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Stand: 05.05.2020 – Autor: Fachgruppe 1 (Christliches Dienstethos)

Dieser Text befindet sich noch in einem frühen Entwurfsstadium und wurde hier veröffentlicht, um die Möglichkeit zur Kommentierung und Ergänzung zu geben. Der Text wird laufend ergänzt und soll mittelfristig zu einer Publikation im Rahmen der Reihe Renovatio-Impulse aufwachsen.

1. Einführung

Ziele dieser Publikation

Die vorliegende Publikation soll die christliche Kardinaltugend der Tapferkeit für Menschen beschreiben, die in ihren Berufungen schützenden und bewahrenden Dienst am Gemeinwesen leisten.

Kulturelle Resilienz und Tapferkeit

Kulturelle Resilienz ist die Fähigkeit einer Kultur sowie eines auf einer bestimmten Kultur beruhenden Gemeinwesens, die existenziellen Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, zu bewältigen. Tapferkeit ist eine der Tugenden, die die Träger des Gemeinwesens zum entsprechenden Dienst befähigen.

2. Die christliche Kardinaltugend der Tapferkeit

Die Tapferkeit ist eine der vier christlichen Kardinaltugenden. Sie ist die Fähigkeit dazu, sich für ein höheres Gut Gefahren und Widrigkeiten zu stellen, die zu ihrer Überwindung erforderlichen Opfer zu bringen und dabei Härten zu ertragen.

Die Tapferkeit ist die einzige Kardinaltugend, deren Vorhandensein nicht vorgetäuscht werden kann. Militärische Erfahrungen zeigen, dass sich der mit entsprechenden charakterlichen Mängeln behaftete Mensch unter dem Druck extremer Situationen sofort als solcher sichtbar werde. Mut und Tapferkeit könnten nicht simuliert werden.1

2.1 Die Tapferkeit als kämpferische Tugend

Laut der Lehre der katholischen Kirche ist die Tapferkeit die Tugend, „die in Schwierigkeiten standhalten und im Erstreben des Guten durchhalten läßt“. Sie „festigt die Entschlossenheit, Versuchungen zu widerstehen und im sittlichen Leben Hindernisse zu überwinden“. Sie „befähigt, die Angst, selbst die vor dem Tod, zu besiegen“ und „macht bereit, für eine gerechte Sache auch das eigene Leben zu opfern“.2

2.1.1 Die Tapferkeit hilft, Gefahren und Risiken zu begegnen

Der christliche Philosoph Josef Pieper (1904-1997) beschrieb die Tapferkeit als die Tugend des Kampfes gegen die Macht des Bösen, „durch Standhalten wie durch Angriff“. Der tapfere Mensch lasse sich durch Gefahr und Risiko nicht dazu bringen, seine höchsten Güter aufzugeben. Die Tapferkeit beginne zu wirken, wenn Sicherheiten versagten und die Gefahr in der Situation des „unbedingten Ernstfalles“ sichtbar werde. Die Tugend befähige dann dazu, auf das Furchtbare zuzugehen und Risiken bei der Verfolgung des Guten zu akzeptieren. Es liege im Wesen der Tapferkeit, „auf das Äußerste zu blicken“.3 Dem Offizier und Schriftsteller Ernst Jünger (1895-1998) zufolge mache es das „heroische Gemüt“ aus, dass es „sich verpflichtet fühlt, keiner Belastung auszuweichen“.4

Laut dem christlichen Schriftsteller C. S. Lewis (1898-1963) sei die Tapferkeit nicht nur eine Tugend unter anderen, „sondern die Form, die jede Tugend im entscheidenden Augenblicke annimmt, und das will sagen: im Augenblick höchster Wirklichkeit“. Der Wert jeder Tugend entscheide sich erst, wenn sie auf die Probe gestellt werde. Dann komme es darauf an, dass sie Stand halte.5

2.1.2 Tapferkeit setzt totale Opferbereitschaft voraus

Jesus Christus sagte: „Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben.“6 Die Tapferkeit hilft dem Menschen so zu leben, dass sein ewiges Leben nicht gefährdet ist. Laut Thomas von Aquin (ca. 1225-1274) benötige der Mensch die Tapferkeit, weil die Schmerzen und Belastungen, die mit Todesgefahr verbunden sind, am stärksten dazu beitrügen, den Menschen vom Guten abzuhalten. Die Tapferkeit sei die Tugend, die den Menschen „gegen Todesgefahren festigt“.7 Dies gelte insbesondere für Situationen wie den gerechten Krieg, wenn das Gemeinwohl verteidigt werden muss. Die Tapferkeit „stähle“ die Seele für die „Todesgefahren im Kriege“.8

Laut Pieper wisse der Mensch, der von den Tugenden der Klugheit und der Gerechtigkeit geleitet werde, „daß es zur Verwirklichung des Guten in dieser Welt des Einsatzes der Person bedarf“. Dies erfordere die Tugend der Tapferkeit, die ihn dazu befähige, „um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen Nachteile und Verwundungen in Kauf zu nehmen.“9

Das Wesen der Tapferkeit bestehe laut Pieper darin, „im Kampfe für die Verwirklichung des Guten Verwundungen hinzunehmen“. Jesus Christus in seinem Dienst an Gott und den Menschen nachzufolgen erfordere Tapferkeit, deren Vorbild Jesus Christus selbst sei. Weil alle Tapferkeit „im Angesichte des Todes“ stehe, sei Tapferkeit „im Grunde die Bereitschaft zu sterben, genauer gesagt: die Bereitschaft zu fallen, das heißt: im Kampfe zu sterben.“ Eine Tapferkeit, die nicht die „Bereitschaft zu fallen“ mit einschließe, sei „in der Wurzel verdorben und ohne Wirklichkeitsmacht“. Bereitschaft erweise sich nur „im Einsatz“ und Tapferkeit vollende sich „im Blutzeugnis“. Das Martyrium sei „die eigentliche und höchste Tat der Tapferkeit“. Die Bereitschaft zum Martyrium sei „die Wesenswurzel aller christlichen Tapferkeit“. Es gebe „keine christliche Tapferkeit ohne diese Bereitschaft“. Die Todesbereitschaft sei somit „eines der Fundamente christlichen Lebens.“ Dabei schätze der Christ sein Leben und seine Gesundheit nicht gering, denn er brauche sie, um zu dienen. Er schätze beides allerdings geringer als Gott.10 Henning von Tresckow, einer der Männer des 20. Juli 1944, sagte in diesem Sinne, dass der „sittliche Wert eines Menschen“ erst dort beginne, „wo er bereit ist, für seine Überzeugung sein Leben hinzugeben.“11

Der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) setzte er sich vor dem Hintergrund des kulturrevolutionären Geschehens der 1960er Jahre und dessen Eindringens in die Kirche mit der Frage auseinander, was der höchste Maßstab des Glaubens sei, mit dem man gute von schlechten religiösen Impulsen unterscheiden könne. Er kam zu dem Ergebnis, dass dieser Maßstab der Ernstfall und die eigene Bereitschaft zum Tod sei. Von Balthasar warnte davor, dass der Glaube in Folge kultureller Auflösungserscheinungen drohe, zu „einem seichtem humanistischen Geplätscher“ voller Unverbindlichkeiten zu werden. Laut von Balthasar wirke die ständige Auseinandersetzung mit dem Ernstfall solchen Selbstauflösungstendenzen entgegen. Der Ernstfall sei für die Klärung von Glaubensfragen „das beste Kriterium […] weil er vor die christliche Wahrheit zwingt“ indem er die Frage stelle, ob man persönlich die richtige Antwort auf den dienenden Opfertod Jesu Christi gebe, die nur „meine Bereitschaft, für Christus zu sterben“ sein könne:

„Warum hat Jesus Christus seinen Nachfolgern kein anderes Schicksal vorausgesagt als das seine: Verfolgung, Misserfolg und Passion? […] [W]er aber Jesus vorzieht, wählt das Kreuz als den Ort, wo nicht eventuell, sondern todsicher gestorben wird. […] Nach dieser Rede Christi ist der Stand der Verfolgung der Normalzustand für die Kirche in der Welt, und das Martyrium seine normale Bekenntnislage. […] Was soll der Christ sein? Einer, der sein Leben einsetzt für seine Brüder, weil er selbst sein Leben dem Gekreuzigten verdankt.“12

Nur von der Möglichkeit des eigenen Todes ausgehend könne der Christ seinem Leben Gestalt geben, offene Fragen zuverlässig beantworten und dadurch wissen, wer er wirklich sei. Dabei müsse nicht jeder Christ als Märtyrer sterben; es käme vielmehr auf die dienende Grundhaltung im Leben und dessen vorbehaltslose Indienststellung an. Nicht „auf das physische Sterben kommt es an, sondern darauf, täglich sein Leben für den Herrn und die Brüder hinzugeben.“

Die heilige Cordula, von der im Titel der Schrift die Rede ist, wird in der Legende der heiligen Ursula von Köln erwähnt. Cordula habe sich während eines von heidnischen Hunnen verübten Massakers an Christen im 4. Jhd. zunächst versteckt, am nächsten Tag aber dem Martyrium gestellt. Laut von Balthasar sei es nicht entscheidend, ob man einen Tag später falle als andere, „aber dabei muss man sein“.

2.1.3 Das Gute muss immer erkämpft werden

Thomas von Aquin zufolge richtige sich die Tapferkeit„auf das schwer Erreichbare“.13 Der Mensch benötige die Tapferkeit, weil die Schmerzen und Belastungen, die mit Todesgefahr verbunden sind, am stärksten dazu beitrügen, den Menschen vom Guten abzuhalten.14 Gregor der Große (540-604), einer der Kirchenväter, sprach davon, dass der Tapfere „um der ewigen Belohnungen willen“ das liebe, „was die Welt Rauhes bietet“.15

Pieper betonte, dass das Gute immer erkämpft werden müsse. Die christliche Vorstellung von Tapferkeit setze die Existenz des Bösen voraus, das dem Guten entgegenwirke. Säkularen Weltanschauungen und Philosophien, die das Böse nicht für eine reale Kraft hielten, fehle die Voraussetzung dafür, die die Notwendigkeit dieser Tugend richtig zu erkennen. Mit ihrer optimistischen Sicht der Natur des Menschen könnten sie das Böse nicht verstehen und unterschätzten seine Kraft. Weil sich das Gerechte und das Gute „nicht von selbst durchsetzt, weil dazu vielmehr der Einsatz der Person vonnöten ist, darum gehört die Tapferkeit zu den Elementen des Richtigseins von jedermann“. Tapfer zu sein bedeute es, persönliche Nachteil beim Verfolgen des Guten in Kauf zu nehmen.16

Es sei „eine liberalistische Illusion zu meinen, man könne konsequent gerecht sein, ohne eines Augenblicks etwas riskieren zu müssen“, etwa „das unmittelbare Wohlbefinden, die Ungestörtheit des Tageslaufs, die Habe, den ‚guten Namen‘, die öffentliche Geltung, äußerstenfalls vielleicht auch mehr: die Freiheit, die Gesundheit, das Leben.“ Die Vorstellung des Eingehens von Risiken für das Gute sei liberalem Denken, das Ausdruck „metaphysischer Bürgerlichkeit“ und seinem Wesen nach unheroisch sei und nach individuellen Vorteilen und materiellen Glücksvorstellungen strebe, fremd.17

2.1.4 Mut wird durch Klugheit und Gerechtigkeit zur Tapferkeit

Der Mut ist die Fähigkeit, sich Gefahren, Bedrohungen und Risiken zu stellen. Der Mut ist somit die Grundlage der Tapferkeit, jedoch nicht mit dieser identisch. Für Ernst Jünger war der Mut „der Wind, der zu fernen Küsten treibt, der Schlüssel zu allen Schätzen, der Hammer, der große Reiche schmiedete, der Schild, ohne den keine Kultur besteht.“ Mut sei „der volle Einsatz der Person bis zur eisernen Konsequenz“ und „der Ansprung der Idee gegen Fels und Materie, ohne Rücksicht, was daraus werden mag“. Mut zu haben bedeute, „sich als einzelner ans Kreuz schlagen zu lassen für seine Sache, Mut heißt, im letzten Nervenzucken mit verlöschendem Atem noch den Gedanken in die Welt hinauszuschreien, für den man stand und fiel“.18

Er beschrieb auf der Grundlage seiner Kriegserfahrungen die Tapferkeit im Angesicht des Todes als rauschhaften Zustand, der sich über alle Gefahren erhebe. Dieser „Zustand des Heiligen“ und „der großen Liebe“ sei „auch dem großen Mute vergönnt“:

„Da reißt Begeisterung die Männlichkeit so über sich hinaus, daß das Blut kochend gegen die Adern springt und glühend das Herz durchschäumt. Das ist ein Rausch über allen Räuschen, eine Entfesselung, die alle Bande sprengt. Es ist eine Raserei ohne Rücksicht und Grenzen, nur den Gewalten der Natur vergleichbar. Da ist der Mensch wie der brausende Sturm, das tosende Meer und der brüllende Donner. Dann ist er verschmolzen ins All, er rast den dunklen Toren des Todes zu wie ein Geschoß dem Ziel.“19

Die Worte Jüngers stehen nicht im Widerspruch zum christlichen Verständnis von Tapferkeit, beschreiben jedoch nur Mut als die Grundlage der Tapferkeit. Mut wird jedoch nur dann zur Tapferkeit, wenn andere Tugenden wie Klugheit und Gerechtigkeit ebenfalls anwesend sind. Eine bloße Risiko- und Kampfbereitschaft ohne Klugheit und Gerechtigkeit wären laut Pieper potenziell Werkzeuge des Bösen, da sie so nicht auf das Gute hingeordnet werden könnten.20 Um das Gute zu erkennen, braucht der Mensch die Tugend der Klugheit, und um die richtigen Maßnahmen beim Streben nach dem Guten zu definieren, benötigt er die Tugend der Klugheit. Die Tugend der Tapferkeit hilft ihm dabei, Widerstände dabei zu überwinden.

Dem Offizier und evangelischen Theologen Ulrich Mann (1915-1989) zufolge unterscheide sich „der naturhafte Heroismus des Primitiven“ deutlich von der christlichen Tapferkeit. Seit dem 19. Jahrhundert sei dieses primitive Verständnis von Heldentum im Zuge der Abwendung der Kultur vom Christentum immer stärker in den Vordergrund getreten. Es habe sich der „gefährliche Rausch eines Kultus des Heldischen an sich ohne Rücksicht auf das Gute“ durchgesetzt und ein „Rückfall aus dem Ritterlichen in das primitive Kämpfertum“ stattgefunden. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus habe dann ein „Massensturz in primitivste Barbarei“ stattgefunden, als „der germanische Berserker“ als Vorbilder von Heldentum betrachtet worden sei. Der vom Kampf für das Gut losgelöste Mut sei jedoch von Tapferkeit zu unterscheiden und könne „nicht mehr als ehrenhaft bezeichnet werden kann“. Er führe nicht zur Ehre, sondern allenfalls zum Ruhm.21

2.3 Die Begegnung mit Gefahren und Risiken als Weg zu Gott

Laut C. S. Lewis (1898-1963) würden Zeiten der Not dem Menschen die Frage nach Gut und Böse in einer Weise aufdrängen, dass er sie nicht mehr ausblenden könne. Dies sei vielleicht einer der Gründe dafür gewesen, dass Gott Gefahren in der Welt zulasse. Ohne sie hätten sittliche Entscheidungen weniger Bedeutung.22

2.4 Aspekte der Tapferkeit

2.4.1 Tapferkeit als Fähigkeit zum Durchhalten

Extrembedingungen bringen den Menschen fortlaufend an den Rand der seelischen und körperlichen Erschöpfung und setzen ihn unter Druck, ihnen auszuweichen oder sich ihnen durch Aufgabe zu entziehen. Solche Bedingungen erfolgreich bewältigen zu können, erfordert mentale Stärke in Form von Tapferkeit.

Pieper zufolge habe Tapferkeit hat nichts Triumphales. Die Symbolfigur der Tapferkeit sei nicht der posierende Sieger, sondern der Märtyrer. Der entscheidende Akt der Tapferkeit der sei nicht der Angriff, sondern das Standhalten.23

2.4.2 Tapferkeit und Stärke

Stärke ist eine Untertugend der Tapferkeit und die Fähigkeit, sich selbst und seine Umwelt zu kontrollieren und sich in seinem Dienst gegen Widerstände aller Art durchzusetzen. Stärke in allen ihren Aspekten ist eine betont männliche Tugend, die jeder Mann entwickeln und pflegen muss. Je stärker ein Mensch ist, desto mehr kann er für andere Menschen da sein, und desto größer ist der Dienst, den er an ihnen leisten kann.

Die enge Verbindung von Tapferkeit und Stärke wird sowohl in der Bibel als auch in anderen zentralen Überlieferungen des Christentums betont:

  • Der Apostel Paulus schrieb, dass Christen „als die Starken die Schwächen derer tragen, die schwach sind“ und nicht für sich selbst leben. Christen müssten stark sein.24
  • Unmittelbar vor seinem Tod hatte König David für seinen Sohn vor allem diese Botschaft: „Sei also stark und mannhaft!“25
  • Das von der katholischen Kirche zum Bibelkanon gezählte erste Makkabäerbuch im Alten Testament zitiert den Priester und Widerstandskämpfer Mattatias mit dem Aufruf: „seid mannhaft und seid stark im Gesetz“.26
  • Die älteste erhaltene Märtyerakte beschreibt das Martyrium Polykarps (69-155), der vermutlich durch den Apostel Johannes zum Bischof von Smyrna ernannt worden war. Als Polykarp in die Arena geführt wurde, „erscholl eine Stimme vom Himmel: ‚Sei stark, Polykarp, sei ein Mann.‘“27

Dem katholischen Theologen Heinrich David zufolge muss der christliche Mann stark sein, weil er Verantwortung für den Schutz der Schwachen trage. Der christliche Mann müsse wie der im Buch der Sprichwörter im Alten Testament beschriebene feste Turm sein, bei dem die Menschen Schutz und Geborgenheit fänden.28 Der christliche Mann sei aufgrund seiner Stärke und seines Willens zu dienen „Ruhepunkt für jemanden oder für viele“. Mit der ihm gegebenen Kraft überwinde der christliche Mann Nöte in seiner Umgebung. Das Mitleid des christlichen Mannes bestehe darin, diese Nöte zu erkennen und ihnen entgegenzutreten. Männliches Mitleid vermeide dabei die Zurschaustellung von Gefühlen, denn es sei keine „jammerige, weibische Wehleidigkeit“, die sowohl den Mann als auch die Frau entehre. Die Stärke des christlichen Mannes sei eine „in Gott gegründete Festigkeit“. Er suche nicht wie der einem unreifen Kind gleichende, Unheil stiftende säkulare Mann falsche Stärke „in den dunklen Tiefen einer menschlichen Leidenschaft“. Nur auf der Grundlage des Gehorsams gegenüber Gott und durch die Gnade Gottes könne es dem Mann gelingen, „dass seine Macht nicht Rohheit und sein Mut nicht Hass wird“. Es läge jenseits der Kraft des Menschen, einem Feind zu vergeben oder auf das Böse mit dem Guten zu antworten.29

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb, dass es „der Vorzug und das Wesen der Starken“ sei, dass „sie die großen Entscheidungsfragen stellen und zu ihnen klar Stellung nehmen können“. Die Schwachen müssten „sich immer zwischen Alternativen entscheiden, die nicht die ihren sind.“30

Nicht die Bosheit, „sondern die Schwäche der Menschen ist das, was die Menschenwürde am tiefsten entstellt und herabzieht.“31 Bonhoeffer beschrieb in seinen während seiner Haft zur Zeit des Nationalsozialismus entstandenen Aufzeichnungen die Bedeutung tapferer, starker Haltung. Ein Mangel an solcher Haltung sei für Christen in schwierigen Zeiten nicht angemessen, da sie Vorbild für andere sein müssten. Er schrieb über den Mangel an Haltung bei Mitgefangenen, „von denen der eine den ganzen Tag heult, der andere sich – buchstäblich – während der Alarme […] die Hosen vollmacht“. Er empfinde „Verachtung“ gegenüber jenen, „die anderen gegenüber hart sein konnten und große Reden über ein gefährliches Leben etc. halten und selbst bei der geringsten Belastungsprobe zusammenklappen“ und „winseln“, was „rundweg eine Blamage“ sei. Der Anblick eines solchen Mangels an Haltung gehöre „zum ekelhaftesten […] was ich bisher hier gesehen habe“. Es gebe eine „Schwäche, für die das Christentum nicht zuständig ist und gerade für sie will man es in Anspruch nehmen und beschmutzen“.32

2.4.3 Tapferkeit und Aufrichtigkeit

Laut Heinz Karst, der als Stellvertreter von Wolf Graf Baudissin in den Anfangsjahren der Bundeswehr für das Thema Innere Führung verantwortlich war, sind „eine gelassene, männliche Freiheit gegenüber der öffentlichen Meinung“ und der „Mut, wenn es sein muß, auch unzeitgemäß zu sein“ Eigenschaften des guten Offiziers. Dieser werde seiner Verantwortung nur gerecht, wenn er sage, was er denke. Die Neigung, „nur nicht anzuecken, nur nicht angegriffen zu werden, stets anerkannt, unauffällig und beliebt zu sein, dieses Kennzeichen der Außenleitung des Menschen durch die Umwelt wäre seinem Beruf tödlich und machte ihn als Führenden unglaubwürdig“. Zivilcourage könne „sich nur darin äußern, daß man anders denkt und handelt, als von ‚oben‘ oder in der Öffentlichkeit erwartet wird.“ Wer aus Furcht vor der öffentlichen Meinung schweige, erleide einen „Bruch im Charakter, der nicht wieder gutzumachen ist“. Anpassertum unter deutschen Offizieren habe die Verbrechen des Nationalsozialismus mit ermöglicht.33

2.4.4 Tapferkeit und Entschlossenheit

Dietrich Bonhoeffer zufolge komme es im christlichen Leben auf Taten an. Der Wille zur Tat komme aus der Verantwortungsbereitschaft bzw. beruhe auf der Bereitschaft, die Konsequenzen einer Handlung auf sich zu nehmen.34 Wille und Tat sind somit die Werkzeuge, mit denen der Tapfere große Werke schafft. Alle Worte und Ideen bleiben bedeutungslos, wenn sie keine praktischen Folgen haben. Die beste Lehre bleibt irrelevant, wenn ihre Aneignung nicht auch praktisch erfolgt. Die Tugend der Tapferkeit kann nicht vorgetäuscht werden, da sie sich ausschließlich im Handeln beweist. Tapferkeit umfasst auch die römische Tugend der constantia, also die geistige und körperliche Ausdauer, die erforderlich ist, um Dinge zu Ende zu führen.

Laut Romano Guardini ist es eine Forderung männlicher Identität, fest hinter einer Sache zu stehen und aufrecht den Weg der eigenen Berufung zu gehen. Der Mann brauche dafür „freien Raum; und er weiß sich den Raum zu schaffen, wenn der nicht gutwillig gegeben wird.“35

Entschlossenheit ist als Führungstugend die Fähigkeit, gute Entscheidungen rasch zu treffen und an ihnen festzuhalten, bis sich entweder die Lage ändert oder das Ziel erreicht wird. Entschlossenheit sollte auf einer klugen Bewertung der Lage beruhen.

In schwierigen Lagen ist es wichtig, dass derjenige, der Verantwortung für andere trägt, Entschlüsse klar und eindeutig mitteilt und seine Entschlossenheit auch nach außen hin ausstrahlt. Dies ist Voraussetzung dafür, dass andere dem Entschluss vertrauen, was ihre Tapferkeit bei seiner Umsetzung stärkt. Diese Ausstrahlung entsteht durch die Vermittlung des Eindrucks von der unbedingten Überzeugtheit von der Richtigkeit des Entschlusses und durch das eigene Vorbild bei der Umsetzung des Entschlusses. Der Entschlossene strahlt eine Verbindung aus ruhiger Gelassenheit und energischer Tatkraft aus, die sich nur in Ausnahmefällen auch laut äußern muss. Je größer die ausgestrahlte Entschlossenheit ist, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Entscheidungen herausgefordert werden. Selbstvertrauen und der Verzicht darauf, Unsicherheit und Zweifel nach außen zu zeigen, sind Teil dieser Entschlossenheit.

Die Initiative zu übernehmen ist Teil der Tugend der Tapferkeit. Initiative zu zeigen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, wenn ein Problem erkannt wird und nicht auf Anweisungen oder eine Eskalation des Problems zu warten. Der Tapfere steuert und kontrolliert Situationen aktiv und weicht unausweichlichen Konflikten nicht aus. In schwierigen Lagen ist es meistens besser zu handeln als nichts zu tun. Wer handelt, kann den Plan eines Gegners durchbrechen.

Entschlossenheit hat etwas Übernatürliches, weil sie den Schwächen der menschlichen Natur trotzt. Die katholische Heilige Theresa von Avila schrieb über die Entschlossenheit, dass derjenige, der zum Wasser des Lebens finden wolle, „eine große, höchst entschlossene Entschlossenheit“ brauche, „nicht anzuhalten, bevor die Quelle erreicht ist, käme unterwegs auch der Tod, wäre auch der Mut den Mühsalen des Weges nicht gewachsen und ginge auch die Welt unter.“

Jesus Christus sagte über Entschlossenheit bei der Verfolgung guter Ziele, dass keiner „der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt“, für das Reich Gottes tauge.36

Tapferkeit bewegt zu frühzeitigem Handeln und zur Überwindung von Trägheit, wenn eine Gefahr frühzeitig erkannt wird, aber noch nicht eingetreten ist.

2.4.5 Tapferkeit und Opferbereitschaft

Der Mensch bringt Opfer bzw. ist dazu bereit einen Preis zu zahlen für das, was ihm wichtiger ist als er selbst. Diejenigen, die wissen, dass es in ihrem Leben solche Dinge gibt, können tapfer handeln.

2.4.6 Tapferkeit als Haltung

Der Begriff der „Désinvolture“ (wörtlich „Unverdrehtheit“) beschreibt eine tapfere Haltung, die bei der Verteidigung des Wahren, Guten und Schönen auf gelassene und anmutige Weise Stärke zeigt. Ernst Jünger sprach diesbezüglich von einer „göttergleichen Überlegenheit“, die jederzeit vermittelt, Herr der Lage sein und in der eigenen Haltung keinerlei Kompromissbereitschaft gegenüber allem Niedrigen erkennen lässt.37

2.5 Die Tapferkeit als Tugend des Mannes

In vielen Situationen in der Geschichte des Christentums haben Frauen größere Tapferkeit gezeigt als Männer. Alexander Solschenizyn schrieb, dass Frauen unter der Herrschaft des Kommunismus seiner Erfahrung nach oft „in ihrem Glauben standhafter gewesen“ und eher als viele Männer dazu bereit gewesen seien, die Deportation in Lager in Kauf zu nehmen.38 Aufgrund der Natur männlicher Berufungen, die häufiger als weibliche Berufungen die Auseinandersetzung mit Risiken und die Überwindung von Gefahren zum Gegenstand haben, ist es für Männer im Allgemeinen jedoch wichtiger als für Frauen, Tapferkeit zu entwickeln.

Die christliche Tugendlehre stützt sich auf Impulse antiker griechischer Philosophie. Diese ging davon aus, dass die Tugenden vor allem die Eigenschaften seien, die der Mann zur Bewältigung des Ernstfalls entwickeln müsse. Der klassische Philologe Werner Wilhelm Jaeger (1888-1961) hatte in seinem Hauptwerk „Paideia – Die Formung des griechischen Menschen“ betont, dass Tugend (arete) im Verständnis antiker griechischer Philosophie gleichbedeutend mit soldatischer Mannhaftigkeit gewesen sei. Die arete, zu der auch die Tapferkeit gehöre, sei die Bezeichnung „des höchsten ritterlichen Mannesideals mit seiner Verbindung von höfisch vornehmer Sitte und kriegerischem Heldentum“.39

Der Apostel Paulus, der von hellenischer Kultur geprägt war, ging von dem von Jaeger beschriebenen Tugendverständnis aus und verwendete in seinen Briefen dementsprechend zahlreiche militärische und athletische Bilder zur Beschreibung der Tugenden. In seinen Beschreibungen Jesu Christi hob er dessen Treue und Tapferkeit hervor.40 Der Evangelist Johannes betonte die Tugend der Tapferkeit sowohl in seinen Beschreibungen Jesu Christi als auch in seiner Wiedergabe dessen Forderung nach Tapferkeit im Glauben.41 Thomas von Aquin, der das christliche Verständnis von Tugend maßgeblich prägte, knüpfte unmittelbar an die oben beschriebenen Gedanken der antiken griechischen Philosophie an und entwickelte sie im christlichen Sinne weiter. Im 20. Jahrhundert hatte der katholische Theologe Romano Guardini die zeitlose Gültigkeit dieser Gedanken in einem Aufsatz über die Tugenden des Mannes betont.42

2.6 Quellen individueller Tapferkeit

Elmar Dinter identifizierte in einer militärwissenschaftlichen Studie über Tapferkeit bei Soldaten sechs Faktoren, die sich auf individuelle Tapferkeit auswirken.43

  • Glaube: Die Ansicht, dass die Exponierung gegenüber einem Risiko einen höheren Sinn hat, fördert Dinter zufolge tapferes Verhalten. Diese Ansicht könne auf einem religiösen Glauben, aber auch auf säkularen Einstellungen wie Patriotismus beruhen. In der Bibel wird Tapferkeit als Folge des Wirkens der Gnade Gottes im Menschen dargestellt. Der Christ kann außerdem tapfer sein, weil er weiß, dass es wichtigeres gibt als sein persönliches physisches Überleben.
  • Persönlichkeit: Risikobereitschaft und Durchhaltewillen sind laut Dinter zum Teil in der Persönlichkeit angelegt.
  • Gruppenintegration: Dinter zufolge fördern Kameradschaft und Korpsgeist bzw. Elitebewusstsein bei Soldaten tapferes Verhalten. In Umfeld physischer und psychischer Bedrohung erlange die Gruppe „eine sonst nie gekannte Bedeutung“. Ohne sie könne ein Soldat unter Extrembedingungen „weder seelisch noch körperlich überleben“. Von der Gruppe ausgestoßen zu werden, bedeute unter diesen Bedingungen den Untergang. Dies erzeuge einen starken Anreiz zu prosozialem Verhalten bzw. dazu die eigene Nützlichkeit für das Überleben der Gruppe laufend unter Beweis zu stellen.44 Teil einer starken Gemeinschaft zu sein oder die Wahrnehmung eigener Verantwortung für andere sowie die Furcht vor Ehrverlust im Fall eines Mangels von Tapferkeit stärken die eigene Tapferkeit. Ebenso wird Tapferkeit dadurch gestärkt, dass man eine dienende Rolle bewusst annimmt bzw. sich der Tatsache vergewissert, dass man im Dienst steht und ggf. das Wohlergehen anderer sowie die eigene Ehre davon abhängen, dass man tapfer handelt.
  • Führung: Laut Dinter nehme die Risikobereitschaft einer militärischen Gemeinschaft zu, wenn deren Führung sie gut über die Lage informiert, nur sinnvolle Forderungen an die Geführten stellt, jedes Mitglied der Gemeinschaft als wichtig erachtet und allen gegenüber Fürsorge zeigt sowie jede nur mögliche Unterstützung leistet, vor allem für Mitglieder der Gemeinschaft in Not.45
  • Ausbildung: Die Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen, nimmt mit dem Grad der Ausbildung zur Bewältigung solcher Herausforderungen zu. Die Beherrschung des eigenen Aufgabenbereiches stärkt das Selbstvertrauen in schwierigen Situationen. Wer sich dosiert und kontrolliert Gefahren und Unsicherheit aussetzt, gewinnt dadurch ebenfalls an Selbstvertrauen. Wer mit der Lage und dem Umfeld, in dem er handelt, vertraut ist, reduziert dadurch Unsicherheiten und in Folge dessen mögliche Furcht, die ihn unbegründet vom Handeln abhält.
  • Physische Fitness: Das Hormon Testosteron wirkt sich auf die Risikobereitschaft aus. Männer mit niedrigem Körperfettanteil und starker Muskulatur haben im Durchschnitt einen höheren Testosteronspiegel als übergewichtige, körperlich schwache Männer. Krafttraining und ein asketischer Lebensstil fördern einen höheren Testosteronspiegel und stärken somit die Grundlagen tapferen Handelns Atem- und Entspannungstechniken können außerdem physiologische Reaktionen auf Angst kontrollieren. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass der Mensch eine Einheit aus Körper und Seele darstellt.

2.7 Härte und gerechter Zorn: Unterstützer der Tapferkeit

2.7.1 Die christliche Tugend der Härte

Härte ist die Fähigkeit zum Ertragen und zur Überwindung von Schmerz und Unlust. Sie ist eng mit der christlichen Tugend der Tapferkeit verbunden und kann als eine ihrer Untertugenden betrachtet werden.

Härte als Tugend

In einer der frühesten Schriften des Christentums, dem um das Jahr 55 n. Chr. entstandenen 1. Korintherbrief, beschrieb der Apostel Paulus die Härte als christliche Tugend. Paulus war selbst keine weichliche Person. Als er das Christentum nach Europa trug, hielt er größten Belastungen stand, darunter Folter und Schiffsuntergängen. In seinen Briefen äußert er sich ausführlich über die Härten, die der „Dienst, der mir anvertraut wurde“, ihm auferlegt habe.46 Seine Sprache ist dabei von militärischen Bildern und soldatischer Sprache geprägt.47 Zudem verwendete er häufig wettkampforientierte sportliche Bilder, auch aus dem Kampfsport48, und betonte durchgängig die Bedeutung der Disziplin in der christlichen Lebensführung.

Das Leben des Christen stellte für Paulus die aktive Teilnahme an einem Kampf zwischen übergeordneten Mächten dar, dessen Fronten durch die Seelen der Menschen verlaufen. Die Härte, die Paulus forderte, ist in diesem Zusammenhang nicht Härte gegenüber menschlichen Gegnern, sondern die zur totalen Rücksichtslosigkeit gesteigerte Härte gegenüber der eigenen Schwäche, zu der Jesus Christus in der Bergpredigt aufgerufen hatte.49 Paulus ging davon aus, dass derjenige, der sich statt dessen zur Weichheit entscheide, in diesem Kampf kaum eine Chance habe. Entsprechende Neigungen wirft er dabei niemandem vor, denn sie sind Teil der Natur des Menschen. Harte Worte äußert Paulus hingegen gegenüber jenen, welche die christliche Botschaft bereits als wahr erkannt haben und wissen, dass der Sinn des Lebens im Dienst an Gott und dem Nächsten liegt, die sich aber dennoch für die egoistische Kultivierung ihrer Schwächen entschieden haben.

Basilius der Große (330-379), einer der Kirchenlehrer, verwendete in seinen Schriften wie Paulus Kampfsport-Bezüge, die darauf hindeuten, dass er und seine christlichen Leser mit diesen aufgrund von praktischer Erfahrung vertraut waren:

„Der tapfere Kämpfer, der sich einmal für den Kampf Gottes gerüstet hat, muss in der Hoffnung auf den krönenden Ruhm die Streiche der Gegner heldenhaft aushalten. Denn auch in der Kampfschule lässt man sich nach langem Training nicht durch Hiebe des Gegners entmutigen, vielmehr geht man voller Siegeslust direkt auf den Gegner los und lässt sich durch den augenblicklichen Schmerz nicht beeindrucken.“50

Härte wird vor allem durch die Bekämpfung der eigenen Weichheit aufgebaut. Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), ein gläubiger Christ und eine der Führungsfiguren des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, sei eigentlich ein körperlich schwach und fragil veranlagter Mensch gewesen. Seine Schwäche habe ihn zur Selbstüberwindung herausgefordert, weshalb er ihr mit Härte bzw. „durch ein trotziges ‚Dennoch!‘“ begegnet sei. Durch „die Anspannung des Willens bis zum Äußersten“ sei es ihm „der Triumph des Willens gelungen“ und er habe seine Schwäche überwunden. Während ältere Bilder ihn mit weichen Züge zeigen, habe sich sein späteres „Offiziergesicht […] in kantigen Konturen und ausgeprägt männlich“ dargestellt.51

Das Problem der Weichheit

Das Gegenteil der Härte ist die Weichheit, die Aristoteles als die Neigung zum Vermeiden des Unangenehmen beschrieb. Sie führe zur Unfähigkeit, Belastungen zu ertragen.52 Thomas von Aquin definierte Weichheit in Anknüpfung an Aristoteles als ein „der Beharrlichkeit entgegenstehendes Laster“. Der verweichlichte Mann ziehe sich aus Angst vor Unlust davon zurück, das Gute anzustreben, oder er ertrage beim Streben nach dem Guten auch den geringsten Widerstand nicht mehr. Je mehr man im eigenen Leben nach dem Angenehmen suche, desto schwerer ertrage man seine Abwesenheit, und desto mehr verweichliche man.Weichlich ist laut Thomas von Aquin jemand, der „vom Guten abgeht“ wegen kleineren „Schwierigkeiten, die er nicht ertragen kann“. Weichlichkeit werde verursacht durch Gewöhnung an Vergnügen und andere angenehme Dinge. Sie werde aber auch durch eine schwache Veranlagung begünstigt, weshalb man die Weichlichen auch als „weibisch“ bezeichne.53 Diejenigen, die sich „übermäßigem Genuß hingeben“, würden körperlich und geistig „verweichlichen“ und „ungeeignet, ein schweres Ziel anzustreben, Strapazen zu ertragen und vor Gefahren nicht zurückzuschrecken“. Weichheit könne Feigheit begünstigen. Deshalb seien „für den Krieg Vergnügungen von größtem Schaden“.54

Der Apostel Paulus rief christliche Männer dazu auf, jegliche Neigung zu unmännlicher Weichheit in sich zu bekämpfen. Weichlinge würden nicht zu den Erben des Reiches Gottes gehören.55 Auch wenn man die Freiheit habe, sich für ein entsprechendes Leben zu entscheiden, so sei eine solche Entscheidung doch falsch. Christliche Männer seien zum vorbehaltlosen Dienst berufen, und dazu tauge nur, wer „standhaft und unerschütterlich“56 und „mannhaft“ sei.57

Unmännliche Weichheit stellte für Paulus ein Laster dar, also einen Tauglichkeitsmangel, der den Mann daran hindert, seinen Auftrag zu erfüllen. Das gleiche gilt laut Paulus auch für Männer, die sich dazu entschließen Trinker oder Ehebrecher zu sein oder anderen verkehrten Neigungen nachgehen. Das Reich Gottes entstehe laut Paulus durch den Dienst der Christen an Gott und dem Nächsten. Dem Reich Gottes werde nicht angehören, wer diesen Dienst verweigere oder ein Leben führe, das zu diesem Dienst untauglich mache.

Paulus verwendete in seinem Brief das altgriechische Wort malakoi zur Bezeichnung weichlicher Männer. Die dazugehörige Eigenschaft, die malakia, beschreibt nicht nur die Eigenschaft der Weichheit allgemein, sondern speziell die Eigenschaft des verweichlichten, effeminierten Mannes. Einige deutsche Bibelübersetzungen übersetzen das Wort mit „Lustknaben“ etc., da der Begriff im Altgriechischen auch die Wesenseigenschaft des eine weibliche Rolle annehmenden Homosexuellen beschreibt. Diese Übersetzung erscheint jedoch zu stark auf eine Nebenbedeutung des Begriffes verengt zu sein.

Paulus dürfte aufgrund seines hellenischen Bildungshintergrundes das Wort in einem ähnlichen Sinne verwendet haben wie der oben zitierte Aristoteles oder auch wie Platon, der in seinen Ausführungen über die Ausbildung der Wächter des Gemeinwesens Weichheit als eine zum Dienst untauglich machende Eigenschaft beschrieb, die Folge der Vermeidung des Harten und Unangenehmen sei. Im Sport sah Platon ein wichtiges Gegenmittel zur Weichheit.

Laut dem Theologen und Neutestamentler Anthony Giambrone seien die „malakoi“ sinngemäß „verweiblichte Männer“. Der Begriff bezeichne Männer, die ihre männliche Würde und ihre sexuelle Selbstbeherrschung verloren hätten.58

Paulus war vor seiner Berufung an den ersten Christenverfolgungen aktiv beteiligt und wusste, dass verweichlichte Männer unter solchen Bedingungen nicht standhalten könnten.59 Die Entscheidung für das Christentum erscheint in seinen Briefen auch als eine Entscheidung gegen die egoistische Dekadenz in der Welt und ihren Materialismus. Christen würden sich in einen radikalen Gegensatz dazu stellen, indem sie sich zum Dienst an Gott und dem Nächsten entschieden. Sie würden sich nicht mehr selbst gehören.60 und müssten daher jeglicher Tendenz zur inneren Verweichlichung entgegenwirken. Das Feuer werde prüfen, von welcher Qualität ihr Dienst sei.61

Basilius der Große verurteilte die „Weinerlichen“ und ihre „Gefühlsseligkeit“ die sie christlich verbrämen und im Angesicht von Schwierigkeiten oder Leid zur Schau stellen würden. Die wahre christliche Haltung sei es jedoch, diesen Dingen „würdig und gefasst“ und „ohne lautes Jammern und Schreien“ entgegenzutreten. Weinerlichkeit gehöre zu den „Sitten derer […], die vom Himmlischen nichts wissen“. Wer „durch die göttliche Lehre gereinigt ist“, der „muss im festen Schutz der gesunden Vernunft wie hinter einer Mauer tapfer und standhaft den Ansturm dieser Leidenschaften abwehren“. Es sei „Zeichen einer unmännlichen Seele, die sich nicht auf die Hoffnung auf Gott stützt, wenn sie zu sehr niedergebeugt ist und in Prüfungen unterliegt“. Wie „die Würmer vornehmlich in weicheren Holzarten vorkommen, so nistet sich auch die Traurigkeit besonders im weicheren Gemüt ein.“ Man solle die demonstrative Bekundung von Emotionen wie der Trauer denen überlassen „die keine Hoffnung haben“. Als Christ sei man auf den Tod vorbereitet.62

In der römischen Kultur beschrieb das Konzept der Weichheit bzw. der Verweichlichung überfeinertes Verhalten bei Männern sowie die Annahme weiblicher Sprache, Gesten, Körpersprache, Haltung und Verhaltensweisen. Zudem bezeichnete es die Abwesenheit von körperlicher Stärke, emotionaler Selbstkontrolle und Tapferkeit bei Männern. Römische Denkern zufolge sei Weichheit die Folge von Hedonismus bzw. des Strebens nach dem Angenehmen. Cicero schrieb, das derjenige, der „den Schmerz als höchstes Übel oder die Lust als höchstes Gut betrachtet“ zur Tapferkeit und Selbstbeherrschung untauglich sei.63

Die Gefahr der Verharmlosung der Härten des christlichen Lebens

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) warnte davor, christliche Nächstenliebe mit „Weichlichkeit“ oder „Süßtun“ zu verwechseln. „Nett“ zu sein sei eine „Karikatur der Liebe“. Ein Vater beweise seinem Sohn gegenüber seine Liebe, in dem er ihn lehrt, „sich in Zucht zu nehmen“. Einem Drogenabhängigen gegenüber zeige man Nächstenliebe, in dem man ihn von der Droge wegführe, was „sehr hart“ für ihn sei. Gott könne seine Liebe den Menschen gegenüber durch seinen Zorn zeigen. Dieser sei eine notwendige Korrektur, „wo wir von uns selbst abfallen und wo wir gefährdet sind“.64

Der christliche Schriftsteller Léon Bloy (1846-1917) sprach im Zusammenhang mit Fehlentwicklungen in der katholischen Heiligenverehrung von der „rührseligen Bilderwelt der Devotionalien-Buden“ und kritisierte „die Konfitüre beziehungsweise das Buntpapier unserer religiösen Dekadenz“.  „Schwätzer“ würden im konkreten Fall der heiligen Johanna von Orleans durch sentimentalen Kitsch das Heilige  verharmlosen und weichzeichnen, auch aus „der schamhaften Furcht, die frommen Kühe durch die Betonung der Kriegerin wild zu machen“.65

2.7.2 Der gerechte Zorn

Was den Zorn angeht, so können sowohl Mangel als auch Überfluss destruktive Folgen haben. Das Konzept des gerechten Zorns vermeidet beide Extreme. Wie bei allen Leidenschaften kommt es auch bei der Bewertung des Zorns darauf an, auf welches Ziel er hingeordnet wird.66 Er kann abhängig davon sowohl gute und edle Taten fördern als auch einen Ansatzpunkt für das Böse darstellen. Leidenschaften stellen im christlichen Denken jedoch grundsätzlich etwas Gutes dar, so auch der Zorn.

Gerechter Zorn hat die folgenden Eigenschaften:

  • Er richtet sich gegen eine Verletzung der Ordnung Gottes, gegen das Böse und gegen das Unrecht und strebt nach Korrektur eines Missstands sowie nach der Bewahrung oder Herstellung von Gerechtigkeit.
  • Er dient nicht den Interessen des Individuums, sondern bewirkt im Gegenteil, dass diese zurückgestellt werden und Risiken eingegangen werden können.
  • Er führt zu einer das Unrecht oder den Missstand korrigierenden, im Sinne von Wirksamkeit im Ziel angemessenen Handlung, und nicht zu zielloser Empörung oder bloßem Aktionismus.
  • Er ist mit unbedingtem Konfrontationswillen verbunden, der keine Kompromisse duldet, solange ein Missstand nicht aus der Welt beseitigt ist und der die außergewöhnliche Kraft und Entschlossenheit dazu freisetzt, die zur Überwindung der damit verbundenen Widerstände zu brechen und die erforderlichen Maßnahmen bis zum Ende umzusetzen.

Gerechter Zorn führt zu vollständigem und vorbehaltlosem Einsatz gegen das, was das Gute bedroht. Er ist mit der leidenschaftlichen Bereitschaft zum Kampf zur Verteidigung des Guten verbunden bzw. stärkt die Entschlossenheit, gegen das nicht zu Duldende zu kämpfen und hilft, entsprechende Widerstände zu überwinden. Gerechten Zorn gegenüber dem Bösen zu empfinden sei laut Thomas von Aquin gut, weil dieser Zorn aus Liebe zum Guten entstehe. und ein „Sich-Entfernen vom Übel“ fördere.67

Gerechter Zorn steht nicht im Widerspruch zum Dienst am Nächsten bzw. zur Nächstenliebe, da das Gegenteil von Liebe Gleichgültigkeit ist. Wer aus Angst zu werten gerechten Zorn vermeidet, ist auch nicht zur Nächstenliebe fähig. Der katholische Philosoph Josef Pieper beschrieb in seinem Werk „Zucht und Maß“, dass der gerechte Zorn gut sei, weil den Menschen im Sinne kämpferischer Leidenschaft für das Gute und für große Dinge entflamme, ihn das Widrige und Böse angreifen lasse und ihn dabei unterstütze, innere Schwäche und Trägheit zu überwinden. Zorn grundsätzlich abzulehnen würde bedeuten, die „Grundkräfte unseres Wesens zu schmähen“ und damit auch den Schöpfer. Ungeordneter Zorn hingegen könne den Menschen so zerstören wie andere ungeordnete Leidenschaften

Der christliche Sanftmut sei nicht mit passiver Schwäche zu verwechseln, sondern sei als richtig geordneter Zorn zu verstehen:

„Jene blaßgesichtige Harmlosigkeit, die sich, leider oft mit Erfolg, für Sanftmut ausgibt, soll doch niemand für eine christliche Tugend halten.“

Eine bloße Abwesenheit von Zorn sei nicht erstrebenswert und würde, wo sie vorliegt, zwangsläufig zu Schwäche führen, die das Böse fördert weil sie es gewähren lässt.

Pieper zitiert in diesem Zusammenhang Gregor den Großen, einen der Kirchenväter der Spätantike mit diesen Worten:

„Mit größerer Wucht stellt sich die Vernunft dem Bösen entgegen, wenn Zorn ihr dienstbar zur Hand geht.“

Die Verbindung von Disziplinlosigkeit und Abwesenheit kämpferischer Leidenschaft hingegen bringe zum Dienst untaugliche Menschen hervor:

„Erst die Verbindung der Zuchtlosigkeit des Genießenwollens mit der faulen Unkraft zu zürnen ist das Kenn-Mal völliger und eigentlich hoffnungsloser Entartung. Sie zeigt sich, wo immer eine Gesellschaftsschicht, ein Volk, eine Kultur reif ist zum Untergang.“

Thomas von Aquin hat sich ausführlich mit dem gerechten Zorn auseinandergesetzt. Er sah in der Abwesenheit von Zorn gegenüber dem Bösen eine Verfehlung, weil das Böse durch mangels Zorn ausbleibenden Widerstand gefördert werde. Eine grundsätzliche Abwesenheit oder Unterdrückung von Zorn im Angesicht von Unrecht kann dementsprechend eine Verweigerung des Dienstes an Gott und dem Nächsten nach sich ziehen und sich dabei moralisch als Ausdruck von Tugend (etwa als Friedfertigkeit) tarnen, wobei es sich tatsächlich aber nur um Feigheit handelt. Zorn setze die Kraft frei, die der Mensch im Extremfall im Kampf gegen das Böse benötige:

„Dazu ist die Zürnkraft den Sinnenwesen gegeben, daß die Hindernisse weggeräumt werden, wodurch die Begehrungskraft gehemmt wird, sich auf ihren Gegenstand zu spannen, sei es wegen der Schwierigkeit, ein Gut zu erlangen, sei es wegen der Schwierigkeit, ein Übel zu überwinden.“68

Der gerechte Zorn stärkt somit die Tugend der Tapferkeit. Der gerechte Zorn wird dabei durch die Klugheit gelenkt. Ein Soldat, der das falsche Ziel bekämpft oder die falschen Mittel wählt, vergrößert das Übel, das er bekämpfen soll.

Russell Kirk zufolge sei der Hass auf das Böse und das Abscheuliche ein Ausdruck von Männlichkeit und eine Voraussetzung dafür, selbst vom Abscheulichen und Bösen Abstand zu halten. Er bezieht sich auf den Philosophen Edmund Burke, der gesagt habe, dass derjenige, der keinen Haß zeigen könne wo dies notwendig sei, auch keine Liebe zeigen könne, wo dies erforderlich sei.69

Gerechter Zorn als Eigenschaft Gottes

Gerechter Zorn ist eine Eigenschaft Gottes, die im Alten Testament besonders betont wird, aber auch im Neuen Testament erwähnt wird. Gott antwortet hier mit gerechtem Zorn auf Verfehlungen der Menschen.

Jesus Christus handelte aus gerechtem Zorn, als er die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel in Jerusalem vertrieb.70 Er reagierte zudem mit „Zorn und Trauer“71 auf das Unverständnis, das ihm die Phärisäer entgegenbrachten. Der Regisseur Franco Zeffirelli stellte dies in seinem Film „Jesus von Nazareth“ besonders eindrucksvoll dar. Christus drohte auch erfüllt von gerechtem Zorn jenen, die Verfehlungen an Kindern begehen. In allen Fällen richtete sich sein Zorn gegen in die Kirche eingedrungene korrupte Elemente.

Im Alten Testament wird außerdem häufig der aus Liebe zum sündigenden Menschen strafende Zorn Gottes beschrieben, der den Menschen zur Umkehr bewegen soll.

Abgrenzung gegenüber falschem Zorn

Moralisch falscher, blinder Zorn wird weder durch die Kardinaltugenden Klugheit und Mäßigung noch durch Demut und Nächstenliebe kontrolliert. Er beschränkt sich auf ein Streben danach, Schaden für einen anderen Menschen zu erzeugen, etwa in Form von Rache, ohne das hierdurch darüber hinaus etwas Gutes bewirkt wird, etwa eine Korrektur von Fehlverhalten oder eine Beseitigung eines Missstands. Diese Art von Zorn kann zu schweren Verfehlungen führen72 und ist zudem Ausdruck von innerer Schwäche und Unordnung sowie eines Mangels an Mäßigung bzw. an Disziplin.

Die Aufforderung Christi in der Bergpredigt, „wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“73, ist in diesem Sinne zu verstehen. Augustinus wies darauf hin, dass die heilige Schrift von dem her zu verstehen sei, was Christus selbst verwirklicht habe. Christus war jedoch durchaus zornig, aber ohne Bitterkeit oder Rachegedanken gegenüber den Zielen seines Zornes.

Es stellt eine Versuchung für Christen dar, egoistischen und ungeordneten Zorn für gerecht zu erklären. Im Epheserbrief heißt es, dass Zorn nicht zu Verfehlungen führen solle.74

Hass ist von Zorn zu unterscheiden, da Hass eine auf die Verwirklichung des Bösen gerichtete Leidenschaft ist, während gerechter Zorn auf die Verwirklichung des Guten gerichtet ist.

Gerechter Zorn als Sanftmut

Mit dem Begriff „Sanftmut“ sind Assoziationen verbunden, die zu Missverständnissen führen können. Die christliche Definition des Sanftmuts geht vor allem auf Thomas von Aquin zurück, der sich wiederum auf Aristoteles stützte.

Aristoteles definierte Sanftmut (praotes) als das richtige Maß an Zorn. Wie bei allen Dingen gebe es auch beim Zorn sowohl ein Extrem der Übertreibung als auch Extrem des Mangels. Sanftmut werde oft mit einem Mangel an Zorn in Verbindung gebracht. Tatsächlich bezeichne dieser Begriff jedoch das richtige Maß an Zorn gegenüber einem Übel oder einem Missstand. Der sanftmütige Mensch könne zornig sein, aber nur aus dem richtigen Anlass und in dem Maße, dass zur Beseitigung des Übels erforderlich sei. Den übertriebenen Zorn bezeichnete er als „Jähzorn“.75 Für das falsche Extrem des Mangels an Zorn schlug er den Begriff „Unerzürnbarkeit“ (aorgesia) vor.76

2.8 Die Feigheit

Die Feigheit ist die der Tapferkeit entgegengesetzte Neigung, Risiken und Gefahren aufgrund von Angst oder Furcht auszuweichen.

Feigheit ist nicht gleichbedeutend mit Furcht. Russell Kirk zufolge gebe es eine gute Furcht, die den Menschen zur Tat und zum Kampf motiviere. In der Tatsache, dass Kinder Monstergeschichten mögen, komme die Sehnsucht zum Ausdruck, Herausforderungen entgegenzutreten und gegen das Schreckliche zu kämpfen. Wer nicht fürchte was gefürchtet werden müsse, der könne nicht wagen, was gewagt werden müsse.77

Der christliche Schriftsteller C. S. Lewis ließ in seinem satirischen Roman „Dienstanweisung für einen Unterteufel“ einen Dämon sagen, dass die Feigheit das einzige Laster sei, auf das man den Menschen nicht stolz machen könne. Kriege, Katastrophen und Elend würden würden die Tapferkeit in den Augen der Menschen „als etwas so offensichtlich Liebenswertes und Wichtiges“ erscheinen lassen, „daß unsere ganze Arbeit vergeblich ist“. Das Laster der Feigheit führe in Folge seiner Auswirkungen zudem häufig zu Selbsterkenntnis sowie zu Reue und Demut, weil es in besonderem Maße dazu geeignet sei, dem Menschen die Existenz der sittlichen Welt bewusst zu machen.78

3. Das Heldentum: Vollkommene Tapferkeit

Heroisches Handeln besteht in der Überwindung extremer innerer und äußerer Widerstände, die den Helden bis an den Rand der Vernichtung und oft auch darüber hinaus gehen lassen. Je größer der konfrontierte Widerstand, das durch den Helden gebrachte Opfer und die von ihm bewiesene Tauglichkeit und der durch seine Tat erbrachte Nutzen für ein Gemeinwesen sind, desto höher ist der Status des Helden. Der Erfolg des Helden ist dabei gegenüber anderen Faktoren nachrangig.

Der Althistoriker Egon Flaig beschrieb den heroischen Tod als einen Tausch zwischen Held und Gemeinwesen. Im Gegenzug für sein Opfer erhalte der Held eine Gabe „ritueller und ideeller Natur“ in Form eines ehrenden Gedenkens in der kollektiven Erinnerung und „der Übertragung dieser Ehre auf ihre Nachkommen“. Eine andere Form der Gegenleistung für heroisches Handeln sei nicht möglich, da materielle Anreize für die Belohnung der Bereitschaft, das eigene Leben für das Gemeinwesen zu opfern, sinnlos seien. Das Opfer des geehrten Helden werde gleichzeitig zur Verpflichtung für die Mitglieder des Gemeinwesens. So trage der Held zur „intergenerationellen Reproduktion eines Kollektivs“ bei.79

Laut Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi könne materialistische Weltanschauung Heldentum nicht begründen. Dieses „setzt Glauben und Bekenntnis zum Ideal voraus: die Überzeugung, daß es höhere Werte gibt als Lust und größere Übel als Schmerz“.80 Er schrieb in den 1920er Jahren vom „Heldentum Christi“81 und davon, dass Helden einen Gegenpol bilden zu „jene Demagogen, die in Bureaus, Versammlungen, Redaktionsstuben und Parlamenten zum Kriege hetzten und hetzen, um dann, fern von der Front, den niedrigsten Mißbrauch zu treiben mit fremdem Heldentum“. Damals habe es Länder gegeben, „in denen es lebensgefährlicher ist, für den Frieden einzutreten als für den Krieg: in diesen Ländern beweisen die Friedensapostel einen größeren Heldenmut als die Kriegsapostel“. Patriotismus sei nicht identisch mit dem Eintreten für Krieg, sondern könne auch darin bestehe, sein Volk vor der größten Katastrophe der Weltgeschichte“ zu bewahren. Heldentum nur Soldaten zustehen zu wollen sei die „schwerste und ungerechteste Beleidigung“. Es gebe „auch anderes Heldentum […] als das der Krieger und Abenteuerer“ und ein „Heldentum in jedem Beruf, stilles und großes Heldentum, ohne Ruhm, ohne Romantik und ohne glänzende Fassade: das Heldentum der Arbeit und es Geistes, das Heldentum der Mutterschaft, das Heldentum der Überzeugung“.82 Derjenige sei ein Held, der „sein privates Interesse seinem Ideal zum Opfer bringt: je größer das Opfer, desto größer das Heldentum“. Heroisch handele „nur der, der seinen Idealen zuliebe die Furcht überwindet“. Je „größer seine Furcht ist – desto größer seine Überwindung und sein Heroismus“.83

3.1 Das heroische Wesen des Christentums

Das Christentum als Religion des Dienstes und des Opfers ist seinem Wesen nach eine heroische Religion, die radikale, totale Forderungen an den Menschen stellt und ein gefährliches Leben bejaht. Es geht davon aus, dass der Sinn menschlicher Existenz auch und gerade in den schwierigsten Lagen darin besteht, durch Dienst und Opfer Jesus Christus nachzufolgen. Jede Entscheidung des Menschen für Gott und gegen den eigenen Egoismus ist heroisch.

Das Christentum ist kein Rückzugsraum vor den Herausforderungen des Lebens für diejenigen, die diesen ausweichen wollen. Wer Christ werden will sollte dies nicht tun, weil er sich nach einem bürgerlichen Leben sehnt. Ein christliches Leben ist immer mit Opfern verbunden. Die Ansprüche des Christentums sind hoch, weil Gott vom Menschen nichts Geringes und Niedriges fordert und er den Menschen für fähig hält, Härten durchzustehen. Der Ruf zum Dienst ist ein totaler Ruf, der alles vom Menschen fordert. Wer im Dienst steht, trägt andere und sorgt dafür, nicht selbst getragen werden zu müssen. Er erweitert das Maß dessen, was er tragen kann und klagt nicht über seine Sorgen.

Der christliche Philosoph Nikolai Berdjajew (1874–1948) beschrieb das heroische Wesen des Christentums. Das Christentum sei seinem Wesen nach eine heroische Religion, die den Kampf des Menschen gegen das Wirken des Bösen in seiner Seele betone und die Welt als feindselige Umgebung wahrnehme, in der Christen bis zum Ende kämpfen müssten ohne in diesem Leben endgültig siegen zu können. Christus habe in Frage gestellt, ob er überhaupt noch Glauben in der Welt antreffen werde, wenn er zurückkehre:

„Das Christentum ist in dieser Welt von ungeheuren Widerständen der bösen Kräfte umgeben, und es wirkt in einem finsteren Element. Nicht nur das Menschlich-Böse, auch das Übermenschlich-Böse leistet ihm Widerstand. Die Mächte der Hölle erheben sich gegen Christus und seine Kirche. Diese Mächte aber wirken nicht nur außerhalb der Kirche und des Christentums, sondern zugleich auch innerhalb der christlichen Sphäre, und bemühen sich, das Christentum zu entstellen und die Kirche zu verführen. Aber herrschen auch Verwüstung und Öde am heiligen Ort – das Heiligtum bleibt dennoch heilig.“84

In dieser feindlichen Umgebung nehme der Christ mit der Hilfe Gottes den Kampf um seine Seele und die Seelen der Menschen auf. „Härte und Strenge“ praktiziere der Christ dabei nur gegenüber sich selbst und lehne weltlichen Stolz, der sich über andere Menschen moralisch erhebt, ab. Der Christ unterwerfe sich höchsten Forderungen, indem er sich dazu entschließe, den „Verführungen dieser Welt heroischen Widerstand leisten“. Das Christentum führe „unser Leben auf den Weg des größten Widerstandes“. Das Leben eines echten Christen sei „eine Kreuzigung seiner selbst.“85

Die christliche Religion stelle dabei denen, die Christus nachfolgen, keinerlei weltlichen Gewinn an Macht, Reichtum oder Ansehen in Aussicht, sondern nur Leid und Verfolgung. Das Christentum erkenne als einzige Religion jedoch den Sinn dieses Leides, das den Menschen Christus ähnlicher werden lasse:

„Das Christentum hebt den Menschen empor […]. Das Christentum offenbart dem Menschen das höchste Ziel seiner Existenz, stellt seinen göttlichen Ursprung wieder her und behauptet seine hohe Bestimmung in der Welt.“86

Kardinal Raymond Burke betonte ebenfalls, dass das Christentum eine heroische Religion sei. Der Kern der christlichen Botschaft sei der Ruf zum Dienst. Dieser Dienst umfasse auch gesellschaftliches Wirken, etwa den Einsatz für den Schutz von Ehe und Familie oder den Schutz ungeborener Kinder. Ein im Dienst am Nächsten in dienender, tapferer Treue gegenüber Jesus Christus geführtes und diszipliniertes Leben könne enorme Wirkung zur positiven Veränderung von Kulturen und zum Heil menschlicher Seelen entfalten. Das Beispiele der Heiligen zeige über viele Jahrhunderte zeigten, dass ein solches Leben Menschen zu Helden des Glaubens und der Menschheit mache.

Ein Beispiel für diese Art von Dienst sei das Handeln des katholischen Heiligen José Sánchez del Río, der in den 1920er Jahren im Rahmen der Widerstandsbewegung der Cristeros gegen das christenfeindliche Calles-Regime in Mexiko kämpfte. Er habe auch unter Folter bis zum Tod am Glauben festgehalten, und seine Geschichte sei auch für die Gegenwart beispielgebend.87

Das Christentum ist auch eine Religion der großen Aufgaben, wie Asfa-Wossen Asserate betonte:

„Das Grab Christi zu befreien konnte über Jahrhunderte die Herzen der Armen und der Reichen mit wilden Träumen und der Bereitschaft zu äußersten Opfern erfüllen; der Traum vom heizbaren Swimmingpool bewegt die müden Hinterteile schon heute nicht mehr zehn unbezahlte Schritte über die Straße.“

Christ sein bedeutet auch, am kosmischen Kampf zwischen Gott und den ihn herausfordernden Mächten als Kämpfer auf der Seite Gottes teilzunehmen. Das “Sacramentum” bezeichnete ursprünglich den Eid des römischen Soldaten. “Pagani” lautete der römische Begriff für Zivilisten.

3.1.1 Dienst, Leid, Opfer und Tapferkeit

(Weiterleisen: Dienst, Leid und Opfer)

3.1.2 Verfolgung als historischer Normalzustand des Christentums

Die Forderung nach Bereitschaft zum Opfer des eigenen Lebens ist im Kern des christlichen Glaubens angelegt. Am Beginn des Christentums steht die Kreuzigung Christi, die alle Christen daran erinnert, was ihr Glaube von ihnen fordert. Jesus Christus sagte denen, die ihm nachfolgen, zu allen Zeiten Verfolgung voraus:

„Geht hin! Siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter Wölfe!“88

„Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. […] Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten. Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.“89

„Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen. […] Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.“90

„Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“91

Von den zwölf Aposteln, die Christus berufen hatte, starb nur Johannes eines natürlichen Todes. Ihnen gefiel nicht was Christus ihnen sagte, weil es ihnen als zu hart und zu fordernd erschien.92

Für das Christentum wird es in dieser Welt niemals Frieden geben, weil es im radikalen Widerspruch zu den Kräften steht, die diese Welt beherrschen. Diese Kräfte und jene, die sich von ihnen kontrollieren lassen, werden das Christentum sowie die einzelnen Christen unablässig angreifen. Bekämpfung und Verfolgung werden für Christen bis zum Ende der Zeit Konstanten ihres Lebens bleiben.

Der Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde schrieb, dass es „zum Lebensgesetz der Kirche“ gehöre, dass „sie der Feinde, die ihr nachstellen, zu keiner Zeit entbehrt“.93

3.1.3 Konzepte christlichen Heldentums

Neben dem Heiligen und dem Märtyrer (siehe unten) sind auch der Miles Christi und der Athleta Christi Konzepte christlichen Heldentums.

Der Miles Christi

Das Konzept des Miles Christi bzw. des Miles Christianus beschreibt primär das Ideal des asketischen Christen, der einen inneren Kampf um das Heil seiner Seele führt, etwa im Rahmen des Mönchtums. Gregor VII. verwendete den Begriff des Miles Christi erstmals zur Beschreibung christlicher Soldaten, die einen gerechten Krieg zur Verteidigung des Christentums führen. In diesem Zusammenhang beschreibt der Begriff im Rahmen des Konzepts des Rittertums das Ideal des Christen, welcher dem Christentum und der Kirche schützend und verteidigend dient und dafür ebenfalls asketische Tugend entwickeln muss. Der Begriff des Miles Christi wurde ursprünglich zur Bezeichnung von Mönchen verwendet.

Der Athleta Christi

Der Ehrentitel Athleta Christi (lateinisch für „Kämpfer Christi“) wurde im 15. Jahrhundert von den Päpsten an Personen verliehen, die sich besonders um die militärische Verteidigung des Christentums gegen das Osmanische Reich verdient gemacht hatten. Zu den Ausgezeichneten zählen u. a. Johann Hunyadi und Georg Kastriota.

3.1.4 Die Gefahr der Verbürgerlichung des Christentums

Bürgerlichkeit stelle laut Berdjajew in erster Linie eine bestimmte Einstellung gegenüber dem Leben dar. Sie sei ein Phänomen herabsteigender Kulturen, in denen materielles Streben an die Stelle des Willens zur Heiligkeit trete. Der Bürger sei „der Verneiner der Ewigkeit und darum wird er sie nicht beerben“. Er sei materialistisch, erkenne nur das Diesseits als wirklich an strebe in erster Linie nach seinem eigenen Vorteil sowie nach Besitz, Macht und Ansehen. Der bürgerliche Typ sei selbstgerecht, aufgeblasen und beschränkt und werde vom Willen getrieben, äußerlich etwas darzustellen, was er innerlich mangels Kraft nicht sein könne.

Der Bürger bezeichne sich nur dann als Christ, wenn ihm dies einen Statusgewinn verschaffe, er sich dadurch moralisch über andere Menschen erheben und er unter Berufung darauf seine eigene Tugendhaftigkeit herausstellen könne. Christus sei dem Bürgertum in Form der Pharisäer begegnet, gegenüber denen er mit außergewöhnlich harten Worten erklärte, dass Huren eher ins Himmelreich kämen als sie. Es habe diese Versuchung bzw. den Typus Mensch, den sie hervorbringt, jedoch schon immer gegeben. Im Alten Testament würde in den Darstellungen Babylons sowie in den Büchern der Propheten vor ihr gewarnt.94

Der katholische Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) warnte ebenfalls davor, dass der Glaube in Folge kultureller Auflösungserscheinungen drohe, zu „einem seichtem humanistischen Geplätscher“ voller Unverbindlichkeiten zu werden. Eine seiner Schriften enthält einen fiktiven Dialog zwischen einem kommunistischen Kommissar und einem liberalen Christen, in dem er dies illustriert. Während der Kommunist sich noch nicht sicher ist, wie er den Christen einzuordnen und wie er mit ihm verfahren solle, versucht der Christ dem Kommunisten zu erklären, wie nahe sich Christentum und Kommunismus doch eigentlich seien. Der Kommunist ist schließlich zufrieden und meint, er könne sich die Kugel sparen, weil das Christentum sich bereits selbst liquidiert habe.95

3.2 Der Dienst auf verlorenem Posten

Der Dienst des Christen ist häufig ein Dienst auf scheinbar verlorenem Posten. Charles Péguy schrieb 1911, die Kirche sei „vereinsamt wie ein Leuchtturm, der seit bald drei Jahrhunderten vergeblich von einem ganzen Meer berannt wird“.

Der Dienst führt Christen jedoch auch dann an ihr Ziel, wenn er scheinbar keine Wirkung erzielt, da die dienende Nachfolge Christi aus christlicher Sicht der einzige Weg für die Seele des Menschen ist, zu Gott zu gelangen. Christen können ihren Dienst somit auch und gerade dann verrichten, wenn er nicht mit der Aussicht auf sonstigen Erfolg verbunden ist. So schaffen im Dienst stehende Christen in einer sterbenden Welt Räume und Werke, die wie Leuchttürme auf eine andere Welt hinweisen, und deren Licht umso heller wirken wird, je tiefer die Dunkelheit um sie herum ist.

Oswald Spengler schrieb, dass der Menschen den Weg tapfer zu Ende gehen müsse, der ihm bestimmt sei. Auf dem verlorenen Posten „ausharren ohne Hoffnung, ohne Rettung, ist Pflicht“. Ein Vorbild dieser Haltung sei auch „jener römische Soldat, dessen Gebeine man vor einem Tor in Pompeji gefunden hat, der starb, weil man beim Ausbruch des Vesuv vergessen hatte, ihn abzulösen“. Ein solches Ende mit Größe sei „das einzige, das man dem Menschen nicht nehmen kann.“

Selbst in der aussichtslosesten Lage kann der Mensch noch durch Aufopferung seines Leides Gott dienen. Es gibt in der Nachfolge Christi kein sinnloses Leben. Alles, was der Mensch tut, hat eine ins Ewige reichende Bedeutung. Der Psychiater Viktor Frankl schrieb, dass auch in Konzentrationslagern einigen Menschen gelungen sei, „noch im äußeren Scheitern und auch noch im Sterben zu einer menschlichen Größe zu gelangen, die ihnen früher, in ihrer Alltagsexistenz, vielleicht niemals beschieden gewesen wäre“.

Jesus Christus kündigt Katastrophen an, vor denen sich die Christen jedoch nicht fürchten sollten. Wenn sich die schlimmsten Katastrophen ankündigen, ist das für sie ein Zeichen der Hoffnung: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“96

Das Ziel eines Lebens kann nur nach seinem Ende und sein Sinn erst im Zusammenhang des gesamten Lebens erkannt werden. Laut Romano Guardini sei ein dienenden Leben immer damit verbunden, an einem bestimmten Punkt den Eindruck zu haben, einer großen Aufgabe alleine gegenüberzustehen. Man sei jedoch nicht alleine, und andere, auf deren Dienst man aufbaue und an deren Dienst man anknüpfe, hätten diese Erfahrung zuvor durchlaufen. Vor allem Jesus Christus sei diesen Weg vorausgegangen und habe „das Standhalten in der furchtbarsten Einsamkeit vorgelebt: am Kreuz.“ In der Firmung sei der Katholik zu der gleichen Tapferkeit geweiht worden. Mit ihr ende das „kindliche Sich-Anklammern“ und der Mensch trete in den Dienst ein, den er zu durchlaufen habe, bevor er in die Ewigkeit eintreten könne.

Hans Urs von Balthasar sagte: Das Christentum „vertieft die Möglichkeit, sein Leben in einer Aufgabe hinzugeben, fast unendlich, da […] vor allem das Leiden, dort wo man nichts Aktives mehr leisten kann, mit in das Werk, in die Fruchtbarkeit hineinbezogen wird.“ Da das Christentum im Dienst erbrachtes Leid unabhängig von der Wirksamkeit des Dienstes als sinnvoll erachte, gebe es für Christen kein sinnloses Opfer.

Robert Spaemann schrieb, dass der Dienst des Christen auch unter scheinbar aussichtslosen Bedingungen einen Sinn habe:

„Es ist eines der schlechten Argumente gegen das Aufhalten, dass man sagt: Naja, man kann ja nur aufhalten, am Ende kommt es ja doch. Das ist gerade kein Argument. Erstens weiß man nicht mit Sicherheit, ob es doch kommt. Denn: Kommt Zeit, kommt Rat. Zeit gewinnen heißt, nochmal nachdenken können. Und außerdem ist das Aufhalten auch dann wertvoll, wenn langfristig alles den Bach runtergeht: Nämlich für eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Epoche hat man noch eine gute Form des Lebens. Aufhalten ist alles!“97

Der jüdische Psychologe Viktor Frankl beschrieb im Zusammenhang mit seiner Auseinandersetzung mit seinen Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz, dass der Mensch unter solchen Extrembedingungen erkennen könne, dass er nur durch die Entscheidung zu Dienst und Opfer seine Würde auch unter extremen Bedingungen bewahren und dadurch zum Ziel seiner Existenz gelangen könne. Das Leben habe immer und unter allen Umständen einen Sinn, auch unter den Bedingungen von „Leiden und Sterben, Not und Tod“. Die an den Menschen gerichtete Forderung sei damit verbunden, „dass wir nicht armselig, sondern stolz zu leiden und zu sterben verstehen!“ Es läge im Wesen des Opfers, „unter der Voraussetzung gebracht zu werden, dass scheinbar, dass in dieser Welt – in der Welt des Erfolgs – nichts damit erreicht würde. […] Freilich, derjenige unter uns, der im religiösen Sinne gläubig ist, der könne dies leicht einsehen […].“

Der Mensch könne sein Leben bis zum letzten Atemzug sinnvoll, also dienend, gestalten. Am Ende läge der letzte Sinn des Lebens vielleicht im erbrachten Leid. Hingegen sei „ein Leben, dessen Sinn damit steht und fällt, daß man mit ihm davonkommt oder nicht…solch ein Leben wäre nicht eigentlich wert, überhaupt gelebt zu werden“:

„In der Art, wie ein Mensch sein unabwendbares Schicksal auf sich nimmt, mit diesem Schicksal all das Leiden, das es ihm auferlegt, darin eröffnet sich auch noch in den schwierigsten Situationen und noch bis zu letzten Minute des Lebens eine Fülle von Möglichkeiten, das Leben sinnvoll zu gestalten. […] Wir müssen lernen und die verzweifelnden Menschen lehren, daß es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!“

Außergewöhnlich schwierige Lagen seien auch Gelegenheiten, über sich selbst hinauszuwachsen. Im Konzentrationslager sei es manchen gelungen, „noch im äußeren Scheitern und auch noch im Sterben zu einer menschlichen Größe zu gelangen, die ihnen früher, in ihrer Alltagsexistenz, vielleicht niemals beschieden gewesen wäre“.

Wer in scheinbar aussichtslosen Lagen daran festhält, dass sein Leben dem Dienst gewidmet ist und Verantwortung für andere Menschen übernimmt, bewahre laut Frankl zudem seine eigene Würde, indem er es verweigere, sich auf seine Grundbedürfnisse reduzieren zu lassen. In jedem Fall soll der Christ niemals aufgeben und seinen guten Kampf bis zuletzt kämpfen. Über den Wert seines Lebens entscheidet vor allem auch dessen Abschluss.

3.3 Die christliche Haltung gegenüber dem Tod

Die Haltung des Menschen gegenüber dem Tod prägt sein Leben, denn die Frage nach dem Tod ist eng mit der Frage nach Sinn und Ziel des Lebens und der Bestimmung des einzelnen verbunden. Der Mensch ist das einzige bekannte Lebewesen, das sich der Endlichkeit seines Lebens bewusst ist, und die Auseinandersetzung mit dem Tod ist die Grundfrage aller Philosophie. Das Sterben zu lernen ist dabei ein wesentlicher Inhalt praktischer Philosophie und Ausdruck der Erkenntnis, dass man das eigene Sterben aktiv gestalten und dadurch zu einer höheren Form des Lebens gelangen kann.

Der im Dienst stehende Mensch muss in besonderem Maße darauf gefasst sein, dass sein Leben nicht durch Alter und Krankheit endet, sondern durch die Risiken, denen er in seinem Dienst gegenübersteht. Das Leben prüft den dienenden Menschen bis zur Vernichtung, aber alles Leben beruht darauf, dass sich über viele Generationen lang immer wieder Menschen dieser Prüfung gestellt haben. Der Apostel Paulus beschrieb diese Form des bis zur eigenen Zerstörung gehenden dienenden Lebens:

„Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. […] Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert. Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“98

Die Bereitschaft, den Tod als Konsequenz des Dienstes in Kauf zu nehmen, ist fester Bestandteil der Nachfolge Christi. Augustinus wird diese Predigt zugeschrieben:

„Du fürchtest den Tod, der du doch zum Leben eilst? Wenn du gut bist, gehst du auf diesem Weg. Der Tod ist für dich die Pforte. Er weist dir den Weg, er versperrt ihn nicht. Geh also Christus, den Weg! Er ist der Weg für dich geworden, er führte dich durch seine eigene Person zu sich hin. Er ‚ist der Weg, die Wahrheit und das Leben‘.“

Basilius der Große (330-379), einer der Kirchenlehrer, verurteilte die demonstrative Zurschaustellung von Emotionen wie Trauer im Angesicht des Todes. Es gebe für Christen keinen Grund, wegen christlicher Verstorbener zu weinen, denn was ihnen widerfahren sei, bedeute für sie nichts Schlechtes. Da man Übeln wie dem Tod nicht entrinnen könne, dürfe man sich selbst davon nicht erschüttern lassen. Der Christ könne sich bei der Begegnung mit ihnen sagen: „Du bist darauf vorbereitet.“99

Romano Guardini schrieb über die Haltung des Christen im Angesicht des Todes:

„Den Tod würdig zu bestehen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die dem Menschen gestellt sind. Für eine große Sache oder für einen geliebten Menschen sein Leben zu opfern, drückt einen letzten Adel aus.“100

Die Haltung der Märtyrer des frühen Christentums gegenüber dem Tod beschrieben Augenzeugen der Tötung der Märtyrerinnen Perpetua und Felicitas, die vermutlich am 07.03.203 in Karthago stattfand:

„Nun brach der Tag ihres Sieges an und sie traten hervor aus dem Kerker in das Amphitheater, als ob sie in den Himmel gingen, heitern und schönen Antlitzes, und wenn sie zitterten, so war es vor Freude, nicht aus Furcht. Perpetua kam langsamen Schrittes, wie eine Braut Christi, wie eine Dienerin Gottes; durch den hellen Blick ihrer Augen schlug sie die Blicke aller nieder. […]

Zuerst wurde Perpetua hingeworfen und fiel auf die Lenden; sie setzte sich aufrecht und zog ihr Kleid, das an der Seite zerrissen war, zurück zur Verhüllung ihres Oberschenkels, mehr um ihre Scham als um ihren Schmerz besorgt. Darauf flocht sie mit einer Nadel ihre Haare in einen Bund zusammen; denn es war unziemlich, das eine Märtyrerin mit fliegenden Haaren litt, damit es nicht schien, als ob sie bei ihrer Verherrlichung trauere. So stand sie auf, und als sie die Felicitas am Boden liegend sah, trat sie zu ihr hinzu, reichte ihr die Hand und hob sie auf.“101

Die folgende Predigt von Beda Venerabilis ist überliefert:

„Wir begehen heute mit diesem Freudenfest den Gedenktag aller Heiligen. Der Himmel freut sich über ihre Gemeinschaft, die Erde über ihren Schutz; ihr glorreicher Sieg ist eine Ehrenkrone für die heilige Kirche. Je mutiger sie sich zeigten im Leiden, desto ruhmvoller strahlen sie nun in ihrer Verherrlichung. Denn wenn der Kampf heftiger wird wächst auch der Ruhm der Kämpfer; der Triumph des Martyriums wird durch mannigfache Leiden nur noch herrlicher; je größer die Pein, desto größer wurde auch ihr Lohn. Unsere Mutter, die katholische Kirche, die überall auf dem ganzen Erdkreis sich ausgebreitet hat, hat schon an ihrem Haupte Jesus Christus gelernt, Beschimpfungen, Kreuz und Tod nicht zu fürchten; sie wurde immer stärker, nicht durch Widerstand, sondern durch Ausdauer; sie hat alle aus dieser ruhmvollen Schar, die der bittere Kerker umschloß, mit dem gleichen und ähnlichen feurigen Mut erfüllt und ihnen die Kraft zum Streite, zu glorreichem Siege eingeflößt. […]

Wahrhaft glückselig bist du, Mutter Kirche! So sehr umstrahlt dich der Ruhm, den Gott dir geschenkt; dich ziert das ruhmvolle Blut der siegreichen Martyrer; dich umkleidet die glänzendweiße Unschuld unverletzter Treue! In deinem Blütenkranz fehlen weder Rosen noch Lilien. Geliebteste! Nun sollen doch alle miteinander wetteifern, dieser beiden Ehrungen weithin würdig zu werden, der glänzendweißen Krone der Jungfräulichkeit oder der purpurroten des Leidens. Im Kriegslager des Himmels gibt es für Ruhm und Kampf einen eigenen Blütenkranz, mit dem die Streiter Christi geschmückt werden. […]

Gottes unsagbar, unermeßlich große Güte hat auch dafür gesorgt, daß die zeit der Mühen und des Kampfes nicht zu lange oder endlos währt, sondern, daß sie kurz ist und sozusagen nur einen Augenblick dauert. In diesem kurzen, armseligen Leben gibt es also Kämpfe und Mühen, im ewigen dagegen Kronen und Belohnungen für die Verdienste; die Mühen gehen schnell zu Ende, die Belohnungen für die Verdienste währen ewig; nach dem Dunkel dieses Lebens dürfen die Heiligen ein hellglänzendes Licht schauen und dürfen eine Seligkeit verkosten, die alle Leiden und Bitterkeiten weit übersteigt. Das bezeugt auch der Apostel; er sagt: Die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird.“

Alexander Solschenitzyn zitierte die Insassin eines sowjetischen Lagers mit den Worten, dass sie die Tage, an denen sie auf ihr Todesurteil gewartet habe, als die „hellsten ihres Lebens“ erfahren habe. Es gebe „jene Ekstase, die der Seele als Lohn zuteil wird, wenn du jede Hoffnung auf mögliche Rettung von dir gewiesen und dich ganz deinem Opfergang geweiht hast“.102 Die Liebe zum Leben hingegen sei eine Schwäche, die die den Menschen egoistisch mache und es den Kommunisten ermöglicht habe, ganze Gesellschaften zu korrumpieren und durch Angst gefügig zu machen.

Der britische Dichter Thomas Macaulay schrieb in seinem Gedicht „Horatius“ die Haltung des  gleichnamigen römischen Helden, der „gut […] die Brücke hielt/In der tapfern alten Zeit“. Horatius zeigte in der Beschreibung Macaulays eine Tapferkeit bis in den Tod, die im Sinne der christlichen Kardinaltugend der Tapferkeit war, weil sie im Dienst am Nächsten stand:

„Ausrief da stracks Horatius,
Der am Tor der Wacht gebot:
‚Jedwedem Mann auf Erden kommt
Früh oder spät der Tod.
Und wie stirbt ein Mann denn besser,
Als im Kampf mit der Gefahr,
Für die Asche seiner Väter,
Für der Himmlischen Altar?‘“

Josef Pieper schrieb, dass christlicher Märtyrer Leid und Opfer akzeptiert hätten, um „eine tiefere, wesentlichere Unversehrtheit zu gewinnen“. Durch im Kampf für das Gute ertragenes Leid und Opfer sei es ihnen gelungen, „einer Unversehrtheit teilhaft zu werden, die der Lebensmitte des Menschen näher und inniger verknüpft ist als alles naturhafte Beruhigtsein“.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb kurz vor seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten, dass Christen auch in der scheinbar aussichtslosesten Lage, in der man ansonsten keine Wirkung mehr entfalten könne, immer noch die Option bleibe, „unsere Seele aus dem Chaos zu retten und zu bewahren, und in ihr das Einzige zu erkennen, das wir wie eine ‚Beute‘ aus dem brennenden Haus tragen“.103

Die Bereitschaft zum Tod ist eine Voraussetzung innerer Freiheit. Wer davon ausgeht, dass der Tod das Schlimmste ist, was ihm wiederfahren kann, ist nicht frei, denn er wird äußerem Druck am Ende immer nachgeben müssen. Die Konfrontation mit dem Tod kann das Beste oder das Schlechteste im Menschen freilegen, und in seiner Gegenwart wird der Charakter eines Menschen freigelegt. Nichts ist ehrlicher als eine Handlung, die im Bewusstsein der Möglichkeit des Verlusts des eigenen Lebens vollbracht wird. Im Tod kann der Mensch dabei eine besondere Würde haben. Nur der Mensch kann sterben oder sogar fallen, während das Tier nur verendet oder eingeht.

Der Moment der Begegnung mit dem Tod kann über den Wert eines ganzen Lebens entscheiden, und er ist die letzte Gelegenheit, sich noch einmal ganz Gott zuzuwenden. Einem der beiden mit Jesus Christus gekreuzigten Verbrecher, der im Sterben Glauben und Reue zeigte, sagte Christus: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Der Tod verleiht dem Handeln des Menschen besondere Bedeutung, weil er Entscheidungen unwiderruflich macht. Der Tod ist etwas Absolutes, das Halbheiten als Lügen entlarvt. Der Theologe Hans Urs von Balthasar betonte, dass man dem Leben nur von der Möglichkeit des eigenen Todes ausgehend eine christliche Gestalt geben und offene Lebens- und Glaubensfragen zuverlässig beantworten könne. Die eigene Antwort auf die Möglichkeit des Todes lasse den Menschen zudem zuverlässig wissen, wer er wirklich sei.

Die Betrachtung von Lebensfragen vor dem Hintergrund des Todes lässt diese aus der richtigen Perspektive sichtbar werden, nämlich aus der er Ewigkeit. Manche scheinbaren Probleme werden kleiner, wenn man sich die Frage stellt, ob man sich auch dann noch über sie sorgen würde, wenn man müsste, dass man morgen sterben wird. Einige katholische Heilige haben dazu geraten, sich die Möglichkeit des eigenen Todes ständig vor Augen zu führen und sich geistig auf ihn vorzubereiten, so dass man bereit sei, wenn man ihm gegenüberstehe. Thomas von Kempen sagte:

„Selig, wer die Stunde seines Todes immer vor Augen hat und sich täglich zum Sterben bereitet….Ist’s Morgen, so glaube, daß den den Abend nicht erreichen wirst; ist es aber Abend geworden, dann getraue dir nicht, noch einen Morgen zu versprechen. Immer also sei bereit und lebe also, dass niemals der Tod dich unbereit finde.“

Der katholische Heilige Josemaría Escrivá sagte:

„Stell dir deine Todesstunde vor Augen – wenn es auch nur einmal am Tag ist -, und erwäge in ihrem Licht die Ereignisse des Tages. Ich versichere dir: Du wirst erfahren, wieviel innerer Frieden von diesem Gedanken ausgeht.“

Ein Leben im Bewusstsein der Gegenwart des Todes kann das Leben erheben und ihm gesteigerte Intensität verleihen. Wer im Bewusstsein der Möglichkeit lebt, dass der heutige Tag vielleicht sein letzter ist, wird sinnvoller und bewusster handeln als derjenige, der meint, mit wichtigen Entscheidungen noch lange warten zu können.

Menschen haben eher Angst vor dem Sterben als vor dem Tod, aber der im Dienst stehende Mensch sollte vor allem fürchten, in seinem Dienst zu versagen. Für ihn bemisst sich ein erfülltes Leben nicht an dessen Dauer, sondern an der Größe des Dienstes, für das es eingesetzt wird. Der Tod an sich sollte für Christen keinen Schrecken haben, denn für sie ist er der Übergang der Seele in die Ewigkeit. Josemaría Escrivá beschrieb dies so:

„Hast du an einem trüben Nachmittag im Herbst die Blätter fallen sehen? So fallen jeden Tag die Seelen in die Ewigkeit. Eines Tages bist du das fallende Blatt. Hörst du wie die Menschen der Welt traurig klagen, „dass jeder vergehende Tag ein wenig sterben heiße“? Aber ich sage dir: Freue dich, apostolischer Mensch, denn jeder vergehende Tag bringt dich näher zum Leben. […] Für sie ist er Ende, für uns Anfang.“

Der Christ könne ihm zufolge Angesicht des Todes gelassen bleiben, denn er wisse: „sein Leben wird verwandelt, nicht genommen…Sterben? Nein: Leben!“

Nur wer davon ausgeht, dass es Dinge gibt, die größer und bedeutsamer sind als sein eigenes Leben, ist zu einer entsprechenden Begegnung mit dem Tod in der Lage. Für Ernst Jünger waren manche Tote lebendiger als viele Lebende, weil sie das Äußerste auf sich genommen hätten, wozu Menschen in der Lage wären, und in ihrem Dienst an die Grenze des Möglichen gelangt seien.

Man kann in Situationen geraten, in denen man sich dem Tod bewusst stellen und ihn annehmen muss, um handlungsfähig zu bleiben und seinen Dienst fortsetzen zu können. Menschen, die diese Erfahrung gemacht haben, berichten von erhabenen inneren Zuständen, die mit der Entscheidung verbunden gewesen seien, das Leben hinter sich zu lassen und dadurch über diese Welt hinauszugreifen. Das Sterben kann aber mit Härten verbunden sein, die den stärksten Menschen zerbrechen.

Auch die Entscheidung für eine bestimmte Art zu sterben kann noch eine Form des Dienstes darstellen. Der Kapitän eines Schiffes, der nicht von Bord geht bis Passagiere und Besatzung in Sicherheit sind und deshalb den Tod findet, hat mehr getan als nur denen gedient, die seinem Schutz befohlen waren. Er inspiriert durch sein Opfer auch andere dazu, es ihm gleich zu tun.

Der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn, der als Dissident viele Jahre seines Lebens in sowjetischen Lagern verbringen musste, schrieb, dass nur derjenige die Lager innerlich überstanden habe, der sich nicht mehr an sein eigenes Lebens geklammert habe bzw. der sich darüber im Klaren gewesen sei, dass nur noch seine Seele und sein Gewissen für ihn wichtig sein dürften, nicht aber sein körperliches Leben:

„Was braucht einer, um stärker zu sein als der Verhörende […]?

Laß, wenn du über die Schwelle des Gefängnisses trittst, deine Angst um das vergangene warme Leben zurück. Sprich es dir selbst vor: Das Leben ist zu Ende, zu früh zwar, was soll’s, da ist nichts zu machen. Die Freiheit sehe ich nicht wieder. Ich werde zugrunde gehen – jetzt oder etwas später, aber später wird’s sogar schlimmer sein, also lieber jetzt. Ich besitze nichts mehr. Die Familie ist für mich gestorben – und ich für sie. Mein Körper ist mir von heut an eine überflüssige fremde Last. Einzig meinen Geist und mein Gewissen will ich bewahren.

Und sieh! Solch ein Häftling bringt die Untersuchung ins Wanken!

Nur der wird siegen, der sich von allem losgesagt hat!“104

Besonders hart ist der Tod, wen er einen geliebten Menschen nimmt. Dies gilt insbesondere für Mütter, Ehefrauen und Kinder. Rituale helfen diesen Menschen dabei, diesen Verlust besser zu bewältigen. Der im Dienst stehende Mensch kann ihnen dabei helfen, indem er im Vorfeld dafür sorgt, dass für diejenigen, die er im Fall seines Todes zurücklässt, materiell und in anderer Hinsicht aufgefangen werden.

Gott hasst das Unheilige, Böse, Verdorbene und Niedrige und stößt es von sich. Nur das Gute kann zu Gott gelangen. Damit der Mensch zu Gott gelangen kann, muss er daher geläutert werden.105 Da Gott den Menschen liebt, unterzieht er ihn dem Gericht. Der unvollkommene Mensch tritt nach seinem Tod Gott gegenüber, dessen Licht alles in der Seele des Menschen bis in die letzte Tiefe hinein offen- und freilegt. Gerichtet  zu werden bedeutet für den Menschen, dass er sich mit den Augen Gottes sieht, was mit großem Schmerz verbunden sein wird. Das damit verbundene Leid wird den Menschen jedoch läutern. Das nicht bestandene Leiden müsse laut Guardini nachbestanden, die nicht erkannte Wahrheit nacherkannt und die nicht vollbrachte Liebe nacherbracht werden. Am Ende „steht ein Mensch der das Gute will und von ihm restlos durchdrungen ist, so dass er zu Gott gelangen kann.“106

3.4 Christliche Märtyrer als Helden des Glaubens

Märtyrer sind die Christen, die im Angesicht der Bedrohung durch die Feinde des Christentums am Glauben festhielten und deshalb einen gewaltsamen Tod starben. Jesus Christus, elf der zwölf Jünger und 30 der ersten 31 Päpste starben als Märtyrer. Ein Martyrium kann sich über viele Jahre hinziehen und mit extremen Härten verbunden sein. Viele christliche Märtyrer starben nach langen Zeiten der Gefangenschaft und der Folter.

Verfolgung und Tod waren in der Geschichte häufig die Folgen eines christlichen Lebens und sind es auch heute in vielen Teilen der Welt. Angesichts der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber Kirche und Christentum gab es im 20. und 21. Jahrhundert bislang mehr christliche Märtyrer als in der gesamten vorherigen Geschichte des Christentums. Hunderttausende Christen wurden alleine in dieser Zeit als Märtyrer vor allem durch Kommunisten, Nationalsozialisten, Islamisten und andere Feinde des Christentums getötet.

Laut Papst Johannes Paul II. ist die Hingabe des eigenen Lebens durch den Märtyrer „die radikalste und erhabenste Manifestation jenes lebendigen und heiligen Opfers, das Gott gefällt und das der wahre Gottesdienst ist (vgl. Röm 12, 1) – Ursprung, Seele und Höhepunkt jeder christlichen Gottesdienstfeier.“107 Weil Märtyrer häufig unbekannt bleiben, bezeichnete er sie als die „unbekannten Soldaten“ der Sache Gottes.108

Die Lehre der katholischen Kirche definiert das Martyrium als „das erhabenste Zeugnis, das man für die Wahrheit des Glaubens ablegen kann; es ist ein Zeugnis bis zum Tod“. Der Märtyrer lege „Zeugnis ab für Christus, der gestorben und auferstanden ist und mit dem er durch die Liebe verbunden“ sei. Er lege „Zeugnis ab für die Wahrheit des Glaubens und die christliche Glaubenslehre“ und nehme „in christlicher Stärke den Tod auf sich.“109

Das Martyrium ist laut Thomas von Aquin ein Ausdruck von Tapferkeit im Angesicht des Todes. Der Märtyrer sei ihm zufolge ein Zeuge des christlichen Glaubens, weil er durch sein Handeln glaubwürdig belegt habe, dass es für ihn Dinge gab, die wichtiger waren als sein eigenes Leben. Der Märtyrer weise den Blick anderer Menschen über die materielle Welt hinaus, weil er sich durch seine Tat über deren scheinbare Absolutheiten erhebe.

Der Märtyrer widerlegt zudem durch sein Handeln das materialistische Menschenbild, das den freien Willen des Menschen leugnet und in ihm nur ein besseres Tier sieht, das nach Maximierung seiner Lebensdauer und seines materiellen Wohlbefindens strebe. Der Märtyrer stellt durch seine Tat den wahren Menschen dem durch Sünde und falsche Weltanschauungen geschaffenen Zerrbild des Menschen gegenüber.

Der christliche Philosoph Robert Spaemann betonte, dass die Geschichten der Märtyrer zu den „heiligen Erzählungen“ des Christentums zählen würden. Von den Märtyrern könne man lernen, was die Nachfolge Christi bedeute, und wie vielfältig diese Nachfolge aussehen könne.

Die um das Jahr 150 n. Chr. entstandene frühchristliche Schrift “Der Hirte des Hermas” unterschied zwischen Märtyrern, die den Tod bereits gefunden haben, und Christen, die durch ihre Taten unter Beweis gestellt haben, dass sie zur Annahme des Todes bereit seien. Letztere seien “Bekenner” (confessores), die im Frühchristentum besondere Autorität besaßen. Im Frühchristentum wurden zudem jene, die in der Prüfung der Verfolgung versagten und dem Christentum abschworen anstatt den Tod in Kauf zu nehmen und am Christentum festzuhalten, als „Gefallene“ (lapsi) bezeichnet. Der Todestag eines Märtyrers wurde im frühen Christentum als dies natalis („Tag der Geburt“) gefeiert. Zu diesem Anlass versammelten sich die Mitglieder einer Gemeinde zur Feier der Liturgie, wobei vermutlich auch die Taten des Märtyrers vorgelesen wurden.

Cyprian von Karthago (ca. 200-258) bezeichnete die christlichen Märtyrer als „überaus starke Krieger“. Er schrieb über sie, dass die ihre Tötung beobachtenden Menschen „bewundernd […] auf den himmlischen Kampf“ geschaut und gesehen hätten, „wie inmitten des Kampfes die Knechte Christi feststanden, frei in ihren Worten, ungeschwächten Geistes, voll göttlicher Kraft.“110

Der heilige Johannes Chrysostoms beschrieb die Heiligen als „Kämpfer“ mit einer „Seele von Stahl und Eisen“.111

Die älteste erhaltene Märtyerakte beschreibt das Martyrium Polykarps (69-155), der mutmaßlich durch den Apostel Johannes zum Bischof von Smyrna ernannt worden war. Der Verfasser schrieb über das Martyrium:

„Von Gott gesegnet ist und echt ist ein Martyrium nur dann, wenn es nach Gottes Willen geschieht. Darum müssen wir uns selbst vorsichtig zurückhalten und überzeugt sein, dass alle Kraft zum Bekenntnis einzig von Gott her kommt. Wenn aber schließlich das Bekenntnis gefordert ist, wer wird dann nicht ohne Staunen die Tapferkeit der Bekenner, ihre Geduld, ihre Liebe zum Herrn bewundern?“112

Man sollte sich frühchristliche Märtyrer nicht als harmlose Persönlichkeit vorstellen. Polykarp sagte unmittelbar vor seinem Martyrium einem Vertreter des römischen Staates, der von ihm forderte, dem Christentum abzuschwören,  dass er bereit sei diesem das Christentum zu erklären, wenn er es wünsche, aber den „Pöbel“, der sich auf blutige Hinrichtung freute, halte er „nicht für würdig, meine Glaubensverteidigung anzuhören“.113

Josef Pieper warnte vor „geschwätziger Begeisterung für das Martyrium“, da dies deutlich leichter gesagt als getan sei. Er verwies auf Berichte aus der Frühzeit des Christentums über Personen die leichtfertig sich und andere in gefährliche Situationen brachten und dann doch unter Druck nachgaben. In der Verfolgungszeit des Frühchristentums sei das Tabu betont worden, das Martyrium aktiv zu suchen, weil dies Ausdruck von Eitelkeit und anderen schlechten Motiven sei und kein Ausdruck des Dienstes in der Nachfolge Christi. Der Tod ist nicht das Ziel des Dienstes des Christen, sondern nur seine im Extremfall in Kauf zu nehmende Begleiterscheinung.

3.5 Die dienende Hingabe des eigenen Lebens und das katholische Verständnis des Heiligen

Gemäß eines im Juli 2017 veröffentlichten päpstlichen Erlasses der katholischen Kirche ist die heroische Inkaufnahme des eigenen Todes bei der Verrichtung des Dienstes am Nächsten neben dem Tod als Märtyrer und einem von heroischer Tugend geprägten Leben ein weiterer Weg, um als Heiliger durch die katholische Kirche anerkannt zu werden. Laut dem Dokument bringe die Hingabe des Lebens im Dienst am Nächsten „eine wahre, volle und vorbildliche Nachfolge Christi zum Ausdruck“. Sie verdiene „jene Bewunderung, welche die Gemeinschaft der Gläubigen denjenigen vorzubehalten pflegt, die ihr Leben freiwillig durch das Martyrium des Blutes geopfert haben oder die christlichen Tugenden in heroischem Grad gelebt haben.“ Dabei gelten die folgenden Kriterien:

  • freie und willentliche Hingabe des eigenen Lebens aus Nächstenliebe und Annahme eines gewissen und baldigen Todes;
  • Verbindung zwischen der Hingabe des Lebens und dem frühzeitigen Tod;
  • Übung der christlichen Tugenden zumindest im ordentlichen Grad vor der Lebenshingabe und von da an bis zum Tod;
  • Vorhandensein des Rufs und der Zeichen der Heiligkeit zumindest nach dem Tod;
  • Notwendigkeit eines Wunders im Hinblick auf die Seligsprechung, das nach dem Tod des Dieners Gottes und durch seine Fürsprache eingetreten ist.114

Der Titel des Erlasses „Maiorem hac dilectionem“ bezieht sich auf einen im Johannesevangelium überlieferten Satz von Jesus Christus, in dem dieser sagt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“115 Franziskus knüpft mit seiner Entscheidung an frühere Päpste an, die dienenden Opfertod auch ohne damit verbundene Verfolgung als Märtyrer in bestimmten Fällen als Beispiel heroischer Tugend anerkannt hatten und auf dieser Grundlage Selig- und Heiligsprechungen vollzogen hatten.

4. Die Bedeutung der Tapferkeit in Gegenwart und Zukunft Europas

4.1 Das Verschwinden der Tapferkeit aus den Kulturen Europas

4.1.1 Der Bedeutungsverlust der Tapferkeit nach dem Ersten Weltkrieg und seit den 1960er Jahren

Die Tapferkeit erfuhr in Folge der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs eine erste Abwertung in Europa. Im Kampf gegen Artillerie, Gas und Maschinengewehre spielte die in den Jahrzehnten zuvor als soldatische Tugend in ganz Europa betonte individuelle Tapferkeit kaum noch eine Rolle. Außerdem waren die Tapferkeit und andere traditionelle abendländische Werte und Tugenden vielfach missbraucht worden, um die Völker Europas in einen selbstzerstörerischen Bruderkrieg zu treiben, der allen abendländischen Idealen Hohn sprach. Die Tapferkeit der Soldaten aller Nationen übertraf die Klugheit, Gerechtigkeit und Mäßigung ihrer politischen Führungen meist deutlich.

Die Tapferkeit hat Kulturwissenschaftlern zufolge als praktisches Ideal im Leben der Deutschen trotz ihres Bedeutungsverlust nach den Weltkriegen noch bis in die späten 1960er Jahre eine wichtige Rolle gespielt. Dies habe sich auch darin ausgedrückt, dass öffentliche Bekundungen von Schwäche oder Angst ein Tabu dargestellt hätten. Vor allem bei Jungen und Männern habe Tapferkeit der Historikerin Ute Frevert zufolge als die wichtigste Charaktereigenschaft gegolten, auch weil das Männlichkeitsideal früherer Generationen stark durch soldatische Ideale geprägt gewesen sei.

Die Bedeutung der Tapferkeit sei trotz der Erfahrungen der Weltkriege zunächst nicht grundsätzlich in Frage gestellt worden, weil diese in schweren Zeiten zum Überleben notwendig gewesen sei. Im Zuge der kulturellen Entwicklung bzw. im Zuge von allgemeinem Wohlstand, Abwesenheit existenzieller Bedrohungen im Leben des einzelnen sowie dem allgemeinen Trend zu Individualisierung sei die Tapferkeit erst seit den 1960er Jahren radikal abgewertet worden.116

4.1.2 Die Abwertung der Tapferkeit durch dysfunktionale Männlichkeitskonzepte

Der Völkerkundler David D. Gilmore sieht im Streben danach, Grenzen zu ziehen und zu verteidigen, eine kulturübergreifende Konstante männlicher Identität.117 Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ein Mann, der nicht willens oder fähig dazu ist, Grenzen zu ziehen oder zu verteidigen, in seiner maskulinen Identitätsbildung beeinträchtigt ist.

Laut dem Literaturwissenschaftler Daniele Giglioli gehen westliche Gesellschaften durch Anstrengungen zur Zerstörung ihres traditionellen Männlichkeitsverständnisses erhebliche Risiken ein. Die damit verbundene Tendenz zur Effeminisierung mache diese Gesellschaften zunehmend unfähig dazu, existenziellen Herausforderungen zu begegnen. Giglioli ist im deutschsprachigen Raum vor allem durch seine kulturkritische Schrift „Die Opferfalle“ bekannt geworden, in der er sich mit der Tendenz westlicher Gesellschaften auseinandersetzt, moralischen Status nicht mehr mit herausragenden guten Taten, sondern mit einem Opferstatus zu verbinden. Dies führe zu Effeminisierung, unter anderem in Form einer wachsenden Idealisierung von Passivität und Schwäche, was diese Gesellschaften zunehmend unfähig mache, existenziellen Herausforderungen zu begegnen. In seinem aktuellen Aufsatz setzt sich er sich mit dem zunehmenden Verlust männlicher Tugend in westlichen Gesellschaften im Zuge der Durchsetzung postmoderner und neo-marxistischer Ideologien, etwa des Feminismus, auseinander. Die Folgen dieser Entwicklung seien gefährlich:

„Die eigentliche Gefahr einer Dekonstruktion der patriarchalen Ideologie besteht darin, dass zusammen mit der Ideologie auch jene Tugenden langsam verschwinden, die der männlichen Dimension zugeschrieben wurden: Mut, Redlichkeit, Verantwortung, Sorge um das öffentliche Leben, Gemeinsinn.  […] Die Tatsache aber, dass die Tugenden […] im Verschwinden begriffen sind, ist der hohe Preis, den wir gerade dafür bezahlen. Zumindest so viel steht darum fest: Das Ende des Patriarchats wird weder schmerzlos noch wirkungslos über die Bühne gehen. […]

Die Männer praktizieren die sogenannten männlichen Tugenden kaum noch. Die schlimmsten Exemplare – die Weinsteins – scheinen vom männlichen Charakter lediglich dessen raubtierhafte Züge, rohe Gewalt und Präpotenz geerbt zu haben. Die besten Vertreter des männlichen Geschlechts scheinen sich derweil oft darauf zu beschränken, jene Züge für sich zu beanspruchen, die einst dem vermeintlich weiblichen Charakter zugeschrieben wurden: Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit, Schutzbedürfnis. Einem Jungen hat man früher beigebracht, dass Weinen sich für einen kleinen Mann nicht zieme. Heute gilt ein Mann, der weint, ipso facto als anständig, ehrlich, feinsinnig, spontan, gefühlvoll.“

Eine dauerhafte Gesellschaft benötige zu ihrem Fortbestand jedoch auch tätige männliche Tugenden und das  „Vermögen, Städte – und damit Institutionen, Erfindungen, Gesetze und Werke – zu gründen“. Sentimentale und zerbrechliche Männer wären kaum in der Lage, diesen Auftrag zu erfüllen.118

In westlichen Gesellschaften wird Maskulinität im Zuge der Ausbreitung feministischer Ideologie zunehmend als „toxische“ Eigenschaft verstanden. „Alte weiße Männer“ werden in diesem Zusammenhang als Verursacher der meisten gesellschaftlichen Probleme definiert. Christian Pfeiffer, der als einer der führenden Kriminologen Deutschlands gilt, übernahm die Konzepte dieser Ideologie, als er 2019 eine „Dominanz der Männer“ zur „Hauptquelle all der Probleme, die uns Angst machen“ erklärte. So seien Männer etwa für „Überbevölkerung, Terrorismus, Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe“ verantwortlich.119

Der israelische Militärhistoriker Martin van Creveld analysierte die Ideologien der Wehrlosigkeit, die westliche Gesellschaften gegenüber ihren Gegnern schwächen würden. So wie das Volk der Eloi, das H. G. Wells in einem seiner Romane beschrieben hatte, seien die Menschen des Westens in Folge von Migration oft „ebenso wie die Gesellschaft, der sie angehören, zur leichten Beute für härtere Typen geworden“, die in anderen Kulturen vorherrschen würden.“ George Orwell habe gesagt, dass Menschen nur deshalb „sicher in unseren Betten“ schlafen können, „weil raue Männer bereitstehen in der Nacht, um jene zu töten, die uns schaden wollen.“ Westlichen Gesellschaften mangele es aber immer mehr an solchen Männern, weil die kulturellen Faktoren, die solche Männer hervorbringen könnten, hier „als ‚Militarismus‘ verteufelt“ würden. Die in Europa vorherrschende Ansicht, dass auch eine verteidigende und schützende Rolle in bewaffneten Konflikten grundsätzlich falsch sei, werde sich ändern müssen, wenn Europa Bestand haben solle. „Andernfalls … werden wir uns wundern“, so van Creveld.120

Dem Kulturphilosophen Robert P. Harrison zufolge seien westliche Gesellschaften zunehmend von Infantilisierung betroffen. Der unreife Mensch westlicher Gesellschaften „lehnt die Verantwortung für die Erhaltung und das Wohlergehen der Welt ab, die ihn trägt“:

„Die meisten Erwachsenen wünschen sich in den kindlichen Zustand zurück. Es reicht ein Blick in die Strassen unserer Metropolen, den Maschinen des sozialen Wandels. Wir leben im Zeitalter einer breiten kulturellen Neotenie – einer Phase der verlängerten Unreife. Das zeigt sich daran, dass die Jugend vergöttert und das Alter verteufelt werden, während sich alle darin einig sind, auf sich selbst fixiert zu sein. Jeder ist sich sein eigener Massstab, die Welt hat sich nach ihm zu richten und nicht umgekehrt. Das ist zuweilen komisch und oftmals tragisch.“121

Die Wahrnehmung und Ansprache gesellschaftlicher Herausforderungen werden zunehmend tabuisiert. Gleichzeitig ist eine Infantilisierung von Diskursen zu beobachten, in denen der Verweis auf die Verletzung der eigenen Gefühle an die Stelle von Argumenten tritt.122

4.1.3 Geringe Bedeutung der Tapferkeit in der Gegenwart

In Deutschland, aber auch in anderen westlichen Gesellschaften ist die Tapferkeit seit den 1960er Jahren nach dem Eindruck von Beobachtern zum „Anti-Wert“ geworden. Dem an der Universität München lehrenden Sozialpsychologen Dieter Frey zufolge würden Werte und Tugenden wie die Tapferkeit an Bedeutung abnehmen, wenn sie in der Umgebung von Kindern keine wichtige Rolle mehr spielen und es keine Vorbilder für sie gebe, etwa in Form des Beispiels von Eltern, Lehrern, Gleichaltrigen und in Filmen. Zudem würden Werte verschwinden, wenn ihre Verinnerlichung nicht belohnt und ihre Abwesenheit nicht sanktioniert werde. Kinder würden sich dann nicht bemühen, diese Werte zu verinnerlichen. Davon war seit den 1960er Jahren auch die Tapferkeit betroffen. Es gebe keine allgemein anerkannten großen Ziele mehr, für die man bereit wäre, die eigenen Interessen oder auch die eigene Person zu opfern. Dem Ausleben der eigenen Individualität werde größere Bedeutung beigemessen.  Auch die Betonung der eigenen Gefühle und deren öffentliche Darstellung seien Ute Frevert zufolge wichtiger geworden als Tapferkeit, welche die Kontrolle von Emotionen fordere. Tapferkeit werde zudem als Ausdruck von Fremdbestimmung empfunden.123

Der Begriff der Tapferkeit ist im Zuge dieser Entwicklung so stark in Verruf geraten, dass er kaum noch verwendet wird. Statt dessen ist allenfalls von „Zivilcourage“ die Rede, die der Philosoph Peter Sloterdijk als „die Magerstufe des Muts für Verlierer“ bezeichnete.124

Die Tugend der Tapferkeit oder der Wille, das eigene Gemeinwesen gegen Bedrohungen zu verteidigen, spielen in westlichen Gesellschaften im Vergleich zu anderen daher gegenwärtig nur noch eine geringe Rolle.  Dies belegen auch Umfragen, denen zufolge nur noch rund ein Fünftel der Westeuropäer dazu bereit wären, ihre Heimat zu verteidigen, während die Werte in islamisch geprägten Gesellschaften zwischen siebzig und neunzig Prozent erreichen.125

4.2 Postheroische Gesellschaften sind verwundbar

Der Philosoph Christoph Türcke kritisierte Versuche der moralischen Selbstvergewisserung westlicher Gesellschaften, die ihre Schwäche und ihren Unwillen zur Selbstverteidigung dadurch zu überdecken versuchten, dass sie die Taten islamistischer Angreifer als „feige“ bewerten. Man versuche zu verdrängen, „dass sich da Leute überwunden haben, für einen höheren Zweck ihr Leben herzugeben“, weil man selbst oft nichts mehr habe, was einem mehr bedeute als man selbst. Das Handeln radikaler Muslime konfrontiere westliche Gesellschaften damit, dass die von ihnen betonten abstrakten Werte wie Freiheit oder Toleranz kaum belastbar seien, weil sie nicht auf Absolutheiten beruhen würden und daher keine Opferbereitschaft mobilisieren könnten. Islamistischer Terrorismus lege „den Finger in die Wunde der ‚postheroischen Gesellschaft’“. In ihr würden Staat und Nation nicht mehr so viel gelten, „dass man sich dafür in Militärdienst und Zivilleben aufopfern müsste“ und Opfer seien „ihr suspekt“.

Der Begriff „heroisch“ sei gleichbedeutend zum Begriff „opferbereit“. Der Held sei „ursprünglich der junge Mann“ gewesen, „der der griechischen Muttergöttin Hera dargebracht wurde“. Der Name des Helden Herakles“ bedeute wörtlich „der von Hera Berufene (zum Opfer)“. Dieser Name habe „eine sakrale Berufsbezeichnung“ dargestellt, ehe daraus der Eigenname eines Kämpfers wurde, „der die größten Widrigkeiten überwand, bis er schließlich am Altar der Gottheit verbrannte.“ Es sei eine Illusion postheroischer Gesellschaften anzunehmen, dass sie ohne solche Opferbereitschaft aufrechterhalten werden könnten. Indem sie den „Typus des allzeit opferbereiten Soldaten und Staatsbediensteten“ grundsätzlich ablehnten, würden sie auch Vorbilder dienenden Lebens „regelrecht eliminieren“. Die Folge sei, dass diese Gesellschaften zunehmend von „infantil Gebliebenen“ geprägt seien.126

Dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler zufolge habe sich in Westeuropa nach den Erfahrungen der Weltkriege eine postheroische Kultur durchgesetzt. Diese lehne die Vorstellung, dass es Ideale gebe, die es wert seien, Opfer zu bringen, grundsätzlich ab. Man brauche jedoch weiterhin zum Dienst und zum Opfer bereite Menschen, weil auch postheroische Gesellschaften Feinde hätten. Das „Phantasma des Heldischen als Bedeutsamkeitsversprechen“ junger Männer motiviere „auch die Terroristen und Selbstmordattentäter, die unsere Gesellschaften immer wieder in Angst und Schrecken versetzen“. Dies lasse „die Frage aufkommen, ob das Land womöglich doch Helden nötig habe, um sich dieser Bedrohung zu erwehren“.

Postheroische Gesellschafen seien „extrem verwundbar“. Helden würden in den Kulturen Westeuropas jedoch nur als fiktive Gestalten in amerikanischen Filmen oder als ironisierte „Helden des Alltags“ akzeptiert werden.  Europa würde dadurch versuchen, sich vom Problem des Mangels an echtem Heldentum und Heldenerzählungen abzulenken. Dies sei Ausdruck von „kollektiver Schizophrenie.“127 Terroristen und andere Gegner könnten westliche Gesellschaften jedoch künftig „die Wiederaufnahme von Elementen des Heroischen“ aufzwingen, da „die postheroische Gesellschaft […] ohne Rückgriff auf einen Restbestand des Heroischen nicht überlebensfähig“ sei.128

4.3 Freiheitliche Gesellschaften benötigen tapfere Verteidiger

Laut dem Philosophen Dieter Thomä müssten sich die freiheitlichen Gemeinwesen der westlichen Welt heute „mehr denn je“ gegen Feinde behaupten und benötigten daher „Menschen, die heroisch die Fackel der Freiheit hochhalten.“ Diese Gesellschaften würden dem Konzept des Heldentums jedoch distanziert gegenüberstehen. Sie sähen in Helden „zuallererst Krieger und Machos“ und seien froh darüber, dass diese „ausgemustert“ worden seien. Freiheitliche Gemeinwesen befänden sich jedoch „in ihrer schwersten Krise seit 1945“. Sie würden unter anderem durch „fundamentalistische Feinde“ herausfordert und müssten einige „der kostbarsten Errungenschaften der Menschheitsgeschichte“ gegen diese verteidigen.

Die Demokratie sei derzeit „nicht der Favorit auf den Sieg im Kampf der Systeme“. Man lebe in einem „trügerischen, falschen Frieden“ und müsse mit Lagen rechnen, in denen „Ruhe und Ordnung, Frieden und Freude“ sich als Träume erwiesen. Wenn die Demokratie „sich nicht selbst zu Grabe tragen“ wolle, müsse sie die Bewunderung für das Heroische aufrechterhalten. Es werde eine Zeit kommen, in der es Helden brauche, d. h. Menschen, die dazu bereit seien, „Besonderes zu wagen“ und sich Gefahren auszusetzen, um „die gute Ordnung zu verteidigen oder „den falschen Frieden“ in Frage zu stellen. Das „Wort von der wehrhaften Demokratie“ werde dann „einen neuen Sinn“ erhalten.129

4.4 Christen werden tapfer sein müssen

Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte des Christentums hat das Festhalten im christlichen Glauben von mehr Christen die Bereitschaft zum Einsatz des eigenen Lebens erfordert als in der Gegenwart. Dies betrifft nicht nur die Christen des Mittleren Ostens oder Subsahara-Afrikas. Angesichts der allgemeinen Entwicklung in Europa werden Christen auch hier in ihrem Dienst am Gemeinwohl immer größere Risiken auf sich nehmen werden müssen. Einige der utopischen Ideologien der Moderne haben vor kaum einem Verbrechen zurückgeschreckt haben, wenn Menschen sich ihrer Vorstellung von Fortschritt in den Weg gestellt haben. Der auch in der 68er-Bewegung in Deutschland verehrte Mao Tse Tung brachte dies mit der Parole „keine Humanität mit Reaktionären!“ zum Ausdruck.130

Charles Péguy schrieb 1911, als sich die totalitären Ideologien und Staaten des 20. Jahrhunderts bereits abzeichneten, dass die Kirche „vereinsamt wie ein Leuchtturm“ sei, „der seit bald drei Jahrhunderten vergeblich von einem ganzen Meer berannt wird“. Mehr denn je bedeute dies, dass Christen tapfere Kämpfer sein müssten:

„Jeder Christ ist heute Soldat. Kämpfer Christi. Es gibt keine ruhigen Christen mehr. Diese Kreuzzüge, die unsere Väter suchen gingen bis in die Länder der Ungläubigen, sie kommen heute von selbst auf uns zu, wir haben sie bei uns zu Hause. […] Jene Kreuzzüge, die ganze Völker versetzten, einen Erdteil auf den andern warfen, sind zurückgeflutet auf uns, bis in unsere Häuser. Die Ungläubigen, […] und mehr noch die Ungläubigkeiten, die Treulosigkeiten haben den Kampf bis zu uns zurückgeschlagen. Der Geringste von uns ist Soldat. Der Geringste von uns ist buchstäblich ein Kreuzfahrer. Alle unsere Häuser sind Kastelle in Seenot. Der Heilige Krieg ist überall. Er ist ununterbrochen. Darum braucht er nirgends mehr gepredigt zu werden. […] Wir sind alle Inseln, gepeitscht von unaufhörlichem Sturm, und alle unsere Häuser sind feste Plätze im Meer. Und das heißt, daß die Tugenden, die damals von einer bestimmten Fraktion der Christenheit verlangt waren, da sie den Gegenstand eines Gelübdes bildeten, heute von der gesamten Christenheit eingefordert werden. […] Es gilt buchstäblich der obligatorische Militärdienst […]. Es ist Massenaushebung. […] Die schwächsten Frauen, die Kinder in der Wiege sind schon belagert. Wir stehen alle an der Front. Die Grenze ist überall. Der Krieg ist allgegenwärtig.131

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer schrieb 1942 unter dem unmittelbaren Eindruck der Verfolgung durch die Nationalsozialisten:

„Wer hält Stand? Allein der, dem nicht seine Vernunft, sein Prinzip, sein Gewissen, seine Freiheit, seine Tugend der letzte Maßstab ist, sondern der dies alles zu opfern bereit ist, wenn er im Glauben und in alleiniger Bindung an Gott zu gehorsamer und verantwortlicher Tat gerufen ist, der Verantwortliche, dessen Lebens nichts sein will als eine Antwort auf Gottes Fragen und Ruf.“132

Romano Guardini zufolge werde die Tapferkeit neben dem Ernst bzw. der Klugheit in den Verwerfungen, die dem christlichen Europa bevorstehen, die wichtigste Tugend sein. Eine „unpathetische, geistige, personale Tapferkeit, welche sich dem heraufdrohenden Chaos entgegenstellt“, werde erforderlich sein. Sie werde gegen „den universellen Feind, das im Menschenwerk selbst aufsteigende Chaos zu bestehen“ und dabei „wie alle wirklich große Tapferkeit, die Vielen gegen sich, die Öffentlichkeit, die in Parolen und Organisationen verdichtete Unwahrheit“ haben.133

5. Profile christlicher Tapferkeit: Aktuelle Beispiele

In den vergangenen Jahren gab es vor allem im Zusammenhang mit Konflikten mit radikalen Strömungen im Islam immer wieder Beispiele tapferen Handelns von Christen, durch das diese viele Menschen vor Tod, Verletzung und Geiselnahme retteten.

5.1 Der Opfergang von Oberst Arnaud Beltrame (1973-2018)

Der bekennende katholische Christ Arnaud Beltrame war als Offizier der paramilitärischen französischen Gendarmerie Nationale am 23.03.2018 am Einsatz gegen einen islamistischen Terroristen im südfranzösischen Trèbes beteiligt. Nachdem der Terrorist in einem Supermarkt Geiseln genommen hatte, entschloss sich Beltrame dazu, sich als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen. Er wurde dabei durch den Terroristen, einem aus Marokko stammenden salafistischen Muslim, tödlich verwundet. Seine Tat trug jedoch dazu bei, dass die meisten Geiseln gerettet werden konnten.134 Medien sprachen von einem „Akt unvorstellbarer Größe“.135

In Frankreich galt Beltrame daraufhin als „Märtyrer der Nation in ihrem Kampf gegen den islamistischen Terror“, wobei der christliche Glaube des Getöteten und seine damit verbundene Bereitschaft zum vorbehaltlosen Dienst am Nächsten hervorgehoben werden.136 Er wurde posthum zum Oberst ernannt, und der französische Präsident Emmanuel Macron stellte ihn in die Tradition der Helden Frankreichs, wobei er vor allem die heilige Johanna von Orleans hervorhob.137

Angehörige sagten über Beltrame:

„‚Als ich gehört habe, dass sich ein Polizist hat eintauschen lassen, wusste ich sofort, dass es mein Arnaud war. Seit seiner Geburt hat er alles für sein Vaterland getan. Das war sein Grund zu leben. Zu mir sagte er immer: ‚Das ist mein Job, Maman.‘ Sein Bruder Cédric Beltrame sagt: ‚Er gab sein Leben für jemand anderen. Obwohl er sicherlich wusste, dass er praktisch keine Chance hat. Trotzdem zögerte er keine Sekunde.‘“138

Beltrame war 2008 im Alter von 33 Jahren Christ geworden. Der Priester Jean-Baptiste, der ihn und seine Verlobte Marielle im Juni hätte trauen sollen und ihm vor seinem Tod noch die Krankensalbung spenden konnte, schrieb über den Gefallenen:

„Als er an die Stelle der Geiseln trat, wurde er wahrscheinlich von seiner heroischen Auffassung des Dienstes als Offizier dazu bewegt, denn ein Gendarm zu sein bedeutete für ihn, zu schützen. Dabei war er sich der enormen Risiken bewusst. Er war sich auch seines Eheversprechens bewusst, das er Marielle gegeben hatte […]. Durfte er also dieses Risiko eingehen? Mir scheint, dass nur sein Glaube die Verrücktheit seines Opfers erklären kann, das jetzt alle bewundern. Er wusste das, was Jesus uns sagte: ‚Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt‘ (Joh 15,13). Er wusste, dass sein Leben begonnen hatte Marielle zu gehören, aber auch Gott, Frankreich und seinen Brüdern im Angesicht der Gefahr. Ich glaube, dass nur ein von der Nächstenliebe bewegter christlicher Glaube dieses übermenschliche Opfer von ihm fordern konnte.“139

Beltrame werde niemals leibliche Kinder haben, aber sein Heldentum werde zahlreiche Nachfolger finden, die bereit sein werden, sich für ihr Land und sein Christentum zu opfern. Jean-Baptiste zufolge hätten im spirituellen Leben Beltrames vor allem Maria, der Erzengel Michael und Joseph von Nazareth, der Beschützer der Familie Jesu, eine besondere Rolle gespielt.140

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sprach das Opfer Beltrames in seiner Osterpredigt an, wobei er betonte, dass Beltrame auch ein Held sowie ein „ein Beispiel für militärische Tugenden“, vor allem aber ein christlicher Märtyrer gewesen sei. Das Opfer Beltrames mache einen Teil des Ostergeheimnisses sichtbar, in dessen Zentrum der Dienst an anderen stehe. Bischof Voderholzer sagte über Oberst Beltrame und seine Tat, dass „Inmitten der Hölle dieses Terrors“ ein Licht aufgeleuchtet habe, „das in seiner Größe und Menschlichkeit sprachlos und andächtig macht.“ Hier werde „etwas vom Ostergeheimnis sichtbar“, also vom Opfer Christi, weil hier ein Mann „im vollen Bewusstsein der möglichen Folgen für jemand anders sein eigenes Leben“ eingesetzt habe. Das Opfer Beltrames sei „nicht nur ein Beispiel für militärische Tugenden, sondern macht etwas sichtbar vom Geheimnis der Pro-Existenz, vom Geheimnis des Daseins-Für andere, der Stellvertretung, die im Zentrum der Osterbotschaft steht“:

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn jemand sein Leben hingibt für seine Freunde‘, sagt Jesus im Blick auf seinen nahenden Tod am Kreuz. In Trèbes hat ein Polizist sein Leben geopfert, eine Geisel gerettet und vermutlich noch größeres Unheil verhindert. Beltrame ist ein Held. Er verdient Hochachtung und Bewunderung. Im Licht des Glaubens sehe ich in ihm einen Märtyrer, einen Zeugen für die Leben schenkende und die Welt verwandelnde Kraft der göttlichen Liebe, die im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus vollends sichtbar geworden ist. Das Geschehen zeigt, dass die Wehrlosigkeit und Selbstlosigkeit der Liebe machtvoller und kraftvoller strahlt als alle Feuerwaffen. Ich hoffe, dass sein Opfer nicht umsonst war, sondern noch mehr zum Segen wird für viele Menschen.

Ich hoffe, dass dieses Lebenszeugnis alle Kritiker und Bekämpfer des Kreuzes und der Religion des Kreuzes zu einer anderen Sichtweise bekehrt und im Kreuz das Zeichen der wehrlosen, aber letztlich alles bezwingenden Macht der göttlichen Liebe zu sehen lehrt. Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest!“141

Auch Papst Franziskus lobte die „heldenhafte Geste“ des Gendarmen und verurteilte die von radikalen Muslimen ausgehenden „verblendeten Gewaltakte, die so viel Leid verursachen“.142

Im Oktober 2018 lehnte der Stadtrat von Marseille einen Antrag zur Umbenennung eines Platzes zu Ehren von Beltrame mit dem Verweis darauf ab, dass dies Teile der Bevölkerung der Stadt provozieren könnte.143

5.2 Unterbindung eines Terroranschlags auf einen Schnellzug durch drei Christen (2015)

Am 21.08.2015 überwältigten drei amerikanische Christen den salafistischen Muslim Ayoub El Khazzani, der in einem Schnellzug im belgisch-französischen Grenzgebiet mit einem Sturmgewehr das Feuer auf Passagiere eröffnen wollte. Es handelte sich um den Luftwaffensoldaten Spencer Stone, den in der Nationalgarde von Oregon dienenden Alexsander Skarlatos sowie den Studenten Anthony Sadler. Stone versorgte anschließend Verletzte, während Skarlatos mit dem Sturmgewehr des Entwaffneten den Zug durchsuchte, um ggf. weitere Terroristen zu bekämpfen.

5.3 Befreiung einer Geisel durch Oberstaabsbootsmann Edward Byers (2012)

Byers stammt aus einer patriotischen Familie und sei als Jugendlicher in Kontakt mit der tridentinischen Messe gekommen, welche den Opfergdanken betont. Auf diesem Weg habe er das Christentum entdeckt. Später habe er sich für den Gedanken einer elitären, „mythischen“ Gemeinschaft von Männern, die sich gefährlichen Aufgaben stellen, begeistert und sich bei den Spezialkräften der amerikanischen Marine beworben, den US Navy SEALs, wo er seit 2004 diente. Die Härten des Auswahlverfahrens habe er auch mit Hilfe des Gebetes bewältigt.

In den Jahren seit 2004 befand er sich fast ununterbrochen im Kampfeinsatz. Am 08.12.2012 war er an der Befreiung des für eine Hilfsorganisation tätigen Arztes Dilip Joseph beteiligt, der von Taliban in Afghanistan als Geisel genommen worden war. Wegen seiner soldatischen Leistungen und weil er das Leben der Geisel rettete, indem er sie mit seinem Körper vor feindlichem Feuer schützte, wurde dem gläubigen Katholiken, der nach eigenen Worten den Erzengel Michael in besonderer Weise verehrt, im September 2016 die höchste militärische Tapferkeitsauszeichnung der USA, die Medal of Honor, verliehen. Diese wird nur äußerst selten an noch lebende Personen verliehen. Im September 2019 wurde Byers aus dem aktiven Dienst verabschiedet.

5.4 Oberfeldwebel Travis W. Atkins hält einen Selbstmordattentäter auf (2007)

Bei einer Personenkontrolle identifizierte der amerikanische Katholik und Oberfeldwebel Travis W. Atkins (1975-2007) am 01.06.2007 im Raum Al-Yusufiyah im Irak einen Selbstmordattentäter. Atkins nahm zunächst den Nahkampf mit diesem auf. Als dieser seine Sprengstoffweste zünden wollte, brauchte Atkins ihn zu Boden und schirmte seine Kameraden mit seinem Körper vor der Detonation ab, wobei er getötet wurde. Im März 2019 wurde Atkins postum die Medal of Honor verliehen.144

5.5 Gefreiter Jewgeni Rodionow: Soldat und Märtyrer (1996)

Der russische Gefreite Jewgeni Alexandrowitsch Rodionow (1977-1996) wurde während des ersten Tschetschenienkriegs von militanten Islamisten entführt und nach einigen Monaten Gefangenschaft und mutmaßlich auch Folter nach Angaben der Entführer am 23.06.1996 enthauptet, nachdem er sich geweigerte hatte, zum Islam zu konvertieren. Er soll sich auch geweigert haben, ein Kreuz abzulegen, dass er um seinen Hals trug. Seine Entführer gaben später an, dass sie ihn nicht getötet hätten, wenn er ihre Forderungen erfüllt hätte. In Russland genießt er allgemeine Verehrung. Nachdem die Umstände seines Todes bekannt wurden, wurde Rodionow außerdem posthum der russische Tapferkeitsorden verliehen.

6. Tapferkeit als Thema in abendländischen Legenden

Zahlreiche Sagen und Legenden der abendländischen Tradition behandeln die Kardinaltugend der Tapferkeit.

6.1 Die Legende von Hektor, dem Verteidiger Trojas

Hektor ist eine Gestalt aus Homers Epos Ilias. Er war der Überlieferung nach der älteste Sohn des Königs von Troja, Priamos, sowie der tapferste Verteidiger und wichtigste Heerführer der Stadt. Durch die gesamte abendländische Geistesgeschichte hindurch wurde er als Vorbild an tapferer Ritterlichkeit wahrgenommen.

Friedrich Schiller (1759-1805) dichtete in seinem „Hektorlied“:

„Teures Weib, gebiete deinen Tränen,
Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,
Diese Arme schützen Pergamus.
Kämpfend für den heilgen Herd der Götter
Fall ich, und des Vaterlandes Retter
Steig ich nieder zu dem stygschen Fluß. […]

All mein Sehnen will ich, all mein Denken
In des Lethe stillen Strom versenken,
Aber meine Liebe nicht.
Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern,
Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern,
Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.“

6.1 Die Legende von Gaius Mucius Scaevola, dem Verteidiger Roms

Laut einer durch den römischen Dichter Livius überlieferten Legende soll der Held Gaius Mucius Scaevola die Stadt Rom im Jahre 508 v. Chr. gerettet haben, als sie durch den etruskischen König Porsenna belagert wurde. Scaevola begab sich der Legende nach in das feindliche Lager, um Porsenna zu töten, tötete dabei aber unwissentlich einen seiner Schreiber. Nachdem er ergriffen und vor Porsenna geführt wurde, führte er einen Dialog mit diesem, der vor allem die Tugend der Tapferkeit behandelt.

Quellen

  1. Elmar Dinter: Held oder Feigling. Die körperlichen und seelischen Belastungen des Soldaten im Krieg, Herford 1982, S. 93.
  2. KKK 1808.
  3. Pieper 1934, S. 30 f.
  4. Ernst Jünger: „Das abenteuerliche Herz (Erste Fassung, 1929)“, in: Ders: Werke, Band 7, Stuttgart 1961, S. 110.
  5. C. S. Lewis, Dienstanweisung für einen Unterteufel, Freiburg i. Br. 1975, S. 128-130.
  6. Joh 12,25.
  7. Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 123, 11.
  8. Ebd., 2-2, 123, 5.
  9. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 20-21.
  10. Pieper 1934, S. 30 f.
  11. Zit. nach Fabian von Schlabrendorff: Offiziere gegen Hitler, Frankfurt am Main 1946, S. 154.
  12. Hans Urs von Balthasar: Cordula oder der Ernstfall, Einsiedeln 1966, S. 8 ff.
  13. Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 139, 2.
  14. Ebd., 2-2, 123, 11.
  15. Zit. nach Ebd., 2-2, 123, 3.
  16. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 84.
  17. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 83.
  18. Ernst Jünger: Der Kampf als inneres Erlebnis, Berlin 1922 S. 46.
  19. Ernst Jünger: Der Kampf als inneres Erlebnis, Berlin 1922 S. 53.
  20. Pieper 1934, S. 22.
  21. Ulrich Mann: Lorbeer und Dornenkrone. Eine historische und theologische Studie über das Wehrverständnis im deutschen Soldatentum, Stuttgart 1958, S. 88, 168 f.
  22. C. S. Lewis, Dienstanweisung für einen Unterteufel, Freiburg i. Br. 1975, S. 128-130.
  23. Josef Pieper: Lesebuch, München 1981, S. 84 f.
  24. Röm 15,1.
  25. 1. Könige 2,2.
  26. 1. Makkabäer 2,64.
  27. Zit. nach Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 38.
  28. Spr 18,11.
  29. Heinrich David: Das Bild des christlichen Mannes, Freiburg i. Br. 1953.
  30. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2016, S. 200.
  31. Ebd., S. 206.
  32. Ebd., S. 112-113.
  33. Heinz Karst: Das Bild des Soldaten. Versuch eines Umrisses, Boppard 1964, S. 72 f.
  34. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2016, S. 154 f.
  35. Romano Guardini: „Vom ritterlichen Manne“, in: Ders.: Briefe über Selbstbildung, Mainz 1964, S. 83-103, hier: S. 89 f.
  36. Lk 9,62.
  37. Ernst Jünger: Das abenteuerliche Herz. Zweite Fassung. Figuren und Capriccios, Hamburg 1938, S. 124.
  38. Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG, Bern/München 1974, S. 48.
  39. Werner Wilhelm Jaeger: Paideia. Die Formung des griechischen Menschen, Berlin/New York 1973, Band 1, S. 25.
  40. Phil 2,8.
  41. Offb 2,10.
  42. Romano Guardini: „Vom ritterlichen Manne“, in: Ders.: Briefe über Selbstbildung, Mainz 1964, S. 83-103.
  43. Elmar Dinter: Held oder Feigling. Die körperlichen und seelischen Belastungen des Soldaten im Krieg, Herford 1982, S. 124.
  44. Dinter 1982, S. 98.
  45. Dinter 1982, S. 109.
  46. 1 Kor 9,17.
  47. 1 Kor 9,7.
  48. 1 Kor. 9,26.
  49. Mt 5, 29-30.
  50. Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 96.
  51. Christian Graf von Krockow: Eine Frage der Ehre. Stauffenberg und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, Reinbek bei Hamburg 2004, S. 48-49.
  52. Zit. nach Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 125, 2.
  53. Ebd., 2-2, 138, 1.
  54. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 70.
  55. 1. Kor 6,9-11.
  56. 1. Kor 15,58.
  57. 1. Kor. 15,13.
  58. Jens Hartner: „Segen ohne Umkehr wäre Lüge“, Welt & Kirche, 28.05.2020, S. 17-20, hier: S. 19.
  59. 1. Kor 4,12.
  60. 1. Kor 6,19.
  61. 1. Kor 3, 13-15.
  62. Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 98-100.
  63. Marcus Tullius Cicero: Von den Pflichten, Frankfurt a .M. 1991, S. 15.
  64. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.): Gott und die Welt. Glauben und Leben in unserer Zeit, München 2005, S. 199-200.
  65. Léon Bloy: Das Heil durch die Juden – Jeanne D’Arc und Deutschland, Wien 2002, S. 152.
  66. KKK 2302.
  67. Thomas von Aquin: Summa Theologiae, 2-2, 29, 1-2.
  68. Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 23, 1.
  69. Russell Kirk: „The Rarity of the God-fearing Man“, in: George A. Panichas (Hrsg.): The Essential Russell Kirk: Selected Essays, Wilmington 2007, S. “, S. 115-123, hier: S. 116.
  70. Joh 2, 14-17.
  71. Mk 3,5.
  72. KKK 2203.
  73. Mt 5,39.
  74. Eph 4,26.
  75. Aristoteles: Nikomachische Ethik, Reinbek bei Hamburg 2006, S. 148-149.
  76. Aristoteles 2006, S. 88.
  77. Russell Kirk: „The Rarity of the God-fearing Man“, in: George A. Panichas (Hrsg.): The Essential Russell Kirk: Selected Essays, Wilmington 2007, S. “, S. 115-123.
  78. C. S. Lewis, Dienstanweisung für einen Unterteufel, Freiburg i. Br. 1975, S. 128-130.
  79. Egon Flaig: „Symbolischer Tausch und heldischer Tod“, in: Karl Heinz Bohrer/Kurt Scheel (Hrsg.): Heldengedenken. Über das heroische Phantasma, Merkur, Nr. 724 (September 2009), S. 843-848, hier: S. 845.
  80. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi: Praktischer Idealismus, Wien/Leipzig 1925, S. iii.
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  82. Ebd., S. 188.
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  84. Nikolai A. Berdiajew: Im Herzen die Freiheit, Bad Schmiedeberg 2018, S. 34
  85. Nikolai A. Berdiajew: Im Herzen die Freiheit, Bad Schmiedeberg 2018, S. 18.
  86. Nikolai A. Berdiajew: Im Herzen die Freiheit, Bad Schmiedeberg 2018, S. 29
  87. „Exclusive: Australian interview with Cardinal Burke“, catholicoutlook.org, 21.09.2017.
  88. Lk 10,3.
  89. Joh 15 ff.
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  91. Mt 10,22.
  92. Joh 6,60.
  93. Ernst-Wolfgang Böckenförde: „Der deutsche Katholizismus im Jahre 1933. Eine kritische Betrachtung“, in: Rainer Brendel (Hrsg.): Die katholische Schuld? Katholizismus im Dritten Reich – zwischen Arrangement und Widerstand, Münster 2002, S. 171-199, hier: S. 172.
  94. Nikolai A. Berdiajew: Im Herzen die Freiheit, Bad Schmiedeberg 2018.
  95. Hans Urs von Balthasar: Cordula oder der Ernstfall, Einsiedeln 1966, S. 110-112.
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  97. „‚Aufhalten ist Alles!“, die-tagespost.de, 29.12.2010.
  98. 2. Kor 8-17.
  99. Zit. nach Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 100.
  100. Romano Guardini: Die letzten Dinge, Würzburg 1967, S. 25.
  101. Zit. nach Günter Stemberger: 2000 Jahre Christentum, Erlangen 1994, S. 102.
  102. Alexander Solschenitzyn: Der Archipel Gulag. Folgeband – Arbeit und Ausrottung. Seele und Stacheldraht, Bern 1974, S. 633.
  103. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Gütersloh 2016, S. 154.
  104. Alexander Solschenizyn: Der Archipel GULAG. Bern/München 1974, S. 132.
  105. Romano Guardini: Die letzten Dinge, Würzburg 1967, S. 41.
  106. Romano Guardini: Die letzten Dinge, Würzburg 1967, S. 48 ff.
  107. Ecclesia in Europa 13.
  108. Generalaudienz Papst Johannes Pauls II., 23.06.1999.
  109. KKK 2473.
  110. Zit. nach Thomas von Aquin: Summa theologica, 2-2, 124, 2.
  111. Otto Bardenhewer et al. (Hrsg.): Des heiligen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus Erzbischofs von Konstantinopel Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Philipper und Kolosser, Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 45, München 1924, S. 129.
  112. Zit. nach Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 36.
  113. Zit. nach Wilhelm Geerlings/Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 1 – Die Zeit der Väter, Ostfildern 2008, S. 38 f.
  114. Maiorem hac dilectionem 2
  115. Joh 15,13.
  116. Sarah Maria Brech/Fanny Jiménez: „Ungerührt im Angesicht des Schreckens“, Welt am Sonntag, 08.04.2018.
  117. David D. Gilmore: Manhood in the Making. Cultural Concepts of Masculinity, New Haven 1990, S. 77.
  118. Daniele Giglioli: „Wer hat noch den Mut, tapfer zu sein?“, Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2018.
  119. ‚Dominanz der Männer gefährdet das Überleben der Menschheit'“, faz.net, 04.11.2019.
  120. Martin van Creveld: Wir Weicheier. Warum wir uns nicht mehr wehren können und was dagegen zu tun ist, Graz 2017.
  121. „‚Nehmen gilt als Menschenrecht, das Geben ist bloss für die Doofen‘“, Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2019.
  122. Robert Pfaller: Erwachsenensprache. Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur, Frankfurt a. M. 2017.
  123. Sarah Maria Brech/Fanny Jiménez: „Ungerührt im Angesicht des Schreckens“, Welt am Sonntag, 08.04.2018.
  124. Peter Sloterdijk: Zorn und Zeit, Frankfurt a.M. 2008, S. 26.
  125. „Nur wenige Deutsche würden für ihr Land kämpfen“, welt.de, 24.06.2015.
  126. Christoph Türcke: „Die Wunde der postheroischen Gesellschaft“, Süddeutsche Zeitung, 06.09.2017.
  127. Herfried Münkler: „Wir sind verwundbarer, als wir glauben“, Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2017.
  128. Herfried Münkler: „Unser Recht auf Feigheit“, Süddeutsche Zeitung, 20.01.2015.
  129. Dieter Thomä: „Geht es auch ein paar Nummern grösser?“, Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2020.
  130. Zit. nach Henning Ottmann: Geschichte des politischen Denkens. Band 3/3: Die Neuzeit. Die politischen Strömungen im 19. Jahrhundert, Stuttgart 2008, S. 2.
  131. Charles Péguy: Wir stehen alle an der Front, Einsiedeln 1952, S. 11-14.
  132. Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung, Gütersloh 2016, S. 12.
  133. Romano Guardini: Das Ende der Neuzeit, Würzburg 1950, S. 98.
  134. „‚Frankreich wird niemals sein Heldentum vergessen‘“, sueddeutsche.de, 24.03.2018.
  135. „Ehe-Segen auf dem Sterbebett“, bild.de, 25.03.2018.
  136. „‚Frankreich wird niemals sein Heldentum vergessen‘“, sueddeutsche.de 24.03.2018.
  137. „Attentats dans l’Aude : Arnaud Beltrame est nommé au grade de colonel à titre posthume“, francetvinfo.fr, 27.03.2018.
  138. „‚Frankreich wird niemals sein Heldentum vergessen‘“, sueddeutsche.de, 24.03.2018.
  139. „Arnaud Beltrame : Le témoignage bouleversant du prêtre qui l’a accompagné jusqu’au bout“, famillechretienne.fr, 24.03.2018, Übers. Renovatio.
  140. „The Heroism of Arnaud Beltrame“, firstthings.com, 29.03.2018.
  141. „Im Opfer von Arnaud Beltrame blitzt ein Licht auf: Bischof Voderholzer predigt zu Ostern“, catholicnewsagency.com, 01.04.2018.
  142. „Franziskus lobt französischen Polizisten Beltrame“, die-tagespost.de, 26.03.2018.
  143. „Marseille: pas de place Arnaud Beltrame ‚pour ne pas provoquer'“, valeursactuelles.com, 10.10.2018.
  144. „Catholic soldier posthumously awarded Medal of Honor“, catholicherald.co.uk, 13.03.2019.