Peter Eisenberg: Über die Zerstörung der deutschen Sprache

Hubert Robert - Ruinen eines dorischen Tempels (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Linguist Peter Eisenberg lehrte zuletzt an der Universität Potsdam. In einem jetzt in der Tageszeitung „Die Welt“ erschienenen Aufsatz kritisiert er den von Gender-Ideologen betriebenen „Sprachkampf“, der die Standardsprache zunehmend zerstöre. Dieser Kampf werde scheitern, weil er auf falschen Annahmen beruhe. Es zeichne sich aber ab, dass er eine „Spur der Verwüstung“ in der Sprache hinterlassen werde.1

Die optimistische Annahme, dass die laufenden Versuche zum Umbau der deutschen Sprache „sich totlaufen und von allein verschwinden“, weil sie „einfach zu hässlich, dysfunktional, diskriminierend und regelwidrig“ seien, teile er nicht mehr. Der Grund dafür sei die Schaffung eines immer mächtigeren Apparats, der Argumenten kaum zugänglich sei und schon aus institutionellen Interessen nicht auf eine „gemeinsame Linie des Bekenntnisses zum Deutschen, wie es historisch gewachsen ist, zu bringen“ sei.

Die Einheitlichkeit der Standardsprache ermögliche „Diversität und Vielfalt innerhalb der Gesamtsprache“, weil durch sie sichergestellt sei, dass alle Menschen durch Rückgriff auf den Standard miteinander kommunizieren könnten. Ein solcher Standard ermögliche auch die Integration von Migranten. Er könne „nicht gesetzt, sondern nur ermittelt werden“, und unterliege ständiger Veränderung. Die „Sprache gehöre den Sprechern und niemandem sonst“.

Das Wirken dieses Apparats zerstöre systemisch die Standardsprache:

  • Dieser Standard gehe verloren, „wenn die Einheitlichkeit verloren geht“. Der „Standard des Deutschen“ sei aktuell „in Gefahr, weil zu viele Genderwillige ihn verachten und bekämpfen“.
  • Genderaktivisten würden dabei vor allem die Tatsache leugnen, dass bestimmte Wörter generische Eigenschaften haben und sich nicht auf das Geschlecht von Menschen beziehen, auch wenn sie eine maskuline Form haben. Ohne solche Wörter „könnten wir gar nicht effektiv über die Welt reden“. Ihre Funktion sei „viel elementarer, als der gegenwärtige Diskurs sichtbar machen kann“.
  • Die „unendlich wiederholt vorgetragene Behauptung, jede generische Bedeutung sei eben doch sexusgebunden und Frauen oder Transpersonen seien ‚mitgemeint‘, ist und bleibt unzutreffend“ und „verfälscht die Genderdebatte derart, dass ein rationaler Diskurs kaum mehr möglich ist“.

Das generische Maskulinum sei „uralt und sehr tief im Sprachsystem verankert, auch wenn das Genderwilligen nicht gefällt“. Es sei „so tief verankert, dass man es aus Sprachen wie dem Deutschen keinesfalls wird eliminieren können“. Entsprechende Versuche müssten scheitern, dabei aber „eine Spur der Verwüstung im geschriebenen Standard hinterlassen“.

Hintergrund und Bewertung

Die allgemeinen Gedanken Eisenbergs zur Genderlinguistik hatten wir hier vorgestellt. Alle Beiträge, in denen wir uns mit der kulturellen Bedeutung der Sprache und aktivistischen Anstrengungen zu ihrer Umgestaltung auseinandersetzen, können hier abgerufen werden.

Sprache ist eine der Grundlagen der Kultur. Sie stiftet über die Generationen hinweg Gemeinschaft und ermöglicht die Weitergabe des geistigen und kulturellen Erbes sowie die Pflege des Wahren, Guten und Schönen in einer Kultur. Hochwertige Gedanken und Konzepte können nur in einer hochentwickelten Sprache ausgedrückt werden. Wo die Sprache verfällt, bricht eine der Voraussetzungen höherer Kultur weg, weil Sprache Wirklichkeit vermitteln soll. Durch die Zerstörung der Sprache wird sowohl der Zugang des Menschen zur Wirklichkeit beeinträchtigt als auch seine Fähigkeit, diese zu erkennen und darüber zu sprechen, also Wahrheit mitzuteilen. Die Korrumpierung der Sprache führt ab einem gewissen Grad dazu, dass unabhängig von der Absicht des Sprechers nur noch Unwahrheiten bzw. Lügen mitgeteilt werden können.2

 

Quellen

  1. Peter Eisenberg: „Die Zerstörung des Deutschen“, Die Welt, 12.08.2021, S. 21.
  2. Josef Pieper: „Mißbrauch der Sprache, Mißbrauch der Macht“, in: Ders.: Kulturphilosophische Schriften (Werkausgabe Band 6), Hamburg 2008, S. 132-151, hier: S. 137.