Asfa-Wossen Asserate über Integration und Patriotismus

Ambrogio Lorenzetti - Allegorie der guten Regierung (gemeinfrei)

Prinz Asfa-Wossen Asserate, ein Angehöriger des äthiopischen Kaiserhauses, lebte nach der kommunistischen Machtübernahme in seiner Heimat in Deutschland und wurde deutscher Staatsbürger. In einem aktuellen Gespräch betont er, dass Integration voraussetze, dass Migranten sich in die deutsche Kultur einfügen. Vielen Deutschen mangele es umgekehrt an Patriotismus und Bejahung des Eigenen. In der laufenden Rassismusdebatte gebe es daher maßlose Vorwürfe gegen Institutionen wie die Polizei.1

  • Deutschland und seine abendländische Kultur seien zu seiner Heimat geworden. Für Migranten, die sich abwertend über Deutschland und die Deutschen äußerten, habe er „nur Verachtung übrig“. Er würde „nie auf die Idee kommen, Deutschland als rassistischen Staat zu bezeichnen“. Die diesbezüglich gegen die deutsche Polizei gerichteten Vorwürfe seien maßlos. Er fühle sich sehr wohl in Deutschland habe hier „nie unter Rassismus gelitten“.
  • Integration setze voraus, dass man die Aufnahme von Migranten an die Bedingung knüpfe, dass diese die deutsche Kultur achten und sich in diese einfügen.
  • Vielen Deutschen mangele es an Patriotismus und Bejahung des Eigenen, weil sie eine ungesunde „Angst vor sich selbst“ hätten. Sie würden daher ihre Herkunft verleugnen und etwa in Europa nur einen Vorwand sehen, „um das eigene Deutschsein zu überwinden“. Ein solches Europa sei jedoch ein „totes Europa“. Europa funktioniere „entweder als Europa der Vaterländer oder gar nicht“.

Forderungen danach, Straßennamen zu ändern oder Statuen zu zerstören, die einen Zusammenhang zum europäischen Kolonialerbe haben, lehnt er ab. Er halte „überhaupt nichts von dem Versuch, Geschichte mit dem Vorschlaghammer umzuschreiben“. Dass sich Vandalismus auch gegen die Statuen von Persönlichkeiten richtet, die wie zum Beispiel Winston Churchill entscheidend zum Sieg über totalitäre Ideologien beitrugen, bewertet er als Ausdruck von Bildungsmängeln bei den verantwortlichen Aktivisten.

Hintergrund

Asfa-Wossen Asserate hat vor allem durch sein 2003 erschienenes Buch „Manieren“ größere Bekanntheit erlangt. Hier setzt er sich mit den geistigen Grundlagen des abendländischen Verständnisses von Stil und Form auseinander, das er auf den in den Evangelien mehrfach wiedergegebenen Ausspruch Christi zurückführt, dass dieser nicht gekommen ist „um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“. Diese Worte seien der „Prolog der europäischen Manieren“. Die großen Lehrer der Manieren in der Geschichte Europas seien in erster Linie Deuter und Interpreten dieser Worte gewesen, die versucht hätten, auch die scheinbar kleinste Geste mit dem von Christus formulierte Gesetz des ganzen Kosmos zu verbinden.

In seinem Werk äußert Asfa-Wossen Asserate stellenweise deutliche Kritik an der deutschen Gesellschaft, in der es eine Tendenz progressiver Kräfte dazu gebe, durch vulgäres und obszönes Verhalten sowie durch die Idealisierung von Verfall die eigene Fortschrittlichkeit unter Beweis stellen zu wollen. Einige der „wohlgenährten, teuer gekleideten Pflänzchen des Bürgertums“ würden dabei „in der romantischen Phantasie der Gesetzlosigkeit in schmutzigen Straßen“ schwelgen.

Außerdem sei in Deutschland der Typus des Spießers nicht selten. Der Spießer sei ein „Denunziant“ und „der erbarmungslose Verfechter der Gruppenmoral, der Verbreiter von haltlosem Geschwätz und Verdächtigung“. Er folge dem Masseninstinkt und betrachte sich als mutig, wenn er Abweichungen von der Masse denunziere. Davon erhoffe er sich einen Gewinn an moralischem Status. Die Freude des Spießers am Denunzieren sei ebenso vulgär wie dessen Neigung, Gedanken und Äußerungen nur auf ihre Konformität zu den gerade herrschenden geistigen und anderen Moden zu prüfen und ansonsten keine Anstrengungen dazu zu unternehmen, sie zu verstehen. (FG3)

Quellen

  1. „‚Die meisten afrikanischen Länder wären froh und dankbar, wenn sie die deutsche Polizei hätten‘“, nzz.ch, 09.07.2020.