Über die Unterwanderung von Institutionen durch die LGBT-Ideologie

Ambrogio Lorenzetti - Die Allegorie der schlechten Regierung (gemeinfrei)

In der Tageszeitung „Die Welt“ kritisiert eine Gruppe von Medizinern, Psychologen und anderen Wissenschaftlern am Beispiel des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Unterwanderung von Institutionen in Deutschland durch Anhänger der LGBT-Ideologie.

Vor allem Kinder würden in den Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „indoktriniert und – anstelle einer altersgerechten Sexualaufklärung – aufdringlich sexualisiert“:

  • In öffentlich-rechtlichen Medien werde zunehmend die “Falschaussage der Vielgeschlechtlichkeit “verbreitet, die „bestätigte wissenschaftliche Erkenntnis der Zweigeschlechtlichkeit infrage gestellt“ und „durchgängig die Tatsache geleugnet, dass es nur zwei Geschlechter gibt“.
  • Die entsprechenden Medienprodukte wiesen einen „ideologisierenden Zungenschlag“, beschäftigten sich mit abseitigen Themen wie „Drogen-Gruppenanalsex“ und verbreiteten „verstörende realitätsverzerrende Meinungsmache mit zweifelhaften Zahlen über eine angeblich hasserfüllte, LGBTQ-feindliche Gesellschaft“. Biologische Fakten blieben hingegen unberücksichtigt, und wissenschaftliche sowie journalistische Grundsätze würden ignoriert.
  • Es würden vor allem fragwürdigen Stimmen zu Wort kommen, die man als “Experten” vorstelle, während man auf kritische Nachfragen verzichte. Dadurch schaffe man ein “auf widerlegbaren Falschaussagen fußendes Zerrbild der Realität”, um Kinder und Jugendliche zu manipulieren.
  • Ein Schwerpunkt sei die Vermittlung der Transgender-Ideologie. Es gehe offensichtlich darum, den “Forderungen von Trans-Lobbygruppen Gehör zu verschaffen, denen zufolge man das biologische Geschlecht wechseln könne, indem man sich sozial schlicht als dieses Geschlecht “identifiziere”. Die Forderungen der Aktivisten würden “vollkommen unkritisch beworben”. Der “Einsatz von Pubertätsblockern, die Gabe gegengeschlechtlicher Hormone und die chirurgische Entfernung von Penis, Brust und Gebärmutter” werde als harmloser Eingriff dargestellt. Die damit verbundenen “psychischen und körperlich schweren und irreversiblen Folgen” solcher Maßnahmen würden “entweder überhaupt nicht geschildert oder bestenfalls nebenbei erwähnt”.

Es könne „nicht angehen, dass eine kleine Anzahl von Aktivisten mit ihrer ‚woken‘ Trans-Ideologie“ die Institutionen wie die Medien unterwandert, „Falschdarstellungen als vermeintlichen Stand der Wissenschaft verbreitet und das Leben von Kindern und Jugendlichen nachhaltig beschädigt“.

Dem Wirken der Ideologen müsse auf allen Ebenen entschlossen entgegengetreten werden. Die von ihnen verantwortete „bedrohliche Entwicklung“ müsse „in der Öffentlichkeit diskutiert und gestoppt werden“. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass die öffentlich-rechtlichen Medien wieder „sachangemessen, neutral, wahrheitsgemäß und mit Achtung der Würde aller Menschen“ berichten.1

Hintergrund und Bewertung

Die Autoren des Beitrags haben ein Dossier verfasst, in dem sie ihre Thesen ausführlich begründen.

Zu den Autoren gehört auch der Jugendpsychiater Alexander Korte, dessen Gedanken zum Problemkomplex Transgender-Aktivismus wir hier vorgestellt haben. Mit dem Thema Gender-Ideologie haben wir uns hier näher auseinandergesetzt.

Der “Lesben- und Schwulenverband Deutschland” warf dem Springer-Konzern als Reaktion auf den oben erwähnten Beitrag “transfeindliche Hetze” vor. Konzernchef Mathias Döpfner gab dem Druck umgehend nach, entschuldigte sich bei der “LGBTIAQ*-Community”, bezeichnete den Beitrag als “unterirdisch” sowie als “intolerant und ressentimentgeladen” und wünschte einen “schönen Pride Month”. Dies unterstreicht den Grad an Macht, über den die Akteure der Gender-Ideologie in Deutschland mittlerweile verfügen, sowie die Impotenz, die für das etablierte konservative Milieu in Deutschland seit langem charakteristisch ist. Wer aber unter Druck stets zurückweicht, ist untauglich dazu, Verantwortung für ein Gemeinwesen oder für eine Institution zu übernehmen.

Der Kampf um die Seele eines Gemeinwesens stellt in erster Linie einen Kampf um dessen Institutionen dar. Diese müssen wirklichkeitsgerecht, d. h. auch auf Grundlage eines realistischen Menschenbildes gestaltet werden, um dem Gemeinwohl dienen zu können. Wie der Kampf um die Definition von Ehe und Familie und aktuell der Kampf um die Auflösung des naturwissenschaftlich fundierten christlichen Geschlechterbildes zeigt, befinden sich die Anhänger utopischer Ideologien in diesem Kampf in der Offensive und agieren in ihm mit zunehmender Radikalität. Dieser Kampf hat auch die Kirche erfasst, in der Aktivisten gegenwärtig im Rahmen des “Synodalen Weges” das christliche Menschenbild durch ein postmodernes ersetzen wollen.

Das Vorgehen solcher Aktivisten unterstreicht das agonale Wesen des Politischen. Grundsätzliche weltanschauliche Konflikte stellen ein Nullsummenspiel dar, weshalb sie nicht im Dialog gelöst oder durch Kompromisse beigelegt werden können. Wo die Anhänger radikaler utopischer Ideologien an Raum und Einfluss gewinnen, setzen sie ihre Macht kompromisslos zur Durchsetzung ihrer Ideologie ein. Andere Positionen werden dabei nicht toleriert, und ihre Vertreter werden auch auf persönlicher Ebene bekämpft. Eine Erneuerung von Institutionen setzt daher die Entfernung der Anhänger radikaler Ideologien aus Einflusspositionen und ihre Ersetzung durch die Träger realistischer, gemeinwohlorientierter Ideen voraus. Wo dies nicht möglich ist, müssen neue, bessere Institutionen aufgebaut werden, die dazu in der Lage sind, sich im Wettbewerb mit den unterwanderten Institutionen durchzusetzen.

Der Kampf um Institutionen ist somit im Wesentlichen auch ein Kampf um Macht, in dem es nicht ausreicht, über die besseren Ideen zu verfügen. Wer die soziale Wirklichkeit im Sinne dieser Ideen gestalten will, braucht nicht nur personelle, finanzielle und organisatorische Ressourcen, sondern vor allem auch Konfliktfähigkeit bzw. den Willen zur Konfrontation und die Bereitschaft, die mit ihr verbundenen Risiken zu tragen. Ein Konservatismus, der in erster Linie nach Akzeptanz seitens jener Akteure strebt, die heute zentrale gesellschaftliche Institutionen kontrollieren, ist dazu nicht fähig.

Ein Beispiel dafür, wie dieser Kampf erfolgreich geführt werden kann, sind erfolgreiche aktuelle Kampagnen gegen die Verbreitung der neomarxistischen “Critical Race Theory” sowie gegen die LGBT-Ideologie an Schulen in den USA. In einigen Bundesstaaten gelang es bereits, diese entsprechende Indoktrination von Schülern durch Gesetze zu unterbinden. Ein Beispiel aus der abendländischen Tradition ist die vom Kloster Cluny ausgehende Reformbewegung im Mittelalter, die zunächst eine handlungsfähige Gegenelite schuf, die dann gegen korrumpierte Strukturen innerhalb der Kirche vorging und anschließend politische Macht erlangte, wodurch sie die Gesellschaften Europas für viele Jahrhunderte prägte. (sw)

Quellen

  1. Rieke Hümpel/Uwe Steinhoff/Antje Galuschka/Alexander Korte/Marie Vollbrecht: “Bei ARD und ZDF dürfen alle Kinder ‘trans’ sein”, Die Welt, 02.06.2022, S. 7.