In eigener Sache: Portrait im Deutschlandfunk

Jean de Vaudetar übergibt König Charles V. von Frankreich ein Buch - Darstellung aus einem Manuskript des 14. Jhd.

Der Deutschlandfunk widmete dem Institut gestern ein ausführliches kritisches Portrait, welches den “geisteswissenschaftlichen und theologischen Anspruch” unseres Vorhabens hervorhebt, das als ein “kleiner Kreis” von Denkern und als “einflussreicher”, international vernetzter christlich-konservativer Think Tank vorgestellt wird.

Im Portrait kommen vor allem Kritiker zu Wort, die das klassische naturrechtliche Denken ablehnen, das der Arbeit des Instituts zugrunde liegt, und die es daher auch ablehnen, naturrechtlich fundierte “gesellschaftliche Ordnungen aufrechtzuerhalten, zu stabilisieren”, wie die Theologin Sonja Angelika Strube eines der Ziele unserer Arbeit richtig benennt. Strube kritisiert zudem den aus ihrer Sicht zu positiven Bezug des Instituts auf die Gedankenwelt der europäischen Antike und des Mittelalters sowie den “Antikommunismus”, der die Texte des Instituts präge.

Der Politikwissenschaftler Henning Flad kritisiert, dass unsere Texte aus seiner Sicht aufgrund ihrer Fokussierung auf negative Lageentwicklungen und Phänomene zu wenig “Trost” spendeten. Flad würdigt zugleich, dass das Institut “seriöse, gute, lesenswerte, wirklich uneingeschränkt empfehlbare” Werke und Impulse aufgreife.

Die vorgebrachte Kritik trägt zur Klärung der gegensätzlichen Positionen bei, stellt aber im Grunde nicht mehr dar als eine Beschreibung der Inhalte unserer Arbeit, weshalb sie die Debatte nicht wesentlich weiterbringt. Es trifft zu, dass das Institut zur Bewahrung naturrechtlich fundierter Ordnungen beitragen will. Unsere Arbeit soll nicht Trost spenden, sondern unter anderem auf Bedrohungen für diese Ordnungen hinweisen und aufzeigen, wie deren kulturelle Grundlagen erneuert werden könnten.

Eine fundierte Kritik müsste über ihren Beitrag zur Klärung der gegensätzlichen Positionen hinaus aber die Fragen beantworten, warum naturrechtliche Ordnungen überhaupt beseitigt werden sollten, und inwiefern die Ordnungen, die sie ersetzen sollen, dem Gemeinwohl besser dienen könnten. Wer etwa die naturrechtliche Vorstellung der Berufung des Mannes als Verteidiger des Gemeinwesens ablehnt, müsste beispielsweise vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieg erklären, wie ein Gemeinwesen auf einer anderen geistigen Grundlage besser verteidigt werden könnte.

Belastbare Antworten auf diese konkreten Fragen haben die Kritiker des naturrechtlichen Denkens bislang jedoch nicht vorgelegt und auch keine praxistauglichen Alternativen dazu formuliert. Es fällt im Übrigen auf, dass der Großteil der Kritik am naturrechtlichen Denken von Personen stammt, die noch nie an gefährdeter Stelle konkrete Verantwortung in einem Gemeinwesen übernommen haben und dabei Entscheidungen zu treffen hatten, die sich in der Praxis bewähren mussten. Dies mag eine der Ursachen für den utopischen Charakter dieser Kritik sein. Den ernsten Fragen, um die es hier geht, sollte man sich jedoch auf einer verantwortungsethischen Grundlage nähern, da von den Antworten das Schicksal ganzer Gemeinwesen abhängen kann.

Die von der über keine Erfahrung in der sicherheitspolitischen oder militärischen Praxis verfügende Politikwissenschaftlerin Kristina Lunz als Alternative zu naturrechtlich fundierten Konzepten formulierte feministische Sicherheitspolitik hätte beispielsweise im Fall ihrer Umsetzung den ukrainischen Staat wehrlos gemacht und zu dessen raschen Zusammenbruch geführt. Dieser Staat hat den Angriff einer militärisch weit überlegenen Macht bislang nur deshalb überlebt, weil die ihn tragende Kultur und Gesellschaft von einer geistigen Substanz geprägt sind, welche die feministische Kritik als “patriarchal” ablehnt und auflösen will. Wenn man in der Praxis Verantwortung übernehmen und Schaden vom Gemeinwesen abwenden will, dann besteht eine wesentliche Folgerung aus dem Geschehen in der Ukraine darin, diese Substanz auch in Deutschland zu bewahren und zu stärken, anstatt sie weiter aufzulösen. (sw)