Papst Franziskus: Über die Verteidigung des Eigenen im Angesicht von Bedrohungen

Der heilige Georg kämpft gegen den Drachen - Eine Darstellung aus dem 12. Jhd. (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Stadt Baghdida im Nordirak wird seit mehr als einem Jahrtausend von Christen bewohnt. Sie war über die Jahrhunderte hinweg immer wieder Ziel von Angriffen radikaler Muslime und wurde 2014 durch den Islamischen Staat eingenommen, konnte aber 2016 durch christliche Milizen und deren Verbündete zurückgewonnen werden und wird seitdem durch christliche Selbstverteidigungskräfte gesichert. In einer heute in der Stadt gehaltenen Predigt sprach Papst Franziskus über die Verteidigung des eigenen Erbes im Angesicht von Bedrohungen wie dem islamistischen Terrorismus.

Dass seine Anwesenheit in der Stadt heute möglich sei, zeige, „dass der Terrorismus und der Tod niemals das letzte Wort haben“ werden. Das „letzte Wort hat Gott und sein Sohn, der Sieger über Sünde und Tod.“ In Baghdida könne man „inmitten der Verwüstungen des Terrorismus und des Krieges“ den „Triumpf des Lebens über den Tod sehen.“

Die Christen Baghdidas hätten die Beispiele ihrer Väter und Mütter im Glauben vor sich, die an diesem Ort Gott angebetet und „mit fester Hoffnung auf ihrem irdischen Weg durchgehalten“ hätten und „ihr Vertrauen auf Gott setzten, der uns nie enttäuscht und uns mit seiner Gnade aufrichtet“.

In den Christen Baghdidas lebe das „große geistliche Erbe, das sie uns hinterlassen haben“ weiter:

„Ergreift dieses Erbe! Dieses Erbe ist eure Kraft! Jetzt ist die Zeit, aufzubauen und wieder neu zu beginnen und sich der göttlichen Gnade anzuvertrauen, die das Schicksal jedes Menschen und aller Völker leitet. Ihr seid nicht allein. […]

Liebe Freunde, dies ist der Moment, nicht nur die Gebäude herzurichten, sondern vorher noch die Bande zu heilen, welche Gemeinschaften und Familien, junge und ältere Menschen vereinen. […] Wenn die Älteren und die Jungen sich vereinen, bewahren und geben wir die Gaben weiter, die Gott schenkt. Achten wir auf unsere Kinder, die nicht nur eine Erde, eine Kultur und eine Tradition erben, sondern auch die lebendigen Früchte des Glaubens, die Gottes Segensgaben auf dieser Erde sind. Bitte vergesst nicht, wer ihr seid und wo ihr herkommt! Vergesst nicht, die Bande zu hüten, die euch zusammenhalten, und eure Wurzeln zu bewahren!“

Christus stehe den Seinen auch „in den dunkelsten Tagen des Krieges“ bei, und die Heiligen wachen über sie. Es gebe jedoch auch die Heiligen, die heute „in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind“. Der Irak habe „viele davon“ und sei „ein Land so vieler heiliger Männer und Frauen“. Diese Heiligen könnten das Land „in eine bessere Zukunft begleiten, eine Zukunft der Hoffnung“.

Für den Wiederaufbau des Landes sei neben dem Sieg über die Terroristen auch Vergebung erforderlich: Es brauche „die Fähigkeit zu vergeben und zugleich den Mut zu kämpfen“.1

Hintergrund

Die Bekämpfung islamistischer und sonstiger Terroristen ist eine Forderung der christlichen Nächstenliebe und der Gerechtigkeit. Im von Papst Johannes Paul II. beauftragten Kompendium der Soziallehre der Kirche wird islamistischer Terrorismus  als „Entweihung und Gotteslästerung“ eingestuft.2

Versuche wie die der Islamisten, ganze Gruppen von Menschen aufgrund ihres christlichen Glaubens auszulöschen, werden als „Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit“ verurteilt3. Es sei zudem die moralische Pflicht der Angegriffenen, notfalls „die Verteidigung auch mit Waffengewalt zu organisieren“4 Zudem bestehe eine moralische Pflicht anderer dazu, zugunsten der Angegriffenen militärisch einzugreifen.5

Quellen

  1. „Im Wortlaut: Die Worte von Papst Franziskus in der Kathedrale von Baghdida“, de.catholicnewsagency.com, 07.03.2021.
  2. Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden (Hrsg.): Kompendium der Soziallehre der Kirche, Freiburg et al. 2006, S. 366.
  3. Ebd., S. 360.
  4. Ebd., S. 355.
  5. Ebd., S. 359.