Das Patriarchat als Fundament abendländischer Kultur

Il Guercino - Der ewige Vater (gemeinfrei)

Der heute begangene Weltfrauentag wurde 1911 von kommunistischen Aktivistinnen im Kontext ihres revolutionären Kampfes gegen die Gesellschaftsordnungen Europas eingeführt. Das „Patriarchat“ müsse zerstört werden, weil es Teil eines Systems der Unterdrückung sei.

Tatsächlich jedoch ist das Patriarchat in seiner europäischen Form ein Fundament einer Ordnung, die auf dem Dienst des Mannes am Gemeinwesen in Erweiterung seiner natürlichen Rolle als Vater beruht. Diese Ordnung schuf die Voraussetzungen dafür, dass sich die freiheitlichen Gemeinwesen Europas sowie ihre einzigartigen kulturellen Leistungen entwickeln und behaupten konnten. Wie der Blick in die Geschichte des Kommunismus zeigt, wird die Zerstörung dieser Ordnung keine freiere und gerechtere Welt schaffen.

Der Historiker Werner Paravicini hatte in diesem Zusammenhang betont, dass das in westlichen Gesellschaften vorherrschende Ideal der Achtung des Mannes gegenüber der Frau zu den Besonderheiten abendländischer Kultur gehöre und so in keiner anderen Kultur zu finden sei. Die „Gleichberechtigung der Geschlechter“ und die Achtung der Frau sei im 12. Jahrhundert durch das christliche Rittertum „erfunden worden – von den Männern“.1 Die in den USA ansässige katholische Laienorganisation „Knights of Columbus“ hat dieses zeitlose Verständnis der Berufung des Mannes und der darauf beruhenden patriarchalen Ordnung in ihrer kürzlich veröffentlichten Videoserie „Into the Breach“ beschrieben.

Der kommunistische und neomarxistische Kampf gegen das Patriarchat

Der Kampf gegen das Patriarchat war von Beginn an eines der Hauptaktionsfelder kommunistischer Ideologie. Friedrich Engels zufolge sei das Patriarchat historisch mit dem Aufkommen des Privateigentums entstanden. Der erste Klassenkampf in der Geschichte der zwischen Mann und Frau gewesen. Die Zerstörung patriarchaler Ordnung sei eine der Voraussetzungen für die Verwirklichung der kommunistischen Utopie.2

  • Der Weltfrauentag beruht auf dieser Ideologie und wurde erstmals 1911 auf die Initiative von Kommunistinnen wie Clara Zetkin begangen.
  • Im Verständnis feministischer Ideologie, die eine Strömung des Neomarxismus darstellt, sei das Ziel des Weltfrauentags auch gegenwärtig, die „Solidarität mit Frauen, die unter dem Patriarchat leiden“, zu stärken, weil die Welt „patriarchalisch und ungerecht“ sei. Durch die Herstellung von „Ergebnisparität“ solle „Geschlechtergerechtigkeit“ hergestellt werden.
  • Feministische Ideologie strebt zudem die Zerstörung traditioneller Geschlechteridentitäten an, weil diese der anstrebten Gleichheitsutopie im Wege stehe. Die feministische Aktivistin Emilia Roig fordert entsprechend, den Weltfrauentag noch stärker als bisher als „Anti-Patriarchatstag“ zu verstehen, wobei ihre Forderungen totalitäre Dimensionen erreichen. Geschlechterunterschiede seien „historische, soziale, politische Konstrukte“, die vollständig aufzulösen seien.

Wie tief diese aus totalitären Wurzeln stammende, nach Zerstörung der gewachsenen Ordnung und Kultur strebende Ideologie mittlerweile in tragende Institutionen der Gesellschaft eingedrungen ist, zeigten unter anderem aktuelle Äußerungen des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der einen mutmaßlichen „Rückfall in alte Rollenmuster“ und „antifeministische Hetze“ beklagt und dabei Elemente der oben beschriebenen Ideologie aufgreift.

Das Wesen patriarchaler Ordnung

Laut dem Soziologen Steven Goldberg ist das Patriarchat ein System der Organisation von Gesellschaften, in deren Institutionen Männer den Großteil der Positionen in den höheren Hierarchieebenen einnehmen. Patriarchale Ordnung gehöre so wie das Vorhandensein der Institutionen von Ehe und Familie zu den universellen Phänomen menschlicher Kultur. Matriarchale Ordnung habe in keiner Kultur und zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit existiert. Auch die Existenz von Königinnen, etwa in der europäischen Geschichte, ändere daran nichts, weil die Struktur der von ihnen geführten Gemeinwesen immer patriarchal gewesen sei.3

Platon lässt in einem seiner als Dialog verfassten Werke den griechischen General Menon die Grundlagen und das Wesen patriarchaler Ordnung beschreiben. Es sei die Tugend des Mannes, “dass er vermöge, die Angelegenheiten des Staates zu verwalten, und in seiner Verwaltung seinen Freunden wohlzuthun und seinen Feinden weh, sich selbst aber zu hüten, dass ihm nichts dergleichen begegne”.4

Ein wesentliches Element der patriarchalen Ordnung ist die Übernahme physischer Risiken durch Entscheidungsträger- Laut dem Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb verbessert dies die Qualität von Entscheidungen und das Risikomanagement von Entscheidungsträgern deutlich.5. Es war in diesem Sinne lange üblich, dass der Adel militärische Aufgaben übernahm und männliche Adelige sich zu entsprechendem Dienst verpflichtet sahen.

Patriarchale Ordnung als Folge natürlicher Geschlechterunterschiede

Der Anthropologe Johann Jakob Bachofen, der das Konzept des Patriarchats in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals wissenschaftlich erschloss, sprach von „Paternität“, die ein geistiges Prinzip sowohl antiker griechischer Philosophie als auch des Christentums sowie die Grundlage aller europäischen Kulturen darstelle.

  • Eine patriarchale Ordnung entspreche der natürlichen Ordnung und stütze sich auf die Familie, innerhalb der die Frau eine zentrale Rolle spiele, während gesellschaftliche Aufgaben außerhalb der Familie in patriarchalen Kulturen vor allem Aufgabe des Mannes betrachtet würden.
  • Bachofen betonte dabei, dass in abendländischen Kulturen mit dieser Ordnung kein Zwang für Frauen verbunden gewesen sei, sich auf häusliche Rollen zu beschränken. Er verweist auf eine Vielzahl öffentlich wirkender Frauengestalten, zu denen auch die zahlreichen christlichen Märtyrerinnen des Frühchristentums gehört hätten.6

Goldberg zufolge habe der fortschreitende Erkenntnisstand der Naturwissenschaften die Hypothese weiter untermauert, dass patriarchale Ordnung die Folge natürlicher Geschlechterunterschiede zwischen Mann und Frau sei. Bei Männern seien Eigenschaften wie das Streben nach Dominanz und Status, Wettbewerbsorientierung und die Bereitschaft, andere Dinge für die Verfolgung von Zielen außerhalb der eigenen Familie zurückzustellen, deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Dies habe neuro-endrokrinologische Ursachen, die durch politisches Handeln nicht außer Kraft gesetzt werden könnten.7

Patriarchale Ordnung ist zudem nicht die Folge der Unterdrückung der Frau durch den Mann, wie feministische Ideologen meinen, sondern wurde zeit- und kulturübergreifend hinweg von Frauen eingefordert. Auch in modernen westlichen Gesellschaften werden Männer, die nicht willens oder dazu in der Lage sind, eine Rolle als Beschützer und Versorger einer Familie einzunehmen, auch von den meisten Anhängerinnen feministischer Ideologie tendenziell als weniger attraktiv wahrgenommen. Laut dem Evolutionsbiologen Angus John Bateman (der das Bateman-Prinzip formulierte) handele es sich bei den entsprechenden weiblichen Präferenzen und dem Wettbewerb von Männern darum, diesen zu entsprechen, um eine universelle biologische Konstante, die sogar speziesübergreifend nachweisbar sei.8

Die betonte Verachtung, die von feministischer Seite dem Feindbild des „alten weißen Mannes“ entgegengebracht hat, könnte ihre psychische Ursache darin haben, dass diese Männer in den vergangenen Jahrzehnten häufiger in ihrer Rolle als Familienväter sowie als Träger des Gemeinwesens und Hüter der Tradition versagten. Nicht Unterdrückung durch Männer, sondern im Gegenteil deren Schwäche könnte somit das eigentliche Motiv sein, dass Teile des Feminismus bewegt. Diese Annahme wird auch dadurch gestützt, dass die Schärfe feministischer Rhetorik parallel zum Grad der Durchsetzung feministischer Forderungen zunimmt.

Der abendländische Patriarchatsgedanke

Abendländische Patriarchatskonzepte unterscheiden sich deutlich von denen anderer Kulturen, weil sie im Sinne christlicher Weltanschauung den Dienst des Mannes am Nächsten und am Gemeinwesen in Erweiterung seiner natürlichen Rolle als Vater betonen.

Als den Kern des abendländischen Patriarchatsgedankens beschrieb der Historiker Fustel de Coulanges den Gedanken, dass mit der körperlichen und geistigen Stärke des Mannes eine besondere Berufung und verbundene Pflichten verbunden sind. In diesem Konzept ist „der Vater nicht nur der Starke, der beschützt und sich zugleich Gehorsam zu verschaffen imstande ist“. Der Vater sei in diesem Konzept auch „der Priester, der Erbe des Herdes, der Fortsetzer der Ahnen, der Stamm der Nachkommen, der Verwahrer der geheimnisvollen Gebräuche der Kultur und der geheimen Formen des Gebets.“9

Aristoteles beschrieb das Patriarchat als eine hierarchisch strukturierte Ordnung freier Menschen, die er von der Tyrannei abgrenzte. Bei orientalischen Völkern den Persern sei die Herrschaft des Vaters tyrannisch, weil sie den Interessen des Herrschenden diene. Söhne würden hier wie Sklaven behandelt. Im griechischen Denken hingegen habe der Vater eine Pflicht zur Fürsorge für seine Kinder. Politische Herrschaft, die diesem Prinzip folge, diene dem Gemeinwohl und sorge für das Volk, „so wie der Hirte für seine Schafe sorgt“. Das Verhältnis des patriarchalen Herrschers gegenüber den Beherrschten sei eine „väterliche Freundschaft“. Der Vater sei für die Kinder Ursache des Seins und somit des größten Gutes. Er schulde ihnen aufgrund seiner überlegenen Fähigkeiten zudem Fürsorge und Erziehung. Darin liege seine Berufung, die der des Königs gegenüber dem Volk gleiche.10

In der Weltanschauung des Christentums entspricht patriarchale Ordnung der Ordnung des Kosmos, was dadurch unterstrichen wird, dass Gott sich als Mann offenbart hat. Jesus Christus habe in diesem Zusammenhang laut dem katholischen Theologen Heinrich David Vaterschaft vor allem auch durch die Übernahme von Verantwortung definiert und betont, dass es den Vater ausmache, dass er keinen von denen, die ihm anvertraut seien, zugrunde gehen lasse.11

  • Mit dem Blick auf Christus werde deutlich, dass Herrentum „in dem Maße innerlich echt und groß“ sei, als ihm die Fähigkeit und Bereitschaft ehrfürchtigen Dienens innewohnt“. Der Mann sei „in dem Maße Herr und ehrfurchtgebietend, in dem er fähig und bereit ist, ehrfürchtig dem Leben zu dienen. Wahres Herrentum offenbart sich in dem Drang, dem Kleinen zu dienen.“ Herrentum und Dienst gehörten im christlichen Denken untrennbar zusammen. Ein Herrentum „ohne Demut – Dien-Mut – gibt es nicht“. Wer „Herr sein will, muss dienen wollen, muss sich ehrfürchtig zu dem Kleinen, Niedrigen, Hilfsbedürftigen neigen. Wer das nicht will, ist kein Herr.“
  • Vaterschaft sei kein Privileg, sondern ein Auftrag. Der christliche Mann nehme als Vater teil an der göttlichen Vaterschaft. Dies sei die Grundlage seiner Autorität, „und darum nimmt er auch teil an der göttlichen Würde und Macht, die in der Vaterschaft gründet. Aber er muss seine Würde und Macht sichtbar werden lassen in der Bereitschaft zum Dienen.“
  • Alles „Herrentum auf Erden“ müsse „Abbild dieses göttlichen Herrentums sein“. In allem „echten Herrentum“ müssten „die Bereitschaft und der Drang sein, sich der äußeren Würde zu begeben im Dienst am Hilfsbedürftigen, damit die innere Würde und Echtheit umso heller aufleuchtet. In besonderer Weise ist der Mann aufgerufen, dieses göttliche Herrentum darzustellen.“ Eine „Verweigerung des Dienens“ gehe gegen das Wesen des christlichen Mannes. Im „Dienen erst muss sich das Herrentum als echt erweisen, dann erst kann es Ehre beanspruchen.“
  • Echte, auf Gott gegründete Autorität könne man nicht verlieren, und ihre Träger suchten daher auch nicht nach äußeren Zeichen ihrer Bestätigung. Eitelkeit, Stolz und Selbstherrlichkeit seien Offenbarungen mangelnder Männlichkeit. Der „stolze und selbstherrliche Mann ist in Wirklichkeit Mann, weil er nicht Herr ist.“

Das Leben des christlichen Mannes bestehe darin, sich dem göttlichen Urbild anzugleichen und „ein Herr zu werden, also ein Erhalter, Beschützer und Fortsetzer des Lebens und nicht dessen Totengräber.12

Verantwortung als Mann zu übernehmen bedeutet es vor diesem Hintergrund auch, sich des eigenen Erbes bewusst zu sein, für dieses einzutreten und das Gemeinwesen gegen utopische und totalitäre Ideologien zu verteidigen, die dessen Grundlagen zerstören wollen.

Quellen

  1. Werner Paravicini: Die ritterlich-höfische Kultur des Mittelalters, München 2011, S. 28.
  2. Friedrich Engels: Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats, Stuttgart 1894.
  3. Steven Goldberg: Why Men Rule. A Theory of Male Dominance, Chicago/La Salle 1993, S. 14-19.
  4. Friedrich Schleiermacher (Hrsg.): Platons Werke. Zweiten Theiles erster Band, Berlin 1818, S. 343.
  5. Nassim Nicholas Taleb: Das Risiko und sein Preis. Skin in the Game, München 2018.
  6. Johann Jakob Bachofen: Das Mutterrecht: eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur, Stuttgart 1861, S. 151.
  7. Goldberg 1993, S. 64-65.
  8. Angus John Bateman: “Intra-sexual selection in Drosophila“, Heredity, Vol. 2 (1948), S. 349-368.
  9. Fustel de Coulanges: Der antike Staat, Graz 1971, S. 97.
  10. Aristoteles: Nikomachische Ethik, Reinbek bei Hamburg 2006, S. 270-272.
  11. Joh 6,39.
  12. Heinrich David: Über das Bild des christlichen Mannes, Freiburg i. Br. 1953.