Die Zerstörung der Geistes- und Sozialwissenschaften: Lage und Ausblick

Hubert Robert - Der Louvre als Ruine (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die systematische Zerstörung kulturtragender Institutionen durch neomarxistische, postmoderne und neoliberale Ideologie erfasst zunehmend auch die Universitäten. Insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften hat das Maß der Zerstörung geistiger Substanz dabei mittlerweile ein kritisches Ausmaß erreicht. Der vorliegende Beitrag fasst aktuelle Entwicklungen diesbezüglich zusammen und gibt einen Ausblick auf Perspektiven kultureller Erneuerung.

Der Politikwissenschaftler Allan Bloom, ein Schüler des Naturrechtlers Leo Strauss, hatte bereits 1987 kulturelle Auflösungserscheinungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften beschrieben. Die abendländische universitäre Tradition mit ihren Wurzeln im Denken der griechischen Antike und mit ihrem Ziel des Strebens nach Erkenntnis sei im Zuge der Durchsetzung zunächst neomarxistischer und dann postmoderner Ideologie seit den späten 1960er Jahren zunehmend durch utopische Ideologien, die Ablehnung der Vorstellung einer Existenz objektiver Wahrheit und die Betonung von Gefühlen verdrängt worden. Die Pflege und Weitergabe des abendländischen kulturellen Erbes fände an Universitäten in immer geringerem Maße statt. Ein Erbe, das man nicht kenne, könne man jedoch auch nicht bewahren oder verteidigen.1

Neoliberale Ideologie als Herausforderung für Universitäten

Neoliberale Ideologie lehnt den klassischen Bildungsbegriff ab und geht stattdessen von einem Bildungsverständnis aus, das diese ganz auf berufliche Qualifikation reduziert. Der auf dieser Ideologie beruhende Bologna-Prozess hat den Geistes- und Sozialwissenschaften schweren Schaden zugefügt, weil sie nicht länger einen Raum darstellen, in dem junge Menschen, die über die nötigen geistigen Anlagen und Voraussetzungen verfügen, sich in eigener Verantwortung unter der Führung von Mentoren mit den besten Gedanken der abendländischen Tradition auseinandersetzen, um daran zu wachsen und zu Trägern dieser Tradition und ihres Erbes zu werden. Die neoliberale Universität ähnelt im Gegensatz dazu einer Massenschule, an der als unfrei verstandene Menschen durch enge inhaltliche Vorhaben und ständige Prüfungen auf die möglichst reibungslose Integration in wirtschaftliche Prozesse vorbereitet werden sollen.

Der Historiker Andreas Rödder sprach in diesem Zusammenhang 2019 von einer „Konformisierung der Universitäten durch die Reformen im frühen 21. Jahrhundert“. Die Umgestaltung von Universitäten nach dem Vorbild von Unternehmen sei damit verbunden, dass die Leistung von Wissenschaftlern auch an den von ihnen eingeworbenen Forschungsgeldern bemessen werde. In den Geistes- und Sozialwissenschaften handele es sich dabei aber vor allem um staatliche Mittel. Dies erzeuge hohen politischen Konformitätsdruck. Eine „eigenständig-kritische, kantige Persönlichkeit entwickelt sich unter diesen Bedingungen jedenfalls nicht so leicht“.2

Die Ablehnung wissenschaftlichen Denkens durch postmoderne Ideologien

Großen Schaden haben den Geistes- und Sozialwissenschaften auch postmoderne Ideologien zugefügt. Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht analysierte 2020 am Beispiel der sogenannten „Postcolonial Studies“ die fortschreitende Zerstörung der Geistes- und Sozialwissenschaften durch diese Ideologien bzw. durch den Poststrukturalismus, der die Möglichkeit der Erkenntnis von Wahrheit grundsätzlich ablehnt:

„Dies beflügelte zweitens die Auffassung von Wirklichkeits-Bildern als ’sozialen Konstruktionen‘ auf der Grundlage solcher Absichten, was drittens zu dem Habitus führte, ‚Fakten‘ als Produkte eines naiven Glauben an Konstruktionen von Wirklichkeit zu entlarven. Als der philosophischen Wahrheit vermeintlich letzter Schluss gab viertens die rationalitätskritische Attitude der Dekonstruktion diesem Entsubstantialisierungs-Schub ihren Segen. An die Stelle von Faktengenauigkeit konnte so fünftens eine Empathie mit den Opfern der Geschichte als Imperativ der Wissenschaft treten. Und unter der seit dem achtzehnten Jahrhundert gepflegten und in ihrem Einfluss gewachsenen Prämisse, dass moralisches Recht immer auf der Seite der Schwächeren liege, wurde schließlich aus Empathie ethische Selbstgewissheit.“

Dieser Zerstörungsprozess sei nicht mehr auf aktivistische Fächer wie die „Postcolonial Studies“ beschränkt, weshalb sich die Frage stelle, „ob denn nicht alle Geisteswissenschaften von solcher Dekadenz bedroht sind“.3

Die Sozialwissenschaftler Helen Pluckrose, James A. Lindsay und Peter Boghossian legten 2018 die Absurdität postmoderner akademischer Ideologien offen, indem sie mehrere inhaltlich absichtlich sinnlose aber in neo-marxistischem und postmodernem Jargon verfasste Artikel bei einigen Periodika u. a. aus dem Bereich „Gender Studies“ zur Publikation vorlegten. Viele dieser Artikel wurden veröffentlicht und die Sinnlosigkeit des Inhalts wurde in vielen Fällen im Rahmen des Prüfungsprozesses nicht erkannt. Ein besonders absurder Artikel, der sich mit einer angeblichen Vergewaltigungskultur unter Hunden auseinandersetzt, wurde von der in den „Gender Studies“ zu den führenden Periodika zählenden Zeitschrift „Gender, Place & Culture“ als inhaltlich besonders gelungen hervorgehoben.4

Die Autoren erklärten später, sie hätten auf „politische Korrumpierung“ der Geistes- und Sozialwissenschaften aufmerksam machen wollen. Insbesondere den von der Kritischen Theorie der neo-marxistischen Frankfurter Schule geprägten Fächern, die sie als „Grievance Studies“ bezeichneten, warfen sie vor, aktivistische Anliegen an die Stelle der wissenschaftlichen Suche nach Wahrheit gestellt zu haben.5

Boghossian erklärte außerdem, dass die eingereichten Texte „absichtlich schlecht geschrieben“ gewesen seien. Sie seien „nicht einmal irre, sondern einfach nur inkohärent“ und „wahnsinnig“ gewesen und hätten „schlichtweg Blödsinn“ enthalten. Von 20 der verfassten Artikel wurden sieben veröffentlicht oder für die Publikation akzeptiert, sieben weitere waren unter Begutachtung. Diejenigen, die die Publikationen veröffentlicht hatten, hätten sich anschließend geweigert, sich Diskussionen zu stellen. Stattdessen hätten sie mit Angriffen auf die Reputation der Kritiker geantwortet.6

Die Verdrängung der Wissenschaft durch utopische Ideologien

Der Historiker Niall Ferguson kritisierte 2019 die zunehmende Ideologisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften im westlichen Kulturraum sowie deren zunehmende Kontrolle durch eine „politisch korrekte Orthodoxie“ aus Anhängern postmoderner und neo-marxistischer Ideologien. An diese Stelle von Wissenschaft seien identitätspolitische „Jammer- oder Beschwerdestudien“ getreten, deren einziges Ziel es sei, „den Kanon der toten weissen Männer zu dekonstruieren“. Im akademischen Leben gehe es zunehmend „nicht um die besten Ideen […], sondern um die besten Tricks“, mit denen der eigene Machtanspruch und die eigene Ideologie auch gegen fundiertere Gedanken sowie gegen Kritik durchgesetzt werde. Dabei herrsche eine „Logik der Verleumdung“ vor, mit der versucht werde, die Reputation konservativer Stimmen zu zerstören. Man berufe sich dabei auf „Vielfalt“, wobei jedoch „in der Praxis alle Andersdenkenden konsequent exkludiert“ würden. Eine „echte Vielfalt der Gebiete und Themenzugänge“ sowie echte Debatten seien seit den 1980er Jahren beispielsweise aus der Geschichtswissenschaft weitgehend verschwunden. Bei der Besetzung von Stellen zählten nicht Fähigkeiten oder Ideen, sondern „die richtigen ethnischen und sexuellen Merkmale“:

„In den 1980er Jahren hiess das: Vielfalt an Ideen, Positionen, Zugängen. Heute heisst es: Diversität von Hautfarben, Geschlecht, sexuellen Präferenzen. Die neue Diversität ist das Gegenteil von echter Vielfalt. In ihrem Namen werden all jene diskriminiert, die nicht der gewünschten Weltanschauung entsprechen.“

Diese Entwicklung zerstöre die intellektuelle Integrität des Wissenschaftsbetriebs:

„Der Rahmen des Sagbaren im akademischen und öffentlichen Raum hat sich in den letzten Jahren drastisch verengt. Evidenzbasierte Argumente spielen keine Rolle mehr. Es gewinnt, wer die lautesten Unterstützer hat, und es verliert, wer um seine Reputation fürchten muss.“

Kritiker dieser Entwicklung würden „von den Vorkämpfern der sozialen Gerechtigkeit als Rassist hingestellt“ und „vom Mob in den sozialen Netzwerken niedergeschrieben oder […] entlassen.“7

Die Migrationsforscherin Sandra Kostner beobachtete 2020, dass immer mehr Studenten die Prinzipien wissenschaftlichen Denkens nicht mehr verstünden oder akzeptierten und eine Einschränkung der Erkenntnis- und Meinungsvielfalt an Universitäten aus politischen Gründen befürworteten, „wenn dies dem Schutz von spezifischen Gruppen oder einer angeblich guten Sache, insbesondere dem berühmt-berüchtigten ‚Kampf gegen rechts‘, dient.“ Ihre Studenten hätten zum Teil „mit Fassungslosigkeit“ reagiert, als sie aufgefordert wurden, sich auch mit „rechten“ Positionen wissenschaftlich auseinanderzusetzen.

  • Diese Verengung des Geistes sei auch Folge der Tatsache, dass das an Universitäten praktizierte Diskursklima seit Langem eine „freiheitsskeptische und vielfaltsfeindliche Haltung“ einfordere. Dieses Klima sei wiederum das Produkt der „in den 1960er/70er Jahren von politisch links stehenden Wissenschaftern“ angestoßenen „Etablierung einer zugleich politisierten und moralisierten Wissenschaftsform, für die sich die Bezeichnung Agendawissenschaft aufdrängt“.
  • Agendawissenschaftler unterschieden „nicht zwischen Aktivismus und Wissenschaft“. Es gehe „ihnen nicht darum, ergebnisoffen konkrete Phänomene zu analysieren, um sie besser zu verstehen, sondern darum, mithilfe von Forschung und Lehre ein ideologisch verbrämtes gesellschaftspolitisches Programm voranzubringen.“

Ideologisches Ziel dieser Aktivisten sei ursprünglich das „Empowerment der angeblich vom Kapital unterdrückten sozialen Klassen“ gewesen. An dessen Stelle sei zuletzt das „Empowerment von Gruppen, die aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer aussereuropäischen Herkunft, ihres nichtchristlichen Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung pauschal zu Opfern der von weiss-christlich-heterosexuellen Männern geschaffenen Machtverhältnisse erklärt wurden.“ Sie sähen sich „als Werkzeug, um eine Gesellschaft zu schaffen, in der sich diese Identitätsgruppen ermächtigt fühlen, in der sie keine realen oder subjektiv empfundenen Nachteile erleben und in der ihre Gefühle vor jeglicher Verletzung geschützt sind“.8

Die Zerstörung der wissenschaftlichen Debattenkultur

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) veröffentlichte 2019 eine Resolution, in der er zunehmend praktizierte „Denk- und Sprechverbote“ an Universitäten kritisierte. Die „freie Debattenkultur“ müsse angesichts zunehmender politischer Korrektheit und sinkender Toleranz gegenüber anderen Standpunkten „verteidigt werden“.9

Einer 2018 erstellten repräsentativen Umfrage unter Politologie- und Soziologie-Studenten an der Goethe-Universität in Frankfurt zufolge gebe es unter Studenten einen hohen ideologischen und sprachlichen Konformitätsdruck. Rund die Hälfte der Befragten habe sich dagegen ausgesprochen, dass Personen mit als kontrovers bewerteten Standpunkten zu Islam-, Gender- und Migrationsfragen an der Universität sprechen dürften. Rund ein Drittel der Befragten lehnte es ab, dass entsprechende Bücher in der Universitätsbibliothek verfügbar sein sollten. Ebenfalls rund ein Drittel der Befragten sprach sich für die Entlassung von Personen aus, die sich zu diesen Themen kritisch äußerten.10

Auch Hochschullehrer empfinden das geistige Klima an deutschen Universitäten laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen zunehmend als intolerant. Rund ein Drittel gab ab, sich durch formelle oder informelle Vorgaben, die bestimmte ideologische Positionen für verbindlich erklären wollen und Konformität mit ihnen einfordern (etwa durch gendergerechte Sprache), eingeschränkt zu fühlen.11

  • Die Politikwissenschaftlerin Hannah Bethke beschrieb den Umgang mit zentralen gesellschaftlichen Fragen an Universitäten in Deutschland 2019 so: „Einfluss nimmt, wer am lautesten brüllt“. Debatten würden nicht mehr stattfinden, sondern von Aktivisten bereits im Ansatz unterbunden werden, die zudem Kampagnen gegen Professoren führen, welche konservative Positionen vertreten. Seit der Bologna-Reform und dem damit verbundenen „rapiden Wachstum des universitären Prekariats“ habe sich diese Entwicklung deutlich beschleunigt.12
  • Der Philosoph Dieter Schönecker wies 2019 darauf hin, dass die Anhänger aktivistischer Strömungen an philosophischen Fakultäten auf Kritik mit Versuchen reagieren würden, deren Urheber „mit den perfidesten Mitteln“ zu diskreditieren.13
  • Der Historiker Andreas Rödder kritisierte 2019, dass sich an Universitäten eine „Kultur des Regenbogens“ durchgesetzt habe, die „alles Unliebsame aus dem Kreis des Zulässigen exkludieren“ will und von der eine „Meinungsdiktatur“ ausgehe. An den Universitäten werde „Dissens zunehmend unterdrückt“: „Konformisiert gegenüber dem herrschenden Zeitgeist, entwickeln sie sich, jedenfalls in Teilen, zur Bühne, wenn nicht gar zum Gehilfen einer zunehmend repressiven Einengung des öffentlich Sagbaren“. Dies stehe im Widerspruch zu den Prinzipien der Wissenschaft.14

Laut der bereits oben zitierten Sandra Kostner werde die „kritische Überprüfung von Forschungsergebnissen“ von akademischen Aktivisten „nicht als notwendiger Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens gesehen, sondern als Störfaktor auf dem Weg zu einer idealen Gesellschaft“. Im akademischen Leben würden wissensbasierte Machtasymmetrien in diesem Zusammenhang durch moralbasierte ersetzt. Dies ermögliche es geistig weniger fähigen Akteuren, ihnen überlegene Stimmen aus Diskursen auszugrenzen, was die entsprechenden Ideologien vor allem für jene attraktiv mache, die dem wissenschaftlichen Streit ansonsten nicht gewachsen wären:

„Moralbasierte Machtasymmetrien bilden die ideale Voraussetzung für Studenten, die das agendawissenschaftliche Programm radikalisieren oder einfach nur Macht über andere ausüben möchten. So haben es sich manche zur Aufgabe gemacht, Disziplinarmassnahmen für Dozenten einzufordern, deren Lehrinhalte oder deren Sprachgebrauch von der ‚richtigen‘ Gesinnung abweichen. Die Anklage lautet stets: rassistisch, sexistisch, anschlussfähig an rechte Diskurse, femo-/homonationalistisch oder islamophob.“

Um auch andere von „einer kritischen Überprüfung abzuhalten, wird Macht eingesetzt – entweder indirekt in Form von moralischer Herabsetzung oder, wo institutionell möglich, direkt durch Disziplinierungsmassnahmen (Ressourcenzuteilung, Publikationsmöglichkeiten, Notengebung).“ Das „von Hochschulmitgliedern ohne Sorge vor Konsequenzen für ihre Karriere- oder Studienverläufe verfolgbare Erkenntnis- und Diskursspektrum“ werde dadurch immer stärker eingeschränkt. Das „zur Ziehung roter Diskurslinien herangezogene Vokabular“ werde dabei „bewusst so konstruiert, dass es Anklänge an strafrechtsrelevantes Handeln hat.“ Die „roten Linien“ seien in einigen Bereichen „so eng gezogen, dass es kaum mehr minenfreien Diskursspielraum gibt.“15

Die Zukunft der Geistes- und Sozialwissenschaften

Da sich aktivistische Strömungen im akademischen Bereich im gesamten westlichen Kulturraum nicht nur als äußerst durchsetzungsfähig in den politischen Machtkämpfen erwiesen haben, auf die sie das geistige Leben allgemein reduzieren, sondern auch über den Rückhalt von immer stärker werdenden sozialen Bewegungen sowie über wachsenden staatlichen Rückhalt verfügen, ist kurz- bis mittelfristig mit einer weiteren Verschlechterung der Bedingungen an Universitäten zu rechnen. Hinzu kommt, dass klassische Bildung ihre frühere Bedeutung als Voraussetzung für eine Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Eliten verloren hat. Auch bei der Erlangung und Ausübung von höheren Ämtern und Funktionen des öffentlichen Dienstes, dessen Führung zunehmend ideologischen Konformismus einfordert, stellt klassische Bildung oft eher ein Hindernis dar.

Der kürzlich verstorbene Philosoph Roger Scruton hatte vor diesem Hintergrund erklärt, dass die Träger des abendländischen Erbes und der mit diesem verbundenen Geistes- und Sozialwissenschaften dazu bereit sein müssten, künftig als Dissidenten außerhalb der Sphäre des gesellschaftlich Akzeptierten zu wirken. Wenn die beschriebene Entwicklung nicht aufgehalten und umgekehrt werde, dann werde sich dieses Erbe möglicherweise auf Strukturen ähnlich jener geheimen Universitäten stützen müssen, die es während der Zeit der kommunistischen Herrschaft in Osteuropa aufrechterhalten hatten.16 Scruton hatte sich unter erheblichen persönlichen Risiken am Aufbau solcher Universitäten in der damaligen Tschechoslowakei beteiligt, weil er wusste, dass ein auf Unwahrheit gegründeter Zustand nicht dauerhaft bestehen kann.

Quellen

  1. Allan Bloom: Der Niedergang des amerikanischen Geistes, Hamburg 1988.
  2. Andreas Rödder: „Es gilt, die Meinung des anderen zu ertragen, auch wenn sie mir nicht passt“, Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2019.
  3. Hans Ulrich Gumbrecht: „Das Ende der Postkolonialisten“, welt.de, 29.05.2020.
  4. Jennifer Schuessler: „With Canine Sex and Hooters, Pranks Jab at Academic Papers“, The New York Times, 05.10.2018.
  5. Helen Pluckrose/James A. Lindsay/Peter Boghossian: „Academic Grievance Studies and the Corruption of Scholarship“, areomagazine.com, 02.10.2018.
  6. „‚Du wirst nie in der Lage sein, Probleme zu lösen, wenn du damit beschäftigt bist, beleidigt zu sein‘“, Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2019.
  7. „‚Damit war der moralische Sieg der Sozialisten über die Liberalen und Konservativen besiegelt…'“, Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2019.
  8. Sandra Kostner: „Der eindimensionale Akademiker“, Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2020.
  9. „Kempen: ‚Freie Debattenkultur muß verteidigt werden'“, 10.04.2019.
  10. Heike Schmoll: „Wie an Universitäten Meinungen unterdrückt werden“, faz.net, 06.05.2019.
  11. „Hochschullehrer sehen Meinungsfreiheit an Universitäten in Gefahr“, welt.de, 11.02.2020.
  12. Hannah Bethke: „Kann jetzt geschossen werden?“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2019.
  13. Alexander Kissler et al.: „Der Kampf um den Kanon“, Cicero, Nr. 6/2019, S. 14-26, hier: S. 24.
  14. Rödder 2019.
  15. Kostner 2020.
  16. Sir Roger Scruton: „Sir Roger Scruton battled the Thought Police behind the Iron Curtain as a young man. Now he says they’ve come for him in Britain after he was wrongly accused of making racist slurs“, The Mail on Sunday, 30.06.2019.

2 Kommentare

  1. Diese Entwicklung war schon zaghaft aber doch spürbar im Gange, als ich 2001 als Dr. phil. der geisteswissenschaftlichen Fakultät einer kurpfälzischen Universität den Rücken kehrte. Dennoch gab es den aktivistischen Irrsinn noch nicht in dem Maße wie heute. Man kannte neben den zahlreicher anzutreffenden 68ern durchaus auch konservative und liberale Professoren und respektierte sie selbstverständlich. Und sie respektierten im Gegenzug jeden noch so unterkomplexen Linken unter ihren Studenten und jede noch so ressentimentgeladene Neofeministin. Was hat sich seitdem geändert? Nun, ganz einfach: Diese Professoren mit Charakter sind emeritiert und mit ihnen verschwunden ist die Kultur des freien Gesprächs. Ihnen nachgefolgt sind in aller Regel Opportunisten und Aktivisten. Letztere ziehen ihre ideologische Agenda durch und erstere schauen ungerührt zu! Kann man den Emeriti vorwerfen, dass sie sich ihre dünnbrettbohrenden Nachfolger selbst geholt oder herangezogen haben? Ich glaube nicht. Die Zeiten sind leider günstig für neomarxistische Wiedergänger, genderlinguistische Sprachterroristen und Antiwissenschaftler jeder Couleur. Dafür gibt es viele Ursachen; unter anderem sollten wir Christen bedenken, dass diese Entwicklung auch mit dem Verblassen unserer Religion in den westlichen Staaten zu tun hat. Wo der Katholizismus verschwindet, verschwindet notwendigerweise auch die freie Wissenschaft!

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