Analyse: Linksradikale Tendenzen in der Umweltbewegung

Darstellung der Erde aus dem Liber Divinorum Operum, 12. Jhd. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Schutz der natürlichen Umwelt und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen sind wesentliche Voraussetzungen für die Resilienz eines Gemeinwesens. In Teilen der Umweltbewegung sind jedoch linksradikale und stellenweise sogar linksextreme Tendenzen zu beobachten, denen es primär um die Delegitimierung freiheitlicher Gesellschaftsordnungen und die Mobilisierung von Menschen für revolutionäre Anliegen geht. Indem diese Strömungen die Auflösung der kulturellen Lebensgrundlagen von Gesellschaften fördern, handeln sie zudem im Widerspruch zu den Zielen einer authentischen ganzheitlichen Ökologie.

Verwundbarkeit der Umweltbewegung für linksradikale und linksextreme Einflussnahme

Bei den häufig sehr jungen Aktivisten1 dürften in den wenigsten Fällen gefestigte linksradikale oder extremistische Weltbilder vorhanden sein. Die Masse der Aktivisten kann die weltanschaulichen Hintergründe der entsprechenden Positionierungen und deren Implikationen vermutlich nicht angemessen überblicken oder einordnen:

Nicht extremistische Einstellungen, sondern Überforderung mit komplexen Themen und mangelnde Urteilsfähigkeit stellen die wahrscheinlichen Ursachen vieler solcher Vorfälle dar. Die damit verbundene politische Naivität wird von linksradikalen und linksextremen Aktivisten ausgenutzt. Die wichtige Motiven der meisten jugendlichen Klimaaktivisten dürften das Bedürfnis nach Anerkennung und die Suche nach Gemeinschaft sein. Durch die Wiedergabe bestimmter Ideologeme erweist man die Zugehörigkeit zu einer durch die Ideologie bestimmten Gemeinschaft und gewinnt in den Augen ihrer Anhänger an moralischem Status, weshalb viele diese Ideologeme unkritisch übernehmen. Für diese Art der Mobilisierung bzw. der Instrumentalisierung sind Jugendliche, deren Identitätsbildung noch nicht abgeschlossen ist, in besonderem Maße verwundbar.

Die angesprochene politische Naivität findet sich auch bei vielen Eltern aus der oberen Mittelschicht, die den Aktivismus ihrer Kinder unterstützen. Von Naivität ist auch der Umgang der Kirchen nicht nur mit dieser Art von Aktivismus geprägt.

Linksradikale Positionierungen und Ideologeme in der Klimaschutzbewegung

Die entsprechenden Tendenzen waren in Europa erstmals in den 1970er Jahren zu beobachten, als neomarxistische Aktivisten in der bis dahin konservativ geprägten Umweltbewegung an Einfluss gewannen. Diese Aktivisten nutzten das steigende Interesse an Umweltfragen, um auf diesem Weg Ziele wie die Abschaffung des „Kapitalismus“ bzw. freiheitlicher Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen und die Zerstörung der tradierten Kulturen Europas zu propagieren. Dazu behaupteten sie, dass diese die eigentliche Ursache ökologischer Herausforderungen darstellten und bekämpft werden müssten. Diese Aktivitäten wurden später von Linksautonomen flankiert, die auf der Grundlage anarchistischer Ideologie „Herrschaft“ für Umweltprobleme verantwortlich machen, wobei sie meist die freiheitliche demokratische Grundordnung meinen.

Gegenwärtig beziehen sich einige der wichtigsten Vertreter der Klimaschutzbewegung in Europa vor allem auf neomarxistische, aber auch linksautonome Ideologien:

  • Stuart S., einer der Gründer der „Extinction-Rebellion“-Bewegung, erklärte, dass es seiner Bewegung letztlich nicht um Klimafragen gehe, sondern um die Bekämpfung der europäischen Zivilisation, die er als „Infektion“ bezeichnete, die für fast alle Probleme der Menschheit verantwortlich sei. Die europäische Zivilisation sei gleichbedeutend mit einer Ideologie weißer Überlegenheit, Rassismus, dem Patriarchat, Heterosexismus und Klassenhierarchie. Die Ursachen der „Krankheit“, also die europäische Zivilisation müsse bekämpft werden und nicht nur ihre Symptome wie etwa Umweltprobleme.3
  • Mit Greta Thunberg und Luisa N. erklärten 2019 zwei führende Repräsentantinnen von FFF, dass „kolonialistische, rassistische und patriarchale Unterdrückungssysteme“ die „Klimakrise“ geschaffen hätten. Man müsse „diese Systeme ausnahmslos demontieren“.4 An anderer Stelle erklärte N. dass die „Klimakrise“ auf „unsere imperiale Lebensweise“ und „die neokoloniale Entwicklungszusammenarbeit“ zurückzuführen und außerdem von Männern verursacht werde.5
  • Mehrere Aktivistinnen der Klimaschutzbewegung, die für Organisationen wie Greenpeace tätig sind, erklärten 2020, dass die „Klimakrise […] tief verwurzelt in historisch miteinander verwobenen Unterdrückungssystemen: Patriarchat, Rassismus, Kapitalismus und Kolonialismus“ sei. Dahinter stünden „dieselben Machtstrukturen, die zur Ausbeutung der Körper von Frauen und […] zur Diskriminierung nicht-weißer Menschen“ führten. Man brauche „Lösungen, die die Erhitzung des Planeten aufhalten und gleichzeitig unterdrückerische Machtstrukturen in ihren Grundfesten erschüttern“.  Europa habe Rassismus, Kapitalismus und Patriarchat in die ganze Welt exportiert und sei auch für die mit diesen Phänomenen untrennbar verbundene Klimakrise verantwortlich.6
  • Die Fridays for Future-Bewegung (FFF) forderte 2021 auf ihrem Twitter-Auftritt, den „Kapitalismus“ abzuschaffen, um „Rassismus“ zu überwinden: „Wenn ihr (verstärkt) antirassistisch werden wollt, dann muss klar sein, dass es im Kapitalismus immer auch Rassismus geben wird.“7
  • Klimaschutzaktivisten, die zeitweise den Hambacher Forst besetzt hatten, erklärten zu ihren Motiven, dass es „klar“ sei, „dass Umweltzerstörung und Herrschaft zusammenhängt“. Nur „in einem System, in dem einige die Macht haben, die negativen Folgen ihres Handelns auf andere abzuwälzen und den Profit für sich zu behalten, ist es für den Menschen sinnvoll, die Erde auszubeuten“. Deshalb sei es „klar, dass der Kampf um Klimagerechtigkeit gleichzeitig ein Kampf um eine herrschaftsfreie Welt jenseits von kapitalistischen Zwängen ist“.8
  • Nike M., die Sprecherin des Bündnisses „Ende Gelände“, erklärte 2019, dass die „Gründe für die Klimakrise“ im „Kapitalismus“ bzw. in der Ausbeutung „von Frauen, von Natur, von Menschen, des globalen Südens“ lägen.9
  • Teilnehmer einer Kundgebung von FFF in Köln im Januar 2020 wurden mit den Worten zitiert, dass das gegenwärtige System eine „echte Umweltsau“ sei, weil es „es den Menschen unmöglich macht klimafreundlich zu handeln, genauso wie die Politik, die weiter an diesem festhält“.10
  • Die Kölner Sektion von FFF erklärte im Januar 2020 zusammen mit anderen linksgerichteten Organisationen, dass man sich nicht mit dem Motto „Einigkeit! Recht! Freiheit!“ identifizieren könne, dass für die LGTBI-Veranstaltung „Cologne Pride 2020“ vorgesehen war. Dieses Motto, das sich an die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland anlehnt, sei „unverantwortlich in Zeiten von verstärktem Nationalismus“. Unter diesem Motto erscheine „eine Teilnahme unmöglich“.11 Die Aktivisten erwecken hier den Eindruck, dass sie eine positive Bezugnahme auf die Symbole der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bzw. auf diese Ordnung selbst grundsätzlich ablehnen.

Es entsteht allgemein der Eindruck, dass es wesentlichen Repräsentanten der entsprechenden Teile der Umweltbewegung in ihrem Aktivismus nicht primär um Umweltfragen oder die Bewältigung von Herausforderungen in diesem Bereich geht, sondern um die Mobilisierung vor allem junger Menschen für revolutionäre politische Ziele, die sich an neomarxistischer Ideologie orientieren und scheinbar die Beseitigung der westlichen Gesellschaftsordnungen beinhalten.

Der Philosoph Martin Rhonheimer kritisierte in diesem Zusammenhang, dass wesentliche Teile der sich „zunehmend radikalisierenden Klimabewegung“ nicht nach einer Verbesserung des Systems strebten, „sondern das System selbst als Unrecht anprangern“. Das dahinter erkennbare Verständnis von Politik sei „jakobinisch“.12

Nähe von Klimaschutzaktivisten zum Antifa-Spektrum

Es sind Überschneidungen zwischen der Klimaschutzbewegung und dem in Teilen linksextremen Antifa-Spektrum sowie Unterstützungsbekundungen für dieses zu beobachten. Der Begriff des „Antifaschismus“ wurde in den 1920er-Jahren von Stalinisten als antikapitalistischer Kampfbegriff eingeführt und später von Neomarxisten, aber auch von militanten Anarchisten aufgegriffen, deren Faschismus-Begriff sich vor allem gegen freiheitliche Gesellschaften richtet.

  • Ein Vertreter von FFF erklärte im Februar 2021: „Der Kampf für Klimagerechtigkeit muss immer antifaschistisch sein“.13
  • Teilnehmer einer Kundgebung von FFF in Köln im Januar 2020 wurden mit den Worten zitiert, dass eine klimagerechte Welt „immer antifaschistisch sein“ müsse, „um wirklich ein gutes Leben für alle zu schaffen.“14
  • Eine Aktivistin der FFF-Ortsgruppe Hannover erklärte 2019, dass für die Organisation „Antifaschismus und Klimagerechtigkeit zusammengehören“. Vor ihrem Engagement sei ihr nicht klar gewesen, „dass Antifaschismus, Feminismus und Klimawandel alles zusammengehört“. Sie fühle sich dem „Kampf von Antifaschist*innen weltweit“ verbunden: „Deren Kämpfe sind auch unsere Kämpfe.“
  • 15 Dies deutet darauf hin, dass innerhalb von FFF entsprechender ideologischer Einflussnahme ausgesetzt war.
  • Clara M., eine Sprecherin von FFF, ist Medienberichten zufolge auch im Umfeld der linksradikalen „Antifa“ aktiv. Auf einem Video sei zu sehen, wie sie auf einer entsprechenden Kundgebung in der ersten Reihe stehend zusammen mit einer anderen FFF-Aktivistin entsprechende Parolen ruft.16 Bilder einer FFF-Demonstration in Harburg im Januar 2020 zeigen große Transparente, auf denen Teilnehmer u. a. die „Zerschlagung“ des „Patriarchats“ („smash patriarchy, not the planet“) sowie „Klimagerechtigkeit nur mit Feminismus“.17
  • Auf dem Twitter-Account von FFF wurden 2021 unter anderem die folgenden Botschaften verbreitet: „Deutschland, hör auf, Antifas zu kriminalisieren“ und „Dein Klimaschutz ist halt nichts wert, wenn er nicht antikapitalistisch, antirassistisch, antikolonial und antifaschistisch ist“.18
  • Die Weimarer Ortsgruppe von FFF erklärte 2020: „Die Polizei diskriminiert, mordet, prügelt, hehlt. Lasst uns aufhören die beiden in einem Atemzug als ‚Helfer‘ zu titulieren. Stattdessen sollten wir Antifa und Migrantifa wertschätzen!“19
  • Der Frankfurter Ableger von FFF unterstützte 2020 eine Demonstration des Bündnisses „Migrantifa Hessen“ in Frankfurt, die unter dem Motto „Moria befreien“ stattfand. Im Verlauf der Veranstaltung verurteilte eine Rednerin einen angeblichen israelischen „Siedlungs-Kolonialismus“ und rief mit den Worten „Yallah Intifada“ zum bewaffneten Kampf gegen den jüdischen Staat auf. Teilnehmer trugen palästinensische Fahnen und riefen antiisraelische Parolen. FFF distanzierte sich nach Kritik zwar von „Antisemitismus in jeder Ausprägung“, nicht jedoch von Antifa-Aktivisten.20

Eine Nähe zum Antifa-Spektrum ist in der Umweltbewegung nicht auf Klimaschutzorganisationen beschränkt. Die Jugendorganisation des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) schreibt etwa auf ihrem Internetauftritt, das diejenigen, die es „etwas radikaler“ mögen, „vielerorts lokale Antifa-Gruppen“ fänden, denen sie sich anschließen könnten.21

Linksextreme Einflüsse und Verbindungen in der Klimaschutzbewegung

Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass linksextreme Kräfte in der Umweltbewegung aktiv sind oder zum Teil erfolgreich versuchen, Einfluss auf sie zu nehmen und sie in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Dies wird durch die dort vorhandene Offenheit gegenüber linksradikalen Ideologien begünstigt.

Im Rahmen des Bündnisses „ums Ganze“ versuchen Linksautonome derzeit verstärkt, Einfluss auf die Klimaschutzbewegung auszuüben. Ihr Erfolg zeigt sich darin, dass ihre politische Sprache auch von nichtextremistischen Aktivisten häufig übernommen wird. Die „Interventionistische Linke“, die Teil dieses Bündnisses ist, beansprucht zudem für sich, dass die Initiative „Ende Gelände“ auf ihr Wirken zurückgehe.22 Sie strebt nach eigenen Worten an, Einfluss auf die Klimaschutzbewegung nehmen zu wollen, damit diese auch auf weiteren Aktionsfeldern im Sinne kommunistischer und anarchistischer Ideologie aktiv werde, etwa im Kampf für offene Grenzen und gegen „das herrschende Arbeits- bzw. Prekaritätsregime, Militarismus sowie jegliche weitere Herrschaftsformen“.23

Die ebenfalls in diesem Bündnis engagierte „Antifa AK Köln“ erklärte, dass sie im Thema Klimaschutz ein Mittel dazu sehe, die „Herrschaft von Staat und Kapital“ zugunsten einer „herrschaftsfreien kommunistischen Gesellschaft“ zu überwinden. Die „Klimakrise“ sei Ausdruck der „verdrängten Instabilität der kapitalistischen Welt“. Die Klimaschutzbewegung stelle eine Chance dazu dar, „das System ins Wanken zu bringen und hoffentlich auch umstürzen zu können“.24

  • Laut Angaben des Leiters des Hamburger Verfassungsschutzes würden Linksextremisten versuchen, „über populäre Themen“ wie den Umwelt- und Klimaschutz „quasi wie ein schleichendes Gift in die demokratische Gesellschaft“ einzudringen.25
  • Das Bündnis „Ende Gelände“ versucht laut Sicherheitsbehörden, auf FFF Einfluss zu nehmen, um Unterstützer für illegale Aktionsformen zu gewinnen. FFF habe sich bei einer Großveranstaltung in Aachen „auch auf das organisatorische Know-how von Angehörigen der linksextremistischen Szene“ gestützt. Es gebe direkte Verbindungen zwischen FFF und der linksextremen Gruppierung „Interventionistische Linke“ (IL).26
  • Das niedersächsische Landeskriminalamt beobachtete 2019, dass „gewaltbereite Linksextremisten an das Klimathema andocken“.27
  • Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz diene das Bündnis „als Vehikel zur Umsetzung linksextremistischer Ziele“. Laut dem nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz sei „Ende Gelände“ Teil einer Kampagne der IL, um „die Grenzen zwischen extremistischem und demokratischem Protest zu verwischen und sich als Teil einer legitimen Protestbewegung zu inszenieren“. Der IL sei dabei die „Mobilisierung bürgerlicher Klimaschützer“ in großem Umfang sowie deren Radikalisierung und Anleitung zu illegalem Handeln gelungen.28
  • Der Berliner Verfassungsschutz stufte „Ende Gelände“ 2020 als linksextrem ein, weil das Bündnis eine „gezielte Diskreditierung von Staat­lichkeit“ betreibe. Außerdem versuche es „die – zumeist jungen – Klimaakteure zu vereinnahmen und zu radikalisieren“. Zudem sei die linksextreme Gruppierung „Interventionistische Linke“ Teil des Bündnisses, das „Gewaltanwendung mindestens billigend in Kauf“ nehme. Angriffe auf Polizeibeamte würden befürwortet. Auf eine linksextreme Ausrichtung deute auch die „unmittelbare Verknüpfung der Themenfelder Anti-Kapitalismus und Anti-Faschismus“ mit Klimaschutzfragen hin.29
  • 2019 wurde bekannt, dass die als linksextrem eingestufte „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands“ (MLPD) Teile von FFF unterwandert hat. Die Jugendorganisation der Partei betreibe etwa die Ortsgruppe in Gelsenkirchen. Aktivisten der Partei seien zudem auf Kundgebungen von FFF aktiv.30 Laut Medienberichten sind zudem mehrere Ortsgruppen von FFF durch die trotzkistische Jugendorganisation „Revolution“ unterwandert.31 Im März 2019 gründete sich innerhalb von FFF zudem eine „antikapitalistische Plattform“, in der mehrere linksextreme Gruppierungen, darunter die Jugendorganisation der MLPD und die Gruppierung „Rebell“ aktiv sind.32
  • Laut Medienberichten wird FFF durch den als linksextrem eingestuften Verein „Rote Hilfe“ unterstützt. Der Verein unterstützt nach Angaben des Verfassungsschutzes unter anderem linksextreme Straftäter, die als „politische Gefangene“ dargestellt werden, um „den demokratischen Rechtsstaat als Diktatur erscheinen zu lassen und zu diskreditieren“. Aktivisten von FFF hätten in mindestens zwei Fällen auf entsprechende Unterstützung zurückgegriffen. In Chatgruppen von FFF werde dafür geworben, die Unterstützung der „Roten Hilfe“ in Anspruch zu nehmen, was nur vereinzelt auf Kritik stoße. 2019 habe FFF zudem eine Veranstaltung der „Roten Hilfe“ beworben, bei der es um „Rechtshilfe für Klimaaktivisten“ ging. Die Klimaaktivisten sprachen in diesem Zusammenhang von „brutalen Polizeieinsätzen“ gegen Klimaaktivisten. Anja Sommerfeld, ein Mitglied des Bundesvorstands der „Roten Hilfe“, erklärte dazu, dass ihre Organisation sich „solidarisch mit den Klimaaktivist*innen“ zeige und die „Polizeigewalt“ gegen sie verurteile.33

Die Präsenz von Linksextremisten in der Umweltbewegung äußert sich auch in Militanz. Bis Juli 2020 verübten Klimaschutzaktivisten am Hambacher Forst 2.994 Straftaten, darunter 39 Brandstiftungen und 58 Körperverletzungen. Nach Angaben von Verfassungsschutzbehörde würden „zivildemokratische Aktivisten, militante Umweltaktivisten und gewaltorientierte Linksextremisten, darunter Autonome aus dem Bundesgebiet und dem europäischen Ausland“.34

Die Jugendorganisation der Umweltorganisation WWF warnte vor diesem Hintergrund vor einer „Vereinnahmung der Klimaschutzbewegung durch linksextremistische Gruppierungen“ und wies darauf hin, dass etwa „Klimastreiks“ von Gruppierungen wie der „Interventionistischen Linken“, Antifagruppen oder der „Sozialistischen Alternative“ unterwandert seien, die teilweise sogar offen als deren Träger in Erscheinung träten. Es mangele in der Klimaschutzbewegung an Abgrenzung gegenüber Linksextremisten. Deren Aktivitäten würden „entweder übersehen oder als notwendiges Übel in Kauf genommen“.35

Abgesehen von Versuchen von FFF, gegen die Unterwanderung durch die MLPD vorzugehen36, waren relevante Schritte hin zu einer Distanzierung von Linksextremisten in diesem Teil der Umweltbewegung nicht zu erkennen:

  • Die FFF-Sprecherin Carla R. erklärte, dass die Organisation „eine Kooperation mit Gruppen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, nicht ausschließen“ wolle.37.
  • Luisa N., eine führende Vertreterin von FFF, erklärte ihre Solidarität mit „Ende Gelände“ und trat bei einer Veranstaltung von „Extinction Rebellion“ auf.38
  • Die mit FFF sympathisierenden Jugendorganisationen einiger Parteien, forderten als Reaktion auf die oben beschriebenen Sachverhalte die Auflösung der Verfassungsschutzbehörden.39

Distanz gegenüber demokratischen Prozessen und Strukturen

Die Teile der Umweltbewegung, in denen neomarxistische oder linksautonome Einflüsse zu beobachten sind, weisen gleichzeitig die Neigung auf, ihre Forderungen für nicht verhandelbar zu erklären. Sie erwecken den Eindruck, dass sie diese nicht demokratischen Prozessen unterwerfen wollen:

  • Luisa N., eine der führenden Vertreterinnen von FFF, erklärte 2019, „dass Klimaschutz nicht verhandelbar ist und dass ‚Maß und Mitte‘ nicht funktioniert – dass Klimaschutz nicht ‚gemäßigt‘, sondern immer radikal sein muss, denn diese Krise fordert Radikalität im besten Sinne.“
  • Der Politikwissenschaftler Alexander Straßner sah in diesem Denken den „Ursprung von politischem Extremismus und außerdem eine Initialzündung für Militanz“. Der Ansicht, dass es eine Krise gebe, „weil nicht alle meiner Meinung sind“, liege ein „potenziell demokratiefeindliches Menschenbild zugrunde“.40
  • Der Klimaforscher Hans von Storch erklärte dazu, dass ihm „die Veränderung des gesellschaftlichen Klimas“ größere Sorge bereite als die globale Erwärmung. Zugespitzte Rhetorik dieser Art könne „den sozialen Frieden gefährden“. Einige Klimaaktivisten seien „ja sogar bereit, für den Kampf gegen die Erwärmung die Demokratie einzuschränken“.41
  • Die Journalistin Anna Schneider kritisierte, dass sich Aktivistinnen wie Carola R. und Luisa N. in Diskussionen wie „wohlstandsverwahrloste Neomarxisten“ aufführten. Ihre Äußerungen seien von einer „Alternativlosigkeit der Forderungen“ und der implizite Vorstellung geprägt, dass man dem moralisch Guten nicht zu widersprechen habe: „Es gibt nur noch gut oder böse, Klimaschutz oder Kapitalismus, gerecht oder ungerecht.“ Auf dieser Grundlage seien keine Diskussion mehr möglich.42

Teile der entsprechenden Strömungen der Umweltbewegung streben außerdem die Auflösung oder Schwächung freiheitlicher demokratischer Ordnungen an. Diese sollen durch überstaatliche zentralistische Bürokratien ersetzt werden, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegen und die mit weitreichenden Regulierungs- und Eingriffsmöglichkeiten ausgestattet werden sollen. Der am Potsdam-Institut für Klimaforschung tätige Wirtschaftswissenschaftler Ottmar Edenhofer kritisierte diesbezüglich, dass es eine „Illusion“ darstelle anzunehmen, „dass internationale Klimapolitik Umweltpolitik“ sei. Es gehe hier so gut wie gar nicht um Umweltthemen, sondern um globale Umverteilung von Vermögen.43

Die Folgen kommunistischer Herrschaft für die natürliche Umwelt

Eine Beseitigung der freiheitlichen politischen Ordnungen der westlichen Welt und ihre Ersetzung durch eine auf neomarxistischer Ideologie beruhende Ordnung würde die Lage in den Bereichen Umweltschutz und Nachhaltigkeit verschlechtern. Auf der Grundlage von marxistischer Ideologie regierte Staaten gehörten zu den ökologisch und in fast jeder anderen Hinsicht am wenigsten nachhaltigen in der Geschichte der Menschheit. Sie zerstörten in allen Fällen meist innerhalb kurzer Zeit aktiv die über Jahrhunderte hinweg geschaffene kulturelle Substanz von Gemeinwesen sowie Institutionen wie die Familie, auf denen jede intakte Gesellschaft beruht. Marxistische bzw. kommunistische Herrschaft wirkte sich außerdem deutlich negativ auf die natürlichen Lebensgrundlagen der betroffenen Gesellschaften aus. In der ehemaligen Sowjetunion sind ganze Regionen bis heute faktisch unbewohnbar, weil hier keine Rücksicht auf die natürliche Umwelt genommen wurde.

In der DDR verbesserte sich die Lage der Umwelt nach dem Ende kommunistischer Herrschaft und der Einführung dessen, was Neomarxisten als „Kapitalismus“ bezeichnen, innerhalb kurzer Zeit signifikant. Die Marktwirtschaft hat sich im Vergleich zur marxistischen Planwirtschaft global und über einen langen Zeitraum hinweg trotz ihrer ebenfalls gravierenden ökologischen Folgen allgemein als umweltfreundlicher erwiesen, weil sie größere Anreize für einen effizienten Umgang mit Ressourcen schafft und außerdem Mittel erzeugt, die für Schutzmaßnahmen eingesetzt werden können.

Der Philosoph Hans Jonas hat den Marxismus in seinem Werk über das „Prinzip Verantwortung“ aus ökologischer Perspektive entsprechend kritisiert und dabei darauf hingewiesen, dass „Vorantreibung der Industrialisierung“ bzw. „materielle Fülle“ als Voraussetzung zur Herstellung der „klassenlösen Gesellschaft ein zentrales Element marxistischer Ideologie und ihres Fortschrittsbegriffs sei. Die Idee natürlicher Grenzen habe diese Ideologie immer ausdrücklich abgelehnt. Der Marxismus, der durch keinerlei „Traditions- und Religionsreste“ in seinem utopischen Anspruch gehemmt werde, sei unter den Ideologien, welche für die ökologischen Herausforderungen der Gegenwart verantwortlich seien, die radikalste.44

Eine Reflektion der weltanschaulichen Schwächen dieser Ideologie im Bereich Ökologie oder auch nur ein Bewusstsein für die Existenz dieser Schwächen ist in den Teilen der Umweltbewegung, die sich auf Elemente dieser Ideologie beziehen, derzeit nicht erkennbar.

Ganzheitliche Ökologie als Alternative zu linksradikalem Umweltaktivismus

Eine tragfähige, gemeinwohlorientierte Alternative zu linksradikalem und linksextremem Umweltaktivismus stellt das ganzheitliche Ökologieverständnis der abendländischen politischen Philosophie dar. Diese will die Lebensgrundlagen von Mensch und Gemeinwesen in einem umfassenden bewahren anstatt sie durch auf utopischen Ideologien beruhenden revolutionären Aktivismus zu bekämpfen.45 Dieser Ansatz beruht auf der Anerkennung der Tatsache, dass gelingendes individuelles und gemeinschaftliches Leben von einer Vielzahl von Voraussetzungen abhängig sind, die bewahrt werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Diese Lebensgrundlagen sind nicht nur natürlicher, sondern auch kultureller und geistiger Art. Papst Benedikt XVI. sprach diesbezüglich von einer „Ökologie des Menschen“. Die kulturellen und geistigen Lebensgrundlagen des Menschen müssten genauso geachtet und vor Verletzungen geschützt werden wie die natürliche Umwelt.46 Papst Franziskus sprach von einer „ganzheitlichen Ökologie“ bzw. von einer „Sozialökologie“ und einer „Humanökologie“, die über den Schutz der natürlichen Umwelt hinausgehe. Der Ökologiebegriff der christlichen Soziallehre umfasse auch die
Suche nach einer Gesellschaftsordnung, die nachhaltig mit ihren natürlichen und kulturellen Lebensgrundlagen umgehe.47 (FG2)

Quellen

  1. Die Namen der zitierten Aktivisten werden im Folgenden überwiegend anonymisiert, weil es sich bei Ihnen überwiegend um Jugendliche oder junge Erwachsene handelt.
  2. twitter.com/gretathunberg, 26.07.2019.
  3. Stuart Basden: „Extinction Rebellion isn’t about the Climate“, medium.com, 10.01.2019.
  4. Greta Thunberg/Luisa Neubauer/Angela Valenzuela: „Warum wir weiter fürs Klima streiken“, ipg-journal.de, 02.12.2019.
  5. „‚Wir lassen uns nicht spalten‘“, taz.de, 28.11.2019.
  6. Isadora Cardoso/Lisa Göldner/Kathrin Hennenberger: „Klima­gerechtig­keit und Feminismus? One struggle, one fight!“, taz – die tageszeitung, 25.09.2020.
  7. Morten Freidel: „Fridays for Revolution“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.02.2021.
  8. „Selbstverständnis“, hambacherforst.org, o. D., Stand 11.05.2021.
  9. Kersten Augustin:“‚Wir lassen uns nicht spalten'“, taz – die tageszeitung, 23.11.2019.
  10. „Fridays for Future demonstrieren mit Großeltern in Köln gegen rechts“, ksta.de, 03.01.2020.
  11. „Grüne Jugend, Jusos und Linksjugend: Kölner CSD-Motto ‚unverantwortlich‘“, queer.de, 15.01.2020.
  12. Martin Rhonheimer: „Der Aufrechte rechnet mit Strafe”, Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2020.
  13. „Streit um geplantes Gespräch. Fridays For Future distanziert sich nach Video zur AfD von Ortsgruppe“, welt.de, 13.02.2021.
  14. „Fridays for Future demonstrieren mit Großeltern in Köln gegen rechts“, ksta.de, 03.01.2020.
  15. Markus Roth: „‚Das ist derselbe Kampf'“, der rechte rand, Nr. 181 (November/Dezember 2019).
  16. „Blanker Hass gegen Klimaaktivistin“, taz.de, 10.10.2019.
  17. „Runter von der Straße: So will ‚Fridays for Future‘ sich neu erfinden“, bento.de, 04.01.2020.
  18. Morten Freidel: „Fridays for Revolution“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.02.2021.
  19. „Hass-Text aus FFF-Gruppe. Protest und Ablehnung nach Twitter -Nachricht aus Weimar gegen Polizei“, Thüringer Allgemeine, 03.07.2020.
  20. Hanning Voigts: „Antisemitismus von links: Israelfeindliche Parolen auf Frankfurter Demo führen zu Streit“, fr.de, 05.10.2020.
  21. „Aktiv werden gegen Rechts – Ein Überblick“, bundjugend.de, o.D., Zugriff 11.05.2021.
  22. Kristian Frigelj: „Linksextremisten suchen Anschluss“, Die Welt, 03.06.2020.
  23. Udo Baron: „Klimaschutzbewegung und Linksextremismus. Wie Linksextremisten vom Klimakampf profitieren“, Aktuelle Analysen, Nr. 79 (Hanns-Seidel-Stiftung 2020), S. 13-14.
  24. Zit. nach Ebd., S. 12.
  25. „‚Linksextremisten unterwandern auch bürgerliche Milieus‘“, Die Welt, 19.10.2019.
  26. „Sicherheitsbehörden warnen: Linksextreme wollen Klima-Demos unterwandern“, focus.de, 16.06.2019.
  27. Burkhard Ewert: „LKA warnt vor Radikalisierung der Klimaschützer“, Neue Osnabrücker Zeitung, 18.09.2019.
  28. Markus Wehner: „Extreme Klimaschützer“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2020.
  29. „Verfassungsschutz Berlin. Bericht 2019“, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz, Berlin 2020, S. 162 ff.
  30. Göran Schattauer: „Linksextremisten bei ‚Fridays for Future‘: Wie Stalin-Fans die Streiks für sich nutzen“, focus.de, 02.12.2019.
  31. Lennart Pfahler: „Jung, engagiert – und auf dem Boden des Grundgesetzes?“, Die Welt, 22.05.2020.
  32. Baron 2020, S. 15.
  33. Lennart Pfahler: „Jung, engagiert – und auf dem Boden des Grundgesetzes?“, Die Welt, 22.05.2020.
  34. „‚Es wird ein ungehorsamer Sommer wie noch nie‘“, Die Welt, 11.07.2020.
  35. „Linksextremismus im Klimaschutz“, 05.10.2019.
  36. Lennart Pfahler: „Jung, engagiert – und auf dem Boden des Grundgesetzes?“, Die Welt, 22.05.2020.
  37. Lennart Pfahler: „Jung, engagiert – und auf dem Boden des Grundgesetzes?“, Die Welt, 22.05.2020.
  38. Lennart Pfahler: „Jung, engagiert – und auf dem Boden des Grundgesetzes?“, Die Welt, 22.05.2020.
  39. „Eine polarisierende Entscheidung“, Die Welt, 22.05.2020.
  40. „‚Kinder verbrennen sich die Füße? Das ist ja eine steile These‘“, Die Welt, 16.10.2019.
  41. „Früher war ein Sturm einfach ein Sturm“, Der Spiegel, 19.10.2019.
  42. Anna Schneider: „Klimaaktivistinnen gegen den Kapitalismus“, Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2019.
  43. „‚Klimapolitik verteilt das Weltvermögen neu‘“, NZZ am Sonntag, 14.11.2010.
  44. Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt am Main 1976, S. 256-279, 327.
  45. Markus Vogt: „Ökologie“, in: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Band 7, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 1013.
  46. Papst Benedikt XVI.: „Die Ökologie des Menschen“, faz.net, 22.09.2011.
  47. Laudato si‘ 138.