Necla Kelek: Das islamische Geschlechter- und Familienbild als kulturelle Herausforderung

Iwan Aiwasowski - Ansicht Konstantinopels (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Die Soziologin Necla Kelek ist vor allem durch ihr Engagement im Bereich Frauenrechte bekannt geworden. In ihrem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Die unheilige Familie“ analysiert sie die tiefgreifenden kulturellen Unterschiede zwischen dem europäischen und dem islamischen Geschlechter- und Familienbild sowie die Konflikte, die sich daraus ergeben. Diese Konflikte müssten im Interesse der Selbstbehauptung der freiheitlichen Gemeinwesen Europas ausgetragen werden.1

Der kulturelle Konflikt zwischen freiheitlicher Gesellschaft islamischer Gegengesellschaft

Kelek betont, dass sich ihre Analyse nicht auf die Muslime beziehe, die sich in Europa erfolgreich assimiliert hätten, sondern auf die islamische „Gegengesellschaft“, die sich hier herausgebildet habe. Durch ausbleibende Assimilation bei einem Teil der Muslime sowie durch unkontrollierte Migration von Muslimen aus Gesellschaften, „in denen Unterordnung, Gewalt und schwarze Pädagogik dominieren“ und „weder Freiheit noch Verantwortung“ in der Kultur verankert seien, hätten sich die entsprechenden Herausforderungen in den vergangenen Jahren weiter verschärft.2

Diese islamische Gegengesellschaft stehe in einem kulturellen Konflikt mit der Gesellschaft freier Menschen, „die in der Lage sind, Verantwortung für sich selbst und ihre Nächsten, für ihre persönliche Freiheit, aber auch für die unserer Gesellschaft zu übernehmen“. Im Interesse des Erhalts der freiheitlichen Gesellschaft müsse dieser Konflikt ausgetragen und der Vorrang europäischer Werte durchgesetzt werden. Es gehe „um unsere Identität“. Kein Thema habe „das Land so zerrissen“ wie „der Themenkomplex Migration und Islam“. Es sei daher eine Auseinandersetzung darüber notwendig, was die Gesellschaft „im Innersten zusammenhält“.3

Die Rolle der Frau im Islam und das islamische Konzept von Ehe und Familie

Den traditionellen Islam versteht Kelek gestützt auf Gedanken des Islamwissenschaftlers Tilman Nagel und des Soziologen Max Weber als vergleichsweise transzendenzarme Religion, deren Inhalte von Mohammed nach „militärischen Notwendigkeiten“ gestaltet worden seien. Es handele sich um eine „Herren- und Kriegerreligion“, die auf Beute- und Machtgewinn ausgelegt sei. Die Frau habe die erste Beute des Islam dargestellt, was sich auch daran zeige, dass der Koran Regelungen für die Zwangsverheiratung der bei den von Mohammed angeführten Raubzügen erbeuteten Frauen enthalte.

  • Das katholische Christentum verstehe die Ehe als Sakrament und als freiwillig vor Gott eingegangenen Bund zwischen Mann und Frau. Der traditionelle Islam verstehe die Ehe radikal anders und betrachte sie als weltlichen Vertrag, bei dem die Frau so wie anderer Besitz für eine Gegenleistung von einer Familie an eine andere übergeben werde. Er habe sich dabei an Praktiken der Prostitution bzw. des Umgangs mit weiblichen Sklaven orientiert.
  • Als System der Unterwerfung beruhe der Islam auf Hierarchien, in denen die Frau den niedrigsten Rang einnehme. Die islamische Familie sei eine „unheilige Familie“ und „ein Gefängnis“, das nicht unter dem Schutz der staatlichen Ordnung in Deutschland stehen dürfe. Die traditionelle islamische Familie sei nicht wie in den Kulturen Europas eine Schule freier, zur Eigenverantwortung fähiger Menschen, sondern beruhe auf der Verfügung des Mannes über Frauen und Kinder. Nicht der Mann diene hier wie im europäischen Verständnis der Familie, sondern Frauen und Kinder dem Mann. Erziehung werde in diesem Zusammenhang als das gewaltsame Brechen des Willens des Kindes verstanden.
  • Die Ehre des Mannes und dessen Rang in der Hierarchie würden durch dessen Fähigkeit zur Anwendung von Gewalt sowie zur Demütigung anderer und zur Erzeugung von Angst definiert. Zur Herstellung des islamspezifischen Gefühls von Ehre sowie zur Behauptung ihres Ranges in der sozialen Hierarchie würden muslimische Männer gegenüber Menschen, die sie als rangniedriger betrachten, häufig auf demütigende Weise gewalttätig.
  • Schwiegermütter, ältere Geschwister oder ältere Ehefrauen in den auch in Deutschland unter arabischen Muslimen verbreiteten polygamen Ehen würden ihrem höheren Rang in dieser Hierarchie ebenfalls durch Gewalt und Demütigung Ausdruck verleihen, die sich gegen jüngere Frauen richteten.

Dieses Geschlechterbild und Verständnis von Ehe und Familie präge wesentliche Teile des Islam bis in die Gegenwart. Es führe dazu, dass 80 Prozent der Frauen, die in Frauenhäusern in Deutschland Zuflucht suchten, aus islamischen Familien kämen, die zudem stärker als andere von Vernachlässigung von Kindern und Bildungsferne geprägt seien.

Kelek gibt in diesem Zusammenhang die Äußerung einer von ihr betreuten jungen Frau wieder, die aus einer dysfunktionalen muslimischen Familie stammt und aufgrund der Gewalttätigkeit des Vaters zeitweise in einem katholischen Kinderheim lebte. Ihren Worten habe habe sie hier erstmals Freiheit, Würde und Bildung erfahren. In den katholischen Nonnen habe sie ihre „idealen Eltern, ihre Traumfamilie gefunden“ und „die schönste Zeit ihres Lebens“ erfahren.

Die Ausblendung islambezogener Herausforderungen durch die Sozialwissenschaften in Deutschland

Den Sozialwissenschaften in Deutschland wirft Kelek vor, kein Interesse an den von ihr beschriebenen kulturellen Unterschieden und deren Folgen zu haben. Bei zentralen islam- und migrationsbezogenen Herausforderungen gebe es „elementare Bereiche, die weder erforscht noch problematisiert werden“. Diese hätten meist mit kulturellen Unterschieden und deren gesellschaftlichen Auswirkungen zu tun. Die Ansprache von Herausforderungen werde grundsätzlich als „Ausdruck von Vorurteilen und Panikmache“ abgetan. Dies erfolge teilweise entgegen besseren Wissens aus dem Motiv, einer negativen Wahrnehmung von Minderheiten entgegenwirken zu wollen.

In ihrer „staatlich finanzierten Komfortzone“ würden große Teile der Sozialwissenschaften Ergebnisse produzieren, die vor allem darauf angelegt seien, nicht anstößig zu wirken. Wo man problematische Phänomene nicht leugnen könne, führe man sie unabhängig von ihren tatsächlichen Ursachen grundsätzlich auf Faktoren wie Diskriminierung bzw. Rassismus und Islamophobie sowie mangelnde Umverteilung zurück.

Assimilation oder eine positive Bezugnahme auf die eigene Kultur würden grundsätzlich abgelehnt. Oftmals leugne man sogar, dass die eigene Kultur sowie die „Werte und zivilisatorischen Errungenschaften der europäischen Kultur“ überhaupt existieren, während man die Artikulation der Bedürfnisse der Mehrheitsgesellschaft als Ausdruck von Populismus denunziere. Integration werde als Bringschuld der deutschen Gesellschaft, nicht aber der Migranten verstanden.4 Die „fatale Ausblendung von Fakten“ sei aber „auch dem Diskriminierungstabu, der Angst vor der Rassismuskeule geschuldet“.5

Versagt hätten vor allem auch die Gender Studies, in deren engen ideologischen Rahmen die Unterdrückung der Frau nur als Problem westlicher Gesellschaften denkbar sei und stets auf deren Einflüsse zurückgeführt werde, wenn es in anderen Teilen der Welt auftrete. Dieses Fach könne nicht mehr als Wissenschaft bezeichnet werden und sei „eine Art postreligiöse Erweckungsbewegung, mit eigener Symbolik, Theoremen und gerechter Sprache und vor allem zweckfrei und selbstgerecht“.6

Quellen

  1. Necla Kelek: Die unheilige Familie. Wie die islamische Tradition Frauen und Kinder entrechtet, München 2019.
  2. Ebd., S. 16.
  3. Ebd., S. 249-251.
  4. Ebd., S. 236-256.
  5. Ebd., S. 14-15.
  6. Ebd., S. 269.

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