Karl Friedrich Schinkel – Mittelalterliche Stadt am Fluss (Detail, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Fachgruppe 5 (Kulturerbe) erschließt das christlich-abendländische Kulturerbe des schützenden und bewahrenden Dienstes am Gemeinwesen und sucht nach kulturellen Werken und Kulturelementen, die in besonderer Weise dazu geeignet sind, diesem Erbe Dauer zu verleihen bzw. zur Resilienz der christlichen Kulturen Europas beizutragen.

Publikationen

Die Fachgruppe 5 hat noch keine Publikationen veröffentlicht.

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Themenseiten

Die Fachgruppe 5 pflegt die folgenden Themenseiten:

Hintergrund

Christliche Weltanschauung betont den Gedanken, dass die Menschen zu allen Zeiten Zwergen gleichen, die auf den Schultern von Riesen stehen. Dieses Bild, das erstmals von Bernhard von Chartres um 1120 verwendet wurde, soll aussagen, dass alle Leistungen der Gegenwart auf den Leistungen vieler vorhergehender Generationen beruhen. Zu dem über die Generationen hinweg gewachsenen Erbe kann die Generation der Gegenwart nur wenig Neues beitragen. Ihr wichtigster Beitrag zu diesem Erbe besteht darin, es zu erhalten und intakt weiterzugeben. Der Philosoph Robert Spaemann schrieb, dass Christen die Pflicht hätten, die Tradition, in der sie stehen, entsprechend fortzusetzen. Das weiterzugebende Erbe umfasse alle Traditionsbestände der christlich-abendländischen Geschichte.

Die Fachgruppe 5 betrachtet in diesem Zusammenhang vor allem die folgenden Kulturelemente:

  • Geschichte: Der Kulturwissenschaftler Jan Assmann sprach von einem „kulturellen Gedächtnis“, das einer Gesellschaft „Zeitresistenz“ verleihe und „über die Generationenfolge hinweg eine Identität“ schaffe. Spaemann schrieb, dass Identität durch „große Erzählungen“ und „heilige Geschichten“ gestiftet und weitergegeben werde.
  • Menschen: Das europäische Christentum hat eine große Zahl von Menschen hervorgebracht, die sich in besonderer Weise schützend und bewahrend für die Kulturen und Gesellschaften Europas verdient gemacht haben, in denen sie lebten. Solche Vorbilder sind wichtig für die Heranbildung von Männern und Frauen, die in der Lage dazu sind, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Heinz Karst, der dazu beitrug, die geistigen Grundlagen für den Aufbau der Bundeswehr zu schaffen, sagte vor dem Hintergrund der Verbrechen totalitärer Ideologien über die Bedeutung von Vorbildern, dass der Mensch Vorbilder an Tapferkeit bzw. das Beispiel anderer Menschen benötige, die in Zeiten der Not „aufrecht alle Anfechtungen bestanden und selbstlos handelten“, um im Angesicht der Herrschaft solcher Ideologien handlungsfähig zu sein. Gäbe es sie nicht, „dann würde man sich in der Stunde der Gefahr vergeblich bemühen, Gespenster zu zitieren.“
  • Orte: Der Humanethologin Christa Sütterlin nach bedürfe das kulturelle Gedächtnis, das die Identität einer Kultur ausmache und ihre Kontinuität ermögliche, der Repräsentation in Form von Orten. Kultorte seien in allen Kulturen der Menschheit „Zentren einer Gemeinschaft, die ihre Präsenz an einem bestimmten Ort festigten und bestätigten“. An solchen Orten geschehe „die Einschwörung auf gruppeneigene Mythen und Symbole, die der Festigung der Gemeinschaft“ diene. Der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann zufolge dienen Erinnerungsorte der Beglaubigung einer identitätsstiftenden Erinnerung an die gemeinsame Herkunft und Geschichte einer Gemeinschaft von Menschen. Diese „heroische Vergangenheit“ sei jedoch in der Regel „den Blicken entzogen“. Die „Ereignisse und Taten einer großen, aber dunklen Vergangenheit bedürfen“ daher „der Beglaubigung durch Orte“.
  • Mythen: Diese beschreiben die für den Menschen sinnlich nicht unmittelbar wahrnehmbare metaphysische Wirklichkeit sowie ihren Aufbau, ihre Abläufe und die Rolle des Menschen in ihr. Entsprechende Sachverhalte sind nur symbolhaft bzw. mit mythischen Bildern darstellbar. Der Mythos beschreibt das, was der Religionswissenschaftler Rudolf Otto als das „Numinose“ definiert hat, d. h. das den Menschen im Innersten berührende Furchterregende, Schreckliche, Erhabene und Majestätische.

Die Fachgruppe 5 setzt sich auch mit anderen kulturellen Werken auseinander, darunter mit religiöser Praxis und Brauchtum sowie mit Literatur, Musik und bildender Kunst.