Die Corona-Krise als Krise des Feminismus

James Sant - Courage, Anxiety and Despair - Watching the Battle (Wikimedia Commons/gemeinfreI)

Die Corona-Krise ist auch eine Krise des Feminismus. In den vergangenen Wochen wurde erkennbar, dass feministische Ideologie Gesellschaften verwundbar macht, weil sie Geschlechterrollen und Familienbilder propagiert, die nicht krisenfest sind. Feministische Aktivistinnen reagierten auf die Krise außerdem vorwiegend nicht mit Sorge um das Gemeinwohl und Suche nach Antworten auf die Krise, sondern mit Sorge um ihre Partikularinteressen. Der neuen Lage begegneten sie allgemein mit Unverständnis sowie mit Anklage der als ungerecht empfundenen Tatsachen.

Mangelnde Gemeinwohlorientierung des Feminismus

Fragen des Gemeinwohls spielten in den Äußerungen feministischer Aktivisten in der Krise kaum eine Rolle. Die Opfer und Lasten der Krise interessierten nur, solange es sich um Frauen handelte bzw. wenn sie Frauen betrafen. Praktische Antworten auf die Krise wurden verurteilt, wenn sie nicht feministischer Ideologie entsprachen, ohne dass eigene Antworten formuliert wurden. Während es den meisten anderen politischen Akteuren in der Krise vorwiegend um den Schutz der Menschen ging und darüber diskutiert wurde, wie dieses Ziel am besten zu erreichen sei, sorgen sich feministische Aktivisten darum, dass Abtreibungen aufgrund von Kontaktverboten erschwert seien. Die weitgehende Abwesenheit entsprechender Stimmen bei der Suche nach Antworten auf die Krise ließ auch mit ihnen sympathisierende Akteure fragen: „Wo stecken die Feminist*innen in der Corona-Krise?“

Die Rückkehr traditioneller Geschlechterrollen in der Krise und die Antwort des Feminismus

Traditionelle Geschlechterrollen haben sich in der Krise im Vergleich zu feministischen Konzepten durchgängig als resilienter erwiesen, wie zahlreiche feministische Autorinnen und Aktivistinnen einräumen mussten, ohne daraus jedoch weltanschauliche Konsequenzen zu ziehen.

  • Julia Jäkel, die Vorsitzende der Geschäftsführung des Verlagshauses Gruner + Jahr,  erklärte, dass die Krise gezeigt habe, dass das „Gebot der Diversität“ offenbar „nur an ruhigen Tagen“ gelte. Entscheiderkreise seien wieder männlicher geprägt: „Plötzlich, in der Krise, sind alle Frauen weg.“ Dies gelte auch für Experten.  Die „allermeisten Virologen, die Chefs der Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die vielen Chefärzte, Verbandschefs, der übergroße Teil der Ökonomen, der Gesundheitsminister, die dominanten Ministerpräsidenten, 24 der 26 Mitglieder der Nationalakademie Leopoldina – alles Männer.“1
  • Die feministische Autorin Jana Hensel beklagte, dass in der Krise vor allem Männer als Problemlöser, Treiber des Geschehens und als Entscheider hervorgetreten seien. Dies habe „traditionelle Rollenvorstellungen wieder wie die natürlichste Sache der Welt aussehen“ und „emanzipative und progressive Bewegungen und Diskurse als eine Art Luxusprobleme“ erscheinen lassen. Krisen ließen „solche reaktionären Forderungen als irgendwie logisch und plausibel erscheinen“.2
  • Die Journalistin Susanne Gaschke erklärte, dass in der Krise „die größte frauenpolitische Desillusionierung in der Geschichte der Bundesrepublik“ stattgefunden habe. Es sei sichtbar geworden, „wie stabil die alten Rollenbilder trotz aller Frauenförderoffensiven und aller quotierten Aufsichtsräte immer noch sind“. Es sei möglich, dass „die ohnehin mühsame und zeitverzögerte Emanzipation der deutschen Mutter durch Corona rückabgewickelt“ werde.3

Die feministische Journalistin Anna Clauß schrieb, dass sie sich in der Krise „oft bei der für eine Karrierefrau unerhörten Frage ertappt“ habe: „Wäre unsere dreiköpfige Familie glücklicher, wenn unser Alltag traditionelle Rollenverteilungen vorsähe und das Kind sehr viel reduzierter als neun Stunden am Tag in den Kindergarten müsste? […] Könnte es sein, dass ich das Konzept der Hausfrauenehe bislang total unterschätzt habe?

  • Ihr fünfjähriger Sohn sei in der Krise „glücklich“ gewesen und habe „die wohl beste Zeit seines Lebens“ genossen. Seine „enormen Entwicklungsfortschritte“ hätten ihre Ursache darin gehabt, dass sie zu Hause geblieben sei. Staatliche Betreuung habe ihr Sohn nicht vermisst.4
  • Es sei „erstaunlich, wie viele Paare das Coronavirus zurück in die Fünfzigerjahre katapultiert“ habe, was die Rollenverteilung angehe. Der Grund dafür sei, dass sich Menschen in Krisen auf bewährte Lösungen besinnen würden. Wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder davon spreche, dass in der Krise oft nach dem Vater gefragt werde, dann sei dies „kein konservatives Wunschdenken, sondern die bittere Realität.“
  • Clauß erkennt im Unterschied zu anderen Feminstinnen an, dass diese Entwicklung nicht auf einer patriarchalen Verschwörung, sondern auf Entscheidungen von Frauen und Männern für spezifische Rollen beruht. Das Eintreten für die Rechte von Frauen müsse vor diesem Hintergrund bedeuten, weibliche Stärken wie „Selbstaufopferung und Fürsorglichkeit“ stärker anzuerkennen sowie „Berufe, für die sich Frauen interessieren und die obendrein systemrelevant sind“, besser zu entlohnen.5

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ beobachteten mehrere Autorinnen, dass die Krise eine für Feministinnen „böse Erkenntnis mit sich“ bringe: „Wenn es drauf ankommt, ist es schnell vorbei mit der Emanzipation.“ Die Rechtswissenschaftlerin Elisa Hoven erklärte, dass das gesellschaftspolitische Ziel der Berufstätigkeit beider Eltern in der Krise zu enormen Belastungen geführt habe. Angemessene Kinderbetreuung sei für doppelt berufstätige Paare praktisch unmöglich gewesen. Sie „vermisse eine ehrliche Debatte darüber, wie das – oder jeder andere Job – mit der Kinderbetreuung vereinbar sein soll. Und darüber, dass es im Grunde eben nicht vereinbar ist mit dem emanzipierten Ideal der arbeitenden Mutter.“6

Jutta Allmendinger, die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, sorgte sich in der Krise vor allem um die Karrierechancen von Frauen. Die „Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen“ drohe zurückzugehen. Eine „entsetzliche Retraditionalisierung“ sei die Folge.7 Eine „Retraditionalisierung“ beobachtete auch Thomas Gesterkamp auf der Plattform der Heinrich-Böll-Stiftung, die der Partei Bündnis90/Die Grünen nahesteht. Es bestehe eine „Gefahr eines keineswegs schleichenden, sondern ganz abrupten Rückfalls in alte Rollenmuster“ und der Rückbesinnung auf die „gute alte Kleinfamilie“.8

Die traditionelle Familie als krisenfeste Institution und Stütze des Gemeinwesens in der Krise

Die von feministischer Ideologie abgelehnte Institution der traditionellen Familie stärkt die Resilienz von Gesellschaften, weil sie eine Solidarstruktur darstellt, die auch dann verfügbar ist, wenn staatliche Institutionen ausfallen oder überlastet sind. Je mehr Menschen Teil einer intakten Familienstruktur sind, desto geringer sind die Lasten, die ein Gemeinwesen in Krisenzeiten zu tragen hat, und desto leichter kommen Menschen durch die Krise. Familien mit traditioneller Rollenverteilung, in denen die Mutter die Kinderbetreuung übernehmen konnte, während der Vater einer Erwerbstätigkeit nachging, erwiesen sich in der Krise zudem als besonders resilient, wie oben gezeigt wurde.

Als wenig resilient erwiesen sich hingegen andere Lebensformen, wie sie auch von feministischer Ideologie propagiert werden. Der „Berufsverbands Bildender Künstler*innen Berlin“ erklärte etwa, dass viele seiner alternativen Lebensformen folgenden Mitglieder in der Krise erkennen mussten, „wie fragil ihre Lage ist“. Viele hätten „ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Familie“ und seien in der Krise mangels Einbindung in eine Solidarstruktur besonders verwundbar.

Entgegen von Stimmen, welche die Familie während der Krise vor allem als einen Schauplatz häuslicher Gewalt darzustellen versuchten aus dem die Menschen befreit werden müssten, gab es laut dem Kriminologen Christian Pfeiffer außerdem bislang keinen Anstieg der entsprechenden Zahlen, weder was die Zahl der Polizeieinsätze noch was die Nachfrage nach Plätzen in Frauenhäusern anging. Auch die Münchener Polizei sowie das nordrhein-westfälische Innenministerium erklärten, dass sie keinen Anstieg der Zahl der Fälle beobachtet hätten. In NRW sei die Zahl der gemeldeten Fälle häuslicher Gewalt sogar um 30 Prozent zurückgegangen. Wo es dennoch zu solchen Fällen kommt, sind nicht intakte Familien der Schauplatz, sondern solche, in denen Eltern z. B. alkohol- oder drogensüchtig sind. Solche Problemlagen stehen aber in keiner Verbindung zu einem traditionellen Verständnis von Ehe- und Familie.

Folgerungen aus der Krise

Krisenfeste Gemeinwesen pflegen Resilienzfaktoren, die ihre Belastbarkeit stärken, und stellen Verwundbarkeiten ab. In der Corona-Krise hat sich erneut gezeigt, dass die traditionelle Familie und traditionelle Geschlechterrollen zu den Resilienzfaktoren gehören. Eine Konsequenz aus der Krise sollte es daher sein, ihnen größere gesellschaftliche Anerkennung zukommen zu lassen, als es zuletzt in Deutschland der Fall war. Der feministische Kampf gegen traditionelle Geschlechterrollen und die traditionelle Familie sind hingegen spätestens nach den Erfahrungen der Krise nicht mehr im Sinne des Gemeinwohls begründbar. (ts)

Dieser Beitrag wurde am 04.05.2020 mit den Äußerungen von Jutta Allmendinger aktualisiert.

Quellen

  1. Julia Jäkel: „Zurück in der Männerwelt“, Die Zeit, 29.04.2020.
  2. Jana Hensel: „Die Krise der Männer“, zeit.de, 13.04.2020.
  3. Susanne Gaschke: „Kinder und Küche“, Die Welt, 06.04.2020.
  4. Anna Clauß: „Mein Sohn, der Lockdown-Gewinner“, spiegel.de, 16.04.2020.
  5. Anna Clauß: „Feminismus rettet Leben“, spiegel.de, 09.04.2020.
  6. Miriam Dahlinger, Stefanie Flamm, Sarah Levy, Charlotte Parnack, Stefanie Witterauf: „Das Patriarchat lebt!“, Die Zeit, 29.2020.
  7. „‚Frauen werden eine entsetzliche Retraditionalisierung erfahren'“, welt.de, 04.05.2020.
  8. Thomas Gersterkamp: „Abrupter Rückfall in alte Rollenmuster“, gwi-boell.de, 28.04.2020.

2 Kommentare

  1. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie in der Krisenzeit Umwelt-, Arbeits-, Emanzipations- und Migrationsfragen plötzlich wie selbstverständlich in den Hintergrund rücken.

    Ähnlich war das aus meiner Sicht schon 2015, als im Zuge der Einwanderungskrise Fragen der Finanz- und Umweltpolitik von der Helfereuphorie überdeckt wurden. Die politische Dichotomie – unbegrenzte Einwanderung vs. nationale Grenzen – ist ja dann entstanden und die Nachwehen dieser Entwicklung sind bis heute wahrnehmbar.

    Nun wird es sehr interessant sein, wie sich die Folgen der jetzigen Krisensituation auf die Gesellschaft auswirken – ein Trend scheint sich ja schon abzuzeichnen:
    Die Fragilität der Gesellschaft macht den Bürgern ihre eigene Verwundbarkeit klar, in Folge werden stabile, sicherere Strukturen wieder populärer – so meine These dazu.

    Im Endeffekt glaube ich jedoch, dass sich an der Flugrichtung der europäischen Gesellschaften auch durch diese Turbulenzen nichts ändern wird – Einwanderung, „ökologische“ Transformation der Wirtschaft und „Kampf gegen Rechts“ werden meiner Ansicht nach in Deutschland weiter ganz oben auf der Agenda stehen. Um bei dem Bild zu bleiben: Meiner Meinung nach ist auch eine Notlandung nicht in Sicht und ein Absturz unvermeidlich – man halte also seinen Fallschirm bereit.

    • Leider wird sich vermutlich tatsächlich nichts ändern. Jede Krise geht irgendwann auch mal vorbei und dann geht es uns wieder (zu) gut.
      Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass unsere Gesellschaft schon seit Jahrzehnten männerfeindlich indoktriniert wird.
      Empfehlen kann ich dazu das Buch „Besonders Frauen – Schwarzbuch des Feminismus“ von Gunnar Kunz.

      Es ist erschreckend, zu lesen wie die Frauen-Lobby bereits seit den 50er und 60ern für Benachteiligung von Jungen/Männern und Bevorzugung von Mädchen/Frauen gesorgt hat. So haben Frauen dann auch folgerichtig nur grundgesetzlich gesicherte Rechte, niemals aber Pflichten! Wie bspw. die Wehrpflicht nur für Männer.
      Dahinter steht eine starke Frauen-Lobby und, man muss es leider sagen, die Dummheit und Ignoranz vieler Männer, verbunden mit einem „Schutzreflex“ zum Wohl der Mädchen/Frauen.

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