach der Evangelienlesung gesegnet. Das Schwert wurde nach der Segnung zusammen mit anderer gesegneter Ausrüstung angelegt.
  • Der Ritter zog darauf das Schwert, schwang es dreimal in der Luft und steckte es wieder in die Scheide. Danach küsste ihn der Bischof (oder Priester) und gab ihm den Ritterschlag. Man legte dem Ritter die Sporen an und der Bischof (oder Priester) überreichte ihm eine Kriegsfahne.
  • Gott wurde darum gebeten, den Ritter zu beschützen und das Schwert zu segnen, insofern diese damit „Kirchen, Witwen, Waisen und alle, die Gott dienen“ gegen die Heiden verteidigen.

Aus den mittelalterlichen Ritualsammlungen wurde die Segnung des Schwerts (mit der Segnung anderer Ausrüstungsgegenstände des Ritters) in der Liturgiereform nach dem tridentinischen Konzil 1596 in das Pontifikale Romanum übernommen. Ein der Ritualsequenz der Schwertleite ähnlicher Ablauf findet sich auch zur „Segnung eines neuen Soldaten“ nach den Ritualen der Weihe von König und Königin im Pontifikale Romanum. In diesem Zusammenhang sagte der durchführende Bischof:

„Wir bitten dich, Herr, du mögest geruhen, dieses Schwert zu segnen und diesen, deinen Diener, der es mit deiner Erlaubnis erhalten will; du mögest ihn durch Wachsamkeit deiner Frömmigkeit schützen und ihn unverletzt bewahren. […] Empfange dieses Schwert im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und benütze es zu deiner Verteidigung, und (zur Verteidigung) der heiligen Kirche Gottes, und zur Verwirrung der Feinde des Kreuzes Christi und des christlichen Glaubens. Und soweit es die menschliche Schwäche gestattet, mögest du damit niemanden in ungerechter Weise verletzen, was er selbst dir zu gewähren geruhen möge; er, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

In dieser Form der Segnung des Schwertes wird Gott um den Schutz des Ritters gebeten und die Zweckbestimmung des Schwertes selbst wird in eine Mahnrede an seinen Träger umgestaltet. Die Mahnrede setzt der zukünftigen Verwendung des Schwertes sehr enge Grenzen.

Weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg sind Waffensegnungen nachgewiesen.16 Vor allem aufgrund der Sorge vor missbräuchlicher Verwendung für säkulare Zwecke bzw. aufgrund der Segnung von Waffen, die für den Einsatz zu schlechten Zwecken gedacht waren, werden Waffensegnungen derzeit durch die Kirche nicht praktiziert. In den nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erschienenen Ausgaben des Pontifikale Romanum sind entsprechende Segensformeln nicht mehr enthalten.

1.5 Das Christkönigsfest

Das Hochfest Christus, König der Welt wird am letzter Sonntag des Kirchenjahres begangen. Es wird auch in einigen protestantischen Kirchen gefeiert. Es wurde 1925 von Papst Pius XI. eingeführt um den Laizismus zu bekämpfen und der „Gleichgültigkeit und Furchtsamkeit der Guten“ unter Katholiken entgegenzuwirken, die zu wenig Widerstand gegen diese Ideologie leisten. Es richtet sich außerdem gegen „Eifersüchteleien unter den Völkern, die eine friedliche Wiederversöhnung noch weitgehend behindern“ und gegen eine „Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen“.

Das Fest betont die Königsherrschaft Christi über das Volk Gottes ohne weltliche Macht zu beanspruchen. Es knüpft an Worte Christi vor Pilatus an, in denen Christus bejahte, der König des Volk Gottes zu sein. Jährliche Gedächtnistage wie dieser hätten „wirksamen Einfluss auf die Belehrung des Volkes in Glaubenssachen“. Zur Zeit der Herrschaft des Nationalsozialismus spielte das Fest eine wichtige Rolle, um die Ablehnung des säkularen Führerkultes zum Ausdruck zu bringen. Dies geschah u.a. durch Gottesdienste, bei denen Fahnenabordnungen auftraten und katholische Jugendverbände in Uniform erschienen.

1.6 Kirchenfahnen

1.6.1 Das Vexilium

Christliche Ritterorden verwendeten nach ihrem römischen Vorbild als „Vexilium“ bezeichnete Feldzeichen bzw. Kriegsbanner (frz. Gonfanon). In mittelalterlichen Schriften wurden diese personifiziert beschrieben. Sie dienten der Repräsentation sowie als Sammelzeichen, und das Schlachtfeld durfte nicht verlassen werden, solange sie aufgerichtet waren. Wurde es niedergeworfen, musste man sich bei einem anderen Banner sammeln. Das Banner im Stich zu lassen und zu fliehen, wurde mit Ausstoßung aus Orden bestraft. Auf Land, von dem man Besitz ergriff, wurde es aufgepflanzt. In einigen Orden gab es das Amt des Bannerherren. Die heutigen Kirchenfahnen sind ihrer Form nach an das Vexilium bzw. an das Gonfanon angelehnt.

1.6.2 Das Labarum

Katholische Prozessionsfahnen beziehen sich bis heute auf das Labarum, die Heeresfahne der spätantiken römischen Armee seit der Zeit Kaiser Konstantins. Nach der Schilderung des christlichen Geschichtsschreibers Lactantius ließ Konstantin seine Soldaten vor der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 ein Staurogramm auf ihre Schilde malen. Historiker nehmen jedoch an, dass das Labarum erst in den 320er Jahren vor der Auseinandersetzung mit Licinius entwickelt und eingesetzt wurde.

Der Name des Feldzeichens ist weder lateinischer noch griechischer Herkunft, sondern geht auf vorrömische Feldzeichen aus dem mesopotamisch-babylonischen Umfeld zurück. Die Gestaltung ist von Epoche zu Epoche unterschiedlich. Das Labarum bestand aus einer langen goldenen Lanze mit einem Querbalken, von welchem ein purpurfarbener Schleier niederhing. An der Lanze darüber waren drei Bildnisse befestigt, das des Kaisers und seiner beiden ältesten Söhne. Am oberen Ende befand sich das von einem Kranz umrahmte Christusmonogramm: griechisch Χ (Chi) und Ρ (Rho) als die Anfangsbuchstaben des griechischen Namen Christos (Χριστός). Das Labarum versinnbildlichte damit auch den sakralen Hintergrund der kaiserlichen Herrschaft in der Spätantike.

Feldzeichen waren bereits in vorchristlicher Zeit von großer Bedeutung für die römischen Soldaten gewesen und hatten oft kultische Verehrung genossen; die Bewachung des Labarum war fünfzig der tapfersten Krieger (labarii) anvertraut.

1.7 Wallfahrten

Synonym mit dem Wort Wallfahrt wird auch das Wort Pilgerfahrt verwendet. Anlass für eine Wallfahrt ist der Wunsch, Gott an einer heiligen Stätte nahe zu sein, oder auch ein Anliegen, das auf dem Weg Gegenstand des Gebets ist. Ziele sind heilige Stätten, etwas das Heilige Land, aber auch Gräber von Heiligen sowie Orte, an denen Reliquien aufbewahrt werden, und Stätten, an denen Wunder geschahen. Wallfahrten können auf dem letzten Stück des Weges als Prozession gestaltet werden.

Christus war Pilger, als er nach Jerusalem zog. Im Buch Jesaja wird eine endzeitliche Wallfahrt aller Völker zum Berg Zion beschrieben:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.“17

1.7.1 Der Jakobsweg

Die Überlieferung, der zufolge der Apostel Jakobus der Ältere auf der Iberischen Halbinsel missioniert habe, wurde nach dem Beginn der islamischen Eroberung Spaniens und der Vernichtung des Westgotenreiches dort aufgegriffen. Die Könige von Asturien und von León erklärten den hl. Jakobus zu ihrem Schutzheiligen und vertrauten ihm besonders als Schlachthelfer. Im Zuge der Reconquista gewann die Jakobsverehrung an weiter an Bedeutung, so dass sich der Jakobsweg seit dem 11. Jahrhundert zur größten Pilgertradition des abendländischen Christentums entwickelte. Die Pilgerreisen wurden offenbar auch als Unterstützung für die Reconquista verstanden.

1.7.2 Kreuzzüge: Bewaffnete Wallfahrten

Die Kreuzzüge wurden bis zum Ende des 12. Jhd. als „bewaffnete Pilgerfahrt“ bzw. „bewaffnete Wallfahrt“ bezeichnet.

1.8 Prozessionen

Prozessionen bzw. das „Hinziehen zum Gottesdienst“ gehen vermutlich auf römische Vorbilder zurück, z. B. die Triumphzüge siegreicher Feldherren.

1.8.1 Fronleichnamsprozessionen

Diese sind seit dem Jahr 1264 belegt. An ihnen nahmen von Anfang an Ritter sowie die Mitglieder von Schützenbruderschaften teil.

2. Heiligenverehrung

2.1 Die Verehrung des heiligen Erzengels Michael

Papst Pius XII. sagte über die Verehrung des hl. Erzengels Michael:

„Noch nie war die Hinwendung zum heiligen Erzengel Michael so dringend wie heute. Denn die Welt, von Lüge und Hass vergiftet und von Terror und Gewalt zerrissen, hat die moralische Gesundheit und Freude verloren.“

In der Kunst wird der Erzengel häufig als Krieger mit Schwert und Lanze dargestellt, der gegen den meist als Drachen dargestellten Satan kämpft.

Die hl. Johanna von Orleans sagte, dass ihr der Erzengel Michael viele Male erschienen sei. Er habe „die Art eines wahren Edelmannes“.18

Die überlieferte Form der heiligen Messe betonte den kosmischen Kampf. Papst Leo XIII verstärkte dies durch die Hinzufügung eines Gebets an den heiligen Erzengel Michael zum Abschluss der Messe im Jahr 1886. Im Zuge der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil wurden die entsprechenden Bezüge stark reduziert. Dabei wurde auch das Gebet an den Erzengel 1964 wieder entfernt.19

2018 entschlossen sich im Zuge der Krise der Kirche in den USA viele Bischöfe dort dazu, dieses Gebet wieder stärker zu betonen. Es wird nun nach dem Schlusssegen der Heiligen Messe gesprochen und ist damit nicht unmittelbar Teil von ihr.

2.1.1 Michaelsverehrung durch Menschen in Sicherheitsberufen

Der hl. Erzengel Michael gilt als Schutzpatron der Soldaten, insbesondere auch der Fallschirmjäger, sowie der Polizisten. Im Mittelalter galt er zusammen mit dem hl. Georg als Schutzpatron des Rittertums. Die hl. Johanna von Orleans sah ihn in ihren Visionen, in denen sie ihre Berufung empfing.

In den USA wird am Michaelistag zum Teil eine sog. „Blue Mass“ für Menschen zelebriert, die in Sicherheitsberufen tätig sind, etwa Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleute und Personal von Rettungsdiensten. Diese Tradition wurde am Michaelistag 1934 durch Thomas Dade an der St. Patrick’s Catholic Church in Washington D.C. eingeführt.

Der hl. Erzengel Michael spielte im spirituellen Leben des französischen Gendarmerie-Offiziers Arnaud Beltrame eine wichtige Rolle. Beltrame stellte sich am 23.03.2018 bei einem Einsatz gegen einen islamistischen Terroristen im südfranzösischen Trèbes als Austauschgeisel zur Verfügung und starb dabei als christlicher Märtyrer.

2.1.2 Michaelsverehrung bei katholischen Jugendbünden des 20. Jahrhunderts

Der hl. Erzengel Michael war für die katholischen Bünde der Zwischenkriegszeit, etwa die Sturmschar, eine wichtige Identifikationsfigur, ähnlich wie Sankt Georg für die Pfadfinderbewegung. Die Sturmschar beging seit 1932 ihren Bundestag, bei dem neue Mitglieder feierlich aufgenommen wurden, am Michaelistag.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten diente die Michaelsverehrung aus der Betonung der Ablehnung des neuheidnisch geprägten Nationalsozialismus. Die Bundestage der Sturmschar galten als kämpferische Glaubenskundgebungen, die Patriotismus und Ablehnung des Nationalsozialismus miteinander verbanden. Unter dem Druck der Nationalsozialisten benannte sich die Sturmschar 1937 in „Gemeinschaft Sankt Michael“ um und behielt diesen Namen bis zu ihrem Verbot 1939 bei.

2.1.3 Orte der Michaelsverehrung

Ein wichtiger Ort der Verehrung des Erzengels ist der Monte Sant’Angelo in der süditalienischen Provinz Apulien. Der Erzengel wird hier seit dem Jahr 493 verehrt, nachdem er dort mehrmals erschienen sei. Der Ort gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer Italiens und wurde von zahlreichen Päpsten, Kaisern und Heiligen besucht. Der hl. Franziskus von Assisi soll beim Besuch so bewegt gewesen sein, dass er sich nicht für würdig gehalten habe, die heilige Grotte des Ortes zu betreten.

Pius XII. beschrieb, dass „der Erzengel Michael diesen Ort unter seinen besonderen Schutz nahm und damit zu gleicher Zeit kundtun wollte, dass hier Gott besonders verehrt werden sollte zu seinem und der Engel Gedächtnis.“20

Papst Johannes Paul II. pilgerte 1987 zum Monte Sant’Angelo und erklärte zu diesem Anlass:

„Ich bin gekommen, um den Erzengel Michael zu verehren und ihn anzurufen, damit er die Kirche in einem Moment schütze und verteidige, in dem es schwierig ist, ein authentisches christliches Zeugnis ohne Kompromisse oder Halbheiten zu geben.“

Ein weiterer wichtiger Ort der Michaelsverehrung ist der Mont Saint-Michel in der Normandie.

2.1.4 Der Michaelistag (29. September)

Das Fest des hl. Erzengels Michael bzw. der Michaelistag wird am 29. September begangen. Im Mittelalter war der Michaelistag ein gebotener kirchlicher Feiertag. Der Michaelistag wurde durch den fränkischen König Ludwig den Frommen, einen Sohn und Nachfolger Karls des Großen, auf dem Konzil von Mainz 813 auf Ende September festgelegt. Er sollte so die heidnische Festwoche zur Verehrung Wotans ablösen, die ab Herbstbeginn zur Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche gefeiert wurde.

In diesem Zusammenhang spielte auch der Herbstbeginn bzw. die Vorbereitung auf den herannahenden Winter eine wichtige Rolle. Am Michaelistag fanden häufig Erntefeste und Jahrmärkte statt. Es sind zudem zahlreiche Bauernregeln rund um den Michaelistag überliefert, die sich auf entsprechende Zeichen beziehen.21

2.1.5 Das Michaelslied („Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael“)

Das bekannteste Michaelslied mit dem Titel „Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael“ wird Friedrich Spee (1591–1635) zugeschrieben. Das Lied war im katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ von 1975 noch enthalten, wurde in die Fassung von 2013 jedoch nicht mehr aufgenommen.

2.1.6 Der Erzengel Michael als Schutzpatron Deutschlands

Der hl. Bonifatius führte im 8. Jahrhundert die Michaelsverehrung im Rahmen seiner Mission unter den Stämmen des späteren Deutschlands ein, weil er vermutete, dass diese sich wegen ihrer martialischen Traditionen gut mit ihm identifizieren können würden. Auf diese Zeit geht auch die Kirche St. Michael auf dem Michaelsberg neben dem Fuldaer Dom zurück.

Im frühen Mittelalter wurde ein Bild des Erzengels in das Reichsbanner aufgenommen, zusammen mit dem Satz: „Ecce Michael, princeps magnus, venit in adiutorium mihi“ („Dies ist Michael, der große Fürst, er kommt mir zur Hilfe“). Seit dem frühen Mittelalter gilt Sankt Michael auch als Schutzpatron der deutschen Nation. Im Jahre 2022 jährt sich die Wallfahrt Kaiser Heinrich II. zum wichtigsten Michaelsheiligtum Monte Sant’Angelo zum tausendsten Mal.

Dem Erzengel wurden zwei wichtige Siege in den Abwehrkämpfen gegen die damals noch heidnischen Ungarn zugeschrieben. Es handelt sich um den Sieg in der Schlacht an der Unstrut (933) und den Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter Otto I. im Jahr 955. Bei beiden Schlachten wurde den Truppen des Reiches das Reichsbanner vorangetragen, das den Erzengel zeigte. Ungarischen Chronisten zufolge habe auf deutscher Seite ein „fliegender Gott mit goldenen Flügeln“ gekämpft und die Schlacht entschieden.

2.1.7 Gebete zum Erzengel Michael

Es gibt zwei wichtige Gebete zum Erzengel Michael, die beide von Papst Leo XIII. formuliert wurden.

Gebet zum heiligen Erzengel Michael von Papst Leo XIII. (1886)

Im Jahre 1884 erfuhr Papst Leo XIII. eine Vision von einer Zukunft, in der der Satan in der Kirche triumphieren würde. Zwei Jahre später fügte er deshalb der Liturgie der alten lateinischen Messe einige „Fürbitten in bedrängter Zeit“ hinzu, darunter auch ein Gebet zum Heiligen Erzengel Michael.

Das Gebet war zwischen 1886 und 1964 Teil der Heiligen Messe. Dies ist der Text des Gebets:

„Heiliger Erzengel Michael,
verteidige uns im Kampfe;
gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz!
Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich.
Und du, Fürst der himmlischen Heerscharen,
stürze den Satan und die anderen bösen Geister,
die zum Verderben der Menschen
die Welt durchziehen,
mit Gottes Kraft hinab in den Abgrund.
Amen.“

Der lateinische Text des Gebetes lautet:

„Sancte Michael Archangele,
defende nos in proelio;
contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium.
Imperet illi Deus, supplices deprecamur:
tuque, Princeps militiae Caelestis,
satanam aliosque spiritus malignos,
qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo,
divina virtute in infernum detrude.
Amen.“

1888 formulierte Leo XIII. noch ein zweites, längeres Michaelsgebet. 2018 begannen zahlreiche katholische Gemeinden in den USA vor dem Hintergrund der Krise der Kirche wieder damit, das Gebet nach dem Schlußsegen der Heiligen Messe zu beten.22

Gebet zum heiligen Erzengel Michael von Papst Leo XIII. (1888)

Von Papst Leo XIII. (1810-1903) stammt neben einem bekannteren kürzeren Gebet auch dieses 1888 veröffentlichte, im Folgenden wiedergegebene Gebet zum heiligen Erzengel Michael. Er formulierte das Gebet zur Verwendung in Exorzismen.

Dies ist der Text des Gebetes:

„Heiliger Erzengel Michael, Du ruhmreicher Prinz der himmlischen Heerscharen, verteidige uns in diesem schlimmen Krieg, den wir gegen Mächte und Gewalten, gegen die Beherrscher der Welt der Finsternis und gegen die bösen Geister in den Himmelshöhen führen müssen.

Komme den Menschen zu Hilfe, die Gott nach seinem Bild und Gleichnis gemacht, unsterblich erschaffen,
und aus der Tyrannei des Teufels um einen teuren Preis erkauft hat.

Kämpfe – vereint mit dem Heer der seligen Engel – heute wieder so die Schlachten des Herrn, wie Du einst gegen Luzifer, den Anführer des teuflischen Stolzes und seine abtrünnigen Engel gekämpft hast!

Denn sie siegten nicht! Ihre Stätte ward nicht mehr gefunden im Himmel. Hinab gestürzt wurde stattdessen der grausame Drache, die alte Schlange, die Teufel und Satan genannt wird und der die ganze Welt verführt. Er wurde vom Himmel hinabgeworfen auf die Erde, und mit ihm all seine Engel.

Doch sieh! Der Urfeind hat sich wieder erhoben. Der Menschenmörder hat wieder Mut gefasst. Als Engel des Lichts verwandelt und getarnt schweift er mit einer Vielzahl böser Geister in Raubzügen auf der Erde umher, um hier den Namen Gottes und seines Gesalbten auszumerzen und sich der Seelen zu  bemächtigen, die für die Krone ewigen Ruhms bestimmt waren, um sie umzubringen und dem ewigen Untergang zu weihen.

Wie Abwasser gießt der feindselige Drache das Gift seiner Bosheit auf Menschen, deren Geist und Herzen er verführt verdorben hat: Den Geist der Lüge, der Ehrfurchtslosigkeit und Gotteslästerung; den todbringenden Hauch der Ausschweifung und aller Laster und Gemeinheit.

Die überaus durchtriebenen Feinde erfüllen die Kirche, die Braut des unbefleckten Lammes, mit Galle und Bitterkeit und berauschen sie mit Wermut. Ihre frevlerischen Hände haben sie an die heiligsten Schätze gelegt. Selbst am heiligen Ort, wo der Sitz des heiligen Petrus und der Lehrstuhl der Wahrheit zur Erleuchtung der Völker errichtet ist, haben sie den Thron ihrer abscheulichen Gottlosigkeit aufgestellt, voller Heimtücke, damit, nachdem der Hirt geschlagen ist, sie auch die Herde zerstreuen können.

Erhebe Dich also, unbesiegbarer Prinz, und stehe dem Gottesvolk gegen den Ansturm der bösen Geister bei! Gib Du ihm den Sieg! Die heilige Kirche verehrt Dich als ihren Hüter und Beschützer. Du bist ihr Ruhm, weil Du sie gegen die bösen Mächte der Erde und Unterwelt verteidigst. Dir hat der Herr die Seelen der Menschen anvertraut, um sie in die himmlische Glückseligkeit zu geleiten.

Bitte inständig den Gott des Friedens, Er möge den Satan unter unseren Füßen zermalmen, damit er die Menschen nicht länger gefangen halten und der Kirche schaden könne! Bringe Du unsere Bitten vor das Angesicht des Allerhöchsten, lass sie zur Aussöhnung mit der Gnade und dem Erbarmen des Herrn kommen, während Du den Drachen ergreifst, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist, und ihn gefesselt in den Abgrund stürzt und bindest, damit er die Völker nicht mehr verführe. Amen.“

2.1.8 Die Michaelshymne von Gertrud Le Fort

Die katholische Schriftstellerin Getrud von Le Fort dichtete 1933 vor dem Hintergrund des beginnenden Unheils der Herrschaft des Nationalsozialismus eine Michaelshymne, in der sie ihrer Hoffnung auf eine christliche Erneuerung Deutschlands Ausdruck verlieh:

„Erzener Engel, gedenke deines Erzvolks,
Das du in Dienst genommen am Throne des Völker-Vaters,
Als die Nationen einst ihre ewigen Führer empfingen!
Du unser Feldherr vom Himmel, vergiß nicht Deines Feldheers
Und führe es wieder wie einst,
Da du beim Ansturm der Heiden
Ihm vorgebraust im triumphierenden Banner!

Engel, du selber hattest Deutschland gewaffnet,
Du gabst ihm den Ritterschlag Christi,
Du gabst ihm das heil’ge Panier,
Und unter dem Schild deiner Flügel
Wurde es selber zum Schild
Wider den Drachen des Abgrunds –
Nun liegt dein Volk im Abgrund!!

Ritter-Engel, brich auf,
Held aller Helden,
Gewaffnet mit ehernem Licht
Und mit der Wahrheit
Unerbittlichem Schwert:
O rette dein eigenes Banner!

Mit deinem Namen
Wird uns der Richter einst rufen am letzten Tage der Völker
Mit deinem Namen
Ehrt uns der Spott noch der Welt –

Satanvernichtender Engel,
Vernichte du in unsren Reihen den Satan
Sieger-Engel des unbesieglichen Gottes,
Besiege dein eigenes Volk
Und wirf es im goldnen Gewitter der himmlischen Scharen
In seine ewige Burg!“

2.2 Die Verehrung des heiligen Georg

Biographische Informationen

Über das Leben des hl. Georg liegen nur wenige gesicherte Informationen vor:

  • Er wurde um 280 in Kappadokien geboren, war Christ und diente als Offizier im Dienst des römischen Kaisers Diokletian, der vor allem seine Tapferkeit und Klugheit geschätzt haben soll. In dieser Funktion war er zeitweise Militärtribun in Palästina.
  • Er stellte sich Anfang des dritten Jahrhunderts gegen eine Christenverfolgung und bekannte sich zu seinem Glauben, weshalb er im Jahr 305 festgenommen, gefoltert und enthauptet wurde.

Die Georgsverehrung und das christliche Rittertum

Seine intensivere Verehrung in Mittel- und Westeuropa begann während der Kreuzzüge, nachdem christliche Ritter bei ihren Fahrten auf byzantinischem Gebiet auf die Verehrung des Heiligen gestoßen waren und sie nach ihrer Rückkehr in ihrer Heimat verbreiteten. Er wurde schließlich zum ersten Schutzpatron der Kreuzritter.

Der hl. Georg und der Drachenkampf

Der Legende nach gab es zur Zeit Georgs in Kappadokien einen Drachen, der der Menschen tyrannisierte. Um ihn zu besänftigen, wurden ihm zunächst Schafe geopfert. Als alle Schafe getötet waren, wollte man ihm Menschen opfern, wobei das Los auf die Tochter des Königs fiel. Als sie geopfert werden sollte griff Georg ein. Er betete zu Gott und verwundete den Drachen mit einer Lanze. Anschließend wurde der Drache in einem Triumphzug präsentiert, bevor er getötet wurde. Danach hätten sich 20.000 Menschen taufen lassen.

Der hl. Georg wird in der Kunst vor allem als Ritter dargestellt, der gegen einen Drachen kämpft.

Allgemeine Aspekte der Georgsverehrung

Der Gedenktag des Heiligen ist der 23. April. Er zählt zu den vierzehn Nothelfern und spielt auch im Alltag seit dem Mittelalter eine wichtige Rolle. Ab dem Georgstag durften früher Felder nicht mehr betreten werden. Dienstboten durften an diesem Tag ihren Dienstherren wechseln, und Schulden aus dem vergangenen Jahr wurden höchstens bis zum Georgstag gestundet.

Sein Grab in Lydda bei Jaffa entwickelte sich früh zu einer Kultstätte, an der die erste Basilika des Orients entstanden sein soll, die um 1010 wieder zerstört wurde. Die Ostkirche verehrte ihn bereits zu Beginn des vierten Jahrhunderts als „Großmärtyrer“. Seit dem sechsten Jahrhundert ist auch eine Verehrung im abendländischen Raum durch die Widmung von Kirchen nachgewiesen. Mehrere deutsche Kaiser machten ihn zu ihrem Schutzpatron, darunter auch Kaiser Lothar, der eine Armreliquie besaß.

Während des Pontifikats von Papst Paul VI. (1897-1978) wurde er zeitweise aus dem Heiligenkalender gestrichen, später jedoch wieder eingefügt.

Im deutschsprachigen Raum ist er der Patron Tirols sowie von Freiburg im Breisgau. Außerdem ist unter anderem der Patron von insgesamt 13 Ritterorden und der Patron der Soldaten, der Reiter, Waffenschmiede und Büchsenmacher sowie der Pfadfinder, Wanderer und Gefangenen und der Krankenhäuser und der Pferde sowie der Patron gegen Kriegsgefahren.

An Georgstag werden die Pferde der Reiter und Bauern gesegnet, und vor allem in Bayern finden bis heute traditionelle Pferdeumritte statt.

3. Religiöse Konzepte

3.1 Der Gottesfrieden

Die „Treuga Dei“, der Gottesfriede, gebot am Donnerstag wegen der Einsetzung des Altarssakramentes, am Freitag wegen des Todes Christi, am Samstag wegen der Grabesruhe sowie am Sonntag den Frieden und verbot Kämpfe. Das gleiche galt für Festen, Feiern und Gedenktage.

Im Mittelalter begann die Kirche angesichts des Versagens weltlicher Autoritäten in diesem Bereich vermutlich zunächst auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs damit, die Menschen, die sich nicht selbst vor Bewaffneten schützen konnten, unter ihren Schutz zu stellen. Dies betraf neben Geistlichen auch Bauern, Kaufleute und Frauen. Diejenigen, die Übergriffe gegen die begangen, belegte sie mit Kirchenstrafen. Zudem verpflichtete sie Bewaffnete darauf, ihre Waffen nur zu schützendem Dienst einzusetzen. Dem Historiker Alain Demurger zufolge habe das Christentum dadurch dem schlechten Krieg den Krieg erklärt.

3.2 Das Grabmal des Unbekannten Soldaten

Das Konzept ist im ganzen christlich geprägten Kulturraum verbreitet und beruht auf christlichen Vorstellungen über den moralischen Rang des unter Opfern erbrachten Dienstes für andere. Die Grabstätten enthalten die Gebeine von Soldaten, deren Namen nicht bekannt bzw. nur Gott bekannt ist, wie auf vielen Inschriften vermerkt ist. Das entsprechende Grabmal steht somit symbolisch für alle Menschen, die im schützenden Dienst an einem Gemeinwesen den Tod fanden, weshalb ihnen besondere Achtung gebührt.

In Großbritannien befindet sich das Grabmal des unbekannten Soldaten im Eingangsbereich der Westminster Abbey im Mittelgang, so dass jeder, auch die Mitglieder der königlichen Familie, bei offiziellen Anlässen um das Grab herumgehen und dem unbekannten Soldaten seine Ehre erweisen muss. Dies symbolisiert das christlich-abendländische Verständnis von Königtum, das Herrschaft als Dienst versteht.

In einigen Staaten wird dem Bestattetem posthum die höchste Tapferkeitsauszeichnung verliehen, während in anderen die Ehrenwache keine Dienstgradabzeichen trägt um anzuerkennen, dass diejenigen, die dienend ihr Leben gaben, grundsätzlich im Rang über anderen stehen.

4. Religiöses Brauchtum

Bräuche sind regelmäßig wiederkehrende, traditionell überlieferte gemeinschaftliche Handlungen von Menschen in ritualisierten Formen, die bestimmte Lebenserfahrungen begleiten. Sie tragen zum inneren Zusammenhalt einer Gemeinschaft bei. Im Gegensatz zum Ritus hat Brauchtum keine unmittelbar religiöse Funktion.

4.1 Fahnenweihen

Die Fahnenweihe ist die feierliche Übergabe einer Fahne an eine Organisation im Zusammenhang mit ihrer Segnung während einer heiligen Messe. Die Segnung von Kriegsflaggen wird in der katholischen Kirche als „Benedictio Vexilli Bellici“ bezeichnet. Die Praxis ist seit dem 10. Jahrhundert belegt und wird in katholisch geprägten Regionen wie Bayern, Österreich und Tirol auch heute noch gepflegt. Dort werden u. a. militärische Truppenfahnen sowie Fahnen von Brauchtumsvereinen, die auf die militärische Tradition der Bürgerwehren zurückgehen, aber auch Fahnen von Freiwilligen Feuerwehren, entsprechend eingesegnet.

Vor dem kirchlichen Akt findet oft die feierliche Befestigung des Fahnentuches an der Fahnenstange statt. Die Fahne wird von sog. „Fahnenjungfrauen“ oder „Ehrendamen“ zum Altar getragen. Traditionell fungiert dabei eine Frau als Fahnenpatin. Sie spendet meist auch das Fahnenband. Im Rahmen der heiligen Messe erfolgt die feierliche Einsegnung der Fahne. Die Fahne wird dazu am Altar aufgestellt. Bei der Konsekration und beim Segen wird sie als Zeichen der Verbundenheit mit dem christlichen Glauben gesenkt.

Nach der Weihe übergibt die sog. „Fahnenmutter“ die Fahne an einen damit besonders geehrten Fahnenträger der Körperschaft. Oft werden anlässlich der Fahnenweihe die ersten Fahnenbänder, insbesondere ein – oft von der Gemeinde gestiftetes – schwarzes Ehrenband für die Toten der Körperschaft und ein Fahnenband der Fahnenmutter sowie das Band eines befreundeten Patenvereins befestigt.

4.2 Schwerttänze

Diese sind eine Gruppe von Volkstänzen des christlich-europäischen Kulturraums. Sie schließen Schützentänze, Scheinschlachttänze und Duotänze oder Solotänze, wie beispielsweise traditionelle schottische Schwerttänze, ein. Auch der Messertanz, ein mittelalterlicher Zunfttanz, gehört zu den Schwerttänzen. Europäische Schwerttänze fanden besonders in einem Raum statt, der dem Heiligen Römischen Reich zwischen 1400 und 1500 entspricht. Die Schwerttänze des Baskenlandes, Andalusiens und Galiciens werden auch heute in ungebrochener Tradition aufgeführt. Scheinschlachtschwerttänze gehen mutmaßlich auf das römische Saltatio Armatum zurück. Einige europäische Schwerttänze haben Elemente sowohl der Ketten- als auch der Scheinschlachttänze, wie der Schwerttanz der Insel Korčula in Kroatien.

4.3 Totenschilde

Ein Totenschild ist ein Gedächtnismal für einen Verstorbenen, das normalerweise im Kirchenraum unabhängig vom Bestattungsort angebracht wird und das das Wappen des Toten sowie einen Todesvermerk zeigt. Sie gehen auf einen im 12. Jhd. entstandenen Brauch zurück, Schild und Helm über dem Grab eines Ritters aufzuhängen. Die ältesten Totenschilder hatten noch die Form eines Kampfschildes, während neuere rechteckige, runde oder polygonale Holztafeln sind. Diese zeigen mittig das Wappen sowie Namen, Todesdatum und einen Segenswunsch.23

4.4 Minnetrinken/Gesundheitstrinken

Dabei handelt es sich um einen christianisierten, ursprünglich in weiten Teilen Europas verbreiteten heidnischen Brauch, der auf die Praxis zurückgeht, Götter und Helden durch Zutrinken zu ehren. Beim Minnetrinken wird statt dessen Gott,  Jesus Christus, die heilige Dreifaltigkeit, die heilige Muttergottes oder ein Heiliger geehrt. In diesem Zusammenhang ist z. B. ein „Michaelistrunk“ bekannt, der den hl. Erzengel Michael ehrt. Vermutlich als Folge der früheren Verwendung fußloser Trinkhörner entstand die Sitte, das Trinkgefäß von einer Person zur anderen weiterzugeben. Sie wurde im 20. Jahrhundert noch in Form des „Grace Cups“ an den Universitäten Oxford und Cambridge praktiziert. Hier wird ein Becher links herumgereicht und mit einem Trinkspruch wie „I’ll pledge to you“ übergeben. Der britische „Toast“ entstand aus diesem Brauch, weil zeitweise eine geröstete Brotschnitte in den Becher geworfen wurde, die derjenige, der den Becher leerte, zu verzehren hatte. In Deutschland entstand der Brauch, die Gläser anzustoßen, im Zusammenhang mit entsprechenden Trinkbräuchen.24

4.5 Brauchtum, Stil und Form des christlichen Rittertums

Das Rittertum war ein Versuch zur Schaffung einer weltlichen Lebensform und Ethik die christliche Ideale von Dienst, Nächstenliebe und asketischem Leben mit Herrschaftsaufgaben und dem Auftrag der Verteidigung vereinen wollte. Das Rittertum ist dabei bis in die Gegenwart kulturprägend. Teile der Kultur des Rittertums gingen in der Kultur des europäischen Gentleman sowie in der Kultur des Offiziertums auf.

  • Ritterweihe: Diese kam nach der Jahrtausendwende auf und beinhaltete einen Schwertsegen, ein rituelles Bad, die Einkleidung und eine Nachtwache mit Fasten in einer Kirche.
  • Ritterschlag
  • Rittergürtung: Diese war Teil der Ritterweihe und geht auf die Spätantike zurück, als der „Cingulum Militiae“ das Würdezeichen des Amtes in der Militia war. Im 11.-14. Jahrhundert wurden Ritter überwiegend gegürtet und nicht geschlagen.
  • Haar- und Barttracht: Der hl. Bernhard von Clairvaux stellte in seiner Schrift über das christliche Rittertum dem weltlichen Ritter, der langes Haar trug, den christlichen Ritter mit geschorenem Haar und kurzem Bart gegenüber.
  • Kleidung: Geistliche Ritterorden trugen uniformähnliche Ordenskleider, die aus Habit und Abzeichen bestanden. Beim Habit handelte es sich üblicherweise um einen schwarzen Mantel (dessen Farbe Demut symbolisiert) oder einen weißen Mantel (dessen Farbe Reinheit symbolisiert). Die Abzeichen in Form eines Kreuzes, die zu tragen Urban II. bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug gefordert, waren meist klein und wurden auf der linken Brustseite getragen. Der hl. Bernhard von Clairvaux hob in seiner Schrift über das christliche Rittertum die schlichte Bekleidung der christlichen Ritter hervor, die auf überflüssige Verzierung verzichtet habe.

4.6 Sonstiges Brauchtum

  • Der Gute Montag (Münster): Es handelt sich um ein Traditionsfest der Bäcker- und Konditoreninnung von Münster in Westfalen. Es erinnert an die Beteiligung Münsteraner Bäckergesellen an der Verteidigung Wiens gegen die osmanische Belagerung 1683.
  • Der Further Drachenstich: Der Drachenstich in Furth im Wald in der Oberpfalz gilt als ältestes Volksschauspiel Deutschlands. Thema ist der Kampf des Guten gegen das Böse bzw. die Rettung einer Prinzessin vor einem Drachen durch einen Ritter („Ich als starker Rittersmann/Das grausam Tier macht mir nicht bang/Mit meinem Degen und Rittershand/Will ich ihn räumen aus dem Land.“) Ursprünglich war der Drachenstich in Furth im Wald Teil der Fronleichnams-Prozession.25 Das heutige Festspiel wurde 1887 eingerichtet.
  • Rosen für künftige Ehefrauen (Katalonien): In Katalonien ist es ein Brauch, dass Männer der Frau, die sie heiraten wollen, am Georgstag am 23. April eine Rose schenken. Die bezieht sich auf die Legende des hl. Georgs, der zufolge aus dem Blut des von ihm getöteten Drachen Rosen sprossen und dass er eine davon der von ihm geretteten Prinzessin überreicht habe.
  • „Lewerbessern“, „Gmarischauen“, „Beating the Bounds“: Im österreichischen Raum ist das „Lewerbessern“ oder „Gmarischauen“ ein Abgehen der Gemeindegrenzen, die mit Erdhügeln oder Grenzsteinen markiert werden. Es handelt sich um einen Frühlingsbrauch, der häufig zum Georgsfest am 24.04. durchgeführt wurde. Männer nahmen dabei Jungen mit, die sich den Grenzverlauf einprägen sollten und dazu an den Ohren gezogen wurden, was das Erinnerungsvermögen stärken sollte. Das „Beating the Bounds“ ist eine England, Irland, Wales und Schottland praktizierte Form der Bittprozession, bei der die Grenzen einer Kirchengemeinde abgeschritten werden. Sie sollte  ursprünglich Gemeindegrenzen im Bewusstsein der Bewohner eines Gebietes präsent halten, was die Grundlage ihres Schutzes u.a. gegen das Eindringen Fremder oder Versuche des heimlichen Versetzens von Grenzsteinen war. Außerdem wurde während der Prozessionen traditionell um Schutz und Segen für das Land gebetet. Sie findet traditionell während der Bitttage (englisch rogationtide) zwischen dem fünften Sonntag nach Ostern (Rogate) und Christi Himmelfahrt statt. Üblicherweise nehmen an der Prozession vor allem Jungen teil, was den Wunsch zum Ausdruck bringt, dass die Erinnerung an die Grenzen so lange wie möglich fortbestehen solle.

Quellen

  1. Christa Sütterlin: „Denkmäler als Orte kultureller Erinnerung im öffentlichen Raum“, in: Hartmut Heller (Hrsg.): Raum – Heimat – fremde und vertraute Welt, Wien 2006, S. 80-103, hier: S. 81.
  2. Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992, S. 57.
  3. Hugo Rahner: „Das ritterliche Menschenbild und der moderne junge Christ“, in: Ders.: Reden und Aufsätze, Freiburg 1966, S. 146-169.
  4. Hugo Rahner: „Das ritterliche Menschenbild und der moderne junge Christ“, in Ders.: Reden und Aufsätze, Freiburg 1966, S. 146-169, hier: S. 152.
  5. Hugo Rahner: „Das ritterliche Menschenbild und der moderne junge Christ“, in Ders.: Abendland. Reden und Aufsätze, Freiburg 1966, S. 146-169, hier: S. 152.
  6. Julian Voth: „Der Beginn des Fastenfeldzugs“, renovamen-verlag.de, 05.03.2019.
  7. Hoheslied 6,10
  8. Lk 1,38
  9. Lukas 2, 34-35
  10. Lk 1,46 ff.
  11. Zit. nach Amy G. Remensnyder: La Conquistadora. The Virgin Mary at War and Peace in the Old and New Worlds, Oxford 2014, S. 15.
  12. Die Legende wird z.B. hier wiedergegeben: Francis Tommy-Martin: „Die Jungfrau Maria und der Islam“, Una Voce-Korrespondenz, September-Dezember 1989, S. 325-335, hier: S. 327.
  13. Francis Tommy-Martin: „Die Jungfrau Maria und der Islam“, Una Voce-Korrespondenz, September-Dezember 1989, S. 325-335, hier: S. 328.
  14. Quas primas 28[./note] Besonders ausgeprägt war dies im Zusammenhang mit der Bedrohung Europas durch die Osmanen zu beobachten. In vielen Kirchen im süddeutschen und österreichischen finden sich in diesem Zusammenhang Gnadenbilder der Muttergottes als Auxiliatrix Christianorum. Die Marienverehrung auf dem Passauer Mariahilfberg steht ebenfalls im Kontext dieser Bedrohung.

    Als 1683 Wien durch die Türken belagert wurde, floh Leopold I. nach Passau. Vor dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Mariahilf betete das Kaiserpaar täglich um Rettung aus der Türkengefahr. Als dann die christliche Allianz die Entsatzschlacht am Kahlenberg unter dem Kampfmotto „Maria hilf!“ gewann, wurde das Passauer Mariahilf-Gnadenbild zum Staatsgnadenbild der Habsburgermonarchie. Die bei der Schlacht erbeuteten Waffen der besiegten Türken sind im Beichtgang der Kirche Mariahilf zu besichtigen. Die Maria-Hilf-Verehrung verbreitete sich zudem auch in Polen und Ungarn.

    Das Fest Maria Hilfe der Christen

    1814 führte Papst Pius VII. für den 24. Mai das Fest „Maria Hilfe der Christen“ als Dank für seine Befreiung aus der napoleonischen Gefangenschaft ein. Es wird auch „Schutzmantelfest“ genannt.

    1.2.8 Die Schutzmantelmadonna

    Es handelt sich um eine Form der Mariendarstellung, die die Gläubigen unter ihrem ausgebreiteten Mantel birgt. Diese Haltung symbolisiert den Schutz durch Maria. Während des 30-jährigen Krieges entstand dieser Liedtext, welches das Schutzmantelmotiv aufgreift (GL 534):

    „Maria breit den Mantel aus
    mach Schirm und Schild für uns daraus
    lass uns darunter sicher stehn
    bis alle Stürm vorüber gehn.“

    1.2.9 Die Mondsichelmadonna

    Die Mondsichelmadonna (auch „apokalyptische Madonna“ genannt) ist in der christlichen Ikonografie ein Marienbildnis, das sich auf die Beschreibung der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes bezieht. Die Muttergottes steht in diesem Motiv auf der Mondsichel und hält meist das Jesuskind in ihren Armen.

    Die Vision des Johannes beschreibt eine von einem Drachen verfolgte schwangere Frau zurück, die mit Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen dem Drachen und dem hl. Erzengel Michael ausgesetzt wird:

    „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.“14Offb 12, 1-5.

  15. Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums, Freiburg im Breisgau 2018, S. 206.
  16. Jes 2, 2-3.
  17. Zit. nach Günter Stemberger: 2000 Jahre Christentum, Erlangen 1994, S. 381.
  18. Michael Fiedrowicz: „Sankt Michael – Verteidiger der streitenden Kirche“, Dominus Vobiscum, Nr. 16 (März 2018), S. 21-30, hier S. 26-29.
  19. Ansprache „Nella schiera dei Santi“, 08.05.1940
  20. Jan von Lingen/Andreas Brauns:  Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten, Hannover 2010.
  21. „Prayer to St Michael makes resurgence in response to abuse crisis“, catholicherald.co.uk, 04.10.2018.
  22. Michael Rüdiger: „Totenschild“, in: Walter Kasper (Hg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg im Breisgau 2001, Band 10, Spalte 130.
  23. „Gesundheitstrinken“, Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7, Leipzig 1907, S. 756-757.
  24. Alexander Schöppner: Bayrische Sagen, München 1979.