Karl Friedrich Schinkel – Gotischer Dom am Wasser (Detail, Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Fachgruppe 3 (Kulturelle Resilienz und Erneuerung) analysiert die Voraussetzungen von kultureller Resilienz, Kontinuität und Erneuerung und formuliert entsprechende strategische Impulse.

Publikationen

Die Fachgruppe 3 hat noch keine Publikationen veröffentlicht.

Die auf dem Blog des Instituts veröffentlichten Beiträge der Fachgruppe finden Sie hier.

Hintergrund

Kulturelle Resilienz ist die Fähigkeit einer Kultur und des auf ihr beruhenden Gemeinwesens, die existenziellen Herausforderungen, denen sie begegnen, zu bewältigen. Diese Resilienz ist die Folge der aktiven Pflege von Elementen der Kultur, die ihr Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit verleihen. Dabei handelt es sichum die religiösen Grundlagen dieser Kultur sowie die Kulturelemente, die sich über lange Zeiträume hinweg auch in schwierigen Zeiten bewährt haben.

Die Auseinandersetzung mit Fragen kultureller Resilienz wurde im christlichen Geistesleben in Europa lange vernachlässigt. Eine wesentlich intensivere Auseinandersetzung mit diesem Thema findet im Judentum statt, das aus historischen Gründen immer wieder dazu gezwungen war, sich mit existenziellen Bedrohungen und Risiken sowie Möglichkeiten ihrer Bewältigung auseinanderzusetzen. Der Historiker Shalom Salomon Wald hat vor diesem Hintergrund die folgenden Elemente resilienter Kulturen und Gemeinwesen identifiziert:

  • Pflege der kulturellen Identität;
  • Stärkung innerer Bindungen;
  • Konstruktive Beilegung innerer Konflikte;
  • Äußere Verteidigungsbereitschaft und Wehrhaftigkeit;
  • Hohe Qualität des Führungspersonals;
  • Hohes Leistungsniveau in Naturwissenschaft und Technik;
  • Belastbare Allianzen und zuverlässige Verbündete;
  • Wohlstand und konstruktive Beilegung von Verteilungskonflikten;
  • Intakte demographische Grundlagen.

Der Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb setzte sich ebenfalls intensiv mit den Eigenschaften resilienter Strukturen auseinander. Diese würden aktiv nach möglichen Bedrohungen suchen, diese frühzeitig erkennen und seien dadurch in der Lage, sich auf sie einzustellen. Sie seien außerdem dezentral bzw. in kleinen Einheiten organisiert und würden Reserven und Redundanzen bilden. Modernes, theoriegeleitetes Denken neige irrtümlich dazu, traditionelle Lösungen und Ansätze als irrational abzulehnen, die im Gegensatz zu theoriebasierten Ansätzen jedoch unter komplexen Bedingungen langfristig erprobt seien. Traditionelle Ansätze seien ihren Wesen nach daher resilient und modernen Ansätzen oft überlegen, was ihre Krisentauglichkeit angehe.

Das Christentum hat einen Auftrag zur kulturellen Erneuerung der Gesellschaften, in denen es wirkt. Der Prophet Jesaja beschrieb im Alten Testament den Auftrag Gottes, „die uralten Trümmerstätten“ und „die Grundmauern aus der Zeit vergangener Generationen“ wieder aufzubauen, damit „die Ruinen wieder bewohnbar“ werden (Jes 58,12). Jesus Christus wiederholte diesen Auftrag, als er eine Gemeinde von Christen dazu aufrief: „Werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag.“ (Offb 3,2)

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) zufolge hätten die Christen der Gegenwart den Auftrag, in einem von utopischen und postmodernen Ideologien geistig und kulturell immer stärker negativ beeinträchtigten Europa als „schöpferische Minderheit“ zu wirken und es im Geist des Christentums kulturell zu erneuern. Ziel dieses Einsatzes müsse es sein, die „innere Identität Europas in allen geschichtlichen Metamorphosen weiterzuführen“:

„Wie soll es weitergehen? Gibt es in den gewaltigen Umbrüchen unserer Zeit eine Identität Europas, die Zukunft hat und zu der wir von innen her stehen können? […] Europa braucht eine neue – gewiss kritische und demütige – Annahme seiner selbst, wenn es überleben will. […] Wenn wir dies nicht tun, verleugnen wir die Identität Europas – und versagen den Anderen einen Dienst, auf den sie Anspruch haben.“

Europa sei in der Vergangenheit „immer wieder von schöpferischen Minderheiten“ erneuert worden. Dies könne auch künftig gelingen.