Der Kampf gegen die Sklaverei als historische Leistung des christlichen Europas

Thomas Whitcombe - Die Bombardierung von Algier im Jahre 1816

Der deutsche Diplomat Martin Eberts betont in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift des Auswärtigen Amtes die historischen Leistungen des Christentums beim Kampf gegen die Sklaverei. Alte „anti-kirchliche Klischees“, die das Christentum für „Kolonialismus und Sklaverei“ verantwortlich machten, seien haltlos. Es sei „gerade die Katholische Kirche“ gewesen, die „von Anfang an gegen die Sklaverei angekämpft hat“, während die Vordenker der Aufklärung diese vielfach bejaht und legitimiert hätten.

Der Kampf des Christentums gegen die Sklaverei gehe auf die „ersten Christen“ zurück, die „mit ihrer Haltung, dass alle Menschen, ob Freie oder Sklaven, ob Juden oder Heiden gleichermaßen geliebte Kinder Gottes seien, die Grundlagen der Sklavenhaltergesellschaft“ und damit eine Praxis zurückgewiesen hätten, die „fast alle Kulturen […] von der islamischen Welt bis zum präkolumbischen Amerika und von China bis ins Subsahara-Afrika“ geprägt habe. Die christliche Kultur Europas sei die einzige in der Geschichte der Menschheit, die aus eigener Kraft die Sklaverei überwunden und abgeschafft habe.

Besonders „markant und schlüssig“ sei die „theologisch fundierte Verurteilung der Sklaverei bei dem großen Kirchenlehrer Thomas von Aquin“ gewesen“. Wo Europäer Sklaverei praktiziert hätten, sei dies von „der Kirche verurteilt“, „unter Androhung der Exkommunikation von den Päpsten bekämpft“ und entgegen der ausdrücklichen „Verbote der Kirche“ geschehen. Dieses Problem gebe es auch in der Gegenwart, „wenn man zum Beispiel bedenkt, welche tatsächliche Beachtung heutzutage die kirchliche Verurteilung der Abtreibung findet“.

Während die Positionen des Christentums zur Sklaverei von zeitloser Wahrheit seien, würden die Worte der Aufklärer des 18. Jahrhunderts zu diesem Thema „erschreckend und abstoßend“ klingen. Die Vorstellung, dass „das Menschenrecht sei generell von den Aufklärern gegen die Kirche erkämpft worden“ sei, sei vor diesem Hintergrund haltlos.1

Hintergrund und Bewertung

Die im 19. Jahrhundert vollzogene Bekämpfung der Sklaverei auf dem afrikanischen Kontinent gehört zu den großen historischen Leistungen des christlichen Europas. In den damaligen europäischen Kolonien konnte Sklaverei im Zuge dieser Anstrengungen meist dauerhaft beseitigt werden, während sie außerhalb davon, etwa in Teilen des islamischen Kulturraums oder auch in der VR China, bis heute praktiziert wird.

Der evangelische Theologe Richard Schröder zählt die Beendigung der Sklaverei zu den unzureichend gewürdigten Leistungen der europäischen Kolonialisierung Afrikas. Der Kontinent habe sich vor der Kolonialisierung nicht in „einem friedlichen oder gar glücklichen Zustand befunden, den die Kolonialherren in ihrer Gier zerstört hätten“, wie Aktivisten heute suggerierten. Die ersten europäischen Erforscher des inneren Afrikas seien dort im 19. Jahrhundert vielfach auf verwüstete Landstriche gestoßen, „welche die über Jahrhunderte andauernde Sklavenjagd arabischer und schwarzafrikanischer […] Sklavenjäger angerichtet hatte“.

Der späte europäische Kolonialismus habe in Teilen eine humanitäre Antwort auf diese Problematik dargestellt:

„Der Missionar und Afrikaforscher David Livingstone wurde 1871 Augenzeuge des Überfalls berittener arabischer Sklavenjäger auf ein afrikanisches Dorf. Vierhundert Dorfbewohner wurden niedergemetzelt, eine unbekannte Zahl in die Sklaverei verschleppt. Insgesamt wurden bei diesem Raubzug 27 schwarzafrikanische Dörfer niedergebrannt. Livingstone folgerte aus diesem Erlebnis, der Sklavenjagd könne nur durch die wirtschaftliche Erschliessung Afrikas für den Welthandel die Grundlage entzogen werden. Er hat also den Europäern aus humanitären Gründen die wirtschaftliche Erschliessung Afrikas empfohlen.“

In Europa sei zudem bereits im 18. Jahrhundert „weltweit einmalig“ eine „Protestbewegung gegen die Sklaverei“ entstanden, die „besonders von Quäkern, Mennoniten, Methodisten, Baptisten und Pietisten, also Gruppen entschiedenen Christentums, getragen wurde“ und sich auf eine bis auf das Mittelalter zurückgehende Tradition gestützt habe.

Diese Bewegung habe Anfang des 19. Jahrhunderts ein Verbot der Sklaverei zunächst in England und anschließend im britischen Empire auch mit militärischen Mitteln durchgesetzt. Auf der Berliner Kongo-Konferenz von 1884/85 sei von den beteiligten Staaten dann ein allgemeines Verbot des Sklavenhandels beschlossen worden. Angesichts solcher Leistungen müsse man den europäischen Kolonialismus positiver bewerten, als es heute allgemein der Fall sei.2

Diese Position vertrat kürzlich auch die Publizistin Hilary Fordwich in einem Gespräch mit einem sichtlich überraschten Mitarbeiter des Fernsehsenders CNN, der offensichtlich keinen Widerspruch erwartet hatte, nachdem er ihr gegenüber den britischen Kolonialismus pauschal verurteilt hatte. (sw)

Quellen

  1. Martin Eberts: „Braucht die Kirche eine ‚dekoloniale‘ Säuberung?“, internAA – Mitarbeiterzeitschrift des Auswärtigen Amts, Nr. 10/2022, S. 6.
  2. Richard Schröder: „Verklärte afrikanische Verhältnisse“, Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2021, S. 16.