Politik und Gesellschaft

Über die politischen Illusionen des Westens

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler kritisiert in der aktuellen Ausgabe der “Neuen Zürcher Zeitung” die Naivität der westlichen Welt, deren Weltordnungskonzeption sich als “Wunschbild” herausgestellt habe. Die Vorstellung eines “politisch organisierten ‘Wir’ der Menschheit”, das auf der Grundlage geteilter Werte gemeinsam globale Herausforderungen wie den Klimawandel bewältigen und dabei Konkurrenz und Konflikte hinter sich lassen wolle, sei eine Illusion. […]

Politik und Gesellschaft

Die Rückkehr der Geopolitik

Die russische Invasion der Ukraine hat viele der in Deutschland vorherrschenden politischen Illusionen zerschlagen. Über einen realistischeren Blick auf die Lage verfügte der Politikwissenschaftler Zbigniew Brzezinski (1928-2017), der das aktuelle Geschehen in seinem 1997 erschienenen Werk “Die einzige Weltmacht” vorausgesagt hatte. Das Werk stellt zugleich eine Einführung in die Themen Geopolitik und Geostrategie dar. Die Ukraine betrachtete der Autor hier wegen ihrer herausgehobenen geostrategischen Bedeutung als künftigen Schauplatz eines möglichen Konflikts zwischen den Großmächten um die Kontrolle des eurasischen Kontinents. […]

Politik und Gesellschaft

Das Elend des postmodernen Konservatismus

In ihrem 2017 erschienenen Buch „Die Angstprediger“ behandelt die Publizistin Liane Bednarz aktuelle Entwicklungen im konservativen Spektrum in Deutschland. Sie will den von ihr identifizierten Problemen mit einem postmodernen Konservatismus begegnen, der vor allem nicht anstößig sein will, an der Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen nicht interessiert ist und dem Wirken radikaler gesellschaftspolitischer Utopien passiv begegnet. Impulse für die Bewältigung der Herausforderungen, denen europäische Gesellschaften gegenüberstehen, sind von dieser geistig sterilen Form des Konservatismus kaum erwarten. […]

Politik und Gesellschaft

Ein Zaun für Europa

Martin van Creveld lehrt an der Universität von Tel Aviv und gehört zu den bedeutendsten lebenden Denkern im Bereich der strategischen Wissenschaft. In einem jetzt veröffentlichen Kommentar bewertet er irreguläre Migration als die wichtigste gegenwärtige Herausforderung für Europa. Wenn es nicht gelinge, diese Herausforderung durch verbesserte Grenzschutzmaßnahmen zu bewältigen, drohten dem Kontinent langfristig innere Konflikte. […]

Politik und Gesellschaft

“Zum Heil setzt er Mauern und Wall”: Schützende Grenzen aus biblischer Sicht

Die Reaktionen von katholischer und evangelischer Kirche in Deutschland auf die Bedrohung der Ostflanke Europas durch illegale Migration erwecken den Eindruck, dass diese den Schutz von Grenzen als illegitim betrachten. Auf welche geistigen Grundlagen sich diese Bewertung stützt, bleibt jedoch unklar. Der Schutz von Staatsgrenzen gegen äußere Bedrohungen ist nicht nur eine Forderung der christlichen Soziallehre, sondern entspricht auch biblischer Weltanschauung, die den Schutz der Grenzen des eigenen Gemeinwesens durchgängig bejaht. […]

Politik und Gesellschaft

Die “Zerschlagung des Gefährlichen” als Auftrag des Staates

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler lehrte am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. In einem in der Wochenzeitung „Die Zeit“ erschienenen Aufsatz beschreibt er die Konturen der sich derzeit herausbildenden neuen globalen Ordnung. Westliche Staaten müssten sich in dieser Ordnung auf ihren Auftrag zur „Zerschlagung des Gefährlichen “ beschränken. Im Sinne des von Carl Schmitt formulierten Konzepts der Großraumpolitik würden sie künftig zudem auf Interventionen außerhalb der eigenen Interessensphäre verzichten. […]

Politik und Gesellschaft

Institutioneller Patriotismus statt Vielfaltsideologie

Rafael Behr lehrt Kriminologie und Soziologie an der Akademie der Polizei Hamburg und gilt als einer der führenden Polizeiforscher Deutschlands. In einer seiner Schriften kritisierte er Ideologien der Vielfalt, weil diese den Zusammenhalt in Institutionen gefährden könnten. Erfolgreich wirkende Institutionen müssten aus Vielfalt eine Einheit formen, wozu “institutioneller Patriotismus” erforderlich sei. […]

Politik und Gesellschaft

Der Nationalstaat als Garant des Gemeinwohls

Der Historiker Gadi Taub lehrt an der Hebräischen Universität Jerusalem. In einem heute veröffentlichten Aufsatz kritisiert er internationalistische Strömungen des Liberalismus, weil diese die kulturellen Voraussetzungen des Bestands freiheitlicher Gesellschaften unterminierten. […]

Politik und Gesellschaft

Europäische Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung

Der Politikwissenschaftler Heinz Theisen lehrte zuletzt an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. In einem jetzt erschienenen Aufsatz kritisiert vor dem Hintergrund des Scheiterns des Afghanistan-Einsatzes die “strategische Ratlosigkeit des Westens“. Er beschreibt die Grundzüge einer neuen, am Ziel des Schutzes Europas orientierten Außen- und Sicherheitspolitik, der es um “Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung” gehe. […]

Politik und Gesellschaft

Folgerungen aus dem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes

Der Historiker Heinrich August Winkler lehrte zuletzt an der Humboldt-Universität zu Berlin. In einem in der Tageszeitung “Die Welt” erschienenen Gespräch formuliert er Lehren aus dem Scheitern des Afghanistan-Einsatzes. Er plädiert für eine stärkere Anerkennung der Bedeutung kultureller Unterschiede zwischen dem christlich-abendländischen und dem islamischen Kulturraum, mehr sicherheitspolitischen Realismus, wirksamere Maßnahmen zur Eindämmung irregulärer Migration und die Beschränkung militärischer Einsätze auf die unmittelbare Abwehr von Bedrohungen. […]