Ralph Ghadban: Islamische Gegengesellschaften in Deutschland

Rembrandt - Das Gastmahl des Belzasar (gemeinfrei)

Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban war Lehrbeauftragter an der Evangelischen Hochschule Berlin und setzt sich in seiner Arbeit vor allem mit islamischen Parallelgesellschaften in Deutschland auseinander. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Arabische Clans: Die unterschätzte Gefahr“ analysiert er islambezogene Herausforderungen sowie Islamisierungstendenzen in Deutschland.

Ghadban warnt, dass bestehende islamische Parallelgesellschaften sich künftig zu Gegengesellschaften entwickeln könnten, die Staat und Gesellschaft aktiv bekämpfen. Diese seien aufgrund von multikulturalistischer Ideologie unfähig dazu, sich gegen diese Herausforderung zu behaupten.

Islamische Kultur ist in Deutschland nicht integrierbar

Es sei zu kurz gedacht, die Integrationsprobleme von Muslimen auf materielle Faktoren oder Diskriminierung zurückzuführen. Muslime seien in Deutschland vor allem aus kulturellen Gründen kaum integrierbar. Eine günstigere Integrationsperspektive hätten kulturell nicht vom Islam geprägte Muslime, die es unter Türken häufiger gebe als unter Arabern.

Islam und Christentum hätten „vollkommen unterschiedliche Zivilisationsmodelle“ hervorgebracht, die miteinander nicht vereinbar seien. Dies werde auch dadurch belegt, dass der Islam seit seiner Entstehung „unentwegt in Konfrontation mit dem christlichen Europa“ gestanden habe und dass alle Versuche, das Modell des in einem christlich-europäischen Kontext entstandenen demokratischen Nationalstaats auf islamisch geprägte Gesellschaften zu übertragen, gescheitert seien. Die Integration von Muslimen in Europa setze daher deren Assimilation in Form der Aufgabe islamischer Kultur und der Annahme europäischer Kultur voraus.

  • Islamische Kultur erlaube „kein gleichberechtigtes Zusammenleben mit Nichtmuslimen“ und beinhalte einen Herrschaftsanspruch von Muslimen über Nichtmuslime, deren Herrschaft aus islamischer Sicht nur temporär geduldet werden könne. Viele Muslime „lehnen aus religiösen Gründen unser Wertesystem zumeist grundsätzlich ab und arbeiten aktiv daran, es auszuhöhlen, indem sie die demokratischen Freiheiten ausnutzen, um ihr Schariasystem der Unfreiheit durchzusetzen.“
  • Der Stamm bzw. die Großfamilie sei in der islamischen Kultur die Grundeinheit der sozialen Organisation. Aufgrund ihrer tribalen Prägung kenne diese Kultur die Vorstellung des eigenverantwortlichen Individuums nicht, während christliche Kultur den Wert des Individuums und dessen Verantwortung für sein Handeln betone. Das Ziel des selbstkontrollierten Umgangs mit den eigenen Trieben oder die Regulierung des Verhaltens des Einzelnen durch das Gewissen sei islamischer Kultur fremd. Hier erfolge diese Regulierung durch äußeren Druck bzw. durch soziale Kontrolle und Strafen. Wo dieser Druck fehle, würden Muslime stärker als andere Gruppen dazu neigen, gesellschaftliche Normen zu verletzen.
  • Die „Willkommenskultur“ in Deutschland sei für viele Muslime unverständlich, die sich die Tatsache, dass Deutsche unbezahlt für sie arbeiten würden, mit deren Dummheit erklärten und darauf mit Verachtung reagierten. Das Ausnutzen der Naivität und Schwäche von Nichtmuslimen gelte in der islamischen Kultur nicht als verwerflich. Auf die „ständige Öffnung der deutschen Gesellschaft“ würden viele Muslime mit immer weiter eskalierten Forderungen reagieren.

Die zunehmende Ablehnung des Islam durch Deutsche und Europäer sei kein Ergebnis von Rassismus, sondern eine Folge der immer deutlicher hervortretenden Folgen der kulturellen Inkompatibilität des Großteils der Muslime.

Arabische Großfamilien nehmen Deutschland als „Beutegesellschaft“ wahr

Die oben beschriebenen islambezogenen Herausforderungen würden besonders deutlich am Beispiel tribal strukturierter arabischer Großfamilien sichtbar werden. Ghadban hat sich beruflich und wissenschaftlich vor allem mit kurdisch-libanesischen Familien auseinandergesetzt, die der Gruppe der Mhallami-Kurden angehören, die seit 1975 im Zuge des libanesischen Bürgerkriegs nach Deutschland eingewandert waren.

Die Familienstrukturen, auf die sich diese Gruppe im Nahen Osten stütze, hätten ursprünglich dem Schutz vor anderen Gruppen gedient. In Deutschland hätten diese Großfamilien entdeckt, dass ihnen diese Strukturen ermöglichen, als kriminelle Organisationen auf Kosten des Gemeinwohls zu leben:

„Die Großfamilien, bei denen die Verachtung für uns und unsere Werte besonders groß ist, haben die Clankriminalität entwickelt: Sie haben gemerkt, dass in unserer offenen, toleranten Gesellschaft die Menschen als Individuen und autonome Bürger, die das Gewaltmonopol des Staates respektieren, ihnen als aggressiv auftretende Gruppe ausgeliefert sind.“

Die Wahrnehmung, Teil des Gemeinwesens oder dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein, sei solchen Familien fremd. Sie „dachten nur daran, von ihrem Umfeld zu profitieren“, was durch illegale Einwanderung und sonstige Kriminalität sowie den Bezug von Sozialleistungen geschehe. Der öffentliche Raum werde von den Großfamilien allgemein als „ein Gebiet für ihre Raubzüge“ betrachtet:

„Clans verhalten sich in ihrer deutschen Umgebung wie die Stämme in der Wüste: Alles, was außerhalb des Clans liegt, ist Feindesland und frei zu erobern. […] Deutschland wird als Beutegesellschaft betrachtet. […] Bürgersinn fehlt bei den Clans vollständig; wenn sie in die Landschaft blicken, sehen sie Reichtümer, die mehr oder weniger ungesichert herumliegen, und vereinzelte Personen, deren Schutz durch die Staatsgewalt lückenhaft ist.“

Die zentralen Motive der Großfamilien seien es, sich zu bereichern und gleichzeitig ihre Ablehnung des deutschen Staates sowie der deutschen Gesellschaft zu demonstrieren. Die moralischen Vorstellungen dieser Familien würden sich auf den Schutz eigener Interessen beschränken. Die Gesellschaft außerhalb der Familie gelte als „Feindesland, das es zu beherrschen und auszuplündern“ gelte, wobei eigene Interessen erbarmungslos und gnadenlos“ verfolgt würden. In Deutschland fielen Straftäter aus diesen Familien durch das Fehlen jeglicher Empathie für ihre Opfer auf. Die einzige Grenze der Durchsetzung eigener Interessen, die respektiert werde, sei überlegene Gewalt.

Söhne würden zu kriminellem Verhalten erzogen. Nicht alle Angehörigen dieser Familie würden jedoch als Straftäter in Erscheinung treten. Insgesamt würden diese Familien aber ein System darstellen, dass die Verübung solcher Taten begünstige. Untereinander würden diese Familien konkurrieren, gegenüber der sie umgebenden Gesellschaft und dem Staat jedoch zusammenhalten.

Islamisierungstendenzen in Deutschland

Die im Zusammenhang mit der Präsenz arabischer Großfamilien auftretenden Herausforderungen seien Teil einer allgemeinen Islamisierungsproblematik in Deutschland. Unter Muslimen in Deutschland würden auch über die beschriebenen Großfamilien hinaus Islamisierungstendenzen vorherrschen.

  • Vor allem unter arabischen Muslimen in Deutschland seien säkulare Kräfte mittlerweile irrelevant und die größeren Islamverbände seien alle islamistisch ausgerichtet. Versuche, mit diesen Verbänden einen Dialog mit dem Ziel der besseren Integration von Muslimen zu führen, seien bislang dementsprechend fruchtlos verlaufen.
  • In islamistischen Strömungen gebe es keine Basis für ein harmonisches Zusammenleben mit Nichtmuslimen, weshalb deren Handeln zwangsläufig zu Konflikten führen müsse. Das islamische Recht, deren Durchsetzung sie anstrebten, stehe für ein „abweichendes Wertesystem, das sich mehr oder weniger gegen unsere ‚verdorbene‘ Gesellschaft richtet“.

Islamische Organisationen würden eine zweistufige Strategie verfolgen, die zunächst die kulturelle Islamisierung von Muslimen sowie die Schaffung islamischer Parallelgesellschaften anstrebe. Derzeit werde von diesen Organisationen das „Gerüst der Parallelgesellschaft“ und die „Basis für die Islamisierung der Gesellschaftsverhältnisse“ geschaffen. Wenn die Zahl der Muslime in Deutschland künftig ausreichend groß sei, werde es auch Versuche zur Islamisierung der gesamten Gesellschaft mit den Mitteln der Politik geben.

Parallelgesellschaften werden zu Gegengesellschaften

Parallelgesellschaften seien Teilbereiche der Gesellschaft, in denen die Regeln des Staates nicht mehr gelten würden. Arabische Großfamilien seien nur eine von vielen Gruppen islamischer Akteure, die gegenwärtig Parallelgesellschaften in Deutschland aufbauen und ausweiten würden. „Weite Teile“ vor allem „der arabischen Gemeinschaft akzeptieren aus kulturellen und religiösen Gründen die Autorität des Staates nicht, sie wollen ihre eigenen Normen durchsetzen und treten deshalb in Konflikt mit dem Staat“.

  • Vor allem unter jungen Muslimen werde der Islam zunehmend als Gegenidentität zur von ihnen abgelehnten deutschen und europäischen Kultur wahrgenommen. Der Islam bilde für diese Muslime einen „Megastamm“, an dessen Stärke sie teilhaben könnten. Derzeit sei die „Desintegration der dritten und vierten Generation“ von Migranten zu beobachten.
  • Das als erfolgreich wahrgenommene Verhalten arabischer Großfamilien wirke auf Muslime häufig als Vorbild, die über den von den Familien geschaffenen legalen und illegalen Arbeitsmarkt in deren Milieu integriert werde.
  • Von den seit 2015 verstärkt nach Deutschland kommenden irregulären Migranten werde sich ein Großteil ebenfalls in diese Strukturen einfügen. Durch Familiennachzug würden gleichzeitig die Voraussetzungen für die Entstehung neuer Großfamilien geschaffen. Auch die bestehenden problematischen Großfamilien würden durch eine große Kinderzahl und Nachzug stark wachsen.

Die entsprechenden Herausforderungen würden sich in Deutschland künftig daher vervielfachen, weshalb damit zu rechnen sei, dass vorhandene Parallelgesellschaften zu Gegengesellschaften würden, welche die staatliche Ordnung nicht nur ablehnen, sondern aktiv bekämpfen.

Diese Bekämpfung sei bereits jetzt in Form von religiös motivierter Kriminalität zu beobachten, die sich sowohl in Form von religiös legitimierter organisierter Kriminalität gegen Nichtmuslime als auch in Form von islamistischem Terrorismus äußere. Zwischen beiden bestehe eine enge Verbindung und beide seien ein Ausdruck der „Verachtung unserer Rechtstaatlichkeit“.

Staat und Gesellschaft in Deutschland sind unfähig zur Selbstbehauptung

In Deutschland habe sich ein Multikulturalismus durchgesetzt, der Staat und Gesellschaft unfähig zur Selbstbehauptung gegenüber islambezogenen Herausforderungen mache und ständig vor diesen zurückweiche. Multikulturalisten seien „der Hauptfeind ihrer eigenen Kultur“. Deren „Ideologie der „Selbstverleugnung und Selbstaufgabe“ sei der „Hauptgrund für die Lähmung unseres Rechtsstaates“ und der Hauptgrund dafür, dass „Unmengen von Intensivtätern und Wiederholungstätern frei herumlaufen“, von denen „kein einziger hätte entkommen dürfen“. Ghadban kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Kirchen, die eine der treibenden Kräfte bei der Verhinderung von Maßnahmen zur Bekämpfung islambezogener Herausforderungen in Deutschland seien.

Die von multikulturalistischer Ideologie geforderte Gleichbehandlung inkompatibler Kulturen schütze Akteure, die dem Gemeinwohl Schaden zufügen und dieses durch die Schaffung von Parallelgesellschaften untergraben würden. Diese Ideologie behindere außerdem das Vorgehen gegen entsprechende Herausforderungen, indem sie deren kulturelle und religiöse Dimension leugne und deren Ansprache als Ausdruck von Rassismus denunziere. Außerdem betrachte diese Ideologie Fremde bzw. Muslime immer als Opfer, die vor dem deutschen Gemeinwesen zu schützen seien. Die Bewältigung islambezogener Herausforderungen setzte eine Abkehr von multikulturalistischer Ideologie voraus und erfordere zeitnah entschlossenes Handeln.