COVID-19: Mögliche kulturelle und gesellschaftliche Auswirkungen auf Europa

Michelangelo - Die delphische Sibylle (Wikimedia Commons/gemeinfrei)

Das durch den Trendforscher Matthias Horx gegründete Zukunftsinstitut stellt in einer jetzt veröffentlichten Analyse eine Reihe strategischer Szenarien vor, die mögliche langfristige kulturelle und gesellschaftliche Auswirkungen auf Europa im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie beschreiben. Neben einer verstärkten Hinwendung zum Lokalen und zum Nationalen halten die Trendforscher auch eine wachsende Attraktivität traditioneller Lebensstile für möglich.

Hinwendung zum Lokalen und zur Nation

Drei der vier betrachteten Szenarien beruhen auf der Annahme, dass Menschen und Gesellschaften sich in Folge der Krise verstärkt lokalen und nationalen Strukturen zuwenden könnten:

  • „Die Gesellschaft definiert sich wieder ganz klar als Nation. Denn Sicherheit kann nur gewährleistet werden, indem die Grenzen der Sicherheitszone klar abgesteckt werden. Sie steht an erster Stelle.“
  • „Nearshoring wird mit Blick auf die nationalen Absatzmärkte zu einer auch politisch-ideologischen Prämisse.“
  • „Die Abkehr von der globalen Weltgemeinschaft mündet in eine partikularisierte Wir-Kultur und die vermehrte Bildung von NeoTribes.“
  • „Der Ausfall globaler Handelsketten und das Misstrauen gegenüber bestimmten Herkunftsländern führen zu einer fundamentalen Re-Regionalisierung.“
  • „[I]n regionalen Gemeinschaften erwächst eine Circular Economy mit autonomen Ökosystemen. Konzepte wie Cradle to Cradle oder Postwachstum sind selbstverständlich in den Alltag der Menschen eingebettet – als ebenso gewünschte wie notwendige Praktiken. Die Wirtschaft funktioniert im Regionalen vollkommen autark.“

Es sei jedoch auch möglich, dass verstärkter Zentralismus auf globaler Ebene, eine größere Einflussnahme globaler Organisationen auf lokaler Ebene und stärkere Überwachung der Bürger zu den Folgen der gegenwärtigen Krise gehören könnten.

Hinwendung zu traditionellen Lebensstilen

Mehrere Szenarien beruhen außerdem auf der Annahme, dass postmoderne Lebensstile sich in der Krise als nicht belastbar werden, weshalb traditionelle Lebensstile künftig wieder an Attraktivität gewinnen könnten:

  • „Wer kann, zieht raus aus der Stadt, versorgt sich selbst – und verdient gutes Geld, indem er verarmte Städter mit Lebensmitteln versorgt. Der Trend zum Single-Leben, zu immer kleineren Wohnungen und Co-Living, zur Abhängigkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln und globalen Warenströmen hat die Stadtbevölkerung unselbstständig gemacht. Die urbanen Hipster sind zur prekären Klasse geworden.“
  • „Gemeinschaft wird im Kleinen gesucht, denn im Zuge der Coronakrise ist der Trend zur Post-Individualisierung für eine breitere Masse attraktiv geworden.“
  • „Nachbarschaftshilfe wird großgeschrieben, es existieren feste Strukturen, wie man sich im Krisenfall untereinander helfen kann. Vorräte werden geteilt oder getauscht, auf die Alten und Schwachen wird besondere Rücksicht genommen.“
  • „[T]raditionelle Handwerkstechniken erleben eine Renaissance.“

Weitere Beiträge zu Fragen der kulturellen Resilienz im Zusammenhang mit der COVID-19-Krise finden Sie auf der Themenseite unseres diesbezüglichen Projekts. In diesem Zusammenhang hatte wir auch erste Anzeichen für eine verstärkte Hinwendung zu traditionellen Idealen als Folge der Krise beschrieben.

1 Kommentar

  1. Die Fridays for future Bewegung ist nur eine der blinden Geisterbeschwörungen, die für denkende Menschen so unvernünftig erscheinen. Während sie stur westlich der Oder die Schleifung von Meilern fordern und bewerkstelligen, baut man jenseits der Oder neue Zechen. Wo beleiben die Versuche der Verständigung. Könnten die sich nicht mal in Warschau versammeln. Merken die nicht, dass Hamburg nicht mal der halbe Weg und allein ganz umsonst ist?

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