Stand 12.01.2021

Das Patriarchat ist in seiner abendländischen Form ein Fundament einer Ordnung, die auf dem Dienst des Mannes am Gemeinwesen in Erweiterung seiner natürlichen Rolle als Vater, Beschützer und Versorger beruht.

1. Das Wesen patriarchaler Ordnung

Patriarchale Ordnungsmodelle gehen davon aus, dass Mann und Frau über unterschiedliche, sich gegenseitig ergänzende Berufungen verfügen. Weil patriarchale Ordnungen auf der Natur des Menschen beruhen, sind sie kein bloßes soziales Konstrukt, sondern entstanden spontan. Die Tatsache, dass diese diese Ordnungen universell verbreitet sind und zeit- und kulturübergreifend auftraten, unterstreicht dies. Ein anderes Beispiel für spontan entstehende, auf der Natur des Menschen beruhende Ordnung ist die Ordnung des Marktes. Staaten, die versuchen, diese Art von Ordnung aufzulösen oder zu negieren, tun dies zu ihrem eigenen Schaden.

Das Patriarchat ein System der Organisation von Gesellschaften, in deren Institutionen Männer den Großteil der Positionen in den höheren Hierarchieebenen einnehmen. Legitimiert wird dies durch ihre Übernahme von Verantwortung für das Gemeinwesen als Beschützer und Verteidiger. Jemand, jemand, der nachgewiesen hat, dass er bereit dazu ist, sein Leben für das Gemeinwesen einzusetzen, wird auch in anderen Situationen eher als andere dazu bereit sein wird, Verantwortung für dieses zu übernehmen, Opfer für es zu erbringen und diesem gegenüber auch in schwierigen Zeiten loyal sein. Regieren bedeute laut Heinrich von Treitschke „bewaffneten Männern gebieten“. Frauen, die keine Waffenträgerinnen seien, käme im Staat daher nur eine nachrangige Bedeutung zu.1

Das Recht auf politische Mitwirkung des Mannes ist dieser Vorstellung nach mit seiner Pflicht zur Verteidigung des Gemeinwesens verbunden bzw. beruht auf ihr. Männer, die sich nicht an der Verteidigung des Gemeinwesens beteiligen wollen, sowie Frauen, die traditionell keinen Wehrdienst leisten, werden daher allenfalls bedingt als geeignete Träger von Verantwortung in einer patriarchalen Ordnung angesehen. Die Ämterlaufbahn der Römischen Republik, der cursus honorum, begann dementsprechend mit einer mehrjährigen Dienstzeit in den Streitkräften. Ebenso war das römische Bürgerrecht während der Zeit der Republik an eine Wehrpflicht gebunden.

Politische Herrschaft wurde in Europa bis in die jüngere Vergangenheit durch den Wehrstand ausgeübt. Heinrich von Treitschke sah im Staat „eine quasimilitärische Institution“, deren vorrangiger Zweck es sei, zu Schützen und zu Bewahren. Seine Macht beruhe auf dem „Recht der Waffen“, was den Staat von anderen Institutionen unterscheide und eng an die Funktion des Soldaten binde.2 Die Römische Republik und das Römische Reich, aber auch das Deutsche Reich waren aristokratische Soldatenstaaten. Auch liberale Demokratien griffen in Krisenzeiten immer wieder auf Offiziere zurück, die in ihnen höchste politische Ämter einnahmen, etwa Charles de Gaulle oder Winston Churchill. Die erfolgreiche Bewältigung mehrerer Krisen durch den sozialdemokratischen Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde verbreitet auf dessen Prägung als Offizier zurückgeführt.

Der Staat wird in Europa gemäß den oben beschriebenen Vorstellungen traditionell als Sphäre des Mannes betrachtet, während die Familie als Sphäre der Frau gilt. Zwar gilt der Mann als Oberhaupt der Familie, was aber traditionell so verstanden wurde, dass er vor allem ihr Repräsentant nach außen ist. Die Familie gilt gleichzeitig als Grundlage des Gemeinwesens. Die Rollen von Mann und Frau sind in der patriarchalen Ordnung komplementär aufeinander bezogen.

Frühe Frauenrechtlerinnen stellten die patriarchale Ordnung nicht in Frage, sondern betonten den Beitrag der Frau zu ihr. Sie behaupteten jedoch keine Gleichheit von Mann und Frau, etwa was die staatsbegründende Wehrfunktion angeht, sondern bejahten die diesbezügliche komplementäre Arbeitsteilung von Mann und Frau.3

Patriarchale Ordnung gehört, so wie das Vorhandensein der Institutionen von Ehe und Familie, zu den universellen Phänomenen menschlicher Kultur. Matriarchale Ordnung hat in keiner Kultur und zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit als Gegenstück zu patriarchaler Ordnung existiert.4 Auch die Existenz von Königinnen, etwa in der europäischen Geschichte, ändere daran nichts, weil die Struktur der von ihnen geführten Gemeinwesen immer patriarchal war.5

Der Anthropologe Johann Jakob Bachofen, der das Konzept des Patriarchats in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals wissenschaftlich erschloss, sprach von „Paternität“, die ein geistiges Prinzip sowohl antiker griechischer Philosophie als auch des Christentums sowie die Grundlage aller europäischen Kulturen darstelle:

  • Eine patriarchale Ordnung entspreche der natürlichen Ordnung und stütze sich auf die Familie, innerhalb der die Frau eine zentrale Rolle spiele, während gesellschaftliche Aufgaben außerhalb der Familie in patriarchalen Kulturen vor allem als Aufgabe des Mannes betrachtet würden.
  • Bachofen betonte dabei, dass in abendländischen Kulturen mit dieser Ordnung kein Zwang für Frauen verbunden gewesen sei, sich auf häusliche Rollen zu beschränken. Er verweist auf eine Vielzahl öffentlich wirkender Frauengestalten, zu denen auch die zahlreichen christlichen Märtyrerinnen des Frühchristentums gehört hätten.6

Platon lässt in einem seiner als Dialog verfassten Werke den griechischen General Menon die Grundlagen und das Wesen patriarchaler Ordnung beschreiben. Es sei die Tugend des Mannes, „dass er vermöge, die Angelegenheiten des Staates zu verwalten, und in seiner Verwaltung seinen Freunden wohlzuthun und seinen Feinden weh, sich selbst aber zu hüten, dass ihm nichts dergleichen begegne”.7

Ein wesentliches Element der patriarchalen Ordnung ist die persönliche Übernahme physischer Risiken durch Entscheidungsträger. Laut dem Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb verbessert es die Qualität von Entscheidungen und das Risikomanagement von Entscheidungsträgern deutlich, wenn die Folgen ihrer Entscheidungen selbst zu tragen haben.8 Es war in diesem Sinne lange üblich, dass der Adel militärische Aufgaben übernahm und männliche Adelige sich zu entsprechendem Dienst verpflichtet sahen.

Das Hervortreten republikanischer Gedanken in Europa seit dem späten 18. Jahrhundert und die stärkere Einbeziehung des Bürgertums in die Ausübung politischer Macht war zunächst auch mit einer stärkeren Betonung patriarchaler Elemente in der politischen Ordnung verbunden. Nennenswerte staatsbürgerliche Rechte wurden in Deutschland bzw. Preußen zu Beginn des 19. Jahrhundert parallel zur Wehrpflicht eingeführt. Dieser Zusammenhang erschien als so selbstverständlich, dass auch der Sozialdemokrat August Bebel 1895 das allgemeine Männerwahlrecht aus der allgemeinen Wehrpflicht ableitete. Nach dem Grundsatz, „wer Pflichten hat, soll auch Rechte haben“, komme Männern das Wahlrecht in Folge ihres Diensts als Soldat als „ein selbstverständliches Recht“ zu.9 Bebel wollte das Wahlrecht allerdings auf Frauen erweitern, da diese ebenfalls Opfer für das Gemeinwesen brächten. Der Rechtswissenschaftler Johann Caspar Bluntschli nannte es noch 1870 „die herkömmliche Sitte aller Völker“, den Staat, „der unzweifelhaft ein männliches Wesen“ sei, „auch als die Aufgabe und Sorge der Männer“ zu betrachten.10

In einer freiheitlichen Gesellschaft beruht patriarchale Ordnung auf der Anerkennung der Natur des Menschen und seiner freien Entscheidung im Rahmen des Gemeinwohls und nicht darauf, Menschen in bestimmte Rollen zu zwingen.

1.1 Soziobiologische Ursachen des Erfolgs patriarchaler Ordnungsmodelle

Forscher gehen davon aus, dass Religionen, die mit einem patriarchalen Familienbild verbunden ist, anderen Religionen und Weltanschauungen evolutionär überlegen sind und sich auch deshalb durchgesetzt haben. Familien, die einer solchen Religion folgen, haben in der Regel mehr Kinder als andere und sind resilienter gegenüber Herausforderungen, weil die entsprechenden Männer ihre Aufgabe eher als andere Männer darin sehen, Frau und Kinder zu beschützen und zu versorgen. Zu größeren Kinderzahlen bei den Anhängern dieser Religionen trage auch ihre Ablehnung von Ehelosigkeit, Scheidung, Abtreibung oder Homosexualität bei. Es sei „plausibel, dass sich evolutionär gesehen Religionen mit derartigen Familienwerten durchgesetzt haben“.11

2. Die Berufung des Mannes als Vater, Beschützer und Versorger

In allen Kulturen der Menschheit wird es als die Berufung des Mannes verstanden, dass er für Frau und Kinder sorgt. Seine Anerkennung als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft wird davon abhängig gemacht, dass er sich als tauglich für diese Berufung erweist. Das gelingende Leben des Einzelnen und des Gemeinwesens hängt davon ab, wie gut es dem Mann gelingt, seine Rolle anzunehmen und seelisch wie körperlich dem Urbild des Mannes zu entsprechen.12

Papst Franziskus beschrieb den Kern des patriarchalen Ordnungsprinzips folgendermaßen:

„Als Vater wird man nicht geboren, Vater wird man. Und man wird zum Vater nicht einfach dadurch, dass man ein Kind in die Welt setzt, sondern dadurch, dass man sich verantwortungsvoll um es kümmert. Jedes Mal, wenn jemand die Verantwortung für das Leben eines anderen übernimmt, übt er ihm gegenüber in einem gewissem Sinne Vaterschaft aus.“13

In Erweiterung seiner Berufung als Vater besitzt der Mann auch eine Berufung dazu, Beschützer und Versorger der Menschen zu sein, die ihm anvertraut sind.14 Solange es Kämpfe zu bestreiten und harte Arbeit zu leisten gebe, so lange würden Gemeinwesen auch den Dienst von Männern brauchen.15

  • Der heroische Krieger stellt universell das Ideal des Mannes dar. Tugenden wie Ehre, Treue, Pflichterfüllung, Gehorsam, Ausdauer, Härte, Selbstkontrolle, Kraft, Tapferkeit und Kameradschaft bilden zeit- und kulturübergreifend den Kern der Definition männlicher Identität.16 Nach Zeiten der Abwertung dieser Tugenden kehren sie in schweren Zeiten meist wieder zurück. Dass diese Tugenden gegenwärtig in westlichen Kulturen als diskreditiert gelten, sehen andere Kulturen meist nicht als Ausdruck von Fortschritt, sondern als Zeichen von Schwäche an.17
  • Dass junge Männer danach streben, eine Rolle als Krieger einzunehmen und sich in ihr zu bewähren, stellt ebenfalls ein universelles Phänomen dar.18 Die Anthropologin Margaret Mead sah bei Männern vor allem das Streben nach dem Schutz von Frauen, Kindern der eigenen Gemeinschaft, der Heimat und der eigenen Ideale als Handlungsmotiv vorherrschen. Ihre kämpferische Haltung sei nicht die von Raubtieren, sondern von Beschützern. Junge Männer hätten zudem ein starkes Bedürfnis danach, sich in einer Rolle als Beschützer und Verteidiger zu bewähren.19
  • Frauen können diese Rollen aufgrund ihrer biologischen Natur entweder gar nicht oder nur deutlich schlechter als Männer und nur auf Kosten ihrer eigentlichen Rolle einnehmen. Allenfalls in einer Rolle als Versorger können Frauen in Teilbereichen des Wirtschaftslebens (nämlich im Dienstleistungssektor) ohne natürliche Nachteile gegenüber Männern agieren. Die meisten Frauen gestalten ihre Berufswahl entsprechend, ohne dass sie von Männern dazu gezwungen werden.
  • Wolfgang Lipp sieht den anthropologischen Ursprung des Männerbundes in der Rolle des Mannes als Jäger und Krieger. Er wies darauf hin, dass der Mann sich anders als die Frau seine Identität im Rahmen eines Entwicklungsprozesses aneignen müsse. Frauen könnten ihn dabei nicht anleiten, weshalb Männerbünde als Gemeinschaften der Erziehung junger Männer universell verbreitet seien.20 Der Erwerb praktischer Fähigkeiten zu Kampf, Jagd und Überleben sowie der praktische Beweis ihres Erwerbs durch Prüfungen ist ein zentraler Aspekt männlicher Identitätsbildung.21 Damit er seine natürliche Rolle gut einnehmen könne, ist der Mann in größerem Maße als die Frau auf die Formung durch eine Kultur angewiesen. Jede patriarchale Ordnung verfügt daher über eine eigene Kultur der Männlichkeit sowie über Institutionen, die Männer in ihrem Sinne formen. In Europa wurden Konzepte wie das Rittertum geschaffen wurden, um die Ausbildung und Vollendung der natürlichen Anlagen des Mannes zu unterstützen, damit dieser seiner natürlichen Berufung besser entsprechen kann.

Auch Lionel Tiger betonte, dass der Mann auf Gemeinschaft angewiesen sei, um seine Identität gut und vollständig ausbilden zu können.22 Laut Tiger sei es für das Überleben des Menschen während des Großteils seiner historischen biologischen Entwicklung wichtig gewesen, „mit wem man jagte und Feinde bekämpfte“. Aus dieser Überlebensfunktion heraus sei die Neigung zur Bildung von auf Auswahl der Mitglieder beruhenden Männerbünden Teil der Natur des Mannes geworden. Der Männerbund sei ebenso wie die patriarchale Ordnung Ausdruck geschlechtsbedingter Unterschiede im Verhalten des Menschen, die „Kulturen und Geschichte zu allen Zeiten so massiv […] durchdringen, daß wir es hier aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer gigantischen biogenetischen Gesetzmäßigkeit zu tun haben“.23

Gilmore zufolge sei Maskulinität nicht gleichzusetzen mit dem Vorliegen eines männlichen Geschlechts, sondern müsse erworben werden. Männlichkeit sei „ein unsicherer […] Zustand, den sich Jungen gegen mächtige Widerstände erkämpfen müssen“. Männer könnten dabei auch scheitern. Es gebe daher viele Worte zur Bezeichnung des Zustands gescheiterter männlicher Identitätsbildung (etwa „weibisch“), aber kaum eines, das diesen Zustand bei Frauen beschreibe.24

Aus anthropologischer Sicht stellen Männerbünde einen Ausdruck der Anpassung des Menschen an die Herausforderungen seiner Umwelt dar. Die biologische Entwicklungsgeschichte des Menschen brachte neben dieser Arbeitsteilung auch eine große Vielfalt von geschlechterspezifischen kulturellen Formen des Zusammenlebens hervor. Laut Tiger gingen Männerbünde aus Gemeinschaften hervor, deren Aufgabe Jagd, Verteidigung und die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung waren. Die Ausdifferenzierung der Rollen von Mann und Frau sowie die beschriebenen Männergemeinschaften seinen erforderlich geworden, als der Mensch möglicherweise aufgrund von Umweltveränderungen zur Jagd überging. Dieser Schritt habe nicht nur die weitere biologische Entwicklung vor allem des Mannes geprägt, sondern auch Institutionen wie den Männerbund entstehen lassen.25

Bereits in den ältesten Kulturen ist eine Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau zu finden, die auf deren natürlichen Eigenschaften als Mutter bzw. als Jäger und Krieger beruht. In der Gegenwart sind die Ausbildungs- und Berufsentscheidungen von Männern eher als die von Frauen darauf ausgerichtet, zur Ernährung einer Familie beitragen zu können. Männer belegen deutlich häufiger als Frauen Studiengänge, die Tätigkeiten mit hohen Einkommen ermöglichen, und sind häufiger dazu bereit, sich Konkurrenzsituationen zu stellen und für beruflichen Erfolg Opfer zu bringen.26

In vielen Kulturen gibt es außerdem unterschiedliche Männer- und Frauenwelten mit eigenen Mythen und Riten, von denen das jeweils andere Geschlecht ausgeschlossen war.27 Laut Tiger seien Männerbünde „zugleich die kulturell gelernte und sozial vermittelte Manifestation einer umfangreichen biologischen Veranlagung im männlichen Lebenszyklus“.28

Goldberg zufolge habe der fortschreitende Erkenntnisstand der Naturwissenschaften die Hypothese weiter untermauert, dass patriarchale Ordnung die Folge natürlicher Geschlechterunterschiede zwischen Mann und Frau sei. Bei Männern seien Eigenschaften wie das Streben nach Dominanz und Status, Wettbewerbsorientierung und die Bereitschaft, andere Güter für die Verfolgung von Zielen außerhalb der eigenen Familie zurückzustellen, deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Dies habe neuro-endrokrinologische Ursachen, die durch menschliches Handeln nicht außer Kraft gesetzt werden könnten.29

3. Der abendländische Patriarchatsgedanke

Der abendländische Patriarchatsgedanke unterscheidet sich von denen anderer Kulturen, weil er im Sinne christlicher Weltanschauung den Dienst des Mannes am Nächsten und am Gemeinwesen in Erweiterung seiner natürlichen Rolle als Vater betont. Die Soziologin Necla Kelek kritisierte, dass in islamischen Kulturen ein gänzlich anderes Konzept von Vaterschaft und Patriarchat vorherrsche, das den Vater als Tyrannen verstehe.30 Dieses Problem ist allerdings nicht spezifisch für den Islam, dessen  Patriarchatsgedanke im Kern nicht wie sein abendländisches Gegenstück durch transzendente Elemente geprägt wurde,  sondern in seinem Wesen durch die Vorstellungen vorislamischer Stammeskulturen der arabischen Halbinsel geprägt bleibt. Ähnliche Patriarchatsvorstellungen sind weltweit im Kontext niedriger Stufen kultureller Entwicklung zu finden ist, darunter auch in den Unterschichten westlicher Gesellschaften. Solche korrumpierten Formen patriarchaler Ordnung stellen ein universelles Problem dar, das nur dort überwunden wurde, wo Männer im Sinne des abendländischen patriarchalen Ideals Verantwortung übernahmen und sie zurückdrängten.

Als den Kern des abendländischen Patriarchatsgedankens beschrieb der Historiker Numa Denis Fustel de Coulanges die Annahme, dass mit der körperlichen und geistigen Stärke des Mannes eine besondere Berufung und Pflichten verbunden sind. In diesem Konzept ist „der Vater nicht nur der Starke, der beschützt und sich zugleich Gehorsam zu verschaffen imstande ist“. Der Vater sei in diesem Konzept auch „der Priester, der Erbe des Herdes, der Fortsetzer der Ahnen, der Stamm der Nachkommen, der Verwahrer der geheimnisvollen Gebräuche der Kultur und der geheimen Formen des Gebets.“31

Aristoteles beschrieb das Patriarchat als eine hierarchisch strukturierte Ordnung freier Menschen, die er von der Tyrannei abgrenzte. Bei orientalischen Völkern wie den Persern sei die Herrschaft des Vaters tyrannisch, weil sie den Interessen des Herrschenden diene. Söhne würden hier wie Sklaven behandelt. Im griechischen Denken hingegen habe der Vater eine Pflicht zur Fürsorge für seine Kinder. Politische Herrschaft, die diesem Prinzip folge, diene dem Gemeinwohl und sorge für das Volk, „so wie der Hirte für seine Schafe sorgt“. Das Verhältnis des patriarchalen Herrschers gegenüber den Beherrschten sei eine „väterliche Freundschaft“. Der Vater sei für die Kinder Ursache des Seins und somit des größten Gutes. Er schulde ihnen aufgrund seiner überlegenen Fähigkeiten Fürsorge und Erziehung. Darin liege seine Berufung, die der des Königs gegenüber dem Volk gleiche.32

In der Weltanschauung des Christentums entspricht patriarchale Ordnung der Ordnung des Kosmos, was dadurch unterstrichen wird, dass Gott sich als Mann offenbart hat. Jesus Christus habe in diesem Zusammenhang laut dem katholischen Theologen Heinrich David Vaterschaft vor allem auch durch die Übernahme von Verantwortung definiert und betont, dass es den Vater ausmache, dass er keinen von denen, die ihm anvertraut seien, zugrunde gehen lasse.33

  • Mit dem Blick auf Christus werde deutlich, dass Herrentum „in dem Maße innerlich echt und groß“ sei, als ihm die Fähigkeit und Bereitschaft ehrfürchtigen Dienens innewohnt“. Der Mann sei „in dem Maße Herr und ehrfurchtgebietend, in dem er fähig und bereit ist, ehrfürchtig dem Leben zu dienen. Wahres Herrentum offenbart sich in dem Drang, dem Kleinen zu dienen.“
  • Herrentum und Dienst gehörten im christlichen Denken untrennbar zusammen. Ein Herrentum „ohne Demut – Dien-Mut – gibt es nicht“. Wer „Herr sein will, muss dienen wollen, muss sich ehrfürchtig zu dem Kleinen, Niedrigen, Hilfsbedürftigen neigen. Wer das nicht will, ist kein Herr.“
  • Vaterschaft sei kein Privileg, sondern ein Auftrag. Der christliche Mann nehme als Vater teil an der göttlichen Vaterschaft. Dies sei die Grundlage seiner Autorität, „und darum nimmt er auch teil an der göttlichen Würde und Macht, die in der Vaterschaft gründet. Aber er muss seine Würde und Macht sichtbar werden lassen in der Bereitschaft zum Dienen“.
  • Alles „Herrentum auf Erden“ müsse „Abbild dieses göttlichen Herrentums sein“. In allem „echten Herrentum“ müssten „die Bereitschaft und der Drang sein, sich der äußeren Würde zu begeben im Dienst am Hilfsbedürftigen, damit die innere Würde und Echtheit umso heller aufleuchtet. In besonderer Weise ist der Mann aufgerufen, dieses göttliche Herrentum darzustellen.“ Eine „Verweigerung des Dienens“ gehe gegen das Wesen des christlichen Mannes. Im „Dienen erst muss sich das Herrentum als echt erweisen, dann erst kann es Ehre beanspruchen.“
  • Echte, auf Gott gegründete Autorität könne man nicht verlieren und ihre Träger suchten daher auch nicht nach äußeren Zeichen ihrer Bestätigung. Eitelkeit, Stolz und Selbstherrlichkeit seien Offenbarungen mangelnder Männlichkeit. Der „stolze und selbstherrliche Mann ist in Wirklichkeit Mann, weil er nicht Herr ist.“

Das Leben des christlichen Mannes bestehe darin, sich dem göttlichen Urbild anzugleichen und „ein Herr zu werden, also ein Erhalter, Beschützer und Fortsetzer des Lebens und nicht dessen Totengräber“.34

4. Zum Vorwurf der Unterdrückung der Frau durch das Patriarchat

Patriarchale Ordnung im abendländischen Sinne ist nicht mit der Unterdrückung der Frau durch den Mann verbunden, wie feministische Ideologen meinen, sondern stellt vor allem Forderungen an den Mann und fordert von ihm Dienst und Opfer für andere sowie die Kultivierung seiner natürlichen Leidenschaften, damit er seiner Rolle als Beschützer und Versorger besser nachkommen kann. Dies ist vor allem auch im Interesse der Frau, die aufgrund ihrer physischen Schwäche im Vergleich zum Mann sowie ihrer Rolle als Mutter auf solche Unterstützung angewiesen ist. In patriarchalen Ordnungen wird Frauen sind Frauen zudem nicht der Erwartungshaltung ausgesetzt, risikoreiche oder körperlich in hohem Maße belastende Tätigkeiten aufzunehmen. Die Dekonstruktion des Patriarchats hat Frauen nicht befreit, sondern deformierte Formen von Maskulinität gefördert sowie Vaterlosigkeit und Alleinerziehendentum gefördert, worunter nicht zuletzt auch Frauen zu leiden haben.

4.1 Feministische Ideologie argumentiert auf der Grundlage falscher Geschichtsbilder

Die feministische Vorstellung, dass es eine Zeit ohne patriarchale Ordnung gegeben habe, hat keine historische Grundlage. Im Gegenteil ist die Angewiesenheit der Frau auf intakte patriarchale Strukturen umso größer, je niedriger ihr Kulturniveau und je größer der Grad der inneren und äußeren Bedrohungen ist, denen sie ausgesetzt sind. Schutz und Fürsorge des Mannes befreien die Frau, etwa vor diesen Bedrohungen, und nicht der Mangel oder die Verweigerung dieses Dienstes. Feministische Diskurse sind ein Phänomen, das nur in Friedenszeiten in geordneten, von Wohlstand und Sicherheit geprägten Gesellschaften zu beobachten ist.

4.2 Patriarchale Ordnungen privilegieren Frauen

Männer gelten im patriarchalen Denken zudem im Vergleich zu Frauen als entbehrlicher. Frauen wurden aufgrund ihrer Eigenschaft als Mutter von den meisten Kulturen als zu wertvoll betrachtet, um sie den Gefahren des Kampfes und der Jagd auszusetzen.35

  • Frauen sind in den meisten Gesellschaften, in denen es eine Wehrpflicht gibt, mit wenigen Ausnahmen von dieser Pflicht ausgenommen und nehmen somit eine privilegierte Rolle ein.
  • Wo sie dennoch Wehrdienst leisten, versuchen sie in der Regel, Verwendungen in den Kampftruppen zu vermeiden Dies ist etwa in Israel der Fall, wo Frauen solche Verwendungen prinzipiell offenstehen, aber nur von sehr wenigen Frauen gewählt werden.36.
  • In Deutschland ist das gleiche Phänomen zu beobachten. Unter den bis Anfang 2021 insgesamt 114 bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr getöteten Soldaten war eine einzige Frau, die zudem durch Selbstmord starb.37

Dies deutet darauf hin, dass Frauen physische Risiken tendenziell Männern überlassen und dass die entsprechende patriarchale Rollenverteilung bei der großen Mehrheit von ihnen entgegen ggf. vorgebrachter sonstiger Bekundungen in der Praxis auf breite Zustimmung stößt.

Die patriarchale Familie schränkt zudem eher den Mann ein als die Frau, die mehr als der Mann auf stabile Bindungen angewiesen ist; vor allem dann, wenn sie Kinder hat. Der römische General und Staatsmann Quintus Caecilius Metellus Macedonicus darauf hin, dass die Bindung an eine Ehefrau für Männer in der Regel eher lästig sei. Die Männer Roms würden lieber auf Ehefrauen verzichten, aber der dauerhafte Bestand des Gemeinwesens hänge von der Institution der Ehe ab, weshalb es die Pflicht des Mannes sei, die Lasten der Ehe zu akzeptieren.38

Es gibt in einigen Kulturen allerdings patriarchale Ordnungskonzepte, in denen die Frau als Eigentum des Mannes betrachtet wird. Das Christentum führte hingegen ein Konzept der Ehe ein, dass Mann und Frau als Partner ansieht.39 Es entwickelte das Konzept des Patriarchats zudem stetig weiter, wobei Männerbünde eine zentrale Rolle spielten. Der Historiker Werner Paravicini hatte betont, dass das in westlichen Gesellschaften vorherrschende Ideal der Achtung des Mannes gegenüber der Frau zu den Besonderheiten abendländischer Kultur gehöre und so in keiner anderen Kultur zu finden sei. Die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ und die Achtung der Frau sei im 12. Jahrhundert durch das christliche Rittertum „erfunden worden – von den Männern“ bzw. von der Idealform des abendländischen Männerbundes.40

4.3 Patriarchale Ordnung entspricht den Präferenzen der meisten Frauen

Eine patriarchale Ordnung bzw. Schutz und Versorgung durch den Mann entsprechen weiblichen Präferenzen und wurden zeit- und kulturübergreifend hinweg von Frauen eingefordert. Die Historikerin Ute Frevert beobachtete, dass Frauen sich durch die Geschichte hindurch immer zu „einem männlichen Heldentum, das physische Kraft, Tapferkeit, Risikobereitschaft und Siegesgewißheit“ auszeichnete, hingezogen gefühlt hätten. Kriegserfahrene Männer hätten, „vor allem wenn sie militärische Erfolge errungen hatten“, auf Frauen stets sehr attraktiv gewirkt.41 Auch wenn es Ausnahmen gab und gibt, so scheinen körperliche schwache, risikoscheue Pazifisten zu keinem Zeitpunkt vergleichbar interessant für Frauen gewesen zu sein.

Entgegen der Annahme feministischer Ideologie verschwinden unter den Bedingungen gesellschaftlicher Freiheit weder die patriarchale Ordnung noch traditionelle Geschlechterrollen. Individuelle Freiheit bei der Berufswahl ist vielmehr damit verbunden, dass Männer und Frauen sich mit überwiegender Mehrheit für traditionell männliche oder weibliche Berufe entschieden.

Auch in modernen westlichen Gesellschaften werden Männer, die nicht willens oder dazu in der Lage sind, eine Rolle als Beschützer und Versorger der Familie einzunehmen, von den meisten Frauen, darunter auch den Anhängerinnen feministischer Ideologie als Partner abgelehnt und von den meisten Männern verachtet.42  In den Lebensentscheidungen der allermeisten Frauen wird deutlich, dass sie trotz aller Rhetorik die oben beschriebene Gesellschaftsordnung und Männer, die dem Bild des Vaters. Beschützers und Versorgers entsprechen, bevorzugen und sogar einfordern. Ein weibliches Interesse an impotenten, körperlich schwachen und feigen sowie beruflich erfolglosen und unfähigen Männern sei in der Realität ebenso wenig existent wie ein besonderes Interesse an Tätigkeiten in den oben beschriebenen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft. Bei den entsprechenden weiblichen Präferenzen und dem Wettbewerb von Männern darum, diesen zu entsprechen, handelt es sich wahrscheinlich um eine universelle biologische Konstante, die sogar speziesübergreifend nachweisbar ist.43

Der Volkskundler Will-Erich Peuckert unterstrich dies mit einer Anekdote. Als nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Versammlung von Studenten an einer deutschen Universität die Frage behandelt worden sei, ob Deutschland wieder Streitkräfte aufstellen solle, hätten sich viele der männlichen Studenten zunächst ablehnend geäußert. Daraufhin sei eine Studentin aufgestanden und hätte die Wehrunwilligen gefragt, ob diese auch im Fall eines Angriffs des Ostblocks ihre Ablehnung von Verteidigung aufrechterhalten wollten bzw. wenn Kommunisten erneut Massenverbrechen an Frauen und Mädchen verübten. Die Studentin habe ein Umdenken ausgelöst, indem sie einem weiblichen Urbedürfnis Ausdruck verliehen und „spezifisch männliche Kräfte oder Tugenden angerufen“ habe. Sie habe dadurch lebendig gemacht, „was in Schlaf gelegen hatte.“44 Der Männerbund ist neben der Familie die Institution, in der diese Tugenden geformt werden.

4.4 Mögliche psychologische Motive der Ablehnung patriarchaler Ordnung

Die betonte Verachtung, die von feministischer Seite dem Feindbild des „alten weißen Mannes“ entgegengebracht wird, könnte ihre psychische Ursache in diesem Zusammenhang auch darin haben, dass diese Männer in den vergangenen Jahrzehnten häufiger in ihrer Rolle als Familienväter sowie als Träger des Gemeinwesens und Hüter der Tradition versagten. Nicht Unterdrückung durch Männer, sondern im Gegenteil deren Schwäche könnte somit das eigentliche Motiv sein, welches Teile des Feminismus bewegt. Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass die Schärfe feministischer Rhetorik parallel zum Grad der Durchsetzung feministischer Forderungen zunimmt und dass viele Feministinnen sich vor allem für die Zuwanderung von Männern aus solchen Kulturen einsetzen, in denen archaische patriarchale Vorstellungen besonders dominant sind.

4.5 Feministische Ideologie enthält keine Impulse für den Dienst am Gemeinwohl

Feministinnen scheinen fast nie über eine eigene Vorstellung darüber zu verfügen, wie sie an der Stelle des Mannes oder auch zusammen mit ihm das Gemeinwesens und sein Erbe schützen und bewahren wollen. Für diese zentrale politische Aufgabe bringen sie in der Regel nur wenig Interesse auf, sofern sie sie nicht sogar aktiv ablehnen. Ihnen scheint es nicht um das Gemeinwohl zu gehen, sondern um eigene Interessen. Auch die Bereitschaft von Feministinnen, durch den Dienst als Soldat selbst die Form von praktischer Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, durch die sich die patriarchale Ordnung ursprünglich legitimierte, ist allenfalls schwach ausgeprägt. Solange sich dies nicht ändert, kann der Feminismus nicht zu den gemeinwohlorientierten Weltanschauungen gezählt werden.

Die feministische Forderung, das Patriarchat zu zerstören, beruht zudem auf utopischem Denken, das die Natur des Menschen vollständig ignoriert. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass das Patriarchat irgendwann verschwinden wird und kaum Gründe dafür anzunehmen, dass dies überhaupt wünschenswert wäre. Die Widersprüche zwischen dem beobachteten Geschehen und den Behauptungen des Feminismus sind so gravierend, dass man den Feminismus zu den geschlossenen Weltbildern zählen muss die sich durch ideologische Konstrukte gegen die Herausforderung durch die Wirklichkeit und gegen wissenschaftliche Prüfung abschotteten.

Quellen

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  2. Zit. nach Frevert 2001, S. 285.
  3. Zit. nach Frevert 2001, S. 285-287.
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