Stand: 12.01.2021

Ein zum Gemeinwohl fähiges Gemeinwesen beruht auf einer hierarchischen Ordnung, an deren Spitze Eliten stehen, die über Autorität verfügen müssen. Diese Erkenntnis der klassischen politischen Philosophie wird von egalitären Ideologien mit zunehmender Vehemenz zurückgewiesen. Antiautoritäres sowie elite- und hierarchiefeindliche Positionen bestimmen in westlichen Gesellschaften mittlerweile das gesellschaftliche Klima. Spätestens in Krisenzeiten zeigt sich jedoch, dass von diesen Ideologien durchdrungene Gesellschaften den Herausforderungen nicht gewachsen sind, denen sie gegenüberstehen.

1. Das Wesen der Autorität

Autorität ist eine vor allem geistige Eigenschaft, die ihren Trägern unabhängig von seiner formalen Macht dazu befähigt, aufgrund von in freier Entscheidung durch andere anerkannter geistiger Überlegenheit Führung auszuüben. Der Träger von Autorität dem abendländischen Verständnis nach jemand, der die ihm gegebene Stärken, Erfahrung, Fähigkeiten und Weisheit sowie sein Wissen auf eine dienende Weise zum Wohl anderer einsetzt.1 Laut Othmar Spann ist Autorität „Führungsmacht kraft geistiger Gültigkeit“. Sie wirke durch die Werte, die der Träger von Autorität verkörpert, sowie durch sein Vorbild und seine dienende Haltung bzw. seinen Einsatz und seine Opferbereitschaft.

Autorität ist außerdem das Ansehen, das eine Person in einem bestimmten Kreis von Menschen genießt und das ihr die Macht dazu verleiht, das Denken, Wollen und Handeln dieses Kreises zu beeinflussen. Autorität ist somit eng mit Ehre verbunden (Weiterlesen: Das abendländische Verständnis von Ehre). Ein Anspruch auf Autorität wird in der Regel anerkannt, wenn er als gültig angenommen wird. Autorität ist von hoher sozialer Bedeutung, da überall, wo Menschen zu einem gemeinsamen Zweck zusammenwirken, jemand die Richtung zeigen muss. In der Familie beruht die Autorität des Vaters auf der überlegenen physischen Stärke des erwachsenen Mannes, die ihn dazu befähigt, für den Schutz und Unterhalt seiner Angehörigen zu sorgen. Damit er dies vollumfassend tun kann, muss er diese auch führen. Staatliche Autorität beruht auf der Übereinstimmung von Herrschaft mit höherer Ordnung, zumindest mit dem Naturrecht. Christliche Weltanschauung geht davon aus, dass alle Autorität von Gott kommt. Alles Sollen im guten Sinn ist Folge des Willen Gottes. Die Anerkennung guter Autorität ist eine Handlung des freien und vernünftigen Menschen.2

Autorität ist zudem eine Folge von Liebe bzw. dem Willen, dem Wohl eines Menschen oder eines Gemeinwesens zu dienen. Diese Autorität stößt auf Vertrauen und befreit Menschen, während Autoritarismus sie versklavt und Widerstand hervorruft.

Autorität wirkt durch die Kraft der Überzeugung, durch anerkannte Überlegenheit, durch die Strahlkraft der Werte, die der Träger von Autorität repräsentiert, durch Vorbild und durch Opferbereitschaft. Autorität hat, wer Verantwortung trägt und ihr gewachsen ist.

Papst Pius XI. zufolge ist echte Autorität „ein Band der Einheit, eine Quelle der Kraft, eine Gewähr gegen Zerfall und Zersplitterung, eine Bürgschaft der Zukunft“.3

Der Begriff der „Autorität“ bezieht sich auf den lateinischen Begriff auctoritas, der „Würde“, „Ansehen“ und „Einfluss“ bedeutet. Dieser Begriff bezieht sich wieder auf das lateinische Verb augere, das „wachsen lassen“ oder „reifen lassen“ bedeutet. Dem Philologen Richard Heinze war im römischen Denken die auctoritas die auf überlegenen geistigen Eigenschaften beruhende Eignung, „maßgeblichen Einfluß auf die Entschließungen der anderen kraft überlegener Einsicht auszuüben“. Autorität habe sich im römischen Denken nicht in Form von Befehlen geäußert, sondern in der Anerkennung des Werts einer Empfehlung. Über auctoritas könnten nicht nur Individuen verfügen, sondern auch Institutionen oder Stände.4 Der römische Kaiser Augustus unterschied in seinen Texten zwischen auf geistiger Überlegenheit gründender Autorität (auctoritas) und auf formalen Befugnissen beruhender Macht (potestas).5

Die christliche Soziallehre betrachtet das Vorhandensein von Autorität im Sinne von Herrschaft als notwendige Voraussetzung des gemeinschaftlichen Zusammenlebens von Menschen6. Sie habe die Aufgabe, die durch das Gemeinwohl gebotenen Aufgaben zu ergreifen und vorausplanend den Bestand des Gemeinwesens zu sichern.7

Papst Johannes XXIII. sagte über Autorität:

„Die menschliche Gesellschaft kann weder gut geordnet noch fruchtbar sein, wenn es in ihr niemand gibt, der mit rechtmäßiger Autorität die Ordnung aufrecht erhält und mit der notwendigen Sorgfalt auf das allgemein Wohl bedacht ist.“8

Autorität in diesem Sinne besitzt, wer Verantwortung für das Gemeinwohl übernimmt, ein Gemeinwesen dazu ordnet und auf das Gemeinwohl hinführt bzw. es durch seine Handlungen fördert. Die Ausübung von Autorität ist dann legitim, wenn dies im Dienst am Gemeinwohl geschieht.9 Wo Autorität beansprucht oder ausgeübt wird, ohne dass der Ausübende sich an das Naturrecht gebunden sieht oder dem Gemeinwohl zu dienen bereit ist, besteht die Gefahr der Willkür und der Tyrannei.

1.1 Gott ist die Quelle aller Autorität

Alle Autorität stammt von Gott.10 Die Grundlage von Autorität ist die Abhängigkeit des Menschen von Gott und der Grad der Übereinstimmung seines Handelns mit und der Nähe zum Heiligen sowie den Dingen, in denen es sich ausdrückt, etwa im Naturrecht. Autorität wird dem Grad dieser Nähe entsprechend anerkannt und muss nicht beansprucht werden.

Pius XI. betonte ebenfalls, dass Gott bzw. Jesus Christus die Grundlage aller Autorität sei:

„Hat man Gott und Jesus Christus aus der Gesetzgebung und der Politik hinausgewiesen und leitet man die Autorität nicht mehr von Gott her, sondern von den Menschen, dann fehlt den Gesetzen ihre wahre und wirksame Sanktion, dann fehlen ihnen die höchsten Kriterien des Rechtes – und das haben schon heidnische Philosophen wie Cicero begriffen, daß Menschengesetze nur im ewigen Gesetz Gottes verankert sein können; ja sogar die Grundlage der Autorität ist zerstört in dem Augenblick, da man die Quelle verschüttet, aus der den einen das Recht zufließt zu befehlen, den andern die Pflicht zu gehorchen.“11

2. Hierarchie als Prinzip der Ordnung des Kosmos

Der Begriff „Kosmos“ bedeutet „geordnete Wirklichkeit“. Alle Religionen und Mythologien der Menschheit beschreiben einen vertikal und hierarchisch geordneten Kosmos, der sowohl die materielle als auch die geistige Welt umfasst und an deren Spitze sich eine Sphäre des Heiligen sowie eine für den Menschen direkt nicht direkt wahrnehmbare Vollkommenheit befindet, die das Maß und die Vollendung allen Wahren, Schönen und Guten darstellt. Wer die Frage nach dem Wesen und dem Ursprung dieser Dinge stellt, hat sich somit auf die Suche nach Gott begeben. In einer harmonischen Ordnung sind alle Elemente hierarchisch auf die Spitze der Hierarchie hingeordnet. Satan stellte diese Hierarchie als Stolz heraus in Frage und beanspruchte, Gott gleich zu sein.

Der Philosoph Charles Taylor verwendete den Begriff „Kosmos“ zur Beschreibung des traditionellen Verständnisses der Wirklichkeit, die natürliche und übernatürliche Teile umfasse. Das Universum sei nur der natürliche Teil des Kosmos. Diese Wirklichkeit sei hierarchisch geordnet. Es gebe in ihrer höhere und niedrigere Stufen des Seins. Bereits Aristoteles habe Gott als Scheitelpunkt der kosmischen Ordnung betrachtet.12

Platon und Aristoteles beschrieben als erste die hierarchische Ordnung des Kosmos. Ihre Gedanken wurden später zum Konzept der scalae naturae bzw. der „Leiter des Seins“ oder der „Großen Kette des Seins“ weiterentwickelt. An ihrer Spitze steht Gott, gefolgt von hierarchisch gegliederten Gruppen von Engeln. Ihnen folgen Menschen, wobei die menschliche Gesellschaft wiederum hierarchisch geordnet ist. Ihnen folgen Tiere, Pflanzen und schließlich Mineralien. Der Naturforscher Carl von Linné baute im 18. Jahrhundert auf diesem Gedanken auf, als er mit seiner Nomenklatur der Lebewesen die Grundlagen der naturwissenschaftlichen bzw. der zoologischen und botanischen Taxonomie schuf.

Die christliche Kosmologie ist hierarchisch und elitär aufgebaut. Hierarchien setzen sich hier bis ins Jenseits fort. Nur wenige sind auserwählt. Am Anfang der Heilsgeschichte steht die elitäre Auswahl eines Volkes durch Gott.13 Dante beschrieb den Himmel und die Hölle als hierarchisch geordnet.

2.1 Hierarchie und Gemeinwohl

Hierarchie ist das Prinzip jeder Ordnung. Hierarchie ermöglicht es einheitlichen, einem Willen unterworfenen Strukturen die Herausbildung differenzierter Unterstrukturen, die im Sinne dieses Willens zusammenwirken und dabei unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Hierarchie unterscheidet die Masse von der Gesellschaft.14

Um wirksam und angemessen handeln zu können, muss Autorität sich auf bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften stützen, die jedoch ungleich verteilt sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Anerkennung dieser Unterschiede in Form einer Hierarchie, die im höheren Maß dieser Fähigkeiten und Eigenschaften einen höheren Rang anerkennt. Hierarchie entspricht in diesem Sinne auch den Forderungen des Subsidiaritätsprinzips.

Eine funktionierendes Gemeinwesen braucht soziale und kulturelle Hierarchien, die zu einem Streben nach Leistung ermutigen und diejenigen ehren, die sich um das Gemeinwohl verdient machen. Die Gerechtigkeit erfordert es zudem, dass Menschen in einer Gesellschaft ihre Rolle im Gemeinwesen gemäß Eignung, Leistung und Befähigung einnehmen, und dass es diesbezüglich unterschiedliche Ränge gibt. Unterschiedliche Ränge in einer Hierarchie sind dabei als Grade unterschiedlich großer Pflichten zu verstehen, die mit steigendem Rang größer werden. In korrupten Hierarchien hingegen steigt mit dem Rang in erster Linie das Maß der individuellen Vorteile und Privilegien. Wer einen höheren Rang erhält und nun meint, dass er in einem geringeren Maße der Diener seines Nächsten wäre als zuvor, beweist dadurch seine Untauglichkeit.

Christliche Weltanschauung bejaht die naturgegebene ungleiche Verteilung von Stärken und Fähigkeiten unter den Menschen und fordert ihre Anerkennung und Förderung im Sinne des Gemeinwohls. Wo jeder seine Rolle gemäß seiner Stärken einnimmt, gewinnen alle; und wo die entsprechende Ungleichheit bekämpft oder geleugnet wird, verlieren alle. Es ist nicht wünschenswert, wie von Gleichheitsideologien gefordert Hierarchien einzuebnen und Autorität grundsätzlich abzulehnen, weil dies die Grundlagen gesellschaftlichen und kulturellen Lebens zerstören würde.

2.2 Die Hierarchie geistiger Werte

Jegliche kulturelle Entwicklung setzt einen Sinn für geistige Höhe und Qualität voraus, der das Höhere vom Niedrigeren unterscheidet. Dinge besitzen einen nicht durch den Menschen festgelegten unterschiedlichen Rang, was das ihnen innewohnende Wahre, Gute und Schöne angeht. Neben der Kultur beruht auch die Wissenschaft auf hierarchischen Unterscheidungen, etwa was den unterschiedlichen Wahrheitsgrad von Hypothesen angeht. Kultur und Wissenschaft wachsen und entwickeln sich durch das Streben zum Wahren, Guten und Schönen und nicht im Diskurs gleichwertiger Positionen. Entsprechende Werke werden in der Regel von wenigen hoch begabten Menschen geschaffen.

2.3 Hierarchie und Religion

Hierarchie bedeute laut Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) ursprünglich im Griechischen wahrscheinlich „heiliger Ursprung“. Einer guten Hierarchie gehe es um die Weitervermittlung einer heiligen Ursprungskraft. Sie lebe aus der „immer neuen gegenwärtigen Quelle selbst“, die sich im Fall der Kirche  „durch das Sakrament immer wieder mitteilt“.15

Laut Papst Johannes Paul II. bedeute Hierarchie im Fall des Priestertums nicht eine Überordnung gegenüber anderen Menschen, sondern eine Ausrichtung auf die höchste Autorität Jesus Christus.16

3. Die Notwendigkeit von Eliten

Thomas von Aquin zufolge müsse es „in jeder Gemeinschaft irgendein leitendes Element“ geben.17 Jedes dauerhafte Gemeinwesen beruht auf einer dienenden Elite von Geistlichen, Gelehrten, Verwaltern und Beschützern, die seine Bindung an die transzendente Ordnung aufrechterhalten und schützen. Die katholische Soziallehre bejaht dies und strebt danach, dass diese Eliten möglichst gut für ihre Aufgabe geeignet sind, die darin besteht, das Gemeinwohl sicherzustellen. Eliten, die andere Ziele anstreben, sind nach christlicher Auffassung korrupt.

Die Existenz von Eliten ist zunächst eine neutrale Tatsache. Menschen unterscheiden sich, was ihre Eignung, Leistung und Befähigung für bestimmte Aufgaben angeht. Die historische Entwicklung wird nicht von Massen, sondern von Führungsgruppen bestimmt, die miteinander um die Gestaltung von Gesellschaften konkurrieren. Guten Eliten geht es dabei um den selbstlosen Dienst am Gemeinwohl, während es schlechten Eliten vor allem um ihre eigenen Interessen geht.

Bereits Platon verband seine Beschreibung guten Eliten mit einer Askeseforderung. Dem Soziologen Arnold Gehlen zufolge müsse ein Eliteanspruch „stets durch eine Askeseforderung legitimiert sein, oder er dringt nicht durch.“ Das christliche Rittertum, aber auch das frühe Christentum seien Beispiel für Eliten gewesen, die durch Verzicht und Opfer die Anerkennung als Elite bewirkt hätten.18

Der Wirtschaftswissenschaftler Ludwig von Mises schrieb über die Notwendigkeit von Eliten:

„Mankind would never have reached the present state of civilization without heroism and self-sacrifice on the part of an elite. Every step forward on the way toward an improvement of moral conditions has been an achievement of men who were ready to sacrifice their own well-being, their health, and their lives for the sake of a cause that they considered just and beneficial. They did what they considered their duty without bothering whether they themselves would not be victimized. These people did not work for the sake of reward, they served their cause unto death.“19

3.1 Freiheitliche Gesellschaften benötigen Eliten

Der Religionswissenschaftler Hans-Joachim Schoeps wies nach dem Zweiten Weltkrieg darauf hin, dass derjenige, der die freiheitliche Demokratie stabilisieren wolle, „stärker als bisher institutionelle Auslese und Elitebildung […] ermöglichen“ müsse. Ohne „politische Elite“ bleibe „kein demokratischer Staat am Leben“. „Elite und Wert“ seien dabei „niemals zu trennen. Wertfreie Eliten sind überhaupt keine“.20

Gerd-Klaus Kaltenbrunner kritisierte, dass „Elite“ so wie „Heimat“, „Volk“ und „Nation“ in Deutschland ein „anrüchiger Begriff“ geworden sei, „vielfach einer systematischen Ächtung und Verfemung unterliegt“. In einer egalitären Gesellschaft werde der Begriff als Provokation wahrgenommen.21 Im Ernstfall werde es jedoch „darauf ankommen, ob eine Demokratie über ein ausreichendes Potential an Eliten verfügt“22 und dass sie „auf fähige, kompetente und mitreißende Minoritäten zurückgreifen“ könne.23 Eine funktionierende Demokratie sei angewiesen auf eine „Elite des Dienens“, die nicht in erster Linie nach dem eigenen Vorteil suche.24 Sie beruhe zudem auf konkurrierenden Eliten, die miteinander im Wettbewerb stünden und sich gegenseitig kontrollierten.25

Der amerikanische Publizist Paul Berman beschrieb 2018 den Verfall des Konservatismus in den USA und den Aufstieg des Populismus als Symptome kultureller Auflösung. Angesichts dieser Entwicklung erfordere die Aufrechterhaltung freiheitlicher Gesellschaften die Wiederherstellung eines traditionellen Staats- und Führungsethos und entsprechender Eliten.

  • Im Zuge kultureller, aber auch sozialer Auflösungserscheinungen hätten sich offenbar große Teile der Bevölkerung der USA von diesem Ethos abgewandt. Dieses habe von Inhabern politischer Führungsämter Eigenschaften wie Selbstkontrolle, Gravitas, Anstand, Professionalität und Vernunftorientierung gefordert. Das Gegenbild zu diesem Ethos sei der unkultivierte, emotionale, vulgäre Demagoge.
  • Frühere Präsidenten seien zum Teil schlechte Charaktere gewesen und hätten diesem Ethos innerlich keinesfalls immer entsprochen. Sie hätten dennoch versuchen müssen, diesem Ethos wenigstens in ihrer äußerlichen Haltung zu entsprechen, um als potenziell für ein Führungsamt geeignet betrachtet zu werden.

Die Aufrechterhaltung freiheitlicher Gesellschaften würde voraussetzen, dass deren politische Führungen das traditionelle Staats- und Führungsethos der westlich-europäischen Kultur innerlich wie äußerlich verkörperten. Dazu seien Maßnahmen der Elitenbildung erforderlich, die ein ausreichend starkes Potenzial an glaubwürdigem, im Sinne dieses Ethos geformtem Führungsnachwuchs hervorbringen müssten. Zudem seien Maßnahmen kultureller Erneuerung erforderlich, die vermitteln müssten, dass die Ablehnung des Elitären keine geeignete Antwort auf die Korrumpierung vorhandener Eliten sei.26

3.2 Geistige Eliten als „schöpferische Minderheiten“

Der Kulturtheoretiker Arnold J. Toynbee beobachtete, dass Kultur von Eliten bzw. von „kreativen Minderheiten“ geschaffen und entwickelt werde. Religiöse Mystiker seien ein Beispiel für solche Eliten. Durch ihren Kontakt zum Transzendenten würden sie kulturstiftende Wirkung entfalten. Benedikt von Nursia etwa schuf im Chaos des untergehenden Römischen Reiches ein alternatives Modell christlichen Lebens, das die guten Teile des griechischen und römischen Erbes mit einschloss. Diesem Modell schlossen sich andere Menschen an, die später in das zerstörte Europa hineinwirkten und so seine Erneuerung ermöglichten. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) sprach in Anknüpfung an Toynbee davon, dass Christen in Europa künftig die Aufgabe haben würden, als „schöpferische Minderheit“, die aus kleinen, im Glauben gefestigten Gemeinschaften bestehe, die Erneuerung Europas voranzutreiben.

Der Soziologe Philip Rieff beschrieb in seinen kulturtheoretischen Schriften das Wirken geistiger und kulturelle Eliten ähnlich wie Toynbee. Diese Eliten würden sich dadurch auszeichnen, dass sie in der Lage seien, die transzendente Ordnung des Kosmos und die auf der Grundlage ihrer Schauung geschaffenen Werke zu „lesen“ und daraus Impulse für die Gestaltung der sozialen Ordnung zu schaffen. Eine dauerhafte Kultur werde von einer Elite von Weisen geführt, die dazu in der Lage seien. Über ihnen stehe die noch kleinere Elite der „sacred messengers“, der Propheten und Mystiker, die unmittelbaren Zugang zum Transzendenten hätten.

Russell Kirk zufolge ist Kultur immer elitär in dem Sinne, dass Eliten sie über lange Zeiträume hinweg schaffen, pflegen und vorleben. Massenkultur sei entweder die Folge der Annahme des Wirkens einer kulturellen Elite oder die degenerierte Karikatur einer sterbenden Kultur.27

Dem Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb zufolge gebe es in der Geschichte zahlreiche Beispiele dafür, dass entschlossene kleine Minderheiten, die bereit dazu gewesen seien persönliche Risiken einzugehen, Gesellschaften in ihrem Sinne gestalteten.28. Insbesondere in Krisenzeiten ist der Fortbestand eines Gemeinwesens davon abhängig, dass sich in ihm Strukturen fähiger Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Risiken zu tragen.

Norbert Elias beschrieb den Prozess der Durchdringung der Völker Europas mit höherer Kultur. Dieser Prozess habe im Mittelalter vom Adel ausgehend begonnen und schrittweise andere Gruppen  durchdrungen, die sich kulturell am Vorbild des Adels orientiert hätten.29

Der Historiker Hilaire Belloc schrieb über geistige Eliten als Treibern kultureller und gesellschaftlicher Entwicklung:

„Die Zukunft der Menschen wird nicht in allgemeinen Wahlen entschieden, sie wird durch das Wachstum von Ideen bestimmt. Wenn die wenigen Männer, die am besten denken und fühlen können und die die Kunst  beherrschen, sich auszudrücken, langsam eine neuartige Tendenz zu diesem oder jenem zeigen, dann verspricht dieses oder jenes, die Zukunft zu bestimmen.“30

Hans-Joachim Schoeps sah in Eliten vor allem auch kulturelle Leitbilder, an denen sich andere bewusst oder unbewusst ausrichteten. Solche Eliten würden auf Archetypen bzw. auf repräsentativen Figuren beruhen, etwa dem „Ideal des preussischen Reserveoffiziers“.31

Die amerikanischen Sozialwissenschaftlerin Amy Chua und Jed Rubenfeld haben sich mit dem Phänomen marktdominierender Minderheiten auseinandergesetzt, die überproportional zu ihrem zahlenmäßigen Anteil an einer Gesellschaft Einfluss in dieser besitzen. Ihnen zufolge seien dafür kulturelle Faktoren ausschlaggebend. Entsprechende Gruppen seien davon gekennzeichnet, dass sie sich in hohem Maße ihrer eigenen Besonderheit bewusst seien, etwa in Form eines religiösen Sendungsbewusstseins. Ein weiterer Faktor sei eine ausgeprägte Wahrnehmung von Unsicherheit und Bedrohung. Außerdem würde die Kultur diese Gruppen Selbstkontrolle stark betonen.32

Walter Lippmann ging davon aus, dass die öffentliche Meinung in Demokratien durch Eliten geprägt werde. Politische Entscheidungsträger bzw. Eliten würden hier in der Regel von einer Elite aus Experten beraten, welche die Lage für sie analysiere und Optionen des Handelns vorschlage. Die Leistung der politischen Elite in der Demokratie bestehe darin, die richtige Entscheidung zu treffen und sie den Wählern zu vermitteln.33 Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte analog dazu 2020, ihm fielen „auf Anhieb zehn Leute ein, die sehr großen Einfluss auf die Regierungspolitik“ in Deutschland hätten. Diese „wiederum basieren mit ihren Empfehlungen auf den Studien von Tausend anderen“.34

3.3 Die Eigenschaften guter Eliten

Gute Eliten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie nicht nach individuellen Vorteilen streben, sondern dazu bereit sind, Opfer für das Gemeinwohl zu erbringen.

Gerd-Klaus Kaltenbrunner beschrieb Eliten als „Bedingung jeder höheren Kultur“. Gute Eliten seien ihrem Wesen nach asketisch:

„Nicht minder wichtig sind, langfristig sogar entscheidend, sind auch jene Minderheiten, die einfach deshalb elitär sind, weil sie bereit sind, jene asketischen Tugenden vorbildhaft zu verwirklichen und darzuleben, ohne die nun einmal kein Staat zu machen ist: zu dienen, zu verzichten, sich zu bescheiden, die Pflichten des Alltags diszipliniert zu erfüllen und Selbstbeherrschung und Selbstvervollkommnung im Interesse des Gemeinwohls zu üben.“35

Laut Bertrand Russell bestünden guten Eliten aus „Menschen, die den Mut haben, Unterwerfung zu verweigern, ohne die Herrschsucht zu haben, die den Wunsch zu befehlen hervorruft“. Diese Menschen passten oft nicht in die vorhandene Sozialstruktur und suchten Orte einsamer Freiheit abseits dieser Struktur, die sie zu ihrer geistigen oder physischen Heimat machten.36

Pius XII. schrieb über die Eigenschaften guter Eliten:

„Um fruchtbare Arbeit zu leisten, um sich Achtung und Vertrauen zu erwerben, muss jede gesetzgebende Körperschaft […] eine Elite von Männern vereinigen, die durch Geist und Charakterfestigkeit hervorragen; die sich als Vertreter des ganzen Volkes ansehen und nicht als die Beauftragten einer Gruppe, deren Sonderinteressen sehr oft an die Stelle der wahren Bedürfnisse und wahren Erfordernisse des öffentlichen Wohles treten; eine Elite von Männern, die nicht auf einen Beruf oder einen Stand beschränkt ist, sondern die ein Bild des vielfältigen Lebens des ganzen Volkes sein soll; eine Elite von Männern, die sich auszeichnet durch ihre unerschütterliche christliche Überzeugung, ihr gerades, sicheres Urteil, ihren praktischen Sinn, ihre Billigkeit, ihre in allen Umständen klare Haltung. Männer von klarer und gesunder Lehre, von festem und aufrechtem Willen; Männer vor allem, die durch die Autorität, die sie aus ihrem reinen Gewissen ausstrahlen und die sich um sie verbreitet, fähig sind, Führer und Lenker ihrer Mitbürger zu sein […].“37

Der Theologin und Journalistin Heike Schmoll zufolge brauche eine gute Elite die Fähigkeit, gegen Anpassungsdruck stand zu halten. Ihre Angehörigkeiten müssten dazu in der Lage sein, ihre Position notfalls auch gegen Mehrheiten zu behaupten und dazu in einer Tradition verwurzelt sein, die sie unabhängig von Stimmungen und Moden machen. Sie müssten zudem über Urteilsvermögen und Verantwortungsbewusstsein verfügen und konfliktfähig sein. Außerdem müssten sie über ein hohes Leistungsethos verfügen und sich selbst hinterfragen können.38

Gute Eliten legitimieren ihren Führungsanspruch durch ein Ethos, das ihnen besondere Forderungen auferlegt. Als sog. „gesunkenes Kulturgut“ kann ein solches Ethos auch auf andere gesellschaftliche Schichten ausstrahlen. Das Ethos des Gentleman ist ein Beispiel dafür.39

Zwischen einer Führung und den von ihr Geführten muss eine auf Autorität beruhende Distanz bestehen, damit diese Führung anerkannt wird.

Der Historiker Shalom Salomon Wald untersuchte in seiner Studie „Rise and Decline of Civilizations – Lessons for the Jewish People“ die Voraussetzungen langfristiger kultureller Kontinuität. In diesem Zusammenhang setzte er sich auch mit den Eigenschaften guter Eliten auseinander. Wald versteht Geschichte dabei nicht als sekundäre Wirkung materieller Vorgänge, sondern als das Werk von Personen, die aus der Bindung an ein transzendentes Ziel besondere Kraft und Fähigkeiten entfalten und damit Gemeinschaften von Menschen auf dieses Ziel hin ausrichten konnten. Fortbestand und Entwicklung einer Kultur würden somit auch davon abhängen, ob solche Personen bzw. kulturelle Eliten in ausreichendem Maße und ausreichender Qualität zur Verfügung stehen. In der Geschichte des Judentums macht er die folgenden positiven Eigenschaften bei den Persönlichkeiten aus, die auch in Krisensituationen einen Fortbestand der eigenen Kultur ermöglichten:

  • Glaube im Sinne einer persönlich erfahrenen Bindung an das Transzendente und Identifikation mit der aus dieser Bindung heraus gewachsenen Kultur;
  • Überzeugung, dass die Zukunft der eigenen Kultur ein langfristig orientiertes, entschlossenes Handeln erfordere;
  • Wahrnehmung eines entsprechenden Auftrags und des Willens, der eigenen Kultur zu dienen und sie zu schützen;
  • Mut und die Bereitschaft, bei der Ausführung dieses Auftrags Risiken und Nachteile in Kauf zu nehmen;
  • Integrität im Sinne einer asketischen Haltung und eines geringen Interesses an materiellen Dingen oder persönlichen materiellen Vorteilen;
  • Kulturelle und religiöse Bildung;
  • Ausgeprägte Kenntnis der politischen und geistig-kulturellen Lage des eigenen Umfelds;
  • Charisma im Sinne der Fähigkeit Menschen für ein gemeinsames Ziel und einen entsprechenden Auftrag zu begeistern und zu einen.

Wald betrachtet die im Alten Testament vorgestellte Person des Nehemia als Archetyp des Trägers jener Eigenschaften, die kulturtragende Eliten benötigen würden, um ihrer Aufgabe nachzukommen. Die von ihm identifizierten Eigenschaften ermöglichen es nicht nur, die Qualität von Führung zu messen, sondern auch, Menschen gezielt in eine entsprechende Richtung zu entwickeln.

Der Staatsphilosoph Edmund Burke beschrieb 1926 die Eigenschaften des „natürlichen Adels“, den es in jedem Gemeinwesen geben müsse:

„To be bred in a place of estimation; to see nothing low and sordid from one’s infancy; to be taught to respect one’s self; to be habituated to the censorial inspection of the public eye; to look early to public opinion; to stand upon such elevated ground as to be enabled to take a large view of the wide-spread and infinitely diversified combinations of men and affairs in a large society; to have leisure to read, to reflect, to converse; to be enabled to draw the court and attention of the wise and learned wherever they are to be found;—to be habituated in armies to command and to obey; to be taught to despise danger in the pursuit of honor and duty; to be formed to the greatest degree of vigilance, foresight and circumspection, in a state of things in which no fault is committed with impunity, and the slightest mistakes draw on the most ruinous consequence—to be led to a guarded and regulated conduct, from a sense that you are considered as an instructor of your fellow-citizens in their highest concerns, and that you act as a reconciler between God and man—to be employed as an administrator of law and justice, and to be thereby amongst the first benefactors to mankind—to be a professor of high science, or of liberal and ingenuous art—to be amongst rich traders, who from their success are presumed to have sharp and vigorous understandings, and to possess the virtues of diligence, order, constancy, and regularity, and to have cultivated an habitual regard to commutative justice—these are the circumstances of men, that form what I should call a natural aristocracy, without which there is no nation.“40

Der Historiker Crane Brinton schrieb in seiner Studie über die Anatomie von Revolutionen, dass diese in der Regel nur dort erfolgreich waren, wo eine Regierung in ihrem Dienst am Gemeinwohl versagt habe. Dies wiederum sei in der Regel die Folge eines Mangels an militärischen Tugenden, mangelnder Achtung für überliefertes Denken und Verhalten sowie mangelnder Anpassungsfähigkeit für wechselnde Lagen gewesen. Zudem sei in solchen Regierungen politische Dekadenz, etwa in Form mangelnden Handlungswillens gegenüber existenziellen Herausforderungen, zu beobachten gewesen. Häufig sei das Verhalten der Eliten außerdem von moralischer Dekadenz gekennzeichnet gewesen, was Verachtung in der Bevölkerung erzeugt habe. Eine gemeinwohlfähige und langfristig zur Herrschaft fähige politische Elite müsse zudem über Korpsgeist verfügen und von der eigenen Berufung zur Herrschaft überzeugt sein. Außerdem müsse sie für die tüchtigsten Teile der Bevölkerung hinreichende Aufstiegsmöglichkeiten in die gesellschaftliche Elite ermöglichen.41

Oswald Spengler setzte sich intensiv mit der Frage auseinander, wie die politischen Eliten eines Gemeinwesens beschaffen sein müssen, um diesem historische Dauer und eine erfolgreiche Bewältigung innerer und äußerer Herausforderungen zu ermöglichen. Es sei der „Geist der Väter“, der dazu befähige, „römisch im Stolz des Dienens, in der Demut des Befehlens, nicht Rechte von andern, sondern Pflichten von sich selbst fordernd“ das „Erbe harter Jahrhunderte“ sowie „unser Heiligstes und Tiefstes“ fortzusetzen.42

  • Ein Gemeinwesen benötige die Führung durch eine „Auslese von Überlegenen“. Ein „leitender Typus […] der die schöpferischen Eigenschaften des Volkes im Hinblick auf seine geschichtliche Lage zusammenfasst und herausbildet“ sei notwendig, um ein Gemeinwesen am Leben erhalten oder zu erneuern. Die besseren Kräfte in  Adel, Kirche und Armee seien die Eliten gewesen, die in der Geschichte Europas ein Gemeinwesen auch in schweren Zeiten getragen und Herausforderungen standgehalten hätten. Die Leistungsfähigkeit von Armeen hänge vom „In Form sein“ des Offizierkorps ab. 43
  • Die Eliten eines Gemeinwesens müssten durch ein Pflichterfüllung, Opferbereitschaft und Disziplin betonendes Dienstethos ständig gegen in ihnen wirkende korruptive Tendenzen ankämpfen. Das antike Rom habe seine Stellung als Weltmacht auf „die alten Geschlechter“ gestützt, „in denen seit Jahrhunderten staatsmännische Begabung und sittliches Pflichtgefühl herangezüchtet worden waren“.44 Die „Höhe der Form, der Tradition, Zucht und Sitte, angeborene Überlegenheit der leitenden Geschlechter, Kreise, Persönlichkeiten des Lebens“ würden „das Schicksal des Ganzen“ bestimmen.45
  • Eliten müssten sich als Diener und ihr Leben als Dienst verstehen, so wie im von Spengler als vorbildlich erachteten preußischen Staat der „König ist nur der erste Diener seines Staates“ gewesen sei und das Leben seiner Eliten „seinen Sinn nur im Banne einer größeren Aufgabe“ gefunden habe. Gute Eliten würden „tiefe Verachtung des bloßen Reichseins, des Luxus, der Bequemlichkeit, des ‚Glücks‘“ zeigen.46
  • Ein positives Beispiel für dienende Eliten seien laut Spengler mittelalterliche Ritterorden, die Hierarchie der katholischen Kirche, der englische Kolonialdienst und das preußische Offizierkorps. Ihnen sei gemeinsam, dass sie „unerbittlich und ohne Rücksicht auf Geld und Abkunft nur die sittliche Haltung und die Bewährung in schwierigen Lagen gelten ließen“. Auch die die „alte, stolze, ehrenhafte und tapfere Herrenschicht der Samurai“ in Japan habe im weltgeschichtlichen Vergleich eine besonders herausragende Elite dargestellt.47
  • Eliten seien nur glaubwürdig, wenn sie über den Mut und die Entschlossenheit verfügten, „für etwas Jenseitiges zu sterben“. Sie seien jene, die vorangingen, „um als die ersten zu fallen“ und die damit den Wert und die Größe ihrer Vision bezeugen würden.48
  • Eine Elite müsse über den Willen verfügen, zu herrschen.
  • Das britische Empire sei am Verlust des Dienst- und Pflichtethos in seinen nachwachsenden Eliten nach dem Erstem Weltkrieg gescheitert. In dem, was „jeder junge Engländer aus guter Familie in Eton und Oxford“ empfinde, seien sozialistische Utopien sowie „Erotik als Sport und Sport als Beruf und Inhalt des Lebens“ an die Stelle des alten Ethos getreten.49

3.4 Elitenbildung

Papst Pius XI. beschrieb die katholische Soziallehre in seiner Enzyklika „Firmissimam constantiam“ als Schule der Elite im sozialen und politischen Leben. Auch der von Platon entworfene Staat sollte im Wesentlichen ein Erziehungsapparat zur Hervorbringung einer dem Gemeinwohl dienenden Elite bzw. von „Weisen“ und „Wächtern“ sein.

Thomas von Aquin schrieb, dass es in tryannischen Staaten, deren Führung nicht dem Gemeinwohl diene, Elitenbildung meistens gezielt unterbundeb werde, da eine solche Führung davon ausgehen müsse, dass andere Menschen ebenso schlecht seien wie sie selbst und ihre Fähigkeiten nur dafür einsetzen würden, sich an ihre Stelle zu setzen und ebenso tyrannisch zu herrschen. An Aristoteles anknüpfend schreibt er, dass „nur bei jenen tapfere Männer gefunden werden, bei denen die Tapfersten eine besondere Ehrenstellung einnehmen“.50

Das ursprüngliche Ziel klassischer Bildung war Elitenbildung bzw. die Heranbildung von Persönlichkeiten, die zur Führung des Gemeinwesens in der Lage sind und die so in dessen kultureller Tradition verwurzelt sind, dass sie es in ihrem Sinne formen können. Im antiken Rom durchliefen Kandidaten für Ämter und Funktionen in der politischen Elite außerdem den cursus honorum, der mit einem langen Militärdienst begann und mit dem Amt des Konsuls endete. Diese Ämterfolge sollte sie schrittweise auf ihren Dienst vorbereiten.

Dem Philosophen José Ortega y Gasset nach entstehen historische Krisen, wenn die Menschen, die eine kulturelle Tradition übernommen haben, aufgrund des Erfolgs einer Kultur nicht mehr „Fühlung […] mit den Grundproblemen“ nehmen müssen, deren Bewältigung eine bestimmte Tradition hervorgebracht hat. Für den in gesicherten Verhältnissen lebenden Menschen hätten die praktischen Antworten der Tradition „keine Evidenz“ mehr und sei unverständlich geworden. Gleichzeitig erlauben diese gesicherten Verhältnisse es, zunächst ohne sichtbare negative Folgen Teile einer Tradition aufzugeben. Dies werde als Gewinn an Freiheit und Überwindung kultureller Rückständigkeit wahrgenommen.51 Daraus folgt, dass eine Elite, die eine christliche Tradition verteidigen will, die von Ortegy y Gasset erwähnte „Fühlung mit den Grundproblemen“ nicht verlieren darf.

Elitenbildung sei laut Oswald Spengler ein Prozess, der Jahrzehnte dauere. Er setze zunächst die Schaffung von Institutionen und vorbildhaften „Typen“ voraus. Auf dieser Grundlage würde Elitenbildung dann „Gedanken in Menschen […] verwandeln“ und Traditionen schaffen, die durch eine Institution gepflegt und weitergegeben werden könnten. Elitenbildung müsse dürfe auch in ruhigeren Zeiten nicht vernachlässigt werden, damit fähige Eliten in schweren Zeiten verfügbar wären. Doktrinäre Versteinerung sei „die Gefahr des Ordensstaates in friedlichen Zeiten“. Es müssten Vorkehrungen getroffen werden, um Eliten und elitenbildende Institutionen innerlich jung und beweglich zu halten.52

  • Elitenbildende Institutionen müssten am Individuum und seinen Anlagen ansetzen und sie von einem jungen Alter an gezielt durch Vorbild, Beispiel, Unterweisung und Kritik entwickeln.
  • Betonung von Klugheit und Realismus und Konfrontation mit den Bedingungen des Ernstfalls
  • Eliten müssten in erster Linie in höchstem Maße fähig sein. Es komme nicht auf gute Absichten, sondern auf das Können an. Angehörige einer Elite müssten das Gebiet, auf dem sie tätig sind, beherrschen.53
  • Betonung persönlicher Verantwortung und Haftung
  • Vermittlung eines Standesgefühls, das nicht auf Herkunft oder Titeln, sondern auf der „Selbstverständlichkeit hervorragender Leistungen und gewissenhaftester Pflichterfüllung“ beruhe und einen „Stolz der Meisterleistungen“ und ein damit verbundenes Distanzgefühl.
  • Sparsamer Umgang mit Titeln, die nur abhängig von Leistung vergeben werden sollten
  • Feste Hierarchien sollten vermieden werden. Hierarchien sollten abhängig von individueller Leistung hohe Durchlässigkeit aufweisen. Herkunft, Alter und Stand dürften keine Hindernisse für einen Aufstieg in einer Hierarchie darstellen. Umgekehrt solle nicht nach Dienstalter befördert werden. Führung solle flexibel und nach Möglichkeit ohne feste Positionen gestaltet werden, sondern nach dem Auftragsprinzip bei Gewährung von Freiheiten bei der Durchführung des Auftrags. Führungspersonal solle sich für die jeweiligen Aufträge Teams aus geeigneten Personen anlassbezogen zusammenstellen. „Intelligente Disziplin“, geistige Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit sollten in der Elitenschulung betont werden. Führungspersonal sollte sich untereinander flexibel durch mündliche Verständigung abstimmen und nicht über bürokratische Prozesse.
  • Leistungen seien durch die Übertragung größerer Aufgaben und Verantwortung (etwa durch Stellvertretungen) zu belohnen, durch die man  höheren Führungsebenen bekannt werde. Die Forderungen an Charakter, Intelligenz, Arbeitskraft und Entschlossenheit müssten mit dem Aufstieg in einer Hierarchie ständig zunehmen. Ständige Auslese sei zu praktizieren, die zu Beginn mehr auf Prüfung von Anlagen als der des Wissens beruhen solle. Talente sollten durch die Übertragung von Aufgaben frühzeitig erkannt werden. Für die Zeit der erfolgreichen Übertragung besonderer Aufgaben sollten Leistungszulagen gewährt werden. Wo jemand diesen Aufgaben nicht gerecht werde, solle er von diesen abgezogen werden und ggf. eine spätere Chance zu erneuter Bewährung erhalten.
  • Persönliche Vorteile dürften mit dem Dienst nicht oder nur in geringem Maße verbunden sein, damit er nicht diejenige anziehe, die vor allem danach suchen.
  • Förderung von Generalistentum durch Einsätze in verschiedenen Bereichen
  • Betonung von Haltung bzw. „Strammheit im Dienst“ und „Schneid“, körperlicher Kraft und Sekundärtugenden wie Sauberkeit und Pünktlichkeit
  • Entwicklung kultureller Strahlkraft und Vorbildwirkung durch einen auf Stärke und Leistung beruhenden „Glanz“54
3.4.1 Eliten sind nicht beliebig produzierbar

Eliten sind nicht beliebig produzierbar. Ihre Formung erfordert einen Bildungsprozess, für den nicht alle Menschen gleichermaßen ansprechbar sind. Höhe Bildung war ursprünglich ein solcher Bildungsprozess. Wenn diese Menschen zuteil wird, die nicht über die nötigen geistigen und charakterlichen Voraussetzungen verfügen, bringt dieser Prozess nicht Eliten hervor, sondern Anhänger utopischer Ideologien, Extremisten oder zur Übernahme praktischer Verantwortung ungeeignete Intellektuelle. Der Krisenforscher Peter Turchin sah als eine der treibenden Kräfte hinter den Unruhen in den USA, die 2020 zu beobachten waren, perspektivlose Akademiker, die einen revolutionären gesellschaftlichen Bodensatz bildeten. Es sei auffällig, dass in linksradikalen Bewegungen wie der „Antifa“ oder „Black Lives Matter“ viele Absolventen höherer Bildungsinstitutionen seien, die es nicht geschafft hätten, sich Lebensperspektiven zu erarbeiten oder eine produktive Rolle im Gemeinwesen einzunehmen.55

3.5 Die Existenz von Eliten als Forderung der Gerechtigkeit

Rollen und Funktionen nach Faktoren wie Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder persönlichen Beziehungen zu verteilen und zu besetzen ist nach christlicher Vorstellung ungerecht. Ungerecht sind somit nicht nur Nepotismus und Rassenideologien, sondern auch solche Ideologien, die auf einem biologistischen Verständnis von „Vielfalt“ beruhen, wenn sie Faktoren wie Geschlecht oder Herkunft zum Kriterium für die Einnahme einer Rolle oder Funktion machen.

3.6 Die destruktive Kraft der Masse

Christliche Weltanschauung ist aus der Annahme der Unvollkommenheit des Menschen heraus skeptisch gegenüber dem destruktiven Potenzial, das von Massen ausgeht. Sie lehnt das Massenprinzip, das für totalitäre Ideologien typisch ist, sowie die optimistische Betrachtung der Masse die populistische Ideologien kennzeichnet, ab.

Populistische Ideologie betrachtet das Volk im Sinne der Masse als Quelle gemeinwohlfördernder politischer Entscheidungen. Eliten werden von ihr als Gegner des Gemeinwohls angesehen. Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) kritisierte diese Ideologie mit dem Verweis darauf, dass das so definierte Volk in christlicher Weltanschauung nicht nur positiv bewertet werde. Es sei auch der „Ochlos“ bzw. die Masse oder der Pöbel, der Jesus Christus den Tod wünschte und die Freilassung eines Verbrechers forderte.56 Die Masse das Gewissen des Menschen zerstören und ihn „zum Werkzeug des Bösen machen“.57

Demagogen und Populisten stützen ihre Macht meist auf Unterschichten ab, die mit der Aussicht auf revolutionäre Veränderungen mobilisiert werden, in denen Folge den Mitgliedern dieser Unterschichten materielle Vorteile oder ein Gewinn an Status entstehen sollen.

Bereits Aristoteles hatte die „Ochlokratie“ als Verfallsform der Demokratie beschrieben.58 Thomas von Aquin knüpfte daran an, als er vor einer Demokratie warnte, in der „das ganze Volk wie ein einziger Tyrann“ herrsche.59

Der Philosoph Oswald Spengler sah in Massen anarchistische Kräfte wirken. Die Herrschaft der Masse sei die der „Proleten und Parvenüs, die im tiefsten Grunde derselbe Typus sind“. Eine auf Massen und ihre Leidenschaften gestützte politische Ordnung habe stets das Potenzial, zur „Diktatur des Pöbels“ bzw. zur Ochlokratie zu werden. Es sei das Kennzeichen populistischer „Pöbelbewegungen“, dass sie sich auf Ressentiments stützen und ein „verschwommenes Rachegefühl für irgendein Pech“ ansprechen würden. Die Freiheit, die von solchen Ideologien versprochen werde, sei die von „allen Bindungen der Kultur, von jeder Art von Sitte und Form“.60

Massen gehorchen nicht dem Verstand, sondern ihren Stimmungen, und neigen stets dazu, die schlechtesten Teile der Natur des Menschen freizusetzen. Sie sind durch Ansprache niederer Instinkte besonders gut mobilisierbar. Ernst Jünger beschrieb, dass das Unmenschliche gerade im Kollektiven hervortrete. In den Evangelien wird beschrieben, wie die Masse die Freilassung des Kriminellen Barrabas forderte, Jesus Christus aber zum Tode verurteilt sehen wollte.

Christliche Weltanschauung ist daher auch skeptisch gegenüber dem Potenzial der nicht durch republikanische Elemente gemäßigten Demokratie, eine Tyrannei der Mehrheit hervorzubringen. Die Idealisierung des Volkes durch moderne Ideologien stellt in diesem Zusammenhang oft genug nur eine Verherrlichung der Masse und des Mobs dar. Clemens August Graf von Galen sagte in seiner ersten Predigt nach dem Zweiten Krieg vor den Trümmern des Doms von Münster, das der Gedanke, dass alle Gewalt vom Volk ausgehe, Ausdruck der Überschätzung des Menschen sei: „Die Gewalt, die vom Volke ausgeht, haben wir nun erlebt.“

Gustave Le Bon schrieb über die Masse:

„Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet, von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern. Der, der sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr. Der, der sie aufzuklären versucht, stets ihr Opfer.“

Laut dem Militärhistoriker John Keegan mache es die Armee aus, dass sie nicht Masse sei:

„Jeder Kommandeur fürchtet mehr als alles andere – mehr als die Niederlage, ja mehr noch als die Meuterei – , seine Armee könnte aufgrund eines von ihm begangenen Fehlers zur Masse werden. Denn Masse ist die Antithese zur Armee, eine Menschenansammlung nämlich, die nicht der Disziplin, sondern der Stimmung gehorcht, dem Wirken labiler und potentiell ansteckender Emotionen, und wenn sich das ausbreitet, so ist es mit dem Gehorsam seiner Armee vorbei.“61

Udo Di Fabio, ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, sagte 2019, dass die Globalisierung durch die Auflösung traditioneller Bindungen eine Identitätslücke erzeugt habe. Populismus stelle in diesem Zusammenhang die „Folge eines Identitätsdefizits“ dar.62

Dem Philosoph Peter Sloterdijk zufolge sei Populismus die Folge scheiternder Ideologien und des Zynismus ihrer Eliten, die „ihre Gleichgültigkeit gegen die ihnen offiziell zugewiesene Sorge um das Gemeinwohl nicht länger“ leugneten. Hier gebe es es eine „Tendenz zur Enthemmung“ die sich in Abkehr von „Ehre, Anstand, Wahrheitsliebe, Takt und Einfühlung“ äußere. Dies stoße auf einen ebenso enthemmten Zynismus von unten bzw. des „Pöbels“ in Form populistischer Bewegungen, die sich einen „Dispens von den Zumutungen einer allgemeingültigen Moral“ gewährten und durch das Verhalten der Eliten dazu legitimiert fühlten. Die Auftritte eines Donald Trump würden bei seinen Anhängern Begeisterung auslösen, „weil er über Forderungen nach Zivilisierung hinweggeht wie ein rollender Stein.“

  • Die Anhänger populistischer Bewegungen „scheinen entschlossen, sich nicht länger betrügen zu lassen; sie fühlen sich von den Gut-Davongekommenen im Stich gelassen und neigen dazu, der erstbesten falschen Versprechung Raum zu geben“. Sie seien „nicht willens, zu gestehen, dass sie nach einem alternativen Betrug suchen“.
  • In diesen Bewegungen seien „Enthemmungen, die an die schlimmsten Jahre Europas im vorigen Jahrhundert erinnern“, zu beobachten. Der Autor bezieht sich hier auf Rufe auf einer Pegida-Veranstaltung in Dresden, auf der 2018 in Sprechchöre das „Absaufen“ irregulärer Migranten bejahten.
  • Die abendländische Kultur drohe zwischen den zynischen Eliten scheiternder Ideologien und dem Zynismus der Masse zerrieben zu werden. Die abendländisch denkenden „Freunde der Wahrheit“ seien in dieser Lage „kaum noch fähig, ihre Atemnot zu verbergen“.63

Der Soziologin Cornelia Koppetsch zufolge habe die Globalisierung bzw. „der grenzüberschreitende Kapitalismus“ die „Sozialstruktur wie auch die Kultur umgepflügt“.  Dies erzeuge kulturelle Konflikte. Immer mehr Menschen würden als als „Fremde im eigenen Land“ empfinden. Die Wahrnehmung, dass nichts mehr bleibe „was man als eigenes Vermächtnis an die nächste Generation weitergeben könnte“ sowie die „Entsolidarisierung“ seitens gesellschaftlicher Eliten von der Bevölkerung führe zu Frustration und fördere Populismus.64

Der Politikwissenschaftlerin Margaret Canovan zufolge entstehe Populismus, wenn eine von einer Modernisierungskrise in ihren Interessen bedrohte soziale Gruppe sich gegen die politische Elite organisiere, die Träger und Förderer dieser Modernisierung sei und diese diese als Fortschritt betrachten. Populisten würden direkte Demokratie anstelle der repräsentativen Demokratie befürworten und die Masse positiv sowie Eliten negativ bewerten. Populisten würden emotionale Botschaften sowie Themen in den Vordergrund stellen, welche die Emotionen und die unmittelbaren materiellen Interessen ihrer Zielgruppe in den Vordergrund stellen würden. Während Linkspopulismus Umverteilung zu diesen Zielgruppen betone, würde Rechtspopulismus sich vor allem gegen Steuern und Abgaben richten oder Innere Sicherheit und Migration problematisieren.65

Ernst Jünger unterschied zwischen der Masse und dem Lumpenproletariat. Letzteres hätte eine deutlich größere destruktive Kraft, was der Kommunismus zutreffend erkannt habe. Die Masse gehöre immer noch „der Welt der allgemeinen Begriffe“ an. Sie sei „moralisch bewegt“ und bilde sich „im Zustande der Erregungen und Entrüstungen“ auf der Grundlage der Überzeugung, dass ihr Gegner böse sei. Das Lumpenproletariat hingegen stehe „außerhalb der moralischen Wertungen“ und sei „bei jeder Erschütterung der Ordnung […] zum Zugriff bereit“. Die Masse könne mit geringem Druck aufgelöst werden, aber das Lumpenproletariat bilde kämpfende Rudel. Während die Gewalt der Masse blind und spontan sei, sei das Lumpenproletariat „mit den Genüssen der Folter vertraut“.66

3.1 Die Masse aus religiöser Sicht

Sören Kierkegaard wandte sich Mitte des 19. Jahrhunderts gegen das Ideal der Volkskirche. Es könne nicht das Ziel von Christen sein, „mehr Titularchristen zu schaffen“ oder „dazu beizutragen, die Millionen darin zu bestärken, dass sie Christen seien“. Das „Kennzeichen der Christlichkeit“ sei das Gegenteil dessen, was „Kennzeichen der Weltlichkeit“ sei. Man müsse das Christentum von solchen „Bataillonen von Christen“ unterscheiden. Menge sei Unwahrheit, und Unwahrheit sei es, „wirken zu wollen mit Menge, mit dem Numerischen, das Numerische zur Instanz dafür machen zu wollen, was Wahrheit ist.“67

4. Deformierte Äußerungen von Autorität und Hierarchie

Der katholische Schriftsteller Anton Kellen (1869-1948) verfasste unter dem Pseudonym „J. von Eltz“ eines der erfolgreichsten Bücher zum Thema Etikette in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Er beobachtete in der damaligen Gesellschaft eine Tendenz zum „Dünkel“, zur „Großmannssucht“ sowie zur Eitelkeit, die sich auf dem Beharren auf dem eigenen Rang oder Titel in unangemessenen Situationen äußere. Er beschrieb in diesem Zusammenhang Anekdoten über Menschen die sich gegenüber anderen unangemessen verhielten und bei Widerspruch darauf verwiesen, ob man nicht wisse „wen man vor sich habe“.68 Es gebe Menschen, „die nur auf Stand, Rang und Titel halten“ und dabei Bescheidenheit und Höflichkeit fallen ließen. Frauen seien hier „oft noch schlimmer als die Männer“, was eine Anekdote über zwei vornehme Damen illustriere, die mit ihren Kutschen über Stunden eine Straße blockiert hätten, weil keine der anderen habe ausweichen wollen.69

Zu den deformierten Äußerungen von Autorität und Hierarchie zähle auch „Untertänigkeit“ bzw. das „Kriechen nach oben und das Brutalisieren nach unten“. Die Ursache für solches Verhalten seien Charakterfehler.70

Quellen

  1. Richard Hauser: „Autorität“, in: Görres-Gesellschaft (Hrsg.): Staatslexikon, Band 1, Freiburg i. Br. 1957, Sp. 808-826, hier: Sp. 808 f.
  2. Georg von Hertling: „Autorität“, in: Hermann Sacher (Hrsg.): Staatslexikon, Band 1, Freiburg i. Br. 1926, Sp. 537-540.
  3. Flagranti cura.
  4. Richard Heinze: „Auctoritas“, Hermes, Nr. 60, 1925, S. 348–366, hier: S. 354.
  5. Res Gestae 34.
  6. KKK 1919
  7. Joseph Kardinal Höffner: Christliche Gesellschaftslehre. Studienausgabe, 4. Aufl., Kevelaer 1983, S. 50.
  8. Pacem in terris
  9. KKK 1921
  10. Röm 13,1.
  11. Zit. nach Quas primas 21.
  12. Charles Taylor: A Secular Age, Cambridge 2007, S. 60.
  13. Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Elite. Erziehung für den Ernstfall, Asendorf 1984, S. 9.
  14. Richard Hauser: „Autorität“, in: Görres-Gesellschaft (Hrsg.): Staatslexikon, Band 1, Freiburg i. Br. 1957, Sp. 808-826, hier: Sp. 821.
  15. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.): Salz der Erde. Christentum und katholische Kirche im 21. Jahrhundert, München 1996, S. 203.
  16. Mulieris dignitatem 27.
  17. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, I, 1.
  18. Arnold Gehlen: „Das Elitenproblem“, in: Ders.: Gesamtausgabe, Band 7, Frankfurt a. M. 1978.
  19. Ludwig von Mises: Bureaucracy, New Haven 1944, S. 78.
  20. Hans-Joachim Schoeps: Konservative Erneuerung. Ideen zur deutschen Politik, 2. Aufl., Berlin 1963, S. 118.
  21. Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Elite. Erziehung für den Ernstfall, Asendorf 1984, S. 8.
  22. Ebd., S. 16.
  23. Ebd., S. 65.
  24. Ebd., S. 70.
  25. Ebd., S. 39 ff.
  26. Paul Berman: „Three Theories of the Rise of Trump“, tabletmag.com, 06.02.2018.
  27. Russell Kirk: „T. S. Eliot’s Permanent Things“, in: George A. Panichas (Hrsg.): The Essential Russell Kirk: Selected Essays, Wilmington 2007, S. 166-175, hier: S. 173.
  28. Nassim Nicholas Taleb: Das Risiko und sein Preis. Skin in the Game, München 2018.
  29. Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation, Band 2, Franfurt am Main 1976, S. 342.
  30. Hilaire Belloc: Die großen Häresien, Bad Schmiedeberg 2019, S. 208.
  31. Hans-Joachim Schoeps: Konservative Erneuerung. Ideen zur deutschen Politik, 2. Aufl., Berlin 1963.
  32. Amy Chua/Jed Rubenfeld: The Triple Package: How Three Unlikely Traits Explain the Rise and Fall of Cultural Groups in America, New York 2014.
  33. Walter Lippmann: Public Opinion, New York 1922, S. 234 ff.
  34. Sind die Fehler aus 2015 eine Hypothek für die Coronakrise, Herr Lauterbach?“, cicero.de, 30.11.2020.
  35. Gerd-Klaus Kaltenbrunner: Elite. Erziehung für den Ernstfall, Asendorf 1984, S. 70.
  36. Zit. nach Kaltenbrunner 1984, S. 69.
  37. Benignitas et humanitas 20.
  38. Heike Schmoll: Lob der Elite. Warum wir sie brauchen, München 2008, S. 150 ff.
  39. Werner Schöllgen: „Ethos“, in: Staatslexikon, Band 3, Freiburg i. Br. 1959, Sp. 56-58.
  40. Zit. nach Russell Kirk: „The Framers: Not Philosophers but Gentlemen“, in: George A. Panichas (Hrsg.): The Essential Russell Kirk: Selected Essays, Wilmington 2007, S. 450-460, hier: S. 451.
  41. Crane Brinton: Anatomie der Revolution, Wien 2018.
  42. Oswald Spengler: Politische Schriften, München 1933, S. 4-5.
  43. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 32-33.
  44. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 59.
  45. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 63.
  46. Oswald Spengler: Politische Schriften, München 1933, S. 42.
  47. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 46 f.
  48. Oswald Spengler: Politische Schriften, München 1933, S. 10-13.
  49. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 53.
  50. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 16.
  51. José Ortega y Gasset: Das Wesen geschichtlicher Krisen, Stuttgart 1951, S. 54 f.
  52. Oswald Spengler: Politische Schriften, München 1933, S. 218.
  53. Oswald Spengler: „Politische Pflichten der deutschen Jugend“, in: Ders.: Politische Schriften, München 1933, S. 128-156, hier: S. 151.
  54. Oswald Spengler: „Neubau des Deutschen Reiches“, in: Ders.: Politische Schriften, München 1932, S. 185-296.
  55. Andreas Mink: „Bürgerkrieg in den USA, Unruhen in Europa“, NZZ am Sonntag, 20.12.2020.
  56. Benedikt XVI./Joseph Ratzinger: Die Freiheit befreien. Glaube und Politik im dritten Jahrtausend, Freiburg im Breisgau 2018, S. 27.
  57. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.): Gott und die Welt. Glauben und Leben in unserer Zeit, München 2005, S. 357.
  58. Aristoteles: Nikomachische Ethik
  59. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 9.
  60. Oswald Spengler: Jahre der Entscheidung, München 1933, S. 67 f.
  61. Zit. nach Hans-Peter Stein: Symbole und Zeremoniell in den deutschen Streitkräften vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, Bonn 1984, S. 127.
  62. Udo Di Fabio: „Die Verwandlung der westlichen Demokratien“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2019.
  63. „35 Jahre nach der ‚Kritik der zynischen Vernunft‘: Peter Sloterdijk seziert das zynische Bewusstsein zu Beginn des 21. Jahrhunderts“, nzz.ch, 29.12.2018.
  64. „‚Den Streit mit den Rechtspopulisten muss man aushalten‘“, nzz.ch, 17.05.2019.
  65. Margaret Canovan: Populism, London 1981.
  66. Ernst Jünger: „Über den Schmerz“, in: Ders.: Blätter und Steine, Hamburg 1942, S. 157-216, hier: S. 187.
  67. Sören Kierkegaard: Die Schriften über sich selbst, Düsseldorf/Köln 1964, S. 120.
  68. J. von Eltz: Lebens- und Anstandsfragen, Essen 1909, S. 439.
  69. Ebd., S. 414.
  70. Ebd., S. 443.