Stand: 12.11.2021

Diese Themenseite stellt katholische Heilige vor, die einen Bezug zum schützenden und bewahrenden Dienst haben.

1. Einführung

Das katholische Christentum hat eine große Zahl von Heiligen hervorgebracht, die vielfältige Bezüge zur christlichen Spiritualität sowie zum christlichen Kulturerbe des schützenden und bewahrenden Dienstes aufweisen.

Heilige sind nach katholischem Verständnis verehrungswürdige Menschen, die ein radikales, religiös vorbildliches Leben geführt haben. Es handelt sich bei ihnen um Menschen die große Taten auf einem besonderen Gebiet hervorbrachten, sich durch heroische Tugend auszeichneten oder besonders glaubensstark waren. Viele Heilige waren Märtyrer und Asketen. Sie wurden oft verfolgt, weil sie für den Feind Gottes und des Menschen gefährlich sind. Ihr Wirken ist niemals harmlos und immer kontrovers oder umstritten.

Die Heiligen sind nicht fehlerlose Menschen, sondern Menschen, die immer wieder aufstehen und weiterkämpfen, wenn sie auf dem Weg zu Gott fallen. Die Heiligen sind die Helden Gottes in einer von ihm abgefallenen Welt. Über den heiligen Franziskus dichtete Dante:: “Er ging der Welt auf wie eine Sonne.”

Der katholische Theologe Romano Guardini schrieb über die Heiligen:

“Das Leben dieser Menschen hat verschiedensten Inhalt, immer aber trägt es den Charakter des Außerordentlichen. Sie kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft, sind Könige oder Bauern, Ritter oder Handwerker, Frauen, Männer, junge Menschen, Kinder – doch eines ist ihnen gemeinsam: die Forderung der Liebe Gottes führt sie aus dem Alltäglichen hinaus und drängt sie, Außergewöhnliches zu vollbringen. Dadurch sind sie Zeugen für die ewig neue Größe dessen, was durch Christus möglich geworden ist. Sie brechen gewissermaßen die göttliche Einfachheit seines Lichtes in die verschiedensten Formen der Verwirklichung auf; prägen Vorbilder, weisen Ziele und Wege, lösen Kräfte aus, die dann durch Jahrhunderte weiterwirken. Das ist die Vorstellung vom Heiligen, wie sie das christliche Bewußtsein bis in unsere Zeit bestimmt hat. Sie wird auch immer gültig bleiben, denn sie ist wahr; und unser Alltag bedarf großer Bilder, in denen die alles übersteigende Gnadenmacht Gottes offenbar wird […] Bilder des christlichen Heroismus, der sich in einem Leben vorbehaltlosen Wagens, Duldens und Vollbringens ausdrückt.”

2. Katholische Heilige mit Bezug zum schützenden und bewahrenden Dienst

Einen allgemeinen Bezug zum schützenden und bewahrenden Dienst haben die folgenden katholischen Heiligen.

  • Johannes Paul II. (1920-2005): Geistiger Führer des Westens bei dessen Verteidigung gegen die Herausforderung durch die totalitären Ideologien der Moderne
  • Die Märtyrer des Kampfes gegen den Nationalsozialismus (1933-1945): Das “Martyrologium Germanicum” erfasst 415 katholische deutsche Märtyrer, die durch Nationalsozialisten wegen ihres Glaubens getötet wurden. Es enthält unter anderem Mitglieder der Weißen Rose und des Kreisauer Kreises. Zu den bislang heiliggesprochenen Märtyrern des Widerstands gehört auch Alfred Delp. Darüber hinaus gab es im Zusammenhang mit der Bedrohung durch den Nationalsozialismus in ganz Europa viele andere Märtyrer, die sich schützend für andere ansetzten. Eines von vielen Beispielen sind die 2000 seliggesprochenen elf Nonnen, die als die Märtyrerinnen von Nowogródek bekannt wurden. Sie hatten sich für die verfolgte Bevölkerung Polens eingesetzt und wurden 1943 von der Gestapo ermordet, nachdem sie sich zum Austausch für die Verschonung anderer bereit erklärt hatten.1
  • Maximilian Kolbe (1894-1941): Der Märtyrer von Auschwitz, der ursprünglich Soldat werden wollte und die “Militia Immaculatae” gründete, ist einer der bekanntesten katholischen Heiligen des 20. Jahrhunderts. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
  • Die Märtyrer des Widerstands gegen den Kommunismus in Spanien (1936-1939): Über 6.000 Bischöfe, Priester, Ordensleute und katholische Laien wurden im spanischen Bürgerkrieg von Kommunisten wegen ihres Glaubens getötet. Die Päpste Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus haben bislang über eintausendsiebenhundert von ihnen selig- und elf heiliggesprochen. Bei weiteren zweitausend Märtyrern lief das Seligsprechungsverfahren 2017 noch. Die Seligsprechung von 522 der Märtyrer im Auftrag von Papst Franziskus im Oktober 2013 war die größte Seligsprechungsfeier in der Geschichte der katholischen Kirche. Von dem zum Zeitpunkt seines Todes jüngsten dieser Heiligen, Bartolomé Blanco, sind diese letzten Worte überliefert: “Wer für Jesus Christus stirbt, sollte dies mit dem Gesicht nach vorne und in aufrechter Haltung tun. Lang lebe Christus der König!”
  • José Sánchez del Río (1913-1928): Er kämpfte während der Guerra Cristera auf Seiten der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko. Nach seiner Gefangennahme versuchte man, ihn durch Folter zur Verleugnung seines Glaubens zu zwingen, was nicht gelang.
  • Louis-Marie Grignion de Montfort (1673-1716): Vordenker einer kämpferischen marianischen Spiritualität
  • Laurentius von Brindisi (1559-1619): Er unterstützte 1601 kaiserliche Truppen in Kämpfen gegen osmanische Kräfte bei Stuhlweißenburg. Im 19. Jahrhundert wurde er heilig gesprochen und im 20. Jahrhundert zum Kirchenlehrer ernannt.
  • Juan de Ribera (1533-1611): Der Erzbischof von Valencia vermittelte als Missionar das Christentum den nach der Befreiung von der islamischen Besatzung in Spanien verbliebenen Muslimen und organisierte in den Jahren ab 1609 die Umsiedlung derjenigen, die am Islam festhielten, nach Nordafrika. Pius V. nannte ihn ein “Licht für ganz Spanien”. Er wurde 1960 heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 6. Januar.
  • Pius V. (1504-1572): Er wurde 1712 heiliggesprochen, wofür auch der als wundersam angesehene Sieg der Heiligen Liga über das Osmanische Reich in der Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 eine zentrale Rolle spielte. Dieser Sieg rettete das christliche Europa vor der osmanischen Bedrohung. Man führte diesen auf die Hilfe der Muttergottes, der „Mutter vom großen Sieg“, zurück. Pius V. hatte zu entsprechenden Gebeten aufgerufen und zudem die Heilige Liga europäischer Staaten zur Abwehr dieser Bedrohung ins Leben gerufen, was zuvor als politisch unmöglich gegolten hatte. G.K. Chesterton würdigte seinen Einsatz im Gedicht “Lepanto”.
  • Ignatius von Loyola (1491-1556): Ritter, Vordenker einer soldatisch-geprägten Spiritualität und Gründer des Jesuitenordens
  • Die Märtyrer von Otranto (1480): Die Märtyrer von Otranto werden in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 14. August. Zu Beginn des Otranto-Feldzuges landeten osmanische Streitkräfte unter dem Befehl von Gedik Ahmed Pascha am 28. Juli 1480 in Apulien. Dort zogen sie vor die Stadt Otranto und forderten deren Übergabe. Als die Bevölkerung die Kapitulation verweigerte und sich in die Zitadelle zurückzog, begann die Belagerung der Stadt, welche am 11. August 1480 mit ihrer Einnahme endete. Der städtische Klerus und einige hundert Menschen flüchteten sich in die Kathedrale von Otranto. Zu ihnen gehörte auch Erzbischof Stefano Pendinelli. Die Osmanen forderten sie auf, zum islamischen Glauben zu konvertieren, was von den eingeschlossenen Christen abgelehnt wurde. Daraufhin wurden sie in der Kathedrale ermordet. Dem Schneider Antonio Pezzulla war die Führung der Stadt übertragen worden. Als auch er den Befehl zum Glaubensübertritt verweigerte, wurde er am 14. August gemeinsam mit mindestens 800 weiteren Menschen hingerichtet. Bei seiner Enthauptung soll sich das Wunder ereignet haben, dass sein Körper nach der stehenden Enthauptung nicht zusammenbrach und es auch dem Henker nicht gelang, seinen leblosen Leib umzuwerfen. Die Massentötungen waren vermutlich ein Akt zur Einschüchterung der Bevölkerung Süditaliens, der das weitere Vordringen der Invasoren erleichtern sollte. Tatsächlich führte dieses Vorgehen jedoch zu einer Einigung des Widerstandes gegen sie.
  • Niklaus von Flüe (1417-1487): Der Schweizer Mystiker und Asket beteiligte sich vermutlich im Rang eines “Rottmeisters”, der für acht bis zwölf Soldaten verantwortlich war, an der Verteidigung seiner Heimat. In seinem Dienst verzichtete er auf damals übliche Plünderungen und Gräueltaten. 1460 schützte er das von Beginen betrieben Kloster St. Katharinental vor der Brandschatzung. 1481 gelang es durch seine Vermittlung, einen Bürgerkrieg und das Auseinanderbrechen der Eidgenossenschaft zu verhindern. Am 13.05.1940 beobachteten zahlreiche Augenzeugen unmittelbar nach Beginn des deutschen Vorgehens gegen die Benelux-Staaten und Frankreich im Raum Waldenburg eine leuchtende Hand am Himmel, die als die schützende Hand des später heiliggesprochenen Niklaus von Flüe gedeutet wurde.2. Er ist der Schutzpatron der Schweiz und der Schweizergarde.
  • Johanna von Orléans (1412-1431): Die Rettung Frankreichs war unmittelbarer Gegenstand ihrer Berufung, der sie durch den Dienst als Soldatin folgte. Die Verehrung der heiligen Johanna wird hier näher beschrieben.
  • Johannes von Capestrano (1386-1456): Der franziskanische Ordenspriester und Wanderprediger engagierte sich nach dem Fall Konstantinopels in besonderem Maße für die Mobilisierung von Verteidigung gegen die osmanische Bedrohung Europas. So führte er etwa den Reichsfürsten auf mehreren Reichstagen die drohende Gefahr vor Augen. Einer Predigt, welche die fast schon geschlagenen Verteidiger Belgrads im Jahre 1456 gestärkt habe, wird deren Sieg über die Angreifer und die damit verbundene Rettung Europas zugeschrieben.
  • Ludwig IX. von Frankreich (1214-1270): Er gilt als einer der bedeutenden europäischen Monarchen des Mittelalters, und die Zeit seiner Herrschaft blieb als “goldenes Zeitalter” in Erinnerung. Er war ein Verteidiger des Glaubens und der Kirche u. a. während der Katharer-Krise, führte zwei Kreuzzüge an und galt unter den Königen Europas wegen seiner moralischen Integrität als primus inter pares sowie als “ungekrönter Kaiser des Abendlandes”. Unter seiner Führung wurden Kathedralen errichtet, Universitäten wie die Sorbonne gegründet, Verwaltung und Justiz reformiert und das Heilige Land befestigt. Sein Leben war von tiefer Frömmigkeit und strenger Askese gekennzeichnet, und er galt als Idealtyp des christlichen Königs, der Disziplin, Vernunft, Tapferkeit und ritterliche Haltung in sich vereinte.
  • König Ferdinand III. von Kastilien (1199-1252): Er habe sich durch besondere Frömmigkeit ausgezeichnet und diente zunächst als Ritter. Als König vereinte er die spanischen Königreiche Kastilien, Léon, Asturien, Galicien und Kastilien und schuf dadurch eine der Voraussetzungen für die Befreiung der iberischen Halbinsel von der islamischen Herrschaft. Als militärischer Führer war er zudem in vielen Schlachten gegen muslimische Heere siegreich, befreite weite Teile der Halbinsel, veranlasste die Auswanderung der muslimischen Besatzer aus den befreiten Gebieten und ermöglichte die Wiederansiedlung von Christen dort. Bereits zu Lebzeiten wurde er als Heiliger verehrt. Sein unverwester Leichnam befindet sich in der Kathedrale von Sevilla. 1671 wurde er von Papst Klemens X. heiliggesprochen.
  • Klara von Assisi (1194-1253): Die aus einem adligen Elternhaus stammende Heilige entschloss sich, nachdem sie eine Predigt des hl. Franz von Assisi gehört hatte, im Alter von 18 Jahren zu einem Leben in radikaler Armut in der Nachfolge Christi. Im Jahre 1240 trat sie der Überlieferung nach muslimischen Invasoren, die auf ihren Plünderungszügen das Kloster San Damiano in Assisi angriffen, mit einer Monstranz entgegen, woraufhin diese ihren Angriff abgebrochen hätten. Zuvor habe sie das folgende Gebet gesprochen: “Ich bitte Dich, mein Herr, dass es Dir gefalle, dass diese Deine armen Dienerinnen, die Du, Herr, meiner Obhut anvertraut hast, mir weggenommen und nicht aus der Hand gerissen werden, damit sie nicht in die Hände und die Grausamkeit dieser Ungläubigen und Heiden gelangen; zudem bitte ich Dich, mein Herr, dass Du auf sie behütest, da ich sie ohne Dich nicht behüten kann, ganz besonders in diesem bitteren Moment.” Die Stimme eines Kindes habe ihrem Gebet aus dem Tabernakel heraus geantwortet: “Ich werde euch immer beschützen”.
  • Franz von Assisi (ca. 1181-1226): Dem Religionswissenschaftler Lawrence Cunningham zufolge habe der Heilige sich und seine Ordensbrüder als Ritter betrachtet, die einen geistlichen Kreuzzug führen würden. Er betrachtete zudem diejenigen, die im Kampf zur Verteidigung des Christentums getötet wurden, als Märtyrer. In seinem Orden war die Bereitschaft verbreitet, in Folge der geistlichen Herausforderungen des Islams zum Märtyrer zu werden. In diesem Zusammenhang beteiligte auch er sich als Missionar an den Kreuzzügen, wobei es ihm gelang, zum Führer der islamischen Armee in Ägypten, dem Sultan al-Kamil, vorzudringen. Durch die Bekehrung al-Kamils wollte er den Konflikt beenden.
  • Raimundo Serrat (ca. 1105-1163): Der Zisterziensermönch und Abt des Zisterzienserklosters von Fitero übernahm 1158 die Verteidigung der Festungsstadt Calatrava la Vieja gegen die Mauren. Mit Unterstützung des Erzbischofs von Toledo organisierte er eine Streitmacht, die im gleichen Jahr einen größeren Maurenangriff auf die Stadt abwehren konnte. Anschließend gründete er den Orden von Calatrava; einen Ritterorden, der eine wichtige Rolle in der Reconquista spielte.
  • Bernhard von Clairvaux (1090-1153): Der aus dem burgundischen Hochadel stammende hl. Bernhard war Sohn des Ritters Tecelin und trat im Jahre 1112 trat er in das Kloster Cîteaux ein. Kurz darauf wurde er zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Leitung zur bedeutendsten Abtei des Ordens entwickelte. Unter seiner Führung wurden über 300 neue Klöster des Ordens gegründet, dessen Leiter er schließlich wurde. In seinen Predigten setzte er sich vor dem Hintergrund der Herausforderung der Bedrohung durch den Islam auch mit den militärischen Aspekten des Christentums auseinander und war zudem ein Vordenker des ritterlichen Ideals und des christlichen Soldatentums.
  • Stephan I. (1000-1038): Er begründete das Königreich Ungarn und trieb, u. a. mit Hilfe deutscher Missionare, seine Christianisierung voran, wodurch er die von den Invasionen der heidnischen Magyaren ausgehende Bedrohung für das christliche Europa für immer beendete. Er stiftete zahlreiche Kirchen und Klöster und schlug Aufständische heidnischer Fürsten nieder. Die Verehrung Stephans ist grundlegend für das ungarische Selbstverständnis. Sein orthodoxer Gedenktag, der 20. August, ist in Ungarn Nationalfeiertag. Die Stephanskrone ist bis heute Teil des Wappens des Landes und wird als Nationalschatz im Parlamentsgebäude aufbewahrt. Seine Hand wird als Reliquie in der Stephansbasilika in Budapest aufbewahrt.
  • Ulrich von Augsburg (923-973): Er veranlasste im Jahre 926 als Bischof von Augsburg die Befestigung Augsburgs mit einer Stadtmauer zum Schutz vor den wiederholt angreifenden heidnischen Magyaren. Er befehligte zudem die Verteidigung der Stadt gegen sie im Jahre 955, wodurch er deren Kräfte so band dass unter der Führung Otto I. der entscheidende Sieg über sie auf dem Lechfeld bei Augsburg gelang. Anschließend leitete er den Wiederaufbau des teilweise geplünderten und verwüsteten Bistums.
  • Wenzel von Böhmen (ca. 908-929 oder 935): Der böhmische Fürst herrschte über ein Gebiet um Prag. Der Überlieferung nach war er ein guter Herrscher, der ein christliches Leben führte. Er wurde im Mittelalter zum Landespatron Böhmens. Im Volksglaube gilt er als Beschützer des Landes in Not und Krieg. Im 12. Jahrhundert entstand die Vorstellung, dass Wenzel der eigentliche, ewige Herrscher Böhmens sei, der den Frieden im Land garantiere. Im 19. Jahrhundert wurde die Sage vom schlafenden Ritterheer im Berg Blaník niedergeschrieben. Dieses Heer werde im Augenblick  der größten Gefahr erwachen und mit Wenzel an der Spitze dem Volk zur Hilfe kommen. Einer Legende nach sterbe jeder, der die im 14. Jahrhundert gefertigte Wenzelskrone zu Unrecht trage, innerhalb eines Jahres eines gewaltsamen Todes. Reinhard Heydrich, der als stellvertretender “Reichsprotektor” zeitweise in Prag wirkte, soll sich die Wenzelskrone im Wissen um diese Legende 1941 bei einer Schlüsselübergabe zur Krönungskammer, welche die Unterwerfung Tschechiens unter die deutsche Herrschaft symbolisieren sollte, kurz aufgesetzt haben, um zu demonstrieren, dass er sich über solche Überlieferungen erhaben fühlte. Er wurde kurz darauf getötet.3 Der Todestag des Heiligen wurde im Jahr 2000 zu einem staatlichen Feiertag in Tschechien erklärt.
  • Die Ebstorfer Märtyrer (880): 879 fielen heidnische Normannen im Zuge der Wikingerüberfälle in Niedersachsen ein und griffen die dort lebenden Christen an. Unter der Führung von Herzog Bruno von Sachsen und mehrerer Bischöfe stellte sich ihnen am 02. Februar 880 mutmaßlich im Raum Stade ein christliches Heer entgegen, das von den Normannen geschlagen wurde. Die Gefallenen wurden als Märtyrer heiligesprochen, darunter auch Bruno von Sachsen sowie die Bischöfe Theoderich und Markward. Insgesamt sind 32 der Heiligen namentlich bekannt. Um die Schlacht und die Märtyrer bildeten sich zahlreiche Legenden.
  • Leonhard von Limoges (ca. 559-620): Er ist einer der traditionell am meisten verehrten Heiligen im Alpenraum. Er gilt als Löser feindlicher Ketten und Schutzpatron sowie Fürsprecher der Gefangenen. Die Legende besagt, es seien durch das Gebet des heiligen Leonhard oder auf seine Anrufung hin auf wundertätige Weise die Ketten zahlreicher Gefangener zersprungen.
  • Benedikt von Nursia (ca. 480-547): Der hl. Benedikt von Nursia ist eine der größten Gestalten der abendländischen Geschichte. Vom kulturellen und moralischen Verfall Roms abgestoßen schloss der hl. Benedikt sich zunächst einer asketischen Gemeinschaft an und zog sich dann in eine unbewohnte Gegend zurück. Um das Jahr 529 gründete er mit anderen Mönchen das heutige Kloster Montecassino, das aufgrund des guten Rufes des hl. Benedikt und der von Unsicherheit geprägten Zeit starken Zulauf erhielt. Um das Jahr 540 verfasste er seine Mönchsregel. Der dieser Regel folgende, von ihm begründete Benediktinerorden breitete sich von da an über das gesamte Abendland aus und inspirierte zahlreiche andere, ähnlichen Regeln und einer Frömmigkeit von Kontemplation und Aktivität folgende Orden. In einer von Auflösung und Verfall gezeichneten Zeit schufen die Orden Klöster, die Inseln der Sicherheit und der Kultur in einem sich ausbreitenden Meer des Chaos waren, und von denen aus sich der christliche Glaube im damals teilweise noch heidnischen Europa verbreitete. Papst Paul VI. erhob den hl. Benedikt 1964 zum Patron Europas.
  • Genoveva von Paris (ca. 422-502): Sie ist die Schutzpatronin von Paris, wo wie als Asketin lebte. Der Legende nach sagte sie voraus, dass Attila Paris bei seinem Vormarsch verschonen werde. Als er mit seinen Kräften 451 auf die Stadt marschierte, habe sie die Frauen zum Gebet und die Männer zum Kampf aufgerufen: “Mögen die Männer fliehen, wenn sie wollen, wenn sie nicht mehr dazu in der Lage sind, zu kämpfen. Wir, die Frauen, beten weiter und weiter zu Gott bis er unser Flehen erhört.” Attila habe Paris schließlich nicht angegriffen. Später habe sie bei einer Belagerung von Paris Nahrungsmittel per Schiff in die Stadt gebracht und die Menschen so vor Hunger gerettet. Die Schiffe seien der Legende nach auf dem Weg in die Stadt von Drachen bedroht worden, die sie durch ihr Gebet vertrieben habe. Sie soll außerdem den fränkischen Herrscher Chlodwig I. zum Christentum bekehrt haben. Ihr Grab wurde durch Anhänger der Französischen Revolution geschändet.
  • Papst Leo I. (400-461): Er trat als Papst der Invasion der Hunnen persönlich entgegen. 452 reiste er dem angreifenden Attila entgegen und bewog ihn in Mantua zur Umkehr sowie zu einem Friedensversprechen.
  • Augustinus von Hippo (354-430): Der Philosoph und Theologe formulierte die christliche Lehre des gerechten Krieges.
  • Georg (ca. 280-305): Seine historische Existenz ist ungewiss. Über sein Leben liegen nur wenige Informationen vor. Er wurde mutmaßlich um 280 in Kappadokien geboren, war Christ und diente als Offizier im Dienst des römischen Kaisers Diokletian, der vor allem seine Tapferkeit und Klugheit geschätzt haben soll. In dieser Funktion war er zeitweise Militärtribun in Palästina. Er stellte sich Anfang des dritten Jahrhunderts gegen eine Christenverfolgung und bekannte sich zu seinem Glauben, weshalb er im Jahr 305 festgenommen, gefoltert und enthauptet wurde. Seine intensivere Verehrung in Mittel- und Westeuropa begann während der Kreuzzüge, nachdem christliche Ritter bei ihren Fahrten auf byzantinischem Gebiet auf die Verehrung des Heiligen gestoßen waren und sie nach ihrer Rückkehr in ihrer Heimat verbreiteten. Er wurde schließlich zum ersten Schutzpatron der Kreuzritter. Der Legende nach gab es zur Zeit Georgs in Kappadokien einen Drachen, der der Menschen tyrannisierte. Um ihn zu besänftigen, wurden ihm zunächst Schafe geopfert. Als alle Schafe getötet waren, wollte man ihm Menschen opfern, wobei das Los auf die Tochter des Königs fiel. Als sie geopfert werden sollte griff Georg ein. Er betete zu Gott und verwundete den Drachen mit einer Lanze. Anschließend wurde der Drache in einem Triumphzug präsentiert, bevor er getötet wurde. Danach hätten sich 20.000 Menschen taufen lassen. Der Gedenktag des Heiligen ist der 23. April. Er zählt zu den vierzehn Nothelfern und spielt auch im Alltag seit dem Mittelalter eine wichtige Rolle. Ab dem Georgstag durften früher Felder nicht mehr betreten werden. Dienstboten durften an diesem Tag ihren Dienstherren wechseln, und Schulden aus dem vergangenen Jahr wurden höchstens bis zum Georgstag gestundet. Sein Grab in Lydda bei Jaffa entwickelte sich früh zu einer Kultstätte, an der die erste Basilika des Orients entstanden sein soll, die um 1010 wieder zerstört wurde. Die Ostkirche verehrte ihn bereits zu Beginn des vierten Jahrhunderts als “Großmärtyrer”. Seit dem sechsten Jahrhundert ist auch eine Verehrung im abendländischen Raum durch die Widmung von Kirchen nachgewiesen. Mehrere deutsche Kaiser machten ihn zu ihrem Schutzpatron, darunter auch Kaiser Lothar, der eine Armreliquie besaß. Während des Pontifikats von Papst Paul VI. (1897-1978) wurde er zeitweise aus dem Heiligenkalender gestrichen, später jedoch wieder eingefügt. Im deutschsprachigen Raum ist er der Patron Tirols sowie von Freiburg im Breisgau. Außerdem ist unter anderem der Patron von insgesamt 13 Ritterorden und der Patron der Soldaten, der Reiter, Waffenschmiede und Büchsenmacher sowie der Pfadfinder, Wanderer und Gefangenen und der Krankenhäuser und der Pferde sowie der Patron gegen Kriegsgefahren.
  • Barbara von Nikomedien (gest. ca. 300): Im Mittelalter galt sie als Schutzpatronin des Wehrstandes und war eine der beliebtesten Heiligen. Ihr Verhalten im Angesicht von Verfolgung und Tod gilt als Symbol der Wehr- und Standhaftigkeit im Glauben. Sie ist eine zudem eine Schutzheilige der Feuerwehr sowie weiterer Berufe, die diesen Gefahren ausgesetzt sind, selbst Waffen herstellen oder mit Feuer umgehen, darunter Feuerwerker, Sprengmeister, Büchsenmacher und Waffenschmiede. Im Zuge der Liturgiereformen des zweiten vatikanischen Konzils wurde die hl. Barbara aus dem römischen Generalkalender gestrichen, da ihre Existenz historisch nicht gesichert sei. Wegen der großen Verehrung, die sie im Volk genoss, blieb ihr Gedenktag jedoch in einigen Regionalkalendern erhalten.
  • Die Soldaten der Thebäischen Legion (gest. ca. 300): Der Legende nach stammten die Soldaten der Legion aus dem Bereich des heutigen Ägypten. Ihre Mitglieder seien alle Christen gewesen. Sie sei von Mauritius geführt worden, der auch im Besitz der Heiligen Lanze gewesen sein soll. Bei einem Einsatz auf dem Gebiet der heutigen Schweiz sei den Soldaten ein Opfer für die römischen Götter befohlen worden, was diese verweigert hätten. Die Legion sei daraufhin zur Strafe zweimal dezimiert worden. Am Ende seien alle Soldaten der Legion hingerichtet worden seien. Einiger ihrer Soldaten seien im Rheinland eingesetzt gewesen und seien dort hingerichtet worden, darunter auch die Heiligen Cassius, Florentius, Gereon, Viktor und Mallosus sowie zahlreiche ihrer Kameraden.
  • Sebastian (gest. ca. 288): Er war Offizier in der Leibwache der römischen Kaiser Diokletian und Maximilian. Der Überlieferung zufolge hatte sich Sebastian als Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof öffentlich zum Christentum bekannt und notleidenden Christen geholfen, woraufhin ihn Diokletian zum Tode verurteilte und von numidischen Bogenschützen erschießen ließ. Im Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot, sondern wurde von einer frommen Witwe, der hl. Irene, die ihn eigentlich für das Begräbnis vorbereiten wollte, gesundgepflegt. Nach seiner Genesung kehrte er zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Somit erlitt er das Martyrium in gewisser Weise zweifach. Er ist u.a. Schutzpatron der Polizei. Auch in Deutschland gibt es an seinem Gedenktag Festgottesdienste, an denen katholische Polizeibeamte teilnehmen.
  • Basilides der Soldat (gest. ca. 205): Seine Legende ist in der Kirchengeschichte des Eusebius überliefert. Er diente zur Zeit der Christenverfolgungen unter Septimus Severus in Alexandria. Er hatte den Auftrag, die Jungfrau Potamiana, eine Schülerin des Origines die zuvor schwer gefoltert worden war, zu ihrer Hinrichtung zu führen. Auf ihrem Weg beschützte er sie vor einem übergriffigen Mob, wie Eusebius schreibt: “Als der Pöbel sie bedrängte und mit rohen Worten sie verhöhnen wollte, trieb Basilides die lästigen Menschen zurück und hielt sie ferne und erwies ihr sehr viel Mitleid und Teilnahme.” Potamiana versicherte ihm daraufhin ihre Fürsprache vor Gott und wurde anschließend zusammen mit ihrer Mutter Marcella und anderen Gefährten durch Eintauchen in siedendes Pech hingerichtet. Basilides wurde anschließend Christ und verweigerte einen Eid, der im Widerspruch zu seinem Glauben gestanden hätte. Er legte vor Gericht Zeugnis für seinen Glauben ab und wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Gegenüber Christen, die ihn im Gefängnis besuchten, erklärte er, dass Potamiana ihm nach ihrem Tod drei Tage lang nachts erschienen sei, ihm eine Krone auf sein Haupt gesetzt habe und erklärt habe, dass sie vor Gott Fürsprache für ihn gehalten habe, ihr ihre Bitte gewährt worden sei und sie ihn bald mit sich nehmen würde. Er empfing vor seiner Hinrichtung noch die Taufe.4 Sein Gedenktag ist der 30. Juni.
  • Donatus von Münstereifel (ca. 140-180): Der Sohn einer christlichen Mutter diente als Offizier in der 12. römischen Legion und wurde um 166 zur Abwehr von Markomanneneinfällen an der Donau eingesetzt. In einer schwierigen Lage, die durch Wassermangel verschärft wurde, beteten er und andere christliche Soldaten der Legion der Überlieferung nach um Regen. Ein schweres Gewitter brachte das benötigte Wasser und zerstörte zudem das Lager der Markomannen. Donatus habe dies als Wunder bewertet und Gott Ehelosigkeit gelobt. Unter Marcus Aurelius habe er zeitweise als Offizier der Leibwache gedient, sei aber hingerichtet worden, als er aus religiösen Gründen eine Ehe mit der Enkelin des Kaisers ablehnte. Zumindest die Ereignisse um die Markommannenkriege und das Regenwunder sind historisch belegbar.
  • Simon Petrus (gest. ca. 67): Der Apostel wurde von Jesus Christus berufen und erhielt später von diesem einen besonderen Auftrag (“Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen […].”) Es gilt als Gründer und erster Leiter der christlichen Gemeinde in Rom, wo er vermutlich als Märtyrer starb. Dem Neuen Testament zufolge war er zu schwach, sein Versprechen bedingungsloser Gefolgschaft gegenüber Jesus Christus zu halten und verleugnete ihn drei Mal, doch bei dessen Gefangennahme im Garten Gethsemane versuchte er, Jesus Christus mit seinem Schwert zu verteidigen.
  • Stefanus (ca. 1-36): Der 26. Dezember ist der Stephanstag, an dem die Kirche das Fest des heiligen Stefanus feiert. Er war der erste Märtyrer in der Geschichte des Christentums und einer der sieben Diakone der Jerusalemer Urgemeinde sowie einer jener Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“, die im Auftrag der Gemeinde Dienstvorhaben durchführten. Er wurde um das Jahr 36 n. Chr. getötet, nachdem er eine Verteidigungsrede zugunsten des Christentums gehalten hatte. Seine Tötung gilt der Beginn der ersten Christenverfolgung, an der sich der spätere Apostel Paulus zunächst beteiligte. Der Stephanstag ist daher auch ein Tag des Gebets für verfolgte Christen. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten angesichts der im 20. Jahrhundert begonnenen größten Welle von Christenverfolgung in der Geschichte der Menschheit besondere Bedeutung erlangt.
  • Judas Thaddäus: Er war einer der zwölf Apostel und starb der Überlieferung nach als Märtyrer, als er das Christentum im vorderasiatischen Raum verbreitete. Er wird vor allem in schwierigen und ausweglosen Situationen um Hilfe angerufen.

Quellen

  1. “Seligsprechung von 44 Märtyrern auf dem Petersplatz. Predigt von Johannes Paul II., 05.03.2000.
  2. “Für Gottes Schutz und Bruder Klausens Beistand”, nzz.ch, 10.05.2010.
  3. Albrecht Betz: “Mann mit eisernem Herzen”, deutschlandfunk.de, 10.11.2013.
  4. Eusebius: Ausgewählte Schriften, Band II: Kirchengeschichte, München 1932, S. 270-271.