Ambrogio Lorenzetti – Allegorie der guten Regierung (Detail, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Auftrag der Fachgruppe 4 (Christliche Soziallehre) ist die Formulierung von Impulsen zur Bewältigung der strategischen Herausforderungen, denen die Gesellschaften Europas gegenüberstehen, auf der Grundlage der christlichen Soziallehre.

Publikationen

Die Fachgruppe 4 hat bislang die folgenden Publikationen veröffentlicht:

Die folgenden Themenseiten werden durch die Fachgruppe 4 gepflegt:

Die auf dem Blog des Instituts veröffentlichten Beiträge der Fachgruppe finden Sie hier.

Hintergrund

Das Streben nach der Verwirklichung des Gemeinwohls und die Suche nach seinen Voraussetzungen stellt eine Konstante der christlich-abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte dar. Das christliche Denken hat dabei seit der Antike die besten Gedanken und Ansätze, auf die es gestoßen ist, integriert und sie weiterentwickelt, wobei es auch an seinen Fehlern gewachsen ist. In Form der christlichen Soziallehre stellt es den am weitesten entwickelten Bestand an erprobtem und bewährtem Wissen über die Natur des Menschen und die Erfordernisse des am Gemeinwohl orientierten gesellschaftlichen Zusammenlebens von Menschen dar, der bislang in der Geschichte der Menschheit geschaffen wurde.

Das Ziel der christlichen Soziallehre ist die Gestaltung der Gesellschaftsordnung nach den Erfordernissen des Gemeinwohls. Ihr Auftrag ist die Analyse der vorliegenden Lage, die Beschreibung des anzustrebenden Zielzustands und der Entwurf von Maßnahmen und Strategien zur Erreichung dieses Zustands. Ihre Quellen sind das Naturrecht, die christliche Offenbarung und die christliche Lehrtradition. Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Volkswirtschaftslehre und andere Geistes- und Sozialwissenschaften sind Hilfswissenschaften der christlichen Soziallehre. Katholische und evangelische Positionen in Fragen der Soziallehre stimmen weitestgehend miteinander überein.

Ordnung ist der Zustand, in dem alle Dinge dem in ihrer Natur angelegten Ziel gemäß funktionieren. Die christliche Soziallehre will diesen Zustand auf gesellschaftlicher Ebene durch politisches Handeln auf der Grundlage der Sozialprinzipien erreichen. Diese Prinzipien sind die Gemeinwohlorientierung der Politik sowie die Grundsätze der Solidarität, der Subsidiarität und der Personalität. Jede funktionierende Gesellschaft beruht auf diesen Prinzipien. Oswald von Nell-Breuning bezeichnete diese Sozialprinzipien als „Baugesetze der Gesellschaft“. Sie beruhen auf der Beobachtung der Natur des Menschen und des Wesens gelingender menschlicher Gemeinschaften und sind, wie das Naturrecht, in der Seinsordnung angelegt. Gleichzeitig stellen diese Prinzipien staatsethische Norm- bzw. Sollensprinzipien dar, die als geeignete Leitlinien für die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens angesehen werden.

Die christliche Soziallehre stellt kein politisches Programm, keine starre Ideologie und kein geschlossenes weltanschauliches System dar, sondern passt sich Lageänderungen und neuen Erkenntnissen an und bleibt dabei für neue Fragen und Impulse offen. Sie richtet sich zudem nicht nur an Christen, so wie sich auch die antike griechische Philosophie nicht nur an die Griechen der Antike richtet, sondern beinhaltet die Essenz des abendländischen Denkens und verbindet diese mit über viele Jahrhunderte hinweg aufgebautem Erfahrungswissen über die Voraussetzungen des Funktionierens von Gesellschaften.