Über das Wesen irregulärer Migration

Francis Danby - The Deluge (gemeinfrei)

Die Journalisten Matthias Gebauer und Konstantin von Hammerstein beschreiben in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, dass im Zuge der irregulären Migrationsbewegung aus Kabul im August 2021 häufig nicht die schutzbedürftigsten Menschen von westlichen Streitkräften evakuiert worden seien, sondern die brutalsten. Zu den Evakuierungsflugzeugen hätten es oft nur diejenigen geschafft, die sich besonders rücksichtslos gegenüber Frauen und Kindern verhielten:

„Am schlimmsten ist das Schicksal der Kinder. Das werden viele Soldaten, Polizisten, Diplomaten und BND-Leute berichten, die im August 2021 am Flughafen von Kabul waren. Die Bilder der Kinder werden sich in ihr Gedächtnis einbrennen. […] Einem hartgesottenen Offizier des Kommandos Spezialkräfte (KSK) bricht die Stimme, als er davon erzählt. […]

Babys und kleine Kinder gelten als Ticket in den Airport, weil sie Mitleid erzeugen. […]  Kleine Kinder werden zur begehrten Ware. Männer entreißen sie ihren Müttern, um sich mit ihrer Hilfe durch die Flughafentore zu mogeln. Soldaten beobachten, wie vermeintliche Väter die geraubten Kleinkinder achtlos wegstoßen, sobald sie es auf das Gelände geschafft haben. ‚Kinder wurden wie Müll entsorgt‘, wird General Jens Arlt später sagen, der Kommandeur der deutschen Evakuierungsoperation. […]

Inzwischen sind es fast nur noch Männer, die es bis nach vorn ans Tor schaffen. […] Klawitter beobachtet, wie vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen mit unvorstellbarer Brutalität in den Nato-Draht gedrückt und gestoßen werden, sodass man über sie hinwegklettern und die Rollen überwinden kann. […]

Vor allem Frauen und Kinder haben in dem brutalen Gedränge keine Chance.“

Die Bundeswehr habe insgesamt 5347 Menschen aus Kabul evakuiert. Von diesen seien nur etwa 140 Ortskräfte und deren Angehörige gewesen.1

Hintergrund und Bewertung

Weder reguläre noch irreguläre Migration stellen eine Lösung für die Probleme Afghanistans dar:

  • Die Entscheidung, Afghanen im wehrfähigen Alter während des laufenden Angriffs der Taliban auf Kabul zu evakuieren, hat den Fall der Stadt mutmaßlich beschleunigt und war daher kontraproduktiv. Der ukrainische Staat hat auch aus diesem Grund die Ausreise von Männern im wehrfähigen Alter nach dem Beginn des russischen Angriffs verboten.
  • Die Erwartung führender, in der Regel korrupter Repräsentanten des afghanischen Staates, in westlichen Staaten aufgenommen zu werden, hatte zuvor entscheidend zum raschen Zusammenbruch des Landes beigetragen.
  • Laut dem Afghanistan-Kenner Christoph Reuter gab es nach der Machtergreifung der Taliban zudem zwar einzelne Übergriffe, aber keine Verfolgungswelle gegen die ehemaligen Ortskräfte westlicher Akteure. Diese würden Belege einer vermeintlichen Bedrohung nicht selten fälschen, um eine Aufnahme in westlichen Staaten zu erwirken. Tatsächlich sei die Sicherheitslage in Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban so ruhig und stabil wie zu keinem anderen Zeitpunkt in den vergangenen vierzig Jahren. Angespannt sei gegenwärtig nur die humanitäre Lage, was durch die internationale Isolation des Landes, aber auch durch Ausreise von Fachkräften verstärkt werde.2 Die Ausführungen von Reuters lassen vermuten, dass sich durch das Angebot einer internationalen Anerkennung der neuen Regierung und humanitärer Hilfe Rückführungsabkommen durchsetzen ließen.

Der oben angesprochene Bericht über die Evakuierung aus Kabul unterstreicht unabhängig davon, dass das humanitäre Argument für die Öffnung von Grenzen für irreguläre Migranten hinfällig ist. Es handelt sich bei dem beschriebenen Geschehen nicht um einen anekdotischen Einzelfall: Meldungen über Vorgänge entlang anderer Migrationsrouten sind häufig noch drastischeren Inhalts, etwa diese und diese. Diese Meldungen zeigen, dass irreguläre Migration allgemein nicht schutzbedürftige Frauen, Kinder und Alte begünstigt, sondern gewaltbereite junge Männer. Dies legen auch Zahlen des Bundeskriminalamts nahe, denen zufolge irreguläre Migranten in Deutschland überproportional häufig als Tatverdächtige bei Gewaltdelikten auffallen. Neben Gründen der inneren Sicherheit und des Schutzes des eigenen Sozialmodells sprechen daher vor allem auch humanitäre Gründe für eine Unterbindung irregulärer Migration.

Als Alternative hatten die Migrationsforscher Peter Collier und und Alexander Betts die Einrichtung sicherer Zufluchtsorte in räumlicher Nähe zu Krisengebieten vorgeschlagen, in die tatsächlich schutzbedürftige Menschen im Rahmen geordneter Prozesse vorübergehend verbracht werden können. (sw)

Quellen

  1. Matthias Gebauer/Konstantin von Hammerstein: „‚Kinder wurden wie Müll entsorgt'“, Der Spiegel, 13.08.2022, S. 30-36.
  2. Christoph Reuter: „Die Welt schaut lieber weg“, Der Spiegel, 13.08.2022, S. 85-87.