Linksidentitäre Ideologien schwächen Europa im Kampf gegen den Islamismus

Leander Russ - Sturm der Türken auf die Löwelbastei (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Psychologe und Islamismusexperte Ahmad Mansour kritisiert vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Schriftsteller Salman Rushdie in der „Neuen Zürcher Zeitung“ den europäischen Umgang mit seinen islamistischen Feinden. Die linksidentitäre „Anti-Rassismus-Ideologie“ habe Europa geistig wehrlos gemacht. Ihre Anhänger seien „Komplizen“ des Islamismus. In Folge ihres Wirken sei Europa „müde geworden“, sich zu verteidigen.

Der Feind seien nicht nur islamistische Terroristen, sondern islamistische Akteure allgemein. Diesen gehe es darum, „dem europäischen Westen die eigenen Standards und Tabus aufzuzwingen“. Dazu verfolgten sie sowohl eine „weiche und eine harte“ Strategie. Die weiche Strategie bestehe darin, sich „als Demokraten und Antirassisten“ darzustellen, „um sodann jegliche Kritik am Islam als islamophob, rassistisch und intolerant zu diskreditieren“. Die harte Strategie wähle „schlicht den Weg der Einschüchterung und Gewalt“.

Die politische Linke hänge einer Ideologie an, „gemäss der nur die weissen, alten, europäischen Männer Täter sein können“. Sie sei daher blind gegenüber der islamistischen Bedrohung und solidarisiere sich zunehmend mit Islamisten, welche die erwähnte weiche Strategie verfolgen. Kritik an Islamisten werde von ihnen als „Ausdruck von antimuslimischem Rassismus, als rechtes Gedankengut“ verurteilt. Muslimische Kritiker islamistischer Akteure würden in diesem Zusammenhang auch „von den Grünen, von Linken und sogar von Sozialdemokraten“ unter Druck gesetzt. Auch Rushdie sei von der Linken mit „Argwohn betrachtet“ worden, weil er sich identitätspolitischen Diskursen verweigert habe.1

Hintergrund und Bewertung

Die linksidentitäre Ideologie des „Antirassismus“ (die von ihren amerikanischen Kritikern auch als „Critical Race Theory“ bezeichnet wird) geht auf neomarxistische Impulse zurück, die wir hier näher beschrieben hatten. Ihr Ziel ist nicht die Überwindung von Rassismus, sondern die Vertiefung ethnischer Bruchlinien und die Delegitimation gewachsener Gesellschaftsordnungen, um revolutionäre Bedingungen zu schaffen.

Die Islamismusexperten Lorenzo Vidino, Bernard Rougier, Hugo Micheron und Ralph Ghadban hatten dargelegt, warum islamistische Subversion und die Bildung von Gegengesellschaften eine wesentlich größere Bedrohung für Europa darstellen als islamistischer Terrorismus. Gilles Kepel, ebenfalls Islamismusexperte, hatte den Begriff des „Islamo-gauchisme“ zur Beschreibung des Komplexes aus islamistischen und linksidentitären Akteuren geprägt.

Mit den Gedanken Mansours zu diesem Thema hatten wir uns auch hier auseinandergesetzt. Andere Stimmen teilen Mansours Kritik, was die geistige Entwaffnung westlicher Gesellschaften durch linksidentitäre Ideologien angeht:

Das Zusammenwirken linksidentitärer und islamistischer Kräfte zeigt sich auch in der staatlichen Finanzierung von Islamisten aus den Mitteln von Ressorts, die von linksidentitären Akteuren kontrolliert werden. Das Konzept der wehrhaften Demokratie kann jedoch nicht funktionieren, wo deren Institutionen von ihren Gegnern unterwandert wurden. Die Wiederherstellung staatlicher Handlungsfähigkeit im Sinne des Gemeinwohls würde daher zunächst die innere Erneuerung der betroffenen Institutionen voraussetzen.

Quellen

  1. Ahmad Mansour: „Europa wird müde“, Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2022, S. 30.