Jan C. Behrends: Die totalitären Wurzeln des Antifaschismus

Nicolas-Antoine Taunay - Triumph der Guillotine (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Der Historiker Jan C. Behrends leitet das Forschungsnetzwerk „Legacies of Communism“ am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. In einem aktuellen Aufsatz weist er auf die totalitären Wurzeln des sogenannten „Antifaschismus“ hin, der derzeit bis weit in das bürgerliche Lager hinein verstärkt auf positive Resonanz stoße.

  • Der Antifaschismus sei „ein Produkt der Giftküche des Stalinismus“. Das Konzept sei ohne analytischen Wert und in der Geschichte von Kommunisten aus propagandistischen und taktischen Gründen zur Bezeichnung ihrer Gegner verwendet worden, um diese zu delegitimieren.
  • Auch Sozialdemokraten, Liberale und Konservative seien immer wieder entsprechend eingeordnet worden. Durch das Konzept wollten Kommunisten zudem die Gemeinsamkeiten zwischen totalitären Ideologien und die Tatsache, dass sie zeitweise gemeinsam mit Nationalsozialisten gegen bürgerliche Kräfte kämpften, verschleiern.
  • Die DDR habe diese Praxis bis zu ihrem Ende fortgesetzt und den freiheitlichen Widerstand gegen die kommunistische Diktatur, beispielsweise den Volksaufstand des 17. Juni 1953, als „faschistisch“ denunziert.
  • In der Gegenwart sei „die Selbstermächtigung zur Gewalt“ gegen politische Gegner ein wesentliches Merkmal der linksextremen Akteure, die sich auf den Antifaschismus berufen.

Es sei problematisch, „wenn historisch kontaminierte Begriffe bedenkenlos von demokratischen Parteien verwendet werden“ und man sich im „Kampf gegen Rechts“ der Sprache des Bürgerkriegs bediene. Freiheitliche Gesellschaften bräuchten zu ihrer Verteidigung keine totalitären Kampfbegriffe.

Bewertung und Hintergrund

Die freiheitliche Nachkriegsordnung Westeuropas beruht wesentlich auf einem antitotalitären Konsens. Die Abkehr von diesem Konsens stellt somit auch eine Abkehr von den Grundlagen freiheitlicher politischer Ordnung dar.

  • Der antitotalitäre Konsens stützt sich vor allem auf Gedanken der christlichen Soziallehre, die den utopischen Ideologien der Moderne, welche die Grundlage für Totalitarismus und Extremismus bilden, einen auf dem Gedanken der Menschenwürde sowie auf politischem Realismus und historischem Erfahrungswissen beruhenden Entwurf entgegenstellt.
  • Erzbischof Georg Gänswein hatte betont, dass es christliche Konservative wie Konrad Adenauer gewesen seien, die Deutschland nach dem durch die totalitäre Ideologie des Nationalsozialismus herbeigeführten Zivilisationsbruch und angesichts der Bedrohung durch den Kommunismus „wieder ganz neu im freiheitlichen Wertesystem“ des Abendlandes verankerten.1

Der Politikwissenschaftler Eckhard Jesse warnte vor den möglichen Folgen der Abkehr des Staates vom antitotalitären Konsens, der zunehmend durch einen antifaschistischen Konsens verdrängt werde. 2 Für den freiheitlich-demokratischen Verfassungsstaat dürfe es keinen guten Extremismus geben. Der „Kampf gegen rechts“ werde zunehmend im Sinne und mit den Mitteln antifaschistischer Ideologie geführt, was sich darin zeige, dass „Rechts“ immer häufiger mit „rechtsextrem“ gleichgesetzt werde, während die Distanz der großen Parteien gegenüber Linksextremisten schwinde. Dass diese Entwicklung auch die Christdemokratie erfasst habe, stelle einen gefährlichen „Dammbruch“ dar.3 (FG2)

Quellen

  1. „Die Wahrheit suchen und für sie kämpfen: Erzbischof Gänswein über das neue Benedikt-Buch“, catholicnewsagency.com. 12.05.2018.
  2. Eckhard Jesse: „Hier Aufmarsch, da Demo“, Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2018.
  3. „‚Zweierlei Maß verbietet sich‘“, Frankfurter Allgemeine Woche, 14.02.2020.