Quinn Slobodian: Über den Begriff des Globalismus

Adolphe Yvon - Julius Caesar erobert Gallien (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Historiker Quinn Slobodian lehrt am Wellesley College in den USA. Er ist vor allem durch ein 2018 erschienenes Werk bekannt geworden, in dem er sich mit der Geschichte der Ideologie des Globalismus auseinandergesetzt hatte. In einem heute in der Tageszeitung „Die Welt“ erschienenen Beitrag nimmt zu den Kontroversen Stellung, welche die Verwendung des Globalismus-Begriffes in Deutschland zuletzt ausgelöst hatte.1

  • Es sei „total schwach“, dass in Deutschland der Versuch unternommen werde, Personen wegen ihrer Verwendung des Begriffes „Globalismus“ zu diskreditieren. Ein „Gespräch, das sich darum dreht, Wortverwendungen ohne Kontext als Anklage oder Verteidigung zu benutzen“, sei „kein wirkliches Gespräch“, sondern nur eine „Echokammer bereits existierender politischer Positionen […], in denen sich jeder immer tiefer verschanzt“.
  • Der Begriff des Globalismus werde in den USA seit den 1930er Jahren verwendet, um außenpolitische Positionen zu beschreiben und etwa die Frage zu diskutieren, ob die USA „eine Art Weltpolizei sein“ oder sich an der Monroe-Doktrin orientieren und auf globale militärische Interventionen verzichten sollten. Er selbst verwende den Begriff zu Beschreibung der von einigen Neoliberalen vertretenen Vision, welche die Welt als einen einheitlichen Wirtschaftsraum versteht, der von globalen Institutionen verwaltet werden solle.
  • Der Begriff habe zuletzt an Bedeutung gewonnen, weil konservative Stimmen aktuell versuchten, Sozialkonservatismus mit Marktliberalismus zu verbinden und in diesem Zusammenhang globalistische Positionen kritisieren würden. Dieser Konservatismus stelle eine „abtrünnige Position“ innerhalb des Neoliberalismus dar, weil er ansonsten an liberalen Vorstellungen im Bereich Wirtschaftspolitik festhalte.

Es sei notwendig, über „den globalistischen Flügel der neoliberalen Bewegung“ zu diskutieren, „der an die Notwendigkeit einer supranationalen Regierung glaubt“. Man müsse sich aber ebenso kritisch mit jenem Konservatismus auseinandersetzen, der aus der Ablehnung des Globalismus heraus die europäische Integration ablehne oder zum Nationalismus zurückkehre.

Hintergrund

Alle hier erschienenen früheren Beiträge, die sich mit dem Thema Globalismus auseinandersetzen, können hier abgerufen werden. (FG2)

Quellen

  1. Mladen Gladic: „‚Wenn Maaßen über Ideen diskutieren will, dann gerne'“, Die Welt, 07.06.2021, S. 22.