Ayaan Hirsi Ali: Die Überlegenheit der westlich-abendländischen Zivilisation

Ambrogio Lorenzetti - Allegorie der guten Regierung (gemeinfrei)

Die Politikwissenschaftlerin Ayaan Hirsi Ali ist unter anderem als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hoover Institution an der Stanford University tätig. Sie kam 1992 als Asylsuchende aus Somalia nach Europa, wandte sich vom Islam ab und bezeichnet sich als Kulturchristin. In einem heute erschienenen Gespräch äußert sie sich über die Überlegenheit der westlich-abendländischen Kultur, zu deren Teil sie aus Überzeugung geworden sei. Sie habe kein Verständnis für die Anhänger identitätspolitischer Ideologien, die von den Früchten dieser Kultur lebten, diese aber nicht bewahren wollten, sondern sie bekämpften.1

Die Besonderheit der westlich-abendländischen Kultur seien nicht Verfehlungen wie Rassismus und Sklaverei, die universeller Natur seien, sondern ihre einzigartigen Leistungen. Diese Kultur sei „allen anderen Kulturen überlegen, in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart“, weil sie wie keine andere „gesellschaftliche Offenheit, politische Freiheit, technische Innovation und wirtschaftlichen Wohlstand geschaffen“ habe. Andere Kulturen hätten ebenfalls Wertvolles hervorgebracht, aber die Leistungen der westlich-abendländischen Kultur seien „für alle Menschen von unschätzbarem Wert“.

  • Es sei absurd, dass gerade jene linksliberalen Eliten, die vorgäben die Interessen schwarzer Migrantinnen wie ihr zu vertreten, diese Kultur nach „vulgärmarxistischem Muster“ als System der Unterdrückung darstellten. Migranten, die aus „einem echten Unrechtsstaat“ kämen, könnten die Absurdität dieser Darstellung unmittelbar erkennen.
  • Ebenso absurd seien „die Dämonisierung des weissen Mannes“, der zur Ursache aller gesellschaftlichen Missstände erklärt werde, sowie die Praxis, die für den Erhalt des Gemeinwesens erforderlichen Tugenden als Ausdruck einer zu bekämpfenden „Whiteness“ zu denunzieren. Sie frage sich, „warum viele diesen Blödsinn einfach so hinnehmen“.
  • Sie kritisiert zudem, dass die entsprechenden Aktivisten das jüdisch-christliche Erbe radikal ablehnten und dessen Traditionen schlechtmachten. Als sie noch in Somalia lebte, habe es ihr „keine Ruhe“ gelassen, dass Frauen in christlich geprägten Gesellschaften so viel besser lebten als in islamischen Gesellschaften.

Es gebe keinen rationalen Grund dafür, dass identitätspolitische Aktivisten die „eigene Kultur schlechtmachten und stattdessen fremde Kulturen idealisierten“. Sie führt dieses Verhalten daher auf spirituelle Ursachen zurück. Sie sieht in ihm einen Ausdruck von „Selbsthass“, dem eine „eigenartige Form eines moralischen Überlegenheitsgefühls“ zugrunde liege. Diejenigen, die sich öffentlich erniedrigten in dem sie sich gegen ihr Erbe stellten, wollten sich dadurch moralisch erhöhen. Die Ursache dafür sei die „spirituelle Leere“, die sich in materiell saturierten westlichen Gesellschaften ausgebreitet habe. Die Anhänger identitätspolitischer Ideologien seien „Nihilisten“, die „diese Leere spüren“ und sich sagen: „Es geht um nichts, es gibt keinen Sinn des Lebens, lasst uns das ganze System niederreissen.“ Identitätspolitik sei letztlich eine „neue Glaubenslehre“ und ein „Religionsersetz“ für spirituell leere, zivilisationsmüde, saturierte Nihilisten. (FG2)

Quellen

  1. „‚Ich weigere mich, das Opfer zu sein, welches das linke Establishment in mir sehen will‘“, Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2020.