Stand: 20.01.2021

Es gibt viele unterschiedliche Wege, auf die Berufung zum Dienst zu antworten. Jeder Mensch muss seine Berufung erkennen, und eine davon kann die zum schützenden und bewahrenden Dienst sein, zu dem insbesondere Männer berufen sind. Zu den Formen dieses Dienstes gehören der Schutz der Schwachen, der Schutz der Kirche und des christlichen Erbes, der Schutz des Gemeinwohls und die Verteidigung des Gemeinwesens.

1. Der christliche Weg des schützenden und bewahrenden Dienstes

Der Weg des schützenden und bewahrenden Dienstes ist ein Weg, Christus dienend nachzufolgen. Dieser Weg ist mit der Akzeptanz höchster Risiken und Gehorsam gegenüber Gott bis zum Tod1 verbunden. Viele Christen und biblische Personen sind diesen Weg gegangen:

  • Joseph von Nazareth beschützte die heilige Familie und brachte sie in Sicherheit, als Herodes Jesus töten wollte.2
  • Der Apostel Paulus brachte die ihm anvertrauten Menschen und Werke auf seinen mit Gefahren verbundenen Fahrten sicher durch den Sturm brachte.3
  • Nehemia ließ die schützenden Mauern Jerusalems in Zeiten der äußeren Bedrohung und der inneren Auflösung erneuern, bewachen und verteidigen.
  • Den Propheten Ezechiel berief Gott im Angesicht von Gefahren und Bedrohungen zum Wächtertum4, damit sein Volk in Sicherheit leben kann.5 Gott beruft in Zeiten der Gefahr mit den Worten im Buch Ezechiel den zum Dienst bereiten Mann, damit er „eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt“.6
  • Wo Menschen schützenden Dienst im Gehorsam gegenüber Gott leisten, können die Geschützten laut dem Propheten Jesaja dankbar singen: „Wir haben eine starke Stadt. Zum Heil setzt er Mauern und Wall.“7 Jesaja warnte zugleich vor den blinden Wächtern, die in ihrem Auftrag versagen, sich Träumen hingeben und gerne ihre Ruhe hätten anstatt sich Bedrohungen zu stellen.8
  • Den Weg des schützenden Dienstes geht der Mann, der Hüter seines Bruders sein will.9 Er strebt danach „vertraut mit dem Schwert, geschult für den Kampf […] gegen die Schrecken der Nacht“ zu sein10 und trägt dadurch zur Erfüllung des Willens Gottes bei, „viel Volk am Leben zu erhalten.“11
  • Der Prophet Jesaja beschreibt, dass Gott selbst schützenden Dienst leistete, als er den Weinberg, der im Gleichnis für sein Volk steht, mit einem Wachtum und einer schützenden Mauer versah.12 Auch Jesus Christus sorgte für den Schutz der Jünger, als er am Ende der Zeit seines Wirkens unter den Menschen den Jüngern mutmaßlich in Erwartung der kommenden Verfolgung befahl, eine begrenzte Zahl von Schwertern zu beschaffen.13 Er praktizierte zudem schützenden Dienst, als er eine Ehebrecherin vor der Steinigung schützte.14
  • Maria barg Jesus Christus neun Monate lang in ihrem Leib.

Dieser Weg orientiert sich an den Erfordernissen des Dienstes in Grenzsituationen, unter Gefahr und im Angesicht von Risiken. Sein Inhalt ist die immer weiterreichende Indienststellung des eigenen Lebens und der Aufbau und die Pflege von entsprechender Tauglichkeit. Diesen Weg zu gehen ist damit verbunden, Herausforderungen aktiv zu suchen, auf sie zuzugehen und auf den Ruf Gottes zu antworten: „Hier bin ich, sende mich!“15 Dieser Weg ist ist außerdem Teil der apostolischen Pflicht aller Christen zur Verteidigung der Kirche im Sinne der Gesamtheit aller Christen gegen ihre Feinde. Nach christlicher Überzeugung ist der Mensch nicht Urheber oder Stifter von Werten, sondern nur ihr gehorsamer Wächter und Bewahrer. Er hat im Dienst an Jesus Christus alle von Gott stammenden wertvollen Dinge zu schützen und zu verteidigen.

Die Kirche leistet an Europa seit mehr als 1.500 Jahren ihren schützenden Dienst, der alles bewahrte, was es die Kulturen des Kontinents an Wertvollem hervorgebracht haben. Der Theologe und Offizier Ulrich Mann sprach von einer „Wehrmetaphysik“ des Christentums16, die in der „kämpferischen Metaphysik des Rittertums“ ihren ersten Höhepunkt erreicht hätte.17 Wilhem Erben zufolge sei das christliche Rittertum das Ergebnis der weitreichenden „Durchdringung des ganzen Kriegswesens mit christlichen Gedanken und Formen“ gewesen.18

  • Im Chaos der Spätantike und des Frühmittelalters bewahrte sie die wertvollsten Teile des abendländischen Erbes und beschützte Europa vor den Angriffen der Hunnen, der Muslime, der Wikinger und der Magyaren.
  • Die Päpste Leo der Große und Gregor der Große wendeten durch ihr persönliches Wirken im fünften und sechsten Jahrhundert Angriffe auf Rom ab, welche die Existenz des Abendlandes vielleicht beendet hätten.
  • Bernhard von Clairvaux rief im Mittelalter zum schützenden Dienst gegen jene auf, die daran arbeiten die „unschätzbaren Reichtümer des christlichen Volkes zu rauben, das Heiligtum zu schänden und den heiligen Tempel Gottes in Besitz zu nehmen.“
  • In Spanien bildete sich im Zuge des jahrhundertelangen christlichen Abwehrkampfes gegen die islamische Besatzung ein besonders wehrhaftes Christentum heraus. Der Historiker John Roberts schrieb dazu, dass Spanien in den Jahrhunderten des Kampfes zu einem „Land von Heiligen und Soldaten“ geworden sei.19
  • Papst Pius XI. rief in diesem Sinne die „ungenannten Soldaten Christi“ dazu auf, im Angesicht der Bedrohung durch totalitäre moderne Ideologien dem heiligen Erbe des Christentums tapfer die Treue zu halten, „im Kampf gegen die Verneiner und Vernichter des christlichen Abendlandes“ dienend tätig zu werden und „alles zu hüten und zu schützen, worauf der Völker Heil und Glück beruht“.

1.1 Das Wächteramt der Kirche

Im Alten Testament traten die Propheten auch als Mahner in Erscheinung. Sie beurteilten die Lage des Volkes Gottes vor dem Hintergrund der Erfordernisse der göttlichen Ordnung, machten auf Missstände aufmerksam und warnen vor Krisen. Im Protestantismus wurde zur Beschreibung dieser Aufgabe der Begriff des „prophetischen Wächteramtes der Kirche“ geschaffen.

Der Apostel Paulus sagte über prophetisches Reden: „Und wenn die Trompete unklare Töne hervorbringt, wer wird dann zu den Waffen greifen?“20

Der katholische Theologie Romano Guardini schrieb, dass die Berufung des Propheten ein „schweres Dasein“ bedeute, dass „nur mit Kräften zu leisten“ sei, „die von dorther kommen, woher die Aufgabe gestellt worden ist“. Immer wieder habe Gott Männer mit dem Auftrag gesandt, „das Volk zum Verständnis seiner heiligen Geschichte zu bringen; ihm die Zeitereignisse her vom Bunde zu deuten; es zum Schritt in den Glauben und zu einem Leben aus dem Gottesbunde heraus zu führen – damit es aus solchem Wagnis eine Erfüllung empfange, die seine natürlichen Kräfte als winziges, von riesigen Staaten umgebenes Volk vollkommen überschreitet.“

Die Propheten des Alten Testaments

Der damalige Priester und spätere Prophet Ezechiel war im Jahre 597 v. Chr. Zeuge des Falls Jerusalems und der existenziellen Krise, die das Volk Gottes an den Rand der Vernichtung brachte. Das Buch des Alten Testaments, das seine Worte wiedergibt, setzt sich intensiv mit den Problemen zerfallender Gemeinwesen auseinander, deren Auflösung schließlich in der Katastrophe endet. In diesem Zusammenhang schildert das Buch jedoch auch die Berufung zum Wächtertum und zum schützenden Dienst, die dem entgegenwirken soll. Die Wächter seien jene, die Gott damit beauftrage, Krisen frühzeitig zu erkennen und die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, damit sein Volk „in Sicherheit wohnt“.21

Wenn sich schwere Zeiten ankündigten, suche Gott nach Männern, die er in seinen Dienst als Wächter berufen könne. Der Wächter sei dafür da, dass er „eine Mauer baut oder für das Land in die Bresche springt“ und die bevorstehende Katastrophe abwendet.22 Der Auftrag der Wächter sei es zudem, die Lage richtig zu erkennen, vor Krisen und Katastrophen zu warnen und die Maßnahmen zu entwerfen und zu formulieren, die erforderlich seien, damit das Volk Gottes überleben könne.23 Die wichtigste dieser Maßnahmen sei die Wiederherstellung der Bindung des Volkes an Gott und seine Ordnung.24 Außerdem müssten die Wächter in höchstem Maße wachsam und aufmerksam gegenüber Verfalls- und Auflösungserscheinungen sein. Ezechiel schreibt, dass Gott ihm die Tatsache der bevorstehenden Katastrophe „laut in die Ohren“ geschrien habe.25

Defekte religiöse und politische Eliten erkenne man auch daran, dass sie das Vorhandensein von Krisenpotenzialen leugnen oder nicht erkennen und den ihnen gebotenen schützenden Dienst am Gemeinwesen verweigern würden: „Ihr seid nicht in die Bresche gesprungen. Ihr habt keine Mauer für das Haus Israel errichtet, damit es am Tag des Herrn im Kampf standhalten kann.“26

Der Prophet Jesaja warnte vor den blinden Wächtern, die in ihrem Auftrag versagen und Wunschdenken folgen, anstatt sich Herausforderungen zu stellen.27

Die zeitlose Bedeutung von Propheten

Der katholische Bischof Heiner Koch erklärte im April 2019, „dass unsere Gesellschaft und auch unsere Kirche von Zeit zu Zeit echte Propheten braucht, die auf Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen, und die Lösungswege vorschlagen – auch wenn diese nicht auf ungeteilte Zustimmung aller stoßen“.28

Der politische Auftrag der Kirche

Die Diakonie, der Dienst am Nächsten, gehört neben dem Gottesdienst und der Verkündung des Evangeliums zu den drei Aufträgen der Kirche. Laut dem evangelischen Theologen Walter Künneth sei die Kirche in diesem Zusammenhang auch Trägerin und Verkünderin der „Erhaltungsordnung Gottes“, welche „die grundlegenden Prinzipien der Staatsgestaltung und das Verhalten des Christen“ sowie die Lehre vom „ordnungsgemäßen Einsatz der Machtmittel“ in der Gesellschaft verkünden müsse.29

Es gebe in der Welt keine neutralen Bereiche, aus denen die Offenbarung Gottes ausgeklammert werden könnte. „Weltflucht“ und „Sektenexistenz“ seien für Christen keine Option angesichts ihrer Sendung in Welt und ihres Auftrags, das „Licht der Welt“ und das „Salz der Erde“ zu sein. Christen könnten den Bereich des Politischen nicht ignorieren, ohne gegen den Auftrag Christi zu verstoßen.30

Als „Wächterin des göttlichen Willens“ habe die Kirche sich gegen „alle im politischen Raum sichtbar und zu einer Gefahr werdenden Mißstände zu wenden und ihnen gegenüber den Anspruch der Gottesordnung aufzurichten“. Das Auftauchen totalitärer Kräfte im 20. Jahrhundert habe die Bedeutung dieses Auftrags unterstrichen.31

In einer unvollkommenen Welt könne es keine „gesunde Zone ursprünglicher Normalität“ geben. Alle politischen Ordnungen könnten potenziell zu totalitären Weltanschauungsstaaten entarten, weshalb das Wächteramt der Kirche grundsätzlich notwendig sei.32

Das kirchliche Wächteramt werde „zu konkreter Aktion aufgerufen, wenn Gottes Gebote in systematischer und totaler Verachtung der ethischen Prinzipien verletzt werden und durch Machtmißbrauch, Rechtsverdrehung, Menschenverachtung und antichristliche Ideologien eine Herrschaft der Ungerechtigkeit aufgerichtet und damit ein politisches Anti-Ethos konstituiert wird“.

Die Ausübung des Wächteramts erfolge durch Taten zur Abwehr politischer Mißstände und Verfallserscheinungen. Christen hätten die Aufgabe, das „kritische Nein“ gegenüber falschen und ungerechten Ordnungen auszusprechen sowie „Gottes Ordnung, Gottes Gebot und Gerechtigkeit sowie die Würde des Menschen zu bezeugen und in bekenntnismäßiger Entscheidung die allgemein und immer gültigen Grundsätze des christlichen Ethos für die staatspolitische Existenz und das öffentliche Gemeinschaftsleben zu proklamieren“.

Christen seien dabei dem Risiko ausgesetzt, dass totalitäre Staaten solches Handeln als „staatsfeindliche Aktion“ auffassen und sie durch Diffamierung oder härtere Maßnahmen bekämpfen. In solchen Lagen würden Christen vor der Entscheidung stehen, „an Stelle der glaubenslosen Unterwerfung das gläubige Martyrium zu tragen“.33

2. Die Berufung des Mannes zum schützenden und bewahrenden Dienst

Inhalt folgt

3. Formen des schützenden und bewahrenden Dienstes

Der schützende und bewahrende Dienst des Christen kann Menschen in Not, dem christlichen Erbe und dem Gemeinwesen dienen. Das Kompendium der Soziallehre der Kirche beschreibt alle Felder des gesellschaftlichen Lebens als Gebiete, auf denen Christen ihren Dienst zu verrichten hätten. Neben dem christlichen Dienst am Menschen gebe es auch einen christlichen Dienst an der Kultur oder an der Politik. Allen Formen des schützenden Dienstes ist gemeinsam, dass sie Grenzen errichten und verteidigen, hinter denen das, wofür man Verantwortung trägt, sicher vor Bedrohung ist.

3.1 Selbstschutz und Selbstverteidigung

Christen sollen den Nächsten lieben wie sich selbst. Selbstschutz steht nicht im Widerspruch zur Nächstenliebe. Jesus Christus befahl den Jüngern, dass sie sich in Vorbereitung für die Zeit nach seiner Kreuzigung offenbar zu ihrem Selbstschutz bewaffnen sollten.34

Der katholische Schriftsteller Georges Bernanos schrieb, dass das Opfer kein Recht habe, dem Henker seine Kehle zum Schnitt anzubieten.35 Athanasios der Große (ca. 300-373) gilt als ein einer der bedeutendsten Kirchenlehrer des frühen Christentums und verteidigte die Lehre der Kirche mit besonderer Vehemenz. Sein Zeitgenosse Epiphanios von Salamis schrieb über ihn:

„Er überredete, er mahnte, er griff zur Gewalt. Wenn er angegriffen wurde, verteidigte er sich. Wenn er der Stärkere war, dann erlebte sein Gegner eine böse Stunde.“

Der Autor fügte jedoch hinzu, dass es die „Schwäche der Unerschrockenen“ sei, dass sie „ihre Kraft nicht […] messen und so bisweilen das rechte Maß zu verfehlen.“

3.2 Der allgemeine Kampf gegen das Böse, Not und Elend

Christen haben aus der Sicht der katholischen Soziallehre eine allgemeine Pflicht zum „harten und leidenschaftlichen Ankämpfen“ gegen Not, Elend und das Böse.36 Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) schrieb über diesen Auftrag:

„Der Kampf, der das Böse in Schranken hält, muss von jeder Generation neu bestanden werden und ist ihr nicht durch die Institution einer vorausgegangenen Generation abzunehmen.“

Laut der 1964 promulgierten dogmatischen Konstitution Lumen Gentium bestehe der Auftrag des Christentums auch im Kampf „gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister des Bösen“ (Eph 6,12) und gegen entsprechende Strukturen in der Welt.

Papst Johannes Paul II. schrieb über den christlichen Kampf gegen das Böse:

„Ihr seid auch stark für den Kampf: nicht für den Kampf gegen den Menschen im Namen irgendeiner Ideologie oder Praxis, die sich von den Wurzeln des Evangeliums entfernt hat, sondern stark für den Kampf gegen das Böse, gegen das wahre Übel: gegen alles, was Gott beleidigt, gegen jede Ungerechtigkeit und jede Ausbeutung, gegen jede Falschheit und Lüge, gegen alles, was verletzt und demütigt, gegen alles, was das menschliche Zusammenleben und die menschlichen Beziehungen verschlechtert, gegen jegliches Verbrechen am Leben, gegen jede Sünde.“37

Laut dem Johannes Paul II. ergebe sich außerdem aus dem Solidaritätsprinzip auch eine christliche Pflicht zum Einsatz zur Überwindung von „Strukturen der Sünde“.38 Papst Franziskus betonte, dass diejenigen, die das Böse nicht bekämpften, es dadurch fördern würden. Wo der Christ dem Wirken des Bösen begegne, müsse er ihm daher entgegentreten.39

3.3 Der Schutz der Schwachen und der Menschen in Not

Der schützende Dienst des Christen gilt vor allem den Menschen in Not und den Schwachen, die sich nicht selbst schützen können. Die Pflicht zum Schutz der Schwachen ist Teil des im Buch Exodus festgehaltenen Gesetzes, das Gott seinem Volk auf dem Berg Sinai gab.40

Lactantius, einer der Kirchenväter, betonte, dass zu den helfenden Werken des Christentums auch gehöre, die Unterdrückten zu befreien, die Waisen zu verteidigen und die Witwen zu schützen. Er bezog sich hier auch auf Psalm 82:

„Verschafft Recht den Unterdrückten und Waisen, verhelft den Gebeugten und Bedürftigen zum Recht! Befreit die Geringen und Armen, entreißt sie der Hand der Frevler!“41

Der katholische Philosoph Robert Spaemann schrieb, dass der hl. Petrus bei der Gefangennahme Christi sein Schwert aus Liebe zu Jesus Christus gezogen habe:

„Aber es war ja Liebe in diesem Ziehen des Schwerts. Nur reichte die Liebe nicht aus, im Zustand der Wehrlosigkeit Christus nicht zu verleugnen. Wie viele ziehen aber ihr Schwert nur deshalb nicht, weil ihre Liebe nicht einmal so weit reicht?“

Die Schwächsten der Gesellschaft sind die ungeborenen Kinder. Der Einsatz zu ihrem Schutz ist daher eine wichtige Form des schützenden Dienstes der Gegenwart.

Schützender Dienst war ein wichtiges Motiv im Denken Helmut Gollwitzers, der der Bekennenden Kirche während der Herrschaft des Nationalsozialismus angehörte. Angesichts der Verbrechen der Nationalsozialisten sagte er im November 1938: „Gott will Taten sehen“. Christen müssten sich schützend vor diejenigen stellen, die notleidend und schutzlos seien und verfolgt würden.42

Laut Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) müsse der Mensch „alles tun, um Leid zu mindern.“ Er müsse etwa „das Leid der Unschuldigen zu verhindern, so gut es geht“. Dies gehöre zu den „ Pflichten sowohl der Gerechtigkeit wie der Liebe, die zu den Grundforderungen christlicher Existenz und eines jeden wahrhaft menschlichen Lebens gehören“.43

3.4 Die Verteidigung der Kirche

Alle Christen habe die apostolische Pflicht zur Verteidigung der Kirche im Sinne der Gesamtheit aller Christen gegen ihre Feinde. Das Christentum existiert, weil Christen ihm immer wieder durch schützenden Kampf dienten. Ohne die Taten von Männern wie Karl Martell bei der Abwehr der islamischen Invasion im Jahre 732, Andrea Dorias und Don Juans in der Schlacht von Lepanto 1571 oder Jan Sobieksis bei der Verteidigung Wiens 1683 würde es das Christentum in Europa vermutlich nicht mehr geben.

Papst Johannes Paul II. würdigte 1996 den Widerstand in der Vendée gegen den Terror und den Genozid durch die Truppen der Französischen Revolution. Die Widerstandskämpfer seien Männer und Frauen gewesen, „die mutig genug waren, um der Kirche Jesu Christi treu zu bleiben zu einer Zeit, als ihre Freiheit und Unabhängigkeit bedroht waren“.

Der ungarische Erzbischof Gyula Marfi schrieb:

„Wir wollen den Wölfen nichts Schlechtes, da auch sie Geschöpfe Gottes sind, aber wir lassen sie deshalb doch nicht unter die Schafe.“

  • Jesus Christus wies die Jünger an, einige Schwerter zu beschaffen.46 Aus der begrenzten Zahl dieser Schwerter wird deutlich, dass diese nicht zu Angriffszwecken, sondern mutmaßlich zum Selbstschutz der Jünger nach der Kreuzigung Christi eingesetzt werden sollten.
  • Der Christ soll der Hüter seines Bruders sein.47
  • Die Bibel beschreibt das Reich Gottes mit dem Bild des Weinbergs, der zu pflegen und intakt an die nächste Generation weiterzugeben sei. Es wird mehrfach erwähnt, dass der Weinberg mit einer schützenden Mauer umgeben und mit einem Wachturm versehen werden solle. Das Fehlen solcher Schutzmaßnahmen hat in den Beschreibungen der Bibel stets katastrophale praktische Folgen, die zum Teil als Strafe Gottes dafür dargestellt welchen, dass religiöse Eliten sich wie „blinde Wächter“ verhalten und sich Bedrohungen nicht stellen wollen.48
  • Das Buch Nehemia beschreibt den militärischen Verteidigungskampf des Gottesvolkes.49 Auch das erste Makkabäerbuch (das von Protestanten nicht als Teil des Bibelkanons gesehen wird) beschreibt einen solchen Verteidigungskampf.50

Der katholische Philosoph Robert Spaemann schrieb im zweiten Band seiner „Meditationen eines Christen“ auch über christliche Identität und ihre Weitergabe durch „heilige Erzählungen“. Diese würden nicht nur Inhalte der Bibel umfassen, sondern auch die Traditionsbestände der ersten zwei Jahrtausende christlicher Geschichte umfassen. Dies gelte vor allem für die Geschichten der christlichen Heiligen und Märtyrer, von denen man lernen könne, was Nachfolge Christi bedeute, und wie vielfältig diese Nachfolge aussehen könne. Auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“, also schützender Dienst, sei so eine Form der Nachfolge.

Menschen wie der im Alten Testament beschriebene Nehemia übernahmen aus dem Glauben heraus in schwieriger Zeit Verantwortung, erneuerten und bewachten die schützenden Mauern der heiligen Stadt und traten dem Verfall in ihrem  inneren entgegen, damit sie nicht von seinen Gegnern überwältigt wurde. Wo es an solchen Menschen mangelt, sind Not und Chaos die Folgen. Wo sie hingegen hervortreten, entfaltet sich das Reich Gottes in Räumen der Ordnung, des Lebens, der Kultur und des Friedens.

Die Kirche ist kein Rückzugsraum, sondern eine Gemeinschaft des Dienstes. Der Dienst des Christen an der Kirche erfordert es, dass er sich fragt, wie er durch sein Handeln zur Erfüllung des Auftrags und zur Größe, Stärke und Ehre der Kirche beitragen kann. Wer als Christ keinen entsprechenden Beitrag leisten kann, hat die Pflicht dazu, sich in eine entsprechende Verfassung zu bringen und bis dahin nicht öffentlich als Christ in Erscheinung zu treten, um keinen Schaden für die Kirche darzustellen. Wer dazu in der Lage wäre dies zu tun aber nicht tun will, sollte sich nicht Christ nennen und auch nicht als solcher bezeichnet werden.

3.5 Die Bewahrung von christlicher Kultur und Identität

Alles, was in der Welt Wert besitzt, wuchs aus der Bindung des Menschen an die höchsten Dinge, die über dem Menschen stehen. Das Christentum und alles Wahre, Gute und Schöne werden bedroht und herausgefordert bleiben, solange es diese Welt gibt. Es besteht nur deshalb fort, weil sich in jeder Generation Menschen fanden, die den damit verbundenen Auftrag annahmen, ihr Leben in den Dienst stellten, an die Grenzen gingen, die im Heiligen wurzelnde Ordnung auch unter den härtesten Bedingungen und in den schwierigsten Umfeldern errichteten und sie gegen die unablässig angreifenden Kräfte des Chaos behaupteten.

Die Verteidigung der eigenen Identität stellt einen universellen Auftrag an jede Gemeinschaft und jedes Gemeinwesen dar. Dieser Gedanke durchzieht die gesamte abendländische Tradition. Heraklit schrieb: „Kämpfen muß das Volk für sein Gesetz wie für seine Stadtmauer.“ Das Gesetz verkörpert dabei die gemeinsame Sache und Identität.51

Laut dem Rechtswissenschaftler Dietrich Murswiek sei die Bundesrepublik Deutschland  als Nationalstaat des deutschen Volkes konstituiert worden. Dieses Volk sei durch eine bestimmte Kultur geprägt. Keine Regierung habe das Recht dazu, die Identität des deutschen Volkes durch Migration umzustrukturieren.52

Erfahrungen im Judentum

Der Historiker Shalom Salomon Wald hat in seiner Studie „Rise and Decline of Civilizations – Lessons for the Jewish People“ die Voraussetzungen langfristiger kultureller Kontinuität untersucht. Unter den von Wald identifizierten Faktoren, die für die Kontinuität einer Kultur ausschlaggebend seien, sei die Pflege von Identität und Tradition der wichtigste. Durch die Globalisierung würden jedoch Identität und Tradition vieler Kulturen herausgefordert. Dies betreffe auch das Judentum. Da jede Hochkultur einen religiösen Kern habe und die Bindung jüdischer Kultur an ihren religiösen Kern besonders ausgeprägt sei, verfüge das Judentum jedoch über vergleichsweise günstige Voraussetzungen für kulturellen Erfolg auch unter den Bedingungen der Moderne. Dennoch stelle es auch für das Judentum eine Herausforderung dar, den Erhalt und die Pflege des religiösen Identitätskerns mit den Anforderungen des Lebens in modernen Gesellschaften zu vereinbaren.

Was das Judentum als Kultur angehe, würden dessen religiöse Besonderheiten auf die folgende Weise zu dessen Kontinuität beitragen:

  • Die spezifisch jüdische Verbindung aus religiöser Praxis, geteilter Geschichte und Betonung von historischer Erinnerung sowie Glaube schaffe starke Bindungen und errichte zudem Grenzen, die der Assimilation von Juden in andere Kulturen entgegenwirkten. Je ausgeprägter diese Grenzen seien, desto höher seien die Hürden für eine Anpassung an eine umgebende fremde Kultur und somit für eine Auflösung der eigenen Kultur. Dies beträfe auch säkulare Kultur moderner Gesellschaften. Druck von außen könne solche Bindungen noch weiter stärken.
  • Das Judentum habe zudem starke Bindungen durch seine Funktion als Solidargemeinschaft geschaffen, die insbesondere in schwierigen Zeiten zuverlässig funktioniere und der Auflösung von Bindungen entgegenwirke.
  • Weiterhin sei es im Vergleich zu anderen Religionen eine Stärke des Judentums gerade unter den Bedingungen der Moderne, dass es Zugehörigkeit stark über kulturelle Praxis definiere und weniger stark über Glauben. Bindungen an das Judentum könnten so auch dann aufrechterhalten werden, wenn eine Person nicht oder nur schwach gläubig sei. So könne man sich auch aus der rationalen Einsicht heraus, dass die eigene Zukunft davon abhänge, zum Judentum bekennen. Wald betont dabei, dass Eliten im Judentum häufig über eine starke Glaubensbindung verfügen würden und nicht nur aus rationalen Erwägungen daran festhielten.
  • Das Judentum stärke zudem Bindungen durch die Vermittlung eines besonderen Sendungsbewusstseins bzw. eines historischen Auftrags. Dies gebe der eigenen Kultur einen Sinn, der über ihren bloßen biologischen Fortbestand hinausreiche. Eine Stärke des Judentums sei zudem seine ausgeprägte Betonung von historischer Erinnerung. Die in der Gegenwart ggf. geforderten Opfer fielen leichter, wenn man sich der Tatsache bewusst sei, dass man Teil einer Kette von Generationen sei, die häufig noch größere Opfer gebracht und größere Herausforderungen zu bewältigen gehabt hätten.

Progressive religiöse Strömungen, die eigene Besonderheiten weniger stark betonen, seien als Träger kultureller Kontinuität Wald zufolge ungeeignet, da sie sich langfristig an ihre Umfelder anpassen und dadurch auflösen würden.

3.5.1 Der Auftrag zur Bewahrung des christlich-abendländischen Erbes

Große Opfer wurden erbracht, damit das Christentum seine Größe und Kulturhöhe erreichen und behaupten konnte. Entsprechend groß ist die Verantwortung jeder neuen Generation von Christen, der dieses Erbe anvertraut ist, um es fortzusetzen. Der schützende und bewahrende Dienst am dabei geschaffenen Erbe und seine Fortsetzung gehört zu den größten Aufgaben, denen sich ein Mensch stellen kann. Das Versagen einer einzigen Generation würde ausreichen, dieses Erbe für immer zu beenden.

Kardinal Robert Sarah sagte 2019, dass der Mensch im Wesentlichen ein Erbe sei. Er „empfängt eine Geschichte, eine Kultur, einen Namen, eine Familie, eine Sprache, eine Religion, einen Glauben, eine Tradition und ein Vaterland“. Männer „großen Glaubens und großer Demut“ hätten Werke wie die Kathedralen Europas, die über viele Generationen hinweg errichtet wurden, nur deshalb erschaffen können, weil sie ein Erbe weitergeben wollten.53

Christen haben den Auftrag, die in einem Gemeinwesen aus der Bindung an die göttliche Ordnung heraus geschaffenen kulturellen Bestände sowie die Bindungen, von denen das Gemeinwohl abhängt, zu schützen und zu bewahren. Die christliche Soziallehre betont, dass ein Gemeinwesen, das in Achtung der gottgesetzten Ordnung zur Blüte gelangt sei, ein „verwirklichter Gottesgedanke“ sei und zur „Ehre und Verherrlichung des Schöpfers“ beitrage. Es sei unbedingt schützenswert.“54

Der Christ versteht sich in diesem Zusammenhang als Hüter eines Erbes, das er intakt an die nach ihm kommende Generation zu übergeben hat bzw. als „Wächter des Erbes der Zivilisation“.55 Er strebt außerdem danach, in der Kultur den Geist zu bewahren, aus dem sie und alle ihre guten Werke gewachsen sind und der diese immer wieder erneuert.56 Michael Oakeshott bezeichete den Konservatismus als die Haltung des Menschen, der weiß, dass er Verantwortung für wertvolle Dinge trägt, die verloren gehen oder zerstört werden können.57

Jedes Gemeinwesen beruht auf vorpolitischen kulturellen und somit letztlich religiösen Voraussetzungen. Das Christentum hat dem gesamten abendländischen Kulturraum seine geistige Form aufgeprägt. Man kann diese Verbindung nicht auflösen, ohne diese Kulturen dabei zu zerstören.

Papst Benedikt XVI. erklärte 2008 in Frankreich:

„Denn ich bin überzeugt, daß die Nationen nie akzeptieren dürfen, daß das, was ihre eigene Identität ausmacht, verschwindet. Die Tatsache, daß die verschiedenen Mitglieder einer Familie denselben Vater und dieselbe Mutter haben, bedeutet nicht, daß sie sich nicht voneinander unterscheiden: in Wirklichkeit sind es Personen mit einer je eigenen Individualität. Das gleiche gilt für die Länder, die darüber wachen müssen, ihre eigene Kultur zu bewahren und zu entwickeln, ohne sie je von anderen vereinnahmen oder in einer farblosen Einförmigkeit untergehen zu lassen.“58

Die Lehre der katholischen Kirche bejaht die Bewahrung der Völker und Kulturen. Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) betonte, dass der Erhalt spiritueller und kultureller Ressourcen für die Menschheit nicht weniger überlebenswichtig sei als der Erhalt der natürlichen Umwelt.59 Laut Papst Franziskus gäben diese Ressourcen den Menschen „Identität und Sinn“, weshalb sie schützenswert seien.60 Die „menschliche Vielfalt“ der Völker und Kulturen und ihre kulturelle Identitäten stellten einen „einzigartigen Reichtum“ dar. Dieser müsse ebenso erhalten werden wie die natürliche Umwelt.61 Es sei diese kulturelle „Vielfalt, die unsere Menschheit schön macht“.62 Ihre Träger glichen den „Hütern eines Schatzes“.63 Franziskus prägte den Begriff der „Kulturökologie“ für den Erhalt des kulturellen Erbes eines Gemeinwesens und die Abwehr von gegen dieses Erbe gerichteten Bedrohungen, die „sogar noch gravierender“ sein könnten als Bedrohungen für die natürliche Umwelt.64

Die „konsumistische Sicht des Menschen, die durch das Räderwerk der aktuellen globalisierten Wirtschaft angetrieben wird“, bedrohe Franziskus zufolge auch die kulturellen Lebensgrundlagen und führe dazu, „die Kulturen gleichförmig zu machen und die große kulturelle Vielfalt, die einen Schatz für die Menschheit darstellt, zu schwächen.65 Neben dem natürlichen Erbe werde durch das Wirken dieser Ideologie auch das historische und kulturelle Erbe bedroht, das „Grundlage für den Aufbau funktionierender Gemeinwesen“ sei. Ganzheitliche Ökologie erfordere es, dass im Wandel die „ursprüngliche Identität bewahrt bleibt“ und setze „die Pflege der kulturellen Reichtümer der Menschheit im weitesten Sinn voraus.“66 Auch der Schutz ästhetischer Werte bzw. die Erhaltung des Schönen in der Welt sei eine Forderung ganzheitlicher Ökologie.67

Papst Johannes Paul II. betonte ebenfalls die Bedeutung der Kultur für das Gemeinwohl. Sie stelle das Wesen eines Gemeinwesens dar und müsse unbedingt geschützt werden.68 Josef Pieper sprach in diesem Zusammenhang von den „unsichtbaren Fundamenten“, derer es in schwierigen Zeiten bedarf, etwa während der Herrschaft totalitärer Regierungen, „damit das Leben eines Volkes gesund oder doch der Gesundung fähig bleibt“.69

Ein Gemeinwesen kann nur dann Kontinuität erlangen, wenn diejenigen, die es regieren, über viele Generationen hinweg im Sinne des Gemeinwohls zu handeln in der Lage sind. Dies setzt laut Scruton voran, dass sie sich diesem Gemeinwesen kulturell verbunden fühlen.70 Der Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde betonte, dass der säkularisierte Staat „zunehmend auf vorhandene und gelebte Kultur als die Kraft angewiesen“ sei, „die eine relative Gemeinsamkeit vermittelt und ein die staatliche Ordnung tragendes Ethos hervorbringt“. Diese Kultur habe sich „weithin aus bestimmten religiösen Wurzeln, aus davon geprägten Traditionen und Verhaltensweisen geformt.“ Migration und ihre potenziell ungünstigen kulturellen Auswirkungen könnten dazu führen, dass „der kulturelle Sockel“, auf dem ein Staat beruht, „sich zunehmend parzelliert, aushöhlt und seine verbindende Kraft einbüßt“.71

Paul Collier bezeichnet die Verbindung aus den Institutionen, Normen und Regeln einer Gesellschaft als „Sozialmodell“. Unterschiedliche Kulturen brächten unterschiedliche Sozialmodelle hervor, die unterschiedlich gut dazu befähigt seien, eine gemeinwohlorientierte politische Ordnung, einen Rechtstaat oder eine freiheitliche Demokratie zu stützen. Kultur sei ein „öffentliches Gut par excellence“. Ein funktionierendes Sozialmodell bzw. die Kultur, die es trägt, sei das Werk von Jahrhunderten und Teil des Gemeineigentums, das wie ein wertvolles Erbe gepflegt werden müsse. Dies sei nur möglich, wenn der Zugriff auf dieses Erbe begrenzt werde und nicht universell darauf zugegriffen werden könne.72

Ein „Abreißen der Tradition“ zählte Konrad Lorenz zu den Herausforderungen, „die unsere Kultur mit Vernichtung bedrohen“. Dies könne dazu führen, dass die europäische Kultur „ausgelöscht werden kann wie eine Kerzenflamme“. Lorenz zufolge liege „kumulierende Tradition“ aller Kulturentwicklung zugrunde. Die dabei geschaffene kulturelle Substanz sei für das Überleben eines Gemeinwesens von höchster Bedeutung. Eine „größte Konservativität im Festhalten am Bewährten und Erprobten“ gehöre daher „zu den lebensnotwendigen Eigenschaften“ eines Gemeinwesens.73

Auch Hans Jonas erklärte, dass nicht nur die natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen bewahrt werden müssten, damit der Mensch eine Zukunft haben könne. Der Verfall des geistig-kulturellen Erbes würde den „Erben mit degradieren“. Die „Hütung des Erbes“ im Sinne der „Behütung vor Degradation“ sei daher eine „Sache jedes Augenblicks“. Bei dieser Aufgabe nicht nachzulassen sei „die beste Garantie der Dauer“ und das „Gedeihen des Menschen in unverkümmerter Menschlichkeit“.74

Papst Johannnes Paul II. äußerte sich 1985 in einem Aufruf an Jugendliche auch über kulturelle Kontinuität und den Einsatz für das eigene Gemeinwesen als christliche Aufträge. Diese seien eine Konsequenz aus dem vierten Gebot, das es Christen aufträgt, Vater und Mutter zu ehren. Über die eigenen Eltern erhalte man auch das kulturelle Erbe der Gemeinschaft vermittelt, der man angehöre. Vater und Mutter zu ehren erfordere daher auch, dieses Erbe weiterzugeben:

„Das Erbe, das er übernimmt, verbindet ihn fest mit denen, die es ihm übertragen haben und denen er soviel verdankt. Er seinerseits – er und sie – wird fortfahren, dieses Erbe weiterzugeben. Deshalb besitzt auch das vierte der Zehn Gebote eine so große Bedeutung: „Ehre deinen Vater und deine Mutter“ […]. Es handelt sich hier vor allem um das Erbe des Menschseins und dann auch um das Menschsein in einer näher bestimmten persönlichen und sozialen Situation. Hier hat sogar die leibliche Ähnlichkeit mit den Eltern ihre Bedeutung.“

Es sei daher einer der sozialen Aufträge des Christen, das kulturelle Erbe der eigenen Nation zu pflegen und weiterzugeben:

„Dieses Erbe stellt zugleich eine moralische Aufgabe dar. Indem ihr den Glauben übernehmt und die Werte und Inhalte erbt, die zusammen die Kultur eurer Gesellschaft, die Geschichte eurer Nation bilden, wird jeder von euch in seinem individuellen Menschsein geistig ausgestattet. […] Vor diesem Erbe können wir nicht in einer passiven oder sogar ablehnenden Haltung verharren, wie es der letzte jener Arbeiter gemacht hat, die im Gleichnis von den Talenten genannt werden (Vgl. Mt 25,14-30; Lk 19,12-26). Wir müssen alles tun, was wir können, um dieses geistige Erbe aufzunehmen und zu bestätigen, es zu erhalten und zu fördern. Diese Aufgabe ist wichtig für alle Gesellschaften, besonders aber wohl für jene, die sich am Anfang ihrer autonomen Existenz befinden, oder auch für jene, die diese Existenz und ihre wesentliche nationale Identität vor der Gefahr äußerer Zerstörung oder innerer Auflösung verteidigen müssen.“

Entsprechende Deutungen des vierten Gebotes beziehen sich vor allem auf einen Familien- bzw. Abstammungsbegriff, der in dem Kontext verstanden werden muss, in dem das Gebot offenbart wurde. Zur Zeit des Alten Testaments wurde die Familie nicht als moderne Kleinfamilie betrachtet, sondern als erweiterter Verwandschaftskreis verstanden, der letztlich das gesamte (in diesem Fall jüdische) Volk mit einschloss. Auch wenn es immer wieder Versuche gab, die jüdischen Wurzeln des Christentums zu leugnen, so ist es doch unmöglich, zentrale Inhalte des Christentums zu verstehen, ohne auf diese Wurzeln Bezug zu nehmen.

Kardinal Robert Sarah sagte im September 2019, dass die geistig-kulturelle Krise der westlichen Welt auch eine Folge der Weigerung von Menschen sei, sich als Träger eines Erbes zu verstehen. Der moderne Mensch lehne die Vorstellung ab, eine begrenzte und abhängige Kreatur zu sein, die von einem Vater abstamme, in eine Familie hineingeboren sei und von einem Erbe bzw. von einer Überlieferung lebe. Diese gegen jegliche Bindungen gerichtete Sicht des Lebens sei jedoch barbarisch, während der Mensch der Kultur stolz darauf sei, Träger eines Erbes zu sein.75

Der Philosoph Pascal Bruckner betonte 2019, dass es angesichts der Herausforderungen der Gegenwart von höchster Bedeutung sei, das eigene Selbstbewusstsein als kämpferischer Verteidiger der abendländischen Zivilisation zu bewahren und sich nicht für seine Existenz zu entschuldigen.76

G. K. Chesterton beschrieb die Kirche als Trägerin und Hüterin dieses Erbes und seiner kulturellen Kontinuität. Der Glaube war dabei zu allen Zeiten die heroische Gegenposition zu den Kräften der Auflösung, die Menschen Jesus Christus dienend nachfolgend auch unter scheinbar aussichtslosen Bedingungen den Kampf gegen diese aufnehmen ließ. Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) betonte, dass der Kampf um die Erhaltung der Bindung der Kultur an ihren transzendenten Kern eine zeitlose Aufgabe sei.

Dem katholischen Theologen Hugo Rahner zufolge diene der Christ auch durch „sein kulturerhaltendes Werk in und an der Welt“. Er spricht diesbezüglich von einer „christlichen Kulturverantwortung“, die mit dem Auftrag verbunden sei, alle Bereiche des Leben mit dem Wahren, Guten und Schönen zu durchdringen. Dies könne nur gläubigen Menschen gelingen, die weltliche Dinge nicht absolut setzen würden:

„Diese Jenseitigkeit ist das Salz, das jede Kultur vor Fäulnis bewahrt […]. Nur wer im Ewigen eingegründet ist, kann das Irdische nicht nur tragen oder ertragen, sondern auch pflegen, kann es lieben, ohne ihm zu verfallen.“77

Erzbischof Georg Gänswein rief Christen in Europa 2019 dazu auf, sich für die Erneuerung der christlichen Grundlagen Europas einzusetzen und dadurch einen Dienst an allen Menschen und am Gemeinwohl zu leisten:

„Wenn nun also der Staat die notwendigen, lebenspendenden Voraussetzungen nicht garantieren kann, sind andere aufgerufen, sie so gut wie möglich zu gewährleisten und zu schützen oder zumindest immer wieder an sie zu erinnern. Das können in diesem Land aber nicht zuerst die Parlamente und andere Kammern des souveränen Volkes sein. Das ist vorrangig Sache der Kirchen und Synagogen, auch und gerade in einer radikal pluralisierten Welt.“78

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sagte im September 2013, dass aus dem christlichen Erbe Europas der Auftrag hervorgehe, dieses Erbe zu bewahren und fortzusetzen:

„Was bedeutet diese Vergangenheit aber heute für uns? Dies Eine: dass wir heute alles einzusetzen haben, um Europa christlich zu erhalten und zu durchdringen, alles von unseren Familien, Gemeinden, von den Menschen insgesamt fernzuhalten, was einer Entchristlichung weiterhin Vorschub leisten kann.“79

Papst Johannes Paul II. hatte zum Einsatz für die Weitergabe des christlichen Erbes aufgerufen:

„Doch dieses Erbe gehört nicht nur der Vergangenheit an; es ist ein Zukunftsplan zum Weitergeben an die künftigen Generationen, weil es der Ursprung des Lebens der Menschen und Völker ist, die miteinander den europäischen Kontinent geschmiedet haben.“

Papst Franziskus rief vor dem Hintergrund der Herausforderungen, denen das Christentum in Europa gegenwärtig ausgesetzt ist, dazu auf, „die europäische Identität zu bewahren und wachsen zu lassen“. Er verglich die gegenwärtige Lage in Europa mit der, „als die antike Zivilisation unterging und die Herrlichkeiten Roms zu jenen Ruinen wurden, die wir heute noch in der Stadt bewundern können, als die neuen Völker über die Grenzen des alten Reichs drängten“.

  • In dieser Lage sei der hl. Benedikt von Nursia hervorgetreten und habe sich der Krise seiner Zeit entgegengestellt. Auf der Grundlage christlicher Weltanschauung habe er im Chaos der Spätantike Klöster errichtet, „die über die Zeit zur Wiege der menschlichen, kulturellen und religiösen und auch wirtschaftlichen Renaissance des Kontinents“ wurden.
  • Christen sollten wie der hl. Benedikt für Europa eintreten, indem sie auf Grundlage christlicher Weltanschauung Gemeinschaft stifteten, kulturelle Substanz schafften und Bindungen stärkten.

Christen sollten außerdem den Kern einer dem Verfall entgegenwirkenden Gegenkultur bilden und dadurch „Europa wieder eine Seele“ geben.80

Papst Franziskus sprach außerdem von einer „ganzheitlichen Ökologie“, die neben der natürlichen Umwelt auch die kulturellen Institutionen schütze, auf denen das Überleben einer Gesellschaft beruhe, „angefangen von der elementaren sozialen Zelle der Familie“.81 Die „konsumistische Sicht des Menschen, die durch das Räderwerk der aktuellen globalisierten Wirtschaft angetrieben wird“, bedrohe auch die kulturellen Lebensgrundlagen und neige dazu, „die Kulturen gleichförmig zu machen und die große kulturelle Vielfalt, die einen Schatz für die Menschheit darstellt, zu schwächen.82 Neben dem natürlichen Erbe werde durch das Wirken dieser Ideologie auch das historische und kulturelle Erbe bedroht, das  „Grundlage für den Aufbau einer bewohnbaren Stadt“ sei. Ganzheitliche Ökologie erfordere es, dass im Wandel die „ursprüngliche Identität bewahrt bleibt“ und setze „die Pflege der kulturellen Reichtümer der Menschheit im weitesten Sinn voraus.“83

Der katholische Philosoph Josef Pieper wandte sich sowohl „gegen einen rein innergeschichtlichen Aktivismus“ als auch gegen einen „geschichtslosen Supernaturalismus, der die politische Menschenwelt defätistisch preisgibt“.84

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief Christen 2018 zum Einsatz für die Bewahrung der christlichen Identität Europas auf. Das Christentum sei die kulturelle Grundlage Europas. Die auf ihm aufbauende Kultur „macht unsere Identität aus, bewahrt unser gutes Leben und ist Fundament für eine gute Zukunft“:

„Bei der Entwicklung unserer Kultur haben die Christen und die Kirche entscheidend mitgewirkt, zu ihrer Bewahrung und ihrem Fortschritt können und sollen wir alle beitragen. […] Diese unsere Kultur ist geprägt von einem Wertekanon, der in der guten Botschaft Jesu seine wichtigste Quelle hat. Sie ist entstanden und wird gespeist aus den Zehn Geboten, die fordern, nicht zu lügen, zu stehlen, zu töten sowie dass Ehepaare sich treu sind, Eltern und Kinder sich gegenseitig achten. […] Unsere Kultur ist von der Verantwortung für das Gemeinwohl und von der Solidarität, von den Werten der Treue und Verlässlichkeit, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, der Freiheit und Sicherheit geprägt. Sie sind aus dem Hauptgebot Jesu, der Gottes- und Nächstenliebe, sowie der Goldenen Regel hervorgegangen, die lautet: „Alles, was ihr wollt, das euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12).“

Christen hätten den Auftrag, diese Kultur und Identität zu bewahren und zu erneuern:

„Diese Kultur zu erhalten, ist ein wichtiger Auftrag. Der Apostel Paulus fasst sie im Brief an die Philipper so zusammen: „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht (Phil 4,8).“

In den verschiedenen Facetten der christlichen Kultur Europas könne man das Wirken des Heiligen Geistes erkennen und erfahren. Jesus Christus helfe Christen, in der Kultur das Wahre, Gute und Schöne zu sehen, es zu erhalten und zu fördern sowie das Böse aufzudecken und zu überwinden.

Wie alles von Wert musste auch das Erbe des Christentums gegen Widerstände errungen und immer wieder gegen Herausforderer verteidigt werden. Immer wieder brachte das Christentum aber auch die inneren Kräfte hervor, die erforderlich waren, um diese Aufgabe zu leisten. Der Historiker Michel Mourre beschrieb in diesem Zusammenhang die Kirche als Trägerin nicht nur des christlichen, sondern des gesamten kulturellen Erbes Europas:

„Die Kirche lebte, sie umschloss und gab Gott und den Menschen, was an Werten verflossener Jahrhunderte übrigblieb. Was abgestorben war, hatte den Tod verdient. Doch was im abendländischen Erbe lebenswürdig gewesen war, lebte in der katholischen Kirche.“

Das Christentum zu bewahren bedeutet nicht, es in einem bestimmten Zustand erstarren zu lassen. Kultur ist die ständige und niemals abgeschlossene Annäherung an das Heilige. Das Christentum zu bewahren bedeutet, es ständig zu erneuern. Das Christentum gleicht in diesem Zusammenhang gemäß einem biblischen Bild einem Weinberg, der von Generation zu Generation weitergegeben wird und zu pflegen ist, damit er immer wieder neu Frucht bringen kann.

Der katholische Theologe Dietrich von Hildebrand verteidigte den schützenden und bewahrenden Dienst an diesen Gütern gegen den Vorwurf, dass es sich bei diesem Dienst um einen Ausdruck von Verweltlichung handele. Das katholische Denken unterscheide zwischen natürlichen und weltlichen Gütern. Natürliche Güter, etwa die Familie könnten Ausdruck des Wahren, Guten und Schönen sein und somit aus einer christlichen Sicht bewahrenswert sein. Sie seien von weltlichen Gütern wie Ruhm, Reichtum und individuellem Erfolg zu unterscheiden, die nur der subjektiven Befriedigung dienten und keinen höheren Wert besäßen.85

Die Weitergabe des christlichen Erbes erfolgt vor allem innerhalb der Familie und der Kirche, also der Gemeinschaft der Christen. Der Auftrag zum Schutz des christlichen Erbes ist daher vom Auftrag zur Verteidigung der Kirche nicht zu trennen.

Kardinal Robert Sarah sagte im Juni 2019, dass der Mensch im Wesentlichen ein Erbe sei. Er „empfängt eine Geschichte, eine Kultur, einen Namen, eine Familie, eine Sprache, eine Religion, einen Glauben, eine Tradition und ein Vaterland“. Männer „großen Glaubens und großer Demut […] die zutiefst glücklich waren, sich als Söhne Gottes zu verstehen“ hätten Werke wie die Kathedralen Europas, die über viele Generationen hinweg errichtet wurden, nur deshalb erschaffen können, weil sie ein Erbe weitergeben wollten.86

3.5.2 Die Bewahrung von Kultur und Identität bedeutet nicht deren Abschottung

Kultur ist dynamisch und nicht statisch. Insbesondere die christlich-abendländische Kultur ist von einem starken Willen zur geordneten Integration der Impulse anderer Kulturen geprägt und beruht auf dem Erbe mehrerer Vorgängerkulturen. Die Bewahrung des Erbes und der Identität der christlich-abendländischen Kultur können daher nicht in deren Abschottung bestehen.

Papst Johannes Paul II. wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Bewusstsein erforderlich sei, „daß jede Kultur, da sie ein typisch menschliches und geschichtlich bedingtes Produkt ist, notwendigerweise auch Grenzen einschließt“. Das „kulturelle Zugehörigkeitsgefühl“ dürfe jedoch nicht „zur Abschottung“ werden.87

3.5.3 Die Bewahrung der christlichen Grundlagen von Staat und Gesellschaft

Weil freiheitliche Staaten und Gesellschaften auf einer christlichen Grundlage beruhen (Weiterlesen: Das Christentum als Grundlage freiheitlicher Gesellschaften), muss es in ihnen Akteure geben, die diese Grundlagen bewahren.

Migration und die Präsenz fremder Kulturen könnten laut Ernst-Wolfgang Böckenförde potenziell dazu führen, dass „der kulturelle Sockel“, auf dem ein Staat beruhe, „sich zunehmend parzelliert, aushöhlt und seine verbindende Kraft einbüßt“.

Böckenförde zitiert den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Joseph Ratzinger und späteren Papst Benedikt XVI. aus einem Briefwechsel zu diesem Thema:

„In einem weltanschaulich neutralen Staat müssten nicht alle öffentlich erscheinenden Symbole gleich behandelt werden, so dass entweder alle gleichmäßig oder keines öffentlich erscheinen könne. Ein Staat habe doch seine eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln, die auch dann für ihn in gewisser Hinsicht konstitutiv blieben, wenn er selbst sich den Religionen gegenüber zur Neutralität verpflichtet wisse. Andernfalls, so der Kardinal, müssten die Privilegien des Sonntags verschwinden, die Gesetzgebung in Sachen Ehe und Familie gleichermaßen der muslimischen wie der christlichen Tradition Rechnung tragen.“

Abschließend heißt es:

„Ein Staat kann sich nicht völlig von seinen eigenen Wurzeln abschneiden und sich sozusagen zum reinen Vernunftstaat erheben, der ohne eigene Kultur und ohne eigenes Profil alle für Ethos und Recht relevanten Traditionen gleich behandelt und alle öffentlichen Äußerungen der Religionen gleich einstuft. Was in der Diskussion der letzten Jahre ziemlich unzulänglich mit dem Wort ‚Leitkultur‘ angesprochen war, ist in der Sache fundiert.“

Freiheiten könne ein Staat laut Böckenförde nur bedingt gewähren „gegenüber Religionen und religiösen Überzeugungen, die ihrerseits eine grundsätzliche Trennung von Staat und Religion und damit den säkularen Staat nicht akzeptieren und meinen, dies aus theologischen Gründen nicht tun zu können“. Eine Religion müsse zumindest „die Religionsfreiheit als gesetzlich bestehend respektieren und sich entsprechend verhalten“:

„Auf der anderen Seite kann und darf der säkularisierte Staat keiner religiösen Überzeugung, welchen Rückhalt bei den Menschen sie auch haben mag, die Chance einräumen, unter Inanspruchnahme der Religionsfreiheit und Ausnutzung demokratischer Möglichkeiten seine auf Offenheit angelegte Ordnung von innen her aufzurollen und schließlich abzubauen. Daraus folgt: Wäre davon auszugehen, dass eine Religion, aktuell der Islam, sich gegenüber der Religionsfreiheit auf Dauer aktiv resistent verhält, sie also abzubauen suchte, sofern sich politische Möglichkeiten, etwa über Mehrheitsbildung, dazu bieten, so hätte der Staat dafür Sorge zu tragen, dass diese Religion beziehungsweise ihre Anhänger in einer Minderheitsposition verbleiben. Das würde gegebenenfalls entsprechende politische Gestaltungen im Bereich von Freizügigkeit, Migration und Einbürgerung notwendig machen.“
Die Präsenz von Strömungen im Islam, die dieses Minimalkriterium nicht erfüllten, müsste entsprechend minimiert werden. In diesem Fall sei „der Staat ungeachtet seiner Freiheitlichkeit und Offenheit gehalten, Barrieren zu errichten, die die Anhänger des Islam hindern, direkt oder indirekt aus der Minderheitsposition herauszutreten. Darin läge kein Selbstwiderspruch, sondern nur die Selbstverteidigung des säkularisierten Staats.“88

Böckenförde erklärte außerdem, dass der Staat dafür Sorge zu tragen habe, „dass […] die Angehörigen des Islams durch geeignete Maßnahmen im Bereich von Freizügigkeit und Migration […] in ihrer Minderheitenposition verbleiben, ihnen mithin der Weg verlegt ist, über die Ausnutzung demokratischer politischer Möglichkeiten seine auf Offenheit angelegte Ordnung von innen her aufzurollen. Darin liegt nicht mehr als seine Selbstverteidigung, die der freiheitliche Verfassungsstaat sich schuldig ist.“89

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat in der Vergangenheit bei seinen Entscheidungen ähnlich argumentiert:

„Jedenfalls kann sich auf die Glaubensfreiheit nicht berufen, wer die Schranken übertritt, die die allgemeine Wertordnung des Grundgesetzes errichtet hat. Das Grundgesetz hat nicht irgendeine, wie auch immer geartete freie Betätigung des Glaubens schützen wollen, sondern nur diejenige, die sich bei den heutigen Kulturvölkern auf dem Boden gewisser übereinstimmender sittlicher Grundanschauungen im Laufe der geschichtlichen Entwicklung herausgebildet hat.“90

Der Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel betonte im Zusammenhang mit der Frage nach der Gestaltung von Migration, dass der Staat vor allem die Pflicht dazu habe, seine kulturellen Grundlagen zu schützen und zu bewahren. Die Öffnung der Grenzen Deutschlands für irreguläre Migranten sei mit einem „moralischen Desaster“ verbunden gewesen und werde das Gemeinwohl des Landes auf Generationen hinaus negativ beeinträchtigen. Zudem sei dadurch auch dem globalen Gemeinwohl geschadet worden, da man den Armutsmigranten, um die es sich in der überwiegenden Zahl der Fälle handeln würde, mit den aufgewendeten Mitteln vor Ort wesentlich besser hätte helfen können. Die Öffnung der Grenzen sei daher ethisch falsch gewesen.

  • Die vor diesem Hintergrund zu beobachtenden problematischen Folgen der verstärkten Zuwanderung kulturferner Migranten nach Europa würden Merkel zufolge vor allem betonen, dass Staaten die moralische Pflicht hätten, ihre kulturelle Identität sowie ihre kulturellen Grundlagen zu schützen und zu bewahren.
  • Staaten, die dies nicht täten, würden dem Gemeinwohl schaden, die Natur des Menschen und seine Angewiesenheit auf eine „äußere und innere Heimat“ verkennen und daher moralisch falsch handeln. Umgekehrt gebe es ein entsprechendes Recht bzw. einen Anspruch der Bürger dieser Staaten auf den Schutz ihrer kulturellen Identität.

Wenn „kosmopolitische Kritiker“ dies als „lächerlich“ empfänden, unterstreiche dies die Tiefe ihres grundsätzlichen moralischen Irrtums in dieser Frage. Merkel kritisiert „kosmopolitische Eliten“, die Fragen der Bewahrung europäischer Identität und Kultur „mit Unrecht zum theoretischen Sperrgebiet erklärt und mit dem Stigma des Populismus versehen“ hätten. Es sei  jedoch von existenzieller Wichtigkeit für ein Gemeinwesen, sich im Zusammenhang mit Migration die folgenden Fragen zu stellen:

„Was bedeutet der Zustrom so vieler Menschen aus fernen, mit dem europäischen Kulturkreis wenig verwandten Lebensformen für uns? Verändert er deren Formen, Inhalte, Perspektiven? Wären manche dieser Änderungen möglicherweise nicht wünschenswert?“

Es sei im Wesen der Kultur angelegt, dass diese sich entwickele und wandele. Ein Gemeinwesen müsse diesen Wandel jedoch aktiv gestalten und sich die Frage stellen, ob er in die richtige Richtung verlaufe:

„Natürlich verändern sich vitale Kulturen ständig. […] Aber die langfristig-organische Entwicklung einer Kultur aus der offenen Interaktion zwischen den Menschen ihrer eigenen und denen anderer Sphären ist eine Sache. Eine ganz andere ist die in den Zeitraum weniger Jahre gedrängte, unvermittelte Konfrontation einer ungefragten Bevölkerung mit Millionen ‚anderen‘, deren äußeres wie inneres Anderssein, was immer es bedeuten mag, sich in wachsendem Maß im Alltag fühlbar macht. Es wäre geradezu das Attest einer kollektiven seelischen Auffälligkeit, würde die einheimische Bevölkerung davon nicht verunsichert.“

Wer jeglichen Wandel prinzipiell für gleichermaßen gut erkläre, sei blind für mögliche negative Folgen seiner Entscheidungen und handele verantwortungslos.

Merkel betonte zudem, dass die staatliche Pflicht zur Achtung der kulturellen Identität im Völkerrecht fest verankert sei. Auch die Präambel der Europäischen Grundrechtecharta fordere die „Achtung der Vielfalt der Kulturen und Traditionen der Völker Europas sowie der nationalen Identität der Mitgliedsstaaten“. Das Völkerrecht weise den kulturellen Identitäten seiner Rechtssubjekte, den einzelnen Völkern, einen hohen Rang zu. Kulturferne Migranten hätten prinzipiell das gleiche Recht auf den Schutz ihrer kulturellen Identität wie es die Menschen Europas hätten, jedoch nur in ihrer Heimat. Im konkreten Fall genieße europäische Kultur einen vorrangigen Anspruch auf Schutz:

„Die Zuwanderer kommen in ein Land mit hochentwickelten Lebens- und Kulturformen. Deren Fortbestand, mitsamt der Dynamik ihrer Entwicklung, ist für die einheimische Bevölkerung von hohem Wert. Daraus folgt eine moralische Pflicht für Migranten, die demokratisch selbstbestimmte Gestaltung der Bedingungen dieses Fortbestands durch die Mehrheitsgesellschaft zu akzeptieren.“

Eine entsprechende Regulierung islamischer Religionsausübung in Europa sei zum Beispiel im Fall von ästhetischen Auflagen bei der Errichtung und Gestaltung von Moscheen nicht als „Frage der Religionsfreiheit, sondern eine der Bauordnung“ zu betrachten.

Die Zuwanderung kulturferner Gruppen könne die kulturellen Grundlagen des Gemeinwesens gefährden. Die große Mehrheit der muslimischen Migranten etwa hänge kulturellen Vorstellungen an, die sie „in vielerlei Kollisionen“ mit europäischer Kultur bringe. Die vorliegenden Erfahrungen im Umgang mit dieser Gruppe biete „keinen Anlass zu übertriebenem Optimismus“, was ihre langfristige Integrierbarkeit angehe:

„Keine der Spielarten des konservativen Islams disponiert dessen Gläubige zur Öffnung ihrer Lebensweise für die Verkehrsformen einer liberalen Gesellschaft. Unter den mehr als fünfzig genuin islamischen Staaten der Welt gibt es keine einzige rechtsstaatliche Demokratie. Nichts spricht für die Annahme, das wäre ein welthistorischer Zufall ohne kausalen Zusammenhang mit den dort jeweils zwangsrechtlich garantierten Staatsreligionen. Auch für das individuelle Leben seiner Gläubigen fordert der konservative Islam eine geistliche Grundlage. An deren Geboten endet die Loyalität zu den Normen der weltlichen Ordnung. Dass eine derart dominante religiöse Prägung keinen Einfluss auf die Integrationsfähigkeit ihrer Inhaber haben sollte, ist unwahrscheinlich.“

Falls europäische Gesellschaften ihre Fehlentscheidungen zur Öffnung ihrer Grenzen für entsprechende Migranten nicht korrigierten, würden ihnen erhebliche Konflikte bevorstehen:

„Gesellschaftliche Minderheiten, deren kollektive Identität sich über scharf gezogene ethnische und religiöse Trennlinien definiert, neigen zur Segregation. In hart segregierten Gesellschaften wächst die Tendenz zur Unfriedlichkeit, zum wechselseitigen Misstrauen, zur Erosion fragloser normativer Grundlagen und eines darin gründenden Minimums selbstverständlicher Solidarität auch mit dem unbekannten anderen. Diese Entwicklung wird Deutschland so wenig verschonen, wie sie Frankreich und England verschont hat.“

Staat und Politik hätten vor diesem Hintergrund die moralische Pflicht, „freiheitsfeindliche Weiterungen dieses Wandels zu verhindern“.91

3.6 Der Schutz des Gemeinwohls

Christliche Weltanschauung beruht auf dem Dienstgedanken, der Ausdruck der christlichen Forderung zur Nächstenliebe ist. Dieser Gedanke hat das gesamte abendländische Erbe geprägt, das darauf beruht, die Schwachen zu schützen und die unvollkommene Welt im Rahmen des Möglichen menschlicher zu gestalten. Vor diesem Hintergrund soll politisches Handeln nach christlicher Vorstellung stets den Dienst am Gemeinwohl zum Ziel haben.

Russell Kirk zufolge sei es kennzeichnend für den christlichen Konservatismus, dass er vor allem in den Kategorien von Dienst und Pflicht denke.92

Christliche Weltanschauung geht davon aus, dass der Mann in der Welt Verantwortung übernehmen muss. Jedes dauerhafte Gemeinwesen braucht Menschen, die sich bewahrend für es einsetzen, etwa durch den Dienst in Verwaltung und Politik. Eine gute und gerechte Ordnung ist das Ergebnis des Zusammenwirkens einer sich ihrer Verantwortung vor Gott bewussten politischen Führung mit einer die Kultur durchdringenden Kirche sowie des Dienstes von Christen in allen Bereichen der Gesellschaft.

Die katholische Soziallehre betont, dass ein Gemeinwesen, das in Achtung der gottgesetzten Ordnung zur Blüte gelangt sei, ein „verwirklichter Gottesgedanke“ sei und zur „Ehre und Verherrlichung des Schöpfers“ beitrage. Es sei unbedingt schützenswert.93 Papst Franziskus nach sei daher das „Engagement für das Gemeinwohl […] ein hervorragender Ausdruck der Nächstenliebe“.94 Jeder Mensch könne laut Papst Franziskus an dem Platz, an dem er sich befinde, ein Heiliger werden. Dies sei auch durch den Kampf für das Gemeinwohl möglich.95

Thomas von Aquin formulierte aus der Sicht der christlichen Soziallehre diesen Auftrag an Regierungen:

„Denn das Streben eines jeden, der eine Herrschaft ausübt, muß darauf gerichtet sein, das, was er zu regieren übernommen hat, heil zu erhalten. So ist es die Pflicht des Steuermannes, das Schiff vor den Gefahren des Meeres zu bewahren und versehrt in den sicheren Hafen zu geleiten.“96

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) betonte dass Christen in allen Staaten Patrioten sein müssten, auch in solchen, die ihnen ablehnend gegenüberstehen. In jeder Lage müssten Christen versuchen, Staaten aufzubauen und das Gute in ihnen zu stärken:

„Der Christ ist in dem Sinn immer staatserhaltend, dass er das Positive, das Gute tut, das die Staaten zusammenhält. Er hat nicht die Furcht, dass er damit die Macht des Bösen begünstigt, sondern er ist überzeugt, dass immer nur die Stärkung des Guten das Böse abbauen und die Macht des Bösen die der Bösen verringern kann.“97

Ein christlicher Dienst am Gemeinwohl bestehe im Engagement gegen totalitäre und utopische Ideologien:

„So ist der erste Dienst des christlichen Glaubens an der Politik, dass er den Menschen von der Irrationalität der politischen Mythen befreit, die die eigentliche Bedrohung unserer Zeit sind.“98

Thomas von Aquin zufolge ist ein Minimum an Sicherheit erforderlich, damit geistliches Leben sich entfalten könne. Im Dienst am Gemeinwesen solle notfalls alles geopfert werden, nur nicht die eigene Seele.

Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt kritisierte, dass in Deutschland die Vorstellung vorherrsche, dass das Gemeinwohl nicht gepflegt und bewahrt werden müsse, weil es eine Selbstverständlichkeit darstelle. Dabei werde übersehen, dass die Herausbildung gemeinwohlfähiger staatlicher Ordnungen in Europa lange Zeiträume in Anspruch genommen habe. Das Gemeinwohl und seine Grundlagen stellten eine Errungenschaft dar, die auch wieder verloren gehen könne.99

Papst Benedikt XVI. sagte über den Auftrag des Politikers zum schützenden Dienst:

„Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich.“

Papst Franziskus rief Christen dazu auf, den Krisen der Gegenwart entgegenzutreten und die globale Entwicklung in eine andere Richtung zu steuern. Laut dem Dokument stehe die Welt einer „umfassenden anthropologischen und sozio-ökologischen Krise“ gegenüber, die damit verbunden sei, dass zunehmend „Symptome eines Bruchs“ zu beobachten seien. Um dem zu begegnen, sei die Schaffung einer Kultur erforderlich, „die es braucht, um dieser Krise entgegenzutreten.“ Außerdem sei es notwendig, eine Führerschaft heranzubilden, die diesbezüglich Wege aufzeige.100

Papst Franziskus betonte außerdem die Bedeutung der „Vielfalt von Vereinigungen“ außerhalb der Politik, die sich „für das Gemeinwohl einsetzen“, indem sie „etwas, das allen gehört, zu schützen, zu sanieren, zu verbessern oder zu verschönern“ und dadurch Bindungen sowie „örtliches soziales Gewebe“ stärken oder schaffen und zur „Bildung einer gemeinsamen Identität“ beitragen, „einer Geschichte, die bleibt und weitergegeben wird.“101

Politische Ordnungen und Staaten beruhen auf kulturellen Grundlagen, die intakt sein müssen, damit sie funktionieren. Der katholische Rechtsphilosoph und ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Ernst-Wolfgang Böckenförde hatte in seinem Böckenförde-Diktum darauf hingewiesen, dass der freiheitliche Staat auf kulturellen Grundlagen beruhe, die er selbst nicht erzeugen oder regenerieren könne:

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. […] Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

Das Grundgesetz und die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik sind nicht weltanschaulich neutral, sondern im Wesentlichen ein Werk des christlichen Konservatismus, der Deutschland nach der Herrschaft des Nationalsozialismus und angesichts der Herausforderung durch totalitäre Ideologien wieder an seine abendländischen Wurzeln anbinden wollte. Die Vorstellung einer unverfügbaren Würde des Menschen oder der Naturrechtsbezug des Grundgesetzes sind nur zwei Beispiele für die christlich-weltanschauliche Prägung der freiheitlichen Ordnung. Auch der Rechtstaatsgedanke sowie das Ziel der Einhegung unrechtmäßiger Gewalt (lat. violentia) durch rechtmäßige Gewalt (lat. potestas) beruhen auf christlicher Weltanschauung.

Die Deutsche Bischofskonferenz betonte angesichts der Bedrohung der öffentlichen Ordnung in Deutschland durch Linksterroristen in den 1970er Jahren, dass die katholische Soziallehre den Staat und seine Ordnung als schutzwürdig einstufe, weil die Alternative dazu ein Chaos sei, in dem auch der Einzelne nicht mehr geschützt sei und zugrunde gehen müsse.102

Die Aufrechterhaltung dieser Ordnung kann durch Institutionen und Gesetze alleine nicht gewährleistet werden. Sie beruht auf dem Dienst von sie tragenden kulturellen Kräften. Zum schützenden und bewahrenden Dienstes von Christen am Gemeinwesen gehört daher auch der Einsatz für die Aufrechterhaltung der Bindung der staatlichen Ordnung an ihre kulturellen Grundlagen.

Der katholische Philosoph Josef Pieper sprach im Zusammenhang mit den Taten der Männer des 20. Juli 1944 von den „unsichtbaren Fundamenten“, derer es bedarf, „damit das Leben eines Volkes gesund oder doch der Gesundung fähig bleibt“, sowie von „Opferhandlungen“, von denen sich „das wahrhafte Leben eines Volkes nährt“:

„In ihnen allein bleibt, wenn das Unrecht regiert, unvergessen, was Gerechtigkeit ist. Indem sie sich opfert, ergreift und übt die wahre Elite das natürliche, von den tatsächlichen Machthabern verratene Amt echter Herrschaft: Sorge zu tragen für die Gerechtigkeit.“

Der Theologe Romano Guardini sprach davon, dass christliche Weltanschauung ein Konzept von Macht hervorgebracht habe, das diese als „dienende Stärke“ definiere:

„Es gibt aber noch eine andere Form, wie Macht geübt wird, nämlich die des Dienstes. Damit ist nicht die Unterordnung des Schwächeren gemeint; dieser Dienst ist im Gegenteil Sache der Stärke, die sich für das Leben verantwortlich fühlt – für alles das, was Leben heißt: Mensch, Volk, Kultur, Ordnung des Landes und der Erde.“

Dieses Machtverständnis könne jedoch nicht auf Grundlage modernen, säkularen Denkens entstehen, da es von der Legitimation politischen Handelns durch einen göttlichen Auftrag ausgehe, in dessen Rahmen der Dienst ausgeübt werde, und an dem er sich zu messen habe. Die politischen Eliten, die das künftige Europa schaffen, sollten dies in Abgrenzung von den Entwürfen der Moderne auf Grundlage des Gedankens der „dienenden Stärke“ tun:

„Dienende Stärke, die will, dass die Dinge der Erde wieder Recht werden. In dieser Form der Machtübung ist kein Glanz, keine Erhabenheit, sondern schlichte Sachlichkeit.“

In seinem Text „Die Waage des Daseins“, in dem sich Guardini sich mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus auseinandersetzte, schrieb er zudem dass es eine tätige Form des Dienens gebe, die Nöte bewältige und in ihnen Rettung bewirke, Ordnung schaffe oder Recht begründe. Dieser Dienst verlange besondere Tugenden, etwa“ Mut, der den geschützten Bereich verlässt und ins Offene geht, weil er einen Ruf vernimmt“ oder „Bereitschaft, die sich dem zur Verfügung stellt, was noch nicht ist, aber werden soll.“

Helmuth James Graf von Moltke, einer der Männer des 20. Juli, wies die Behauptung zurück, dass dieser schützende und bewahrende Dienst ohne Glaube an Gott möglich sei:

„Der Grad von Gefährdung und Opferbereitschaft, der heute von uns verlangt wird, setzt mehr als gute ethische Prinzipien voraus.“

Der Gedanke der „Heiligung der Welt“ beschreibt christliche Anstrengungen dazu, die Welt in eine Beziehung zur göttlichen Ordnung zu bringen.

Der Politiker ist in der Lage, durch kluge und gerechte Entscheidungen mit dem ihm zur Verfügung stehenden Machtmitteln Frieden zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Der hl. Thomas sagte, dass die Begründung des Friedens „das Amt ordnender Weisheit“ sei.

Augustinus und der Thomas von Aquin definierten echten Frieden dabei als „tranquilitas ordinis“ („Ruhe der Ordnung“) bzw. als die Ruhe, die durch dienende Liebe sowie durch die gute und gerechte Ordnung aller Dinge entstehe.

In einem Gemeinwesen ist ein ständiger Kampf gegen die Kräfte des Chaos und der Entropie erforderlich, die nach der Auflösung aller Werke des Menschen streben.

3.6.1 Der Schutz und die Stärkung von Bindungen als politischer Auftrag

Die christliche Soziallehre beinhaltet das Konzept der „sozialen Liebe“ (lat. dilectio socialis), das durch Thomas von Aquin formuliert wurde. Es sei demnach anzustreben, Bindungen und die Wahrnehmung von Zusammengehörigkeit in einem Gemeinwesen zu fördern, weil dadurch auch der Wille zum Dienst am Gemeinwohl gefördert und das Gemeinwesen gestärkt werde.103

Papst Johannes Paul II. beschrieb die Stärkung von Bindungen 1991 im Dokument „Centesimus Annus“ im Zusammenhang mit dem Solidaritätsprinzip als christliche Aufgabe:

„Außer der Familie erfüllen auch andere gesellschaftliche Zwischenkörper wichtige Aufgaben und aktivieren spezifische Solidaritätsnetze. Diese reifen in der Tat zu echten Gemeinschaften von Personen heran, beleben das gesellschaftliche Gefüge und verhindern, daß es in die Anonymität und in eine unpersönliche Vermassung absinkt, wie es in der modernen Gesellschaft leider häufig der Fall ist.“

Papst Franziskus betonte die Bedeutung der „Vielfalt von Vereinigungen“ die sich „für das Gemeinwohl einsetzen“ und dadurch Bindungen sowie „örtliches soziales Gewebe“ stärken oder schaffen und zur „Bildung einer gemeinsamen Identität“ beitragen, „einer Geschichte, die bleibt und weitergegeben wird.“104

Roger Scruton zufolge gehe es konservativer Politik um die Erhaltung eines „Wir“.105 Dies geschehe, „indem wir dem System auf lokaler Ebene Energie zuführen und so der Auflösung entgegenwirken“ sowe durch die Stärkung von historischer Verbundenheit und lokaler Identität.106

Der Philosoph Günter Rohrmoser bezeichnete „das sammelnde Einholen des Zerfallenen in das Ganze“ als eine der Aufgaben des christlichen Konservatismus.107 Das Wirken von Christen in allen Bereichen der Gesellschaft stärkt Bindungen, integriert Fremde und Randgruppen und wirkt durch die Schaffung einer gemeinsamen geistig-kulturellen Grundlage den zentrifugalen Tendenzen in einem Gemeinwesen entgegen.

Thomas von Aquin schrieb, dass die „Wohlfahrt und das Heil einer zu höherer Gemeinschaft verbundenen Menge“ darin bestehe, „jene Einigkeit zu erhalten, die man Friede nennt“. Ohne sie gehe „aller Nutzen, der aus dem Leben der Gemeinschaft erwächst, zugrunde, und die entzweite Menge wird sich selbst zur Last“. Herrscher müssten daher vor allem darauf achten, Einheit zu stiften. Es sei in diesem Zusammenhang von höchster Bedeutung, dass Übereinstimmung herrsche, was „das Ziel, das er anstreben soll“, angeht, so dass politische Prozesse eine Grundlage dafür hätten, „das Mittel, um zu Ziele zu gelangen“, zu suchen. Ein Gemeinwesen, das „in sich selbst eins ist“, sei eine Voraussetzung des Gemeinwohls. „Vielheit“ im Sinne von unterschiedlichen Zielvorstellungen hingegen fördere das Gemeinwohl nicht.108

Platon schrieb in seinem Werk „Der Staat“ über die Bedeutung bindungsstärkender Kräfte:

„Gibt es nun etwas Schlimmeres für einen Staat als das, was ihn auflöst und in eine Vielheit zerspaltet? Oder etwas Vorzüglicheres als das, was ihn verbindet und vereinheitlicht?“

Dieser Gedanke liegt auch einem Leitspruch des republikanischen Pluralismus („E pluribus unum“) zugrunde, der sich auf eine Formulierung von Augustinus bezieht, mit denen dieser das Entstehen enger Bindungen auf der Grundlage gemeinsamen Geistes beschreibt.109

Cicero hatte in seiner Beschreibung der Bindungen, die Gemeinschaften stiften, eine ähnliche Formulierung zur Beschreibung der Grundlagen der Bindungen verwendet, die ein Gemeinwesen ermöglichen:

„Es gibt aber mehrere Stufen in der menschlichen Gesellschaft. Denn abgesehen von jener allgemeinen findet eine nähere zwischen den Menschen statt, die demselben Volke, demselben Stamme und derselben Sprache angehören. Die letztere ist ein ganz vorzügliches Mittel zur Verbindung der Menschen unter einander. Ein noch innigeres Verhältnis findet zwischen Menschen statt, die derselben Bürgerschaft angehören. […] Noch enger ist die Verbindung, die zwischen Anverwandten stattfindet. […] Doch unter allen geselligen Verbindungen ist keine vorzüglicher, keine fester, als wenn brave, an Charakter ähnliche Männer durch vertrauten Umgang mit einander verbunden sind. […] Nichts ist aber geeigneter Liebe zu erwecken und eine innige Verbindung hervorzurufen, als die Ähnlichkeit des Charakters bei guten Menschen. Denn wo gleiche Bestrebungen und gleiche Gesinnungen herrschen, da findet Einer an dem Anderen ebenso viel Wohlwollen wie an sich selbst, und die Folge davon ist, was Pythagoras in der Freundschaft als das Höchste ansieht, daß aus mehreren Personen Eine wird.“110

Papst Franziskus betonte im Oktober 2017 die Bedeutung der Bindung an die eigenen Wurzeln für die Völker der Welt und rief die Menschen dazu auf, entsprechende Bindungen wieder zu entdecken. Ohne Wurzeln „kann man nicht leben: ein Volk ohne Wurzeln oder ein Volk, das sich nicht um seine Wurzeln kümmert, ist ein krankes Volk“.

Der katholische Philosoph Robert Spaemann erklärte, dass kultureller Pluralismus eine historisch begründete Gegebenheit sein könne, aus ethischen Gründen aber als politisches Ziel ungeeignet sei, weil er das Konfliktpotential in einer Gesellschaft vergrößere.

Kardinal Pietro Parolin betonte 2019, dass das Christentum nicht nach Auflösung, sondern nach Stärkung nationaler Identitäten strebe. Das Konzept der Inkulturation sehe vor, das Christentum mit den spezifischen Erfahrungen der Völker und Kulturen zu verbinden, mit denen es in Kontakt komme.111

Roger Scruton schrieb, dass es zu den guten Impulsen des Sozialismus gehöre, dass er danach strebe, Menschen an den Rändern der Gesellschaft in diese zu integrieren und sie zu Trägern und Stützen des Gemeinwesens zu machen.112

Der Politikpsychologe Thomas Kliche betonte die Bedeutung kultureller Resilienzfaktoren für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der eine wesentliche Voraussetzung dafür darstelle, dass Gesellschaften Krisen erfolgreich bewältigen könnten. „Ruhe, Disziplin und Besonnenheit“ sowie das Ausbleiben von „Panik noch Unruhen“ gäbe es in Krisen dort, wo der Zusammenhalt bzw. das „Geflecht der Werte, Normen und Gewohnheiten gegenseitiger Verbundenheit im Alltagsleben“ groß seien.113

Laut Roger Scruton handele sozial, wer Bindungen in einem Gemeinwesen stärkt und am Rande stehende Menschen zu einem zu „Teil des Netzes der Verpflichtungen“ macht, die ein Gemeinwesen tragen. Sozial handele auch wer die Institutionen stärke, auf denen das Gemeinwesen beruht, etwa die Familie.114 Unsozial hingegen ist es, Bindungen und Institutionen in einem Gemeinwesen zu schwächen.

Wer anderen Lasten auferlegt oder von ihnen fordert Lasten zu tragen, die er selbst nicht zu tragen bereit ist, und sich dann selbst als solidarisch darstellt, ist nicht nur ein Heuchler, sondern handelt aktiv unsolidarisch.

Ein Sozialstaat der dafür sorgt, dass eine „Klasse von Abhängigen entsteht“ oder dysfunktionales Verhalten die Lösung des Menschen aus Bindungen finanziell belohnt und dadurch fördert, etwa außereheliche Schwangerschaften, kann sich laut Roger Scruton nicht auf das Solidaritätsprinzip berufen.115

3.7 Der Schutz des Gemeinwesens

Der Krieg stellt die höchste innere Bewährungsprobe für ein Gemeinwesen dar, weil sich unter diesen Bedingungen genügend Menschen finden müssen, die bereit sind, für es ihr Leben einzusetzen. Zudem werden die Fähigkeiten der Mitglieder eines Gemeinwesens im Krieg auf existenzielle Weise geprüft. Christen können unter diesen Bedingungen einen besonderen Dienst leisten.

Joseph Ratzinger (Benedikt XVI.) bezeichnete „das Erhalten und das Verteidigen des Bestehenden als die große Aufgabe politischen Handelns“. Im antiken Rom sei mit dem Begriff des „Conservator mundi“ der „höchste Dienst umschrieben“ worden, „der in der Menschheit zu leisten war“, nämlich die Ordnung des Reiches gegenüber allen Bedrohungen von innen und außen zu erhalten, weil dieses Reich ein Raum war, in dem Menschen in Sicherheit und Würde leben konnten. Christen hätten dies immer zu schätzen gewusst.116

3.7.1 Der gerechte Krieg

Augustinus entwickelte unter dem Eindruck des einsetzenden Zusammenbruchs des Römischen Reiches nach dem Beginn der Völkerwanderung und der Eroberung Roms durch die Westgoten seine Lehre des gerechten Krieges, die er 426 veröffentlichte. Ein gerechter Krieg solle größere Übel verhindern und mit dem Ziel der Wiederherstellung des Friedens geführt werden, falls dazu keine anderen aussichtsreichen Mittel mehr vorhanden seien.

Die Lehre beschreibt die Bedingungen, unter denen ein christliches Gemeinwesen Krieg führen darf oder muss. Thomas von Aquin entwickelte diese Lehre im 13. Jhd. weiter.

  • Er definierte Frieden als geordnetes Zusammenleben mit Aussicht auf religiöses Heil sowie die Sicherheit der Menschen eines Gemeinwesens vor äußeren Feinden, die erforderlich sei, damit diese religiöses Heil erlangen könnten.
  • Krieg könne erforderlich sein, um das Gemeinwohl (zu dem Frieden gehört) und die gerechte, den christlichen Glauben schützende Ordnung zu bewahren. Staaten, in denen eine gerechte Ordnung herrsche, dürften sich daher auf den Krieg vorbereiten, denn sie seien dazu in der Lage, einen gerechten Krieg zu führen. An einem solchen Krieg teilzunehmen könne für Christen unter Umständen sogar geboten sein.

Es müssten drei Kriterien erfüllt sein, damit Krieg aus christlicher Sicht gerecht sein kann:

  • Erklärung durch eine legitime politische Autorität, d. h. durch einen Staat;
  • Vorliegen eines gerechten Grundes: Dies kann etwa ein Angriff auf ein Gemeinwesen oder eine gerechte Ordnung sein, der nur durch Krieg erfolgreich abgewendet werden kann.
  • Richtige Absicht der Kriegführenden: Diese dürften nicht von Motiven wie Habgier, Hass, Rache oder Ehrgeiz geleitet werden und Unbeteiligte nicht direkt bekämpfen.

Der gerechte Krieg ist kein „heiliger Krieg“, wie ihn der Islam kennt. Krieg ist aus christlicher Sicht immer mit Übeln verbunden117, stellt jedoch nicht zwangsweise das größte Übel dar.

Die Lehre der katholischen Kirche betrachtet Sicherheit als einen wesentlichen Aspekt des Gemeinwohls. Frieden bedeutet für die Kirche „die Dauerhaftigkeit und Sicherheit einer gerechten Ordnung“.118 Johannes Paul II. bezeichnete Soldaten daher als „Diener und Mitverantwortliche für das höchste Gut der Menschen“ und forderte sie auf, ihren Dienst auf Gott auszurichten. Staaten hätten einen Auftrag zum militärischen Schutz von Gemeinwohl und Gemeinwesen, an dem sich Christen beteiligen sollten:

„Der Schutz des Gemeinwohls der Gesellschaft erfordert, daß der Angreifer außerstande gesetzt wird schaden. Aus diesem Grund hat die überlieferte Lehre der Kirche die Rechtmäßigkeit des Rechtes und der Pflicht der gesetzmäßigen öffentlichen Gewalt anerkannt, der Schwere des Verbrechens angemessene Strafen zu verhängen […]. Aus analogen Gründen haben die Verantwortungsträger das Recht, diejenigen, die das Gemeinwesen, für das sie verantwortlich sind, angreifen, mit Waffengewalt abzuwehren.“119

Das fünfte Gebot verbietet die Tötung Unschuldiger, aber nicht die Anwendung potenziell tödlicher Gewalt zum Zweck des Schutzes und Verteidigung, die sogar durch die Nächstenliebe geboten sein kann:

„Die Notwehr kann für den, der für das Leben anderer oder für das Wohl seiner Familie oder des Gemeinwesens verantwortlich ist, nicht nur ein Recht, sondern eine schwerwiegende Verpflichtung sein.“120

Wenn alle Möglichkeiten einer friedlichen Regelung erschöpft seien, habe ein Gemeinwesen das Recht, sich militärisch zu verteidigen.121 Voraussetzung dafür sei es im Sinne der Lehre des gerechten Krieges auch, dass der dadurch abzuwendende Schaden schwerwiegend und von Dauer sei und alle anderen Mittel um ihn abzuwenden sich als undurchführbar oder wirkungslos erwiesen hätten. Die zur Verteidigung ergriffenen Maßnahmen müssten zudem ernsthafte Aussichten auf Erfolg haben und dürften nicht mit Schäden verbunden sein, die schlimmer wären als das zu beseitigende Übel.122

Ein Angriffskrieg wäre mit christlicher Weltanschauung nicht vereinbar. Ein Präventivkrieg oder einen Krieg zum Schutz von Menschen vor Völkermord oder anderen gravierenden Notlagen wird nicht als grundsätzlich illegitimer Angriffskrieg betrachtet. Unbeteiligte sind vor den Auswirkungen des Krieges zu schützen.123

Der politische Philosoph Edmund Burke, der einer der Begründer des Konservatismus ist, schrieb über den gerechten Krieg:

„The blood of a man should never be shed but to redeem the blood of man. It is well shed for our family, for our friends, for our God, for our country, for our kind. The rest is vanity; the rest is crime.“

3.7.2 Christliches Soldatentum

Die katholische Kirche bejaht den Dienst des Soldaten, solange dieser ein Dienst am Gemeinwohl ist. Wenn diese Bedingung gegeben ist, sollen Christen schützenden Dienst am Gemeinwesen und seinen Menschen leisten, unabhängig davon, ob es sich um ein christliches Gemeinwesen und bei seinen Bürgern um Christen handelt oder nicht. Christen haben u. a. aufgrund ihrer Mitverantwortung für das Gemeinwohl laut der Lehre der katholischen Kirchen eine moralische Pflicht dazu, sich an der Verteidigung des Gemeinwesens zu beteiligen.124

Das Neue Testament bejaht den Dienst des am Gemeinwohl stehenden Soldaten ebenso wie das Alte Testament. Johannes der Täufer sagte einer Gruppe von Soldaten, die ihn fragten was sie tun sollen: „Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!“125 Er rief sie nicht dazu auf, ihren Dienst einzustellen, sondern ihn zu heiligen.

Christen dienten in der Frühzeit der Religion selbst nicht in den Streitkräften des Römischen Reiches. Der Grund dafür war, dass diese einen Eid auf den sich als Gott verstehenden Kaiser forderten, was für Christen eine Gehorsamsverweigerung gegenüber Gott bedeutet hätte. Dies änderte sich mit dem Wandel des Selbstverständnisses des Kaisertums und des Römischen Reiches im Zuge seiner Christianisierung. Christen übernahmen ab diesem Zeitpunkt die Aufgabe der Verteidigung dieses Reiches.

Unter diesen Bedingungen könne der Dienst des Soldaten ein guter Dienst sein:

„Diejenigen, die sich als Militärangehörige in den Dienst ihres Vaterlandes stellen, verteidigen die Sicherheit und Freiheit der Völker. Wenn sie ihre Aufgabe richtig erfüllen, tragen sie zum Gemeinwohl der Nation und zur Erhaltung des Friedens bei.“126

Im Kompendium der Soziallehre der Kirche heißt es über christliches Soldatentum:

„Die Erfordernisse einer rechtmäßigen Verteidigung legitimieren in den Staaten die Existenz von Streitkräften, deren Handeln in den Dienst des Friedens gestellt werden muss: Wenn sie in dieser Haltung über die Sicherheit und Freiheit eines Landes wachen, stellen sie einen wirklichen Beitrag zum Frieden dar. Jede Person, die in den Streitkräften ihren Dienst leistet, ist konkret dazu aufgerufen, das Gute, die Wahrheit und die Gerechtigkeit in der Welt zu verteidigen; und nicht wenige haben vor diesem Hintergrund ihr Leben für diese Werte und für die Verteidigung Unschuldiger geopfert.“127

Leo XIII. schrieb 1890, dass das Naturrecht den Menschen prinzipiell zur Verteidigung seiner Heimat auch unter Einsatz seines Lebens verpflichte.128 Den Nächsten zu lieben wie sich selbst erfordert es, ihn individuell und kollektiv auch unter Einsatz seines eigenen Lebens gegen Angriffe zu schützen, so wie man sich auch selbst gegen solche Angriffe verteidigen muss. Wer Unrecht gegenüber dem Nächsten durch schützenden Kampf verhindern könnte und dies unterlässt, verweigert dadurch die gebotene Nächstenliebe.

Der heilige Ambrosius, einer der Kirchenlehrer, schrieb um 386:

„Die Stärke, welche im Kriege das Vaterland vor den Barbaren schützt oder zu Hause schwache Freunde vor Räubern, ist vollgültige Gerechtigkeit.“129

Laut General Heinz Karst, der u.a. als Stellvertreter von Wolf Graf Baudissin in den Anfangsjahren der Bundeswehr für das Thema Innere Führung verantwortlich war, machen die folgenden Eigenschaften den christlichen Soldaten aus:

„Freiwillige Hingabe an ein großes Ziel, Dienst um der Aufgabe und nicht um des Geldes willen, Liebe zu schweigenden Taten, Gleichgültigkeit mehr noch gegen Lob als gegen Tadel, schlichte Bereitschaft zum Verzicht, zur Achtung vor dem Gegner, zur Strenge in der persönlichen Lebensführung, Kameradschaft, unermüdliche Fürsorge für die anvertrauten Untergebenen, Wille zur Gerechtigkeit, Gottesfurcht und Toleranz, die Ablehnung großer Worte und jeder „Publicity“ („Generalstabsoffiziere sind Offiziere ohne Namen!“), die Zurückstellung der eigenen Person in und außer Dienst, Sparsamkeit und unbedingte Ehrlichkeit, der Wille, ‚Freud und Leid‘ mit den Untergebenen zu teilen, der Kompaniechef als letzter an der Feldküche, keine andere Verpflegung und bessere Unterkunft im Feld als die der Männer, führend im Angriff, der letzte im Rückzug, volle eigene Verantwortung in der Auftragstaktik, die Aufopferung des persönlichen Glücks für Staat und Mitmenschen, die „herrliche Präzision der Sprache“ […], eine hohe Freiheit gegenüber Befehl und Gehorsam, die zuchtvollen Formen, die Überlegheit kleinen Dingen gegenüber, das fast lächelnde Stillhalten unter großen Schicksalsschlägen, die männliche Ritterlichkeit gegenüber Wehrlosen, Schwachen und Frauen, mehr sein wollen als scheinen, niemals die eigene Meinung der Karriere opfern, unbeirrbarer Mut in der Verantwortung, Mitverantwortung am Gemeinwohl und liebe zu den Kulturgütern der Nation und der Welt – das sind nur einige der vielfältigen, im Schmelztigel der Jahrhunderte herangereiften geistigen Überlieferungen für das Bild des rechten Soldaten.“130

3.7.3 Widerstand gegen Tyrannei als Form der Verteidigung des Gemeinwesens

Laut der Lehre der katholischen Kirche können Christen dazu verpflichtet sein, gewaltsam Widerstand gegen einen Staat zu leisten. Dieser Widerstand sei legitim, wenn ein Staat auf schwerwiegende Weise dauerhaft Grundrechte verletze, alle anderen Mittel ausgeschöpft seien, der Widerstand keine größeren Probleme schaffe als er löse, er Aussicht auf Erfolg habe und keine bessere Lösung in Aussicht sei.

Thomas von Aquin schrieb, dass Widerstand gegen „die grausame Bedrückung der Tyrannen“ prinzipiell legitim sei. Völker hätten ein Recht darauf, „sich selbst einen König zu bestimmen“, und sie hätten folglich auch das Recht dazu, sich dessen zu entledigen, wenn er ein Tyrann sei und seiner Pflicht zur Treue gegenüber dem Volk nicht nachkomme. Dies müsse allerdings auf der Grundlage des durch den Tyrannen verletzten Rechts geschehen und dürfe nicht gegen das Recht erfolgen.131

Papst Leo XIII. schrieb 1890 über den Kampf gegen ungerechte, christenfeindliche und antichristliche Herrschaft:

„Am besten handeln jene, die, wenn immer notwendig, entschlossen den Kampf aufnehmen in der festen Überzeugung, dass die ungerechte Gewalt einmal zusammenbrechen und der Heiligkeit des Rechts und der Religion weichen werde. Sie unternehmen in der Tat ein Werk, würdig der Tugenden der Vorzeit, wenn sie zur Verteidigung der Religion besonders gegen jene verwegene Partei zusammenstehen, die sich die Verfolgung des christlichen Namens zum Ziel gesetzt hat und den Papst, den sie in ihre Gewalt gebracht hat, mit Feindseligkeiten überschüttet. Sie sind dabei auf peinliche Einhaltung der Gehorsamspflicht bedacht und pflegen nichts ohne Geheiß zu unternehmen.“132

3.7.4 Der christliche Friedensbegriff

Frieden bedeutet nach katholischem Verständnis nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern die Herrschaft einer auf Gerechtigkeit und Dienst am Nächsten bzw. am Gemeinwohl aufbauenden Ordnung. Es gibt keinen Frieden ohne Sicherheit „ohne Sicherheit für das Wohl der Person“.133 Frieden ist in diesem Sinne laut Augustinus die „Ruhe der Ordnung“ („tranquilitas ordinis“), d. h. die Herrschaft einer gerechten Ordnung.

Das Christentum betrachtet den Konflikt als den üblichen Zustand, in dem der Mensch lebt. Frieden wird als etwas betrachtet, dass gegen diesen Zustand aktiv hergestellt werden muss. Augustinus definierte Frieden als „Ruhe in der Ordnung“. Er folgte damit dem Apostel Paulus, der in einem seiner Briefe Frieden im Sinne Gottes als das Gegenteil von Unordnung beschrieb.134 Frieden ist in diesem Sinne ein stabiler Zustand gerechter Ordnung, in dem sichergestellt ist, dass den legitimen Ansprüchen aller Menschen sowie den Forderungen Gottes Rechnung getragen wird.

Frieden setzt voraus, dass die Bedrohung durch diejenigen, die die Ordnung des Friedens ablehnen, ausgeschaltet oder unter Kontrolle ist. Friedfertigkeit, also die Fähigkeit und Bereitschaft Frieden zu stiften, wird in den Seligpreisungen der Bergpredigt erwähnt. Sie ist nicht mit Gewaltlosigkeit und Passivität oder Schwäche zu verwechseln. Die Fähigkeit, gerechte Ordnung zu schaffen wo Unordnung herrscht, setzt vielmehr Stärke und die Bereitschaft voraus, Verantwortung zu übernehmen und ungerechten Zuständen entgegenzutreten.

Die Bibel warnt vor Scheinfrieden, der auf Illusionen beruht und Herausforderungen ausblendet.

Der Frieden Gottes

Bis zum Beginn der endgültigen und vollständigen Herrschaft Christi wird es Krieg und Bedrohung aller hohen Güter in der Welt geben. Christen werden nicht nur Ziel solcher Bedrohung sein, sondern durch ihre bloße Präsenz Anlass für Feindseligkeit bieten. Es wird daher bis zum Ende der Zeit eine Notwendigkeit des schützenden Dienstes geben. Der Prophet Micha erklärte jedoch, das die Zeit, in der es in der Welt Bedrohungen durch Menschen gibt, die abgewehrt werden müssen, begrenzt ist:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen Völker. Viele Nationen gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion zieht Weisung aus und das Wort des HERRN von Jerusalem. Er wird Recht schaffen zwischen vielen Völkern und mächtige Nationen zurechtweisen bis in die Ferne. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht mehr das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. Und ein jeder sitzt unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf. Ja, der Mund des HERRN der Heerscharen hat gesprochen.“135

Der Prophet Hosea verkündete dieses Wort über den Frieden Gottes der herrschen werde:

„Bogen, Schwert und Krieg werde ich zerbrechen und aus dem Land verbannen und sie in Sicherheit schlafen lassen.“136

In den Psalmen heißt es:

„Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde. Den Bogen zerbricht er, die Lanze zerschlägt er; Streitwagen verbrennt er im Feuer.“137

Der Prophet Jesaja verkündete:

„Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg des Hauses des HERRN steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Nationen. Viele Völker gehen und sagen: Auf, wir ziehen hinauf zum Berg des HERRN und zum Haus des Gottes Jakobs. Er unterweise uns in seinen Wegen, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn vom Zion zieht Weisung aus und das Wort des HERRN von Jerusalem. Er wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.“138

Der Prophet kündigte die Herrschaft Christi mit diesen Worten an:

„Siehe, dein König kommt zu dir. Gerecht ist er und Rettung wurde ihm zuteil, demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin. Ausmerzen werde ich die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, ausgemerzt wird der Kriegsbogen. Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer und vom Strom bis an die Enden der Erde.“

Das Heer der Engel antwortete auf die Geburt Christi mit den Worten:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“139

Der Prophet Jesaja kündigte Christus als „Fürst des Friedens“ an:

„Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.“140

Dieser endgültige Frieden ist durch Menschen nicht herstellbar, sondern nur durch Gott. Er ist nicht durch politische Utopien unter den Bedingungen dieser Welt herstellbar, wie z. B. der Philosoph Immanuel Kant in seinen Gedanken über „ewigen Frieden“ meinte, und er wird auch durch Christen nicht hergestellt werden können. Jesus Christus erklärte:

„Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.“141

Quellen

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  5. Ezechiel 38,7-9
  6. Ezechiel 22,30
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  8. Jesaja 56,10
  9. Gen 4,9
  10. Hoheslied 3,8
  11. Gen 50,20
  12. Jes 5
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  14. Joh 8, 1-11
  15. Jes 6,8
  16. Ulrich Mann: Lorbeer und Dornenkrone. Eine historische und theologische Studie über das Wehrverständnis im deutschen Soldatentum, Stuttgart 1958, S. 36.
  17. Ulrich Mann: Lorbeer und Dornenkrone. Eine historische und theologische Studie über das Wehrverständnis im deutschen Soldatentum, Stuttgart 1958, S. 86.
  18. Wilhelm Erben: Kriegsgeschichte des Mittelalters, München/Berlin 1929, S. 56.
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  20. 1. Kor 14,8.
  21. Ez 38,7.
  22. Ez 22,30.
  23. Ez 33,7.
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  27. Jesaja 56,10.
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  29. Walter Künneth: Politik zwischen Dämon und Gott. Eine christliche Ethik des Politischen, Berlin 1954, S. 576.
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  31. Ebd., S. 577.
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  36. Joseph Kardinal Höffner: Christliche Gesellschaftslehre. Studienausgabe, 4. Aufl., Kevelaer 1983, S. 20.
  37. Dilecti amici 15.
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  39. „Angelus Address: On Not Grieving the Holy Spirit Whom We Received in Baptism“, zenit.org, 12.08.2018.
  40. 2. Mose 22, 20-25.
  41. Psalm 82, 3-4.
  42. Zit. nach Margot Käßmann (Hrsg.): Gott will Taten sehen. Christlicher Widerstand gegen Hitler, München 2013, S. 166.
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  44. Mit brennender Sorge 41,51.
  45. Sapientiae Christianae 5.
  46. Lk 22,36.
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  48. z. B. Jes 5, 1-7; Jes 56,10.
  49. Neh 4,8.
  50. 1 Makk 2,40.
  51. Zit. nach Alexander Demandt: Der Idealstaat: Die politischen Theorien der Antike, 4. Aufl., Wien et al. 2019, S. 42.
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  58. „An die Französische Bischofskonferenz. Ansprache von Benedikt XVI.“, Lourdes, „Hémicycle Sainte-Bernadette“, 14.09.2008.
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  60. Querida Amazonia 13.
  61. Ebd., 31-32.
  62. Ebd., 37.
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  113. ‚“Menschen sind zu Disziplin bereit, wenn sie den Plan kennen'“, welt.de, 21.03.2020.
  114. Scruton 2013, S. 117.
  115. Scruton 2019, S. 79-80.
  116. Joseph Kardinal Ratzinger: Werte in Zeiten des Umbruchs, Freiburg i. Br. 2005, 10-11.
  117. KKK 2307.
  118. KKK 1909.
  119. KKK 2266.
  120. KKK 2265.
  121. KKK 2308.
  122. KKK 2309.
  123. Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Herausgeber): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2006, Punkt 500 ff.
  124. KKK 2240.
  125. Lk 3,14
  126. KKK 2310.
  127. Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Herausgeber): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Herder-Verlag, Freiburg i. Br. 2006, Punkt 502.
  128. Sapientiae christianae 5.
  129. Zit. nach Thomas von Aquin: Summa Theologiae, II-II, q. 188, art. 3
  130. Heinz Karst: Das Bild des Soldaten. Versuch eines Umrisses, Boppard 1964, S. 274 f.
  131. Thomas von Aquin: Über die Herrschaft der Fürsten, Stuttgart 1971, S. 24 f.
  132. Sapientiae christianae 36.
  133. Gaudium et spes 78.
  134. 1 Kor 14,33.
  135. Mi 4, 1-4.
  136. Hosea 2,20.
  137. Psalm 46, 10.
  138. Jes 2, 2-4.
  139. Lk 2,14.
  140. Jes 9,5.
  141. Lk 12,51.