Jürgen Doetsch: „Wir müssen das Heiligtum schützen und bewahren“

Spinello Aretino -Sankt Michael und andere Engel (gemeinfrei)

Der katholische Priester Jürgen Doetsch wurde im August 2020 bei einem christenfeindlichen Angriff während der heiligen Messe in der St.-Joseph-Kirche in Berlin verwundet. Vor dem Hintergrund der aktuellen islamistischen Anschlagswelle in Europa äußerte er sich jetzt über die Notwendigkeit, Maßnahmen zum Schutz von Christen und christlichen Zielen gegen solche Bedrohungen zu ergreifen. Die Kirche in Deutschland müsse „im Kampf und zum Schutz der Gläubigen wieder lebenspraktischer werden“.

  • Er sei „immer erfüllt von dem Wunsch“ gewesen, „dem Frieden unter den Religionen zu dienen“ und halte daran weiter fest, sei aber „mit der Faust“ darüber belehrt worden, dass der Friede „immer auch die starke Befriedung dessen“ brauche, „was uns heilig ist“. Die Kirche müsse „das Heiligtum ebenso schützen und bewahren, wie wir das Leben der Gläubigen schützen müssen“.
  • Im Kontext der zunehmenden christenfeindlichen Gewalt in Europa bekomme der Ruf des Diakons in der Liturgie des Ostkirche eine neue Bedeutung: „Die Türen, die Türen: In Weisheit lasst uns aufmerken.“
  • Eine Konsequenz aus den Anschlägen müsse es sein, Sicherheitskonzepte für Gottesdienste zu erarbeiten. Bereits in der frühen Kirche habe es das Amt des Ostiariers gegeben, der den Auftrag hatte, dem Bösen den Zutritt zu den Gottesdiensten zu verwehren. Diesen Dienst brauche es heute wieder.

Hintergrund und Bewertung

Die bekannten Hintergründe zur oben erwähnten Tat und zum Tatverdächtigen wurden hier näher beschrieben.

Man kann auf Grundlage der christlichen Soziallehre eine christliche Pflicht dazu annehmen, die Kirche, d. h. andere Christen, gegen die Angriffe ihrer Feinde zu verteidigen. Selbstschutz ist eine Forderung der gebotenen Selbstliebe und die Verteidigung anderer Menschen gegen Angriffe und ihr Schutz vor Bedrohungen eine Forderung der christlichen Nächstenliebe. Dabei stellt es eine Forderung der Gerechtigkeit an Christen dar, vor allem für den Schutz und die Verteidigung anderer Christen zu sorgen. Wer als körperlich dazu fähiger Mann anderen diesen Dienst verweigerte, würde dadurch den Forderungen der christlichen Nächstenliebe und der Gerechtigkeit widersprechen.

Der ungarische Erzbischof Gyula Marfi formulierte den defensiven Grundgedanken dahinter mit den Worten:

„Wir wollen den Wölfen nichts Schlechtes, da auch sie Geschöpfe Gottes sind, aber wir lassen sie deshalb doch nicht unter die Schafe.“

Der Militärpsychologe und gläubige Protestant Dave Grossman formulierte ein Ethos des schützenden Dienstes für Polizeibeamte und Soldaten, das auf biblische Bild des guten Hirten und der Herde zurückgriff. Christen müssten dazu bereit sein, zu Schäferhunden zu werden, die den guten Hirten dabei unterstützen, Wölfe von der Herde fernzuhalten. Ein ähnliches Bild hatte auch Platon verwendet, als er die Wächter des Gemeinwesens mit „tüchtigen Hunden“ verglich. Sie seien, anders als ihre Gegner, keine Raubtiere, sondern „gegen diejenigen, an welche sie gewöhnt sind und welche sie kennen, so sanft als möglich […], gegen die Unbekannten aber das Gegenteil“. Der Prophet Jesaja wiederum bezeichnete religiöse Führer, die sich Bedrohungen nicht stellen oder diese nicht anerkennen wollten, als „blinde Wächter“ und als „stumme Hunde“.3

Der katholische Philosoph Robert Spaemann verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die „heilige Erzählung“ des Christentums aus katholischer Sicht nicht nur Inhalte der Bibel umfasse, sondern auch die Traditionsbestände der ersten zwei Jahrtausende christlicher Geschichte. Auch der „tausendjährige Abwehrkampf der christlichen Zivilisation gegen den islamischen Imperialismus“ gehöre zu dieser Erzählung. Dieser Kampf habe im besten Fall einen Weg der Nachfolge Christi dargestellt. (FG1)

Quellen

  1. Sapientiae Christianae 5.
  2. Mit brennender Sorge 41,51.
  3. Jes 56,10.