Stand: 11.01.2021

Patriotismus im Sinne der abendländischen politischen Philosophie ist das Eintreten für das Gemeinwohl der eigenen Nation als Ausdruck der Wahrnehmung der eigenen Verantwortung dieser gegenüber, das aus Bindung an sie erwächst. Dieser Patriotismus, der aus der Perspektive der christlichen Soziallehre zu den Tugenden zählt, schließt somit eine blinde Unterstützung der Regierung eines Landes oder der Tendenzen, welche die Masse seiner Bewohner bestimmen, ebenso aus wie die Verachtung des Eigenen. Er stützt sich auf die Vorstellung einer heiligen Nation, mit der die in der Welt existierende Nation in Übereinstimmung gebracht werden muss. Patrioten, die im Kontext dieses Erbes denken und handeln, haben sich aufgrund der erwähnten Verantwortung und Bindung heraus immer wieder gegen Regierung und Masse gestellt, um dem Gemeinwohl durch Heiligung ihrer Nation zu dienen.

1. Patriotismus als Forderung der christlichen Soziallehre

Christliche Weltanschauung griff bereits in der Antike den Begriff der patria bzw. des Vaterlandes auf. Augustinus lehnte sich an die Definition Ciceros an, der von patria naturae (der Nation, der man durch Abstammung angehöre) und der patria civitatis (dem Staat, dem man durch eine Entscheidung angehöre) sprach und ergänzte, dass die eigentliche Heimat des Menschen nicht diese Welt sei.1 Patriotismus kann sich auf jede Form von patria beziehen.

Von Anfang an traten Christen in den Gemeinwesen, in denen sie lebten, als Patrioten in Erscheinung. Hugo Rahner sprach von „Vaterlandsliebe der Märtyrerkirche“.2 Augustinus bezeichnete die „Vaterlandsliebe“ als eine der Tugenden.3

Völker sind die Träger einer besonderen Kulturidee, die sich auf gemeinsame Überlieferung, Kultur und Geschichte stützt. Die Existenz von Völkern ist eine Folge der Natur des Menschen als Gemeinschaftswesen verbunden. Oberhalb der Ebene der Großfamilie bzw. des Stammes sind Völker natürliche gemeinwohlfähige Subjekte und als solche schützenswert. Christen sind gemäß der Lehre der katholischen Kirche daher zu Patriotismus verpflichtet:

„Die Heimatliebe und der Einsatz für das Vaterland sind Dankespflichten und entsprechen der Ordnung der Liebe. Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Autoritäten und Einsatzbereitschaft für das Gemeinwohl verlangen von den Bürgern, ihre Aufgabe im Leben der staatlichen Gemeinschaft zu erfüllen.“4

Der katholische Theologe Günter Stemberger sprach davon, dass die heilige Johanna von Orleans „eine der großen Frauengestalten der Geschichte“ gewesen sei. Sie sei von einem „von religiösem Sendungsbewußtsein getragenen Patriotismus“ erfüllt gewesen.5

Thomas von Aquin sah im Patriotismus eine moralische Pflicht. So wie man die Pflicht habe, sich für das Wohl der eigenen Familie in besonderem Maße einzusetzen, müsse man sich auch für das Wohl der eigenen Nation einsetzen.6

Papst Pius X. schrieb: „Wäre der Katholizismus vaterlandsfeindlich, so wäre er keine göttliche Religion mehr. Vaterland ist ein heiliger Name […]. Da sind wir ja geboren und daran binden uns Bande des Blutes und edle Gesinnung und Überlieferung. Darum verdient es nicht nur unsere Liebe, sondern unsere Vorliebe.“7

Papst Johannes Paul II. schuf eine Theologie der Nation und beschrieb einen christlichen Patriotismus, der dem Wohl einzelner Menschen, dem Gemeinwohl einzelner Nationen und dem globalen Gemeinwohl gleichermaßen dient. Dieser christlicher Patriotismus wirkt sowohl den Exzessen eines auf Kosten anderer Nationen betriebenen Nationalismus als auch den Exzessen der nach Auflösung von Nationen strebenden neo-marxistischen und postmodernen Ideologien entgegen. Er beruhe auf dem vierten Gebot, Vater und Mutter zu ehren. Die Forderung dieses Gebots erstreckten sich in Erweiterung auch auf die Nation, weshalb dieses eine Forderung nach Patriotismus als Form gemeinschaftsbezogener Nächstenliebe beinhalte.8

Er verurteilte ein Verständnis von Freiheit, das nach der Auflösung von Bindungen strebe. Ein Liberalismus, der so denke und handele, könne „nur als primitiv bezeichnet werden“ und sein Einfluss sei „potenziell zerstörerisch“.9 Freiheit sei eine Eigenschaft des Willens. Der Mensch werde durch die Erlangung von Tugend frei und diese Freiheit verwirkliche sich in der Bindung bzw. im Dienst am Nächsten. Der freie Mensch sei somit nicht frei von Bindungen, sondern zeichne sich durch die Kraft und den Willen aus, für andere Opfer zu bringen.10

Patriotismus sei eine Forderung des vierten Gebots und Ausdruck einer Haltung der „Vaterschaft und der Weitergabe des Lebens“. So verstanden besitze er einen hohen moralischen Wert.11 Patriotismus beruhe zudem auf der  Wahrnehmung einer inneren Bindung an eine Nation bzw. an eine bestimmte kulturelle Gemeinschaft, die einen geschlossenen Raum bewohne. Patriotismus sei zudem eine Form der praktizierten Nächstenliebe:

„Patriotismus bedeutet Liebe zu allem, was zum Vaterland gehört: zu seiner Geschichte, seinen Traditionen, seiner Sprache und seiner eigenen Beschaffenheit. Es ist eine Liebe, die sich auch auf die Werke der eigenen Landsleute und auf die Früchte ihres Geistes erstreckt. Jede Gefahr, die das große Gut des Vaterlands bedroht, wird zu einer Gelegenheit, diese Liebe zu überprüfen. […] [I]ch glaube, dass das eine Erfahrung jedes Landes und jeder Nation Europas und der Welt ist.

Das Vaterland ist ein gemeinsames Gut aller Bürger und als solches auch eine große Verpflichtung.“12

Wie jede echte Liebe erfordere auch die Liebe zum Vaterland Dienst und Opferbereitschaft:

„Aufgrund der polnischen Geschichte wissen wir aus Erfahrung, wie sehr der Gedanke an die ewige Heimat die Bereitschaft, der irdischen Heimat zu dienen, begünstigt hat, indem er die Menschen veranlasste, für sie Opfer aller Art auf sich zu nehmen – Opfer von nicht selten heroischem Grad. Die Heiligen, die im Laufe der Geschichte, uns besonders in den letzten Jahrhunderten zur Ehre der Altäre erhoben wurden, verdeutlichen dies in eindrucksvoller Weise.“13

Christlicher Patriotismus sei außerdem nicht gegen andere Nationen gerichtet, sondern trete für die „Brüderlichkeit der Völker“ ein, die als gleichwertig betrachtet würden.14

Papst Johannnes Paul II. äußerte sich 1985 in einem Aufruf an Jugendliche auch über kulturelle Kontinuität und den Einsatz für das eigene Gemeinwesen als christliche Aufträge. Diese seien eine Konsequenz aus dem vierten Gebot, das es Christen aufträgt, Vater und Mutter zu ehren. Über die eigenen Eltern erhalte man auch das kulturelle Erbe der Gemeinschaft vermittelt, der man angehöre. Vater und Mutter zu ehren erfordere daher auch, dieses Erbe weiterzugeben:

„Das Erbe, das er übernimmt, verbindet ihn fest mit denen, die es ihm übertragen haben und denen er soviel verdankt. Er seinerseits – er und sie – wird fortfahren, dieses Erbe weiterzugeben. Deshalb besitzt auch das vierte der Zehn Gebote eine so große Bedeutung: ‚Ehre deinen Vater und deine Mutter‘ […]. Es handelt sich hier vor allem um das Erbe des Menschseins und dann auch um das Menschsein in einer näher bestimmten persönlichen und sozialen Situation. Hier hat sogar die leibliche Ähnlichkeit mit den Eltern ihre Bedeutung.“

Völker und Nationen seien als Erweiterungen der Familie bzw. als „größere Familie“ zu verstehen, und die Bindung an von Vater und Mutter setze sich entsprechend in der Bindung an ein Volk oder eine Nation fort:

„Diese Bindung hat einen weiteren Rahmen als die Familie mit ihrem Lebensraum. Ein solcher Rahmen ist wenigstens ein Stamm, meistens aber ein Volk oder die Nation, in der ihr geboren seid. So erweitert sich das Erbe aus der Familie. Durch die Erziehung in eurer Familie nehmt ihr an einer bestimmten Kultur und auch an der Geschichte eures Volkes oder eurer Nation teil. Das familiäre Band bedeutet zugleich die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die größer ist als die Familie, woraus sich eine weitere Basis für die Identität der Person ergibt.  […] Wenn ihr dieses gesellschaftliche Band erfahrt, das viel weiter ist als die familiäre Bindung, beginnt ihr auch stufenweise teilzunehmen an der Verantwortung für das Allgemeinwohl jener größeren Familie, die das irdische ‚Vaterland‘ eines jeden von euch ist.“

Es sei daher einer der sozialen Aufträge des Christen, das kulturelle Erbe der eigenen Nation zu pflegen und weiterzugeben:

„Dieses Erbe stellt zugleich eine moralische Aufgabe dar. Indem ihr den Glauben übernehmt und die Werte und Inhalte erbt, die zusammen die Kultur eurer Gesellschaft, die Geschichte eurer Nation bilden, wird jeder von euch in seinem individuellen Menschsein geistig ausgestattet. […] Vor diesem Erbe können wir nicht in einer passiven oder sogar ablehnenden Haltung verharren, wie es der letzte jener Arbeiter gemacht hat, die im Gleichnis von den Talenten genannt werden (Vgl. Mt 25,14-30; Lk 19,12-26). Wir müssen alles tun, was wir können, um dieses geistige Erbe aufzunehmen und zu bestätigen, es zu erhalten und zu fördern. Diese Aufgabe ist wichtig für alle Gesellschaften, besonders aber wohl für jene, die sich am Anfang ihrer autonomen Existenz befinden, oder auch für jene, die diese Existenz und ihre wesentliche nationale Identität vor der Gefahr äußerer Zerstörung oder innerer Auflösung verteidigen müssen.“15

Entsprechende Deutungen des vierten Gebotes beziehen sich vor allem auf einen Familien- bzw. Abstammungsbegriff, der in dem Kontext verstanden werden muss, in dem das Gebot offenbart wurde. Zur Zeit des Alten Testaments wurde die Familie nicht als moderne Kleinfamilie betrachtet, sondern als erweiterter Verwandschaftskreis verstanden, der letztlich das gesamte (in diesem Fall jüdische) Volk mit einschloß. Auch wenn es immer wieder Versuche gab, die jüdischen Wurzeln des Christentums zu leugnen, so ist es doch unmöglich, zentrale Inhalte des Christentums zu verstehen, ohne auf diese Wurzeln Bezug zu nehmen.

Christlicher Patriotismus strebt danach, dem eigenen Gemeinwesen zu dienen. Man dient ihm, weil man ihm gegenüber eine auf Bindungen beruhende Solidaritätspflicht besitzt. Man ehrt seine Eltern nicht, weil sie allen anderen Eltern überlegen sind, sondern weil sie die eigenen Eltern sind, denen man zumindest seine physische Existenz und im Fall christlicher Eltern auch die Vermittlung des religiösen und kulturellen Erbes sowie andere Dinge verdankt. Dieses Verständnis von Patriotismus unterscheidet sich von einem nichtchristlichen Verständnis, das Patriotismus mit der Annahme verbindet, dass die eigene Nation anderen überlegen sei und auf deren Kosten handeln dürfe. Eine blinde Verherrlichung der eigenen Nation ist christlichem Patriotismus fremd. Ein christlicher Patriot nimmt steht die Mängel und Defizite wahr, die ein Gemeinwesen gemessen am Ideal des Heiligen stets haben muss. Er dient ihm, in dem er das Gemeinwesen in stärkere Übereinstimmung mit diesem Ideal zu bringen versucht.

Wenn Christen sagen, dass dass sie ihre Nation lieben, dann meinen sie nicht, dass sie ihr gegenüber positive Gefühle empfinden wie es die moderne Bedeutung des Begriffs „Liebe“ nahelegt, sondern dass sie ihrem Wohl im Sinne des christlichen Begriffs der Nächstenliebe dienen wollen.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) betonte, dass Christen in allen Staaten in denen Patrioten sein müssten, auch in solchen, die ihnen ablehnend gegenüberstehen. In jeder Lage müssten Christen versuchen, Staaten aufzubauen und das Gute in ihnen zu stärken. Die vom Propheten Jeremia wiedergegebene entsprechende Weisung sei  eine „Anweisung zum Überleben und zugleich zur Vorbereitung des Besseren“:

„Der Christ ist in dem Sinn immer staatserhaltend, dass er das Positive, das Gute tut, das die Staaten zusammenhält. Er hat nicht die Furcht, dass er damit die Macht des Bösen begünstigt, sondern er ist überzeugt, dass immer nur die Stärkung des Guten das Böse abbauen und die Macht des Bösen die der Bösen verringern kann.“16

Ziel sei es, dass Christen gemäß der Worte des hl. Apostels Paulus „ein ruhiges und friedvolles Leben in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit führen“ könnten.17 Christen sollten „einen guten Lebenswandel unter den Völkern“ führen.18 Diese sollen „unser moralisches Tun sehen“.19. Christen seien auch dadurch Patrioten, dass sie keine Straftaten begingen, die Gesetze achteten und sich nicht in fremde Angelegenheiten einmischten.20

Die Lehre der katholischen Kirche betont, dass das vierte Gebot von Christen verlangt, „den Vorfahren Ehre, Liebe und Dank zu erweisen“. Dies sei Grundlage einer besonderen Verpflichtung „der Bürger gegenüber ihrem Vaterland“.21 Dies geht zurück auf Gedanken Thomas von Aquins:

„Also nach Gott ist der Mensch am meisten Schuldner den Eltern und dem Vaterlande. Wie somit es zur Gottesverehrung gehört, an erster Stelle Gott einen Kult darzubringen; so geht es die Hingebung oder Pietät an, an zweiter Stelle die Eltern und das Vaterland zu ehren. In der den Eltern erwiesenen Ehre ist nun eingeschlossen die den Blutsverwandten gegenüber; denn blutsverwandt sind eben Personen deshalb, weil sie von den nämlichen Eltern abstammen. Und in der dem Vaterlande erwiesenen Hingebung ist eingeschlossen die allen Mitbürgern gegenüber und allen Freunden des Vaterlandes.“22

Papst Franziskus äußerte sich ebenfalls positiv über Patriotismus und kritisierte eine „Offenheit, die ihr Wertvollstes preisgibt“, um dadurch vermeintlichem Nationalismus entgegenzuwirken:

  • Es gebe „keine Offenheit zwischen den Völkern ohne die Liebe zum eigenen Land und seinen Menschen sowie zu ihren jeweiligen kulturellen Eigenheiten“. Man könne dem Fremden nicht begegnen, „wenn ich keinen Nährboden habe, in dem ich fest verwurzelt bin, denn auf dieser Grundlage kann ich das Geschenk des anderen annehmen und ihm etwas Authentisches anbieten“. Man könne Fremde „nur dann annehmen und ihren spezifischen Beitrag anerkennen, wenn man selbst fest mit dem eigenen Volk und seiner Kultur verbunden ist“. Jeder Mensch müsse Verantwortung für sein Land übernehmen und „sein Zuhause lieben und pflegen […] damit es nicht zusammenbricht, denn die Nachbarn werden das nicht tun“. Das Wohl der Welt erfordere es, „dass jeder sein eigenes Land schützt und liebt“.23
  • Die Verwurzelung in einer nationalen Identität bzw. die „Erfahrung, an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Kultur zu leben“, sei die „Voraussetzung für einen gesunden und bereichernden Austausch“ zwischen den Völkern und Kulturen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang das Streben nach „einer homogenen, einheitlichen und standardisierten“ Welt, in der die Unterschiede zwischen den Völkern und Kulturen ausgelöscht seien. Dieses sei Ausdruck der „Versuchung, von der die uralte Geschichte des Turmbaus zu Babel handelt“. Der „Bau eines Turms, der bis in den Himmel ragen sollte, drückte nicht die Einheit unter den verschiedenen Völkern aus, die in der Lage waren, entsprechend ihrer Verschiedenheit zu kommunizieren“, sondern stelle einen aus Stolz geborenen Versuch dazu dar, „eine andere Art von Einheit zu schaffen als die, die Gott für die Völker vorgesehen hatte“.24
  • Er verurteilte zudem „eine falsche Offenheit für das Universale, die von der leeren Oberflächlichkeit derjenigen herrührt, die nicht in der Lage sind, ihr eigenes Heimatland wirklich zu verstehen, oder von denen, die einen nicht überwundenen Groll gegen ihr eigenes Volk hegen“. Der Einsatz für Anliegen jenseits der eigenen Nation dürfe nicht den „Charakter einer Flucht oder einer Entwurzelung haben“. Es sei „notwendig, die Wurzeln in den fruchtbaren Boden zu senken und in die Geschichte des eigenen Ortes, die ein Geschenk Gottes ist“. Man „arbeitet im Kleinen, mit dem, was in der Nähe ist“, ohne dabei die größere Perspektive aus den Augen zu verlieren.25
  • Eine „gesunde Offenheit“ stehe „nie im Gegensatz zur eigenen Identität“.26 Es sei „ein gesundes Verhältnis zwischen der Liebe zum eigenen Land und der inneren Verbundenheit mit der gesamten Menschheit zu fördern“. Jede Nation und Kultur sei ein Teil der „größeren Familie“ der Nationen sowie ein Teil „dieses Geflechts universaler Gemeinschaft und findet dort zu ihrer je eigenen Schönheit“.27 Die Besonderheiten der Völker und Kulturen dürften sich „nicht in der Universalität auflösen“. Eine „echte Weltoffenheit“ öffne sich „dem Nächsten in einer Familie von Nationen“. 28

Papst Leo XIII. schrieb 1890, dass Menschen „nach dem Naturgesetz eine besondere Liebe“ dem „Staat, in dem wir geboren und erzogen sind“, so „dass ein guter Bürger für das Vaterland selbst den Tod nicht scheuen darf“. Für Christen sei die Liebe zu Gott und seiner Kirche dem jedoch übergeordnet, weil dies für das ewige Leben der Seele wichtig sei und dadurch ein höheres Gut des Menschen verwirklicht werde. Die „übernatürliche Liebe zur Kirche und die natürliche Liebe zum Vaterland“ würden jedoch „aus einer und derselben ewigen Quelle fließen: sie sind Zwillingsschwestern und haben beide Gott zum Vater und Urheber“. Es gebe daher keinen Widerspruch zwischen den daraus folgenden Verpflichtungen.29

Der Politikwissenschaftler und katholische Sozialethiker Martin Spieker betrachtet den Nationalstaat als größte Form der Solidargemeinschaft:

„Der Staat als der größte verfasste Solidarverband ist selbst Ausdruck der Solidarität. Er wird konstituiert durch ein Volk, ein umgrenztes Territorium und eine Verfassung, der eine gemeinsame Idee von Freiheit, Gerechtigkeit und politischer Willensbildung zugrunde liegt, sowie durch eine entscheidungs- und durchsetzungsfähige Staatsgewalt. Der Staat ist ebenso Bedingung wie Ergebnis einer funktionierenden Rechts- und Verfassungsordnung.“30

Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner unterstrich 1985 die Bejahung des Patriotismus durch die christliche Soziallehre:

„Mir scheint, daß die Zeit gekommen ist, sich bei uns wieder auf die christliche Botschaft vom Verhältnis des Menschen zum Volk, zum Vaterland, zum Staat zu besinnen. Nach christlichem Verständnis gründet die Liebe zum Vaterland in der ehrfürchtigen Hingabe jenen gegenüber, denen wir unseren Ursprung verdanken: Gott, unseren Eltern und dem Land unserer Väter, wo unsere Wiege stand, dem Land, dem wir durch die gemeinsame Heimat, die gemeinsame Abstammung, die gemeinsame Geschichte die gemeinsame Kultur, die gemeinsame Sprache schicksalshaft verbunden sind.“31

Die erste Auflage des im Herder-Verlag erschienenen katholischen „Lexikons für Theologie und Kirche“ erklärt in diesem Zusammenhang das Verhältnis von christlichem Glaube und natürlicher Bindung an die eigene Heimat aus katholischer Sicht:

„Vaterland, das Land, das uns Vater ist, das uns geboren, genährt, gestaltet und körperlich-geistig eingebettet hat. Vaterland ist das Land unseres Volkes, dessen Kinder wir sind, das mit […] seinem geschichtlichen Sein und Streben in uns eingegangen und uns ein über die Familie und Heimat hinausreichendes Leben geschenkt hat. […]

Ähnlich wie Familie und Heimat ist Vaterland ein Geschenk des ‚Schicksals‘. Wir werden bis zu einem sehr hohen Grad zwangsläufig in die volkhafte, nationale und staatliche Einheit hineingestellt und hineinentwickelt. Hier liegt der erste Ansatz für eine religiöse Wertung. Denn dem gläubigen Menschen ist das Schicksal Fügung und Führung Gottes im Dienste eines ewigen Zieles. So empfangen die im Volk und Vaterland ruhenden Werte unter religiösen Blick eine höhere Weihe.

Heimat- und Vaterlandsgefühl verleiht dem Menschen das Bewußtsein eines unzerstörbaren Hausrechts, eines seeligen Standorts, eines Verbundensein mit Menschen seiner Art und Sprache. Darin steckt ein ethischer Wert, denn für die meisten wirkt das Gefühl vollkommener Vereinsamung selig zerstörend. […]

Vaterlandsliebe zählt zu den wertvollsten Gütern des irdischen Daseins. Vaterlandsliebe ist ein Edelwert, der von der Kirche geschätzt und geschützt wird. Wie einen ungesunden Nationalismus, der die Lebensrechte anderer Völker mißachtet, lehnt sie sowohl den falschen Internationalismus, der das Vaterland verleugnet, wie den unrichtigen Pazifismus, der es wehrlos macht, entschieden ab. Aber Vaterlandsliebe ist ein Wert der im Gesamtreich der Werte und Willen Gottes begründet ist, eingeordnet bleiben muß und eben darin seine wahre Bedeutung erlebt.“

Papst Leo XIII. schrieb 1890, dass das Naturrecht es erfordere, dass Menschen ihm Rahmen ihrer übergeordneten Pflichten als Christent für das Land, aus dem sie stammen, einsetzen und es verteidigen.

Papst Johannes XXIII. schrieb in seiner Enzyklika „Mater et magistra“ 1961:

„‚Die Kirche Christi‘, so spricht Unser Vorgänger Pius XII. das klar aus, „als treue Hüterin der göttlichen Erziehungsweisheit, kann nicht daran denken und denkt nicht daran, die Eigentümlichkeiten anzutasten oder ihnen ihre Ächtung zu versagen, die jedes Volk mit empfindlicher Ehrfurcht und begreiflichem Stolz bewahrt und als kostbares Erbe betrachtet. […] Alle Bemühungen und Forderungen nach einer sinnvollen Entwicklung und Entfaltung der Anlagen und Kräfte und Bestrebungen, die im verborgenen Innern jedes Stammes schlummern, begrüßt die Kirche mit Freuden und begleitet sie mit ihren mütterlichen Wünschen, vorausgesetzt daß sie nicht im Widerstreit stehen mit den Pflichten, die sich aus der Einheit ihres Ursprungs und ihrer gemeinsamen Bestimmung für die Menschheit ergeben.“

Das Zweite Vatikanische Konzil betonte die Bedeutung einer „hochherzigen und treuen Vaterlandsliebe“, die sich innerhalb der Pflichten gegenüber der „ganzen Menschheitsfamilie“ bewege und nicht gegen diese angelegt sei.32

Mit dem Eintritt in das Christentum tritt der Mensch auch in die christliche Kultur des Dienstes ein und nimmt eine christliche Identität an. Diese ersetzt oder verdrängt nicht die bisherige kulturelle Prägung eines Menschen, sondern verbindet sich mit dieser und veredelt sie.33

Thomas von Aquin knüpfte in seiner Arbeit an die Tugendlehre der Antike an und griff in diesem Zusammenhang auch das Konzept der „Pietas“ auf. Diese Tugend beinhaltet die Aspekte der Nächstenliebe, die sich auf soziale Bindungen, etwa die an Familie und Nation beziehen. Der Nation schulde der Mensch Liebe (im Sinne von Dienst bzw. Caritas), während er dem Staat Loyalität schulde.35

Laut Anthony Esolen habe der römische Dichter Vergil die Pietas als die Tugend des Aenaeas, des mythischen Stammvaters der Römer, beschrieben. Seine prägende Eigenschaft sei es gewesen, dass er seine Pflicht gegenüber Gott, Nation und Familie erfüllen wollte.36

Laut Kardinal Raymond Burke sei Patriotismus eine Erfordernis des Naturrechts bzw. des Gebotes, Vater und Mutzer zu ehren. Patriotismus beruhe auf der Anerkennung der Natur des Menschen als Gemeinschaftswesen, das Teil einer Familie und einer Nation sei. Aus diesen Bindungen ergäben sich Pflichten, was Grundlage des Patriotismus sei. Patriotismus sei zugleich auch eine Form der praktizierten Nächstenliebe, die sich auf eine konkrete Gemeinschaft von Menschen beziehe und einer abstrakten und daher kaum konkret praktizierbaren allgemeinen Menschheitsliebe überlegen sei. Als Form der Nächstenliebe erkenne der Patriotismus zugleich die Identitäten anderer Völker und Kulturen an.37

Erzbischof Charles Chaput aus Philadelphia (USA) rief 2017 Christen zu Patriotismus und zum Dienst an den Gemeinwesen auf, in denen sie leben. Es läge in der Natur des Menschen, an einen Ort und eine Gemeinschaft gebunden zu sein. Die eigenen Wurzeln abzulehnen und keine Liebe gegenüber der eigenen Heimat zu empfinden sei Ausdruck einer fragwürdigen Einstellung, die nicht zum Dienst an einem Gemeinwesen in der Lage sei.

Kardinal Reinhard Marx betonte 2018 die Bedeutung des Patriotismus für den europäischen Gedanken und rief Christen dazu auf, „im guten Sinn des Wortes Patrioten“ zu sein. Dies sei Teil des christlichen Dienstes in der Welt. Kardinal Marx äußerte sich auch positiv zur 2017 veröffentlichten Erklärung der polnischen Bischöfe mit dem Titel „Patriotismus in christlicher Gestalt“. Der europäische Gedanke und Patriotismus würden einander nicht ausschließen, sondern einander bedingen.

Der Politikwissenschaftler und Theologe Felix Dirsch erklärte 2018, dass es in der katholischen Soziallehre einen „Dreiklang von Heimatliebe, Vaterlandsliebe und Liebe zur Kirche“ gebe. Der damit verbundene christliche Patriotismus wirke den extremen Tendenzen sowohl progressiver als auch nationalistischer Ideologien entgegen. In der „Gegenwartsdebatte über Heimat, Identität und Glaube“ werde laut Dirsch zum Teil ein Widerspruch zwischen den universellen Aussagen des Christentums und dem Eintreten für das Gemeinwohl eines konkreten Gemeinwesens konstruiert. Dirsch zufolge sei es unstrittig, dass das Christentum eine universelle Botschaft enthalte und sein Heimatbegriff letztlich nicht auf diese Welt bezogen sei. Diese Erkenntnis negiere laut Dirsch jedoch nicht den ebenso gültigen christlichen „Auftrag, das Wohl des irdischen Vaterlandes zu mehren.“ Ein Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, habe den speziell in Deutschland zu beobachtenden Mangel an Patriotismus daher kritisiert:

„Wir müssen bekennen, dass es uns an einem gesunden Nationalbewusstsein mangelt. Die Identifikation mit unserem Staat fällt vielen schwer. […] Man flüchtete in ein Weltbürgertum, das aber unverbindlich blieb. Das Bewusstsein der eigenen Nation fiel zwischen alle Stühle. Worte wie Nation, Vaterland oder Patriotismus erschienen antiquiert.“38

Laut Johannes Paul II. erfordere die Natur des Menschen die „Verwurzelung in einem festen Nährboden“ sowie eine fundamentale Verbundenheit mit den eigenen Ursprüngen auf familiärer, territorialer, sozialer und kultureller Ebene. Dies sei die Grundlage des „Vaterlandsbewusstseins“ des Menschen.39

2. Patriotismus als Motiv des Widerstands gegen totalitäre Ideologien

Der Kampf für das Gemeinwohl setzt insbesondere unter den Bedingungen totalitärer Herrschaft Patriotismus voraus.

Berthold von Stauffenberg, ein Sohn Claus Schenk Graf von Stauffenbergs der als General in der Bundeswehr diente, betonte 2019, dass vor allem dessen christlich geprägter Patriotismus seinen Vater dazu bewegt habe, gegen den Nationalsozialismus Widerstand zu leisten: „Er wollte das Vaterland retten.“40

Peter Graf York von Wartenburg, einer der Männer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, schrieb kurz vor seiner Hinrichtung in einem Brief an seine Mutter:

„Dich darf ich versichern, daß kein ehrgeiziger Gedanke, keine Lust nach Macht mein Handeln bestimmte, Es waren lediglich meine vaterländischen Gefühle, die Sorge um mein Deutschland, wie es in den letzten zwei Jahrtausenden gewachsen ist, das Bemühen um seine innere und äußere Entwicklung, die mein Handeln bestimmten. Deshalb stehe ich auch aufrecht vor meinen Vorfahren und den Brüdern. Vielleicht kommt noch einmal die Zeit, wo man eine andere Würdigung für unsere Haltung findet, wo man nicht als Lump, sondern als Mahnender und Patriot gewertet wird. Daß die wunderbare Berufung ein Anlaß sein möge, Gott die Ehre zu geben, ist mein heißes Gebet.“41

Willi Graf, ein Mitglied der „Weißen Rose“, brachte wenige Tage vor seiner Hinrichtung zum Ausdruck, dass er vor allem aus Patriotismus heraus Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet habe:

„Aber die Liebe zu Deutschland wächst von Tag zu Tag, und ich nehme schmerzvollen Anteil an seinem Geschick und seinen großen Wunden.“42

Hans Hirzel, ein weiteres Mitglied der „Weißen Rose“, sagte 2003:

„Unser Widerstand war ausgesprochen patriotisch: Über meine Motive habe ich schon gesprochen, denken Sie aber auch an Willi Grafs vorletzten Brief, in dem er von seiner “Liebe zu Deutschland” sprach. Oder denken Sie an Professor Huber, der seinen letzten Schluck Wein vor der Hinrichtung ausdrücklich auf das ‚Wohl seines geliebten Vaterlandes‘ trank und seiner Frau schrieb, ‚freue Dich, dass ich für unser Vaterland sterben darf‘. Sophie sprach vor Gericht davon, dass sie das Beste “für ihr Volk” getan habe.“43

3. Sozialwissenschaftliche Stimmen zur Bedeutung des Patriotismus

Der Soziologe Wolfgang Streeck beschrieb 2018 Patriotismus als eine Voraussetzung des Gemeinwohls. Kosmopolitische Universalisten seien nicht dazu in der Lage, politische Verantwortung für ein Gemeinwesen zu übernehmen. Es könne „keine gute Politik […] ohne Patriotismus, ohne ein Gefühl verpflichtender Zugehörigkeit zu einer politisch organisierten Gemeinschaft“ geben, „an deren laufender Verbesserung man sich zu beteiligen hat“.

Politisches Handeln, welches das Gemeinwohl anstrebe, müsse sich immer auf ein konkretes Gemeinwesen beziehen:

„Politisches Handeln ist an verortete Gemeinschaften gebunden – Verständigungs-, Verantwortungs-, Verpflichtungs- und Praxisgemeinschaften. Politik ist weder Wohltätigkeit noch Kampf für den eigenen Vorteil oder darf doch keins von beiden ausschließlich sein: Ihr Thema ist die gerechte Ordnung eines Ganzen, das sich als Ganzes versteht und Mitglieder hat, die sich für es verantwortlich fühlen und berechtigt und in der Lage, es mitzugestalten. Die Welt kann kein solches Ganzes sein […]- ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger.“

Der politisch Handelnde müsse außerdem über innere Bindung an das Gemeinwesen verfügen, um im Sinne des Gemeinwohls handeln zu können:

„Damit Politik mehr sein kann als Wohltätigkeit oder Vorteilssuche, muss sie verstehen können, worum es ihrer Gesellschaft geht. Verständnis ergibt sich aus gemeinsamer Zugehörigkeit, also geteilter Besonderheit; dass jemand ein Menschenrechtssubjekt ist, sagt mir nicht, was er für gerecht oder ungerecht hält. Nur aus Zugehörigkeit ergibt sich ein dauerhaftes Gefühl von Verantwortung, das, verbunden mit einem Minimum an praktischer Zuversicht, gemeinsam etwas erreichen zu können, zu politischem Handeln bewegen kann.“

Grenzen zwischen Staaten seien kein Hindernis für das Gemeinwohl, sondern neben dem Patriotismus des politisch Handelnden eine seiner Voraussetzungen:

„Wer sich zu Vielfalt bekennt, bekennt sich zu Grenzen, zu Unterscheidungen zwischen innen und außen und zu Besonderheiten, einschließlich zur eigenen.“

Der im Sinne des Gemeinwohls Handelnde müsse sich zudem seiner konkreten „partikularen Verantwortung“ für das eigene Gemeinwesen bewusst sein, die Vorrang vor universellen Ansprüchen hätten. Moralische Verantwortung sei immer nach Nähe abgestuft. Wer seine konkrete lokale Verantwortung unter Berufung auf universelle Ansprüche zurückweise, verletze dadurch das Gemeinwohl.44

Der Politikwissenschaftler John Schaar schrien über über Patriotismus:

„Im Wesentlichen meint Patriotismus die Liebe zum Heimatort und zu den vertrauten Dingen und Szenerien, die wir damit verbinden. In diesem Sinne ist der Patriotismus eine grundlegende Empfindung des Menschen. Mag er auch keine angeborene Tendenz sein, so ist der doch zumindest eine gewisse natürliche Neigung, die auf den Grundtatsachen des Lebens basiert. Territorialität und Familiensinn sind seit jeher starke Bindungsmotive. Wir fühlen uns den Menschen, Orten und Abläufen nahe, die uns nähren. Was vertraut und förderlich ist, scheint uns auch richtig und natürlich. Dies ist die Wurzel des Patriotismus. Darüber hinaus unterliegen wir alle der gewaltigen macht der Gewohnheit, und der Patriotismus hat sich die Gewohnheit zur Dienerin erkoren.“45

Laut Roger Scruton trete der Patriot ein „ein für das das Lokale, das Verwurzelte und Charaktervolle gegen das Globale, Entwurzele und Gleichförmige“ sowie für „echte Bindungen, da nur sie die Gemeinschaft aufrechterhalten“. Multikulturalismus sei eine Form der Ablehnung des Eigenen, die Scruton als „Oikophobie“ bezeichnete. Er richte sich gegen die Liebe zur Heimat, gegen Bindungen und gegen Traditionen.46

Der Philosoph Richard Rorty warnte in seinem 1997 erschienenen Werk “Achieving our Country” (deutsch: “Stolz auf unser Land“) vor den Folgen von mangelndem Patriotismus und Stolz auf das eigene Gemeinwesen:

„Nationalstolz ist für ein Land dasselbe wie Selbstachtung für den einzelnen: eine notwendige Bedingung der Selbstvervollkommnung. Zuviel Nationalstolz kann Aggressivität und Imperialismus erzeugen, genau wie übermäßiges Selbstgefühl zu Überheblichkeit führen kann. Doch zuwenig Selbstachtung kann den einzelnen daran hindern, moralischen Mut zu zeigen, und ebenso kann mangelnder Nationalstolz eine energische und wirkungsvolle Diskussion über die nationale Politik vereiteln. Eine Gefühlsbindung an das eigene Land – daß Abschnitte seiner Geschichte und die heutige Politik intensive Gefühle der Scham oder glühenden Stolz hervorrufen – ist notwendig, wenn das politische Denken phantasievoll und fruchtbar sein soll. Und dazu kommt es wohl nur, wenn der Stolz die Scham überwiegt. […] Wer eine Nation dazu bringen möchte, sich anzustrengen, muß ihr vorhalten, worauf sie stolz sein kann und wessen sie sich schämen sollte. Er muß etwas Anfeuerndes über Episoden und Figuren aus ihrer Vergangenheit sagen, denen sie treu bleiben sollte. Einer Nation müssen Künstler und Intellektuelle Bilder und Geschichten über ihre Vergangenheit erschaffen. Der Wettbewerb um politische Führungspositionen ist zum Teil ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Vorstellungen von der Identität der Nation und verschiedenen Symbolen ihrer Größe.“

Christopher Lasch schrieb, dass der Patriotismus der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA in den 1960er Jahren entscheidend dazu beigetragen habe, dass diese sich durchsetzen konnte. Diejenigen, die Schwarzen mit Furcht oder Ablehnung gegenübergestanden seien, wären durch diesen Patriotismus vielfach vom Gegenteil überzeugt worden.47

Der Politikwissenschaftler Mark Lilla kritisierte das Streben moderner und postmoderner Ideologien nach der Auflösung von Bindungen und das mangelnde Verständnis progressiver Akteure für die Bedeutung des Nationalgefühls, das die Grundlage jeglichen gesellschaftlichen Zusammenhalt darstelle.

Wer aus Furcht vor Nationalismus jegliches Nationalgefühl grundsätzlich ablehne, wirke dadurch nicht der der totalitären Überhöhung der Nation entgegen, sondern schwäche die Auseinandersetzung mit nationalistischen Ideologien:

„Unter vielen deutschen Linken ist es ja üblich, sich aufgrund der NS-Vergangenheit nicht mit Deutschland identifizieren zu wollen, aber so geraten sie in Widerspruch mit sich selbst. Denn der einzige Weg, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen, ist die Identifikation mit der Geschichte ihres Landes. Wenn Deutschsein nur eine wählbare Option ist, dann wird niemand Verantwortung für das Vergangene tragen wollen. Die Linke hat diesen Reflex, Nationalgefühl als Rassismus zu stigmatisieren, und begreift nicht, dass nationale Zugehörigkeit eine Notwendigkeit für die Demokratie und die historische Verantwortung ist.“

Progressive Akteure müssten „begreifen, dass man in eine Nation hineingeboren wird und sich mit ihr identifizieren muss, um sie vor falschem Patriotismus zu schützen und sie zum Besseren zu verändern“. Statt dessen strebten diese jedoch nach Auflösung der Nation durch die Überhöhung der Identität von Randgruppen und vermittelten „den Eindruck, die Identitäten aller Gruppen anerkennen zu wollen, außer die der Deutschen.“

Ohne Nationalgefühl gebe es keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieser werde durch die Überhöhung von Randgruppen und durch die Schaffung überzogener und zunehmend unglaubwürdiger Diskriminierungsnarrative geschwächt. Gemeinwohlorientierte Politik hingegen stärke Bindungen in einer Gesellschaft und betone die gemeinsame Identität in einem Gemeinwesen, wofür eine gemeinsame Identifikationsgrundlage erforderlich sei.

Auch in Deutschland sei das progressive Lager zunehmend von „säkularen Snobs getrieben“, die zu einer Stärkung von Bindungen in der Gesellschaft unfähig seien:

„Wieso geht niemand von der SPD nach Bayern und sagt: Ich kann Kruzifixe in Behörden nicht dulden, aber ich respektiere Ihren Glauben, I5hre Lebensart und Ihre Bedenken? Warum ist das so schwer? […] Die deutsche Linke fordert, dass man die Kultur und Lebensweise der Muslime akzeptiert, aber verweigert den Katholiken in Bayern ihre Ansichten.“

4. Überschuss und Mangel an Patriotismus: Nationalismus und Oikophobie

Die christliche Soziallehre betrachtet den Patriotismus als Untertugend der Gerechtigkeit. Gemäß der abendländischen Tugendethik ist Patriotismus das richtige Maß der Liebe bzw. der Bejahung des eigenen Gemeinwesens oder der eigenen Nation. Ein Extrem im Verhältnis zum eigenen Gemeinwesen stellt der Überschuss an Bejahung der, der sich in Nationalismus und Chauvinismus äußert. Ein anderes Extrem stellt die Verachtung  oder die Abwertung der eigenen Nation dar.48 Diese Extreme können durch Egoismus, aber auch durch weltanschauliche Irrtümer ausgelöst werden. Sie äußert sich darin, dass das Gemeinwesen und das Gemeinwohl gegenüber den Interessen abstrakter Kollektive wie der Menschheit, aber auch gegenüber denen bestimmter ethnischer Gruppen, sozialer Klassen oder sonstiger Identitätsgruppen abgewertet werden.49

4.1 Das Problem des Nationalismus

Nationalismus ist eine materialistische Ideologie, die in Europa erstmals im Zuge der Französischen Revolution in Erscheinung trat. Nationalismus war zunächst eine Ideologie der radikalen Linken, die nach der Auflösung traditioneller Herrschaft bzw. der Monarchien Europas sowie gegen die auf dem geteilten abendländischen Erbe beruhende Einheit der Völker des Kontinents strebte. Alle großen Religionen denken universalistisch und lehnen Nationalismus ab, während sie die patriotische Bejahung der eigenen Nation bejahen.

4.1.1 Die Ablehnung des Nationalismus durch die christliche Soziallehre

Nationalismus steht im Gegensatz zu christlicher Weltanschauung, die nach der Schaffung von universeller, subsidiär strukturierter, an das Naturrecht gebundener Ordnung strebt. Nationalismus führt zur Fragmentierung von Gemeinwesen in immer kleinere Strukturen und nährt Konflikte, indem er innere Einheit durch die Schaffung von Feindbildern zu stärken versucht. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) kritisierte, dass der Nationalismus des 19. Jahrhunderts „dem zerstörerischen Gegeneinander“ in Europa „eine neue Dimension“ gegeben und zu den späteren Katastrophen der Weltkriege entscheidend beigetragen habe.50 Nationalistische Ideologien führten darüber hinaus zum Verlust der abendländischen Einheit und wurden von der katholischen Kirche von Beginn an abgelehnt.51

  • Diese Ablehnung wurde besonders deutlich in der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von 1937 zum Ausdruck gebracht.52 Papst Pius XI. betonte hier als Antwort auf die Positionen nationalistischer Ideologien, die Achtung der christlichen Weltanschauung gegenüber natürlichen Bindungen, die weder geleugnet noch aufgelöst, sondern geheiligt werden sollten. Unter „dem Kuppelbau der vom Erlöser gestifteten einen Kirche ist Platz und Heimat für alle Völker, Nationen und Sprachen, ist Raum für die Entfaltung aller vom Schöpfer in die Einzelnen und die Volksgemeinschaften hineingelegten besonderen Eigenschaften, Anlagen, Vorzüge, Aufgaben und Berufungen.“
  • Vor dem Hintergrund der Erfahrung des Ersten Weltkriegs bezeichnete Pius XI.  den Nationalismus in Europa als eine der „bitteren Früchte“, welche die „Abkehr der Einzelnen und der Staaten von Gott“ hervorgebracht habe. Er sprach von einer „Zügellosigkeit der Leidenschaften und Begierden, die sich nicht selten unter der Maske der Vaterlandsliebe verbergen“ sowie vom „Samen der Zwietracht“ und vom „verzehrenden Neid“ sowie „aufgestachelten Eifersüchteleien unter den Völkern, die eine friedliche Wiederversöhnung noch weitgehend behindern“. Er kritisierte „blinde und schrankenlose Selbstsucht, die nur auf den eigenen Vorteil und Nutzen schaut und alles einzig danach bemißt“ und die Gesellschaften in den Abgrund führe.53
  • Papst Pius XI. sah im Nationalismus zudem einen Ausdruck der ungeordneten Begierden, die sich so gern in den Deckmantel der Vaterlandsliebe und der Sorge für das öffentliche Wohl hüllen“. Ihm sei es zuzuschreiben, „wenn von Zeit zu Zeit unter den Völkern erbitterte Kämpfe entstehen“.  Die „Liebe zu Heimat und Volk“ könne „eine reiche Quelle von Tugenden und Heldentaten“, sein, „wenn sie Christi Gesetz zur Norm hat“, aber sie werde „zum Anlass schreienden Unrechts, wenn sie die Grenzen von Recht und Billigkeit überschreitet und in maßlosen Nationalismus ausartet; wenn sie vergisst, dass die anderen Nationen ebenfalls ein Recht auf Leben und Gedeihen haben; wenn sie vergisst, dass man nie ungestraft das Interesse vor das Recht setzen darf“. Die „Gerechtigkeit erhöht die Völker, die Sünde aber verelendet die Nationen“.54
  • Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs warnte der katholische Moraltheologe Joseph Mausbach vor den Gefahren des Nationalismus. Christen müssten „das Emporwuchern eines überspannten, völkertrennenden Nationalismus […] als eine Gefahr für die Menschheit bezeichnen.“55 Norbert Weber, ein Erzabt von St. Ottilien, warnte während des Ersten Weltkriegs „vor jenem nationalen Traumgedanken, der sich losgelöst hat vom Einfluß des Christentums“.56
  • Papst Pius XII. schrieb, dass die Unterschiede der Völker und Kulturen „nicht auf Spaltung der Einheit des Menschengeschlechtes gerichtet“ seien, sondern diese sich in ihren Unterschieden und besonderen Fähigkeiten zum Wohl der Menschheit ergänzten sollten.57
  • Papst Johannes Paul II. sah im säkularen Nationalismus eine Verfallsform des nationalen Gedankens. Nationalismus sehe die Nation als Selbstzweck sowie als höchste oder einzige Bindung des Menschen an, auf deren Kosten alle anderen Bindungen abgewertet würden. Nationalismus erhebe zudem eine Nation über alle anderen, deren Rechte geleugnet würden Der christliche Nationalgedanke sei hingegen Teil einer Weltanschauung, die alle Bindungen des Menschen integriere und auf Gott ausrichte. Er erkenne zudem den Wert aller Nationen an und stelle keine von ihnen über andere. Man müsse verhindern, dass die „unersetzliche Funktion der Nation in Nationalismus abgleitet“, wie es im 20. Jahrhundert geschehen sei. Christlicher Patriotismus, der „allen anderen Nationen die gleichen Rechte zuzuerkennen“ bereit ist wie der eigenen, sei das beste Gegenmittel gegen säkularen Nationalismus.58
  • Papst Franziskus beschrieb Nationalismus als Ausdruck eines „lokalen Narzissmus“, der „nicht Ausdruck einer gesunden Liebe zum eigenen Volk und zur eigenen Kultur“ sei. Man könne „nicht auf gesunde Weise lokal denken ohne eine aufrichtige und von Herzen kommende Offenheit für das Universale, ohne sich von dem, was anderswo geschieht, hinterfragen zu lassen, ohne sich von anderen Kulturen bereichern zu lassen oder sich mit den Nöten anderer Völker zu solidarisieren“.59

Die christliche Soziallehre stellt nationalistischer Ideologie ein auf das Gemeinwohl ausgerichtetes Konzept der Nation und des Patriotismus gegenüber, das sich im Kampf gegen totalitäre nationalistische Ideologien bewährt hat und zur Grundlage der freiheitlichen Ordnung Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg wurde. Die Nationsidee der christlichen Soziallehre wirkt dabei sowohl dem Extrem eines auf Kosten anderer Nationen betriebenen Nationalismus als auch dem Extrem der nach Auflösung von Nationen strebenden neo-marxistischen Ideologie entgegen.

Papst Franziskus kritisierte daher 2019 sowohl nationalistische als auch internationalistische bzw. globalistische Tendenzen. Während Nationalismus die internationale Dimension des Gemeinwohls ignoriere, leugne und missachte Internationalismus die Identität einzelner Völker und den Wert der Verwurzelung in einer Kultur.60

4.1.2 Die Abgrenzung zwischen Patriotismus und Nationalismus

Papst Pius XI. unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus. Die „Liebe zu Heimat und Volk“ könne „eine reiche Quelle von Tugenden und Heldentaten“, sein, „wenn sie Christi Gesetz zur Norm hat“, aber sie könne zu Nationalismus und zum Anlass von Unrecht werden, wenn sie sich davon löse und die eigene Nation verabsolutiere.61

Laut Johannes Paul II. sei die Vaterlandsliebe „ein Wert, den man pflegen muß“, allerdings „ohne geistige Enge“ und so, dass „sie die Liebe zur ganzen Menschheitsfamilie einschließt und jene pathologischen Erscheinungen vermeidet, die sich dann einstellen, wenn das Zugehörigkeitsgefühl Töne der Selbstverherrlichung und des Ausschlusses der Andersartigkeit anschlägt und Formen von Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit annimmt.“62

Robert Spaemann zufolge könne der christlich gebildete Mensch sich mit einer Nation identifizieren, „ohne naiv und blind zu sein“. Er „kann sein Vaterland lieben, ohne die Vaterländer anderer Menschen zu verachten, vor allem die Vaterländer, die ebenfalls von ihren Bürgern geliebt werden“.63

4.1.3 Nationalismus als säkulare Ersatzreligion

Der Philosoph Nikolai Berdjajew, der der konservativen katholischen Erneuerungsbewegung seiner Zeit nahestand, kritisierte 1924 Nationalismus zusammen mit anderen modernen Ideologien, die er als Gegenentwürfe zu christlicher Weltanschauung bzw. als materialistische Antireligionen betrachtete, die „das ganze geistige Leben der Menschheit“ bekämpfen würden und die für die Selbstzerstörung Europas verantwortlich seien.

  • Der christliche Universalismus propagiere nicht Auflösung, wie einige moderne Ideologien behaupten würden, sondern beruhe auf der Annahme eines geistigen Zentrums, um das herum sich alle Dinge ordneten, wodurch Bindungen geschaffen würden. Das von modernen Ideologien propagierte Gegenteil sei „die entfesselte Welt des heidnischen Partikularismus, in deren Tiefen Todeskampf und Vernichtung toben“.
  • Nationalismus sei Ausdruck eines Strebens nach Atomisierung und Auflösung der gewachsenen christlich-abendländischen Einheit. Der Nationalist denke wie ein Egoist, der seine Bedürfnisse über die aller anderen Menschen stelle. Die europäischen Nationalismen seien „durchaus heidnisch, tief antichristlich und antireligiös“, weil für sie die Nation nicht Teil einer größeren Ordnung, sondern „ein falscher Gott“ sei.64

Eine „religiöse Verabsolutierung des Nationalen“ könne große Kraft entfalten, wie das Römische Reich gezeigt habe Man schaffe dadurch eine politische Religion, in der die Religion der Nation nachgeordnet sei. Eine solche politische Religion orientiere sich an relativen Dingen wie dem politisch Nützlichen und versperre dem Menschen dadurch den Zugang zum Absoluten. Eine solche Religion drohe zudem das Schicksal der römischen Religion zu erleiden, an deren Wahrheit ihre Vertreter selbst nicht glaubten und sie nur zur Stärkung des Zusammenhalts des Gemeinwesens aufrechterhielten.65

C. S. Lewis wies darauf hin, dass es für Christen erforderlich sein könne, für ihre Nation zu sterben, aber niemals für sie zu leben, weil die Nation für Christen nicht der höchste Wert sei:

„He who surrenders himself without reservation to the temporal claims of a nation, or a party, or a class is rendering to Caesar that which, of all things, most emphatically belongs to God: himself.“

Emmanuel Joseph Sieyès, einer der Vordenker der Französischen Revolution, erklärte, unterstrich in seinen Schriften, dass die Nation für ihn eine transzendente Qualität besitze und über allen anderen Dinge stehe. Sie sei der „Ursprung von allem, ihr Wille ist immer gesetzmäßig“ und „immer das höchste Gesetz“.66  Diese Überhöhung der Nation ist typisch für alle nationalistischen Ideologien.

Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Udo Di Fabio beschrieb Nationalismus als ein ersatzreligiöses Phänomen, mit dem die dieser Ideologie folgenden Gemeinwesen ab dem 19. Jahrhundert versucht hätten, „Solidarenergien, Gemeinschaftsgefühl, Identitätsangebote“ in Gesellschaften zu erzeugen, die ihre religiöse Identitätsgrundlage verloren hätten. Die Nation als „Identitätsprojektion“ habe unter diesen Bedingungen „dem Entwurzelten eine Heimat“ gegeben.67

Laut Roger Scruton besetze Nationalismus den Raum, den die Religion geräumt habe. Als Ersatzreligion veranlasse er seine Anhänger, „die nationale Idee anzubeten und in ihr etwas zu suchen, was sie nicht geben kann: den letzendlichen Sinn des Lebens, den Weg zur Erlösung und Trost für alle Leiden“.68

4.2 Das Problem der Oikophobie

Der Philosoph Roger Scruton prägte den Begriff der „Oikophobie“ zur Beschreibung des in spät- und postmodernen westlichen Gesellschaften zu beobachtenden Phänomens der Verachtung des Eigenen. Das Problem der Oikophobie behandeln wir hier ausführlich.

Quellen

  1. Peter Fonk: „Vaterland“; in: Walter Kasper (Hg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg im Breisgau 2001, Band 10, S. 543-544.
  2. Hugo Rahner: Kirche und Staat im frühen Christentum, München 1961, S. 33.
  3. Augustinus: Die Gottesbürgerschaft, Frankfurt am Main 1961, S. 132.
  4. KKK 2239.
  5. Zit. nach Günter Stemberger: 2000 Jahre Christentum, Erlangen 1994, S. 382.
  6. STh, II-II, q. 31, a. 3.
  7. Zit. nach Rafael Merry del Val: Pius X. – Erinnerungen und Eindrücke, Bobingen 2013, S. 48.
  8. Johannes Paul II.: Erinnerung und Identität. Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden, Augsburg 2004.
  9. Ebd., S. 52.
  10. Ebd., S. 58-59.
  11. Ebd., S. 89.
  12. Ebd., S. 90.
  13. Ebd., S. 86.
  14. Ebd., S. 139.
  15. Papst Johannes Paul II.: „Apostolisches Schreiben Dilecti amici“, 31.03.1985.
  16. Benedikt XVI./Joseph Ratzinger: Die Freiheit befreien. Glaube und Politik im dritten Jahrtausend, Freiburg im Breisgau 2018, S. 64 f.
  17. 1 Tim 2,2.
  18. 1 Petr 2,12.
  19. 1 Petr 2,17.
  20. 1 Petr 4,15.
  21. KKK 2199.
  22. STh II-II, q. 101, a.1.
  23. Fratelli tutti 143.
  24. Ebd., 144.
  25. Ebd., 145.
  26. Ebd., 148.
  27. Ebd., 149.
  28. Ebd., 151.
  29. Sapientiae christianae, 5-6.
  30. Manfred Spieker: „Pflichten und Grenzen der Solidarität“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2018.
  31. Joseph Höffner: In der Kraft des Glaubens, Band 2, Freiburg i. Br. 1986, S. 612.
  32. Gaudium et spes 75
  33. Joseph Ratzinger: Glaube – Wahrheit – Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Freiburg im Breisgau 2001, S. 58.
  34. Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 101, 1./note]

    Bischof Fulton J. Sheen erklärte, die Tugend der Pietät sei eine der „fundamentalsten Tugenden, die sogar die Heiden besaßen“. Sie beinhalte Ehrfurcht vor Gott, Familie und Vaterland, „denn diese drei gehören zusammen“ und müssten aufeinander bezogen betrachtet werden.34Fulton J. Sheen: Der Kommunismus und das Gewissen der westlichen Welt, Berlin 1950, S. 90.

  35. Anthony Esolen: Nostalgia: Going Home in a Homeless World, Washington D. C. 2018, S. xxxiii.
  36. Raymond Leo Kardinal Burke: „Filial Piety and National Patriotism as Essential Virtues of the Citizens of Heaven at Work on Earth“, Rome Life Forum, Pontificia Università di San Tommaso d’Aquino (Angelicum), 11.05.2019.
  37. Zit. nach Felix Dirsch: „Der Glaube und die politische Gesäßgeographie“, in: Ders. et al.: Nation, Europa, Christenheit, Graz 2019, S. 64-101, hier: S. 85.
  38. „Dialog zwischen den Kulturen. Für eine Zivilisation der Liebe und des Friedens“, Botschaft von Papst Johannes Paul II. zur Feier des Weltfriedenstages, vatican.va, 01.01.2001.
  39. „Mein Vater war nicht besonders kirchenfromm“, Die Tagespost, 18.07.2019.
  40. Annedore Leber: Das Gewissen steht auf, Berlin 1956, S. 164 f.
  41. Zit. nach Anneliese Knoop-Graf: „‚Aber die Liebe zu Deutschland wächst von Tag zu Tag …‘“, Festvortrag in der St. Matthäus-Kirche, Berlin, 19.07.2006.
  42. Zit. nach Wolfram Weimer: Das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit, Kulmbach 2018.
  43. Wolfgang Streeck: „Ein Weltbürger ist nirgendwo Bürger“, Die Zeit, 26/2018.
  44. Zit. nach Roger Scruton: Grüne Philosophie. Ein konservativer Denkansatz, München 2013, S. 299.
  45. Roger Scruton: Grüne Philosophie. Ein konservativer Denkansatz, München 2013, S. 300.
  46. Christopher Lasch: The Revolt of the Elites and the Betrayal of Democracy, New York/London 1996, S. 136.
  47. Dominic Prümmer: Handbook of Moral Theology, Cork 1956, S. 211.
  48. John A. McHugh/Charles Callan: Moral Theology: A Complete Course Based on St. Thomas Aquinas and the Best Modern Authorities, Band 2, San Bernardino 2014, S. 414.
  49. Joseph Kardinal Ratzinger: Werte in Zeiten des Umbruchs, Freiburg i. Br. 2005, S. 89.
  50. Eugen Lemberg: „Nationalismus“, in: Görres-Gesellschaft (Hrsg.): Staatslexikon, Band 5, Freiburg i. Br. 1960, Sp. 896-902.
  51. Hubert Wolf: Pius XI. und die „Zeitirrtümer“. Die Initiativen der römischen Inquisition gegen Rassismus und Nationalismus, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Nr. 1/2005, S. 1-43.
  52. Quas primas 30.
  53. Ubi arcano Dei consilio 25.
  54. Zit. nach Manfred Lütz: Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums, Freiburg im Breisgau 2018, S. 205.
  55. Johann Leicht et al.: Sankt Michael. Ein Buch aus eherner Kriegszeit zur Erinnerung, Erbauung und Tröstung für die Katholiken deutscher Zunge, Würzburg et al. 1918, S. 360.
  56. Wilhelm Jussen (Hg.): Gerechtigkeit schafft Frieden. Reden und Enzykliken des Heiligen Vaters Papst Pius XII., Hamburg 1946, S. 131-176.
  57. Johannes Paul II. 2002, S. 91-92.
  58. Ebd., 146.
  59. „Pope Francis: ‚The common good has become global‘“, catholicnewsagency.com, 02.05.2019.
  60. Ubi arcano Dei consilio 25.
  61. „Dialog zwischen den Kulturen. Für eine Zivilisation der Liebe und des Friedens“, Botschaft von Papst Johannes Paul II. zur Feier des Weltfriedenstages, vatican.va, 01.01.2001.
  62. Robert Spaemann: „Wer ist ein gebildeter Mensch?“, Scheidewege. Jahresschrift für skeptisches Denken, Jg. 24, 1994/95, S. 34-37.
  63. Nikolai Berdjajew: Das neue Mittelalter, Darmstadt 1927.
  64. Benedikt XVI./Joseph Ratzinger: Die Freiheit befreien. Glaube und Politik im dritten Jahrtausend, Freiburg im Breisgau 2018, S. 41 f.
  65. Emmanuel Joseph Sieyès: Was ist der Dritte Stand? Ausgewählte Schriften, Berlin 2010, S. 169.
  66. Udo Di Fabio: „Die Verwandlung der westlichen Demokratien“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2019.
  67. Scruton 2019, S. 64.