Albrecht Dürer – Karl der Große (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Auftrag der Fachgruppe 1 (Christliches Dienstethos) ist die Erschließung des christlichen Ethos des schützenden und bewahrenden Dienstes am Gemeinwesen mit dem Ziel seiner Vermittlung in der Gegenwart.

Jede Kultur verfügt über ein besonderes, aus dem religiösen Kern dieser Kultur heraus geschaffenes Ethos für die Berufsstände, welche das auf ihr beruhende Gemeinwesen und dessen materielle und immaterielle Werte schützen und bewahren. Im europäischen Kulturraum hat sich die Kirche von dieser Aufgabe jedoch weitgehend zurückgezogen. Die Fachgruppe 1 des Instituts soll entsprechende Impulse zur Verfügung stellen.

Publikationen

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Hintergrund

Ein Ethos ist die auf einer Weltanschauung beruhende Gesamthaltung einer Person oder einer Gemeinschaft, die deren Wesen, Ziele, Werte, Lebensverständnis und Lebensstil bestimmt. Ein Ethos orientiert sich an den Anforderungen, denen eine Person oder eine Gemeinschaft in ihrem Dienst gerecht werden müssen und an den Eigenschaften, die sie zur Bewältigung der Herausforderungen, denen sie dabei gegenüberstehen, entwickeln und vervollkommnen müssen.

Bestimmte Berufsstände oder dienende Gemeinschaften, die sich besonderen Anforderungen unterwerfen, können über ein eigenes Ethos verfügen. In besonderer Weise dem Gemeinwohl verpflichtete Berufsgruppen wie Ärzte, Juristen, Soldaten und Beamte verfügen über ein eigenes Ethos. Dies gilt auch für dem Gemeinwohl dienende politische Eliten, die durch besondere Forderungen an sich selbst ihren Führungsanspruch legitimieren. Jedes dauerhafte Gemeinwesen braucht solche dem Gemeinwohl dienenden Menschen und Berufsstände.

Der christliche Dienstgedanke, der über Jahrhunderte hinweg dem Ethos dieser Berufsstände zugrunde lag, ist Ausdruck der christlichen Forderung nach Nächstenliebe. Dieser Gedanke hat das gesamte abendländische Erbe geprägt, das darauf beruht, die Schwachen zu schützen und die unvollkommene Welt im Rahmen des Möglichen menschlicher zu gestalten. Vor diesem Hintergrund soll politisches Handeln nach christlicher Vorstellung stets den Dienst am Gemeinwohl zum Ziel haben.

Laut Joseph Kardinal Höffner beinhalte die christliche Soziallehre auch den Gedanken, dass ein Gemeinwesen, das in Achtung der gottgesetzten Ordnung zur Blüte gelangt sei, ein „verwirklichter Gottesgedanke“ sei und zur „Ehre und Verherrlichung des Schöpfers“ beitrage. Es sei unbedingt schützenswert. Papst Franziskus nach sei daher das „Engagement für das Gemeinwohl […] ein hervorragender Ausdruck der Nächstenliebe“. Jeder Mensch könne laut Papst Franziskus an dem Platz, an dem er sich befinde, ein Heiliger werden. Dies sei auch durch den Kampf für das Gemeinwohl möglich.

Christen dienten von Beginn an dem Gemeinwohl der Gesellschaften, in denen sie lebten. In den frühesten überlieferten Schriften des Christentums bejahte der Apostel Paulus den Staat als Garanten der von Gott gewollten weltlichen Ordnung. Im Ersten Clemensbrief, der um das Jahr 100 in Rom entstand, ist ein Gebet für den römischen Staat enthalten. Es ruft Gott an, den Herrschern Roms zu helfen, „ohne Fehl zu führen“, und auch den Christen zu helfen, diesen im Einklang mit dem Gehorsam gegenüber Gott gehorsam zu sein. Justin der Märtyrer schrieb an den römischen Kaiser Antonius Pius der von 138-161 regierte, dass er „in der ganzen Welt keinen bessern Helfer und Verbündeten zur Aufrechterhaltung der Ordnung“ habe als die Christen Roms.

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) betonte die zeitlose Gültigkeit dieser Gedanken. Christen müssten in allen Staaten und Gesellschaften und unter allen denkbaren Umständen dem Gemeinwohl dienen. In jeder Lage müssten Christen versuchen, die Gemeinwesen, in denen sie leben, zu stärken, sie aufzubauen und das Gute in ihnen zu stärken:

„Der Christ ist in dem Sinn immer staatserhaltend, dass er das Positive, das Gute tut, das die Staaten zusammenhält. Er hat nicht die Furcht, dass er damit die Macht des Bösen begünstigt, sondern er ist überzeugt, dass immer nur die Stärkung des Guten das Böse abbauen und die Macht des Bösen die der Bösen verringern kann.“

Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt kritisierte, dass in Deutschland gegenwärtig die Vorstellung vorherrsche, dass das Gemeinwohl nicht gepflegt und bewahrt werden müsse, weil es eine Selbstverständlichkeit darstelle. Dabei werde übersehen, dass die Herausbildung gemeinwohlfähiger staatlicher Ordnungen in Europa lange Zeiträume in Anspruch genommen habe. Das Gemeinwohl und seine Grundlagen stellten eine Errungenschaft dar, die auch wieder verloren gehen könne.

Christen können in diesem Zusammenhang auf reiche kulturelle Bestände zurückgreifen und sie in den Dienst des Gemeinwohls stellen.