Neue Publikation: Der Männerbund – Träger und Bewahrer des Gemeinwesens

Gralsritter - Darstellung in einem französischen Gralsroman des 14. Jhd. (gemeinfrei)

In der Reihe „Renovatio-Impulse“ ist eine neue Publikation erschienen, die sich mit männerbündischen Institutionen und ihrer Rolle im Gemeinwesen auseinandersetzt. Das Dokument kann hier abgerufen werden. Es behandelt freiwillige Zusammenschlüsse von Männern, die gemeinsam höheren Zielen dienen wollen, etwa dem Schutz des Gemeinwesens vor Bedrohungen oder der Bewahrung und Erneuerung seiner Kultur in Zeiten, in denen ihr Bestand herausgefordert wird. Die Resilienz eines Gemeinwesens hängt in Krisenzeiten entscheidend davon ab, dass es über leistungsfähige männerbündische Institutionen verfügt. Wie alle kulturtragenden Institutionen sind jedoch auch Männerbünde gegenwärtig verstärkt Delegitimationsversuchen ausgesetzt:

  • Wenige Tage nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr im Sommer 2021, bei der eine dreistellige Zahl von Menschen starb, feierten so viele LGBT-Aktivisten wie noch nie in Berlin den „Christopher Street Day“, wobei sie Schilder mit Botschaften wie „Zur Hölle mit dem Patriarchat“ zeigten. Die Angehörigen männerbündischer Organisationen wie der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk und der Bundeswehr, denen diese Botschaft zumindest indirekt auch galt, waren zu diesem Zeitpunkt noch mit Rettungs- und Bergungsarbeiten beschäftigt, wobei einige von ihnen ihr Leben ließen.
  • 2021 wurde das Spezialeinsatzkommando der Frankfurter Polizei aufgelöst. Mitglieder einer Expertenkommission äußerten sich in diesem Zusammenhang besorgt über die im Kommando aus ihrer Sicht vorherrschende Kultur von „elitären Männerbünden, die auf Kampf ausgerichtet sind“. Als besonders befremdlich wurden der ausgeprägte Korpsgeist, der „Männlichkeitskult“ und das Elitebewusstsein der Einheit wahrgenommen.
  • Das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr ist seit Langem Ziel einer Kampagne von Aktivisten, die sich unter anderem daran stören, dass ein ehemaliger Kommandeur des Verbandes diesen ausdrücklich als „Männerbund“ bezeichnet hatte. In öffentlich-rechtlichen Medien wurde in diesem Zusammenhang das Vorhandensein von „toxischer Männlichkeit“ in einer „Bundeswehr der Männerbünde“ vermutet. Zeitweise stand die Existenz des gesamten Kommandos auch aufgrund dieses Vorwurfs in Frage.

Diese Vorfälle illustrieren, dass solche Institutionen trotz des von ihnen geleisteten unverzichtbaren Dienstes aus der Sicht eines großen Teils der öffentlichen Meinung ein kulturelles Auslaufmodell darzustellen scheinen. Die Sorge um den Schutz und den dauerhaften Bestand eines Gemeinwesens oder einer Kultur, die traditionell das Anliegen von Männerbünden darstellt, wird von immer weniger Menschen geteilt, insbesondere in Politik, Medien, dem Bildungswesen und den Kirchen.

Dort, wo solche Institutionen noch existieren, wird im Zuge dieser kulturellen Entwicklung verbreitet gefordert, dass sie „aufgebrochen“ oder zumindest „geöffnet“ und dadurch aufgelöst werden müssten, um eine egalitärere Gesellschaft zu schaffen, die man sich als eine gerechtere Gesellschaft vorstellt. Dabei gerät außer Acht, dass die Institutionen, auf denen ein Gemeinwesen beruht, im Sinne des Gemeinwohls in erster Linie auf ihre Leistungsfähigkeit hin optimiert werden müssen und nicht darauf, Geschlechterverhältnisse paritätisch abzubilden.

Der Blick in die Geschichte zeigt darüber hinaus, dass männerbündische Institutionen nahezu universell verbreitet sind und vor allem dort eine tragende gesellschaftliche Rolle einnehmen, wo ein Gemeinwesen existenziellen Risiken ausgesetzt ist oder seine Ziele gegen große Widerstände erreichen muss. Männerbünde werden, was ihre Bedeutung für die Kontinuität eines Gemeinwesens und seiner Kultur angeht, nur von der Institution der Familie übertroffen. Solche Bünde gehören zu den vorstaatlichen Voraussetzungen des Gemeinwesens und zu den Akteuren, aus denen heraus sich eine Kultur und die Institutionen eines Gemeinwesens immer wieder regenerieren können.

Außerdem hängt die Resilienz eines Gemeinwesens im Krisenfall wesentlich davon ab, dass es über intakte männerbündische Institutionen verfügt, etwa über leistungsfähige Sicherheitskräfte. Da kein Grund dazu besteht anzunehmen, dass die gegenwärtige, historisch betrachtet bereits ungewöhnlich lange andauernde Periode des Friedens und der relativen Stabilität in Europa von unbegrenzter Dauer sein wird, wäre es kurzsichtig, solche Institutionen grundsätzlich für überholt zu halten. Die oben erwähnte Katastrophe an der Ahr unterstreicht dies. Die auf egalitären Ideologien beruhenden Gegenmodelle zum Männerbund haben ihre Ernstfalltauglichkeit bislang noch nicht in der Praxis bewiesen und erweckten auch während dieser Katastrophe nicht den Eindruck, dass sie jemals dazu bereit oder in der Lage sein werden.

Ein weiterer Grund für die Ablehnung männerbündischer Institutionen besteht darin, dass es auch extremistische, totalitäre und kriminelle Männerbünde gab und gibt. Es stellt jedoch keine angemessene Antwort auf den Missbrauch eines Konzepts dar, die Definition des Konzepts ausgerechnet jenen zu überlassen, die es missbrauchen. Eine dem Gemeinwohl dienende Form der Bewältigung von gesellschaftlichen und kulturellen Fehlentwicklungen muss nach Erneuerung grundlegend wichtiger Institutionen streben und nicht nach deren Auflösung. Wenn eine für das Gemeinwesen so wichtige Institution wie der Männerbund missbrauchbar oder korrumpierbar ist, dann folgt daraus die Notwendigkeit, sich umso intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, wie diese Institution gut gestaltet werden kann. Wer diese Auseinandersetzung verweigert und sich auf die bloße Verneinung der Institution beschränkt, trägt dazu bei, dass sie von Extremisten oder Akteuren der Organisierten Kriminalität missbraucht werden kann.

Angesichts der oben beschriebenen Entwicklungen droht das kulturelle Wissen über die Schaffung und Aufrechterhaltung guter männerbündischer Institutionen verlorenzugehen. Der vorliegende Text soll daher das Idealbild dieser Institutionen aus einer christlich-abendländischen Perspektive heraus beschreiben und ihre geistigen Grundlagen erschließen um dazu beizutragen, dass dieses Wissen verfügbar ist, wenn jene, die unter den Bedingungen möglicher künftiger Krisen Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen wollen, es benötigen.

Die Autoren wollen dadurch im Sinne angewandter Forschung Traditionsarbeit leisten, also unter schwierigen Bedingungen Geprüftes und Bewährtes, aber auch Schwächen und Verwundbarkeiten dieser Institution identifizieren, um Impulse für ihre Erneuerung und Stärkung zu gewinnen. (FG1)