Politik und Gesellschaft

Ludger Schwienhorst-Schönberger: Offene Grenzen widersprechen der christlichen Soziallehre

Der katholische Theologe Ludger Schwienhorst-Schönberger lehrt an der Universität Wien. In einem jetzt in der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ erschienenen Beitrag kritisiert er gesinnungsethische Tendenzen in der Migrationsdebatte. Ein pauschales Eintreten für offene Grenzen sei mit der christlichen Soziallehre ebenso unvereinbar wie die grundsätzliche Ablehnung des Schutzes der nationalen Souveränität und der kulturellen Identität der Staaten Europas. […]

Politik und Gesellschaft

Johannes Paul II.: Die Theologie der Nation

In seiner neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ knüpft Papst Franziskus an die Theologie der Nation an, die der 2014 von Franziskus heiliggesprochene Johannes Paul II. unter anderem in seinem Werk „Erinnerung und Identität“ beschrieben hatte. Er warnte hier vor dem wachsenden Einfluss postmoderner utopischer Ideologien, die nach der Auflösung der Bindung des Menschen an die Nation streben. Die Nation sei als unverzichtbare natürliche Gemeinschaft aus christlicher Sicht ebenso zu bejahen wie die Familie, deren Erweiterung sie darstelle. Patriotismus sei eine Form der gelebten Nächstenliebe. […]

Politik und Gesellschaft

Jörg Schönbohm: Nationale Identität als Voraussetzung des Gemeinwohls

Der 2019 verstorbene General Jörg Schönbohm diente nach dem Ende seiner militärischen Laufbahn als Innensenator von Berlin sowie als Innenminister des Landes Brandenburg. Er gehörte zu den vorerst letzten großen konservativen Persönlichkeiten im politischen Leben der Bundesrepublik. In einem 1996 veröffentlichten Aufsatz betonte er die Bedeutung der nationalen Identität als Grundlage des Gemeinwohls. Vor allem in Krisenzeiten sei ein Gemeinwesen auf starke innere Bindungen angewiesen. […]

Politik und Gesellschaft

Thilo Sarrazin: Migration und Gemeinwohl

Der Volkswirt Thilo Sarrazin war unter anderem als Finanzsenator im Berliner Senat und Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank tätig. In seinem jetzt erschienenen Buch „Der Staat an seinen Grenzen“ analysiert er die Folgen unkontrollierter Migration für das Gemeinwohl in Deutschland. Dabei geht er auch auf die kulturellen Aspekte des Themas ausführlich ein. […]

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Carl Amery: Die Notwendigkeit christlich-konservativer Kulturkritik

Der Schriftsteller Carl Amery (1922-2005) war Mitglied der „Gruppe 47“, gehörte zu den Vordenkern der Umweltbewegung und setzte sich vor allem mit der Frage auseinander, ob und wie die Katastrophen, auf denen die spät- und postmoderne Welt zusteuert, aufgehalten werden können. In einem 1983 entstandenen Aufsatz bedauerte das weitgehende Verschwinden des „alten, metaphysisch orientierten christlichen Konservativismus“ in Deutschland. Dessen weitsichtige Kulturkritik werde zur Abwehr der sich abzeichnenden „Homogenisierung der Welt“ durch eine materialistische Technokratie dringend gebraucht. […]

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Heinz Theisen: Europa mangelt es an sicherheitspolitischem Realismus

Der Politikwissenschaftler Heinz Theisen lehrt an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. In einem aktuellen Aufsatz kritisiert er den in der Außen- und Sicherheitspolitik westeuropäischer Staaten vorherrschenden Mangel an Realismus. Wunschdenken, unzutreffende Lagebeurteilungen und mangelnder Wille zur Selbstbehauptung hätten dazu geführt, dass Europa „nicht weniger als eine kulturelle Unterwerfung unter den Islam und eine ökonomische Unterwerfung durch China, zudem auch noch die Erpressbarkeit durch mittlere Mächte wie die Türkei und Russland“ drohe. […]

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Asfa-Wossen Asserate über Integration und Patriotismus

Prinz Asfa-Wossen Asserate, ein Angehöriger des äthiopischen Kaiserhauses, lebte nach der kommunistischen Machtübernahme in seiner Heimat in Deutschland und wurde deutscher Staatsbürger. In einem aktuellen Gespräch betont er, dass Integration voraussetze, dass Migranten sich in die deutsche Kultur einfügen. Vielen Deutschen mangele es umgekehrt an Patriotismus und Bejahung des Eigenen. In der laufenden Rassismusdebatte gebe es daher maßlose Vorwürfe gegen Institutionen wie die Polizei. […]

Politik und Gesellschaft

Armin Nassehi: Warum westliche Gesellschaften zerfallen

Der Soziologe Armin Nassehi lehrt an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die gegenwärtige Eskalation identitätspolitischer Konflikte in westlichen Gesellschaften führt er in einem heute erschienenen Aufsatz darauf zurück, dass diese ihr kulturelles Zentrum verloren hätten. Wo früher als selbstverständlich geltende Werte zur Disposition gestellt und ständig neu ausgehandelt werden müssten, komme es zwangsläufig zu Konflikten. […]

Politik und Gesellschaft

Andreas Reckwitz: Folgerungen aus der Corona-Krise

Der Soziologe Andreas Reckwitz lehrt an der Humboldt-Universität Berlin. In einem heute erschienenen Aufsatz schreibt er, dass die Corona-Krise zahlreiche Defekte der globalistischen Spätmoderne offenlege. Die Folgerung aus der Krise sei die Schaffung eines resilienten Staates, der sich vom Ziel der Entgrenzung und Deregulierung abwende, sich auf Krisen verschiedener Art vorbereite und Themen wie soziale Grundsicherung, ökologische Nachhaltigkeit und öffentliche Sicherheit stärker in den Vordergrund stelle. […]

Politik und Gesellschaft

Aleida Assmann: Die Rückkehr der Nation in Europa

Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann lehrt an der Universität Konstanz. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Erforschung des kulturellen Gedächtnisses von Gesellschaften. In einem jetzt erschienenen, noch vor dem Beginn der COVID-19-Krise entstandenen Aufsatz setzt sie sich mit den Ursachen der verstärkten Hinwendung zur Nation auseinander, die vor allem in Osteuropa zu beobachten ist.

Die Neigung zur pauschalen Abwertung der Nation in Deutschland sei paradoxerweise Ausdruck eines nationalistischen Denkens, das die eigenen historischen Erfahrungen verallgemeinere. Gesellschaften müssten sich als Nationen verstehen, wenn sie integrationsfähig und krisenfest sein wollten. […]