Das Streben nach der Verwirklichung des Gemeinwohls stellt eine Konstante der abendländischen Geistes- und Kulturgeschichte dar. Renovatio erschließt, pflegt und vermittelt das in diesem Zusammenhang geschaffene Kulturerbe. Wir setzen uns vor allem mit den geistigen Beständen auseinander, die in besonderer Weise dazu geeignet sind, zur Resilienz der Kulturen Europas und zur Überwindung der gegenwärtigen Zivilisationskrise beizutragen.

Publikationen

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Hintergrund

Die Grundlagen der hier vorgestellten Impulse sind die abendländische Tradition des Denkens, das christliche Menschenbild und die christliche Soziallehre, die Prinzipien der christlichen Soziallehre, die Naturrechtslehre die Denkschule des Realismus.

  • Die abendländische Tradition des Denkens: Der christliche Humanismus, der das Denken der Antike mit christlichen Impulsen verband und in die Neuzeit weitertrug, strebt laut Hugo Rahner die „Einheit zwischen dem besten Erbe der Griechen und dem Glauben an Christus“ an.1 Der Logos selbst habe „die Sprache der Hellenen zum Wort Gottes gewählt“. Der Apostel Paulus habe in seiner Rede auf dem Areopag in Athen die Verbindung zwischen dem griechischen Denken und dem Christentum hergestellt.2 Das Christentum ziele vor allem auf den Verstand des Menschen, und ein Glaube, der danach strebe verstanden zu werden, sei „nur möglich mit der Hilfe der besten Wahrheitsgüter der griechischen Philosophie“.3 Eine Wiedergeburt Europas sei nur dann möglich, „wenn wir wieder in lebensspendende Berührung kommen mit den unsterblichen Gütern der Vergangenheit, aus denen sich unsere Kultur gebildet hat“.4
  • Der traditionelle Konservatismus: Der traditionelle Konservatismus ist eine Weltanschauung, die sich auf in zahlreichen Krisen bewährtes Erfahrungswissen stützt. Sein Ziel ist die Bewahrung und Pflege der im europäischen Kulturraum über zweieinhalb Jahrtausende hinweg gewachsenen Traditions- und Ordnungsbestände. Die Wurzeln dieses Konservatismus reichen zurück bis zu den Anfängen des abendländischen Denkens im antiken Griechenland.5
  • Das christliche Menschenbild: Dieses geht davon aus, dass der Mensch als Ebenbild Gottes über die göttlichen Eigenschaften Wille und Vernunft sowie über einen Ordnungs- und Schutzauftrag in der Welt verfügt.6 Seine in der Natur einzigartigen Fähigkeiten ermöglichen es dem Menschen, das Wahre, Gute und Schöne zu erkennen und entsprechend zu handeln. Außerdem geht das christliche Menschenbild davon aus, dass die Seele des Menschen kein Produkt biologischer Abläufe ist und daher ewig existiert. Der Mensch steht aufgrund der Eigenschaften, die ihm seine besondere Würde verleihen, in der Rangordnung des Kosmos über der Pflanzen- und Tierwelt und ist daher vor allem anderen Leben schutzwürdig.
  • Die christliche Soziallehre: Diese Lehre umfasst die Summe der in den vergangenen Jahrtausenden gewonnen Erkenntnisse über Wesen und Ordnung der menschlichen Gesellschaft und die sich daraus ergebenden Normen und Ordnungsaufgaben in Hinblick auf die christliche Heilsordnung.7 Die Prinzipien der Soziallehre (Gemeinwohlorientierung der Politik, Solidarität, Subsidiarität und Personalität) ermöglichen die Schaffung einer gerechten Ordnung. Ordnung ist der Zustand, in dem alle Dinge dem in ihrer Natur angelegten Ziel gemäß funktionieren. Oswald von Nell-Breuning bezeichnete die Sozialprinzipien als „Baugesetze der Gesellschaft“.8 Die Soziallehre stellt dabei kein politisches Programm und keine starre Ideologie dar, sondern passt sich Lageänderungen und neuen Erkenntnissen an.9
  • Die Naturrechtslehre: Der Mensch ist Teil einer kosmischen Ordnung, die er richtig erkennen muss, wenn er in ihr bestehen will. Das Naturrecht ist der erstmals in der Antike unternommene Versuch zu beschreiben, welche Anforderungen diese Ordnung an den Menschen und seine sozialen Ordnungen stellt. Leo Strauss zufolge setzte gesellschaftliche Entwicklung einen höheren Maßstab voraus, der es ermögliche, den gegenwärtigen Zustand einer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen. Das Naturrecht sei dieser Maßstab.10Ernst Troeltsch nannte das Naturrechtsdenken daher „den Leitstern des Abendlands“.11 Die freiheitlichen Gemeinwesen des Westens konstituierten sich alle auf einer naturrechtlichen Grundlage. Auch die Grundrechteordnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beruht auf einer solchen Grundlage, wie auch das Bundesverfassungsgericht betonte und zugleich erklärte, dass etwa die „Vorstellung […] daß der Mensch in der Schöpfungsordnung einen eigenen selbständigen Wert besitzt“, die wichtigste Verteidigungslinie gegenüber „der Allmacht des totalitären Staates“ darstelle. Der Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio bekräftige, dass die „historische Durchschlagskraft der Menschenrechte“ das Ergebnis „ihrer naturrechtlichen Fundierung“ war. Eine andere plausible philosophische Begründung unverfügbarer Grundrechte als die Naturrechtslehre existiert nicht. Die Pflege der Naturrechtslehre stellt somit einen wichtigen zivilgesellschaftlichen Beitrag zur ständigen Erneuerung der Grundlagen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung dar.
  • Die Denkschule des Realismus: Diese politikwissenschaftliche Denkschule geht von der Existenz objektiver Gesetze der Sphäre des Politischen aus, die aus der Natur des Menschen hervorgehen. Die Erkenntnis dieser Gesetze ist die Voraussetzung für erfolgreiches politisches Handeln. Zu diesen Gesetzen gehört es, dass Staaten im Kampf um ihr Überleben Interessen verfolgen und dazu nach der Maximierung ihrer Macht streben. Staaten, die dies nicht tun, können sich in der Sphäre des Politischen nicht dauerhaft behaupten.12 Diese Schule geht auf Thukydides (454-399 v. Chr.) zurück, der einen fiktiven Dialog zwischen den überlegenen Athenern und den unterlegenen Meliern beschrieb, in dem die Athener auf „schöne Worte“ verzichteten und erklärten, dass es eine unumstößliche Tatsache sei, dass in Konflikten zwischen Staaten „die Überlegenen unternehmen, was möglich ist, und die Schwachen es ihnen zugestehen“ müssen.13 Die Melier, welche die harten Gesetze des Politischen nicht anerkennen wollten und sich in Wunschdenken flüchteten, wurden von den Athenern militärisch besiegt, wobei die überlebenden Männer getötet, die Frauen und Kinder versklavt, ihre Kultur ausgelöscht und ihr Land neu besiedelt wurde.14

Quellen

  1. Hugo Rahner: „Abendländischer Humanismus und Theologie“, in: ders.: Abendland. Reden und Aufsätze, Freiburg i. Br. 1966, S. 24-55, hier: S. 45.
  2. Rahner 1966, S. 27.
  3. Rahner 1966, S. 29.
  4. Rahner 1966, S. 24-25.
  5. Felix Dirsch: Authentischer Konservatismus. Studien zu einer klassischen Strömung des politischen Denkens, Berlin 2012, S. 25 ff.
  6. Hans J. Münk: „Schöpfungsauftrag“, in: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Band 9, Freiburg i. Br. 2000, Sp. 239-240.
  7. Joseph Kardinal Höffner: Christliche Gesellschaftslehre. Studienausgabe, 4. Aufl., Kevelaer 1983, S. 19-22.
  8. Oswald von Nell-Breuning: Baugesetze der Gesellschaft. Solidarität und Subsidiarität, Freiburg i. Br. 1968.
  9. Libertatis conscientia 72
  10. Leo Strauss: Naturrecht und Geschichte, Stuttgart 1956, S. 3.
  11. Zit. nach Harald Seubert: „Ökologie des Menschseins. Der geworfene Entwurf“, in: Stephan Otto Horn/Wolfram Schmidt (Hg.): Hoffnung und Auftrag: Die Reden Benedikts XVI. zur Politik, Freiburg i. Br. 2017, S. 126-150, hier: S. 126.
  12. Hans Morgenthau: Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik. Gütersloh 1963.
  13. Thukydides: Der Peleponnesische Krieg, Wiesbaden 2010, S. 425 (5,89).
  14. Ebd. S. 431-432 (5,116)