Der Anschlag von Würzburg: Analyse

Arnold Böcklin - Die Toteninsel (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der somalische Staatsangehörige Abdirahman Jibril A. tötete am 25. Juni in Würzburg drei Frauen mit einem Messer und verletzte sechs weitere Meschen schwer. Den vorliegenden Informationen zufolge handelte es sich bei seiner Tat um einen islamistischen Terroranschlag. Der Vorfall unterstreicht das anhaltend hohe Maß der Bedrohung durch islamistischen Terrorismus in Deutschland und ist ein Beispiel für eine Form von Militanz, die sich auf islamistische Narrative stützt, aber nicht primär religiös motiviert ist.

Hinweise auf einen islamistischen Tathintergrund

Das Bayerische Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft München halten  einen islamistischen Tathintergrund für naheliegend. Dafür sprechen die folgenden Informationen:

Der Täter sei bereits zuvor u. a. durch Gewaltdelikte auffällig geworden, weshalb er vorübergehend psychiatrisch behandelt wurde. Dies steht allerdings nicht im Widerspruch zu einem islamistischen Hintergrund der Tat, da viele terroristische Einzeltäter psychisch auffällig sind:

Islamistischer Terrorismus in westlichen Gesellschaften stützte sich laut Mansour in der jüngeren Vergangenheit verstärkt auf psychisch instabile Einzelpersonen, die nicht in direkter Verbindung zu einer islamistischen Organisation standen. Erfolgreiche Anschläge wirkten als Vorbilder, die andere Täter zur Nachahmung motivierten.

Nichtreligiöse Tatmotive bei Vorfällen mit Islamismusbezug

Wenn islamistische Akteure versuchen, durch ihr Handeln eine islamische Gesellschaftsordnung durchzusetzen, liegen religiöse Motive vor. Die Tat von Würzburg steht jedoch mutmaßlich im Kontext einer Form von islambezogener Militanz, bei der die Täter ihre Aktionen mit islamistischen Narrativen und auf der Grundlage bestimmter, auch durch den Islam geprägter kultureller Muster begründen, ohne jedoch primär aus religiösen Motiven zu handeln. Dieses Phänomen ist nicht auf terroristische Vorfälle beschränkt, sondern war auch während der Unruhen in Stuttgart im vergangenen Jahr zu beobachten, als einige der Täter islamistische Parolen riefen.

Islamistische Narrative stellen der beschrieben Gruppe in Aussicht, dass sie ihre Ehre und Selbstachtung durch Gewalt gegen europäische Gesellschaften sowie deren Repräsentanten und Symbole wieder herstellen kann. Dieser Faktor spielt auch bei islambezogener sexueller Gewalt in Europa eine Rolle und erklärt möglicherweise, warum der Täter von Würzburg gezielt Frauen angriff. Die kulturspezifische Ehrwahrnehmung der Täter erfährt durch Gewalt gegen Frauen in ihrer Rolle als Symbol für die Ehre anderer Gruppen offenbar eine besonders deutliche Stärkung.

Bewertung

Staat und Gesellschaft in Deutschland weigern sich weiterhin, das Ausmaß der durch die Verbindung von ausbleibender Integration und islamistischer Ideologie entstehende Bedrohung für die öffentliche Sicherheit angemessen anzuerkennen. Die Bundesregierung etwa blendete den islamistischen Bezug der Tat von Würzburg zunächst vollständig aus und sprach entgegen der vorliegenden Erkenntnisse von einem gegen „jede Religion“ gerichteten Anschlag.

Es gibt außerdem Stimmen, etwa in Politik, Medien und Kirchen, für die eine mögliche politische Diskussion über Folgerungen aus dem Anschlag ein größeres Problem darzustellen scheint als der Anschlag selbst:

  • Würzburgs Oberbürgermeister kritisierte in seiner Trauerrede vor allem die Bürger seiner Stadt, die er vor „Schubladendenken“ warnte. Er habe „geweint“, weil diese potenziell einen Zusammenhang zwischen irregulärer Migration und Terrorismus herstellen könnten.
  • Ein katholischer Pfarrer sah nach dem Anschlag das friedliche Zusammenleben in der Stadt vor allem durch mögliche Diskriminierung seitens der Bürger Würzburgs sowie durch politische Debatten bedroht. Es bestehe aus seiner Sicht die Gefahr, dass die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung in Frage gestellt werde. Die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus erwähnte er hingegen nicht.

Diese Art der Reaktion scheint nicht vom Streben nach Abwehr von Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit motiviert zu sein, sondern von ideologischen und parteipolitischen Erwägungen, die über das Gemeinwohl gestellt werden. Keiner dieser Akteure scheint bereit dazu zu sein, für den Schutz der Menschen gegen diese Bedrohungen einzustehen oder diese auch nur zur Kenntnis nehmen zu wollen.

Der Publizist Deniz Yücel, der seit seiner Inhaftierung in der Türkei seine frühere zynische Sicht auf Deutschland weitgehend abgelegt hat, warf der Bundesregierung und weiten Teile von Opposition und Medien daher eine „Strategie der Vernebelung, Entpolitisierung und Verdrängung“ vor. Das Motiv dafür sei, dass „nicht sein soll, was nicht sein darf, weil alles andere unangenehme Fragen nach sich ziehen könnte: an die deutsche Flüchtlingspolitik“ und „an eine Auffassung, die jeden Flüchtling per se zum schützenswerten Opfer verklärt“. Versuche dazu, die offensichtlich islamistischen Beweggründe des Täters auszublenden, stellten „eine intellektuelle Bankrotterklärung“ dar.

Da die Zahl der aus den oben genannten Gründen nicht integrierbaren jungen muslimischen Männer in Deutschland zunimmt, wird diese Einstellung dazu beitragen, dass die zur Abwehr der damit verbundenen Bedrohungen erforderlichen Maßnahmen, d. h. die Unterbindung der irregulären Migration von Risikogruppen nach Deutschland sowie Rückführungen im Fall von Integrationsverweigerung, unterbleiben werden. Der ehemalige BND-Präsident Gerhard Schindler warnte, dass die Zahl der entsprechenden Vorfälle wahrscheinlich zunehmen wird, da es in der genannten Gruppe „ein großes Potenzial für Frust, für Radikalisierung, für Rekrutierung, für Gewalt“ gebe.

Dies betrifft nicht nur den Bereich Terrorismus, sondern z. B. auch den Bereich Kriminalität, wo irreguläre Migranten nach Angaben des Bundeskriminalamts vor allem bei Gewaltdelikten unter den Tatverdächtigen stark überrepräsentiert sind und muslimische Täter gegen Nichtmuslime gerichtete Straftaten zum Teil mit Bezügen auf islamistische Ideologie legitimieren. Bereits vor einigen Jahren beobachteten Experten bei vielen muslimischen Straftätern einen „religiösen Überlegenheitswahn“. Auch die seit 2020 verstärkt in deutschen Städten auftretenden Unruhen, an denen häufig muslimische Jugendliche maßgeblich beteiligt sind, könnten künftig stärker mit islamistischen Bezügen verbunden werden. Der verbreitete Unwille, diese Probleme zu benennen und ihnen wirksam zu begegnen, wird zudem radikale politische Akteure weiter stärken. (sw)

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 01.07.2021 mit neuen Informationen aktualisiert.