Neue Publikation: Über die kulturellen Wurzeln Europas

Karl Friedrich Schinkel - Gotischer Dom am Wasser

In unserer Reihe „Renovatio-Analysen“ setzt sich der philosophische Publizist Daniel Zöllner mit den kulturellen Wurzeln Europas auseinander. Die europäisch-abendländische Tradition habe eine besondere Antwort auf die universelle Frage nach dem Umgang mit der Spannung zwischen den Erfordernissen der Welt und überweltlichen Ansprüchen gefunden. Ihr Wesen bestehe in einer auf christlicher Theologie begründeten Bejahung der Welt.

Diese Tradition sei im Mittelalter durch die Begegnung christlichen Denkens mit der Philosophie der griechischen Antike entstanden und beruhe wesentlich auf der frühchristlichen Inkarnationslehre, ohne die die Kulturgeschichte Europas einen gänzlich anderen Verlauf genommen hätte. Diese Lehre habe erstmals die Vorstellung einer göttlichen Bejahung und Durchformung der Welt mit dem Anspruch einer Offenbarung verbunden, die dem Menschen von jenseits der Welt zukomme.

Das christliche Mönchtum habe im Mittelalter die praktische Aufgabe der Durchformung der Welt mit diesem Denken geleistet, was nur deshalb gelungen sei, weil es selbst von der Synthese von Weltbejahung und überweltlichem Anspruch geprägt gewesen sei und durch Mission, Predigt, Arbeit, Studium und Gebet tätig wurde. Dieses Denken habe zudem den Ursprung der europäischen Freiheitstradition gebildet. Seit der frühen Neuzeit sei in Europa jedoch ein Denken erstarkt, das nur die physische Wirklichkeit als real betrachtet und die Autonomie der Kultur von der Religion eingefordert habe. Zu den praktischen Folgen der dadurch angestoßenen Entwicklung gehöre der  Verlust der Einheit Europas.

Diese Entwicklung sei jedoch umkehrbar. Das Abendländische sei ein geschichtlicher Entwurf, der immer neu in geschichtliche Wirklichkeit umgesetzt werden müsse. Die gegenwärtige Aufgabe der Bewahrer der europäisch-abendländischen Tradition sei es, die oben beschriebene Synthese wiederherzustellen und Europa dadurch eine Zukunft zu geben. Dabei gehe es nicht um die Wiederherstellung überlebter Gesellschaftsstrukturen, sondern darum, das Geglaubte wieder mit dem Gewussten zu verbinden und die Verbindung der in Europa entwickelten Rationalität zu ihrem Urgrund in Gott wiederherzustellen.

Die Publikation kann hier abgerufen werden. (sw)