Stand: 14.11.2021

Auf dieser Themenseite werden sowohl Werke mit unmittelbarem christlichen Bezug als auch Werke aufgeführt, deren Gedanken in das Christentum integriert wurden oder integrierbar sind oder sonstige Bezüge zur abendländischen Kultur des schützenden Dienstes aufweisen.

1. Romane

1.1 Artus- und Gralsromane

Der Artusroman ist eine literarische Gattung, bei der König Artus, die Ritter der Tafelrunde und die Suche nach dem heiligen Gral die zentralen Bezugspunkt der Handlung darstellen.

  • Chrétien de Troyes – Erec et Enide (Erec und Enide): Dieses um 1165 entstandene Werk ist der älteste Artus-Roman. Er stützt sich mutmaßlich unter anderem auf mündliche Überlieferungen keltischen Hintergrunds und erzählt die Geschichte des Artusritters Erec, der sich zunächst zu einem mit seinen Ritter- und Herrscherpflichten unvereinbaren Zusammenleben mit einer Frau entscheidet. Im zweiten Teil des Werkes wird ihm beschrieben, wie es ihm gelingt, Minne und Rittertum miteinander zu vereinbaren und er zur Tafelrunde zurückkehrt. Hartmann von Aue übertrug den altfranzösischen Text um 1180 ins Deutsche.
  • Chrétien de Troyes – Yvain ou Le Chevalier au lion (Iwain oder der Löwenritter): Das Werk entstand um 1190. Hartmann von Aue übertrug auch diesen Roman ins Deutsche. Es ist wie der Erec in zwei Handlungszyklen unterteilt. Der erste Teil beschreibt eine aventiure Iweins, der zu Ehre und Besitz sowie die Hand der schönen Burgherrin Laudine gewinnt. Im zweiten Teil verliert er alle diese Güter aus eigener Schuld, durchläuft aber einen Lernprozess und kehrt zu den Werten des Rittertums zurück.
  • Chrétien de Troyes – Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval (Perceval oder die Erzählung vom Gral): Das um 1190 entstandene Werk stellt die letzte altfranzösische Erzählung der Artusepik dar und blieb unvollendet. Das Werk erzählt die Geschichte Percevals, der von einfachem Gemüt ist, durch die Gnade Gottes zu Ehre gelangt und der tapferste Ritter der Tafelrunde wird und sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral begibt.
  • Wolfram von Eschenbach – Parzival: Das Werk entstand um 1205 und nimmt  Bezug auf das Werk des Chrétien de Troyes.

1.2 Sonstige Ritterromane

Seit dem späten 14. Jahrhundert waren in Westeuropa Amadisromane verbreitet, die auf der Artussage beruhen, und deren Urfassung nicht erhalten ist. Sie beschreiben die Taten des Ritters Amadis de Gaula (Amadis von Gallien). Die älteste erhaltene Fassung eines solchen Romans wurde 1508 von Garci Rodríguez de Montalvo veröffentlicht, der selbst als Ritter in der Reconquista gekämpft hatte. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts erschienen in Italien, Frankreich und Deutschland Übersetzungen und eigene Fortsetzungen dieser Romane.

In Spanien waren vor allem nach dem Ende der Reconquista im 16. Jahrhundert Ritterromane sehr verbreitet, zu deren Lesern auch Ignatius von Loyola, der Gründe des Jesuitenordens, gehörte. Miguel de Cervantes veröffentlichte 1605 mit “Don Quijote” eine Satire auf diese Romane, die heute bekannter ist als die parodierten Werke.

1.3 Romane der Gegenwart

  • Werner Bergengruen – Der letzte Rittmeister
  • Ray Bradbury – Fahrenheit 451In diesem dystopischen Roman beschreibt der christlich-geprägte Bradbury einen fiktiven totalitären Staat der Zukunft, dessen Bevölkerung durch totale Unterhaltung seelisch so korrumpiert ist, dass sie nicht mehr aktiv unterdrückt werden muss, weil sie ihren Zustand gutheißt. Gleichzeitig steht dieser Staat vor einer unabwendbaren Katastrophe. In dieser Lage bereitet sich eine kleine Gemeinschaft darauf vor, den späteren geistigen Wiederaufbau vorzubereiten.
  • Dino Buzzati – Die Tatarenwüste: Ein Roman über einen Offizier, der sein Leben damit verbringt, in einer abgelegenen Festung auf den Angriff des Gegners zu warten. Es geht um die “bittersüße Lust des höchsten Opfers […]. Dieser Roman ist eine gefährliche Lektüre für Menschen mittleren Alters, vor allem, wenn sie männlich sind.” (Aus der Rezension von Hubert Spiegel in der FAZ).
  • Ernst Jünger – Auf den Marmorklippen: Eine Betrachtung des später katholisch gewordenen religiösen Mystikers Ernst Jünger über den Dienst im Angesicht von moralischem Verfall und Barbarei, die er zur Zeit der Herrschaft des Nationalsozialismus verfasste.
  • Jochen Klepper – Der Vater: Der Autor, der auch evangelischer Theologe war, zeichnete in diesem 1937 erschienenen Roman das Bild eines preußischen Königs, der in allem nach Gott fragt und sich als ersten Diener im Staat begreift. Klepper stellte dieses Bild dem totalitären Führerkult seiner Zeit gegenüber.
  • Alexander Lernet-Holenia – Die Standarte
  • Jean Raspail: Sieben Reiter verließen die Stadt: Der traditionelle Katholik Raspail ergründet in diesem Roman die Ursachen des Zerfalls von Kulturen und verschiedene Möglichkeiten, sich dem auf dienende Weise zu stellen.
  • Jean Raspail: Sire
  • J. R. R. Tolkien: Das Silmarillion
  • J. R. R. Tolkien – Der Herr der Ringe: Der Autor sagte über sein Werk: “Der Herr der Ringe ist natürlich von Grund auf ein religiöses und katholisches Werk; unbewusstermaßen zuerst, aber bewusst im Rückblick.” In der Tradition europäischer Mythologie beschreibt er den Dienst einer Gemeinschaft im Kampf gegen das Böse und integriert dabei vorchristliche antike und heidnische Motive auf der Grundlage eines christlichen Weltbildes.
  • Ernst von Salomon – Die Kadetten
  • Franz Werfel – Die vierzig Tage des Musa Dagh: Der Roman behandelt den Widerstand der christlichen Armenier gegen den an ihnen von den Türken verübten Völkermord Anfang des 20. Jahrhunderts.

2. Novellen

3. Epik

Die lyrische Gattung der Epik beinhaltet erzählende Dichtung in Vers oder Prosaform. Das griechische Wort “Epos” bedeutet soviel wie “Wort” oder “Vers”. Streng genommen gehören auch Romane und Novellen zur Epik; diese werden hier jedoch getrennt betrachtet.

Ein Epos beruht meist auf dem Muster, das der Mythenforscher Joseph Campbell als “Heldenreise” beschriebe hatte. Es beschreibt den praktischen Bildungs- und Entwicklungsprozess des Mannes durch Abenteuer und Kampf.1 Aristoteles bezeichnete das Epos als die Nachahmung guter Menschen in Versform.2

Die großen Epen des Abendlandes entstanden in Zeiten der Verwerfung oder beschreiben solche und das Handeln der Helden, die in ihnen hervortraten. Einige, etwa das Nibelungenlied und der Beowulf, entstanden während des Übergangs zwischen Spätantike und Mittelalter und können als Gründungsmythen der abendländischen Kultur gelten.

3.1 Vorchristliche Epik der Antike

In diesen Werken wurde u. a. das Tugendverständnis der griechischen Antike ausgedrückt, dass zum schützenden Dienst tüchtigen Mann als Ideal beschreibt. Dieses Tugendverständnis wurde später durch das Christentum integriert.

  • Homer – Die Ilias: Das im kulturellen Gedächtnis weniger als die Odyssee präsente Werk handelt zur Zeit des Trojanischen Krieges.
  • Homer – Die Odyssee: Das vermutlich um 800 v. Chr. Werk hat wahrscheinlich eine lange mündliche Überlieferungsgeschichte. Es erzählt von den Abenteuern des Helden Odysseus während seiner viele Jahre dauernden Rückkehr aus dem Trojanischen Krieg. Allgemein bekannte Teile des Werkes sind der Kampf des Odysseus mit dem Zyklopen oder seine Begegnung mit dem verführerischen Gesang der Sirenen. Seine Mannschaft kommt in einem Sturm um, nachdem sie den Zorn der Götter durch das Verzehren der Rinder des Sonnengottes auf sich gezogen hatte. Nach seiner Rückkehrt tarnt sich Odysseus als Bettler und ergreift zusammen mit seinem Sohn Telemachos Maßnahmen, um die Freier loszuwerden, die sich nun in seinem Haus aufhalten, seine Frau Penelope zur Frau nehmen wollen und sein Vermögen verschwenden. In einem Wettbewerb im Bogenschießen gelingt es ihm als einzigem, seinen Bogen zu spannen, mit dem er einen Pfeil durch die Löcher von zwölf Axtköpfen schießt. Anschließend tötet er die Freier und gibt sich seiner Ehefrau zu erkennen, wodurch die Familie wieder vereint ist.
  • Vergil – Aeneis: Das Werk beschreibt die Flucht des Aeneas aus dem untergehenden Troja und seine Fahrten, die ihn nach Latium führen, wo er zum Stammvater der Römer wird. Es betont die römische Tugend der pietas bzw. des auf Pflichtbewusstsein beruhenden Dienstes.

3.2 Die Kreuzzugsepik

Bei den Kreuzliedern des Mittelalters handelte es sich um durch Minnesängern bzw. Troubadoure vorgetragene lyrische Texte, die Themen des Rittertums und der Kreuzzüge sowie der Reconquista behandelten. Es sind vor allem Texte in okzitanischer und mittelhochdeutscher Sprache überliefert.

3.3 Der Chanson de geste

Die als “Chansons de geste” in altfranzösischer und okzitanischer Sprache formulierten Epen des Mittelalters behandeln vorwiegend die Taten fränkischer Könige beim Schutz der christlichen Länder gegen die Angriffe der Sarazenen während der Karolingerzeit. Diese Art von Epik entstand im nördlichen Frankreich und wurde vor allem im 12. Jahrhundert gepflegt. Der Abwehrkampf gegen die Sarazenen hatte für die frühe ritterliche Kultur eine ähnliche Bedeutung wie der Trojanische Krieg für die altgriechische Dichtung. In entsprechenden Gedichte komme dem Historiker Christopher Dawson zufolge ein nicht auf Nationen oder Staaten, sondern auf die gesamte Christenheit bezogener religiöser Patriotismus zum Ausdruck. Sprach- und Literaturwissenschaftler erkannten Parallelen zwischen den Chansons de geste und germanischer Heldenepik, etwa in Form von Namens- und Motivparallelen.

  • Das Rolandslied des Pfaffen Konrad: Die Legende des fränkischen Grafen Roland, deren historischer Hintergrund der Abwehrkampf Karls des Großen gegen die Sarazenen ist, wird unter anderem im ca. 1170 entstandenen Rolandslied wiedergegeben. Es handelt es sich bei dem Werk um eine deutschsprachige Bearbeitung französischer chansons de geste, d.h. Lieder über Heldentaten. Als Vorlage diente dem Autor die um 1100 entstandene, von einem unbekannten Autor geschaffene und lange nur mündlich überlieferte altfranzösische Chanson de Roland, die der älteste und wichtigste Text der französischen Heldenepik ist. Das Werk behandelt den Kampf der christlichen Franken gegen die muslimischen Mauren in Spanien, den Verrat des fränkischen Kriegers Ganelon, die Schlacht von Ronceval und Rolands Märtyrertod sowie die Vergeltung Karls des Großen an den Mauren und die Verurteilung Ganelons.
  • Cantar de mio Cid: Der Cantar de mio Cid (“Lied von meinem Cid”) stammt von einem unbekannten Verfasser und ist eines der ältesten Werke der spanischen Literatur. Es erzählt vom Leben und den Taten des vorbildlichen Ritters El Cid.

3.4 Sonstige Heldendichtung des Mittelalters

  • Beowulf: Das im 8. Jahrhundert entstandene angelsächsische epische Heldengedicht „Beowulf“ handelt laut seinem unbekannten Dichter davon, wie „edelste Krieger sich Ehre erwarben“ und beschreibt den Kampf des Helden Beowulf gegen drei übernatürliche Feinde; den Troll Grendel und seine Mutter sowie einen Drachen. Das Werk enthält eine der ältesten Beschreibungen des Ethos, das später das christliche Rittertum prägte. Sein Inhalt beruht auf der Synthese aus vorchristlicher europäischer Kultur und christlichem Geist, die ab dem frühen Mittelter die abendländische Kultur prägte.
  • Das Nibelungenlied: Das Werk beschreibt den Mord an Siegfried und Kriemhilds Rache. Es beschreibt zudem den Königssohn und Helden Dietrich, der zwölf Mitstreiter um sich sammelt und gegen Drachen und Riesen kämpft. Bert Nagel sah in den Darstellungen Dietrichs von Bern im ca. um das Jahr 1200 herum in Süddeutschland entstandenen Nibelungenlied den Ausdruck eines vom Christentum geprägten ritterlichen Ethos der Stauferzeit. Das Nibelungenlied, in dem Dietrich unter anderem erwähnt wird, geht nach Ansicht von Forschern auf ältere völkerwanderungszeitliche Sagen zurück, die später mit christlichen Einflüssen verbunden worden seien. Historisches Vorbild für die Darstellungen Dietrichs war möglicherweise der ostgotische König und arianische Christ Theoderich der Große.
  • Die Dietrichsepik: Diese ist ein Sammelbegriff für mittelhochdeutsche Heldenepen, die Dietrich von Bern als Hauptfigur haben. Die Dietrichepik war vom 13. bis ins 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum beliebt und verbreitet. In Dietrich lebt wahrscheinlich die Erinnerung an den Ostgotenkönig und arianischen Christen Theoderich den Großen (gest. 526) fort. Zwei thematische Komplexe sind zu unterscheiden: Erzählungen von Dietrich und Ermanarich und Erzählungen von Dietrichs Abenteuern. Diese Komplexe sind auch in der Überlieferung und der Darstellung deutlich voneinander geschieden. Das bekannteste Werk der Dietrichsepik ist das Hildesbrandslied, eines der frühesten poetischen Textzeugnisse in einer deutschen Sprache aus dem 9. Jahrhundert. Es ist das einzige überlieferte Textzeugnis eines Heldenlieds germanischen Typs in der deutschen Literatur, und außerdem das älteste erhaltene germanische Heldenlied. Es erzählt in althochdeutscher bzw. altsächsischer Sprache eine Episode aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern.

3.5 Epen der Neuzeit

  • Der Kosovo-Zyklus: Es handelt sich um im späten 15. Jahrhundert entstandene, zunächst mündlich überlieferte Gesänge, die Teil der serbischen epischen Dichtung sind. Sie werden traditionell von einem als Guslar bezeichneten Sänger vorgetragen, der eine Spießgeige als Begleitinstrument nutzt, und behandeln die Helden der Schlacht auf dem Amselfeld. Die Schlacht selbst wird in den Gesängen nicht beschrieben. Sie wurden vermutlich durch westeuropäische Impulse bzw. durch kastilische Texte beeinflusst, die den Konflikt zwischen Islam und Christentum behandeln. In den zeitweise von Osmanen besetzten serbischen Gebieten auf dem Balkan stärkten die Gesänge den Widerstand über mehrere Jahrhunderte hinweg.

4. Lyrik

  • Johann Gottfried Herder – Der Cid

Quellen

  1. Joseph Campbell: Der Heros in tausend Gestalten, Frankfurt am Main 2011.
  2. Aristoteles: Poetik, Stuttgart 1961.