Der europäische Kulturraum und die Gemeinwesen, die ihn bilden, stehen existenziellen Herausforderungen gegenüber, die in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich zu gravierenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass das christlich-abendländisch geprägte Europa die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts nicht überdauern bzw. in einigen Jahrzehnten nur noch in Form von Isolaten existieren wird. Die Kontinuität des durch das Christentum geformten und vollendeten zweieinhalbtausendjährigen geistigen und kulturellen Erbes Europas wäre in diesem Fall existenziell bedroht.

Das Renovatio-Institut hat zu diesem Thema eine Publikation erstellt, die hier abgerufen werden kann:

Die Krise der europäischen Zivilisation: Ursachen und Perspektiven (Renovatio-Impulse Nr. 2/Stand: April 2020)

Der Inhalt der Publikation wird auch nachstehend wiedergegeben.

1. Einführung

Das vorliegende Dokument beschreibt auf der Grundlage der christlichen Soziallehre thesenartig die Ursachen und die Perspektiven der Zivilisationskrise, die den europäischen Kulturraum erfasst hat.

In der Sicherheitsforschung und den Strategischen Studien wird eine Krise als eine Lage definiert, die besondere Maßnahmen erfordert, damit ein katastrophaler Ausgang abgewendet werden kann. Damit dies gelingen kann, ist es zunächst erforderlich, dass die verantwortlichen Akteure die Krise als solche erkennen. Die Absicht der Autoren ist es, zu dieser Erkenntnis beizutragen. Die angesprochenen Einzelthemen bzw. Krisenphänomene werden in künftigen Analysen vertieft betrachtet werden.

Die europäische Zivilisation ist existenziell bedroht

Der europäische Kulturraum und die Gemeinwesen, die ihn bilden, stehen existenziellen Herausforderungen gegenüber, die in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich zu gravierenden gesellschaftlichen Verwerfungen führen werden.

Eine Kultur muss sich laufend aus ihren geistigen Quellen heraus regenerieren, wenn sie Bestand haben will. Wo die kulturtragenden Kräfte diese Aufgabe nicht mehr leisten wollen oder können, wird eine Kultur von entropischen Kräften aufgelöst, bis sie zu schwach ist, um den Herausforderungen gegen sie standhalten zu können.

Es besteht die Möglichkeit, dass das christlich-abendländisch geprägte Europa die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts nicht überdauern bzw. in einigen Jahrzehnten nur noch in Form von Isolaten existieren wird. Die Kontinuität des durch das Christentum geformten und vollendeten zweieinhalbtausendjährigen geistigen und kulturellen Erbes Europas wäre in diesem Fall existenziell bedroht.

Die Kardinaltugend der Klugheit erfordert die Auseinandersetzung mit Krisenszenarien

Die Klugheit ist die höchste Kardinaltugend der abendländischen Weltanschauung, weil ohne die Erkenntnis der eigenen Lage kein sinnvolles Handeln möglich ist.

Oswald Spengler zufolge ist Klugheit „der geschulte Blick für Tatsachen, Lagen, Gefahren“.1 Traditionelle christliche Weltanschauung rechnet grundsätzlich mit der Möglichkeit krisenhafter Verläufe des Weltgeschehens. Sie nimmt die Geschichte als Abfolge von Krisen wahr und geht davon aus, dass sich daran aufgrund der Natur des Menschen auch langfristig nichts ändern wird. Sie ist wachsam gegenüber den Kräften der Auflösung, die in der Welt und im Menschen wirken. Sie ist deshalb geistig besser auf die Möglichkeit des Eintritts von Krisenszenarien vorbereitet als moderne Ideologien es sind.

Der jüdische Philosoph Hans Jonas erklärte, dass Fortschrittsoptimismus keine angemessene Haltung im Angesicht von Krisen sei:

  • Die Tugend der Klugheit erfordere es, sich mit extremen Szenarien auseinanderzusetzen. Nur Bedrohungen für das physische und seelische Überleben des Menschen würden ihn erkennen lassen, welche Güter er schützen und bewahren müsse.2
  • Solange eine Bedrohung nicht erkannt sei, wisse man auch nicht, was auf dem Spiel stehe. Das Gute sei solange unauffällig und werde als gegeben hingenommen, bis es bedroht werde.3 Im Angesicht existenzieller Risiken werde vorhersagendes „Wissen zu einer vordringlichen Pflicht“.4
  • Die „vorausschauende Sorge“ sei der Auftrag „des Gesetzgebers und Staatsmanns für das künftige Wohl des Gemeinwesens“.5 In Angelegenheiten von hoher Bedeutung sei ungünstigen Prognosen und Warnungen größere Aufmerksamkeit zu gewähren als günstigeren, weil hier der Eintritt eines einzigen ungünstigen Szenarios ausreiche, um die eigene Sache existenziell zu gefährden.6

Verantwortungsethisches Handeln erfordert  Maßnahmen der Krisenfrüherkennung

Moderne Ideologien sind meist von Fortschrittsoptimismus geprägt und lehnen die Auseinandersetzung mit Zivilisationskrisen als gefährlichen „Kulturpessimismus“ ab, der den Glauben an die Moderne untergrabe.7 Von den Anhängern dieser Ideologien wird die Ansprache von Krisenszenarien daher häufig als Provokation empfunden. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) kritisierte in diesem Zusammenhang, dass in der Gegenwart „nichts verbotener zu sein“ scheine, „als das, was man Pessimismus nennt – und was oft einfach nur Realismus ist“.8

Hans Jonas wies den Vorwurf, dass die Auseinandersetzung mit Krisen von unangemessenem Pessimismus zeuge, ebenfalls zurück. Der größere Pessimismus liege in jedem Fall bei jenen, die wichtige Dinge für so wertlos hielten, dass ihnen Risiken für diese offenbar gleichgültig seien.9

Dem christlichen Philosophen Josef Pieper nach gebe es eine gute Furcht, die realistischer sei als das „vordergründige, prinzipiell beruhigende ‚Gerede‘ des alltäglichen Daseins“, das sich davon nähre, „die Existenz des Furchtbaren zu leugnen“. Es gebe eine Tendenz des modernen Denkens zu einer „Verharmlosung des Daseins“.10 Klug handelt in diesem Sinne, wer nach Risiken und Gefahren Ausschau hält, sie richtig erkennt und die Möglichkeit des Eintretens des Ernstfalls in seine Entscheidungen mit einbezieht. Kluges Denken und Handeln sind deshalb von Vorsicht geprägt.

Laut dem katholischen Theologen Dietrich von Hildebrand beinhalte eine „wirkliche christliche Haltung“ daher immer „ein nüchternes Sehen aller Gefahren der Situation, die durch den Fall des Menschen geschaffen ist“. Christen seien „weder Pessimisten noch Optimisten. Sie sind die einzigen wahren Realisten. Sie sehen die Welt, wie sie ist, ohne Illusionen, aber sie sehen über diese Welt hinaus.“11 Der Christ erkenne den metaphysischen Kampf, der die Welt präge, und seine eigene Berufung dazu, im Geist der Hoffnung an diesem Kampf teilzunehmen.12

Konrad Adenauer, der der abendländischen Tradition des Denkens in besonderem Maße verbunden war und in einer kritischen Phase der Geschichte Deutschlands höchste Verantwortung für das Gemeinwesen trug, rief 1951 angesichts der „Gefahren, die dem Christentum, der christlichen Kultur, die Gesamt-Westeuropa drohen“ zur Wachsamkeit auf. Nur „dann, wenn man die Größe einer Gefahr wirklich erkennt, überlegt man sich, wie man dieser begegnen kann und fasst man mit der nötigen Tatkraft die dazu nötigen Entschlüsse.“13

2. Konvergierende Krisentendenzen und die bevorstehenden Verwerfungen in Europa

Im Zuge der Erosion der kulturellen Substanz im europäischen Kulturraum werden die betroffenen Gesellschaften immer fragiler und anfälliger für krisenhafte Entwicklungen. Die damit verbundenen Herausforderungen stoßen nicht mehr auf resiliente Gesellschaften, die ihnen wirksam begegnen könnten. Es besteht daher die Möglichkeit, dass diese Gesellschaften den konvergierenden Krisentendenzen, denen sie gegenüberstehen, an einem Punkt in der Zukunft nicht länger standhalten könnten. Akteure, welche die beschriebene Entwicklung aufhalten könnten, sind derzeit nicht erkennbar. Solange diese nicht in Erscheinung treten, ist es daher wahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten fortsetzen wird. Offen bleibt, ob dies in neuen Formen totalitärer Herrschaft, in einer Katastrophe oder in einem anderen Ausgang münden wird.

2.1 Konvergierende Krisentendenzen in Europa

Günter Rohrmoser beschrieb 1994 eine Reihe konvergierender Krisentendenzen in Deutschland und Europa. Diese seien unmittelbare Folgen der erwähnten geistig-kulturellen Auflösungsprozesse bzw. der Durchsetzung utopischer Ideologien. Neben dem Verlust an christlich bestimmter kultureller Identität seien existenzielle Herausforderungen die mangelnde Integration von Migranten, die mangelnde Nachhaltigkeit des Sozialstaates und der Wohlstandsgrundlagen, der mangelnde Handlungswillen des Staates und die daraus resultierenden links- und rechtspopulistischen Tendenzen. Diese Herausforderungen könnten mittelfristig einen Punkt erreichen, an dem sie die Resilienz der im Zuge der Erosion kultureller Substanz immer schwächer werdenden Gesellschaften Europas überfordern. Dies werde gravierende Verwerfungen nach sich ziehen. Deutschland und Europa hätten es mit „katastrophenträchtigen Entwicklungen zu tun“. Er benannte diese wie folgt:

  • Die „Renaissance des islamischen Fundamentalismus“, der Europa „auf den Kampf um seine innere geistige und kulturelle Identität“ zurückwerfe;
  • Das Schwinden der christlich bestimmten kulturellen Substanz, auf der Deutschland und Europa beruhten;
  • Die sich abzeichnende Überforderung des Sozialstaates, dem Deutschland seinen verbliebenen inneren Zusammenhalt verdanke;
  • Die Hegemonie der Weltanschauungen der „neomarxistischen Kulturrevolution der 60er Jahre“ sowie eines „quasitotalitären Liberalismus“, die Deutschland die Kraft zu einer geistigen Erneuerung rauben und „Züge kultureller und moralischer Dekadenz“ nach sich ziehen würden;
  • Der „Verlust nationaler Identität“, der es begünstige, dass die Antwort auf die sich abzeichnenden Krisen ein bloßer nationaler Populismus anstelle eines gefestigten Konservatismus sei;
  • Die „Krise des Europagedankens“, dessen postmoderne, säkular-zentralistischen Erscheinungsformen den „Traum eines vereinigten, gemeinsam um seine Selbsterhaltung sich mühenden Europa begraben“ könnten;
  • Die Krise der Demokratie, in der die Parteien diesen Tendenzen entweder hilflos gegenüberstünden oder sie aktiv fördern würden, was in der Zukunft den „Schatten Weimars auf unser Land“ werfen könnte.14

Der Historiker Walter Laqueur sprach 2006 davon, dass Europa ein „Bild des Niedergangs“ biete. Künftige Historiker müssten die Frage beantworten, warum die Entwicklungen, die dazu geführt hätten, ignoriert worden seien. Der Niedergang Europas sei wahrscheinlich irreversibel. Man müsse sich in der gegenwärtigen Lage vor allem die Frage danach stellen, was von seinen Traditionen und Werten noch gerettet werden könne.15

Die langfristigen Folgen von Massenzuwanderung, demographischer Entwicklung und Realitätsblindheit der Politik seien damit verbunden, dass es für Europa künftig „ums Überleben“ gehen werde. Die Lage in Europa „könnte sich unter dem Eindruck massiver Einwanderungswellen ungefähr so entwickeln wie in Nordafrika oder im Nahen Osten. Dieses und vielleicht einige andere Szenarien zwischen den Extremen erscheinen gegenwärtig möglich.“ Das kurzfristige Denken, das in den Regierungen Europas vorherrsche, führe dazu, dass diese Entwicklungen meist ignoriert würden. Solange die beschriebenen Tendenzen anhielten, müsse man eine negative Prognose abgeben, was die Zukunft Europas angehe.16

Der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg warnte ebenfalls vor längerer Zeit, dass Europa vor einem „drohenden Kulturabbruch durch die Einwanderung bildungsferner Populationen“ stehe, der ein „für Generationen irreversibler Vorgang“ sei.17 In Deutschland seien Verelendungstendenzen zu erwarten. Die Gesellschaft werde sich spalten oder zerfallen.18

Die von Rohrmoser, Laqueur und anderen beobachteten Entwicklungen haben sich seitdem weiter beschleunigt. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio warnte 2015 vor den Folgen mangelnder „soziokultureller Nachhaltigkeit“ westlicher Gesellschaften und der Erosion ihrer geistig-kulturellen Voraussetzungen.19 2019 mahnte er, dass sich vertiefende soziokulturelle Bruchlinien in westlichen Gesellschaften neue „Gewalt- und Hasspotentiale“ sowie „Ordnungs- und Sicherheitsverluste im Lebensalltag“ erzeugen würden, die „für überraschende Erschütterungen, für heute vielleicht noch nicht vorstellbare Rationalitätsabrisse sorgen“ könnten.20

Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski prognostizierte aufgrund dieser Entwicklungen, dass im Europa des Jahres 2030 das Gefühl vorherrschen werde, in einer Dauerkrise zu leben.21

Der Historiker David Engels setzt sich in seiner Arbeit vor allem mit Zivilisationskrisen auseinander. Ihm zufolge befinde sich Europa am möglichen Beginn des Endstadiums einer solchen Krise, wie sie in der Geschichte auch in vielen anderen Kulturen zu beobachten gewesen sei. Die kommenden 20 Jahre würden in Europa voraussichtlich von einer Zuspitzung der beschriebenen Konflikte geprägt sein. Es gebe gegenwärtig keine Anzeichen dafür, dass die Regierungen Europas und die Ideologien, denen sie anhängen, diesen Herausforderungen gewachsen wären oder diese richtig erkennen würden.22

2.2 Die Krise Europas wird durch materielle Faktoren vorläufig noch verdeckt

Für viele Menschen bleiben die beschriebenen Entwicklungen vorläufig noch unsichtbar, weil westliche Gesellschaften auf materieller Ebene noch funktionieren und die kulturelle Substanz, deren Quellen vielfach nicht erkannt werden, vorläufig noch Bestand hat. Romano Guardini sprach dieses Phänomen bereits vor längerer Zeit an. Das Chaos breite sich in Europa wieder aus. Die „Ungeheuer der Einöden“ und die „Schrecken der Finsternis“ kehrten zurück. Die meisten Menschen würden dies jedoch noch nicht erkennen, weil noch „überall wissenschaftlich gebildete Leute reden, Maschinen laufen und Behörden funktionieren.“23

Zudem werden mangels Einsicht in die geistigen Dimensionen des Geschehens materielle Faktoren wie etwa technologischer Fortschritt sowie in einigen Bereichen zunehmender Wohlstand verbreitet als Zeichen dafür gedeutet, dass diese Gesellschaften sich positiv entwickeln. Immer mehr Menschen fehlen außerdem die Sprache und die Mittel zur geistigen Erfassung der Auflösungserscheinungen, denen sie gegenüberstehen. Die unmittelbar wahrnehmbaren Krisenerscheinungen nehmen in Europa jedoch an Intensität und Ausmaß zu.

2.3 Prognosen aus dem Umfeld von Sicherheitsbehörden

Der „National Intelligence Council“, eine Einrichtung amerikanischer Nachrichtendienste, warnte 2017 in einer Zukunftsstudie, dass Europa in den kommenden Jahren und Jahrzehnten von zunehmender Instabilität und einer Reihe konvergierender, einander gegenseitig verstärkender Krisentendenzen erfasst werden könnte:

  • Europa würden wahrscheinlich weitere strategische Schocks bevorstehen, etwa in Form einer erneuten Eskalation der Euro- und Staatsschuldenkrise sowie im Zusammenhang mit zunehmender irregulärer Migration aus Subsahara-Afrika und dem Mittleren Osten.
  • Aufgrund von voraussichtlich abnehmender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und hohen Schuldenlasten würden Staaten oft nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, um den wachsenden Herausforderungen zum Beispiel durch Transferleistungen begegnen zu können. Dies werde Verteilungskonflikte fördern, vor allem zwischen Migranten und sozial schwachen Teilen der einheimischen europäischen Bevölkerungen.
  • Aufgrund des möglichen Scheiterns der Europäischen Union und des Euro, zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf die Mittelschichten, migrationsbedingter Herausforderungen und der oben erwähnten Verteilungskonflikte sei eine weitere politische Polarisierung bzw. Radikalisierung des politischen Lebens in Europa wahrscheinlich. Die bestehenden liberalen Ordnungen und ihre politischen Eliten könnten infolgedessen an Rückhalt verlieren. Außerdem seien infolge ausbleibender Integration bestimmter Migrantengruppen die Bildung von Parallelgesellschaften und Konflikte verschiedener Art wahrscheinlich.

Die vorliegenden Informationen und bereits jetzt sichtbaren Tendenzen würden darauf hindeuten, dass Europa eine „dunkle und schwierige Zukunft“ bevorstehen könnte.24

In den 2004 und 2012 erschienenen Vorgängerstudien entwarfen die Experten ebenfalls überwiegend negative Szenarien für die Zukunft Europas.

  • Man beobachte die globale Tendenz, dass sich politische Akteure verstärkt entlang ethnischer oder religiöser Linien aufstellen, was durch Migration und die daraus resultierende ethnische und kulturelle Fragmentierung von Gesellschaften gefördert werde. Identitätsfragen würden in den kommenden Jahren voraussichtlich immer stärker das politische Geschehen prägen.
  • Im Rahmen von identitätspolitischem Aktivismus würden bestimmte politische Akteure verstärkt versuchen, Gesellschaften in ihrem Sinne umzugestalten, was Konflikte mit anderen Gruppen nach sich ziehe, die sich dadurch herausgefordert fühlten. Insbesondere ethnische oder religiöse Gruppen, die einen hohen Anteil junger Männer („youth bulge“) aufwiesen, könnten künftig auf identitätspolitischer Grundlage formulierte Forderungen verstärkt auf konflikthafte Weise artikulieren.

Europa werde aufgrund der demographischen Entwicklung und der Migrationsbewegung junger Männer aus Subsahara-Afrika und dem Mittleren Osten in besonderem Maße von kulturellen und ethnischen Polarisierungstendenzen betroffen sein. Die Integration dieser Migranten, vor allem von Muslimen, bleibe hier oft aus, was zur Herausbildung islamisierter Räume führen könne. Die Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation oder Rezessionen und ethnisch-religiöser Polarisierung werde außerdem wahrscheinlich innere Konflikte in den betroffenen Gesellschaften erzeugen.25

Auch Experten deutscher Sicherheitsbehörden erklärten, dass der „hohe Zuzug von Menschen aus anderen Weltteilen“ zur „Instabilität unseres Landes führen“ werde. Verstärkte irreguläre Migration nach Europa und ausbleibende Integration würden zur Bildung von Parallelgesellschaften sowie zur Zunahme von Extremismus und Konflikten führen.26 Ein ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, sagte, er halte „große gesellschaftliche Verwerfungen“27 für möglich. Hans-Georg Maaßen, ein ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, äußerte sich ähnlich. Ein ehemaliger Leiter des britischen Auslandsnachrichtendienstes MI6, Richard Dearlove, warnte 2016 im Zusammenhang mit der Migrationskrise vor der Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes und der möglichen Abwendung von großen Teilen der Bevölkerung von den jeweiligen politischen Ordnungen in europäischen Gesellschaften.28

2.4 Die europäische Zivilisation ist existenziell bedroht

Der Kunsthistoriker Kenneth Clark erklärte, dass es die wesentliche Erkenntnis aus dem Studium der Geschichte des antiken Roms sei, „daß die Zivilisation, mag sie auch noch so komplex und dauerhaft wirken, in Wahrheit sehr fragil ist. Sie kann zerstört werden.“29 Dies gilt auch für die europäische Zivilisation. Der Soziologe Gunnar Heinsohn warnte angesichts der beschriebenen Entwicklungen nicht nur vor gravierenden Verwerfungen in ganz Europa, sondern auch explizit vor einem drohenden „Finis Germaniae“.30 Der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington warnte ebenfalls, dass „Probleme des moralischen Verfalls, des kulturellen Selbstmords“ westliche Gesellschaften existenziell bedrohten.31

2.4.1 Warnungen christlicher Denker

Christliche Denker haben frühzeitig vor dieser Bedrohung gewarnt. Der christliche Philosoph Romano Guardini hatte Anfang der 1950er Jahre angesichts des Wirkens totalitärer Ideologien in Europa von einem „heraufdrohenden Chaos“ gesprochen. Europa und der Welt drohten „weit über einen Krieg hinausgehendes Unheil“ sowie „innere und äußere Zerstörung“. Eine „radikale Unchristlichkeit“ drohe langfristig in Europa durchzubrechen. Die Krisen des 20. Jahrhunderts hätten wahrscheinlich erst den Anfang dieser Entwicklung dargestellt. Guardini zufolge würden die Bedingungen im Europa der Zukunft endzeitliche Züge tragen in der Form, dass „unsere Existenz in die Nähe der absoluten Entscheidung und ihrer Konsequenzen gelangt; der höchsten Möglichkeiten wie der äußersten Gefahren.“32

Der damalige Kardinal Karol Wojtyla und spätere Papst Johannes Paul II. ging 1976 noch weiter, wobei er sich bei seiner Prognose nicht nur auf die damals akute Herausforderung durch den Kommunismus, sondern auf allgemeine kulturelle Entwicklungen bezog:

„Wir stehen jetzt vor der größten Konfrontation, die die Menschheit in ihrer Geschichte jemals erlebt hat. Ich denke nicht, dass der Großteil der […] Gesellschaft oder die gesamte Christenheit dies in vollem Umfang realisiert. Wir stehen jetzt vor dem Endkampf zwischen der Kirche und der Anti-Kirche, zwischen dem Evangelium und dem Anti-Evangelium, zwischen Christus und dem Anti-Christ. Diese Konfrontation liegt in den Plänen der göttlichen Vorsehung. Deshalb ist sie in Gottes Plan und es muss ein Kampf sein, den die Kirche aufnimmt und tapfer bestreitet.“33

Diese Verwerfungen würden zwar nicht das Christentum als solches bedrohen, aber seine Ausprägungen in westlichen Gesellschaften und viele der aus seinem Geist entstandenen kulturellen Werke, die in den vergangenen zwei Jahrtausenden geschaffen wurden. Darüber hinaus würden diese Verwerfungen für alle Menschen in den betroffenen Gesellschaften gravierende Folgen haben.

Der aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen mit totalitären Ideologien solchen Warnungen gegenüber aufgeschlossene erste Bundeskanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, erklärte kurze Zeit nach Guardini, dass angesichts der Folgen der Abwendung Europas von seinen christlichen Wurzeln dem Christentum, der christlichen Kultur und ganz Europa Gefahr drohe. Die „Rettung des Abendlandes, die Rettung der christlichen Kultur“ würden das Handeln aller auf dem Boden des Christentums stehenden Kräfte“ erfordern.34

2.4.2 Die Möglichkeit gesellschaftlicher Zusammenbrüche

Der Geograph Jared Diamond, der den Zusammenbruch von Gesellschaften untersuchte, definierte „Zusammenbruch“ als „die Extremform des Niederganges“. In der Geschichte der Menschheit habe es solche Ereignisse immer wieder gegeben. Sie hätten in der Regel „einen drastischen Rückgang der Bevölkerungszahl und/oder der politisch-wirtschaftlich-sozialen Komplexität“ beinhaltet, der sich auf größere Gebiete erstreckt und über längere Zeit angedauert habe. Der Übergang zwischen Niedergang und Zusammenbruch habe sich dabei meist fließend gestaltet.

Solche Zusammenbrüche stellten kein Phänomen dar, dass auf die Vergangenheit beschränkt sei. Sie  seien außerhalb der westlichen Welt auch in der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit zu beobachten gewesen. Man müsse sich angesichts der Entwicklung des westlichen Kulturraums und dessen immer größerer Verwundbarkeit die „quälende Frage“ stellen, ob „ein solches Schicksal am Ende auch unsere eigene, wohlhabende Gesellschaft ereilen“ könne.35 Laut Jared Diamond bestehe aufgrund zunehmender globaler Vernetzung und Wechselwirkungen zudem erstmals in der Geschichte der Menschheit das Risiko, dass die Krise einer Zivilisation zu einer globalen Zivilisationskrise werden könne.36

Komplexe Gesellschaften sind langfristig instabil und endeten in der Geschichte häufig in Form von Zusammenbrüchen, die mit größeren Verwerfungen verbunden waren und in deren Zuge es zu starkem Bevölkerungsrückgang und dem Verlust von Wissen und Kultur kam. Solche Zusammenbrüche traten meist dann ein, wenn eine Gesellschaft externe Schocks aufgrund innerer Schwächen nicht mehr erfolgreich bewältigen konnte. Solche Schocks können etwa rasche Umweltveränderungen, Seuchen oder Invasionen sein.37

Der Soziologe Wolfgang Streeck beschrieb soziale und kulturelle Auflösungsprozesse in westlichen Gesellschaften, die ihre eigenen Grundlagen und damit am Ende auch sich selbst zerstören könnten:

  • Das soziale Gefüge westlicher Gesellschaften werde sich auflösen. Das Risiko von Kriegen werde ebenso zunehmen wie Korruption, Bereicherung auf Kosten des Gemeinwohls und wirtschaftliche und soziale Ungleichheit.
  • Die entsprechenden Gesellschaften würden zunehmend unregierbar werden und von Konflikten zwischen Oligarchen und Populisten geprägt sein.
  • Wenn die Selbstzerstörung der kulturellen und sozialen Grundlagen westlicher Gesellschaften ein bestimmtes Maß erreicht habe, werde eine Zeit der Verwerfungen mit Konflikten zwischen Superreichen sowie absteigenden Mittelschichten und verelendenden Unterschichten beginnen.
  • Superreiche würden ihre Macht dazu nutzen, unter Aufhebung der Reste der Demokratie so lange wie möglich ihren Wohlstand und ihre Macht zu sichern, während linke und rechte Populisten diesen Zustand herausfordern würden.

In den daraus resultierenden Konflikten könnten die Reste der alten Ordnung zerrieben werden, woraufhin eine Zeit des Chaos und der Gewalt anbrechen könnte. In diesem Chaos würden dann neue Ordnungskräfte entstehen, wobei offen sei, wer diese sein und wie die darauffolgende Ordnung beschaffen sein könnte.38

Auch Papst Franziskus warnte, dass die Welt einer „umfassenden anthropologischen und sozio-ökologischen Krise“ gegenüberstehe, die damit verbunden sei, dass zunehmend „Symptome eines Bruchs“ zu beobachten seien.39

2.4.3 Die Möglichkeit einer globalen Zivilisationskrise

Die Krise des postchristlichen europäisch geprägten westlichen Kulturraums strahlt in Folge der Globalisierung bzw. im Zuge der Verbreitung globalistischer Ideologie und Kultur zunehmend auf die ganze Welt aus. Große Teile der Menschheit leiden bereits jetzt vor allem unter der geistigen Krise Europas, in deren Verlauf sich vom europäisch-geprägten Kulturraum ausgehend utopische und materialistische Ideologien über die Welt verbreiten.

Kardinal Robert Sarah sprach in diesem Zusammenhang von einer „Vergiftung der Welt“ und der „gewaltsamen Durchsetzung einer falschen Moral und verlogener Werte“ durch den „einem unmenschlichen Ideal zugewandten Globalismus“ des Westens. Die anhaltende Krise des Christentums in Europa werde voraussichtlich damit verbunden sein, dass die negativen Einflüsse Europas und der westlichen Welt auf die ganze Welt sich noch verstärken werden.40

Dem christlichen Philosophen Josef Pieper zufolge habe sich der moderne Fortschrittsoptimismus im 20. Jahrhundert als Irrtum erwiesen. Der technische Fortschritt lege gerade die schlechten Seiten der Natur des Menschen frei und potenziere seine Fähigkeit zum Bösen. 1860 hätte der Historiker und Theologe Ignaz von Dölllinger noch erklären können, dass eine Weltmacht, die stark genug wäre, weltweit allgemeine Verfolgungen zu organisieren, „etwas geradezu Undenkbares“ sei. Ein globales System dessen, was Aldous Huxley als „annehmbar gemachte Versklavung“ bezeichnete bzw. ein möglicherweise in das Gewand der Freiheit gekleideter globaler Totalitarismus sei in den Bereich des Möglichen gerückt.41

Die Autorin Gabriele Kuby schrieb, dass Papst Benedikt XVI. ihr gegenüber im Rahmen einer Privataudienz 2014 erklärt habe dass er davon ausgehe, dass die Gegenwart mit der von Christus vorausgesagten Zeit identisch sei, in der „eine große Drangsal sein“ wird, „wie es sie nie gegeben hat, vom Anfang der Welt bis heute, und wie es auch keine mehr geben wird.“42 Benedikt habe gesagt, die Zerstörung gehe derzeit „an die tiefste Wurzel des Menschen wie nie zuvor.“43

Die Erwartung globaler Zivilisationskrisen in wirtschaftlichen Eliten

Unter besonders wohlhabenden Persönlichkeiten sowie Führungskräften von Finanz- und Technologieunternehmen in den USA setzte um 2015 ein Phänomen ein, das Beobachter als „elite survivalism“ bezeichneten. Der früher dort zu vorherrschende Fortschrittsoptimismus weiche zunehmend negativen Annahmen, was die Zukunftsfähigkeit globalisierter Gesellschaften angeht. Es werde verstärkt die Möglichkeit gravierender Verwerfungen in westlichen Gesellschaften und einer globalen Zivilisationskrise in Erwägung gezogen.

Als Gründe dafür würden die zunehmende Verwundbarkeit moderner Gesellschaften in Folge ihrer Abhängigkeit von Technologie und globalen Lieferketten, die erwarteten Folgen des Klimawandels sowie die Erwartung einer globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und die Furcht vor deren sozialen Folgen angegeben. Außerdem würde geäußert, dass erwartet werde, dass die amerikanische Gesellschaft aufgrund ihrer ethnischen, kulturellen und politischen Polarisierung nicht mehr hinreichend resilient sei, um entsprechende Krisen bewältigen zu können. Es herrsche zudem nur geringes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit von Politik und Medien. Viele besonders wohlhabende Persönlichkeiten würden sich auf eine globale Zivilisationskrise vorbereiten und hätten sich Fluchtorte in Staaten wie Neuseeland angelegt:

  • Antonio Garcia Martinez, eine ehemalige höhere Führungskraft von Facebook, erklärte, dass er von vielen anderen Führungskräften in seiner Branche wisse, die entsprechende Vorbereitungen getroffen hätten. Persönlichkeiten, die tiefere Einblicke in gesellschaftliche Abläufe hätten, würden verstehen, dass sich die amerikanische Gesellschaft auf „sehr dünnem kulturellen Eis“ bewege.
  • Tim Chang, der Leiter eines im Bereich Venture Capital tätigen Unternehmens, berichtete, dass Führungskräfte von im Silicon Valley ansässigen Technologieunternehmen bei privaten Zusammenkünften verstärkt über ihre persönlichen Krisenvorbereitungen sprechen würden. Die Einrichtung von Fluchtorten spiele dabei eine besondere Rolle. Er selbst habe sich einen solchen Ort eingerichtet. Steve Huffman, ein Mitbegründer von Reddit, schätzte, dass rund die Hälfte der wohlhabendsten Persönlichkeiten der Technologiebranche in den USA solche pessimistischen Erwartungen teilten.44
  • Peter Thiel, ein Mitbegründer von Paypal und der erste Großinvestor bei Facebook, besitzt einen Fluchtort in einem unzugänglichen Teil Neuseelands.45

Der Medientheoretiker Douglas Rushkoff berät Investoren „aus den Führungsetagen der Hedgefonds-Welt“ zu den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen von technischen Innovationen. In Beratungsgesprächen sei deutlich geworden, dass dieser Personenkreis davon ausgehe, dass globale Krisen katastrophalen Ausmaßes bevorstehen könnten.

Diese globale Krise werde allgemein als „das Ereignis“ bezeichnet, als dessen mögliche Auslöser man einen ökologischen Zusammenbruch, soziale Unruhen, „einen unaufhaltsamen Virenausbruch oder einen vernichtenden Hackerangriff“ annehme. Man reagiere darauf mit der Suche nach einem „Rettungsboot für die Elite“ in Form sicherer Rückzugsräume für sich selbst und das eigene Vermögen.

„Trotz all ihrer Macht und ihres Vermögens“ glaubten die Angehörigen wirtschaftlicher Eliten „nicht daran, dass sie die Zukunft noch beeinflussen können“. Sie würden daher „das düsterste aller Szenarien“ akzeptieren und „jede denkbare Summe Geld, jede denkbare Technologie“ darauf verwenden, „um sich dagegen abzuschirmen“.46

2.4.4 Die Kontinuität des christlichen Europas ist bedroht

Das Christentum wird herausgefordert, seitdem es existiert, und es ist in seiner Geschichte aus zahlreichen Krisen immer wieder gestärkt hervorgegangen. Die Kirche ist die älteste lebendige Institution der Menschheitsgeschichte und sie wird nach christlicher Überzeugung bis zum Ende der Zeit bestehen. Die christlichen Kulturen Europas sind unabhängig davon jedoch wie alle Kulturen den allgemeinen Abläufen des Aufstiegs und des Niedergangs von Kulturen unterworfen. Durch eine Verbindung aus innerer Schwäche und äußeren Herausforderungen können diese Kulturen so enden wie viele andere Kulturen in der Geschichte der Menschheit.

Wenn sich die oben beschriebenen Tendenzen fortsetzen, dann würde Europa nicht nur bei der Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen scheitern, denen es gegenübersteht, sondern im Laufe dieses Jahrhunderts nach über 1500 Jahren seinen christlichen Charakter verlieren. In Folge dessen könnten Christen hier zu einer bedrängten Minderheit werden und die Kulturen erlöschen, die sie begründet und getragen haben. Dies würde nicht nur das Werk von Jahrtausenden zerstören, sondern hätte auch gravierende Folgen für alle Menschen in den betroffenen Gesellschaften sowie für das weltweite Christentum.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) warnte bereits 1970, dass es ihm als gewiss erscheine, „dass für die Kirche sehr schwere Zeiten bevorstehen“. Ihre „eigentliche Krise hat noch kaum begonnen. Man muss mit erheblichen Erschütterungen rechnen.“47

  • 2005 warnte er, dass die Zukunft Europas „dunkel“ sein werde.48 Christen müssten angesichts einer sich immer deutlicher abzeichnenden Zivilisationskrise Europas mit „einer ganz neuen Art von Konflikten rechnen“.49
  • 2016 äußerte er noch einmal seine Sorge um die Zukunft Europas und die Kontinuität des Christentums in Europa: „Wie Europa sich entwickeln wird, wie weit es noch Europa sein wird, wenn andere Bevölkerungsschichten es neu strukturieren, wissen wir nicht. […] Das Wort des Evangeliums kann natürlich aus Kontinenten verschwinden. Wir sehen ja, die christlichen Kontinente des Anfangs, Kleinasien und Nordafrika, sind nicht mehr christlich. Es kann auch in Räumen verschwinden, wo es groß war.“50

Erzbischof Georg Gänswein, einer der engsten Vertrauten des emeritierten Papstes Benedikt XVI., sagte 2018, dass angesichts der gegenwärtigen Lage des Christentums in westlichen Gesellschaften „das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“ stehe. Die innere Krise des Christentums werde verstärkt durch äußere Bedrohungen bzw. durch die Tatsache, dass das Christentum „nicht nur in Europa […] seit Jahrzehnten wieder eine Völkerwanderung, die niemals mehr an ein Ende kommen wird“, erfahre. Die gegenwärtige Lage sei vergleichbar mit der Zeit unmittelbar vor dem Untergang des Römischen Reiches, das ebenfalls durch eine Kombination aus innerer Dekadenz und äußerem Druck zerstört worden sei, was einen beispiellosen Kulturbruch nach sich gezogen habe.51

Papst Franziskus sprach im Oktober 2017 eine ähnliche Warnung aus, als er die gegenwärtige Lage in Europa mit der verglich, „als die antike Zivilisation unterging“. Europa habe bei der Weitergabe seines Erbes „dem Vermächtnis den Verrat vorgezogen“.52 Kardinal Christoph Schönborn sagte 2017, dass das Christentum in Europa langfristig das Schicksal des Christentums in der Türkei und in Nordafrika teilen und weitestgehend verschwinden werde.53

Laut dem christlichen Publizisten Rod Dreher würden kulturelle Auflösungstendenzen nicht mehr nur von „einer kleinen linksgerichteten Elite“ getragen, sondern vom „Mainstream der Gesellschaft“, der das Christentum als rückständig und intolerant betrachte und in der Auflösung seiner kulturellen Werke eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Fortschritt sehe. Der „stetige Niedergang des Christentums und die stetig zunehmende Feindseligkeit gegenüber traditionellen Werten“ sei prägend für westliche Gesellschaften geworden:

  • Diese Entwicklung werde sich künftig noch beschleunigen, was auch daran erkennbar sei, dass in den USA einige große Konzerne dazu übergegangen seien, den Kampf gegen christliche Kultur, etwa den Kampf gegen das christliche Konzept von Ehe und Familie oder von Geschlechteridentität, finanziell und ideell zu unterstützen.
  • Christliches Denken und Leben rücke zunehmend in den Bereich des gesellschaftlichen Tabus und des strafrechtlich Verbotenen. Christen in westlichen Gesellschaften müssten künftig mindestens dazu bereit sein, soziale Isolation und berufliche Nachteile als Folge ihres Bekenntnisses in Kauf zu nehmen.
  • Diese Entwicklung werde immer größeren Assimilationsdruck erzeugen, der dazu führe, dass ungefestigte Christen sich vom Christentum abwenden würden. Dies werde insbesondere junge Menschen betreffen.

Es sei daher möglich, dass die heute lebenden Menschen „vielleicht noch in ihrer Lebenszeit Zeugen des effektiven Todes des Christentums in unserer Zivilisation werden“.54

Der Historiker Hilaire Belloc schrieb 1938 vor dem Hintergrund des Erstarkens totalitärer Ideologien, dass die Kirche durch eine „steigende Flut“ bedroht sei. Verschiedene Szenarien seien möglich, was die Zukunft der Kirche in Europa angehe. Die Kirche könne nicht zerstört werden, aber was wir „nicht kennen, ist die Ausdehnung des Gebietes, in dem sie überleben wird, ihre zukünftige Fähigkeit zum Neuaufschwung oder die Kraft des Feindes, sie immer weiter bis zu ihren letzten Stellungen zurückzudrängen – bis es so aussehen könnte, als wäre der Antichrist gekommen und als würden die letzten Fragen bald entschieden werden. Von solcher Bedeutung ist der unmittelbar vor aller Augen stattfindende Kampf“.

Angesichts dieser Lage gelte es die Frage zu klären, „ob die Dinge darauf hindeuten, dass die Kirche zur isolierten Festung wird, die großen Widrigkeiten trotzen muss“, oder ob „sie eine Arche inmitten einer steigenden Flut sein wird, die, auch wenn sie das Schiff nicht versenkt, alles andere bedeckt und zerstört; oder ob die Kirche – ungefähr – in ihrer alten Macht wiederhergestellt werden wird.“55

3. Die geistig-kulturellen Ursachen der Krise Europas

Der europäische Kulturraum, einschließlich Nordamerika, steht in Folge des Wirkens utopischer und materialistischer Ideologien seit dem späten 18. Jahrhundert einem kulturellen Auflösungsprozess gegenüber, der mit immer gravierenderen Herausforderungen verbunden ist und sich gegenwärtig in einer Phase radikaler kultureller und gesellschaftlicher Veränderung äußert. Dieser Prozess ist mit der Erosion des durch das Christentum geschaffenen kulturellen Substanz verbunden, welche die Grundlage der Kulturen und Gemeinwesen Europas darstellt. Von dieser Substanz leben bislang auch die säkularen Gesellschaften Europas, die diese Substanz ohne den Beitrag des Christentums jedoch nicht erneuern können.

3.1 Das destruktive Wirken utopischer und materialistischer Ideologien

Europa ist infolge des Wirkens utopischer und materialistischer Ideologien spätestens seit dem 18. Jahrhundert einem kulturellen Auflösungsprozess unterworfen, der sich gegen das Christentum und die von ihm geschaffene kulturelle Substanz richtet. Diese Ideologien umfassen sowohl den Sozialismus, Liberalismus und Nationalismus sowie ihre zahlreichen Ableger und Metamorphosen, etwa populistische Strömungen verschiedener Art, Neomarxismus, Neoliberalismus und Postmodernismus. Ihnen ist gemeinsam, dass sie die christliche Vorstellung der Transzendenzgebundenheit der Kultur ablehnen und die auf dieser Bindung beruhende Kultur teilweise auch gewaltsam bekämpfen und zerstören wollen.

Der von ihnen bewirkte Prozess der Auflösung der traditionellen Kulturen Europas hat sich in der jüngsten Vergangenheit weiter beschleunigt. Die Reste kulturtragender Institutionen wie Kirche, Familie und Nation stehen infolge dieser Entwicklung in Europa zunehmend unter Druck, was gravierende und ggf. auch katastrophale Folgen nach sich ziehen kann bzw. bereits gezogen hat.

3.1.1 Frühe Warnungen christlicher Denker

Ein Bewusstsein für das destruktive Wirken dieser Ideologien setzte bei christlichen Denkern in Europa unmittelbar nach der Französischen Revolution von 1789 ein. Der Staatsphilosoph Edmund Burke warnte angesichts des Terrors der Revolutionäre und der von ihnen vorangetriebenen Kulturrevolution damals, dass die Menschen wie die „Fliegen eines Sommers“ sein würden, wenn das Band der Tradition endgültig zerreiße.56

Der Staatsphilosoph Juan Donoso Cortés schrieb um das Jahr 1850, dass Europa im Sterben läge, weil materialistische Ideologien es vergiftet hätten. Es sterbe, „weil der Irrtum tötet und weil diese Gesellschaft auf Irrtümern aufgebaut ist […]. Daher wird die Katastrophe, die kommen muss, in der Geschichte die Katastrophe schlechthin sein.“ Er schrieb außerdem, dass der Mensch, wenn er „einmal das Übernatürliche aus seinem Gesichtskreis entfernt“ habe, dadurch „seinem Leben und seinen Idealen eine ganz andere Richtung“ gebe. Er beginne, „seine Blicke erdwärts zu richten und sich ausschließlich dem Kult der materiellen Interessen zu widmen“. Er leite damit eine historische Epoche ein, in der „der irdische Nutzen zum System erhoben wird“ und „die Zeit, wo der Handel sich ausdehnt und das industrielle Fieber gewaltige Ausmaße annimmt, wo der Übermut der Reichen keine Schranken mehr kennt und die Ungeduld der Armen alle Dämme durchbricht“. Dieses „Zusammentreffen materiellen Reichtums und religiöser Armut“ werde eines Tages eine „riesenhafte Katastrophe herbeiführen“.57

Der katholische Schriftsteller Charles Péguy schrieb 1911, dass das „Zeitalter des Glaubens“ das von der Herrschaft des durch Jesus Christus offenbarten „Liebesgesetzes“ geprägt worden sei, sich seinem Ende zuneige. Das Christentum gleiche „seit bald drei Jahrhunderten“ einem „Leuchtturm“, der „vergeblich von einem ganzen Meer berannt“ werde und dem „Abgrund von Unglauben und Untreue“, der die moderne Welt sei, standhalte. Das Christentum werde „von allen Seiten angegriffen, bedrängt, aber in keiner Weise erschüttert“ und sei „vereinsamt in dieser modernen Welt, im Wellenschlag einer ganzen Welt, unerschöpflich von Wogen und Sturm gepeitscht, immer aufrecht, allein in einer ganzen Welt, aufrecht in einem unerschöpflich entfesselten Meer, einsam im Ozean“. Der ununterbrochene Konflikt zwischen dem Christentum und den ihm entgegenwirkenden Kräften „steht heute vor unserer Schwelle, er schlägt an unsere Tore.“ Bisher „unbekannte Prüfungen“ für das Christentum würden bevorstehen. Das Christentum müsse in dieser Lage mehr denn je ein Glaube sein, „der durchhält“:

„Alle unsere Häuser […] sind vom Meer bedroht. […] Wir alle sind Inseln, gepeitscht von einem unaufhörlichen Sturm, und alle unsere Häuser sind Festungen im Meer. […] Die schwächsten Frauen, die Kinder in der Wiege sind schon belagert. Der Krieg steht auf der Schwelle und klopft an unsere Pforten. Wir müssen ihn nicht suchen, wir müssen ihn nicht hinaustragen. Er ist es, der uns sucht. Er ist es, der uns findet. […] Wir stehen heute alle an der Front. Ihre Grenze ist überall. Der Krieg ist überall, in tausend Stücke aufgespalten, zerteilt, zerbröselt. Wir sind heute alle an die Marken des Königreiches gestellt.“

3.1.2 Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts bestätigten frühere Warnungen vor einer Zivilisationskrise

Die Katastrophe des Ersten Weltkriegs und die noch größeren Katastrophen, die mit dem Wirken totalitärer Ideologien in Europa verbunden waren, bestätigten diese Warnungen. Denker verschiedener Strömungen der abendländischen Tradition vertieften vor diesem Hintergrund im 20. Jahrhundert ihre Analyse der Ursachen Krise Europas:

  • Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) sprach vom „Karfreitag des 20. Jahrhunderts“, in dem die Gottverlassenheit eines Europas, das Gott zurückgewiesen habe, ihre furchtbare Wirkung offenbart habe. Wenn „Kant und Hegel Recht behalten hätten, dann hätte die voranschreitende Aufklärung den Menschen immer freier, immer gerechter, immer vernünftiger, immer gerechter machen müssen“. Stattdessen aber „steigen wachsend aus seiner Tiefe jene Dämonen auf, die wir so eifrig totgesagt hatten“. Die Macht des Menschen zu zerstören und seine Schwäche, seiner „Unmenschlichkeit Herr zu werden“, seien durch die Aufklärung freigesetzt worden.58
  • Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer urteilte gegen Mitte des 20. Jahrhunderts, dass sich hinter der modernen Rhetorik von Fortschritt und Gerechtigkeit das Böse verberge. Dieses trete in der „Gestalt des Lichts, der Wohltat, des geschichtlich Notwendigen, des sozial Gerechten“ auf, „die Bestätigung der abgrundtiefen Bosheit des Bösen“ sei.59 In Folge der Französischen Revolution sei eine „abendländische Gottlosigkeit“ sowie eine „Religion aus Feindschaft gegen Gott“ entstanden, die den Menschen als Gott verehre. Nationalismus und die Verherrlichung der Masse und somit auch der Nationalsozialismus gehörten zu den geistigen Produkten der Revolution und ihres Nihilismus.60 Das Abendland sei christusfeindlich geworden und es drohe „Auflösung alles Bestehenden“.61 Auch Romano Guardini beobachtete fast zeitgleich mit Bonhoeffer einen „allgemeinen Zerfall des Überlieferten“ im Zuge des Wirkens moderner Ideologien.62
  • Der Historiker Eric Voegelin sah die Möglichkeit einer „Apokalypse der Zivilisation“ als Folge der Durchsetzung der oben erwähnten Ideologien. Die Gesellschaften des Westens seien in immer größerem Maße von der „unheimlichen, geisterhaften Atmosphäre eines Irrenhauses“ geprägt. Die dafür verantwortlichen Utopien beruhten auf der systematischen Missdeutung der Wirklichkeit und würden sich und die von ihnen beeinflussten Gesellschaften zerstören. Diesen Ideologien mangele es vor allem an Bewusstsein für die kulturellen Voraussetzungen funktionierender Gesellschaften. Sie agierten als Konsumenten kultureller Bestände, deren Quellen sie nicht verstünden und deren Abbau sie als Gewinn an Freiheit wahrnähmen.63 Unter dem Eindruck des Wirkens totalitärer Ideologien in Europa schrieb er 1938, dass „sich hinter den ethisch verwerflichen Handlungen ein tieferes und gefährlicheres Übel verbirgt“. Der Kampf dieser Ideologien gegen die christliche Tradition Europas habe eine metaphysische Dimension. Das Böse zeige sich in diesem Kampf „als eine echte, in der Welt wirksame Substanz und Kraft“. Man habe es mit einer „nicht nur sittlich schlechten, sondern religiös bösen, satanischen Substanz“ zu tun, der nur eine Religion, nicht aber bloße Sittlichkeit Stand halten könne. Die Welt befände sich in „einer schweren Krise“, in „einem Prozeß des Verdorrens, der seine Ursache in der Säkularisierung des Geistes, in der Trennung eines dadurch nur weltlichen Geistes von seinen Wurzeln in der Religiosität hat, und der nicht wüßte, daß die Gesundung nur durch religiöse Erneuerung, sei es außerhalb dieses Rahmens, herbeigeführt werden kann.“64
  • Der christliche Philosoph Leopold Ziegler schrieb 1952, dass ein Wahn die Völker Europas befallen habe. Diese hätten begonnen, „ihre bis dahin heilig gehaltenen Überlieferungen […] mit wütender Verbissenheit täglich mehr zu hassen“. Sie würden in Folge dessen „unabwendbar ihren Halt verlieren“. Dies käme einem „Selbstmord“ gleich, da sie sich mit ihren Überlieferungen „ihrer stärksten Stütze“ entledigen und die geistige Orientierung verlieren würden, die der Entwicklung ihrer Kultur ursprünglich ihre Richtung gegeben habe. So seien sie eine „leichte Beute geworden“ für „Aufwiegler, Einpeitscher und Verhetzer, die bloß auf die Gelegenheit, die Macht zu ergattern, hinter allen Straßenecken lauern.“ Letztere würden gegen die, „die den Weg der Irre nicht bis ans Ende gehen wollen“, Hass schüren und die Masse gegen sie aufhetzen.65
  • Der Soziologe Philip Rieff beschrieb das Phänomen der „Antikultur“. Alle Werke einer Kultur gingen letztlich auf religiöse Impulse zurück, aus denen heraus sie lebten und sich entfalteten. Die Ideologien, welche die westliche Welt seit Jahrzehnten prägen, seien der Ausdruck eines kollektiven Todestriebs, der gegen die religiöse Verwurzelung der Kultur rebelliere. Sie beruhten auf Verneinung der religiösen Bindung der Kultur, würden die Auflösung dieser Bindungen als Fortschritt bzw. als Gewinn an Freiheit verstehen und hätten eine „Antikultur“ geschaffen, welche die gewachsenen Kulturen der westlichen Welt und ihre Institutionen von innen heraus auflöse.66

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) sprach ähnlich wie Rieff von einer „Antikultur des Todes“.67 Die tragenden seelischen Kräfte Europas seien weitgehend abgestorben und der Kontinent von innen her geistig leer geworden. Wesentliche Teile der kulturellen Substanz der westlichen Welt seien mittlerweile „bis auf den Grund bedroht“.

Kardinal Robert Sarah warnte daher vor einem drohenden kulturellen Selbstmord Europas. Die Trennung europäischer Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln führe dazu, dass sie ihre Seele verlieren würden, was sie nicht dauerhaft überleben könnten. Nicht nur den Kulturen, sondern auch den ohne Nachkommen bleibenden Menschen Europas drohe daher der Tod. Ein Baum, der seine Wurzeln verliere, müsse sterben.68

3.2 Die Entstehung eines „falschen Europas“

In der 2017 veröffentlichten Pariser Erklärung analysierten europäische Denker wie Robert Spaemann, Roger Scruton, Ryszard Legutko und Rémi Brague die Lage des Kontinents. Sie warnten, dass ein „falsches Europa“ dabei sei, das authentische Erbe Europas sowie seine Kulturen und Nationen zu zerstören. Dieses falsche Europa beruhe auf einer „Kultur der Ablehnung des Eigenen“ und strebe nach der Trennung Europas von seinen Wurzeln. Es werde von Akteuren vorangetrieben, die geistig und kulturell heimatlose „Waisen aus eigener Wahl“ seien, einer utopischen Ersatzreligion und einem „Aberglauben an einen unaufhaltbaren Fortschritt“ anhingen und dabei auch ein „falsches Christentum“ für ihre Zwecke konstruiert hätten.

Das falsche Europa sei dabei, die „Kolonisierung unserer Heimat“ voranzutreiben, einen „pseudoreligiösen Kreuzzug für eine entgrenzte Welt“ zu führen und eine technokratische Tyrannei zu errichten. Es stelle zusammen mit seiner Vision einer „post-nationalen und post-kulturellen Welt“ eine existenzielle Bedrohung für das wahre, auf christlichem Denken beruhende Europa dar.69

3.3 Die Schwäche der Kirche

Der beschriebene Auflösungsprozess hat auch die Kirche in Europa erfasst, deren große Konfessionen gleichermaßen in immer größerem Maße von utopischen Ideologien überformt werden und dadurch als Akteure kultureller Bewahrung und Erneuerung zunehmend an Kraft verlieren oder ausfallen.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. verglich die katholische Kirche 2017 mit einem sinkenden Schiff, das „schon fast zum Kentern angefüllt ist“.70 Bereits 1971 hatte er vor dem Hintergrund der postkonziliaren Krise der katholischen Kirche gewarnt, dass diese aufgrund der sich in ihr abzeichnenden Entwicklungen nicht mehr Zeichen sei, „das zum Glauben ruft […] sondern eher das Haupthindernis, ihn anzunehmen“.

Erzbischof Georg Gänswein, einer der engsten Vertrauten Benedikts, warnte 2018, dass die Kirche gegenwärtig „eine wahrhaft endzeitliche Krise“ durchlaufe. Die Aktivitäten korrupter Netzwerke, welche die Kirche bis auf höhere Hierarchieebenen unterwandert haben, seien eine „Katastrophe“, die einen „Zusammenbruch“ der Kirche nach sich ziehen könnte. Es gebe eine „Ökumene des Unglaubens“, die alle christlichen Konfessionen erfasst habe. Die Volkskirche sei in Europa „schon lange gestorben“. Weder die mahnenden Worte Benedikts XVI., der von „Schmutz“ und „Verrat“ im Innern der Kirche gesprochen hatte, noch „die Lippenbekenntnisse von einem Großteil der Hierarchie“ hätten dem Wirken des Bösen in der Kirche Einhalt gebieten können. Wenn die Kirche sich nicht erneuere, „steht […] das ganze Projekt unserer Zivilisation auf dem Spiel“.71

Kardinal Gerhard Ludwig Müller warnte im Juli 2018 vor einer „dramatischen“ Lage des Christentums auf dem Kontinent, auf dem es sich jahrhundertelang entfaltet hat. In ganz Europa sei eine „forcierte Entchristlichung“ zu beobachten, die über bloße Säkularisierung weit hinausgehe. Die Kultur Europas vollziehe gegenwärtig etwa einen radikalen Bruch mit dem Menschenbild, auf dem sie beruhe. Im Christentum würden gleichzeitig Glaubensbindungen und Glaubensweitergabe immer schwächer werden, während „sogenannte Progressive […] alle sogenannten Konservativen jagen“ und dadurch Kräfte binden würden, die für die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Herausforderungen nicht mehr zur Verfügung stünden. Gleichzeitig würde dadurch die Kirche immer stärker politisiert und dem Zeitgeist unterworfen.72

Bereits 2013 warnte der evangelische Theologe Klaus Berger davor, dass „die Christentümer des Westens aus eigener Schwäche zusammenbrechen“ könnten.73 Der (ebenfalls evangelische) Philosoph Günter Rohrmoser erklärte, dass der Zustand der Christen und der Christenheit in dieser Gesellschaft […] nicht von der bösen Welt und einer Menschheit, die sich vom Christentum abwendet und zerstören will, verursacht worden“ sei, sondern die Folge der geistig-geistlichen Schwäche der Kirche sei, „im Kampf um die Wahrheit noch überzeugend, werbend und gewinnend teilzunehmen.“74

Rod Dreher zufolge habe sich die Kirche „als weitgehend untauglich erwiesen, die Triebkräfte des kulturellen Niedergangs effektiv zu bekämpfen“. Das Christentum habe in westlichen Gesellschaften seinen prägenden Einfluss auf die Kultur bereits vor Jahrzehnten verloren und befinde sich auf allen Gebieten in der Defensive. Das Christentum „sollte eigentlich eine mächtige Gegenkraft gegen den radikalen Individualismus und Säkularismus der Moderne sein“. Von einzelnen Themen abgesehen würden große Teile der Kirche jedoch noch nicht einmal mehr versuchen, eine solche Kraft darzustellen. Der Großteil der Christen aller Konfessionen reagiere auf den zunehmend aggressiven Kulturkampf säkularer Ideologien mit Planlosigkeit und würde „nicht begreifen, was um sie herum passiert“. Anzeichen für die bevorstehenden Verwerfungen würden verbreitet „heruntergespielt oder ignoriert“. Die Kirche sei außerdem zu weiten Teilen innerlich von modernen Ideologien „kolonisiert“ worden. Diese Teile der Kirche verkündeten eine neue Religion, die mit dem Christentum nur noch manche Begriffe und Formen gemeinsam habe.75

3.4 Das Versagen des christlichen Konservatismus

Dreher zufolge ist der Einsatz christlich-konservativer Akteure in westlichen Gesellschaften zur Bewahrung der traditionellen Kultur vollständig gescheitert. Ein christlicher Konservatismus existiere nicht mehr in nennenswertem Umfang, weil der real existierende Konservatismus weitgehend von neoliberaler Ideologie überformt worden sei und dazu beitrage, die Krise der westlichen Welt weiter zu verschärfen.

Die verbliebenen christlichen Konservativen würden überwiegend Illusionen anhängen, was die Stärke der verbliebenen kulturellen Substanz und die Erfolgsaussichten politischer Reformen angehe, und die Dimensionen der Krise unterschätzen. Sie ähnelten russischen Aristokraten, die nach der kommunistischen Revolution im Exil Pläne für die Restauration der Monarchie diskutierten. Die Probleme einer defekten Kultur seien jedoch nicht mit politischen Mitteln lösbar. Selbst ein Konservatismus, der die Lage zutreffend bewerte, wäre jedoch kurz- und mittelfristig machtlos gegen die mittlerweile hinsichtlich ihres gesellschaftlichen Einflusses deutlich überlegenen und weiter an Kraft gewinnenden kulturellen Tendenzen, denen er gegenüberstehe.

Anhang

Anhang 1: Die Krisenerwartung des Christentums und der christliche Realismus

Die Erwartung kommender Verwerfungen ist ein integraler Bestandteil christlicher Weltanschauung und beruht auf Ankündigungen Christi selbst. Bis zum Ende der Zeit werde das „Heerlager der Heiligen“76 bedroht und verfolgt werden, wobei die Herausforderungen im Verlauf der Zeit immer mehr zunehmen würden. Vor utopischen Hoffnungen auf die Schaffung einer besseren Welt und eines besseren Menschen durch politische Ideologien ist das Christentum daher weitgehend immun.

Jesus Christus sagte denen, die ihm nachfolgen, voraus, dass sie Krisen, Not und Verfolgung ausgesetzt sein würden:

„Als Jesus den Tempel verlassen hatte, wandten sich seine Jünger an ihn und wiesen ihn auf die gewaltigen Bauten des Tempels hin. Er sagte zu ihnen: Seht ihr das alles? Amen, das sage ich euch: Kein Stein wird hier auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden. […] Ihr werdet von Kriegen hören und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt Acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. […] Doch das alles ist erst der Anfang der Wehen. Dann wird man euch in große Not bringen und euch töten und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst.“77

Bereits in der Antike entstand im Christentum die Vorstellung von sechs Weltzeitaltern. Seit der Geburt Christi befände sich die Welt im sechsten und abschließenden Weltzeitalter. Joseph Kardinal Höffner zufolge gehe auch die christliche Soziallehre der Gegenwart davon aus, dass die Menschheit in einem „gefallenen Äon“ lebe.78

Der katholische Philosoph Josef Pieper sah die Quelle des Realismus des christlichen Denkens darin, dass es auf ein „innerzeitlich katastrophistisches Ende der Geschichte gefasst“ sei. In diesem Punkt sei es wesentlich realistischer als der naive Fortschrittsglaube der Moderne, „den das Auftreten eines ganze Völker terrorisierenden Gewaltverbrechers (‚mitten im zwanzigsten Jahrhundert!‘) unvermeidlich in einen Abgrund von Fassungslosigkeit stürzen musste.“ Christen hätten zudem ein „wacheres Witterungsvermögen“ für krisenhafte Verlaufsmöglichkeiten des Geschehens sowie für den „endzeitlichen Geruch“ bestimmter geschichtlicher Erscheinungen. Christlicher Realismus erkenne darin „eine geheime Signatur, die der bloß positivistischen Bestandsaufnahme mit Notwendigkeit entgeht.“ Abendländisches Denken sei von der Vorstellung einer „Endkatastrophe“ durchzogen, die „geschichtlichen Charakter“ haben, werde, d. h. aus „dem freien Tun der Menschen hervorgehen“ und nicht von außen kommen werde:

„[D]ie Vorstellung vom Ende der Menschengeschichte, wie es im abendländischen Geschichtsdenken […] gedacht worden ist […] besagt, mit einem Wort, daß die Geschichte mit einer Katastrophe zu Ende gehen werde, und zwar mit einer geschichtlichen, das heißt mit einer im geschichtlichen Prozeß selbst hervorgebrachten Katastrophe. Die Geschichte der Menschheit wird nicht einfach auf Grund eines äußeren Faktums „aufhören“ […]. Nein, das Lied wird zu Ende gesungen werden, aber dieses Ende wird, innergeschichtlich betrachtet, ein Mißklang sein.“79

Nach christlicher Vorstellung werde dieser Endzustand mit der „Herrschaft des Antichrist“ verbunden sein. Dieser sei gemäß Thomas von Aquin als weltlicher Machthaber und „eine eminent geschichtliche und politische Figur zu denken“. Es werde außerdem gemäß der Vorstellung abendländischen Geschichtsdenkens einen „Kampf gegen Christus über die ganze Welt hin“ geben, der durch den „Weltstaat des Antichrist“ in Form einer Weltherrschaft des Bösen getragen werden wird.80

Es müsse in diesem Zusammenhang betont werden, „daß wir selber es sein werden, die ein Ende machen; daß die Katastrophe nicht von außen her über uns hereinbrechen, sondern daß sie im Vollzug des Geschichtsprozesses selbst geschehen wird“.81 In der Gegenwart seien „auf Grund einer Bestandsaufnahme der sich empirisch ankündigenden geschichtlichen Tendenzen, Phänomene mindestens ahnbar geworden, die gar nicht so weit abliegen von jener apokalyptischen Vision“, die immer plausibler erscheine als die Utopien der Moderne.82 Christen müsse dies nicht beunruhigen, denn die „Gefaßtheit auf ein innergeschichtlich katastrophisches Ende“ sei Teil der christlichen Hoffnung.83

Laut Romano Guardini würde das apokalyptische Geschehen bereits in die Welt hineindringen wie die „vorlaufenden Spitzen der letzten Sturmflut“. Es handele sich dabei um „die Anzeichen jener von Gott kommenden Katastrophe, in der alles zum Ausbruch kommen soll, was im Menschen böse, falsch und verdorben ist“. Robert Spaemann wies darauf hin, dass die Zukunftsvisionen Christi überwiegend Katastrophenvisionen seien, die einen großen Abfall vom Glauben und nicht eine große Bekehrung ankündigen würden. Andererseits gebe es für Christen die Gewissheit, dass der entscheidende Sieg in der kosmischen Auseinandersetzung bereits errungen worden sei, und dass seit Golgotha alle Siege er widergöttlichen Mächte Pyrrhussiege gewesen seien und sein würden.

Auch der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer wandte sich gegen den Kulturoptimismus moderner Ideologien. Im Zweiten Weltkrieg schrieb er, dass diese Ideologien „die Bedeutung des Vernünftigen und Gerechten auch im Geschichtsablauf immer wieder überschätzt“ hätten.84

Der Historiker Hilaire Belloc betonte, dass das Christentum die Möglichkeit einer Welt ohne Konflikte und Krisen grundsätzlich ausschließe. Er schrieb 1938 im Zusammenhang mit der Bedrohung des Christentums durch totalitäre Ideologien:

„Es mag der letzte Konflikt sein. Es könnten noch ein Dutzend und mehr auf uns warten, oder hundert. Angriffe auf die katholische Kirche wird es immer geben und niemals wird es inmitten all der menschlichen Querelen vollständige Einheit, Frieden und höchste Würde durch den vollständigen Sieg des Glaubens geben. Denn wenn es so wäre, wäre diese Welt nicht die Welt, noch stünde Jesus Christus im Widerstreit mit der Welt.“85

Worauf sich Christen einzustellen haben, erfuhr nach katholischer Überzeugung auch eine Gruppe von Hirtenkindern bei Marienerscheinungen nahe des portugiesischen Ortes Fátima im Jahre 1917. Benedikt XVI. erklärte 2010, dass in ihren Erfahrungen „Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt“ worden seien, „die sich nach und nach entfalten und zeigen“ würden. In den Erscheinungen wurden Christenverfolgung durch totalitäre Ideologien, die Vernichtung ganzer Nationen sowie Kriege bislang ungekannten Ausmaßes gekündigt.

In seinem auf schwierige Lagen eingestellten Realismus verfällt das Christentum jedoch nicht in Pessimismus, der nach Oswald Spengler dadurch gekennzeichnet sei, dass er keine Aufgaben mehr sehe. Das Christentum hingegen versteht die hier beschriebenen Herausforderungen als Auftrag und als Ruf zum Dienst.

Geschichte als „langsames Erliegen“

Der christliche Schriftsteller J. R. R. Tolkien beschrieb die Geschichte der Menschheit und des Christentums als „langsames Erliegen“ oder als „lange Niederlage“, in der allerdings hin und wieder der Sieg durchscheine, der an ihrem Ende stehe. In seinem Werk „Der Herr der Ringe“ sagt Galadriel, die in der Beschreibung Tolkiens einige Züge Marias trägt, sie habe „die Weltzeitalter hindurch gegen das langsame Erliegen angekämpft“. Tolkien knüpfte dabei an christliche Weltanschauung an, die Geschichte so wie die Traditionen vieler anderer Kulturen als Abstiegsbewegung wahrnimmt. In den Mythologien verschiedener Kulturen, auch in der christlichen Mythologie, wird diese Entwicklung im Zusammenhang mit einem kosmischen Kampf beschrieben, der meist in einer Katastrophe sowie mit einer darauffolgenden tiefgreifenden Erneuerung zum Guten verbunden ist.

Die letzte Prüfung der Kirche

Die Kirche wird nach christlicher Überzeugung im weiteren Verlauf ihrer Geschichte immer größeren Prüfungen gegenüberstehen, bis sie schließlich einer letzten Prüfung gegenüberstehen wird, die der Katechismus der Katholischen Kirche so beschreibt:

„Vor dem Kommen Christi muß die Kirche eine letzte Prüfung durchmachen, die den Glauben vieler erschüttern wird […]. Die Verfolgung, die ihre Pilgerschaft auf Erden begleitet, wird das ‚Mysterium der Bosheit‘ enthüllen: Ein religiöser Lügenwahn bringt den Menschen um den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit eine Scheinlösung ihrer Probleme. […] Die Kirche wird nur durch dieses letzte Pascha hindurch, worin sie dem Herrn in seinem Tod und seiner Auferstehung folgen wird […], in die Herrlichkeit des Reiches eingehen. Das Reich wird also nicht in stetigem Fortschritt durch einen geschichtlichen Triumph der Kirche zustande kommen […], sondern durch den Sieg Gottes im Endkampf mit dem Bösen.“86

Der Wiederkehr Christi wird das Erscheinen des Antichristen vorangehen, in dem sich der ganze Haß der christusfeindlichen Welt vereinen und verkörpern wird. Damit wird ein radikaler Abfall der Menschheit vom christlichen Glauben verbunden sein.87 Wenn Jesus Christus wiederkommt, wird er fast keinen Glauben mehr antreffen.88 Auch zu dieser Zeit wird es jedoch eine kämpfende Kirche und ein „Heerlager der Heiligen“89 geben, das bis zuletzt an Jesus Christus festhalten wird.

Der Historiker Hilaire Belloc schrieb 1938, dass die Kirche auch den härtesten Herausforderungen Stand halten und „nicht verschwinden“ werde, „denn die Kirche ist nicht aus sterblichem Stoff gemacht; sie ist als einzige Institution unter den Menschen nicht dem allgemeinen Gesetz der Sterblichkeit unterworfen“. Sie werde angesichts der Herausforderungen durch utopische und totalitäre Ideologien aber „womöglich auf eine kleine Truppe reduziert“ werden.90

Augustinus deutete den Inhalt der Offenbarung des Johannes in diesem Sinne als die Ankündigung einer letzten Christenverfolgung vor dem Endgericht. Das „Lager der Heiligen“ sei identisch mit der verfolgten Christenheit in der ganzen Welt. Das vom Himmel fallende Feuer sei die Gnadengabe Gottes für seine Heiligen, „die dem Wüten der Verfolger nicht weichen und ihrem Willen sich nicht fügen werden“.91

Quellen

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  2. Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt am Main 1976, S. 7-8.
  3. Jonas 1976, S. 63-64.
  4. Jonas 1976, S. 28.
  5. Jonas 1976, S. 42.
  6. Jonas 1976, S. 70.
  7. Fritz Stern: Kulturpessimismus als politische Gefahr. Eine Analyse nationaler Ideologie in Deutschland, Stuttgart 2005.
  8. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.): Gott und die Welt. Glauben und Leben in unserer Zeit, München 2005, S. 475.
  9. Jonas 1976, S. 75.
  10. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 85.
  11. Dietrich von Hildebrand: Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes, Sankt Ottilien 1992, S. 122 f.
  12. Von Hildebrand 1992, S. 123.
  13. Hans-Peter Schwarz (Hrsg.): Konrad Adenauer: Reden 1917–1967. Eine Auswahl, Stuttgart 1975, S. 229 f.
  14. Günter Rohrmoser: Der Ernstfall. Die Krise unserer liberalen Republik, Stuttgart 1994.
  15. Walter Laqueur: Die letzten Tage von Europa. Ein Kontinent verändert sein Gesicht, Berlin 2006, S. 241 ff.
  16. Walter Laqueur: „Die letzten Tage von Europa“, tagesspiegel.de, 24.09.2006.
  17. Herwig Birg: „Integration und Migration im Spiegel harter Daten“, faz.net, 09.04.2009.
  18. Herwig Birg: „Ist Deutschland noch zu retten?“, faz.net, 28.08.2006.
  19. Udo di Fabio: Schwankender Westen. Wie sich ein Gesellschaftsmodell neu erfinden muss, München 2015.
  20. Udo Di Fabio: „Die Verwandlung der westlichen Demokratien“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2019.
  21. Horst W. Opaschowski: „Wie leben wir 2030? Unser Alltag in 20 Jahren“, in: Annette Grunwald (Hg.): Zukunft 2030. Visionen der Welt von Morgen, Gütersloh/München 2012, S. 298-307, hier: S. 305.
  22. David Engels: „Der Untergang des Abendlandes, der Aufstieg des Islams und die Zukunft des Christentums. Kulturmorphologische Überlegungen“, in: Felix Dirsch et al.: Rechtes Christentum? Der Glaube im Spannungsfeld von nationaler Identität, Populismus und Humanitätsgedanken, Graz 2018, S. 145–157.
  23. Romano Guardini: Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1950, S. 97.
  24. „Global Trends. Paradox of Progress“, National Intelligence Council, Washington D.C., Januar 2017.
  25. „Global Trends 2030. Alternative Worlds“, National Intelligence Council“, Washington D.C., Dezember 2012; „Mapping the Global Future. Report of the National Intelligence Council’s 2020 Project“, Washington D.C., Dezember 2004.
  26. „Sicherheitsexperten entsetzt über deutsche Politik“, welt.de, 25.10.2015.
  27. „‚Zum großen Teil wissen wir nicht, wer sie sind‘“, welt.de, 31.12.2017.
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  34. Schwarz 1975, S. 229 f.
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  38. Wolfgang Streeck: How Will Capitalism End? Essays on a Failing System, London/New York 2016.
  39. Veritatis gaudium 3.
  40. Robert Sarah/Nicolas Diat: Gott oder nichts. Ein Gespräch über den Glauben, Kißlegg 2015.
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  43. Aus dem Vorwort Kubys zu Michael O’Brien: Die Apokalypse. Warnung, Hoffnung und Trost, Kißlegg 2019, S. 9.
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  51. Georg Gänswein: „Das ‚Nine-Eleven‘ der katholischen Kirche‘“, in: Ders.: Vom Nine-Eleven unseres Glaubens, Kißlegg 2019, S. 168-181.
  52. „Ansprache von Papst Franziskus an die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft“, 28.10.2017.
  53. „Forget ‘Left v. Right’ — look for ‘bright’ and ‘Catholic,’ cardinal says“, cruxnow.com, 02.06.2017.
  54. Rod Dreher: Die Benedikt-Option. Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft, Kißlegg 2018.
  55. Hilaire Belloc: Die großen Häresien, Bad Schmiedeberg 2019, S. 187-202.
  56. Edmund Burke: Bemerkungen über die französische Revolution, Wien 1791, S. 174.
  57. Juan Donoso Cortés: Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus, Wien 2007.
  58. Benedikt XVI./Joseph Ratzinger: Die Freiheit befreien. Glaube und Politik im dritten Jahrtausend, Freiburg im Breisgau 2018, S. 19 f.
  59. Bonhoeffer 2016, S. 10.
  60. Ilse Tödt et al. (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer: Ethik, Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe, Band 6, Gütersloh 1998, S. 113-115 f.
  61. Ebd., S. 123.
  62. Guardini 1950, S. 107.
  63. Eric Voegelin: Die Neue Wissenschaft der Politik, München 2004.
  64. Eric Voegelin: Die Politischen Religionen, München 1993, S. 6.
  65. Leopold Ziegler: Spätlese eigener Hand, München 1953, S. 439 ff.
  66. Philip Rieff: My Life Among the Deathworks. Illustrations of the Aesthetics of Authority, Charlottesville 2006.
  67. „Begegnung mit den Priestern der Diözese Rom. Ansprache von Benedikt XVI.“, 02.03.2006.
  68. Robert Kardinal Sarah/Nicolas Diat: Herr bleibe bei uns: Denn es will Abend werden, Kißlegg 2019, S. 251.
  69. „Pariser Erklärung. Ein Europa, an das wir glauben können“, Berlin 2018.
  70. „Benedikt: ‚Der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und aus dem Glauben leben und denken‘“, catholicnewsagency.com, 15.07.2017.
  71. „‚Dazu lädt Weihnachten ein wie kein Fest sonst auf dieser Welt‘“, catholicnewsagency.com, 24.12.2018.
  72. „Kardinal Müller: Europa erlebt ‚forcierte Entchristlichung‘“, domradio.de, 21.07.2017.
  73. Klaus Berger: Die Bibelfälscher. Wie wir um die Wahrheit betrogen werden, München 2013.
  74. Günter Rohrmoser: Geistige Wende. Christliches Denken als Fundament des modernen Konservatismus, München 2000, S. 12.
  75. Rod Dreher: Die Benedikt-Option. Eine Strategie für Christen in einer nachchristlichen Gesellschaft, Kißlegg 2018.
  76. Offb 20,9.
  77. Mt 24, 1-9
  78. Joseph Kardinal Höffner: Christliche Gesellschaftslehre. Studienausgabe, 4. Aufl., Kevelaer 1983, S. 20.
  79. Josef Pieper: „Die Verborgenheit von Hoffnung und Verzweiflung“, in: Ders.: Erkenntnis und Freiheit, S. 52-62, hier: S. 56-57.
  80. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S.242 f.
  81. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 252.
  82. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 243 f.
  83. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 41.
  84. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2016, S. 155.
  85. Hilaire Belloc: Die großen Häresien, Bad Schmiedeberg 2019, S. 203.
  86. KKK 675-677.
  87. 2 Thess 2,3.
  88. Lk 18,8.
  89. Offb 20,9.
  90. Hilaire Belloc: Die großen Häresien, Bad Schmiedeberg 2019, S. 203.
  91. Augustinus: Die Gottesbürgerschaft, Frankfurt am Main 1961, S. 257.