Stand: 29.11.2020

Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft beruht, so wie es in der frühen Bundesrepublik verwirklicht wurde, auf der christlichen Soziallehre.1 Im christlich-konservativen Verständnis ist die soziale Marktwirtschaft eng mit den Vorstellungen des Ordoliberalismus verbunden. Dieser sieht vor, dass Staaten die Ordnung des Wirtschaftslebens gestalten sollen so dass dieses zum Gemeinwohl beiträgt, nicht aber in wirtschaftliche bzw. Marktprozesse eingreifen sollen. Papst Johannes Paul II. betonte in seinem sozialethischen Lehrschreiben „Centesimus annus“ den ordoliberalen Gedanken:

„Die Wirtschaft, insbesondere die Marktwirtschaft, kann sich nicht in einem institutionellen, rechtlichen und politischen Leerraum abspielen, im Gegenteil, sie setzt die Sicherheit der individuellen Freiheit und des Eigentums sowie eine stabile Währung und leistungsfähige öffentliche Dienste voraus. Hauptaufgabe des Staates ist es darum, diese Sicherheit zu garantieren, so dass der, der arbeitet und produziert, die Früchte der Arbeit genießen kann und sich angespornt fühlt, seine Arbeit effizient und redlich zu vollbringen.“

Johannes Paul II. kritisierte hier außerdem den sozialistischen „Versorgungsstaat, der direkt eingreift und die Gesellschaft ihrer Verantwortung beraubt“ und einen „Verlust an menschlicher Energie“ sowie „das Aufblähen der Staatsapparate“ nach sich ziehe ebenso wie den Kapitalismus, der alle Bereiche des Lebens der Marktlogik unterwerfen wolle.

Das „Wirtschaftswunder“ der frühen Bundesrepublik gilt vor allem als Folge der ordoliberalen Politik Ludwig Erhards. Der Soziologe Ralf Dahrendorf definierte soziale Marktwirtschaft dementsprechend als „Ludwig Erhard plus katholische Soziallehre“.2

Der Ordoliberalismus geht davon aus, dass funktionierender Wettbewerb nicht spontan entsteht, sondern eine durch den Staat zu errichtende Ordnung vorausetzt. Diese Ordnung umfasst neben der Unterbindung von Monopolen und Kartellen auch eine stabile Währung, die uneingeschränkte Haftung wirtschaftlicher Akteure, den Schutz des Privateigentums und die Vertragsfreiheit.3

Quellen

  1. Harald Jung: Soziale Marktwirtschaft und Weltliche Ordnung, Berlin 2009.
  2. Zit. nach Matthias Belafi: „Die Kirchen und die Soziale Marktwirtschaft“, Gesellschaft – Wirtschaft – Politik, Nr. 2/2017, S. 181-187, hier: S. 182.
  3. Edith Eucken-Erdsiek/Karl Paul Hensel (Hrsg.): Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Tübingen 1952, S. 254 ff.