Will Knowland: Warum das Patriarchat fortbesteht

Il Guercino - Der ewige Vater (gemeinfrei)

Der Philologe Will Knowland war bis vor kurzem am britischen Eton College tätig. Er wurde entlassen, weil er in einem Vortrag mit dem Titel „The Patriarchy Paradox“ auf der Grundlage von Erkenntnissen der Humanwissenschaften die Gründe dafür dargelegt hatte, warum traditionelle, patriarchale Gesellschaftsordnungen und Männlichkeitsbilder entgegen den Annahmen neomarxistischer und postmoderner feministischer Ideologie fortbestehen. Knowland zufolge habe die Leitung des College seine Gedanken als „gefährlich“ eingestuft und versucht, die Löschung der Aufnahme seines Vortrags zu erwirken.

Patriarchale Gesellschaftsordnungen seien laut Knowland im Kern kein soziales Konstrukt, sondern ein Resultat der Natur des Menschen bzw. natürlicher Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich in ungleichen aber aufeinander bezogenen Geschlechterrollen auswirkten.

Die Forderung an den Mann, eine Rolle als Vater, Beschützer und Versorger einzunehmen, stelle eine anthropologische Konstante dar. Frauen könnten diese Rollen aufgrund ihrer biologischen Natur entweder gar nicht oder nur deutlich schlechter als Männer und nur auf Kosten ihrer eigentlichen Rolle einnehmen. Allenfalls in einer Rolle als Versorger könnten Frauen in Teilbereichen des Wirtschaftslebens (nämlich im Dienstleistungssektor) ohne natürliche Nachteile gegenüber Männern agieren. Die meisten Frauen gestalten ihre Berufswahl entsprechend, ohne dass sie von Männern dazu gezwungen werden.

Damit er seine natürliche Rolle gut einnehmen könne, sei der Mann in größerem Maße als die Frau auf die Formung durch eine Kultur angewiesen. Jede patriarchale Ordnung verfüge daher über eine eigene Kultur der Männlichkeit sowie über Institutionen, die Männer in ihrem Sinne formen. In Europa seien Konzepte wie das Rittertum geschaffen wurden, um die Ausbildung und Vollendung der natürlichen Anlagen des Mannes zu unterstützen, damit dieser seiner natürlichen Berufung besser entsprechen könne.

  • Entgegen der Annahme feministischer Ideologie verschwänden weder die patriarchale Ordnung noch traditionelle Geschlechterrollen. Individuelle Freiheit bei der Berufswahl sei vielmehr damit verbunden, dass Männer und Frauen sich mit überwiegender Mehrheit für traditionell männliche oder weibliche Berufe entschieden. Auch in der Populärkultur herrschten maskuline Archetypen bei der Beschreibung von Helden vor, etwa in Filmen, weil die große Mehrheit des Publikums dies offenbar wünsche.
  • Anders als feministische Ideologie behaupte, beruhe die patriarchale Ordnung europäischer Art zudem nicht auf der Unterdrückung der Frau, sondern auf dem Dienst des Mannes an der Frau bzw. auf ihrer Privilegierung. Männer hätten jenen medizinischen Fortschritt hervorgebracht, der Geburten weitgehend risikoarm gemacht habe. Von sonstigen physischen Risiken, etwa von Tätigkeiten im Militär oder körperlich anstrengender, gesundheitsbelastender und gefährlicher Arbeit in Landwirtschaft, Bergbau, Bauwesen und Industrie halte eine patriarchale Gesellschaft Frauen fern.
  • In den Lebensentscheidungen der allermeisten Frauen (einschließlich der Feministinnen) werde deutlich, dass sie trotz aller Rhetorik die oben beschriebene Gesellschaftsordnung und Männer, die dem Bild des Vaters. Beschützers und Versorgers entsprechen, bevorzugen und sogar einfordern. Ein weibliches Interesse an impotenten, körperlich schwachen und feigen sowie beruflich erfolglosen und unfähigen Männern sei in der Realität ebenso wenig existent wie ein besonderes Interesse an Tätigkeiten in den oben beschriebenen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft.

Die feministische Forderung, das Patriarchat zu zerstören, beruhe auf utopischem Denken, das die Natur des Menschen vollständig ignoriere. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass das Patriarchat irgendwann verschwinden werde und kaum Gründe dafür anzunehmen, dass dies überhaupt wünschenswert wäre. Die Widersprüche zwischen dem beobachteten Geschehen und den Behauptungen des Feminismus seien so gravierend, dass man den Feminismus zu den geschlossenen Weltbildern zählen müsse, die sich durch ideologische Konstrukte gegen die Herausforderung durch die Wirklichkeit und gegen wissenschaftliche Prüfung abschotteten.

Bewertung und Hintergrund

Mit der patriarchalen Gesellschaftsordnung haben wir uns hier näher auseinandergesetzt. Diese Ordnung entsteht spontan aus der Natur des Menschen heraus, so wie auch die Ordnung von Ehe und Familie oder die Ordnung des Marktes. Staatliche Interventionen zur Aufhebung dieser Ordnung finden auf der Grundlage utopischer Ideologien statt, die nicht anerkennen, dass es eine Natur des Menschen gibt bzw. die davon ausgehen, dass der Mensch und gesellschaftliche Institutionen durch staatliches Handeln weitgehend formbar sind. Alle Ansätze in diese Richtung sind bislang mit zum Teil katastrophalen Resultaten gescheitert, was die Anhänger der entsprechenden Ideologien nicht daran hindert, es noch einmal zu versuchen.

Utopische Ideologien wie der Feminismus radikalisieren sich dabei erfahrungsgemäß parallel zu ihrem Scheitern an der Wirklichkeit. Zu den ersten Stufen dieser Radikalisierung gehören Versuche, Kritik an der Ideologie oder die Darstellung von Beobachtungen und Erkenntnissen zu unterbinden, die ihr widersprechen. Institutionen, die solchen Ideologien folgen, werden dadurch blind für die Lage, in der sie sich bewegen, und scheitern bald.

  • In wettbewerbsorientierten Umfeldern in denen die Untauglichkeit utopischen Denkens sofort sichtbar würde, etwa in der Wirtschaft, sind Anhänger solcher Ideologien dementsprechend nur selten zu finden, weshalb dort patriarchale Strukturen weiterhin vorherrschen.
  • Ein wesentlicher Teil des feministischen Aktivismus der Gegenwart richtet sich daher gegen die Wirtschaft, in der diese Strukturen durch politische Eingriffe zerstört werden sollen. Wie sich dies auf die Wettbewerbsfähigkeit der dadurch getroffenen Unternehmen auswirkt, wird sich zeigen, zumal einige der erfolgreichsten südostasiatischen Konkurrenten westlicher Unternehmen patriarchale Strukturen bejahen und aktiv fördern.

Marktmechanismen unterliegen auch Institutionen wie das Eton College, das über Jahrhunderte hinweg von Vätern der politischen und gesellschaftlichen Eliten Großbritanniens für ihre Söhne ausgewählt wurde, weil diese dort durch die Vermittlung realitätsgerechten Denkens auf ihre Rolle als Männer vorbereitet wurden. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt kommt das Verhalten der gegenwärtigen Führung des College, die zumindest in einem Fall sichtbar gemacht hat, dass sie künftig nur noch ein minderwertiges Produkt anbieten will, einer Zerstörung der Marke gleich. Auch aus diesem Grund regt sich unter Schülern, Eltern, Lehrern und Absolventen des Colleges Widerstand gegen die Entlassung Knowlands. (FG4)