Diskussion: Führt der Ukraine-Konflikt zum Abstieg des Westens?

Adolphe Yvon - Julius Caesar erobert Gallien (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Journalist Christopher Caldwell vertritt in einem im „Claremont Review of Books“ erschienenen Aufsatz die These, dass die Politik der USA und ihrer Verbündeten im Ukraine-Konflikt den Abstieg des Westens beschleunigen werde. Kulturelle Defzite und untaugliche außenpolitische Denkansätze auf westlicher Seite hätten dazu geführt, dass Russland, China und Indien sich zu einem neuen Machtblock zusammenschließen werden. Man befinde sich gegenwärtig im frühen Stadium eines globalen Systemkonflikts, in dem der Westen sich in einer selbstverschuldet schwachen Position befinde. Wir möchten Caldwells Thesen zur Diskussion stellen und haben dazu den Kommentarbereich zu diesem Beitrag geöffnet.

Der Ukraine-Krieg sei nur im Kontext des bereits seit längerem stattfindenden Konflikts zwischen den USA und Russland. Diese versuchten, ihre Einflusssphäre auf Osteuropa, den Balkan und den Kaukasus zu erweitern bzw. ihren vorhandenen Einfluss gegen den der anderen Seite zu behaupten.

Seit 2008 hätten die USA in diesem Zusammenhang versucht, die Ukraine zum Teil ihres Einflussbereichs zu machen. 2014 sei dies mit dem von den USA unterstützten Regierungswechsel in der Ukraine erfolgreich gewesen. Dieser Erfolg sei allerdings mit dem hohen Risiko einer Eskalation des Konflikts mit Russland verbunden gewesen, wovor Stimmen wie der gegenwärtige CIA-Direktor William Burns frühzeitig gewarnt hätten. Der durch die russische Invasion im Februar 2022 begonnene Ukraine-Krieg sei faktisch ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und ihren Verbündeten auf der einen und Russland auf der anderen Seite.

Das von den USA geführte Bündnis agiere in diesen Stellvertreterkrieg vor allem auf militärischer Ebene (durch Waffenlieferungen und Ausbildung), auf wirtschaftlicher Ebene (durch Sanktionen) und auf kultureller Ebene. Während es auf militärischer Ebene Erfolge im Vorgehen gegen Russland gebe, sei man auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene weniger erfolgreich:

  • Die Sanktionen gegen Russland hätten Westeuropa größeren Schaden zugefügt als Russland. In Westeuropa drohten Rezession und Energiemangel, während der russische Staat seine Einnahmen aufgrund gestiegener Energiepreise gesteigert habe.
  • Das kulturelle Vorgehen gegen Russland, das sich auf die Betonung von LGBT-Themen konzentriere, stoße weltweit vorwiegend überwiegend auf Ablehnung und sei nicht dazu geeignet, Russland international zu isolieren. Insbesondere China und Indien würden Russland in diesem Punkt Näher stehen als dem Westen und hätten zudem die Sorge, ebenfalls zum Ziel eines solchen Vorgehens zu werden. Zudem seien die oben genannten kulturellen Botschaften für eine große Mehrheit von Menschen außerhalb der westlichen Welt nicht attraktiv und würden eher zu einer Abwendung vom Westen führen.

Auch wenn die Ukraine sich in diesem Stellvertreterkrieg durchsetzen sollte, würden die USA und ihre Verbündeten dafür einen hohen Preis zahlen müssen. Eine wahrscheinliche Folge des Ukraine-Konflikts werde der Abstieg des Westens sein:

  • Die Macht der USA beruhe vor allem auch auf ihrer weitgehenden Kontrolle der globalen Wirtschaftsarchitektur. Dass sie diese Kontrolle im Konflikt mit Russland als Waffe einsetzten, führe dazu, dass auch China und Indien ihre diesbezügliche Verwundbarkeit erkennen und sich von dieser Architektur ab- und zugleich einander zuwenden. Man habe durch dieses Vorgehen die Grundlagen der eigenen Macht untergraben und das „rohstoffreichste Land der Erde in die Arme des gefährlichsten Gegners des Westens“ getrieben.
  • Man müsse mit Anstrengungen von Seiten dieser Staaten rechnen, eine alternative globale Wirtschafts- und Finanzarchitektur zu errichten und etwa den US-Dollar als Leitwährung abzuschaffen oder eine Alternative zum SWIFT-System (einem System, das den internationalen Zahlungsverkehr ermöglicht) einzuführen.

Die Folge dieser Entwicklung könnten die USA eine zentrale Grundlage ihrer globalen Machtstellung verlieren, was eine Machtverschiebung zugunsten Chinas nach sich zöge.

Zur Abwendung der von ihm prognostizierten Entwicklung regt Caldwell in Anlehnung an den Politikwissenschaftler John Mearsheimer eine Abkehr vom moralistischen Verständnis von Außenpolitik an. Dieser Moralismus habe „schlechtes außenpolitisches Denken“ hervorgebracht, das wiederum zu den oben beschrieben Fehlentscheidungen geführt habe. Man solle sich stattdessen nüchternem Denken zuwenden und eine Politik des nationalen Interesses betreiben, welche sich der Grenzen der eigenen Macht bewusst ist und deren Grundlagen stärkt, anstatt sie zu erodieren.1

Hintergrund und Bewertung

Der Geopolitik-Experte Jacek Bartosiak hatte im Zusammenhang mit dem von Caldwell beschriebenen globalen Systemkonflikt von einem „neuen Weltkrieg“ gesprochen:

  • Die Zeit der Pax Americana sei vorbei, und die Herausbildung einer neuen Ordnung werde von Konflikten begleitet sein. Man befinde sich in einem „Prozess der scharfen und gewaltsamen Deglobalisierung“.
  • Europa sei auf die „Rückkehr der Geopolitik“ unvorbereitet und befinde sich auf dem „besten Weg, zum Spielball der […] Mächte zu werden – ein Ort des Kampfes und der kinetischen Kriege“.
  • Die bevorstehenden Konflikte würden vor allem als Wirtschaftskriege mit „Blockaden, Handels- und Rohstoffembargos, Manipulationen der Energieübertragungssysteme, Angriffe auf die Infrastruktur“ ausgetragen werden.
  • Man müsse sich jedoch auch auf „Stellvertreterkriege, Putsche, Revolutionen und Regierungszusammenbrüche“ vorbereiten sowie auf ein „direktes Aufeinandertreffen zwischen China und den USA im westlichen Pazifik oder einen Krieg in Europa, an dem einige Nato-Länder und Russland beteiligt sind“.2

Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler kritisierte vor diesem Hintergrund die Naivität der westlichen Welt, deren Weltordnungskonzeption sich als „Wunschbild“ herausgestellt habe:

  • Die Vorstellung eines „politisch organisierten ‚Wir‘ der Menschheit“, das auf der Grundlage geteilter Werte gemeinsam globale Herausforderungen wie den Klimawandel bewältigen und dabei Konkurrenz und Konflikte hinter sich lassen wolle, sei eine Illusion.
  • Das Weltgeschehen werde dauerhaft von einem „Gegeneinander der Staaten und Staatengruppen“ geprägt bleiben. Man werde es in Zukunft noch stärker als heute mit einer „Welt der Blöcke zu tun haben“, die „politisch und militärisch stark integriert und auf ökonomische Selbständigkeit bedacht sind“.
  • Militärische und wirtschaftliche Macht sowie die Qualität der eigenen Lagebeurteilung seien in dieser Welt die ausschlaggebenden Faktoren. Die „Ära der Globalisierung“ sei „vorerst an ihr Ende gekommen“.3

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio hatte bereits vor einigen Jahren vor einem Abstieg des Westens gewarnt und diese Entwicklung vor allem auf kulturelle Ursachen zurückgeführt. Die kulturellen Lebensgrundlagen westlicher Gesellschaften erodierten zunehmend, und die „Menetekel des Abstiegs“ ließen sich nicht länger ignorieren. Im ungünstigsten Fall könnten als langfristige Folge „heute noch unvorstellbar scheinende Ordnungsverluste“ eintreten. In diesem Fall wäre mit dem Zerfall von Gesellschaften und „mit Kriegen und Bürgerkriegen“ sowie „erheblichen Ordnungs- und Orientierungsverlusten“ zu rechnen.4

Auf die kulturellen Ursachen der Krise des Westens hatten auch der Historiker David Engels sowie der ehemalige Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz Hans-Georg Maaßen hingewiesen. Beide gehen von einem signifikanten Risiko aus, dass diese Krise die Dimensionen einer Zivilisationskrise annehmen könnte.

Der Politwissenschaftler Heinz Theisen hatte das Konzept der „Selbstbehauptung durch Selbstbegrenzung“ formuliert, um den oben beschriebenen Risiken zu begegnen. Der „kulturelle Universalismus und der politische Globalismus des Westens“ seien an ihr Ende gekommen“. Diese hätten sich als Utopien herausgestellt, welche die Bedeutung kultureller Unterschiede unterschätzt und die Macht des Westens überschätzt hätten. Anstelle gescheiterter Konzepte wie „Universalität, Globalität, Integration und Interkulturalität“ lauteten die künftigen strategischen Paradigmen „Abgrenzung, Zurückdrängung, Eindämmung und Koexistenz“.

Quellen

  1. Christopher Caldwell: „Why are we in Ukraine?“, Claremont Review of Books, Vol. XII, No. 3 (Summer 2022), S. 10-15.
  2. Jacek Bartosiak: „Der neue Weltkrieg hat schon begonnen“, Cicero.de, URL: https://www.cicero.de/aussenpolitik/globale-unsicherheit-der-neue-weltkrieg-hat-schon-begonnen, Zugriff: 26.08.2022.
  3. Herfried Münkler: „Die Welt steht vor einer Zeitenwende“, Neue Zürcher Zeitung, 02.03.2022, S. 32.
  4. Udo Di Fabio: Schwankender Westen. Wie sich ein Gesellschaftsmodell neu erfinden muss, München 2015, S. 49.

24 Kommentare

  1. CNN weist heute auf das „Resistance Operating Concept“ US-amerikanischer Spezialkräfte hin, mit dem die Ukraine ihre nationale Resilienz gegenüber dem russischen Angreifer enorm gesteigert habe:
    https://edition.cnn.com/2022/08/27/politics/russia-ukraine-resistance-warfare/index.html
    Hier wurde eine wirklich innovative und in der Praxis bestätigt wirksame Lösung auf dem Gebiet der Resilienz gefunden. Laut CNN hat man das Konzept in Polen und im Baltikum schon übernommen. Warum nicht auch in Deutschland?

  2. Obama hatte ja Europa „gebeten“, den Ukrainekonflikt zu lösen. Holande und Merkel sind mit ihrem Bleistiften noch gut in Erinnerung, als Garantiemächte wurden sie von vorneherein weder von der Ukraine geschweige denn Russland ernstgenommen. Statt also im heraufziehenden pazifisch-indischen Konflikt mit China als „neutraler lachender Dritter“ sich abseits zu halten und ggfs. die Dividende einzufahren (kein europäischer Staat hat da Interessen) sind wir „mittenmang“. Statt die Ukraine NATO-reif zu machen hätte man besser auf einer „jugoslawischen Lösung“ bestanden: Ethnische neu Grenzziehungen im Osten der Ukraine und ansonsten Anerkennung des Status-quo mit Russland. Statt NATO-Basen in Odessa zu unterhalten sitzen die Europäer bei der großen Neuordnung jetzt gar nicht mehr mit am Tisch.

  3. Das Böse muss bekämpft werden, wir können es uns nicht leisten einen Terrorstaat gewinnen zu lassen. Dafür wird der „Westen“ natürlich einen Preis zahlen müssen. Aber es gibt eben nichts umsonst, auch nicht die Freiheit.

    • Ich befürchte, dass sich die Bundesregierung für den gegenwärtigen Kurs entschieden hat, ohne die langfristigen Folgen zu bedenken. Wir stehen vor der größten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg, und falls die Energiepreise dauerhaft hoch bleiben werden, wird das Sozialmodell eines exportorientierten Industriestaates so nicht aufrechterhalten werden können. Deutschland wird für diesen Kurs einen sehr hohen Preis zahlen müssen. Zur Abschreckung Russlands hätte es statt dessen ausgereicht, die NATO zu stärken und die Bundeswehr zu reformieren.

    • „Terrorstaat“….? Haben denn die USA SCHON WIEDER ein Land angegriffen?? Unglaublich! Hatte ich gar nicht mitbekommen!

  4. Eine westliche Kultur, die das Eigene verachtet und verfallen lässt, welche die eigenen Leute mit Verachtung bedenkt und das Fremde überhöht, welche das Abnorme zum Normalen erklärt und die Perversion feiert, ist sich selbst der schlimmste Feind. All diese Spielformen des kulturellen Marxismus (Gender Studies, Critical Race Studies,Queer Studies… usw) haben sich seit den Neunzigern wie ein Tumor entwickelt und strahlen nun spürbar in alle Bereiche unserer Gesellschaft aus. Ein Westen,der die eigenen Denkmäler umwirft, auf die eigenen kulturellen Leistungen spuckt, seine eigenen großen Intellektuellen als Rassisten diffamiert, und dafür so etwas wie einen Queer-Beauftragten kennt – der hat seine eigenen Werte pervertiert. Meine Hoffnung ist, dass möglicherweise diese Krisenzeit als eine Art Chemotherapie, Elektrokonvulsionstherapie, als irgendeine Art heilsamer Schock zu wirken vermag. Vielleicht gilt es auch, schwer Erkranktes Gewebe herauszuschneiden,damit das Ganze gesunden kann. Unsere krankhaft zur obersten einzigen Tugend gewucherte Toleranz könnte so ein widerwärtiger Metastasenherd sein…

    • Besser kann man es nicht formulieren. Doch welcher „Chirurg“ wäre heute noch fähig, eine solche „Operation“ durchzuführen? – Die Europäer sind seit Jahrhunderten, man kann fast schon sagen Jahrtausenden, zerstritten und bekriegen sich einander bis heute. (Wenngleich nicht immer mit Kanonen.) Die großartige Idee der Europäischen Union ist verkommen zu einer Quelle neuer Mißgunst und unendlich chaotischem Bürokratismus. Wir hätten nun allemal, als freie und verbündete Völker Europas, zusammenstehen und Paroli bieten können. Notfalls auch mit Hilfe unserer Krieger und Waffensysteme. Stattdessen geißeln wir uns selbst und sind unfähig, würdevoll unsere Kultur und unsere Republiken, Fürstentümer und Königreiche zu verteidigen. Wie soll ich es bloß den Kindern erklären? …

  5. Danke für die nachträgliche Ergänzung des Hinweises auf die Gedanken Heinz Theisens. Auch wenn man die Sanktionspolitik und ihre schädlichen Auswirkungen für Deutschland kritisiert, darf man sich keine Illusionen über den Charakter des russischen Staates und die von ihm ausgehende Bedrohung für Europa machen. Es wäre naiv anzunehmen, dass Frieden in Europa dadurch gesichert werden kann, dass man sich passiv gegenüber dieser Bedrohung verhält.

    • „(…) darf man sich keine Illusionen über den Charakter des russischen Staates und die von ihm ausgehende Bedrohung für Europa machen.“

      Woher nehmen Sie das? Wo anders als in der abgrundtief verlogenen westlichen Propaganda wird von einer derartigen Bedrohung gsprochen; gibt es dazu SERIÖSE Einschätzungen…?

      • @Ralf Thomas
        Es ist der Auftrag bestimmter Stellen in der Bundeswehr und anderer Behörden, entsprechende Beurteilungen vorzunehmen. Diese Beurteilungen sind geheim, nicht jedoch die Methodik, mit der sie vorgenommen wird: Bedrohung wird dort als das Produkt von Absichten und Fähigkeiten definiert. Als eine der größten Militärmächte der Welt und als Atommacht verfügt Russland zweifellos über enorme militärische Fähigkeiten. Was die Absichten angeht, sollten aus meiner persönlichen Sicht die folgenden Faktoren berücksichtigt werden:
        – Die russische Regierung hat seit 2008 ohne dass eine Verteidigungssituation vorlag wiederholt Nachbarstaaten angegriffen, um dort Territorium zu annektieren.
        – Das Vorgehen wurde damit begründet, dass in den annektierten Gebieten ethnische Russen leben. Dies ist auch in Teilen des Baltikums der Fall. Somit muss prinzipiell davon ausgegangen werden, dass die russische Regierung auch dort militärisch aktiv werden könnte.
        – Relevante Stimmen in der politischen Führung Russlands und in deren Umfeld haben ihre Absicht erklärt, den Einflussbereich der ehemaligen Sowjetunion wieder herstellen zu wollen oder ein Eurasien „von Lissabon bis Wladiwostok“ unter russischer Führung anzustreben.
        – Die russische Führung hat die Lage in der Ukraine völlig falsch beurteilt und sich auf der Grundlage zur Invasion dort entschlossen. Daraus kann man folgern, dass die russische Regierung ggf. auch das Risiko eines Angriffs auf NATO-Staaten falsch beurteilt.
        Auch wenn die aktuelle russische Bedrohung Europas nicht der durch die Sowjetunion entspricht, so ergibt sich insgesamt doch eine relevante Bedrohung.
        Falsch wäre es m.E., vorhandene feindliche Absichten Russlands dadurch zu stärken, dass man nun im Gegenzug Russland bedroht. Man hat in der Zeit vor 1989 gute Erfahrungen darin gewonnen, wie man mit mit potenziellen Gegnern dieser Art umgeht: Entschlossene militärische Abschreckung bei gleichzeitigem Verzicht auf strukturelle Angriffsfähigkeiten und jegliches Handeln, das als Aggression wahrgenommen werden könnte oder die Bedrohungswahrnehmung der anderen Seite stärkt.

  6. Dass der Westen in schlechtem Zustand ist, ist seit langem klar. Dass, was man bis in die 80e mit dem Begriff bezeichnet hat, existiert eigentlich gar nicht mehr. Der Westen, das waren Ronald Reagan, Margaret Thatcher, Helmut Kohl, individuelle Freiheit, Rechtsstaat, Marktwirtschaft, Massenwohlstand und robuster Antikommunismus. Vielleicht waren auch noch Papst Johannes Paul II. und Alexander Solschenizyn westlich, was ihre Position im Großkonflikt der damaligen Zeit angeht. Heute ist das, was man „Westen“ nennt, das glatte Gegenteil: Wirtschaftsplanung im Namen der Klimaideologie, immer größere Umverteilung, Mangelwirtschaft, immer weiterreichende Forderungen nach Konformismus, Zerstörung aller vorstaatlichen Institutionen, Einebnung aller Unterschiede… Wer den „Westen“ verteidigen will, verteidigt etwas, was bereits tot ist.

    • Die US verteidigen die sogenannten westlichen Werte, die großen 3 K, diese heißen HEUTE Klima, Konsum und Kopulation. Der Niedergang einer Weltmacht und wieder wird Deutschland hineingezogen ,wie schon seit 1871, runtergezogen. Ich sage immer ‚ausgenommen wie eine Weihnachtsgans‘, (es geht seit Jahren so) und alle stimmen fröhlich zu. Verkommen und dekadent. Wer so handelt, der hat es nicht anders verdient. Unsere korrupten Politiker an allererster Stelle, DIENER (Habeck auf Twitter) der ‚scheinheiligen Supermacht‘ (Michael Lüders). Führen die US einen Wirtschaftskrieg gegen die EU? Und die Ukraine ist das Bauernopfer diesmal. Der dritte große Wirtschaftskrieg auf EUROPÄISCHEM Boden, natürlich NICHT auf US-Boden, so schlau sind sie dann doch. Da mag der böse, böse Putin ruhig als erster angegriffen haben, wichtig ist die Geschichte davor! Das gilt übrigens für alle Kriege und NICHT das Narrativ. Durch die ganzen US-Kriege fallen Millionen Migranten aus inkompatiblen Kulturen in Deutschland und der EU ein, Migranten, die uns schwächen. Der Hegemon aber kann sein Sterben verzögern. Es ist so einfach zu durchschauen, man befrachte nur Nord Stream 2. Warum schlafen noch so viele Menschen besonders in Deutschland? Es geht uns alle an.

  7. Ist es denn schade um diesen Wertewesten und seinen ideologischen Kolonialismus (Zitat Franziskus)? Nietzsche hatte wenigstens in einem Punkt recht: „was fällt, das soll man auch noch stoßen!“

    • Wer den Westen loswerden will, wird China und Russland bekommen. Der Konservative will das Eigene bewahren, auch wenn es unvollkommen ist.

  8. Der Artikel von Caldwell ist in sich widersprüchlich. Er kann sich nicht richtig entscheiden, ob er der US-Außenpolitik nun Moralismus oder zu gewagtes geopolitisches Kalkül vorwerfen will. Vielleicht ist ja nicht Moralismus die Ursache der Fehler der Amerikaner, sondern die Überschätzung der eigenen Macht. Was Caldwell als Moralismus wahrnimmt, ist dann nur die Art und Weise der Vermittlung einer auf falschen Annahmen beruhenden geopolitischen Agenda gegenüber der Öffentlichkeit.

  9. Bitte nicht vergessen, dass Russland die Ukraine angegriffen hat, ohne von dieser bedroht worden zu sein. Ein Erfolg Russlands oder eine wahrgenommene Schwäche des Westens würde das Risiko weiterer Angriffe nach sich ziehen, Stichwort Baltikum. Um dies abzuwenden, muss Russland in der Ukraine so deutlich scheitern und die Bereitschaft des Westens zur Abwehr solcher Angriffe so klar deutlich werden, dass weitere Angriffe abgeschreckt werden. Diskussionen darüber, Sanktionen aufzuheben oder die Unterstützung der Ukraine einzustellen, werden von Moskau als Zeichen der Schwäche interpretiert und führen eben nicht zu niedrigeren, sondern zu höheren Risiken. Münkler hat dazu letztens auch etwas geschrieben und angemerkt, dass man Verhandlungen nur aus einer Position der Stärke sinnvoll führen kann.

  10. Es droht erst einmal ein Abstieg Deutschlands, dessen Wirtschaft von Sanktionen und Energieknappheit viel härter getroffen wird als der Rest Europas. Die USA profitieren sogar von der Situation, weil z.B. ihr Bündnis stärker geworden ist (Beitritt Finnland/Schweden) und die Nachfrage nach amerikanischem LNG steigt. Schon 2014 hat Deutschland gegen massiven, von Merkel ignorierten Widerstand der Wirtschaft die Hauptlast der von den Amerikanern geforderten Sanktionen gegen Russland getragen.

  11. Der Aufstieg Asiens ist ein Megatrend, der durch den Ukraine-Krieg vielleicht beschleunigt, aber nicht verursacht wurde. Hier greift Caldwell zu kurz, auch wenn seine Annahme zu langfristigen Trends plausibel sind. Allerdings steht auch China wahrscheinlich vor einer größeren Finanzkrise, und es ist noch völlig offen, wie chinesischer Staat und Gesellschaft damit fertig werden. Vielleicht wird es in China noch chaotischer werden als im Westen. Niemand weiss das genau, weil China für westliche Beobachter sehr intransparent ist. Das Land steht aber möglicherweise vor einer Immobilienkrise, die zu einer Finanzkrise analog der amerikanischen von 2008 werden kann, globale Auswirkungen nicht ausgeschlossen.

  12. Caldwell vernachlässigt, dass es durchaus gute Gründe dafür gab, die NATO in Richtung Osten zu erweitern. Russland hat bereits 2008 damit begonnen, Krieg gegen Nachbarstaaten (konkret Georgien) zu führen, um dort Gebiete zu annektieren. Vor allem die Staaten Osteuropas, insbesondere die des Baltikums, müssen seitdem davon ausgehen, dass Russland eine militärische Bedrohung darstellt. Die Aufnahme dieser Staaten in die NATO und die Ausweitung des westlichen Einflusses in der Ukraine waren Entscheidungen frei gewählter Regierungen, die sich vor einer realen Bedrohung schützen wollten, ohne zugleich selbst Maßnahmen zu treffen, die eine Bedrohung für Russland darzustellen. Nirgendwo in Osteuropa verfügt die NATO über Fähigkeiten, die für einen Angriff auf Russland geeignet wären, und es gab bzw. gibt auch keine Pläne in diese Richtung.
    Auch China agiert bereits seit einiger Zeit außenpolitisch aggressiver, was mehr mit Veränderung in dessen Führung und deren kulturellen Selbstverständnis zu tun hat als mit einer Bedrohung durch die USA.
    Die russische Entscheidung zur Invasion in der Ukraine erfolgte übrigens nicht wegen eines amerikanischen Politikwechsels bzgl. der Ukraine, sondern weil die USA nach ihrem gescheiterten Rückzug aus Afghanistan als schwach wahrgenommen wurden. Ein entschlosseneres Auftreten der USA bzw. des Westens hätte eine russische Invasion vielleicht verhindern können.

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